Schlagwort: Gleichberechtigung

  • Wenn Mütter den Fußballplatz erobern: Ein ungewöhnliches Turnier verändert den Blick aufs Spiel

    Wenn Mütter den Fußballplatz erobern: Ein ungewöhnliches Turnier verändert den Blick aufs Spiel

    Ein gewöhnlicher Sonntagnachmittag? Keineswegs. Auf einem Fußballplatz in Seine-Saint-Denis geschieht etwas, das man so im französischen Amateurfußball nur selten beobachtet: Mütter betreten das Spielfeld, schnüren ihre Schuhe, lachen, rufen sich Kommandos zu – und spielen. Am Rand stehen ihre Kinder, jubeln, feuern an, geben taktische Ratschläge, die irgendwo zwischen Ernst und liebevoller Überforderung pendeln. Die Rollen haben sich verschoben. Und genau darin liegt die Kraft dieses Moments. Was wie ein nettes Freizeitprojekt wirkt, entfaltet bei näherem Hinsehen eine bemerkenswerte soziale Dynamik. Denn dieses Turnier ist mehr als ein Spiel. Es ist ein bewusst gesetzter Impuls gegen Distanz im Alltag, gegen die stillen Grenzen zwischen Generationen, Geschlechtern und sozialen Gruppen. Hier begegnet man sich nicht als Elternteil und Kind, nicht als Organisatorin und Zuschauer, sondern auf Augenhöhe – im wahrsten Sinne des Wortes. Plötzlich steht die Mutter im Mittelpunkt, nicht am Ra…

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  • „Wir geben nichts auf“ – Wie Gisèle Pelicot zur Stimme einer neuen feministischen Bewegung in Frankreich wurde

    „Wir geben nichts auf“ – Wie Gisèle Pelicot zur Stimme einer neuen feministischen Bewegung in Frankreich wurde

    Ein sonniger Sonntagnachmittag in Paris. Zwischen der Place de la République und den großen Boulevards im Osten der Stadt drängen sich Tausende Menschen auf der Straße. Transparente flattern im Wind, Trommeln schlagen einen gleichmäßigen Rhythmus, Sprechchöre hallen durch die Häuserschluchten.

    Es ist der 8. März – der Internationale Tag der Frauenrechte.

    Doch in diesem Jahr liegt eine besondere Spannung in der Luft.

    An der Spitze des Demonstrationszuges steht eine Frau, deren Geschichte Frankreich tief erschüttert hat: Gisèle Pelicot. Als sie kurz das Wort ergreift, sagt sie nur einen einzigen Satz.

    „On ne lâchera rien!“

    Wir geben nichts auf.

    Die Worte dauern kaum einen Augenblick – doch die Reaktion ist überwältigend. Applaus brandet auf, Menschen rufen ihren Namen, manche kämpfen sichtbar mit den Tränen. Für viele Demonstrierende ist ihre Anwesenheit mehr als ein symbolischer Akt. Sie steht für Mut, für Widerstand – und für einen gesellschaftlichen Wandel, der gerade erst begonnen hat.

    Die 73-jährige Pelicot bleibt nur wenige Minuten im Demonstrationszug. An ihrer Seite läuft ihre Tochter Caroline Darian, die sich inzwischen selbst öffentlich gegen sexualisierte Gewalt und sogenannte chemische Unterwerfung engagiert.

    Dann verschwindet Pelicot wieder aus der Menge.

    Aber ihre Worte bleiben.

    Der Demonstrationszug setzt sich gegen halb drei in Bewegung. Gewerkschaften, feministische Initiativen, Studierendenverbände – sie alle haben zum Protest aufgerufen. Familien mit Kindern laufen neben Aktivistinnen, ältere Frauen neben jungen Studierenden.

    Paris zählt an diesem Tag über hunderttausend Demonstrierende. In ganz Frankreich gehen in mehr als hundert Städten Menschen auf die Straße.

    Die Forderungen sind vielfältig: gleiche Bezahlung, besserer Schutz vor Gewalt, mehr politische Aufmerksamkeit für Frauenrechte.

    Doch über allem schwebt an diesem Nachmittag eine Geschichte.

    Die Geschichte von Gisèle Pelicot.

    Über Jahre hinweg wurde sie Opfer eines unfassbaren Verbrechens. Zwischen 2011 und 2020 betäubte ihr damaliger Ehemann sie regelmäßig mit Medikamenten. In diesem Zustand ließ er fremde Männer in die gemeinsame Wohnung kommen, die sie vergewaltigten.

    Mehr als zweihundert Taten dokumentierte die Polizei später auf Videoaufnahmen.

    Pelicot selbst erfuhr erst 2020 davon – als Ermittler das Material auf dem Computer ihres Mannes entdeckten.

    Der Prozess erschütterte Frankreich. Und er löste eine Debatte aus, die weit über den Gerichtssaal hinausging.

    Besonders bemerkenswert: Gisèle Pelicot verzichtete bewusst auf ihre Anonymität. Sie wollte, so erklärte sie, dass nicht länger die Opfer sich verstecken müssen.

    „Die Scham muss die Seite wechseln“, sagte sie damals.

    Dieser Satz verbreitete sich im ganzen Land. Plötzlich tauchte er auf Demonstrationen, in sozialen Netzwerken und auf Transparenten auf.

    Der Haupttäter, ihr Ex-Mann Dominique Pelicot, erhielt schließlich eine Haftstrafe von zwanzig Jahren.

    Doch der Prozess hinterließ mehr als ein juristisches Urteil. Er öffnete vielen Menschen die Augen. Sexualisierte Gewalt, so wurde klar, findet nicht nur in dunklen Gassen statt. Sie kann mitten im Alltag verborgen liegen – hinter scheinbar normalen Türen.

    Gisèle Pelicot selbst wollte nie eine öffentliche Figur sein. Kein politisches Symbol, keine Ikone.

    Doch genau das ist sie geworden.

    Ihre Haltung im Gerichtssaal, ihre ruhige Entschlossenheit und ihre klare Sprache haben sie zu einer der bekanntesten Stimmen gegen sexualisierte Gewalt gemacht.

    International erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, wurde in Listen einflussreicher Persönlichkeiten aufgenommen und später mit der französischen Ehrenlegion geehrt.

    Dass sie nun bei einer Demonstration zum Frauentag erscheint, besitzt deshalb enorme Symbolkraft.

    Frankreich erlebt seit einigen Jahren eine neue feministische Mobilisierung. Die #MeToo-Bewegung hat auch hier Spuren hinterlassen, doch lange blieb das Land gegenüber radikaleren Forderungen ambivalent.

    Der Pelicot-Prozess hat diese Haltung verändert.

    Plötzlich sprechen Menschen offener über Gewalt, über Machtstrukturen, über Verantwortung.

    Auf Demonstrationen tauchen Slogans auf wie „Wir sind alle Gisèle“. Und immer wieder derselbe Satz:

    Die Scham muss die Seite wechseln.

    Als sich der Demonstrationszug schließlich durch Paris bewegt, ist Pelicot längst wieder verschwunden. Kein großes Interview, kein langer Auftritt.

    Nur dieser eine Satz.

    Vier Worte.

    Und irgendwie spürt man in der Menge: Genau das reicht.

    Denn manchmal genügt eine Stimme, um eine Bewegung sichtbar zu machen.

    Und manchmal beginnt eine gesellschaftliche Veränderung genau so – mit einem einzigen Satz, der plötzlich durch eine ganze Stadt hallt.

    Autor: C.H.

  • „Quand la République tourne le dos à une part d’elle-même“ — Wenn Frankreich seine eigenen Werte verrät

    „Quand la République tourne le dos à une part d’elle-même“ — Wenn Frankreich seine eigenen Werte verrät

    Sie sind leise. Oft unsichtbar. Und doch allgegenwärtig. Diskriminierungen, die sich nicht laut, sondern mit subtilen Gesten, stummen Blicken, verschlossenen Türen und unausgesprochenen Urteilen Bahn brechen. In Frankreich wächst seit Jahren die Zahl der Menschen, die genau solche Erfahrungen machen – weil sie religiös sind. Genauer: weil sie als Muslim:innen wahrgenommen werden. Ein aktueller Bericht der Défenseure des droits schlägt Alarm. Die Diskriminierung aufgrund religiöser Zugehörigkeit nimmt zu. Die Zahlen sind eindeutig – und sie sind besorgniserregend. Jede:r zwanzigste Befragte in einer landesweiten Erhebung berichtete, in den letzten fünf Jahren wegen seiner Religion benachteiligt worden zu sein. Klingt nach wenig. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich ein Abgrund: Ein Drittel der Muslim:innen in Frankreich – oder jener, die dafür gehalten werden – erlebt Diskriminierung am eigenen Leib. Vor wenigen Jahren war es noch ein Viertel. Die Kurve zeigt nach oben. Und es tri…

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  • Der vergessene Feiertag der Hälfte der Menschheit – Warum der Weltmännertag mehr braucht als ein müdes Lächeln

    Der vergessene Feiertag der Hälfte der Menschheit – Warum der Weltmännertag mehr braucht als ein müdes Lächeln

    Er kommt leise, fast heimlich. Kein Feuerwerk, kein Hashtag-Hagel, keine PR-Kampagnen großer Marken: Am 3. November ist Weltmännertag. Ein Tag, der – man mag es kaum glauben – tatsächlich existiert. Doch während der Internationale Frauentag am 8. März längst fest im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert ist, bleibt das männliche Pendant ein Phantom im Kalender. Kaum jemand weiß, dass es ihn gibt. Noch weniger wissen, wofür er eigentlich steht.

    Ursprünglich wurde der Weltmännertag im Jahr 2000 von der Andrologie-Abteilung der Universität Wien ins Leben gerufen – initiiert mit Unterstützung der WHO. Das Ziel war nicht, Männer zu feiern, sondern sie zum Nachdenken zu bringen. Es geht um Gesundheit, Prävention, Eigenverantwortung. Ein Tag, um darauf aufmerksam zu machen, dass Männer im Schnitt fünf Jahre früher sterben als Frauen, häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden und deutlich seltener zum Arzt gehen. Ein nüchterner, medizinischer Ansatz – kein Anlass für Blumen oder Geschenke.

    Der gesellschaftliche Blick auf Männer hat sich verändert. Zwischen den Extremen von „toxischer Männlichkeit“ und dem Ringen um neue Rollenbilder ist der Mann selbst zur Debatte geworden. Der Weltmännertag könnte also gerade heute ein Ort der Besinnung sein – jenseits von Macho-Klischees und Opfermythen. Aber er bleibt es nicht.

    Warum eigentlich?

    Vielleicht, weil Männerthemen oft mit einem doppelten Makel behaftet sind: Wer sie anspricht, gilt schnell als rückwärtsgewandt oder empfindlich. In einer Zeit, in der Gleichberechtigung endlich ernst genommen wird, scheint das Nachdenken über männliche Bedürfnisse fast verdächtig. Dabei geht es hier nicht um Konkurrenz, sondern um Balance.

    Denn Männergesundheit ist mehr als die jährliche Prostatavorsorge. Sie ist auch psychisch, sozial, emotional. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Drei von vier Suiziden in Franbkreich und Deutschland werden von Männern begangen. In Beratungsstellen berichten Fachleute von Männern, die nie gelernt haben, über Sorgen zu sprechen – weil Schwäche zeigen „nicht männlich“ sei. Diese Haltung, tief verwurzelt in Generationen von Rollenerwartungen, fordert ihren Preis.

    Der Weltmännertag wäre die Gelegenheit, darüber öffentlich zu reden. Doch stattdessen herrscht Schweigen. Der 3. November bleibt ein stiller Randnotiz-Tag. Vielleicht, weil es schwer ist, Männlichkeit positiv zu definieren, ohne in alte Muster zu verfallen. Vielleicht, weil Männer selbst sich scheuen, über ihre eigenen Probleme zu sprechen. Oder vielleicht, weil wir als Gesellschaft einfach noch keinen Umgang damit gefunden haben, das männliche Selbstbild neu zu erzählen.

    Und doch wäre es dringend nötig.

    Denn das alte Ideal – stark, unverwundbar, versorgend – trägt nicht mehr. Junge Männer suchen nach Orientierung zwischen Leistungsdruck, Selbstoptimierung und der Angst, „nicht genug“ zu sein. Sie sind Väter, Partner, Söhne – und Menschen, die sich fragen, was Männlichkeit heute überhaupt bedeutet.

    Ein Weltmännertag, der diesen Fragen Raum gibt, wäre kein Anachronismus, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Reife. Er könnte Brücken schlagen zwischen Geschlechtern statt Gräben zu vertiefen. Zwischen Körper und Seele, zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

    Vielleicht braucht es dazu gar keine großen Reden. Sondern einfach ehrliche Gespräche. Über Fürsorge statt Funktionieren. Über Zuwendung statt Zynismus. Über Gesundheit – im weitesten Sinne.

    Denn Gleichberechtigung funktioniert nur dann, wenn beide Geschlechter gesund, offen und selbstbewusst in die Zukunft blicken. Der Weltmännertag könnte ein Symbol dafür sein – wenn man ihn denn endlich ernst nimmt.

    Bis dahin bleibt er ein Tag, der still vorbeizieht. Fast unsichtbar.

    Aber vielleicht ist genau das der Moment, um hinzuschauen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Jede dritte Nacht ein Mord: Die erschreckende Bilanz häuslicher Gewalt in Frankreich 2024

    Jede dritte Nacht ein Mord: Die erschreckende Bilanz häuslicher Gewalt in Frankreich 2024

    Eine Zahl, die schwer wiegt. 107 Frauen wurden im Jahr 2024 in Frankreich von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet – das sind fast neun pro Monat, ein Todesfall alle drei Tage. Und es ist eine Zahl, die nicht fällt, sondern steigt: ein Plus von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das belegen die aktuellen Daten des französischen Innenministeriums, die am 31. Oktober veröffentlicht wurden. Was auf den ersten Blick wie eine Statistik erscheint, ist in Wahrheit ein stiller Notstand – mitten in einer westlichen Demokratie, in der Gleichberechtigung längst als gesellschaftlicher Konsens gilt. 138 Tote durch Gewalt in Paarbeziehungen – 107 davon sind Frauen Die nationale Erhebung zu „tödlicher Gewalt innerhalb von Paarbeziehungen“ zählt insgesamt 138 Todesopfer im Jahr 2024. Davon waren 107 weiblich, 31 männlich. In den allermeisten Fällen handelt es sich bei den Tätern um Männer. Die Zahlen zeichnen ein deutliches Bild: Frauen sterben, weil Männer töten – und zwar überwiegend im eigenen …

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  • Der letzte Angeklagte – und die unbeirrbare Stimme von Gisèle Pelicot

    Der letzte Angeklagte – und die unbeirrbare Stimme von Gisèle Pelicot

    Der Saal des Schwurgerichts von Avignon war im Herbst 2024 über Wochen hinweg ein Brennpunkt französischer Justizgeschichte. Ein Prozess, der Maßstäbe setzte – durch sein Ausmaß, seine Dauer und die moralische Wucht, die von ihm ausging. 51 Männer wurden schuldig gesprochen, Gisèle Pelicot zwischen 2011 und 2020 mehrfach vergewaltigt zu haben. Sie war von ihrem eigenen Ehemann, Dominique Pelicot, über Jahre hinweg mit K.-o.-Tropfen betäubt und anschließend von Dutzenden Männern missbraucht worden.Das Urteil: 20 Jahre Haft für Dominique Pelicot – das Maximum. Er akzeptierte die Strafe, sein Schuldspruch ist rechtskräftig. Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende.

    Eine einzige Berufung: das Verfahren von 2025 Von den 51 Verurteilten legten zunächst 17 Berufung ein. Nach und nach zogen jedoch fast alle ihre Anträge zurück – aus Angst vor einer möglichen Verschärfung der Strafen, denn auch die Staatsanwaltschaft hatte einen sogenannten appel incident eingelegt.Am Ende bleibt nur einer ü…

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  • Ein Ranzen voller Gerechtigkeit: Wie Marseille mit kostenlosen Schulmaterialien neue Maßstäbe setzen will

    Ein Ranzen voller Gerechtigkeit: Wie Marseille mit kostenlosen Schulmaterialien neue Maßstäbe setzen will

    Ein Schulanfang ohne Einkaufsstress, ohne stundenlange Materialsuche und ohne leere Geldbeutel – klingt utopisch? In Marseille ist das Realität. Bereits zum dritten Mal in Folge verteilt die südfranzösische Metropole kostenlose Schulmaterialien an sämtliche Kinder ihrer öffentlichen und privaten Vor- und Grundschulen. Rund 92.000 Kinder erhalten pünktlich zum Schulstart 2025 ihre prall gefüllten Kits direkt im Klassenzimmer. Der finanzielle Gewinn für die Familien? Etwa 85 Euro pro Kind – ganz ohne Antrag, ohne Nachweis, einfach so. Bildung als Herzenssache Was als punktuelle Hilfe begann, ist längst ein Grundpfeiler der marseiller Bildungspolitik. Seit dem Amtsantritt 2020 hat die Stadtverwaltung das Thema Bildung zur Budgetpriorität erklärt – mit konkreten Folgen: Fast 7 Millionen Euro fließen allein in diese Aktion. Ziel ist nicht weniger als ein struktureller Wandel. Gleiche Startbedingungen für alle Kinder, unabhängig vom Einkommen der Eltern – das ist die Leitidee. Deshalb gilt a…

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  • Pride-Parade 2025 in Dijon: Verbot im Stadtzentrum sorgt für Aufruhr

    Pride-Parade 2025 in Dijon: Verbot im Stadtzentrum sorgt für Aufruhr

    Dijon steht am Rande eines gesellschaftlichen Konflikts – und dieser entzündet sich nicht etwa an einem neuen Bauprojekt oder an Verkehrsproblemen, sondern an der Frage: Wer darf wo für was demonstrieren? Denn ausgerechnet die Pride-Parade 2025, ein Symbol für Vielfalt, Sichtbarkeit und Gleichberechtigung, darf nicht durch das Zentrum der Stadt ziehen. Die Entscheidung der Präfektur hat viele vor den Kopf gestoßen – und sie hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Sicherheitsbedenken oder vorgeschobenes Argument? Am 11. Juni veröffentlichte die Präfektur ein offizielles Verbot für den zentralen Teil der Pride-Parade. Begründet wird das mit einer ganzen Palette an Sicherheitsbedenken: Die Teilnehmerzahl sei in den letzten Jahren regelmäßig unterschätzt worden – statt angekündigter 200 marschierten teilweise bis zu 2.500 Menschen mit. 2023 sei es zu gewaltsamen Zwischenfällen und Sachbeschädigungen gekommen. Zudem sei der Samstag im Stadtzentrum ohnehin stark besucht, Familien mit Kindern …

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  • Meer, Mut und Mädchenpower: Wie junge Frauen das maritime Erbe neu gestalten

    Meer, Mut und Mädchenpower: Wie junge Frauen das maritime Erbe neu gestalten

    Strand, Salzwasser, Freiheit – was für viele nur ein Sehnsuchtsort ist, wird für immer mehr junge Frauen zur Bühne für Selbstverwirklichung, Abenteuer und Engagement. Die maritime Welt, jahrzehntelang von Männern dominiert, erlebt eine frische Brise weiblicher Energie. Ob sportlich, politisch oder bildend – junge Frauen setzen Segel in Richtung Gleichberechtigung, Umweltschutz und gesellschaftlicher Wandel.

    Wenn junge Frauen Wellen schlagen – im wahrsten Sinne Nehmen wir Violette Dorange: Mit 23 Jahren umsegelt sie als jüngste Teilnehmerin den Globus bei der berüchtigten Vendée Globe – allein auf hoher See, nur mit sich, dem Wind und den Elementen. Schon mit 15 Jahren überquerte sie den Ärmelkanal in einem winzigen Optimist-Boot – wer macht sowas in dem Alter? Heute steht sie für eine Generation, die sich nicht nur von Wellen tragen lässt, sondern sie selbst erzeugt. Violette ist kein Einzelfall. Die französische Segelvereinigung setzt mit dem Programm „Women Leading & Sailing“ ge…

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  • 80 Jahre Frauenwahlrecht: Der lange Weg zur Selbstverständlichkeit

    80 Jahre Frauenwahlrecht: Der lange Weg zur Selbstverständlichkeit

    Frankreichs verspäteter Triumph: Das Wahlrecht der Frauen bleibt Auftrag und Mahnung

    Am 29. April 1945 schrieben Frankreichs Frauen Geschichte. Zum ersten Mal gingen sie an die Wahlurnen – ein Recht, das ihnen jahrzehntelang verweigert worden war. Und doch trat dieser Moment nicht aus reiner staatsbürgerlicher Großzügigkeit ein, sondern war das Ergebnis zäher Kämpfe, politischer Widerstände und beharrlichen Engagements mutiger Frauen. Wer heute auf diesen Tag zurückblickt, erkennt darin nicht nur einen Meilenstein der Demokratisierung, sondern auch ein Mahnmal der Versäumnisse.

    Dass Frankreich – das sich selbst gern als Wiege der Menschenrechte stilisiert – erst 1945 das Frauenwahlrecht einführte, bleibt eine historische Ironie. Während Neuseeland, Finnland und andere Staaten längst Tatsachen geschaffen hatten, klammerten sich die politischen Eliten in Paris an überkommene Strukturen. Konservative Beharrungskräfte, patriarchale Interessen und eine tiefe Skepsis gegenüber dem politischen Verstand der Frau verhinderten lange, was aus heutiger Sicht selbstverständlich scheint.

    Erst die Erschütterung durch den Zweiten Weltkrieg, der Verlust politischer und moralischer Gewissheiten, öffnete das Fenster der Gelegenheit. In Algier, fernab des besetzten Mutterlandes, unterzeichnete der provisorische Regierungsrat am 21. April 1944 die Verordnung, die den Französinnen endlich gleiche staatsbürgerliche Rechte zusicherte. Ohne den Einsatz einzelner, etwa des kommunistischen Abgeordneten Fernand Grenier, wäre diese späte Wende womöglich noch länger ausgeblieben.


    Das erste Kreuz auf dem Stimmzettel

    Als am 29. April 1945 die Wahllokale öffneten, strömten die Frauen massenhaft herbei. Viele von ihnen hatten in der Résistance ihr Leben riskiert; nun durften sie über die Zukunft ihres Landes mitentscheiden. Ein halbes Jahr später zogen 33 Frauen ins Parlament ein – ein kleiner, symbolträchtiger Anfang.

    Doch der Weg von der Wahlberechtigung zur tatsächlichen Machtbeteiligung erwies sich als lang und steinig. Jahrzehnte lang blieben Frauen im politischen Betrieb eine Minderheit – an den Rand gedrängt oder auf sozialpolitische Nebenbühnen verbannt. Erst die Paritätsgesetze zu Beginn des 21. Jahrhunderts brachten Bewegung in die festgefahrenen Strukturen. Aber auch heute, 80 Jahre nach dem historischen Urnengang, bleibt der Befund ernüchternd: Der Frauenanteil im Parlament liegt bei gut 37 Prozent. Fortschritt ja – Parität nein.

    Man könnte fragen: Warum hält sich diese Schieflage so hartnäckig?


    Demokratie braucht ständige Wachsamkeit

    Die Antwort ist so simpel wie unbequem: Institutionelle Trägheit, kulturelle Vorbehalte und eine bis heute wirksame Vorstellung davon, wer für Macht geschaffen sei, verhindern die echte Gleichstellung. Gesetzliche Vorgaben mögen helfen, doch sie stoßen an ihre Grenzen, solange sich das gesellschaftliche Bewusstsein nicht grundlegend wandelt.

    Das Jubiläum des Frauenwahlrechts mahnt zur Reflexion: Demokratische Rechte sind kein statisches Gut. Sie müssen verteidigt und, wo nötig, neu erstritten werden. Politische Teilhabe ist kein Automatismus, sondern ein permanenter Akt des Wollens und Handelns.

    Man stelle sich nur für einen Moment vor, die Französinnen hätten 1945 auf ihr Recht verzichtet. Welche Richtung hätte die Geschichte genommen?


    Vom Recht zur Selbstverständlichkeit

    Frankreich feiert – zu Recht – 80 Jahre Frauenwahlrecht. Doch ein bloßer Festakt genügt nicht. Der Geist, der damals tausende Frauen an die Urnen trieb, sollte auch heute Leitstern sein: Nicht das Erreichte genügt, sondern das Erreichbare verpflichtet.

    Frauen in der Politik dürfen keine Ausnahmeerscheinung sein – sondern Ausdruck einer Demokratie, die ihren eigenen Ansprüchen gerecht wird. Dafür braucht es nicht nur Gesetze, sondern einen Mentalitätswandel. Einen Wandel, der die Stimme der Frau nicht als Randnotiz, sondern als unverzichtbaren Bestandteil demokratischer Wirklichkeit begreift.

    Die Französinnen des Jahres 1945 wussten: Wer wählt, übt Macht aus.

    Diese Lektion bleibt, auch 80 Jahre später, hochaktuell.

    Von Catherine H.

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