Die Lage auf der Halbinsel Cap Ferret hat sich in der Nacht zum Freitag dramatisch zugespitzt. Der sich rasch ausbreitende Waldbrand zwang die Behörden zu einer Maßnahme, die selbst in einer feuererprobten Region außergewöhnlich wäre: Die gesamte Halbinsel soll schrittweise geräumt werden. Neben der einzigen Straßenverbindung kommt erstmals in großem Umfang auch der Wasserweg über das Bassin d’Arcachon zum Einsatz.
Zwischen 7 und 10 Uhr richteten die Behörden am Freitagmorgen einen maritimen Pendelverkehr ein. Von den Anlegestellen Grand Piquey, Le Canon, Port de la Vigne und Bélisaire brachten Schiffe Bewohner und Urlauber auf die gegenüberliegende Seite des Beckens nach Arcachon. Bereits am frühen Morgen erreichten mehrere Hundert Menschen auf diesem Weg das sichere Ufer.
Die Evakuierung über das Wasser wirkt auf den ersten Blick spektakulär, spielt sich jedoch innerhalb des geschützten Bassin d’Arcachon ab. Trotzdem verdeutlicht sie den Ernst der Lage. Cap Ferret besitzt mit der RD106 lediglich eine einzige Straßenverbindung zum Festland. Im Hochsommer gerät diese ohnehin regelmäßig an ihre Belastungsgrenze. Im Fall eines Großbrandes droht aus der schmalen Zufahrt eine gefährliche Engstelle zu werden, in der jeder Zeitverlust schwerwiegende Folgen haben könnte.
Die Räumung erfolgt deshalb Dorf für Dorf. Von Claouey im Norden bis zur Spitze der Halbinsel erhielten die Bewohner nacheinander die Aufforderung, ihre Häuser, Ferienwohnungen und Campingplätze zu verlassen. Besonders betroffen waren zuletzt die Orte Piraillan, Le Canon, La Vigne und L’Herbe. Wer das Gebiet verlässt, nutzt entweder die Straße in Richtung Bordeaux oder steigt an den vorgesehenen Anlegestellen auf eines der Evakuierungsschiffe um.
Damit die Boote ungehindert verkehren konnten, untersagten die Behörden während der Rettungsaktion den übrigen Schiffs- und Wassersportverkehr im Bassin d’Arcachon. Motorboote, Segelyachten und Jetskis mussten in den Häfen bleiben, damit die Fahrrinnen ausschließlich den Evakuierungsfahrzeugen zur Verfügung standen. So sollte jede Verzögerung vermieden werden.
Die aktuelle Lage zeigt zugleich, wie vorausschauende Notfallplanung Leben retten kann. Nach den verheerenden Waldbränden des Jahres 2022 entwickelten Präfektur, Gemeinden und maritime Behörden einen detaillierten Evakuierungsplan. Genau jene vier Anlegestellen, die damals auf Karten eingezeichnet wurden, bilden nun das Rückgrat der laufenden Rettungsaktion. Was einst als theoretisches Krisenszenario galt, ist innerhalb weniger Jahre bittere Wirklichkeit geworden.
Auslöser für die vollständige Räumung war die Entwicklung des Feuers während der Nacht. Nach Angaben der Behörden durchbrach der Brand gegen ein Uhr eine von der Feuerwehr errichtete Verteidigungslinie. Dadurch rückten die Flammen gefährlich nahe an die dicht bewaldeten Wohngebiete der Halbinsel heran.
Am Freitagmorgen hatte das Feuer bereits rund 8.700 Hektar Wald und Vegetation erfasst. Mehrere Gebäude fielen den Flammen zum Opfer, zudem erlitt ein Feuerwehrmann bei einer Explosion Verletzungen. Der Brand galt weiterhin als außer Kontrolle, während Hunderte Einsatzkräfte unermüdlich gegen die Ausbreitung kämpften.
Für die Menschen vor Ort zählt in diesen Stunden vor allem eines: rechtzeitig in Sicherheit zu gelangen. Viele verließen ihre Unterkünfte mit wenigen persönlichen Gegenständen, ohne zu wissen, wann sie zurückkehren dürfen. Die kleinen Häfen, an denen sonst Ausflugsboote, Austernkähne und Urlauber das Bild prägen, verwandelten sich innerhalb weniger Stunden in zentrale Knotenpunkte einer groß angelegten Evakuierung. Das sonst so friedliche Ferienparadies am Bassin d’Arcachon zeigt eindrucksvoll, wie schnell die Natur vertraute Landschaften in ein Krisengebiet verwandeln kann.
Von C. Hatty
