Schlagwort: Gesundheit

  • Frankreich: Parkgebühren am Krankenhaus – Schluss mit der Abzocke?

    Frankreich: Parkgebühren am Krankenhaus – Schluss mit der Abzocke?

    Parkplatzsuche, volle Parkhäuser, steigende Tarife – der Besuch eines Krankenhauses ist für viele schon belastend genug. Wenn dann noch happige Parkgebühren dazukommen, hört der Spaß endgültig auf. In Frankreich regt sich nun Widerstand gegen diese stille Kommerzialisierung: Eine Gesetzesinitiative will den Zugang zu Krankenhausparkplätzen künftig kostenlos machen. Ein kleiner Vorstoß mit großer Signalwirkung. Ein Phänomen macht Schule In den letzten Jahren hat sich ein Trend breitgemacht: Öffentliche Krankenhäuser verlangen Gebühren fürs Parken – mal dezent, mal dreist. Beispiele gefällig? Am CHU Nancy gibt es zwar 30 Minuten umsonst. Danach allerdings kostet die erste Stunde 6 Euro, zwei Stunden schlagen mit 18 Euro zu Buche – und wer drei Stunden bleibt, ist satte 30 Euro los. In Amiens ist das Prinzip ähnlich: Ein halbes Stündchen für alle gratis, vier Stunden nur bei Notaufnahme – danach wird’s teuer. In ländlichen Regionen wie der Isère wird die Kritik besonders laut. Patienten, …

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  • Grippe und Covid: Warum jetzt wieder geimpft wird – und wer sich pieksen lassen sollte sollte

    Grippe und Covid: Warum jetzt wieder geimpft wird – und wer sich pieksen lassen sollte sollte

    Zwei Impfungen, ein Ziel: Schutz. Seit Dienstag läuft in Frankreich die gemeinsame Impfkampagne gegen Grippe und Covid-19 – eine Aktion, die besonders jene schützen soll, die ein hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe tragen. Nach einer ungewöhnlich langen und heftigen Grippewelle im vergangenen Winter soll sich das nicht wiederholen. Wer soll sich impfen lassen? Im Grunde alle, die durch Grippe oder Covid ernsthaft erkranken könnten. Dazu gehören laut der französischen Krankenkasse Assurance Maladie Menschen ab 65 Jahren, Schwangere, Personen mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas oder Krebs sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Auch medizinisches Personal und Beschäftigte im Pflege- und Sozialbereich sind aufgerufen, sich impfen zu lassen – ebenso wie Angehörige von besonders gefährdeten Menschen. In Pflegeheimen (Ehpad) und Langzeitpflegeeinrichtungen ist die Impfung ebenfalls ausdrücklich empfohlen. Neu ist: Auch das Umfeld von Säuglingen unter sech…

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  • Sarkozy hinter Gittern: Wie der Ex-Präsident ab dem 21. Oktober in der Haftanstalt Pariser La Santé leben muss

    Sarkozy hinter Gittern: Wie der Ex-Präsident ab dem 21. Oktober in der Haftanstalt Pariser La Santé leben muss

    Ein französischer Ex-Präsident im Gefängnis – das gab es noch nie. Und doch wird Nicolas Sarkozy ab dem 21. Oktober genau dort sein: in der traditionsreichen Pariser Haftanstalt „La Santé“. Fünf Jahre Haft, sofort vollstreckt, trotz Berufung. Die Justiz zeigt Härte. Doch was genau erwartet den 70-Jährigen hinter den Mauern dieser geschichtsträchtigen Einrichtung? Ein Blick auf das juristische Fundament, die möglichen Haftbedingungen – und die offenen Fragen, die über diesem historischen Fall schweben.

    Ein Urteil mit Signalwirkung Am 25. September 2025 verurteilte das Pariser Strafgericht Nicolas Sarkozy wegen „krimineller Vereinigung“ im Zusammenhang mit dem mutmaßlich illegalen libyschen Wahlkampffinanzierungssystem. Fünf Jahre Gefängnis, sofort vollstreckt. Trotz Berufung greift das Urteil unmittelbar – ein seltener Ausnahmefall in Frankreichs Justizgeschichte. Die Schwere der Tat lasse keine andere Wahl, so die Richter. Sarkozys Anwälte können noch auf eine vorläufige Haftverschonu…

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  • Antibiotika am Limit: Wie resistente Bakterien zur globalen Gefahr werden

    Antibiotika am Limit: Wie resistente Bakterien zur globalen Gefahr werden

    Es ist ein schleichendes Drama, das kaum Schlagzeilen macht – aber Millionen Menschenleben kostet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt Alarm: Immer mehr Bakterien entwickeln Resistenzen gegen Antibiotika. Die Medikamente, die einst Wunderwaffen gegen tödliche Infektionen waren, verlieren rapide an Wirksamkeit. Und das liegt auch an uns. Antibiotika haben die moderne Medizin revolutioniert. Lungenentzündungen, Wundinfektionen, Blutvergiftungen – was früher oft ein Todesurteil war, ist heute in vielen Fällen behandelbar. Doch dieser Fortschritt steht auf der Kippe. Der Grund: Wir setzen Antibiotika zu häufig, zu sorglos und oft völlig falsch ein. Nicht nur beim Menschen, sondern auch in der Tierhaltung. Die Folge? Bakterien passen sich an. Und sie tun das schneller, als wir neue Wirkstoffe entwickeln können. Ein Wettlauf gegen die Zeit Im gerade veröffentlichten Jahresbericht der WHO liest sich das wie ein düsteres Protokoll der globalen Gesundheit: Jahr für Jahr steigt die Ant…

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  • Wenn die Apotheke verschwindet – Wie Frankreichs Dörfer um ihre Gesundheit kämpfen

    Wenn die Apotheke verschwindet – Wie Frankreichs Dörfer um ihre Gesundheit kämpfen

    Früher war sie das Herz des Dorfes. Ein Ort, an dem man nicht nur Medikamente bekam, sondern auch Rat, Trost, und immer ein Lächeln. Heute jedoch sind in immer mehr französischen Gemeinden die Türen der einzigen Apotheke geschlossen. Was zurückbleibt, ist mehr als ein leerer Laden – es ist ein Stück verlorene Nähe, ein Symbol für den langsamen Rückzug der Gesundheitsversorgung aus der Fläche. Ein Netz, das löchrig wird Frankreich galt lange als Vorbild für sein dichtes Apothekennetz. Ob Stadt oder Land – kaum ein Bürger musste je weite Wege gehen, um an Medikamente zu gelangen. Doch diese Zeit ist längst vorbei. Zwischen 2007 und 2023 haben rund 4.000 Apotheken ihre Türen geschlossen. Viele davon auf dem Land, wo ohnehin jeder Verlust stärker spürbar ist. Die Gründe sind bekannt, doch sie greifen ineinander wie Zahnräder: wirtschaftlicher Druck, steigende Auflagen, fehlende Nachfolger. Ein Apotheker geht in den Ruhestand – und niemand übernimmt. Eine Kette aus Paris kann oder will das …

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  • Tragödie in Sinceny: Wenn Liebe an Alzheimer zerbricht

    Tragödie in Sinceny: Wenn Liebe an Alzheimer zerbricht

    Ein stilles Haus, eine geschlossene Tür, ein verdächtiges Schweigen. Am Abend des 8. Oktober fand die Polizei im nordfranzösischen Sinceny (Département Aisne) ein älteres Ehepaar tot auf – sie im Wohnzimmer, er im Garten.Was ein friedlicher Lebensabend hätte sein sollen, endete in einem doppelten Drama: Feminzid und anschließender Suizid. Der letzte Abend Nachbarn hatten Alarm geschlagen, weil sie das Paar seit Tagen nicht mehr gesehen hatten. Als die Rettungskräfte eintrafen, lag die 75-jährige Frau reglos auf dem Boden, eine Stichverletzung im Brustbereich. Reanimationsversuche blieben erfolglos.Kurz darauf fanden Gendarmen den Ehemann, 69 Jahre alt, im Garten – tot, offenbar durch eine Schusswaffe.In der Wohnung lag ein Brief. Darin erklärte der Mann seinen Entschluss: Er habe den Tod seiner Frau als „Akt der Erlösung“ gesehen. Sie litt an einer fortgeschrittenen Form von Alzheimer, die Pflege überstieg längst seine Kräfte. Die Ermittler gehen von einem klaren Ablauf aus: Tötung der…

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  • Chikungunya in Antibes: Wenn Mücken zur Gesundheitsbedrohung werden

    Chikungunya in Antibes: Wenn Mücken zur Gesundheitsbedrohung werden

    Antibes, bekannt für seine Strände, seine Altstadt und den Duft von Pinien, steht in diesem Herbst 2025 im Zentrum einer Krise, die niemand so recht auf der Landkarte Frankreichs erwartet hätte: eine nie dagewesene Welle von Chikungunya-Erkrankungen. Mehr als 120 bestätigte Fälle in nur wenigen Wochen – mitten in einer kleinen französischen Mittelmeerstadt. Für die Behörden ein Alarmsignal, das eine Maßnahme auslöste, die man bisher nur aus den Tropen kannte: die größte Mücken-Bekämpfungsaktion, die jemals in Frankreich durchgeführt wurde.

    Ein Szenario, das auf den ersten Blick surreal wirkt. Doch es zeigt, wie nah globale Gesundheitsrisiken inzwischen auch an den Alltag in Europa gerückt sind.


    Vom Einzelfall zum Epizentrum

    Chikungunya – der Name klingt exotisch, stammt aus dem Swahili und bedeutet so viel wie „der gekrümmte Gang“, ein Hinweis auf die starken Gelenkschmerzen, die Betroffene plagen. Übertragen wird das Virus durch Stechmücken der Gattung Aedes, allen voran die berüchtigte Tigermücke.

    Bis vor wenigen Jahren galten autochthone Fälle in Frankreich, also Infektionen ohne Reisehintergrund, als absolute Ausnahme. Doch 2025 markiert einen Wendepunkt: In 38 Städten wurden Infektionen bestätigt, allein in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur mehr als 300. Und Antibes gilt mittlerweile als das Zentrum dieser Ausbreitung – mit über 120 lokalen Fällen, Tendenz steigend.

    Das Problem: Die Mittelmeerküste vereint alle Faktoren, die das Virus begünstigen – warme Temperaturen bis in den Herbst hinein, hohe Mückendichte, dichte Bebauung. Was früher importierte Einzelfälle waren, hat sich in Antibes zu einer lokalen Epidemie entwickelt.


    Die Mückenbekämpfung: ein nächtliches Großmanöver

    Die Antwort der Behörden fiel spektakulär aus. Gemeinsam mit der lokalen Gesundheitsbehörde ARS, der Präfektur und der Stadt Antibes organisiert die EID Méditerranée, zuständig für die Mückenbekämpfung am Mittelmeer, eine Aktion, die an eine logistische Militärübung erinnert.

    • 13 Kilometer Straßenabschnitte wurden behandelt.
    • 38 Wohnanlagen mit Gärten nahmen an der Aktion teil.
    • Zum Einsatz kam ein Insektizid auf Basis von Deltamethrin, das in einem Umkreis von 50 Metern rund um betroffene Wohngebiete versprüht wurde.
    • Alles geschah nachts, zwischen Dienstag und Mittwoch, um Menschen und Haustiere so wenig wie möglich zu belasten.

    Über das Warnsystem FR-Alert und Aushänge wurden die Bewohner informiert: Fenster schließen, Wäsche und Haustiere ins Haus holen, Gemüse aus dem Garten drei Tage lang nicht essen. Wer durch Antibes spazierte, erlebte leere Straßen, während Fahrzeuge der Demoustikation wie geisterhafte Patrouillen durch die Viertel rollten.


    Wirksam, aber nicht endgültig

    Die Aktion klingt beeindruckend – doch reicht sie aus? Experten sind sich einig: Die Mückenbekämpfung ist eine Sofortmaßnahme, aber kein dauerhafter Schutz.

    1. Begrenzte Wirkung: Die Chemie tötet erwachsene Mücken, nicht aber Larven oder Eier. Schon nach wenigen Tagen können neue Populationen schlüpfen.
    2. Umweltfragen: Auch wenn Deltamethrin als sicher gilt, bleibt es ein Insektizid. Risiken für Insektenvielfalt und empfindliche Menschen wie Kinder oder Schwangere sind nicht vollständig ausgeschlossen.
    3. Kosten und Aufwand: Solche großflächigen Operationen sind teuer und logistisch aufwendig. Man kann sie nicht beliebig wiederholen.
    4. Mithilfe von Bürgern: Ohne die Mithilfe der Bevölkerung – das Entfernen von Wasseransammlungen in Blumentöpfen, Regentonnen, Dachrinnen – ist eine solche Maßnahme nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Der unsichtbare Gegner: Klima und Urbanisierung

    Warum gerade jetzt? Eine Erklärung liegt in den klimatischen Bedingungen. Der Sommer 2025 brachte Hitzewellen und langanhaltende Wärme bis in den September hinein. Genau das liebt die Tigermücke: mehr Brutzyklen, längere Aktivität.

    Dazu kommt die Verdichtung der Städte: kleine Gärten, Hinterhöfe, Balkone – ideale Brutplätze in der Gießkanne, im Blumentopfuntersetzer, in vergessenen Eimern. Das urbane Leben selbst wird zum Nährboden für das Virus.


    Brauchen wir einen Strategiewechsel?

    Die Demoustikation von Antibes ist ein deutliches Signal: Frankreich nimmt das Risiko ernst. Doch die Aktion wirkt wie ein Feuerwehrschlauch gegen ein loderndes Feuer – sie löscht die Flammen, nicht aber die Glut.

    Die langfristige Strategie muss umfassender werden:

    • Intensivere Überwachung: Ärzte und Labore müssen Fälle sofort melden, damit gezielt reagiert werden kann.
    • Bürgerbeteiligung: Aufklärungskampagnen, die wirklich im Alltag ankommen – vom Schulgarten bis zur Nachbarschaftsgruppe.
    • Stadtplanung: Mehr Augenmerk auf Wasserabläufe, Begrünung ohne stehende Feuchtigkeit.
    • Forschung und Innovation: Neue Methoden wie Mückenfallen, biologische Kontrolle mit sterilen Männchen oder gentechnische Ansätze stehen längst in den Startlöchern.

    Antibes als Weckruf

    Was bleibt? Antibes ist nicht nur ein lokaler Hotspot. Die Stadt ist ein Weckruf für Frankreich und Europa. Krankheiten, die man lange als „tropisch“ etikettiert hat, sind Teil unserer neuen Realität geworden.

    Die Demoustikation war notwendig – vielleicht die einzige Sofortmaßnahme, um das Virus einzudämmen. Aber sie ist kein Zaubertrick, kein endgültiger Schutz. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, Gesellschaft und Infrastruktur so anzupassen, dass Mücken nicht mehr so leichtes Spiel haben.

    Und vielleicht stellt sich bald die entscheidende Frage: Werden wir lernen, mit diesen neuen Gesundheitsgefahren zu leben – oder rennen wir dem Problem jedes Jahr aufs Neue hinterher?

    Autor: Andreas M. B.

  • Marokkos Jugend erhebt sich: „Wir wollen keine Stadien, wir wollen Krankenhäuser“

    Marokkos Jugend erhebt sich: „Wir wollen keine Stadien, wir wollen Krankenhäuser“

    Seit Mitte September 2025 erlebt Marokko eine Protestwelle, wie sie das Land seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Tausende junge Menschen gehen auf die Straßen, ihre Stimmen hallen von Casablanca bis Tanger, von Fès bis Agadir. Ihr Slogan ist simpel und kraftvoll: „Das Volk will Gesundheit und Bildung.“

    Dieser Satz ist mehr als eine Parole. Er ist ein Weckruf.


    Der Funke von Agadir

    Der Auslöser der Proteste war ein Drama, das die Nation erschütterte: In einem Krankenhaus in Agadir starben acht schwangere Frauen, die für Kaiserschnitte eingeliefert worden waren. Die Familien der Opfer machen das öffentliche Gesundheitssystem verantwortlich – fehlendes Personal, marode Strukturen, Mangel an Medikamenten.

    Ein trauriger, fast schon symbolischer Vorfall, der das Fass zum Überlaufen brachte.

    Die Empörung schlug schnell hohe Wellen. Was lange Zeit nur ein stiller Frust war, bekam plötzlich ein Gesicht, eine Geschichte, einen Auslöser, den niemand ignorieren konnte.


    Eine Bewegung aus der digitalen Welt

    Die Proteste sind nicht das Werk klassischer Parteien oder Gewerkschaften. Sie sind organisch, digital und jung.

    Auf TikTok, Instagram und Discord vernetzen sich Jugendliche, posten Videos, teilen Aufrufe. Der Katalysator trägt einen modernen Namen: GenZ 212 – ein kollektives Sprachrohr einer Generation, die sich selbst „frei“ nennt, ohne Parteibindung, ohne Hierarchie, dafür mit einer klaren Botschaft.

    Allein auf Discord sollen es inzwischen Hunderttausende sein. Junge Stimmen, junges Vokabular, aber mit einer Wucht, die selbst die Regierung nicht überhören kann.


    Von Stadien und Krankenhäusern

    „Wir wollen keine Weltmeisterschaft, wir wollen Krankenhäuser.“

    Dieser Satz, der in den Demonstrationen immer wieder ertönt, zeigt das Kernproblem: ein Missverhältnis zwischen staatlichen Investitionen und den realen Bedürfnissen der Bevölkerung.

    Während Milliarden in die Vorbereitung auf die Fußball-WM 2030 fließen, klagen viele über überfüllte Klassenzimmer, fehlende Ärzte, baufällige Schulgebäude und Krankenhäuser. Der Kontrast könnte größer kaum sein – und er nagt am sozialen Frieden.

    Denn die Botschaft ist klar: Glanzprojekte machen sich gut im Fernsehen, aber sie füllen keine Medikamentenschränke.


    Warum gerade jetzt?

    Ein Leben ohne Perspektive

    Der Frust der Jugend hat auch ökonomische Wurzeln. Über 35 % der 15- bis 35-Jährigen Marokkaner sind arbeitslos. Viele haben studiert, viele haben Abschlüsse – aber keine Jobs. Statt Stabilität gibt es Praktika, befristete Verträge und Warten.

    Für viele bedeutet das: kein eigenes Zuhause, keine finanzielle Sicherheit, kaum Zukunftsperspektiven.

    Ein Staat mit fragwürdigen Prioritäten

    Die Proteste richten sich nicht nur gegen Mängel im Alltag, sondern auch gegen die grundsätzliche Haushaltspolitik. Warum werden Milliarden in Prestigeprojekte investiert, wenn ganze Regionen nicht einmal über eine funktionierende Klinik verfügen?

    Die Wut richtet sich deshalb nicht nur gegen das Kabinett, sondern gegen eine gesamte politische Logik.

    Der Druck einer neuen Generation

    Die Generation Z ist global vernetzt, sie vergleicht. Sie sieht, was Gleichaltrige in Europa oder Asien fordern und erreichen. Transparenz, soziale Sicherheit, funktionierende Schulen und Krankenhäuser.

    Sie will nicht länger warten.


    Die Risiken auf der Straße

    Die Bewegung wirkt kraftvoll, doch sie ist verletzlich.

    Ihre Forderungen sind bislang klar: Gesundheit und Bildung verbessern, die Regierung in die Pflicht nehmen. Aber je länger die Proteste dauern, desto stärker droht eine Radikalisierung.

    Denn was passiert, wenn die Regierung nur kosmetische Maßnahmen verspricht? Wird die Jugend sich mit kleinen Zugeständnissen abspeisen lassen? Oder eskaliert die Lage, wenn Polizei und Sicherheitskräfte härter durchgreifen?

    Schon jetzt berichten Beobachter von Verhaftungen und gewaltsamen Auflösungen von Kundgebungen.

    Die Frage ist: Hört die Politik zu – oder greift sie durch?

    Zwischen Reformchance und Vertrauenskrise

    Für die Regierung ist die Lage heikel. Ignoriert sie die Proteste, droht eine tiefe Spaltung zwischen Jugend und Staat. Reagiert sie nur halbherzig, riskiert sie, das Vertrauen vollends zu verlieren.

    Es könnte aber auch eine historische Chance sein: den Protest nicht als Bedrohung, sondern als Anstoß für echte Reformen zu begreifen.

    Gesundheit und Bildung sind nicht nur Forderungen. Sie sind Grundrechte, die den Kitt einer Gesellschaft ausmachen.


    Eine Generation, die nicht mehr schweigt

    Marokkos Jugend tritt aus dem Schatten. Sie ist laut, sie ist digital, sie ist entschlossen.

    „Le peuple veut la santé et l’éducation“ – dieser Satz ist mehr als ein Echo aus den Straßen. Er klingt wie ein Entwurf für einen neuen Gesellschaftsvertrag.

    Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Regierung diese Stimme hört oder ob sie versucht, sie zu übertönen. Doch eins ist klar: Diese Generation hat gelernt, sich Gehör zu verschaffen.

    Und sie wird nicht mehr so leicht verstummen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Neue Welle in Sicht? Frankreich erlebt die Rückkehr des Coronavirus

    Neue Welle in Sicht? Frankreich erlebt die Rückkehr des Coronavirus

    Der Herbst bringt nicht nur fallende Blätter, sondern auch eine neue Bewegung in der Pandemie. Während viele dachten, das Coronavirus sei längst Geschichte, meldet es sich in Frankreich erneut zurück – wenn auch leiser als in den dunklen Monaten der Pandemie. „Es gibt genügend Anzeichen, um von einer 15. Welle zu sprechen“, sagt der Epidemiologe Mircea Sofonea. Das klingt dramatisch – und doch ist die Situation aktuell weniger alarmierend, als der Begriff „Welle“ vermuten lässt. Die Zahlen steigen wieder Ein Blick in die Statistik zeigt: Die Zahl der Infektionen wächst. Zwischen dem 22. und 28. September registrierten Ärztinnen und Ärzte landesweit 2.628 Behandlungen im Zusammenhang mit Covid-19 – ein Plus von knapp 16 Prozent gegenüber der Vorwoche.Besonders Erwachsene und Kinder zwischen zwei und 14 Jahren trugen zu diesem Anstieg bei. Auch in den Notaufnahmen zeigt sich die Entwicklung: Bei Menschen über 75 Jahren stieg die Zahl der Covid-Verdachtsfälle um fast ein Viertel. Das alle…

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  • Hôpital d’Évreux: Bürgerkredit für 22 Betten – ein Hilferuf an den Staat

    Hôpital d’Évreux: Bürgerkredit für 22 Betten – ein Hilferuf an den Staat

    Ein Krankenhaus, das seine Betten über ein „Bürgerdarlehen“ finanziert – klingt das nach Zukunftsmodell oder nach letztem Ausweg? In Évreux, einer Stadt in der Normandie, wagt das Centre hospitalier Eure-Seine (CHES) genau diesen Schritt. Mit einem öffentlichen Aufruf an die Bevölkerung sollen 100.000 Euro zusammenkommen, um 22 dringend benötigte Betten zu ermöglichen. Ein ungewöhnlicher Weg, der gleichermaßen nach Kreativität klingt wie auch Alarmglocken auslöst. Ein Krankenhaus bittet um Kredit Die Rechnung ist klar: 388.000 Euro kostet das Projekt, das zusätzliche Betten, medizinische Geräte und passendes Mobiliar umfasst. 70 Prozent davon trägt das Krankenhaus selbst. Die restlichen 30 Prozent – also rund 100.000 Euro – sollen Bürgerinnen und Bürger beisteuern, nicht als Spende, sondern als verzinste Geldanlage. Ab einem symbolischen Euro kann jeder mitmachen, bis hin zu 10.000 Euro pro Person. Der Deal: 2,8 Prozent Zinsen pro Jahr, über sieben Jahre. Der Startschuss für die Umbaut…

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