Schlagwort: Gesichtserkennung

  • Trump in einer Phase des Stillstands

    Trump in einer Phase des Stillstands

    US-Präsident Donald Trump bevorzugt militärische und diplomatische Erfolge, die schnell, eindeutig und möglichst spektakulär ausfallen. Seine politische Rhetorik lebt von der Vorstellung entschlossener Führung und rascher Ergebnisse. Doch in mehreren internationalen Krisen zeigt sich inzwischen ein anderes Bild: Die anfänglichen Ankündigungen einfacher Lösungen sind einer deutlich komplexeren Realität gewichen.

    Besonders sichtbar wird dies in den Konflikten in der Ukraine und im Gazastreifen. Auch im Umgang mit Iran zeichnet sich zunehmend ab, dass die von Trump erwarteten schnellen Durchbrüche ausbleiben könnten. Was zunächst als Gelegenheit erschien, langwierige Konflikte durch entschlossenes Handeln zu beenden, entwickelt sich zu einer Situation, in der die Vereinigten Staaten auf politische und strategische Grenzen ihrer Einflussmöglichkeiten stoßen.

    Einige Beobachter sehen darin die Folgen einer Überdehnung amerikanischer Ambitionen. Andere argumentieren, dass dahinter ein grundlegendes Missverständnis über die Reichweite amerikanischer Macht steht. Die Vereinigten Staaten verfügen zweifellos über die stärksten Streitkräfte der Welt und sind in der Lage, militärische Ziele nahezu überall auf dem Globus mit hoher Präzision anzugreifen. Schwieriger wird es jedoch, wenn militärische Erfolge in stabile politische Ergebnisse umgewandelt werden sollen.

    Ein enger Mitarbeiter Trumps brachte dieses Dilemma jüngst auf den Punkt. Die Zerstörung von Nuklearanlagen aus der Luft gehöre zu den Fähigkeiten, die die USA nahezu perfektioniert hätten. Die politische Entwicklung in Ländern wie Iran, Russland oder der Ukraine nachhaltig zu beeinflussen, sei dagegen wesentlich schwieriger. Militärische Macht kann Regierungen unter Druck setzen oder Infrastruktur zerstören. Sie kann jedoch selten die komplexen gesellschaftlichen, historischen und politischen Dynamiken eines Landes kontrollieren.

    Gerade darin liegt eine der zentralen Herausforderungen amerikanischer Außenpolitik. Während militärische Operationen oft kurzfristig Wirkung zeigen, erfordern politische Lösungen Geduld, Verhandlungen und die Bereitschaft, mit widersprüchlichen Interessen umzugehen. Diese Prozesse verlaufen selten geradlinig und lassen sich kaum nach einem festen Zeitplan steuern.

    Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus waren die Vereinigten Staaten bereits an nahezu einem Dutzend militärischer Operationen weltweit beteiligt. Dies unterstreicht den anhaltenden Anspruch Washingtons, internationale Entwicklungen aktiv zu beeinflussen. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Lage, dass selbst die mächtigste Nation der Welt nicht jede Krise nach ihren Vorstellungen gestalten kann.

    Für Trump bedeutet dies den Übergang von der Phase schneller Ankündigungen in eine Phase des politischen Stillstands. Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt dort, wo militärische Stärke allein nicht mehr ausreicht und dauerhafte Lösungen nur durch komplexe politische Prozesse erreicht werden können.


    Chinas exportiert den Überwachungsstaat

    China hat in den vergangenen Jahrzehnten ein hochentwickeltes System gesellschaftlicher Kontrolle aufgebaut. Was lange als innenpolitisches Instrument galt, wird inzwischen zunehmend ins Ausland exportiert – mitsamt der dahinterstehenden Ideologie. Besonders in autoritär regierten oder politisch fragilen Staaten stößt Pekings Modell auf Interesse, weil es Regierungen dabei helfen kann, Stabilität zu sichern und politische Kontrolle auszubauen.

    Ein Beispiel dafür sind die Salomonen im Pazifik. Nachdem es dort zu sozialen Spannungen und gewaltsamen Unruhen gekommen war, schloss die Regierung 2022 ein Sicherheitsabkommen mit China. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurden chinesische Polizeibeamte entsandt, um lokale Sicherheitskräfte zu unterstützen. In einem Dorf schlugen sie vor, von allen Bewohnern Fingerabdrücke und Handflächenabdrücke zu erfassen sowie umfangreiche persönliche Daten zu registrieren. Das Konzept orientierte sich am sogenannten „Fengqiao-Modell“, einer Überwachungs- und Kontrollstrategie aus der Mao-Zeit.

    Unter Staats- und Parteichef Xi Jinping erlebt dieses Modell eine Renaissance. Es basiert auf der Idee, gesellschaftliche Konflikte möglichst früh zu erkennen und zu unterbinden. Nachbarn, lokale Funktionäre und Sicherheitsbehörden sollen eng zusammenarbeiten, um potenzielle Probleme bereits im Ansatz zu identifizieren. Kritiker sehen darin ein System gegenseitiger Überwachung, das nicht nur Kriminalität bekämpft, sondern auch politische Abweichungen unterdrückt.

    In China selbst wird die Strategie durch moderne Technologie ergänzt. Millionen Überwachungskameras, oft mit Gesichtserkennung und künstlicher Intelligenz ausgestattet, erfassen Bewegungen im öffentlichen Raum. Hinzu kommen umfangreiche Datenbanken mit biometrischen Informationen wie DNA-Proben, Iris-Scans oder Sprachmustern. Besonders Minderheiten wie die Uiguren in der westchinesischen Region Xinjiang sind von diesen Maßnahmen betroffen.

    Peking präsentiert dieses Sicherheitsmodell als Erfolgsrezept für öffentliche Ordnung. Tatsächlich weist China eine vergleichsweise niedrige Gewaltkriminalität auf. Menschenrechtsorganisationen und westliche Regierungen werfen dem Land jedoch vor, dieselben Instrumente zur Einschränkung von Freiheitsrechten und zur Unterdrückung politischer Opposition einzusetzen.

    Der internationale Export dieses Ansatzes erfolgt nicht nur über Polizeiberater, sondern auch durch Ausbildung, Technologie und Ausrüstung. China hat in den vergangenen Jahren Hunderte Schulungsprogramme für Sicherheitskräfte aus zahlreichen Ländern organisiert. Zudem wurden Überwachungssysteme, Kameras und digitale Kontrolltechnologien an Staaten in Afrika, Asien und Lateinamerika geliefert.

    Auf den Salomonen stieß der Versuch, das Fengqiao-Modell einzuführen, letztlich auf Widerstand. Politiker und Dorfvertreter kritisierten die geplante Datensammlung als Eingriff in lokale Traditionen und persönliche Freiheiten. Konflikte würden dort traditionell durch Dorfälteste und Gemeindeführer gelöst, nicht durch umfassende Überwachung. Nach öffentlicher Kritik wurde das Pilotprojekt gestoppt; biometrische Daten wurden nicht erhoben.

    Der Vorfall zeigt die Grenzen von Chinas Sicherheitsdiplomatie. Während manche Regierungen Pekings Methoden als Mittel zur Stabilisierung ihrer Herrschaft betrachten, stoßen sie in vielen Gesellschaften auf Misstrauen. Die Debatte darüber, wie viel Sicherheit durch Überwachung gerechtfertigt werden kann, dürfte deshalb weit über die Salomonen hinaus an Bedeutung gewinnen.


    WEITERE NACHRICHTEN

    • Israel hat die Kreuzfahrerburg Beaufort im Südlibanon eingenommen – im Rahmen seines umfangreichsten Militäreinsatzes im Land seit Jahrzehnten.
    • Nach Angaben amerikanischer Behörden haben US-Streitkräfte in den vergangenen Wochen Dutzende Handelsschiffe durch die Straße von Hormus geleitet.
    • Die Präsidentschaftswahl in Kolumbien ging gestern in eine Stichwahl. Ein Kandidat der extremen Rechten zog in die nächste Runde ein – ein mögliches Zeichen für einen weiteren Erfolg der rechten politischen Welle in Lateinamerika.
    • Die US-Kampagne gegen Boote vor der Küste Südamerikas hat inzwischen mehr als 200 Menschen das Leben gekostet.
    • Fünf Bergleute, die mehr als eine Woche in einer überfluteten Höhle in Laos eingeschlossen waren, konnten gerettet werden. Zwei weitere Männer werden weiterhin vermisst.
    • In weiten Teilen des Nahen Ostens wurden die Feierlichkeiten zum Opferfest (Eid al-Adha) von Krieg und Konflikten überschattet.

    Christine Macha

  • Frankreich: Innenminister kündigt Untersuchung über Einsatz von Gesichtserkennung durch Polizei an

    Frankreich: Innenminister kündigt Untersuchung über Einsatz von Gesichtserkennung durch Polizei an

    Der französische Innenminister Darmanin reagierte am Montagabend auf die Veröffentlichung von Informationen, denen zufolge sein Ministerium eine Videoüberwachungssoftware einsetzt, die Gesichtserkennung ermöglicht, was in Frankreich verboten ist. Gérald Darmanin kündigte am Montag, dem 20. November, auf dem Sender France 5 an, dass er eine administrative Untersuchung über die Nutzung von Gesichtserkennung durch die Dienststellen des Innenministeriums mittels einer Videoüberwachungssoftware beantragt habe. Der Innenminister reagierte damit auf die Veröffentlichung von Informationen der investigativen Website Disclose, wonach die Polizei eine von der Firma BriefCam entwickelte Videoüberwachungssoftware nutzt, bei der eine der Funktionen die Gesichtserkennung von Personen ermöglicht. „Wir verwenden BriefCam wie andere Software auch, aber auf richterlichen Beschluss“, sagte der französische Innenminister in der Sendung „C à vous“. „Aber“, fügte er hinzu, “ meines Wissens verwenden wir kein…

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  • Frankreich: Gesichtserkennung seit 2015 illegal von Polizei und Gendarmerie eingesetzt

    Frankreich: Gesichtserkennung seit 2015 illegal von Polizei und Gendarmerie eingesetzt

    Die französische Datenschutzbehörde Cnil kündigte am Mittwoch an, „ein Kontrollverfahren“ gegen das Innenministerium einzuleiten, nachdem die investigative Website Disclose Informationen über die ungesetzliche Nutzung von Videoüberwachungssoftware durch die Polizei veröffentlicht hatte.

    Laut den Enthüllungen der investigativen Journalisten des Online-Mediums Disclose am Dienstag, dem 14. November, verwenden die französischen Ordnungskräfte seit 2015 eine Gesichtserkennungssoftware, obwohl dies gesetzlich in Frankreich nicht erlaubt ist. Die Nationale Kommission für Informatik und Freiheiten (Cnil) kündigte am Mittwoch an, ein Kontrollverfahren gegen das Innenministerium einzuleiten.

    Die benutzte Software nennt sich „Video Synopsis“ und ist ein Werkzeug, das mithilfe künstlicher Intelligenz Bilder von Kameras oder Drohnen analysiert und Personen identifiziert. Im Fachjargon spricht man von „algorithmischer Videoüberwachung“. Diese Software wurde von dem israelischen Start-up-Unternehmen Briefcam entwickelt, das heute zum Canon-Konzern gehört.

    Die Informationen unserer Kollegen von Disclose sind, sollten sie sich bewahrheiten, brisant. Disclose behauptet, dass das französische Innenministerium seit 2015, also schon unter François Hollande, nach der Welle islamistischer Anschläge in Paris, und bis heute diese Software ohne echten Rechtsrahmen in Polizei- und Gendarmerieermittlungen eingesetzt haben soll. Die Gesichtserkennung soll in den Abteilungen für öffentliche Sicherheit in den Departements Seine-et-Marne, Rhône, Nord, Alpes-Maritimes und Haute-Garonne, aber auch in sensiblen Abteilungen wie dem Service interministériel d’assistance technique (Siat), der für verdeckte Ermittlungen, Abhörmaßnahmen und die Überwachung der Schwerkriminalität zuständig ist eingesetzt worden sein.

    Dieser Einsatz erfolgte laut Disclose ohne jeglichen Rechtsrahmen. Der Gesetzgeber und die Cnil wurden nicht benachrichtigt „und das war so auch beabsichtigt“, behauptet der Journalist Mathias Destal aus dem Disclose-Team. Die Journalisten beziehen sich auf einen Austausch, der intern schriftlich zwischen mehreren ranghöheren Polizeibeamten aus verschiedenen Abteilungen stattgefunden haben soll. „In diesen Mitteilungen stehe schwarz auf weiß, dass die Software von mehreren Abteilungen verwendet werde, aber, da diese nicht bei der Cnil angemeldet sei, sei es besser, nicht offen darüber zu sprechen…“

    Laut Disclose hätten die betroffenen Abteilungen spezielle Computer für die Gesichtserkennung eingerichtet und diese bei Ermittlungen oder Aufgaben der öffentlichen Ordnung regelmäßig genutzt.

    Der französische Innenminister Darmanin hat in den letzten Monaten mehrfach seine Ablehnung der Gesichtserkennung zum Ausdruck gebracht. „Bin ich für die Gesichtserkennung? Die Antwort ist nein“, erklärte Gérald Darmanin im Oktober 2022 im Senat bei der Prüfung des Sicherheitskonzepts für die Olympischen Spiele 2024.

    Nach Informationen von Disclose soll ein Teil der Polizei und der Gendarmerie schon seit langem dieses Werkzeug genutzt haben, das es ermöglicht, jeden Bürger automatisch zu erkennen.