Schlagwort: gérardmer

  • Wenn der See das Trinkwasser liefern muss: Gérardmer greift erneut auf den Lac de Gérardmer zurück

    Wenn der See das Trinkwasser liefern muss: Gérardmer greift erneut auf den Lac de Gérardmer zurück

    Ausgerechnet in den wasserreichen Vogesen zeigt sich, wie ernst die anhaltende Trockenheit inzwischen geworden ist. Seit dem 12. August 2026 fließt Wasser aus dem Lac de Gérardmer in die Trinkwasserversorgung der Stadt. Der Schritt gilt nicht als Vorsichtsmaßnahme, sondern als notwendige Reaktion auf sinkende Grundwasserreserven.

    Der Grundwasserspiegel an der Quelle Goutte du Chat ist trotz der bereits Anfang Juli eingeführten Wassersparmaßnahmen weiter gefallen. Nach Angaben der zuständigen Régie des Eaux reicht die bisherige Wasserproduktion inzwischen nicht mehr aus, um den täglichen Bedarf der Bevölkerung zu decken. Deshalb läuft erneut die Anlage zur Entnahme von Seewasser an. Das Wasser aus dem Lac de Gérardmer gelangt allerdings nicht ungefiltert in die Leitungen. Es durchläuft eine spezielle Aufbereitung und unterliegt einer kontinuierlichen Kontrolle durch die regionale Gesundheitsbehörde, bevor es als Trinkwasser genutzt wird.

    Für viele Einwohner mag dieser Schritt ungewöhnlich erscheinen. Tatsächlich besitzt Gérardmer jedoch jahrzehntelange Erfahrung mit diesem Verfahren. Die entsprechende Anlage entstand bereits in den 1970er Jahren und dient als Reserve für außergewöhnliche Trockenperioden. In den vergangenen Jahren musste sie immer häufiger in Betrieb genommen werden.

    Bereits während der Hitzesommer 2003, 2015 und 2020 griff die Stadt auf den See zurück. Besonders eindrucksvoll blieb das Jahr 2022 in Erinnerung. Damals dauerte die Entnahme von Anfang August bis weit in den Oktober hinein – eine außergewöhnlich lange Phase, die bereits damals als Warnsignal für den Zustand der Wasserressourcen galt.

    Dass diese Notlösung nun erneut erforderlich ist, zeigt eine Entwicklung, die längst nicht mehr nur den Süden Frankreichs betrifft. Regionen, die traditionell für ihre Niederschläge bekannt sind, spüren inzwischen ebenfalls die Folgen längerer Trockenphasen. Quellen liefern weniger Wasser, Grundwasserstände sinken, während gleichzeitig Haushalte, Tourismus und Landwirtschaft auf eine sichere Versorgung angewiesen bleiben.

    Gerade Gérardmer zieht jedes Jahr zahlreiche Urlauber an. Der See gehört zu den bekanntesten Naturattraktionen der Vogesen und prägt das Bild der Stadt. Dass ausgerechnet dieses Gewässer nun erneut zur Trinkwasserreserve wird, verdeutlicht den Wandel eindrucksvoller als jede Statistik. Wo Besucher normalerweise baden, segeln oder spazieren gehen, sichert das Wasser inzwischen auch die Versorgung der Bevölkerung.

    Die aktuelle Situation unterstreicht, dass sich der Umgang mit Wasser verändert. Sparmaßnahmen allein reichen in manchen Regionen nicht mehr aus, um sinkende Reserven auszugleichen. Technische Lösungen wie die Nutzung von Seewasser verschaffen Zeit, ersetzen jedoch keine dauerhaft stabile Wasserverfügbarkeit. Gérardmer liefert damit ein Beispiel dafür, wie selbst vermeintlich wasserreiche Landschaften zunehmend vor Herausforderungen stehen, die vor wenigen Jahrzehnten noch als Ausnahme galten.

    Autor: C.Hatty

  • Wenn die Hitze steigt, zieht es Frankreich in die Berge

    Wenn die Hitze steigt, zieht es Frankreich in die Berge

    Während in vielen französischen Städten die Rollläden schon am Vormittag heruntergelassen werden und sich Asphalt und Hausfassaden immer weiter aufheizen, erlebt die französische Mittelgebirgswelt einen bemerkenswerten Sommer. Orte, die lange im Schatten berühmter Alpenstationen standen, entdecken plötzlich einen Trumpf, den man früher kaum vermarktete: angenehme Temperaturen.

    Im Jura, in den Vogesen, im Zentralmassiv, im Vercors und in den Voralpen füllen sich Ferienwohnungen, Campingplätze und Hotels. Viele Gäste suchen weder spektakuläre Gipfel noch luxuriöse Wellnessanlagen. Sie wollen schlicht raus aus der Hitze.

    Und vor allem nachts wieder schlafen.

    Plötzlich zählt jedes Grad weniger

    Lange gehörte möglichst viel Sonne zum klassischen französischen Sommerurlaub wie Baguette und Café am Morgen. Doch wenn das Thermometer in den Ebenen oder an der Mittelmeerküste regelmäßig über 35 Grad steigt, verändert sich die Vorstellung vom perfekten Ferienwetter.

    Warum bei 38 Grad durch eine aufgeheizte Altstadt laufen, wenn wenige Stunden entfernt ein schattiger Waldweg bei deutlich angenehmeren Temperaturen wartet?

    Höhenlagen zwischen etwa 800 und 1500 Metern treffen dabei einen Nerv. Tagsüber locken Seen, Wälder und Wanderwege, am Abend sinken die Temperaturen häufig spürbar. Gerade Menschen aus Städten, in denen sogenannte tropische Nächte kaum Abkühlung bringen, empfinden das als Luxus.

    Touristiker reagieren längst darauf. Seen, Wasserfälle, Flüsse und schattige Wälder rücken in Prospekten und Werbekampagnen stärker in den Mittelpunkt. Die Botschaft lautet nicht mehr ausschließlich: Komm zu uns, weil die Berge schön sind. Sie lautet zunehmend: Komm hoch, hier lässt es sich aushalten.

    Orte wie Gérardmer in den Vogesen, Les Rousses im Jura oder Le Mont Dore im Zentralmassiv passen hervorragend zu diesem neuen Urlaubswunsch. Wandern am Morgen, Baden am Nachmittag und später vielleicht ein Abendessen auf einer Terrasse, ohne dass einem dabei gefühlt das Hemd am Rücken klebt – klingt plötzlich ziemlich verlockend.

    Die Wettervorhersage entscheidet mit

    Auch das Buchungsverhalten verändert sich.

    Viele Gäste planen ihren Aufenthalt kurzfristiger und beobachten zuvor die Wetterkarten. Kündigt sich für Lyon, Paris oder den Süden eine längere Hitzeperiode an, steigt das Interesse an höher gelegenen Regionen. Aus dem klassischen, Monate vorher geplanten Sommerurlaub entsteht damit teilweise eine spontane Flucht ins Grüne.

    Für die Mittelgebirgsstationen kommt dieser Trend zur richtigen Zeit.

    Mildere Winter und unsichere Schneeverhältnisse setzen zahlreiche kleinere Skigebiete wirtschaftlich unter Druck. Manche Orte suchen deshalb seit Jahren nach einem neuen Modell. Métabief im Jura etwa setzt stärker auf Angebote jenseits des Winters. Mountainbike, Wandern, Trailrunning, Sommerrodeln und Naturerlebnisse sollen Gäste über mehrere Jahreszeiten verteilen.

    Was früher nach Plan B klang, entwickelt sich zum Zukunftsmodell.

    Vom Schneeurlaub zum Vierjahreszeitenziel

    Die französische Urlaubskarte verschiebt sich damit langsam. Jahrzehntelang galt Sonne beinahe automatisch als Qualitätsmerkmal einer gelungenen Reise. Heute lautet die Frage häufiger: Wie heiß wird es dort eigentlich?

    Die Mittelgebirge besitzen dabei mehrere Vorteile. Sie liegen hoch genug für ein oftmals angenehmeres Klima, bleiben zugleich leichter erreichbar als hochalpine Regionen. Familien finden Seen, Wanderwege und Freizeitangebote, ohne gleich eine Expedition daraus machen zu müssen. Auch die Preise liegen vielerorts unter denen berühmter Ferienorte.

    Doch hinter dem sommerlichen Erfolg steckt ein Widerspruch.

    Ausgerechnet der Klimawandel, der den Wintersport vieler Mittelgebirgsorte bedroht, beschert ihnen nun neue Sommergäste. Das funktioniert allerdings nicht unbegrenzt. Steigende Temperaturen treffen langfristig ebenfalls Wälder, Wasserressourcen und Ökosysteme der Gebirge.

    Vielleicht liegt darin die eigentliche Aufgabe der kommenden Jahre: nicht möglichst viele Menschen möglichst schnell in die Berge zu locken, sondern einen Tourismus aufzubauen, der Natur und lokale Lebensqualität schützt.

    Die Mittelgebirge entdecken jedenfalls gerade einen erstaunlich wertvollen Schatz. Er glitzert nicht, braucht keinen Skilift und passt in keinen Souvenirladen.

    Er fühlt sich einfach gut an, wenn unten im Tal die Hitze flimmert.

    M. Legrand

  • Sommerurlaub in Xonrupt Longemer: Das Vogesendorf, das Frankreich neu entdeckt

    Sommerurlaub in Xonrupt Longemer: Das Vogesendorf, das Frankreich neu entdeckt

    Während an den Mittelmeerstränden im Juli und August kaum noch ein freier Quadratmeter Sand zu finden ist, zieht es immer mehr Franzosen in eine ganz andere Richtung. Statt flirrender Hitze, kilometerlanger Staus und überfüllter Promenaden rücken die Vogesen in den Mittelpunkt der Urlaubsplanung. Mittendrin liegt Xonrupt Longemer – ein beschauliches Bergdorf, das sich still und […]

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Schneegestöber im November: Der frühe Winter lockt Ausflügler in die Vogesen

    Schneegestöber im November: Der frühe Winter lockt Ausflügler in die Vogesen

    Ein weißer Schleier hat sich über Gérardmer gelegt – mitten im November. Die Vogesen zeigen sich in festlichem Kleid, Wochen vor Weihnachten. Und mit dem ersten Schnee beginnt ein Schauspiel, das Jahr für Jahr dieselbe Wirkung entfaltet: Die Menschen strömen hinaus.

    Was für die einen ein Verkehrsproblem ist, bedeutet für die anderen pure Vorfreude. Schon frühmorgens ziehen die Schneepflüge ihre Bahnen durch die Straßen der Kleinstadt, gefolgt von Nachbarn mit Schneeschaufeln – und breitem Grinsen im Gesicht.

    „Das macht was mit den Leuten“, sagt eine Anwohnerin, während sie ihre Einfahrt vom frischen Schnee befreit. „Oft sieht man sich kaum – aber wenn Schnee fällt, trifft man sich beim Schneeschippen.“ Ein einfacher Satz, der viel verrät über den sozialen Kitt, den Schnee manchmal liefern kann.

    Etwa fünf Zentimeter sind in der Nacht gefallen. Und das ist erst der Anfang.

    Weiße Pracht statt Novembergrau

    Nicht nur in den Vogesen, auch in weiten Teilen Frankreichs sorgt das Winterwetter für Aufsehen. Von den Alpen bis zur Normandie melden mehr als 50 Départements Schneefall oder Glätte. Météo-France hat entsprechende Warnungen ausgegeben – nicht ohne Grund. Die Straßenverhältnisse ändern sich von Stunde zu Stunde.

    Doch in Gérardmer überwiegt die Freude. Besonders unter jenen, die lange auf genau diesen Moment gewartet haben. „Endlich!“, sagt ein junger Mann, der mit seinem Van aus Meurthe-et-Moselle angereist ist. „Bei uns in der Nähe von Nancy ist noch alles grün.“ Kaum war Schnee in der Wetterprognose angesagt, hat er kurzerhand Rucksack, Schneeschuhe und Thermoskanne gepackt – und ist losgefahren.

    Wanderlust auf Schneeschuhen

    Zehn Zentimeter Schnee reichen zwar noch nicht für den Skibetrieb – aber für erste Touren durch den Winterwald allemal. „Wir haben nur darauf gewartet“, erzählt ein Pärchen, das auf Schneeschuhen durch den frischen Pulverschnee stapft. „Als wir gehört haben, dass Schnee fällt, war klar: Wir schnappen uns den Bus und sind weg!“

    Diese spontane Schneeliebe zeigt, wie stark das Bedürfnis nach Natur, Bewegung und einer kleinen Flucht aus dem Alltag ist. Gerade wenn die Tage kürzer werden, ist ein bisschen Wintermärchen willkommener Ausgleich zur grauen Routine.

    Nicht alle tanzen im Schnee

    Trotz der Begeisterung gibt es auch skeptische Stimmen. „Für meinen Geschmack kommt der Winter etwas zu früh“, sagt ein älterer Herr und zieht seine Jacke enger. „Ein paar Wochen mehr Herbst wären mir lieber gewesen.“ Und tatsächlich – im Vergleich zu den vergangenen Jahren hat sich der erste Schneefall diesmal früher eingestellt.

    Ob das ein Vorbote für einen langen Winter ist? Niemand weiß es. Aber manche hoffen genau darauf. „Ich wünsche mir einfach mal wieder eine richtige Saison“, meint eine Anwohnerin und blickt erwartungsvoll in den Himmel.

    Ein ganz eigener Zauber

    Was macht diesen frühen Schneefall so besonders?

    Vielleicht ist es der Überraschungseffekt. Der Kontrast zwischen goldenem Herbstlaub und frischem Schnee. Oder das Kindliche, das plötzlich wieder in einem auflebt, wenn die Welt unter einer weißen Decke verschwindet.

    Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Schnee heute nicht mehr selbstverständlich ist. Klimawandel, Temperaturrekorde, trockene Winter – all das nagt am Bild vom klassischen Winter. Wenn dann doch mal Schneeflocken fallen, ist das fast schon ein Ereignis.

    Vorsicht ist trotzdem geboten

    So schön der erste Schnee auch ist – er bringt Herausforderungen mit sich. Glatte Straßen, eingeschränkte Sicht und plötzlich auftretende Frostperioden können riskant sein. Die Behörden mahnen zur Vorsicht, insbesondere in höher gelegenen Regionen. Wer ins Gebirge fährt, sollte passende Ausrüstung und Winterreifen mitbringen – ganz gleich, wie romantisch die weiße Landschaft wirkt.

    Die gute Nachricht: Laut Prognosen bleibt das winterliche Wetter mindestens bis zum Wochenende bestehen. In Gérardmer und Umgebung heißt das: Noch ein paar Tage Winteridylle, bevor vielleicht wieder Tauwetter einsetzt.

    Der erste Schnee – mehr als nur Wetter

    Die ersten Schneeflocken haben eine besondere Kraft. Sie stoppen den Alltag, bringen Menschen zusammen, schaffen Erinnerungen – ob beim Schneeschippen mit dem Nachbarn, bei einer spontanen Tour mit Schneeschuhen oder beim stillen Blick aus dem Fenster.

    Was bleibt? Vielleicht die Erkenntnis, dass Wetter mehr ist als ein Naturphänomen. Es beeinflusst Stimmungen, weckt Erwartungen – und macht selbst den trübsten Novembertag zu etwas Besonderem.

    Autor: C.H.