Schlagwort: Gérard Larcher

  • Wenn man nicht mehr weiterweiss, verbietet man einfach eine Partei

    Wenn man nicht mehr weiterweiss, verbietet man einfach eine Partei

    KOMMENTAR | Frankreichs Demokratie unter Druck

    Wenn der politische Streit zu mühsam wird, wenn die Argumente ausgehen und die Empörung überhandnimmt, dann gibt es offenbar ein letztes Mittel: Man verbietet den politischen Gegner. Zumindest denkt man laut darüber nach. Frankreichs Senatspräsident Gérard Larcher hat nach den Ausschreitungen vom 17. Oktober die Frage aufgeworfen, ob die linke Partei La France insoumise (LFI) verboten werden könnte. Das ist ein bemerkenswerter Vorgang. Nicht weil politische Parteien über dem Gesetz stünden. Sondern weil ausgerechnet ein Repräsentant der Republik mit dem Gedanken spielt, den demokratischen Wettbewerb durch einen staatlichen Verwaltungsakt zu verkürzen.

    Die Demokratie ist kein Schönwetterverein

    Demokratie ist anstrengend. Sie verlangt, Menschen und Parteien auszuhalten, deren Auffassungen man für falsch, gefährlich oder unerträglich hält. Sie verlangt Widerspruch, Streit und manchmal auch die Zumutung, dass der politische Gegner Wahlen gewinnt. Das ist keine Schwäche der Demokratie. Das ist ihr Wesenskern.

    Jean-Luc Mélenchon und seine Bewegung LFI bieten reichlich Anlass zur Kritik. Ihre politische Rhetorik ist häufig schrill, ihre Polarisierung bewusst, ihr Verhältnis zu politischen Institutionen bisweilen widersprüchlich. Aber schlechte politische Manieren sind kein Verbotsgrund. Auch Radikalität ist nicht automatisch Verfassungsfeindlichkeit. Wer diese Unterschiede verwischt, beschädigt genau jene demokratische Ordnung, die er zu verteidigen vorgibt.

    Der Staat darf nicht zum Schiedsrichter politischer Gesinnung werden

    Frankreichs Verfassung schützt in Artikel 4 die freie Bildung und Betätigung politischer Parteien. Das ist keine juristische Höflichkeitsformel, sondern eine fundamentale Sicherung gegen die Willkür staatlicher Macht.

    Gewiss: Eine Demokratie muss sich gegen Organisationen wehren können, die Gewalt propagieren, Menschen bedrohen oder die demokratische Ordnung beseitigen wollen. Sie darf nicht wehrlos sein. Aber zwischen der Bekämpfung konkreter Gewalttaten und dem Verbot einer politischen Partei liegt ein rechtsstaatlicher Abgrund.

    Wer eine Rathausfassade anzündet, muss strafrechtlich verfolgt werden. Wer zu Gewalt aufruft, muss dafür Verantwortung tragen. Doch aus der Schuld einzelner Täter lässt sich nicht ohne Weiteres die Schuld einer ganzen politischen Bewegung konstruieren. Sonst wird aus dem Rechtsstaat ein Verdachtsstaat.

    Die französische Rechtsprechung verlangt für die Auflösung einer Organisation konkrete Tatsachen und eine verhältnismässige Entscheidung. Das ist gut so. Der Staat darf nicht deshalb eine Partei beseitigen, weil ihre Reden provozieren, ihre Anhänger auf die Strasse gehen oder ihre Gegner sie für eine Gefahr halten.

    Wer Verbote fordert, gesteht politische Hilflosigkeit ein

    Besonders bedenklich ist der Zeitpunkt. Frankreich steht vor einer Präsidentschaftswahl, das Vertrauen in die Institutionen schwindet, soziale Konflikte verschärfen sich. Hunderttausende demonstrieren gegen steigende Lebenshaltungskosten und den Verfall öffentlicher Dienstleistungen. Die Gewalt einer Minderheit darf dabei nicht den friedlichen Protest der Mehrheit delegitimieren.

    Gerade jetzt müsste die politische Führung erklären, überzeugen und vermitteln. Stattdessen wird über Parteiverbote und Ausnahmezustand gesprochen. Das ist keine Antwort auf die Krise der Demokratie. Es droht, sie zu verschärfen.

    Ein Parteiverbot beseitigt schliesslich keine politischen Überzeugungen. Es beseitigt allenfalls deren legale Organisationsform. Die Wähler verschwinden nicht, ihre Wut verschwindet nicht, ihre Enttäuschung verschwindet nicht. Im Gegenteil: Wer ihnen ihre politische Vertretung nimmt, riskiert, dass sie sich von der Republik selbst abwenden.

    Gérard Larcher sollte das wissen. Als Präsident des Senats verkörpert er eine Institution, deren Aufgabe es ist, demokratische Kontinuität und rechtsstaatliche Besonnenheit zu gewährleisten.

    Die Stärke einer Demokratie bemisst sich nicht daran, wie schnell sie ihre Gegner verbieten kann. Sondern daran, wie entschlossen sie deren Rechte verteidigt, solange diese die Grenzen des Rechts achten.

    Wer eine Partei politisch besiegen will, muss bessere Argumente haben. Ein Verbotsantrag ist kein Ersatz dafür.

    Daniel Ivers

  • Neue Vermittlungsmission: Parlamentarische Führungsspitze reist nach Neukaledonien

    Neue Vermittlungsmission: Parlamentarische Führungsspitze reist nach Neukaledonien

    Die Präsidentin der französischen Nationalversammlung, Yaël Braun-Pivet, und der Senatspräsident Gérard Larcher haben eine heikle Mission vor sich: Sie reisen nach Neukaledonien, um die festgefahrenen Verhandlungen zwischen Loyalisten und Unabhängigkeitsbefürwortern erneut anzustoßen. Nach sechs Monaten andauernder Gewalt, die bereits 13 Todesopfer forderte und immense Schäden anrichtete, soll das parlamentarische Duo im Auftrag von Premierminister Michel Barnier das Gespräch mit beiden Lagern fördern und Perspektiven für eine gemeinsame Zukunft aufzeigen. Krise in Neukaledonien: Eine wirtschaftliche und politische Herausforderung Neukaledonien steht nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich unter enormem Druck. Neben der Frage des zukünftigen Status der Insel spielt die Nickelindustrie eine zentrale Rolle. Die Ressourcen des Archipels sind von unschätzbarem Wert, und die Nickelproduktion bildet das wirtschaftliche Rückgrat Neukaledoniens. „Alles ist miteinander verbunden“, beto…

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  • Senat und Nationalversammlung rufen zu einem „großen Bürgermarsch“ gegen Antisemitismus in Paris auf

    Senat und Nationalversammlung rufen zu einem „großen Bürgermarsch“ gegen Antisemitismus in Paris auf

    Der Präsident des Senats Gérard Larcher und die Präsidentin der französischen Nationalversammlung Yaël Braun-Pivet äußern sich in einem am Dienstag von der Zeitung „Le Figaro“ veröffentlichten Gastbeitrag besorgt über den Anstieg antisemitischer Vorfälle in Frankreich. Der Präsident des Senats, Gérard Larcher, und die Präsidentin der Nationalversammlung, Yaël Braun-Pivet, haben am Dienstag, dem 7. November, Senatoren und Abgeordnete zu einer Versammlung gegen Antisemitismus am Sonntag aufgerufen, wie France Télévisions von einer parlamentarischen Quelle erfuhr. In einem von der Zeitung Le Figaro veröffentlichten Schreiben zeigten sie sich besorgt über den Anstieg des Antisemitismus in Frankreich und riefen „alle, die sich in den Werten unserer Republik wiedererkennen“ zu einer Versammlung am kommenden Sonntag zwischen dem Palais-Bourbon und dem Palais du Luxembourg in Paris auf. Dieser „große Bürgermarsch“ soll auf die von Innenminister Gérald Darmanin am vergangenen Sonntag im französ…

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