Schlagwort: Georges Clemenceau

  • Wo der Tiger aufs Meer blickte

    Wo der Tiger aufs Meer blickte

    Der Wind kommt vom Atlantik. Er streicht über die Dünen, fährt durch die Sträucher und trägt jenen salzigen Geruch heran, der sofort verrät: Das Meer liegt gleich hinter dem Garten. Hier, in Saint Vincent sur Jard an der Küste der Vendée, verbrachte Georges Clemenceau seine letzten Jahre.

    Ausgerechnet hier.

    Kein Palast, keine herrschaftliche Villa, nicht einmal ein besonders imposantes Haus erwartete den Mann, der Frankreich durch die letzten Jahre des Ersten Weltkriegs geführt hatte. Stattdessen: ein lang gestrecktes Gebäude mit Ziegeldach, ein Garten im Sand und dahinter nichts als der Horizont.

    Clemenceau gefiel diese Bescheidenheit. Seine „Bicoque“ nannte er das Haus, seine kleine Hütte. Manchmal sprach er vom „horizontalen Schloss“.

    Ein bisschen Spott musste sein.

    Zurück in der Vendée

    Als Clemenceau 1920 nach Saint Vincent sur Jard kam, lag ein politisches Leben hinter ihm, das für mehrere Biografien gereicht hätte.

    1841 in Mouilleron en Pareds in der Vendée geboren, war er Arzt, Journalist, Abgeordneter, Senator und schließlich zweimal französischer Regierungschef. Im November 1917 übernahm er erneut die Führung des Landes. Frankreich war vom Krieg erschöpft, doch Clemenceau setzte auf Durchhalten.

    Sein Temperament brachte ihm den Beinamen „Tiger“ ein.

    Nach dem Waffenstillstand vom November 1918 saß er mit am Verhandlungstisch, als Europas politische Landkarte neu gezeichnet wurde. Zwei Jahre später war seine aktive politische Karriere vorbei.

    Und was macht einer, der eben noch über Krieg und Frieden verhandelte?

    Er pflanzt Blumen.

    Ein Garten gegen den Wind

    Die Idee klingt zunächst wenig erfolgversprechend. Clemenceau wollte unmittelbar hinter den Dünen einen Garten schaffen. Der Boden bestand überwiegend aus Sand, der Wind brachte Salz mit, und die Winter behandelten empfindliche Pflanzen nicht gerade zimperlich.

    Doch wer Clemenceau kannte, dürfte über seine Hartnäckigkeit kaum überrascht gewesen sein.

    Er wollte keinen Garten, in dem jedes Blatt strammstand. Keine französische Geometrie, keine Natur auf Kommando. Blumen und Sträucher sollten scheinbar frei wachsen und dabei den Vordergrund für das eigentliche Schauspiel bilden: den Atlantik.

    Clemenceau lebte, wie er selbst sinngemäß schrieb, zwischen Blumen mit dem Meer als Hintergrund.

    Ein schöneres Bühnenbild für einen alten Staatsmann lässt sich schwer erfinden.

    Monet kommt zu Besuch

    Zu den Menschen, die Clemenceau besonders nahestanden, gehörte Claude Monet. Der Maler und der Politiker verbanden Freundschaft, Streitlust und die Liebe zu Gärten.

    Monet besuchte seinen Freund in der Vendée. Man sieht die beiden beinahe vor sich: zwei berühmte alte Herren zwischen Blumen und Dünen, jeder mit seinem eigenen Kopf, während draußen der Atlantik rauscht.

    Worüber sprachen sie?

    Über Kunst vermutlich. Über Politik ganz sicher. Über Pflanzen sowieso.

    Vielleicht bestand gerade darin der Reiz dieser Freundschaft. Der eine malte Licht, Wasser und Seerosen, der andere hatte sein Leben mit Parlamenten, Zeitungen, politischen Gegnern und Kriegen verbracht. Am Ende trafen sie sich im Garten.

    Das Meer vor dem Bett

    Auch im Haus bestimmte der Atlantik den Rhythmus.

    Clemenceau ließ sein Bett erhöhen, damit er vom Schlafzimmer aus über den Garten hinweg zum Meer schauen konnte. In der Nähe stand sein Arbeitstisch. Rund 1.500 Bücher umgaben ihn. Geschichte, Literatur, Philosophie und asiatische Kulturen gehörten zu seinen Leidenschaften.

    Besonders Japan faszinierte ihn. Drucke, Vasen und Kunstgegenstände verliehen der schlichten Unterkunft einen Hauch von Fernost.

    So entstand ein merkwürdiger, wunderbarer Mikrokosmos: draußen die raue Vendée, drinnen Japan, Bücher und Erinnerungen — und vor den Fenstern immer wieder dieses Meer.

    Clemenceau starb 1929 in Paris.

    Sein Haus an der Atlantikküste blieb.

    Heute erzählt es vielleicht mehr über ihn als manches Denkmal. Hier begegnet man nicht zuerst dem „Vater des Sieges“, sondern einem alten Mann, der morgens aufs Meer blickte, Bücher aufschlug, Briefe schrieb und gegen Wind und Salz Blumen pflanzte.

    Das kleine Haus brauchte keine Säulen und keine Marmortreppe.

    Der Atlantik genügte.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Historische Ereignisse an einem 31. Dezember: Ein Blick auf die Welt und Frankreich

    Historische Ereignisse an einem 31. Dezember: Ein Blick auf die Welt und Frankreich

    Der 31. Dezember, bekannt als Silvester, markiert nicht nur den Übergang ins neue Jahr, sondern war auch Schauplatz bedeutender historischer Ereignisse. Werfen wir einen Blick auf einige dieser denkwürdigen Momente weltweit und in Frankreich.

    Weltweite Ereignisse

    • 406 n. Chr.: Völkerwanderung über den Rhein: An diesem Tag überquerten Vandalen, Alanen und Sueben den zugefrorenen Rhein bei Mainz und drangen ins weströmische Gallien ein. Dieses Ereignis gilt als bedeutender Moment in der Völkerwanderung und trug zum Zerfall des Weströmischen Reiches bei.
    • 1600: Gründung der Britischen Ostindien-Kompanie: Königin Elisabeth I. erteilte der Britischen Ostindien-Kompanie das königliche Privileg, Handelsrouten in den Ostindischen Raum zu erkunden. Dies legte den Grundstein für das britische Kolonialreich in Indien. On This Day
    • 1857: Ottawa wird Hauptstadt von Kanada: Königin Victoria bestimmte Ottawa zur neuen Hauptstadt der Provinz Kanada, was den Weg für die spätere Entwicklung der Stadt ebnete.
    • 1879: Edisons erste öffentliche Demonstration der Glühlampe: Thomas Edison präsentierte erstmals öffentlich seine funktionierende Glühlampe und leitete damit eine neue Ära der Beleuchtung ein.
    • 1999: Rücktritt von Boris Jelzin: Der russische Präsident Boris Jelzin trat überraschend zurück und übergab die Amtsgeschäfte an Wladimir Putin, was die politische Landschaft Russlands nachhaltig veränderte.

    Ereignisse in Frankreich

    • 1908: Attentat auf Georges Clemenceau: In Paris gab ein Korse namens Anton Benedetti sechs Schüsse auf das Fenster des Büros von Ministerpräsident Georges Clemenceau ab. Clemenceau blieb unverletzt. Benedetti begründete seinen Anschlag damit, dass Clemenceau eine zuvor erteilte Lotteriebewilligung zurückgezogen habe.
    • 1908: Flugrekord von Wilbur Wright in Le Mans: Wilbur Wright stellte in Le Mans einen Flugweltrekord auf, indem er in 2 Stunden, 25 Minuten und 23 Sekunden eine Strecke von 124,7 Kilometern zurücklegte. Dieser Erfolg markierte einen bedeutenden Fortschritt in der Luftfahrtgeschichte.
    • 1929: Liquidationsabkommen zwischen Deutschland und Frankreich: Im Zuge des Young-Plans schlossen das Deutsche Reich und Frankreich ein Liquidationsabkommen, das finanzielle Fragen zwischen den beiden Ländern regelte.
    • 1944: Ungarn erklärt Deutschland den Krieg: Die ungarische Gegenregierung unter Béla Dálnoki-Miklós erklärte dem Deutschen Reich den Krieg, was die politischen Verhältnisse in Europa während des Zweiten Weltkriegs weiter veränderte.

    Kulturelle Ereignisse

    • 1901: Uraufführung von Tschechows „Drei Schwestern“: In Moskau wurde Anton Tschechows Drama „Drei Schwestern“ erstmals aufgeführt und gilt seither als Meisterwerk der Theaterliteratur.

    Wissenschaftliche Fortschritte

    • 1911: Zweiter Nobelpreis für Marie Curie: Marie Curie erhielt ihren zweiten Nobelpreis, diesmal in Chemie, für ihre Arbeiten zur Radioaktivität. Sie war die erste Person, die zweimal mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.
    • 1963: Erstes gemeinsames Musizieren von Jerry Garcia und Bob Weir: Jerry Garcia und Bob Weir, die späteren Gründungsmitglieder der Grateful Dead, spielten erstmals gemeinsam Musik in Palo Alto, Kalifornien.

    Der 31. Dezember ist somit nicht nur ein Tag des Feierns und des Abschieds vom alten Jahr, sondern auch ein Datum, das in der Geschichte zahlreiche bedeutende Ereignisse verzeichnet. Von politischen Umwälzungen über wissenschaftliche Durchbrüche bis hin zu kulturellen Meilensteinen – dieser Tag spiegelt die Vielfalt menschlicher Errungenschaften und Herausforderungen wider.

  • 20. November: Ein Tag voller historischer Ereignisse

    20. November: Ein Tag voller historischer Ereignisse

    Der 20. November markiert in der Geschichte zahlreiche bedeutende Ereignisse, sowohl weltweit als auch in Frankreich. Ein Blick auf die Geschehnisse dieses Datums offenbart eine Vielfalt an politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen.

    Weltweite Ereignisse am 20. November

    • 1789: New Jersey ratifiziert als erster US-Bundesstaat die Bill of Rights der Vereinigten Staaten. Diese ersten zehn Zusatzartikel zur Verfassung sichern grundlegende Rechte wie Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit.
    • 1815: Der Zweite Pariser Frieden wird unterzeichnet, der die Grenzen Frankreichs auf den Stand von 1790 zurücksetzt und hohe Reparationszahlungen auferlegt. Gleichzeitig erneuern Großbritannien, Preußen, Russland und Österreich die Quadrupelallianz von Chaumont.
    • 1820: Das Walfangschiff Essex wird von einem Pottwal gerammt und sinkt. Dieses Ereignis inspiriert später Herman Melvilles Roman „Moby-Dick“.
    • 1945: Beginn der Nürnberger Prozesse gegen führende Nationalsozialisten wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Diese Prozesse legen den Grundstein für das moderne Völkerstrafrecht.

    Ereignisse in Frankreich am 20. November

    • 1815: Im Zuge des Zweiten Pariser Friedens muss Frankreich Gebiete an die Niederlande abtreten und hohe Reparationsleistungen zahlen. Dies markiert das Ende der Napoleonischen Kriege und leitet die Restauration der Monarchie ein.
    • 1917: Beginn der Schlacht von Cambrai, der ersten großen Panzeroffensive im Ersten Weltkrieg. Die Briten setzen nahe der französischen Stadt Cambrai erstmals in großem Umfang Panzer ein, was die Kriegsführung nachhaltig verändert.
    • 1954: Der französische Ministerpräsident Georges Clemenceau betont vor der Abgeordnetenkammer in Paris, dass die Inventaraufnahme der Kirchen bis zum 12. Dezember abgeschlossen sein soll. Er kündigt an, dass Truppen sich zurückhalten würden, aber bei Angriffen zurückschießen.

    Geburten und Todesfälle am 20. November

    • Geboren: 1906 wird in Frankreich der Politiker und spätere Präsident der Republik, Georges Pompidou, geboren. Er prägt die französische Politik maßgeblich in den 1960er und frühen 1970er Jahren.
    • Gestorben: 1975 stirbt der spanische Diktator Francisco Franco, was den Übergang Spaniens zur Demokratie einleitet.

    Der 20. November ist somit ein Datum, das zahlreiche Wendepunkte in der Geschichte markiert – von politischen Verträgen über militärische Innovationen bis hin zu bedeutenden juristischen Prozessen.