Schlagwort: gendarmen

  • Delphine Jubillar: Die verschwundene Frau – und das zähe Ringen um ihr Bild

    Delphine Jubillar: Die verschwundene Frau – und das zähe Ringen um ihr Bild

    Im Gerichtssaal wird nicht nur ein mutmaßlicher Mord verhandelt. Es geht auch um die Frage: Wer war Delphine Jubillar wirklich? Am zweiten Tag des Prozesses gegen Cédric Jubillar, der des Mordes an seiner Frau beschuldigt wird, trat die verschwundene Frau ins Rampenlicht – nicht physisch, aber durch Worte, Erinnerungen und psychologische Profile. Es war ein Tag, der mehr enthüllte als erklärte. Eine Frau zwischen Licht und Schatten Gleich zu Beginn entfaltete ein Persönlichkeitsgutachter ein vielschichtiges Bild. Delphine, so seine Einschätzung, sei ein Mensch mit verletzlicher Innenwelt gewesen – gezeichnet von einer schwierigen Kindheit, geprägt durch eine psychisch labile Mutter und einen oft abwesenden Vater. Sie habe sich oft „zurückgenommen“, sei „diskret im Angesicht von Schwierigkeiten“ gewesen. Doch das Schweigen, so wurde deutlich, war kein Zeichen von Schwäche. Eher ein Schutzmechanismus – oder eine Maske? Denn hinter dieser Fassade begann sich in den Monaten vor ihrem Vers…

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  • Kommentar: Zerstochenes Boot, zerstochenes Gewissen

    Kommentar: Zerstochenes Boot, zerstochenes Gewissen

    Manchmal muss man Dinge beim Namen nennen.

    Das, was da am Strand von Pas-de-Calais passiert ist, ist keine „Taktik“ und keine „Maßnahme“. Es ist eine Schande. Eine Schande für Frankreich. Eine Schande für Großbritannien. Und, ja, eine Schande für Europa.

    Da stehen Gendarmen, bewaffnet mit Messern, und zerschlitzen ein Schlauchboot. Ein Boot, das ein paar verzweifelten Menschen vielleicht die letzte Hoffnung gegeben hat, das Elend am Rande unserer wohlgeordneten Welt hinter sich zu lassen.

    Man kann das pragmatisch nennen. Abschreckung. Sicherheitsstrategie. Grenzschutz.

    Oder man nennt es bei seinem wahren Namen: Menschenverachtung.

    Frankreich und Großbritannien – und die Lüge von der Zivilisation

    Zwei Staaten, die sich rühmen, Hüter der Menschenrechte zu sein. Die Shakespeare, Rousseau, Newton, Sartre und Simone de Beauvoir hervorgebracht haben. Zwei Staaten, die stolz sind auf ihre Zivilisation, ihre Demokratie, ihre aufgeklärte Rechtsordnung.

    Und doch schaffen sie es nicht, für ein paar Tausend schutzsuchende Menschen an ihren Küsten eine humane Lösung zu finden.

    Kein Wunder, dass europäische Werte im Rest der Welt zunehmend wie ein schlechter Witz klingen.

    Wer ein Boot zersticht, zersticht mehr als Gummi

    Es geht hier nicht nur um ein Boot. Es geht um Würde. Um die Gewissheit, dass ein Mensch nicht behandelt wird wie ein Insekt, das man zertritt, weil es gerade im Weg ist.

    Ja, Migration ist ein Problem. Ja, Schleuser sind ein Problem. Aber wer glaubt, dass Messerstiche in ein Schlauchboot irgendetwas lösen, der hat nicht verstanden, warum Menschen überhaupt fliehen.

    Es ist wie ein Pflaster auf eine platzende Wasserleitung zu kleben – sinnlos, aber man kann sich einreden, etwas getan zu haben.

    Eine menschliche Katastrophe – und ein moralisches Versagen

    Als ich dieses Video sah, spürte ich Scham. Scham, Teil dieses Europas zu sein, das so viel Kraft aufbringt, um Menschen abzuwehren, und so wenig Willen zeigt, ihnen zu helfen.

    Wir reden hier nicht von Millionen. Wir reden von ein paar Schlauchbooten, von Männern, Frauen, Kindern, die den Tod riskieren, weil das Leben, das sie hinter sich lassen, schlimmer ist als jede Welle im Ärmelkanal.

    Und was tun wir? Wir nehmen ihnen auch noch das letzte Boot weg.

    Europa, schau in den Spiegel

    Eines Tages wird man auf diese Epoche zurückblicken und fragen: Wo wart ihr, als sie auf dem Meer starben? Wo wart ihr, als ihre Boote zerstochen wurden? Und wir werden sagen: Wir waren da – mit unseren Messern, unseren Patrouillen, unserer grenzenlosen Gleichgültigkeit.

    Es ist eine Schande. Und sie wird bleiben.

    Ein Kommentar von C. Hatty

  • Zerstochenes Schlauchboot – zerrissene Prinzipien

    Zerstochenes Schlauchboot – zerrissene Prinzipien

    Ein Video genügte.

    Am 5. Juli sah Frankreich, was es lieber nicht sehen wollte: Gendarmen, die mit Messern ein Schlauchboot aufschlitzen. Ein Boot, das offenbar Migranten über den Ärmelkanal hätte bringen sollen. Ort des Geschehens: Pas-de-Calais.

    Die Bilder sind verstörend. Nicht wegen der scharfen Klinge an weichem Gummi. Sondern wegen der Frage, die sie aufwerfen: Wo endet legitime Abschreckung, wo beginnt Unmenschlichkeit?

    Die Taktik der Nadelstiche

    Die französischen Behörden setzen auf Abschreckung.

    Seit Monaten verschärfen sie in Kooperation mit Großbritannien ihre Grenzschutzmaßnahmen. Drohnen, Patrouillen, Sperranlagen – und nun auch durchstochene Boote. Die Logik dahinter klingt einfach: Kein fahrtüchtiges Boot, keine Überfahrt.

    Doch diese Logik kratzt gefährlich am Fundament humanitärer Prinzipien. Denn beschädigte Boote sind nicht immer eindeutig unbrauchbar. Verzweifelte Menschen wagen dennoch den Aufbruch – mit fatalen Folgen.

    Osmose 62: „Eine inhumane Praxis“

    Die Organisation Osmose 62 nennt das Vorgehen inhuman. Sie weist auf die Risiken hin: Sollte ein solches Boot doch zu Wasser gelassen werden, droht der schnelle Untergang. Im Ärmelkanal, bei Wellengang und starker Strömung, endet das oft tödlich.

    Andere Hilfsorganisationen stimmen ein. Sie fordern keine offene Grenze, sondern praktikable, legale Wege für Asylsuchende. Stattdessen sehen sie sich mit einer Sicherheitsstrategie konfrontiert, die Symbolkraft über Menschenwürde stellt.

    Sicherheit als moralischer Drahtseilakt

    Die französische Regierung steht unter Druck. Immer mehr Menschen versuchen, nach Großbritannien zu gelangen. Die Camps in Calais und Dunkerque platzen aus allen Nähten. Schleuser nutzen jede Lücke im System.

    Doch Abschreckung allein schafft keine Lösungen. Sie verlagert nur Probleme. Wer kein intaktes Boot am Strand findet, sucht Schleuser mit schlechterem Material. Wer kein Schlauchboot findet, schwimmt. Jede zerstochene Luftkammer zwingt Menschen, noch riskantere Wege zu gehen.

    Der Preis der Abschreckung

    Niemand bestreitet die Notwendigkeit von Grenzschutz. Doch er darf nicht zur Demütigung Schutzsuchender verkommen. Europas Werte beruhen auf Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde – auch dort, wo sie unbequem sind.

    Hier zeigt sich ein altes Paradox: Je härter ein Staat auftritt, desto größer wird der Markt für kriminelle Netzwerke. Und je gefährlicher der Weg, desto verzweifelter die Menschen, die ihn gehen.

    Es braucht mehr als Messer an Gummibooten

    Die Bilder aus Pas-de-Calais sind ein Spiegel. Sie zeigen, was Europa in der Migrationspolitik geworden ist: entschlossen, aber ratlos. Abschreckend, aber nicht lösungsorientiert. Effizient, aber nicht menschlich.

    Eine nachhaltige Politik wird nicht an der Länge von Messerklingen gemessen, sondern an der Fähigkeit, legale Wege zu eröffnen, ohne die Kontrolle zu verlieren. Wer nur Boote zerstört, zerstört letztlich auch den Glauben an die Werte, die Europa groß gemacht haben.

    Autor: Andreas M. Brucker