Schlagwort: Frost

  • Wenn die Wärme zur Falle wird – warum Obstbauern den Wetterumschwung fürchten

    Wenn die Wärme zur Falle wird – warum Obstbauern den Wetterumschwung fürchten

    Jedes Frühjahr legt sich eine eigentümliche Spannung über Frankreichs Obstgärten und Weinberge. Die Blicke gehen nicht zuerst auf das Thermometer, sondern auf den Himmel, auf die Windstille der Nacht, auf jene trügerischen Tage, an denen die Sonne schon nach April riecht. Paradox klingt das nur auf den ersten Blick: Nicht der große Frost, nicht die klirrende Kälte des Winters treibt den Obstbauern den Schlaf aus den Augen, sondern das milde Intermezzo danach. Der „Redoux“, das plötzliche Aufatmen der Temperaturen, gilt inzwischen als größeres Risiko als der Frost selbst.

    Wer durch die Plantagen der Loire, des Grand Est oder des Südwestens geht, hört dieselbe Geschichte. Früher lag der Winter wie ein fester Deckel über den Bäumen. Die Apfel- und Kirschbäume verharrten in Dormanz, einem physiologischen Winterschlaf, der sie widerstandsfähig machte gegen zweistellige Minusgrade. Heute verläuft diese Ruhephase holprig. Die Winter sind kürzer, wärmer, unstet. Ein paar sonnige Wochen im Februar reichen, und schon regen sich Knospen, als sei der Frühling da. Genau darin liegt die Gefahr.

    Die Agrarwissenschaft spricht vom „falschen Frühling“. Ein Begriff, der fast harmlos klingt, in der Praxis jedoch Ernten vernichtet. Sobald die Vegetation erwacht, verlieren Knospen und Blüten ihre natürliche Kälteresistenz. Was im tiefen Winter minus zehn Grad klaglos übersteht, reagiert im Vorfrühling empfindlich auf minus ein. Dann genügt eine einzige Nacht, um Monate der Arbeit zunichtezumachen. Die Bauern sagen, man stehe „auf einen Grad genau“ an der Kante zwischen Hoffnung und Verlust. Umgangssprachlich formuliert: Ein kleines bisschen kälter – und alles ist im Eimer.

    Diese neue Verletzlichkeit folgt keiner Laune, sondern einer klimatischen Logik. Statistisch nehmen extreme Kälteperioden in Europa ab, das bestätigen Analysen von Organisationen wie AXA Climate. Doch gleichzeitig verschieben sich die biologischen Kalender. Die Pflanzen reagieren auf Wärme, nicht auf den Kalender. Wenn der Februar sich wie März anfühlt, handeln sie entsprechend. Dass der März dann wieder wie Februar zuschlägt, gehört inzwischen zur Normalität. Der Frost verschwindet nicht, er kommt nur zur falschen Zeit.

    Das Frühjahr 2024 lieferte dafür ein Lehrbuchbeispiel. Nach ungewöhnlich milden Wochen, die vielerorts ein frühes Austreiben begünstigten, sanken die Temperaturen nachts auf bis zu minus fünf Grad. In weiten Teilen des Landes brannten in den Obstgärten Kerzen, es roch nach Paraffin und feuchter Erde, und doch reichte der Aufwand vielerorts nicht. Die Schäden trafen Regionen, die sich längst an mildere Winter gewöhnt hatten. Medien wie Europe 1 berichteten von Ernteausfällen, die in manchen Betrieben existenzbedrohend wirkten.

    Dabei liegt die eigentliche Krux weniger im Frost als in seinem Timing. Ein Apfelbaum im tiefen Schlaf hält Kälte aus wie ein Bergsteiger. Ein Apfelbaum in Blüte gleicht dagegen einem Frühaufsteher ohne Mantel. Die zarten Blütengewebe erfrieren rasch, der Fruchtansatz bleibt aus. Für den Landwirt bedeutet das nicht nur weniger Früchte, sondern auch weniger Einkommen, oft über Jahre hinweg. Versicherungen helfen begrenzt, staatliche Hilfen kommen spät, und die Kosten laufen weiter. So einfach ist das.

    Als Antwort auf diese Entwicklung greifen Obst- und Weinbauern zu einem Arsenal an Schutzmaßnahmen, das fast archaisch anmutet. In den Nächten lodern Frostkerzen zwischen den Reihen, Ventilatoren wirbeln die Luft, Wasser wird versprüht, um durch Gefrieren Wärme freizusetzen. Das klingt widersprüchlich, funktioniert physikalisch, kostet jedoch Zeit, Geld und Nerven. Und garantiert nichts. Wer einmal bei minus drei Grad nachts um vier zwischen Bäumen gestanden hat, weiß, dass Technik und Hoffnung oft dünne Verbündete sind.

    Langfristig rückt die Anpassung in den Fokus. Sorten mit später Blüte, längerer Dormanz, robusteren Knospen gelten als Hoffnungsträger. Doch ein Obstbaum wächst nicht über Nacht. Neue Pflanzungen brauchen Jahre, bis sie tragen, und niemand weiß, wie sich das Klima in dieser Zeit weiter verhält. Der Versuch, die Natur auszutricksen, gleicht einem Wettlauf mit beweglichem Ziel. Manche Bauern sagen es trocken: Man plant heute für ein Wetter, das es morgen vielleicht schon nicht mehr gibt.

    Hinzu kommt die psychologische Dimension. Die Unsicherheit frisst sich in die Entscheidungen hinein. Schneidet man früher oder später? Setzt man auf Schutz oder auf Risiko? Jeder milde Wintertag wirkt wie ein Versprechen, das jederzeit gebrochen werden kann. Berichte etwa von Vert zeichnen das Bild einer Branche, die sich zwischen Pragmatismus und Daueralarm bewegt. Cool bleiben, sagen die einen. Aber das sagt sich leicht, wenn der Frost nicht vor der Tür steht.

    Der Redoux, dieses scheinbar freundliche Wetterphänomen, entpuppt sich so als trojanisches Pferd. Er lockt die Bäume aus der Deckung und macht sie verwundbar. In einer sich erwärmenden Welt verschiebt sich nicht nur die Durchschnittstemperatur, sondern die Dramaturgie der Jahreszeiten. Für den Obstbau bedeutet das eine neue Realität, in der weniger das Ob, sondern das Wann über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Das alte Wissen gilt nicht mehr uneingeschränkt, das neue ist noch im Werden.

    Am Ende steht eine einfache, unbequeme Erkenntnis. Der Klimawandel zeigt sich nicht nur in Hitze und Dürre, sondern in den Zwischenräumen, in den Übergängen. Dort, wo Wärme zu früh kommt und Kälte zu spät. Für die Obstbauern Frankreichs liegt genau dort die größte Gefahr. Und vielleicht auch die wichtigste Lehre: Dass das Milde nicht immer das Gute ist, sondern manchmal der Vorbote des Verlusts.

    Autor: C.H.

  • Minus 27 Grad und kälter – wenn der Winter im Osten Frankreichs keine Gnade kennt

    Minus 27 Grad und kälter – wenn der Winter im Osten Frankreichs keine Gnade kennt

    Der Winter klopft nicht höflich an, er tritt die Tür ein. In der Franche-Comté, dieser oft stillen, landschaftlich herben Region im Osten Frankreichs, herrscht seit den frühen Morgenstunden des 5. Januar 2026 ein Kälteregime, das selbst erfahrene Einheimische innehalten lässt. Das Thermometer ist in den Hochlagen des Jura auf Werte gefallen, die man dort kennt, aber nicht jedes Jahr erleben möchte. Minus 27 Grad. Und teils noch darunter.

    In den Senken und sogenannten Combes des Juragebirges, jenen natürlichen Kälteschüsseln, sammelte sich in der Nacht die polare Luft wie Wasser in einer Mulde. Ein zweites „polares Erwachen“, wie es die Météo franc-comtoise nennt, nach dem bereits frostigen Sonntag. Wer früh unterwegs war, hörte den Schnee unter den Schuhen nicht nur knirschen, sondern trocken knacken. Ein Geräusch, das nur große Kälte kennt.

    Besonders hart traf es einige kleinere Orte im Département Doubs. Reculfoz meldete –27,7 Grad, Les Pontets –27,6 Grad, La Chaux exakt –27,0 Grad. Zahlen, die nüchtern wirken, aber eine fast physische Wucht entfalten, wenn man sie spürt. Autos springen nur widerwillig an, Atem gefriert zu kleinen Wolken, und selbst der Himmel scheint spröde.

    Auch andere bekannte Kältepole der Region meldeten eindrucksvolle Werte. Arc-sous-Cicon bei –24,3 Grad, Chapelle-des-Bois knapp darunter, Mouthe –22,3 Grad. Mouthe, dieses Dorf, das in Frankreich fast synonym mit Winterkälte steht, blieb diesmal sogar unter seinen Extremrekorden, was allerdings nur ein schwacher Trost ist. In Pontarlier, Morteau oder Champagnole pendelten die Temperaturen zwischen minus 20 und minus 22 Grad. Kalt genug, um jeden Gedanken an Romantik rasch zu beenden.

    Selbst das nördliche Flachland der Franche-Comté blieb nicht verschont. Felon verzeichnete –14,4 Grad, Luxeuil-les-Bains –14,2 Grad, Vesoul –11 Grad, Belfort-Dorans –10 Grad. Keine Rekorde vielleicht, aber Werte, die das öffentliche Leben verlangsamen. Schulen reagieren, Kommunen streuen, Heizungen laufen auf Anschlag. Man rückt näher zusammen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

    „Solche Temperaturen hat man in den meisten dieser Gegenden seit 2017 oder 2018 nicht mehr gemessen“, erklärt Ylies Ghouil, der Gründer der Plattform Météo franc-comtoise. Er beobachtet seit Jahren die klimatischen Eigenheiten dieser Region, kennt ihre Launen und Extreme. Seine nüchternen Feststellungen wirken wie ein Protokoll, hinter dem sich dennoch Staunen verbirgt.

    Der Blick über die Grenze relativiert und verschärft zugleich. Im schweizerischen La Brévine, dem berüchtigten „Kleinen Sibirien“, sackte das Thermometer auf –30,3 Grad ab. Ein paar Kilometer Luftlinie, ein paar Grad Unterschied, aber meteorologisch derselbe Atemzug arktischer Luft. Die Kälte macht nicht an Landesgrenzen halt.

    In den Städten zeigt sich der Winter von seiner ästhetischen Seite. Im Bregille-Viertel von Besançon überzieht Reif die Bäume wie eine feine Zuckerschicht, Dächer glänzen im ersten Licht des Tages, und die Doubs-Schleife wirkt wie erstarrt. Fotografen sind früh unterwegs, soziale Netzwerke füllen sich mit Bildern, die zwischen Postkartenidylle und ehrfürchtigem Schweigen changieren. Sieht brutal aus, aber auch irgendwie schön – sagen viele. Und frieren dabei.

    Meteorologisch ist dieser Kälteeinbruch das Resultat einer stabilen Hochdrucklage über Nordeuropa, die kontinentale Polarluft nach Westen lenkt. In klaren Nächten ohne Wind kann die Kälte ungehindert ausstrahlen, besonders in Höhenlagen und Senken. Ein bekanntes Muster, aber in dieser Intensität kein Alltagsgast. Der Klimawandel hebt solche Episoden nicht auf, er macht sie seltener, aber nicht unmöglich. Gerade das macht sie so auffällig.

    Der Alltag passt sich an. Landwirte kontrollieren ihre Ställe häufiger, Wasserleitungen werden gesichert, Kommunen öffnen Notunterkünfte. Wer draußen arbeitet, kennt die Regeln: Pausen, Schutzkleidung, Bewegung. Wer drinnen bleibt, hört das leise Arbeiten der Heizung und denkt vielleicht an frühere Winter, an zugefrorene Weiher und Schulwege im Schnee. Damals war mehr Winter, heißt es oft. Heute fühlt er sich zumindest wieder so an.

    Und dann ist da noch dieses spezielle Gefühl, das extreme Kälte mit sich bringt. Sie macht die Welt stiller. Geräusche tragen weiter, Gespräche verkürzen sich, alles wirkt konzentrierter. Kein Smalltalk, sondern Zweckmäßigkeit. Man redet weniger, denkt mehr. Oder man sagt schlicht: „Sacré froid“, schüttelt den Kopf und zieht den Schal höher über die Ohren.

    Wie lange dieser Griff des Winters anhält, bleibt offen. Prognosen deuten auf eine allmähliche Milderung hin, doch im Jura weiß man: Die Kälte geht, wenn sie will. Bis dahin bleibt die Franche-Comté in einem Zustand zwischen Frost und Faszination gefangen. Ein Winter, der zeigt, dass er es noch kann.

    Autor: C.H.

  • Der Winter zeigt Zähne – Frankreich bleibt in einer Kältefalle

    Der Winter zeigt Zähne – Frankreich bleibt in einer Kältefalle

    Der Frost hat sich festgebissen. Und er denkt nicht daran, so schnell loszulassen. Zu Beginn der neuen Woche setzt sich in weiten Teilen Frankreichs eine markante Kältephase fort, die zwar offiziell nicht als „Kältewelle“ gilt, regional jedoch durchaus bemerkenswerte Ausmaße annimmt. Wer morgens die Haustür öffnet, merkt sofort: Das ist kein gewöhnlicher Januar.

    Bereits am Montag stellte Météo-France 26 Départements in der Bretagne und der Normandie unter orangefarbene Warnstufe. Schnee und Glatteis bedrohen dort Straßen, Gehwege und den Alltag. Hinzu kommt: Ein Großteil des übrigen Landes steht unter gelber Wetterwarnung. Das bedeutet erhöhte Aufmerksamkeit, auch dort, wo der Schnee nur in Schauern fällt, aber ausreicht, um eine dünne, tückische Schicht auf den Asphalt zu legen. Ein paar Zentimeter genügen – jeder Autofahrer weiß das.

    Zwischen Montag und Mittwoch ziehen zwei eher schwache, aber hartnäckige Schneefallgebiete über das Land. Begleitet werden sie von schauerartigen Niederschlägen entlang des Ärmelkanals. Keine apokalyptischen Schneemassen, kein Blizzard aus dem Bilderbuch. Und doch: genau jene Art von Wetterlage, die den Alltag ausbremst, Termine verschiebt, Schulwege unsicher macht und Räumdienste auf Trab hält.

    Meteorologisch betrachtet bleibt die Lage ambivalent. Die landesweite Durchschnittstemperatur sinkt nicht unter minus zwei Grad Celsius. Streng genommen also keine „vague de froid“, keine klassische Kältewelle nach offizieller Definition. Aber Definitionen interessieren den eigenen Atem nicht, wenn er morgens als kleine Wolke in der Luft steht. Lokal kann die Kälte sehr wohl einen außergewöhnlichen Charakter annehmen – und genau das passiert nun.

    Die prognostizierten Tiefstwerte lesen sich wie eine frostige Landkarte. In Metz werden bis zu minus zehn Grad erwartet, in Alençon, Le Mans und Orléans minus neun. Dijon nähert sich der minus acht, Nantes rutscht auf minus sechs. Selbst Bordeaux, sonst eher milde Atlantikluft gewohnt, muss mit minus fünf rechnen. Montpellier und La Rochelle landen bei minus drei, und selbst das sonst winterlich verwöhnte Bormes-les-Mimosas an der Côte d’Azur kratzt mit minus einem Grad am Gefrierpunkt. Da zieht selbst der Süden den Kragen hoch.

    Solche Temperaturen verändern den Rhythmus eines Landes. In den Bouches-du-Rhône reagierten die Behörden prompt und kündigten zusätzliche temporäre Notunterkünfte an, um besonders gefährdete Menschen von der Straße zu holen. Eine Maßnahme, die still abläuft, aber überlebenswichtig sein kann. Wenn die Nächte klirrend kalt werden, zählt jede offene Tür.

    Auch der Verkehr gerät ins Rutschen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. In mehreren Départements der Normandie sowie in Ille-et-Vilaine wurden die Schultransporte vorsorglich ausgesetzt. Kein Risiko für Kinder, keine Diskussion. In vier normannischen Départements mit orangefarbener Warnstufe wurden zudem kommerzielle Buslinien eingestellt, einzig das Orne bleibt davon ausgenommen. In der Bretagne wiederum greift man zu einem weiteren Mittel: Der Schwerlastverkehr über 7,5 Tonnen wird reguliert, bestimmte Achsen sogar komplett gesperrt. Wer schon einmal einen querstehenden Lkw auf glatter Fahrbahn gesehen hat, weiß, warum.

    All das zeigt: Diese Kälte wirkt nicht spektakulär, aber sie arbeitet systematisch. Sie friert ein, bremst, verlangsamt. Sie zwingt Verwaltungen, Verkehrsunternehmen und soziale Einrichtungen zum Improvisieren. Und sie ruft Erinnerungen wach an frühere Winter, in denen gefrorene Scheiben und knackende Gehwege zur Normalität gehörten. „So kalt war es lange nicht“, sagt dann jemand beim Bäcker – und meint damit nicht die Statistik, sondern das Gefühl in den Fingern.

    Bemerkenswert ist auch die geografische Breite dieses Kälteeinbruchs. Vom Nordwesten bis in den Süden, von der Atlantikküste bis ins Landesinnere reicht der Frost. Keine Region bleibt völlig verschont, selbst wenn Intensität und Dauer variieren. Genau das macht die Lage so unübersichtlich: Während hier nur Reif auf den Feldern liegt, kämpft man dort mit vereisten Straßen und Schneematsch.

    Meteorologen mahnen zur Nüchternheit, raten aber zugleich zur Vorsicht. Keine Panik, ja. Doch auch keine Leichtsinnigkeit. Denn Glätte entsteht oft dort, wo man sie nicht erwartet – auf Brücken, in schattigen Kurven, auf Nebenstraßen. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit reicht. Zack, rutschig.

    Und dann ist da noch die psychologische Seite des Wetters. Kälte zieht sich nicht nur durch Kleidung, sondern auch durch Stimmungen. Der Himmel bleibt grau, die Tage kurz, die Nächte lang. Man rückt näher zusammen, trinkt mehr heißen Kaffee, flucht ein bisschen über das Wetter und macht dann doch weiter. Frankreich im Januar eben.

    Wie lange diese Phase anhält, bleibt offen. Sicher ist nur: Die kommenden Tage verlangen Aufmerksamkeit, Solidarität und ein wenig Geduld. Der Winter hat das Wort ergriffen – leise, aber bestimmt.

    Autor: C.H.

  • Frostschäden drohen: Frankreichs Bauern im Kampf gegen die Kälte

    Frostschäden drohen: Frankreichs Bauern im Kampf gegen die Kälte

    Ein unerwarteter Kälteeinbruch hat Nord-, Mittel- und Ostfrankreich fest im Griff. Besonders diese drei Nächte, beginnend mit der Nacht vom Montag, den 22. April, auf Dienstag, könnten für die Landwirtschaft verheerend sein. Die Temperaturen sinken weit unter den Gefrierpunkt – eine kritische Phase für die Weinbauern und andere Landwirte.

    In den Weinbergen von Apremont in Savoyen kämpft Jean-François Marechal gegen die Uhr und das Thermometer. „Kaum haben wir die negativen Temperaturen bemerkt, mussten wir Feuer anzünden und alles versuchen, um die Luft zu erwärmen und zu retten, was noch zu retten ist“, berichtet der verzweifelte Viticulteur. Diese dramatische Situation verdeutlicht die Dringlichkeit und die potenziellen Auswirkungen des Spätfrosts auf die empfindlichen Weinstöcke.

    Doch nicht nur in Savoyen werden Maßnahmen ergriffen. Landwirte über das ganze Land verteilt setzen unterschiedliche Techniken ein, um ihre Ernten zu schützen. Im Norden bedeckt eine Gärtnerin ihre Obst- und Gemüsepflanzen mit Planen, um sie vor dem Frost zu schützen. Ein Obstbauer hat sogar eine 11 Meter hohe Windmühle aufgestellt. „Ihr Zweck ist es, warme Luft einzufangen, was die Temperatur um 2 bis 3 Grad erhöhen kann“, erklärt Obstbauer Sylvain Deroo.

    Diese Bemühungen zeigen, wie innovativ und entschlossen französische Landwirte sind, wenn es darum geht, ihre Lebensgrundlage vor den Launen der Natur zu schützen. Aber was sagt das über unsere langfristige Strategie im Umgang mit solchen klimatischen Herausforderungen aus? Sind wir genug vorbereitet auf die Unberechenbarkeit des Wetters, das durch den Klimawandel noch extremer wird?

    Der Frost dieser Nächte könnte ernsthafte Schäden in der französischen Landwirtschaft hinterlassen, von denen sich einige Betriebe vielleicht nicht so schnell erholen können. Während die Temperaturen voraussichtlich am kommenden Wochenende wieder steigen werden, bleibt die Frage: Wie können wir unsere Agrarbetriebe besser auf zukünftige Klimaextreme vorbereiten und gleichzeitig nachhaltig wirtschaften?

    Die aktuellen Ereignisse könnten ein Weckruf sein, intensiver über Klimaanpassungsstrategien nachzudenken und in Lösungen zu investieren, die nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig Sicherheit bieten. Denn eines ist klar: Der Klimawandel wartet nicht. Und unsere Antwort darauf sollte ebenso entschlossen sein wie die nächtlichen Bemühungen der französischen Bauern, ihre Felder und Weinberge vor dem Frost zu schützen.

  • Frostgefahr zwingt Winzer zur Anpassung

    Frostgefahr zwingt Winzer zur Anpassung

    In der Welt des Weinbaus stellt Frost eine erhebliche Bedrohung für die Ernte dar, besonders in diesen kühlen Frühlingswochen. Vor allem in der französischen Region Jura kämpfen Winzer wie François Duboz, Direktor des Domaine de la Pinte in Arbois, mit den eisigen Temperaturen, die ihre kostbaren Reben bedrohen.

    Innovative Maßnahmen gegen die Kälte

    Am Beispiel des Domaine de la Pinte wird deutlich, wie ernst die Situation ist. Die letzten Wochen brachten Temperaturen, die bereits sichtbare Schäden an den Reben verursacht haben. „Was wir hier sehen, ist, dass wir bei zwei, drei ausgebreiteten Blättern sind. (…) Wenn negative Temperaturen kommen, wird das natürlich Auswirkungen auf diese Reben haben“, erklärt Duboz gegenüber dem Sender France 2. Um dieser Bedrohung zu begegnen, haben er und andere Winzer in der Region innovative Maßnahmen ergriffen.

    Technologie und Tradition hand in hand

    Ein wesentlicher Bestandteil der Strategie gegen Frost ist die Installation einer meteorologischen Station mitten im Weinberg. Diese Station ermöglicht es dem Winzer, Wetterveränderungen präzise zu überwachen und entsprechend zu reagieren. Zusätzlich zu dieser modernen Technik greifen die Winzer auf eine traditionelle Methode zurück: das Aufstellen von großen Kerzen zwischen den Reihen der Weinreben.

    In der Nacht von Sonntag auf Montag wurden allein auf Duboz‘ Anwesen etwa 300 solcher Kerzen entzündet. Diese Methode ist nicht nur visuell beeindruckend, sondern bietet auch praktischen Schutz, indem sie die Luft um die Pflanzen herum erwärmt und so hilft, die zerstörerischen Auswirkungen des Frosts abzumildern.

    Vorbeugende Maßnahmen als Lektion aus der Vergangenheit

    Diese Maßnahmen sind besonders wichtig, da die Region bereits in der Vergangenheit schwer unter Frost gelitten hat. Im Jahr 2021 wurden viele Weinberge in der Gegend durch tiefe Temperaturen verwüstet. Die Erfahrungen aus solchen Ereignissen haben die Winzer dazu veranlasst, proaktiv zu werden, um ihre Kulturen zu schützen.

    Zukunftsaussichten und Herausforderungen

    Während Winzer wie François Duboz weiterhin innovative Lösungen gegen den Frost einsetzen, bleibt die ständige Bedrohung durch das unvorhersehbare Wetter eine Herausforderung für die Weinindustrie. Die Anpassungsfähigkeit und der Erfindungsreichtum der Winzer werden jedoch sicherstellen, dass auch zukünftige Ernten geschützt und die Qualität des Weins erhalten bleibt. Es ist ein ständiger Kampf gegen die Elemente, der sowohl Entschlossenheit als auch Kreativität erfordert.

  • Muss man sich dieses Jahr vor den Eisheiligen fürchten?

    Muss man sich dieses Jahr vor den Eisheiligen fürchten?

    Es gibt drei von ihnen… Die Eisheiligen, die Gärtnern und Landwirten in manchen Jahren den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Vom 11. bis 13. Mai sind sie dafür bekannt, Kälte und Frost zu bringen. 

    Viele Volksweisheiten empfehlen, mit dem Auspflanzen von Setzlingen ins Freiland zu warten, bis die Eisheiligen vorbei sind. Im französischen Kalender erscheinen sie unter den Namen Saint Mamert (11. Mai), Saint Pancrace (12. Mai) und Saint Servais (13. Mai).

    Auch wenn die Fröste im Mai seit 2003 seltener geworden sind, achtet man unter Gärtner und Landwirten sehr genau auf die Eisheiligen. Auf Nachfrage von France 3 erklärt Christian Rougeron, Vizepräsident der Gärtner des Pays d’Auvergne: „Mit dem Beginn der schönen Tage hat man es mit der Aussaat eilig, um so schnell wie möglich neues Gemüse zu ernten, aber man ist nicht vor diesen späten Frühjahrsfrösten gefeit. Man muss sehr wachsam sein“.

    Was man vor Mitte Mai vermeiden sollte
    Zu den Pflanzen, die nicht winterhart sind, gehören Zucchini, Kürbisse, Essiggurken oder auch Salatgurken. Nicht zu vergessen sind Tomaten, Kartoffeln, Paprika oder Auberginen.

    Gärtner und Landwirte können zwar ab dem 5. Mai aussäen. Für die Setzlinge ist es jedoch besser, bis zum 15. Mai zu warten.

    Der erfahrene Gärtner kennt auch die Bedeutung des P17-Vlieses. Es ist ein Vlies, das eine doppelte Wirkung hat: Es verbessert die Erwärmung des Bodens und fördert die Keimung der Pflanze, hat aber auch eine Schutzwirkung gegen Frost. Mit diesem Vlies kann man für seine Setzlinge immerhin zwischen 2 und 4 Grad gewinnen.

  • Wetter: Temperaturen unter Null und bedeckter Himmel – die Vorhersage für diese Woche

    Wetter: Temperaturen unter Null und bedeckter Himmel – die Vorhersage für diese Woche

    Der Dezemberanfang bringt in vielen Regionen Frankreichs Temperaturen um die null Grad am Morgen.

    Die winterliche Kälte, die seit Anfang Dezember herrscht, wird auch am Nikolaustag, dem 6. Dezember, vorherrschen:

    Dienstag, 6.
    Laut La Chaine Météo wird der gesamte Norden Frankreichs am Dienstag, dem 6. Dezember, am Morgen unter Wolken liegen, mit 0 °C in Rouen oder Aurillac, 2 °C in Lille und Lyon und 5 °C in Toulouse. Am Nachmittag wird es im Süden des Landes etwas wärmer, obwohl der Himmel in weiten Teilen des Landes einschließlich der Mittelmeerküste bewölkt bleibt. Die Temperaturen steigen auf 9 Grad in Bordeaux, 12 Grad in Perpignan und bis zu 17 Grad in Ajaccio, während in Paris oder Nantes nur 5 Grad erreicht werden.

    Mittwoch, 7.
    Am Mittwoch, dem 7. Dezember, wird die Bewölkung anhalten. Auflockerungen in der Region Provence Alpes Cote d’Azur und an der Atlantikküste und ein völlig verhangener Himmel im Norden und Osten des Hexagons. Die Temperaturen bleiben kühl mit -1 °C in Saint-Etienne, 0 °C in Straßburg oder Orléans und gerade mal 4 Grad in Tours, Amiens oder Lyon. In Okzitanien bleibt das Thermometer milder mit 12 °C in Tarbes und 14 °C in Biarritz in der zweiten Tageshälfte.

    Donnerstag, 8.
    Am Donnerstag, dem 8. Dezember, kehrt sich die Situation um, die Wolken werden die Mittelmeerküste und Aquitanien bedecken, während es im Rest des Landes aufklaren wird. Eine Störung aus Spanien wird für Niederschläge sorgen, die am Nachmittag von Bordeaux bis Nizza reichen könnten. Die Temperaturen bleiben am Morgen frostig mit -3 °C in Limoges, -1 °C in Dijon, 1 °C in Montélimar. Südlich von Lyon wird es trotz des Regens wärmer sein, mit 12 °C in Marseille und 8 °C in Toulouse am Nachmittag, gegenüber 4 °C in Paris, 6 °C in Cherbourg und 0 °C in Belfort.

    Freitag, 9.
    Am Freitag wird es von Straßburg bis Biarritz und Ajaccio weiterhin regnen, mit ein paar Flocken Schnee im Elsass, während der Rest des Landes Auflockerungen erlebt. Die Temperaturen liegen im Norden am Morgen um die 0 °C, mit -2 °C in Rouen und Rennes, -1 °C in Nantes, 9 °C in Nizza, 10 °C in Montpellier. Paris und Lille kommen am Nachmittag nicht über 1 °C hinaus, während es in Gap 6 °C, in Bordeaux 7 °C und in Ajaccio bis zu 19 °C werden können.

    Das Wochenende vom 10. bis 11.
    Am gesamten Wochenende des 10. Dezembers wird das Wetter im Hexagons relativ einheitlich sein, mit einem teilweise bewölkten Himmel und eventuell Schauern in der Nähe der Pyrenäen und der Alpen. Die Temperaturen sind ähnlich wie in der vergangenen Woche, mit Werten unter dem Gefrierpunkt in den Morgenstunden im Norden: -4 °C in La Rochelle, -3 °C in Lille und Alencon, -2 °C in Reims oder Bourges, sowie -1 °C in Bordeaux und 1 °C in Toulouse am Samstagmorgen. Die Nachmittage werden kaum milder, mit Ausnahme der Mittelmeerküste und Korsika, wo die 12-Grad-Marke wie in Nizza erreicht wird: In Paris und Tours wird es gerade mal 2 °C warm, in Vichy oder Limoges 3 °C, in Tarbes und Montpellier 7 °C.