Schlagwort: französische industrie

  • Vom Davos-Hype in die Insolvenz: Hersteller von Macrons Sonnenbrillengläsern muss schließen

    Vom Davos-Hype in die Insolvenz: Hersteller von Macrons Sonnenbrillengläsern muss schließen

    Manchmal schreibt die Wirtschaft Geschichten, die kaum widersprüchlicher sein könnten. Anfang des Jahres sorgte eine Sonnenbrille von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron weltweit für Aufmerksamkeit. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos trug er ein Modell mit markanten bläulichen Gläsern, das binnen weniger Tage zum Gesprächsthema in den sozialen Netzwerken wurde. Besonders ein viel beachteter Videoausschnitt mit seinem englischen „for sure“ verbreitete sich rasant und machte die Brille zu einem unerwarteten Modephänomen. Für die französische Brillenindustrie schien dieser Moment wie ein Werbegeschenk des Himmels. Schließlich stammten die Gläser der Sonnenbrille aus dem traditionsreichen Jura, einer Region, die seit Generationen als Herz der französischen Brillenherstellung gilt. Hinter den Gläsern stand das Unternehmen Dalloz Creations aus Saint-Claude. Die Verantwortlichen hofften damals auf neue Aufmerksamkeit für ihr handwerkliches Können. Kein Wunder: Weltweit berichteten Medien üb…

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  • Macrons Sonnenbrillen und das Rätsel vom „echten“ Made in France

    Macrons Sonnenbrillen und das Rätsel vom „echten“ Made in France

    Seit einigen Jahren gehören sie fast schon zur politischen Uniform des französischen Präsidenten: die dunklen Sonnenbrillen von Emmanuel Macron. Kaum ein Sommerfoto ohne die markanten Modelle, die zwischen Staatsbesuch, Strandspaziergang und Militärzeremonie längst mehr darstellen als bloßen Sonnenschutz. In Frankreich sind sie zu einem kleinen politischen Symbol geworden — elegant, unaufgeregt und demonstrativ französisch. Zumindest auf den ersten Blick. Denn rund um die Brillen des Präsidenten taucht regelmäßig dieselbe Frage auf: Stammt dieses Accessoire tatsächlich vollständig aus Frankreich? Die Antwort darauf fällt komplizierter aus, als es die perfekt inszenierten Bilder aus dem Élysée-Palast vermuten lassen. Die Modelle, die Macron häufig trägt, stammen meist von französischen Premiummarken aus dem Jura. Die Region rund um Morez und Oyonnax gilt seit Jahrzehnten als Herzstück der französischen Brillenindustrie. Dort sitzen traditionsreiche Hersteller, kleine Familienbetriebe un…

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  • Magie aus Metall – Wie im Vaucluse ein neues Weihnachtslicht entsteht

    Magie aus Metall – Wie im Vaucluse ein neues Weihnachtslicht entsteht

    Manchmal reicht ein einziger Schritt über eine Schwelle, und die Welt verändert sich. In Apt, mitten im Vaucluse, geschieht genau das: Hinter den Toren von Blachere Illumination durchquert man eine unscheinbare Industriehalle und landet in einem Paralleluniversum, in dem es das ganze Jahr nach Winter riecht, nach warmen Kindheitserinnerungen, nach Kupfer, Metall und kleinen Lichtern, die große Geschichten erzählen.

    Kurzer Atemzug.

    Dann öffnet sich die Sicht auf ein unfertiges Rentier von sieben Metern Höhe, auf blitzende Schweißpunkte, auf Werkbänke, die aussehen wie die Schreibstube des Weihnachtsmanns – nur lauter, heißer und voller Funkenflug. Hier beginnt Weihnachten lange vor Plätzchenduft und Adventskerzen, ja manchmal schon im Frühling. Warum? Weil die Städte darauf warten, und weil die Menschen, tief drinnen, jedes Jahr wieder diesen Funken spüren möchten, der sich zwischen Herz und Hals setzt, wenn die Straßen plötzlich glühen wie ein verspielter Sternenhimmel.

    Ein Ort wie dieser hat etwas Unwahrscheinliches. Und doch: Er existiert.

    Kreative Funken und schwere Rahmen

    Paul steht da, der Schweißer, mit seinem Helm, den Blick konzentriert auf eine metallene Linie, die bald die Form eines majestätischen Rentiers tragen soll. Daneben ein Funkenregen, der im Flug erlischt. Er sagt ruhig: „Hier entsteht das Skelett. Danach zieht das andere Team die Lichter auf – wie Kleidung eben.“

    Kleidung – das Wort hängt kurz in der Luft, und man versteht sofort, was er meint. Ein nacktes Metallgerüst wirkt ja tatsächlich wie ein Körper ohne Stoff. Erst wenn die Lichter darüber gelegt werden, entsteht etwas, das die Fantasie der Leute einfängt.

    Ein wenig wie ein Model auf einer Modenschau, das erst mit dem passenden Kleidungsstück strahlt. Oder wie ein Satz, der erst mit dem richtigen Rhythmus lebendig wird.

    Und plötzlich wird klar: Diese Fabrik hat mehr mit Haute Couture zu tun, als man vermuten würde. Für viele Kommunen gibt es einen Katalog voller fertiger Stücke – von der schlichten Sternengirlande bis zur Pinguinfamilie. Das ist der sogenannte „prêt à porter“. Doch hier, in Apt, schlägt das Herz der Maßanfertigung.

    Jedes Jahr entwirft die künstlerische Leitung rund 100 neue Dekorationen.

    Ja – hundert. Eine Kollektion pro Jahr, fast wie Paris Fashion Week, nur dass statt Models die Strassen der Städte diese leuchtende Kollektion tragen.

    Die Kunst, Weihnachten neu zu denken

    Im Büro der künstlerischen Leitung sitzt Julie Taton, umgeben von Skizzen, Farbkarten, Moodboards, kleinen LED-Proben und einem Stapel Notizen, die aussehen wie Einladungen zu einer märchenhaften Reise. Sie arbeitet schon an der Kollektion 2027.

    Ist das nicht verrückt? Während viele erst über das kommende Fest nachdenken, lebt sie längst zwei Winter in der Zukunft.

    „Die Leute wollen ihren Weihnachtsmann, ihr Rentier, ihr Schlittenmotiv. Die Klassiker sind wichtig. Der Trick liegt darin, sie immer wieder zu verwandeln“, sagt sie.

    Ein bisschen Kino, ein bisschen Kunst, ein bisschen Meeresluft für die Küstenstädte, ein bisschen Geschichte für die alten Städte Frankreichs und dann – warum nicht – ein paar sportliche Ideen, inspiriert von den Olympischen Spielen.

    Wer sagt denn, dass ein Weihnachtsbaum nicht auch ein paar Turnschuhe tragen darf? Oder dass ein Pinguin nicht mit einem Basketball posieren kann?

    Und plötzlich fragt man sich: Was macht Weihnachten eigentlich aus? Die Tradition? Oder das Staunen? Vielleicht beides – wie zwei Hände, die einander halten.

    Wenn Bürgermeister glänzen wollen

    Kurz bevor die Festtage starten, kennen die Telefone in Apt kaum Pausen. Jede Stadt will ihren eigenen Moment der Begeisterung schaffen. Und in Wahljahren steigt die Spannung noch weiter. In Rathäusern wird diskutiert, gerechnet, neu geplant – denn man weiß, dass Lichter nicht nur warm scheinen, sondern auch Stimmungen formen.

    Yohan Hugues, Mitglied der Unternehmensführung, sagt dazu: „Es gibt immer ein bisschen einen Effekt der Kommunalwahlen. Ein Ort von tausend Einwohnern steckt vielleicht ein bis zwei tausend Euro in den Topf. Eine große Stadt kann sich mehr leisten, konzentriert es aber auf bestimmte Achsen.“

    Licht ist Politik – wer hätte das gedacht?

    Doch es ist auch Wirtschaft. Menschen bleiben länger auf einer hell beleuchteten Straße, verweilen unter einem leuchtenden Bogen, trinken einen Kaffee, schnuppern an einem Keksstand, kaufen Geschenke. Eine Stadt, die strahlt, fühlt sich lebendiger an, ein kleines bisschen sicherer, ein kleines bisschen offener.

    Und Hand aufs Herz: Wer bleibt denn nicht stehen, wenn irgendwo eine riesige Lichtkugel aufgebaut ist, groß genug, um hindurchzugehen? Man hört Schritte, knirschend auf dem Kies, riecht einen Hauch von Zimt aus einem Café – und man fühlt sich für einen winzigen Moment fünf Jahre alt.

    Energie, LED und ein Blick auf die Zukunft

    Natürlich gibt es auch kritische Stimmen. In Zeiten von Energiekrisen wirken Lichter manchmal wie ein Luxus. 2022 war das besonders heikel. Aber seitdem hat sich viel getan. LEDs haben alte Lichter verdrängt wie Elektroautos frühere Motoren. Städte wie Straßburg haben dadurch ihren Verbrauch auf ein Zehntel gedrückt.

    Ein Zehntel. Das ist mehr als nur ein Erfolg, das ist ein neues Kapitel.

    Doch ein anderer Punkt blieb lange ein Schmerzpunkt: Die Herkunft der Lichter. Vor allem die berühmten LED-Girlanden kamen meist aus China.

    Nach der Pandemie stellte man sich in Apt die Frage: Kann man das nicht selber machen?

    Robotik, Automatisierung, KI – die Werkzeuge sind da. Und nach jahrelanger Entwicklung ist sie endlich da: die erste komplett französisch gefertigte Lichterkette.

    Zugegeben, die Rohstoffe kommen noch aus dem Ausland. Aber die Montage? 100 Prozent aus Apt.

    Das ist ein Anfang, ein Schritt Richtung Souveränität – ein Wort, das in Frankreich gern gebraucht wird, aber hier ausnahmsweise mit echtem Inhalt gefüllt ist.

    Ein Stück Zukunft im Smartphone

    Die nächste Generation der Dekorationen bricht bereits an. Nicht nur Licht, sondern Interaktion.

    Ein kleiner QR Code neben dem leuchtenden Eisbären, und schon erklingt Musik.

    Ein Klick auf dem Handy, und der Pinguin wechselt die Farbe von Weiß zu Rosa, dann zu Blau.

    Eine Stadt, die sich auf ihrem Smartphone verwandeln lässt – ein bisschen verspielt, ein bisschen futuristisch.

    Ist das noch Tradition? Oder schon eine neue Form des Volkstheaters? Wer weiß das schon – und ist es nicht gerade das Schöne daran, dass Weihnachten etwas ist, das wir gemeinsam neu erfinden dürfen?

    Ein Werkstattwinter, der leuchtet

    Wenn man durch die Hallen geht, merkt man: Der Lärm ist vertraut, aber das Ergebnis bleibt magisch. Eine Arbeiterin wirft ein Kabel über einen Rahmen wie ein Schneider ein Seidenband über eine Schulter. Ein kleines Team prüft, ob jede LED zuverlässig aufblinkt.

    Draußen riecht es nach Pinienharz. Drinnen nach Metall und Hoffnung.

    Es ist dieser merkwürdige Mix aus Handwerk und Fantasie, der einen unwillkürlich an alte Weihnachtsgeschichten denken lässt. Manche sehen darin Industrie – andere sehen darin ein riesiges, strahlendes Herz.

    Ein Mitarbeiter lacht und sagt: „Hier drin ist Weihnachten nie vorbei. Manchmal reden wir sogar im Juli über Tannenbäume.“

    Und doch hat dieser Satz etwas Tröstliches, etwas zutiefst Menschliches. Wenn man es genau nimmt, sucht jeder von uns das ganze Jahr über nach dem Gefühl, das wir an einem einzigen Dezemberabend für selbstverständlich halten: Gemeinschaft, Freude, ein bisschen Wärme im kalten Wind.

    Warum all das zählt

    Vielleicht stellt sich jemand die Frage: Lohnt sich dieser Aufwand wirklich? So viel Licht, so viel Arbeit, so viel Planung?

    Die Antwort liegt nicht im Budget einer Stadt, sondern im Gesicht eines Kindes, das unter einem Bogen aus Sternen läuft und die Hand seiner Mutter drückt. Oder in dem älteren Mann, der sich an eine Bank lehnt, den Mantel schließt und leise sagt: „Das ist schön geworden dieses Jahr.“

    Das Leuchten in den Straßen ist kein Selbstzweck. Es erinnert uns daran, dass Menschen Geschichten brauchen – auch im Winter, auch im Alltag, auch dann, wenn die Welt etwas schwerer wirkt.

    Und vielleicht ist genau das der Kern dessen, was in Apt geschieht: Menschen bauen Dinge, die andere Menschen miteinander verbinden.

    Ein letzter Blick auf das große Rentier

    Man sieht Paul noch einmal, wie er die letzten Punkte am Gerüst setzt. Das Rentier ist fast fertig, noch nackt, aber bereits majestätisch. In ein paar Wochen wird es irgendwo in Frankreich stehen, wahrscheinlich auf einem Platz, den morgens Senioren überqueren und abends Verliebte. Kinder werden davor posieren, Handys werden gezückt, Stimmen werden lachen.

    Und niemand wird sich fragen: Wer hat das gebaut?

    Aber vielleicht – ganz vielleicht – wird ein Funken dieser Werkstattatmosphäre über den Platz huschen. Ein bisschen Metall, ein bisschen Arbeitsschweiß, ein bisschen Fantasie und der alte Wunsch, dem Winter Licht zu schenken.

    Und während die Halle in Apt weiter dröhnt, wie ein Herz, das im Takt des Schweißgeräts schlägt, merkt man beim Hinausgehen, dass Weihnachten – dieses seltsame, warme, leuchtende Gefühl – im Grunde nichts anderes ist als ein Kunstwerk, das jedes Jahr ein neues Kleid trägt.

    Ein Kleid, das hier beginnt.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Saint-Nazaire baut wieder Giganten – Milliardenauftrag für die Chantiers de l’Atlantique

    Saint-Nazaire baut wieder Giganten – Milliardenauftrag für die Chantiers de l’Atlantique

    Ein Schiff wie ein schwimmendes Stadtviertel: 330 Meter lang, 47 Meter breit, Platz für bis zu 6.700 Passagiere. Zwei dieser Ozeanriesen entstehen bis 2031 an der französischen Atlantikküste in Saint-Nazaire. Der Werftbetreiber Chantiers de l’Atlantique hat einen neuen Großauftrag an Land gezogen – und der ist nicht weniger als ein echter Meilenstein für die gesamte Region. Mit einem geschätzten Volumen von 3,5 Milliarden Euro sorgt der Auftrag nicht nur für technologische Höchstleistungen, sondern auch für ein kräftiges wirtschaftliches Aufatmen. Ein solcher Vertrag sei ein „Segen für die Beschäftigung“, so wird es vor Ort formuliert – und das nicht ohne Grund. Denn hinter jeder Niete, jedem Schweißpunkt, jedem Meter Kabel steckt nicht nur ein Stück Industriegeschichte, sondern auch ein Arbeitsplatz. Industrie in XXL-Format Die Chantiers de l’Atlantique, eines der traditionsreichsten Werften Europas, haben in ihrer mehr als hundertjährigen Geschichte schon etliche Prestigeprojekte ver…

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  • Abschied von einem Industriellen Wahrzeichen

    Abschied von einem Industriellen Wahrzeichen

    In Villefranche‑sur‑Saône im Département Rhône geht ein Kapitel Industriegeschichte zu Ende. Der Konzern Danone plant, seinen traditionsreichen Blédina‑Standort im Juli 2027 zu schließen – ein Werk, das seit 1881 besteht und auf Cerealien für Kleinkinder spezialisiert ist. Die Marken Blédine und Phosphatine sind in ganz Frankreich bekannt. Nun droht dem Ort der Verlust eines symbolträchtigen Arbeitgebers. Warum jetzt? Mehrere Gründe führen zur geplanten Stilllegung: Die Produktionsmenge des Standorts ist seit 2007 um die Hälfte gesunken. Der Markt für Säuglings- und Kleinkindernahrung in Europa schrumpft, unter anderem wegen sinkender Geburtenraten. Danone hat in den letzten zehn Jahren rund 134 Millionen Euro investiert, doch die erwartete Wettbewerbsfähigkeit – insbesondere im Exportgeschäft – blieb aus. Das Unternehmen spricht von einem notwendigen Schritt, um sich global besser aufzustellen. Doch vor Ort klingt das wie eine Kapitulation. Ein Werk mit Heimatgefühl Blédina ist für vi…

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  • Teisseire schließt Werk in Crolles: Wenn ein Herzstück der lokalen Industrie verstummt

    Teisseire schließt Werk in Crolles: Wenn ein Herzstück der lokalen Industrie verstummt

    Ein Traditionsstandort gibt auf: Die Nachricht vom geplanten Produktionsstopp bei Teisseire in Crolles schlägt ein wie ein Donnerschlag – für die Beschäftigten, für die Region, für alle, die mit einem Glas Himbeersirup Kindheit und Heimat verbinden. Doch nun heißt es: Ab April 2026 ist Schluss. Die Fabrik, in der jahrzehntelang die beliebten Fruchtsirupe produziert wurden, steht vor dem Aus. 205 Jobs wackeln – das Werk schließt Am Donnerstag, dem 16. Oktober 2025, hat die Geschäftsführung von Teisseire ihre Pläne auf den Tisch gelegt: Eine tiefgreifende Umstrukturierung soll die Firma retten. Zentraler Bestandteil: Die Schließung des Werks in Crolles. Von aktuell 205 Stellen am Standort bleiben voraussichtlich nur 38 übrig. Der Nettoverlust? 167 Arbeitsplätze. Und das war kein plötzlicher Schock. Bereits Tage vor der offiziellen Ankündigung befand sich über die Hälfte der Belegschaft im Streik. Sie hatten das Gefühl: Da braut sich etwas zusammen. Nun haben sie Gewissheit. Ein schweres…

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