Schlagwort: Frankreich

  • Gefängnisse aus dem Bausatz – Frankreichs neues Experiment gegen die Überfüllung

    Gefängnisse aus dem Bausatz – Frankreichs neues Experiment gegen die Überfüllung

    Frankreich geht einen neuen, ungewöhnlichen Weg im Kampf gegen die chronische Überfüllung seiner Gefängnisse: Justizminister Gérald Darmanin kündigte an, binnen kürzester Zeit 3.000 neue Haftplätze in modularen, vorgefertigten Gefängnisanlagen zu schaffen. Ein Projekt, das nicht nur Hoffnung, sondern auch hitzige Debatten entfacht – denn was auf den ersten Blick pragmatisch erscheint, wirft auf den zweiten Fragen nach Recht, Würde und langfristiger Strategie auf. Ein Blick auf das Konzept: Diese neuen Haftstrukturen erinnern an Modelle aus Großbritannien und Deutschland – Betonmodule, industriell vorgefertigt, schnell zusammengesetzt und angeblich über 50 Jahre haltbar. Darmanin verspricht, dass es sich nicht um „Billigbauten“ handelt, sondern um vollwertige Justizeinrichtungen in menschenwürdiger Größe. Aber: Ist ein Gefängnis, das sich wie ein Fertighaus zusammenstecken lässt, tatsächlich der richtige Ort für Resozialisierung? Die Standorte stehen noch nicht vollständig fest, doch da…

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  • Verhältnis Frankreich und Algerien im freien Fall – Diplomatische Eskalation mit Ansage

    Verhältnis Frankreich und Algerien im freien Fall – Diplomatische Eskalation mit Ansage

    Was sich derzeit zwischen Paris und Algier abspielt, ist mehr als ein kurzfristiger diplomatischer Eklat. Es ist ein neuer Tiefpunkt in einer Beziehung, die nie frei war von Misstrauen, unausgesprochenen Vorwürfen – und einer Geschichte, die bis heute schmerzt. Zwölf algerische Diplomaten müssen Frankreich verlassen. Algier reagiert im Gleichschritt. Botschafter Romatet wird zurückgerufen. Die Sprache ist eindeutig: Schluss mit Freundlichkeiten, willkommen im politischen Ernstfall. Doch was steckt dahinter? Die Verhaftung eines algerischen Konsularbeamten, der mutmaßlich in die Entführung des regierungskritischen TikTok-Stars Amir DZ verwickelt ist, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Frankreich behandelt den Fall als Angriff auf seine Souveränität. Algerien spricht von Demütigung. Zwei Sichtweisen, die sich ausschließen – und in einer toxischen Atmosphäre aufeinandertreffen. Man muss kein Historiker sein, um zu erkennen: Die Wunde des Kolonialismus ist nie verheilt. …

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  • SNCF: Droht Frankreich im Mai das große Bahnchaos?

    SNCF: Droht Frankreich im Mai das große Bahnchaos?

    Mai steht in Frankreich traditionell für verlängerte Wochenenden – und seit jeher auch für soziale Spannungen. Dieses Jahr könnte es ganz besonders turbulent werden. Gleich mehrere Gewerkschaften der französischen Staatsbahn SNCF rufen zu Streiks auf – und das ausgerechnet vor und während des langen Wochenendes rund um den 8. Mai. Die Aussichten auf eine reibungslose Reisezeit? Ziemlich getrübt.


    Wer steckt hinter dem Streikaufruf?

    Den Anfang machte SUD-Rail. Die Gewerkschaft ist bekannt für ihren kämpferischen Kurs und rief schon Anfang April zur Mobilisierung auf. Schnell folgte ein informeller, aber schlagkräftiger Zusammenschluss von Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern – derselbe, der bereits Weihnachten 2022 und im Februar 2024 für mächtig Wirbel auf den Schienen gesorgt hatte.

    Auch Force Ouvrière, die fünftgrößte Gewerkschaft bei der SNCF, schloss sich dem Aufruf an. Und als dann noch die CGT-Cheminots einstieg – die stärkste Gewerkschaft im Unternehmen –, war klar: Das wird keine Randnotiz. Zum ersten Mal richtet sich der Streikaufruf nicht nur an das Bordpersonal, sondern auch an die Lokführer.


    Wann wird gestreikt?

    Die Planungen sind taktisch klug gewählt. SUD-Rail und der erwähnte Kontrolleurskollektiv rufen zur Arbeitsniederlegung vom Mittwoch, 7. Mai, bis einschließlich Sonntag, 11. Mai, auf. Der Donnerstag, 8. Mai, selbst ist ein gesetzlicher Feiertag – der Streik schließt ihn also ein, was juristisch relevant sein könnte.

    Die CGT-Cheminots legt allerdings noch eine Schippe drauf: Sie will bereits am Montag, den 5. Mai, mit dem Streik beginnen. Das bedeutet: Wer am Anfang der Woche pendeln oder verreisen will, sollte sich warm anziehen. Der Bahnverkehr könnte bis zu sieben Tage lang durcheinandergewirbelt werden.


    Was fordern die Beschäftigten?

    Es geht – wie so oft – ums Geld. Aber nicht nur. Die Gewerkschaften prangern unfaire Arbeitsbedingungen an, etwa kurzfristige Dienstplanänderungen, die das Privatleben der Mitarbeitenden regelmäßig über den Haufen werfen.

    Für das Zugpersonal fordert die CGT eine deutliche Anhebung der sogenannten „prime de travail“ – einer Arbeitszulage, die derzeit als nicht mehr zeitgemäß empfunden wird. Und die neuen digitalen Planungssysteme? Laut Gewerkschaft führen sie zu Verwirrung, Stress und einer Verschlechterung der Kommunikation zwischen Führungspersonal und Mitarbeitenden.

    Auch die Lokführer pochen auf Nachbesserung – insbesondere bei der sogenannten „prime traction“, einer kilometerbasierten Prämie, die trotz gestiegener Belastung seit Jahren nicht angepasst wurde. „Ein veraltetes, ungerechtes System“, klagt Axel Persson, Sprecher der CGT-Cheminots für Trappes und Rambouillet.


    Wie groß werden die Auswirkungen sein?

    Noch lässt sich schwer abschätzen, wie heftig der Streik den Bahnverkehr treffen wird. Doch klar ist: Die CGT und SUD-Rail gemeinsam repräsentieren über 50 Prozent der Mitarbeitenden der SNCF – das heißt, wenn sie mobilisieren, hat das Gewicht. Force Ouvrière kommt noch obendrauf.

    Die beiden anderen großen Gewerkschaften, Unsa (22,1 %) und CFDT (15,94 %), halten sich bisher zurück – was die Lage etwas entschärfen könnte. Doch ob das reicht?


    Und die SNCF?

    Die Unternehmensleitung versucht, ruhig zu bleiben. Man setze auf „sozialen Dialog“, erklärte SNCF-Chef Christophe Fanichet – und zeigte sich Anfang April bei einem Radiointerview noch „sehr zuversichtlich“, dass dieser Dialog zu einem guten Ergebnis führen werde.

    Doch hinter den Kulissen ist die Nervosität spürbar. Denn im Jahr 2025 ist die SNCF nicht mehr Monopolist, sondern muss sich gegen private Anbieter behaupten. Ein ausgedehnter Streik zur Ferienzeit? Ein gefundenes Fressen für die Konkurrenz – und eine Ohrfeige für das eigene Image.


    Was bedeutet das für die Fahrgäste?

    Ganz ehrlich? Wer im Mai verreisen will, sollte sich Alternativen bereithalten. Auch wenn noch nicht offiziell bekannt ist, wie stark die Ausfälle sein werden – bei dieser Konstellation kann es richtig ungemütlich auf den Bahnsteigen werden.

    Und wer denkt, das sei doch jedes Jahr dasselbe, der irrt: Die aktuelle Bündelung mehrerer Gewerkschaften und Berufsgruppen, gepaart mit den ohnehin angespannten wirtschaftlichen Bedingungen, deutet auf einen Konflikt mit Potenzial zur Eskalation hin.

    Catherine H.

  • Steuerflucht auf französischem Boden – Wie der Staat den organisierten Steuerbetrügern den Kampf ansagt

    Steuerflucht auf französischem Boden – Wie der Staat den organisierten Steuerbetrügern den Kampf ansagt

    In Frankreich tobt ein stiller Krieg – nicht gegen Feinde von außen, sondern gegen ein raffiniert organisiertes System von Steuerbetrügern im Inneren. Was früher als Kavaliersdelikt einzelner galt, ist heute eine hochprofessionalisierte Industrie der Finanzkriminalität. Das Finanzministerium spricht längst nicht mehr von Einzelfällen, sondern von einer „organisierten kriminellen Industrie“. Treffender lässt sich die Lage kaum beschreiben. 2024 wurden in Frankreich fast 20 Milliarden Euro an betrügerischen Machenschaften rund um Steuern, Sozialleistungen, Zölle und staatliche Hilfen aufgedeckt. Besonders auffällig: 16,7 Milliarden Euro entfallen allein auf Steuerbetrug. Das ist doppelt so viel wie noch im Jahr 2020 – eine Entwicklung, die sowohl alarmiert als auch motiviert. Denn rund 11,4 Milliarden Euro davon konnten zurückgeholt werden. Wie funktioniert dieses komplexe Betrugssystem? Die Methoden sind raffiniert. Fake-Firmen, Phantom-Arbeitnehmer, gefälschte Renovierungsprojekte – al…

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  • Neue Reform der Arbeitslosenversicherung in Frankreich: Sparen auf dem Rücken der Arbeitslosen?

    Neue Reform der Arbeitslosenversicherung in Frankreich: Sparen auf dem Rücken der Arbeitslosen?

    Mitten in einer wirtschaftlich angespannten Lage und vor dem Hintergrund wachsender öffentlicher Ausgaben – insbesondere im Verteidigungsbereich – steht Frankreich vor einer neuen Debatte: Die Regierung plant erneut eine Reform der Arbeitslosenversicherung. Dabei ist die letzte kaum in Kraft – und schon droht die nächste.

    Reformpläne trotz laufender Anpassungen Am 3. April 2025 trafen sich Präsident Emmanuel Macron, Premierminister François Bayrou und Arbeitsministerin Astrid Panosyan-Bouvet im Élysée-Palast. Thema: Die politische Agenda für 2026 – und ganz oben auf der Liste: eine neue Reform der Arbeitslosenversicherung. Das Ziel ist klar formuliert: öffentliche Defizite senken, ohne die dringend nötigen Investitionen in andere Sektoren zu gefährden. Dabei hatte die jüngste Reform – beschlossen am 15. November 2024 – erst Maßnahmen für Einsparungen in Höhe von 2,3 Milliarden Euro zwischen 2025 und 2028 auf den Weg gebracht. Trotzdem scheint das nicht zu reichen.

    Das Haushaltsloch w…

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  • Wenn Städte plötzlich keine Versicherung mehr finden – Frankreichs Gemeinden in der Klemme

    Wenn Städte plötzlich keine Versicherung mehr finden – Frankreichs Gemeinden in der Klemme

    Was tun, wenn keine Versicherung mehr mitspielen will? Genau das erleben derzeit rund 1.500 französische Kommunen – eine stille, aber tiefgreifende Krise, die kaum jemand auf dem Schirm hat, obwohl sie Millionen betrifft. Klimakatastrophen, soziale Unruhen und steigende Risiken haben dazu geführt, dass viele Versicherer ihre Verträge mit Gemeinden kündigen oder unbezahlbar machen. Für viele Städte und Dörfer steht nun nicht weniger als ihre Handlungsfähigkeit auf dem Spiel.

    Wenn ein Ort Katastrophen verbietet Klingt absurd? Ist aber Realität. Der Bürgermeister von Breil-sur-Roya, einem kleinen Ort in den Alpen, hat aus purer Verzweiflung einen symbolischen Erlass verhängt – Naturkatastrophen sind dort seit kurzem offiziell verboten. Natürlich ändert das nichts an den klimatischen Realitäten, wohl aber am Umgang mit ihnen: Die Stadt ist schlichtweg nicht mehr versicherbar seit der verheerenden Sturmflut Alex im Jahr 2020. Auch die Küstenstadt Les Sables-d’Olonne geht seit dem 1. Januar…

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  • Karfreitag in Frankreich: Zwischen stiller Besinnung und lebendigen Traditionen

    Karfreitag in Frankreich: Zwischen stiller Besinnung und lebendigen Traditionen

    In Deutschland ist der Karfreitag ein Tag der Stille, ein staatlich geschützter Feiertag mit stillen Veranstaltungen, geschlossenen Tanzlokalen und gedeckten Farben. Doch wie steht es um unseren westlichen Nachbarn Frankreich? Auf den ersten Blick scheint der Karfreitag dort kaum eine Rolle zu spielen – und doch lohnt ein zweiter Blick auf die tief verankerten Traditionen, regionalen Unterschiede und kulturellen Besonderheiten.


    Ein Feiertag – aber nicht für alle

    Rein rechtlich betrachtet ist der Karfreitag in Frankreich kein landesweiter Feiertag. Der „Vendredi Saint“, wie er im Französischen heißt, wird lediglich in den drei Départements Bas-Rhin, Haut-Rhin und Moselle offiziell begangen. Diese Sonderstellung hat historische Gründe: Die genannten Regionen im Osten des Landes gehörten einst zum Deutschen Reich und kamen nach dem Ersten Weltkrieg wieder zu Frankreich zurück. Mit ihnen überdauerte auch ein Teil des deutschen Feiertagskalenders – bis heute.

    Das bedeutet konkret: Während der Karfreitag in weiten Teilen Frankreichs ein gewöhnlicher Arbeitstag ist, sind die Schulen, Behörden und viele Geschäfte in Straßburg, Metz oder Colmar geschlossen.


    Spirituelle Tiefe trotz Arbeitstag

    Trotzdem wird der Karfreitag auch außerhalb dieser drei Départements nicht einfach übergangen. Vor allem in katholischen Regionen Frankreichs wird dieser Tag als Moment der Einkehr und Besinnung wahrgenommen. Zahlreiche Gemeinden laden zu Kreuzwegandachten, Schweigemeditationen oder Gottesdiensten ein – besonders in der ländlichen Provence, auf Korsika oder im Baskenland.

    Es ist ein stiller Glaube, der sich nicht unbedingt durch große Aufmärsche, sondern durch innere Haltung zeigt.


    Die „Prozession de la Sanch“ – Theater der Leidensgeschichte

    Ein besonderes Spektakel findet jedes Jahr in Perpignan im Süden Frankreichs statt. Seit dem 15. Jahrhundert wird hier die „Prozession de la Sanch“ organisiert – eine eindrucksvolle Darbietung der Passion Christi.

    In langen schwarzen Kutten mit spitzen Kapuzen – ein Anblick, der manchen an mittelalterliche Bußzüge erinnert – ziehen die Teilnehmer stundenlang durch die Altstadt. Sie tragen schwere Holzkreuze, Reliquien und Figuren des leidenden Jesus. Trommler und Fackelträger begleiten den Zug, der wie ein stilles Schauspiel wirkt – emotional, archaisch, bewegend.

    Wer einmal dabei war, vergisst das so schnell nicht.


    Kinder und fliegende Glocken

    Ein weiterer, fast märchenhafter Brauch betrifft die Kirchenglocken: Von Gründonnerstag bis Ostersonntag verstummen sie in ganz Frankreich – kein Läuten, kein Glockenschlag, kein Stundensignal. Der Grund? Die Glocken, so erzählt man es Kindern, fliegen in dieser Zeit nach Rom, um dort den Segen des Papstes zu empfangen.

    Am Ostersonntag kehren sie lautstark zurück – und bringen Süßigkeiten mit, die sie über Gärten und Balkone „fallen lassen“. Eine fantasievolle Alternative zum deutschen Osterhasen – und mindestens genauso charmant.


    Französische Osterstimmung – aber anders

    In Frankreich hat Ostern eine andere Färbung als in vielen deutschsprachigen Ländern. Es gibt weniger den familiären Festtagsbrunch, weniger bunte Eier in Nestern. Stattdessen wird mehr Gewicht auf symbolische Handlungen und liturgische Rituale gelegt. Der Karfreitag selbst ist dabei weniger ein gesetzlicher Ankerpunkt als ein spiritueller Fixstern.

    Und doch – oder gerade deshalb – bleibt seine Bedeutung tief im kulturellen Gedächtnis verwurzelt.


    Fazit? Nein, lieber ein Gedanke

    Vielleicht liegt der Zauber des Karfreitags in Frankreich gerade in seiner Widersprüchlichkeit: Kein nationaler Feiertag, aber reich an Bräuchen. Kein kollektives Innehalten, aber tief persönliche Rituale. Und genau das macht ihn so besonders – weil er, trotz aller Unterschiede, Teil einer gelebten Glaubenslandschaft bleibt.

    Andreas M. B.

  • Wegen Menschlichkeit gefeuert? Skandal um entlassene Flughafen-Mitarbeiter sorgt für Empörung

    Wegen Menschlichkeit gefeuert? Skandal um entlassene Flughafen-Mitarbeiter sorgt für Empörung

    Vier Mitarbeiter, vier Sandwichs – und ein Sturm der Entrüstung. Am Flughafen Marseille-Provence wurden jüngst vier Beschäftigte der Gastronomiekette SSP, darunter bei Starbucks und Prêt-à-Manger, fristlos entlassen. Der Grund: Sie hatten abends unverkaufte Lebensmittel an Obdachlose und Kollegen verteilt. Ihr Arbeitgeber sprach von „grober Pflichtverletzung“. Viele sehen darin jedoch vor allem eines – einen eklatanten Mangel an Menschlichkeit.


    30 Jahre Dienst – und dann das

    Einer der Betroffenen, Sabri, war drei Jahrzehnte lang im Terminal 1 tätig. Jeden Abend nahm er die nicht verkauften Sandwichs, meldete sie ordnungsgemäß ab und übergab sie an Bedürftige in der Umgebung des Flughafens – Menschen, die er zum Teil seit Jahren kannte. Auch Reinigungskräfte und Sicherheitsleute profitierten gelegentlich davon. Laut Sabri war die Praxis bekannt – und geduldet.

    Bis plötzlich die Kündigung kam. Ohne Vorwarnung. Ohne Gespräch. Vier Kollegen traf es gleichzeitig.


    Der Müllcontainer ist Vorschrift

    Das Unternehmen SSP beruft sich auf interne Regelungen: Lebensmittel, die nicht verkauft wurden, seien laut Vertrag zu vernichten – nicht zu verschenken. Verstöße gelten als „schwerwiegendes Fehlverhalten“. Juristisch mag das stichhaltig sein. Moralisch? Darüber lässt sich streiten.

    Denn seit 2016 existiert in Frankreich die sogenannte Loi Garot, ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung. Es verpflichtet große Supermärkte, unverkaufte Ware an karitative Organisationen abzugeben. Auch wenn diese Regelung nicht explizit für Gastronomiebetriebe wie SSP gilt – sie setzt ein gesellschaftliches Signal: Wegwerfen ist keine Lösung.


    Solidarität statt Sanktion

    Die entlassenen Mitarbeiter sehen sich zu Unrecht bestraft. Ihre Motivation sei nicht Eigennutz gewesen, sondern Empathie – und ein Beitrag zur Reduzierung von Verschwendung. Unterstützung erhalten sie von Gewerkschaften, Aktivisten und vielen Bürgern, die in sozialen Netzwerken unter Hashtags wie #PasUneFaute eine Rücknahme der Kündigungen fordern.

    Der Fall wirft grundlegende Fragen auf: Was zählt mehr – der Vertrag oder der gesunde Menschenverstand? Und wie gehen wir als Gesellschaft mit dem um, was täglich im Müll landet, obwohl es Leben retten könnte?


    Recht contra Gerechtigkeit

    Juristisch stehen die Chancen auf Wiedereinstellung ungewiss. Die vier Betroffenen wollen vor dem Arbeitsgericht klagen – das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen. Doch selbst wenn sie Recht bekommen: Der Imageschaden für das Unternehmen SSP ist bereits da. In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung groß geschrieben werden, wirkt so ein Vorgehen nicht nur kalt, sondern regelrecht aus der Zeit gefallen.


    Ein Sandwich kann viel bedeuten

    Es ist mehr als nur ein belegtes Brot. Es ist ein Symbol – für Mitgefühl, für den Versuch, aus wenig viel zu machen, für gelebte Solidarität. Dass genau das sanktioniert wird, sorgt zurecht für Empörung.

    Und ganz ehrlich: Sollte es nicht eher belohnt werden, wenn jemand etwas Gutes tut, ohne dabei etwas für sich zu verlangen?

    Von C. Hatty

  • Gefängnisse aus dem Baukasten: Frankreichs Notlösung gegen die Überbelegung

    Gefängnisse aus dem Baukasten: Frankreichs Notlösung gegen die Überbelegung

    Wenn der Platz in den Gefängnissen knapp wird, greift der Staat zu unkonventionellen Mitteln. Frankreichs Justizminister Gérald Darmanin kündigte kürzlich den Bau von 3.000 modularen Haftplätzen an – in Form von Fertigbau-Gefängnissen. Innerhalb von nur 18 Monaten sollen die ersten Insassen einziehen können. Klingt nach Pragmatismus – doch ist das wirklich die Lösung für ein strukturelles Problem?

    Ein Land am Limit Die französischen Gefängnisse platzen aus allen Nähten. Der Durchschnitt liegt bei einer Auslastung von über 130 Prozent – manche Anstalten sind sogar zu mehr als 200 Prozent belegt. Die Lage ist derart prekär, dass inzwischen regelmäßig Gefangene auf Matratzen am Boden schlafen müssen. Es ist also keine Überraschung, dass die Regierung auf Tempo setzt. Der Plan: fünfzehn neue Strukturen für den offenen Vollzug und zehn Einrichtungen für kurze Haftstrafen. Der Startschuss fällt in Troyes-Lavau, wo bis Herbst 2026 ein erster Modulbau mit 50 Plätzen entstehen soll.

    Bauen wie…

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  • Julia Koschitz träumt von Frankreich – und die Filmwelt sollte zuhören

    Julia Koschitz träumt von Frankreich – und die Filmwelt sollte zuhören

    Wenn eine Schauspielerin wie Julia Koschitz von Frankreich träumt, dann horcht man auf. Nicht, weil sie die Erste wäre, die sich vom Glanz der französischen Filmkunst angezogen fühlt – sondern weil man spürt, dass dieser Wunsch aus echter Leidenschaft und künstlerischer Sehnsucht geboren ist.

    Koschitz, mit Wurzeln in Brüssel, aufgewachsen in Bayern und ausgebildet in Wien, ist längst mehr als nur ein vertrautes Gesicht des deutschsprachigen Films. Sie ist eine Ausnahmeerscheinung. Eine, die nicht laut auftritt, sondern durch Tiefe und emotionale Präzision überzeugt. Ihre Rollen – etwa in Ewig Dein, wo sie das Porträt einer Frau in einer toxischen Beziehung mit atemberaubender Authentizität zeichnet – zeigen, wozu sie fähig ist: Figuren zum Leben zu erwecken, die uns noch lange im Kopf bleiben.

    Und genau da liegt der Schlüssel für ihren Wunsch, in Frankreich zu drehen.

    Denn Frankreichs Filmkultur tickt anders. Sie gibt dem Unausgesprochenen Raum, vertraut der Subtilität, liebt die Ambivalenz. Es ist ein Kino, das nicht alles erklären will, sondern fragt, fühlt und manchmal schweigt – wie geschaffen für eine Darstellerin wie Koschitz, deren Spiel gerade in den stillen Momenten so intensiv ist.

    Im Interview spricht sie offen über ihre Faszination für diese Art der Erzählweise. Man hört förmlich das Leuchten in ihren Augen. Ihre Wertschätzung für das französische Kino ist kein PR-Gerede – sie ist ehrlich. Und wer ihre bisherigen Rollen kennt, weiß: Das ist keine vage Träumerei, sondern eine stimmige Vision. Sie passt nach Frankreich wie ein gut geschriebenes Drehbuch zu einem starken Cast.

    Dass sie bislang noch nicht Teil einer französischen Produktion war, überrascht fast – aber es öffnet auch die Tür zu einer spannenden Zukunft. Denn wenn sich ein Land und eine Schauspielerin künstlerisch so zueinander hingezogen fühlen, dann braucht es nur noch den richtigen Moment – und ein mutiges Projekt.

    Vielleicht sitzt irgendwo gerade ein Regisseur in Paris, der auf genau so eine Schauspielerin gewartet hat. Eine, die Geschichten nicht einfach spielt, sondern sie durchlebt. Die sich nicht mit Klischees zufriedengibt, sondern nach Wahrheit sucht – auch wenn sie unbequem ist.

    Julia Koschitz in einem französischen Film? Das wäre keine Überraschung, das wäre überfällig.

    Von M.A.B.