Schlagwort: Frankreich

  • Verhängnisvolle Nacht in Cleunay: Tödlicher Messerangriff erschüttert Rennes

    Verhängnisvolle Nacht in Cleunay: Tödlicher Messerangriff erschüttert Rennes

    Ein Samstagabend, der brutal endete. Am 19. Juli wurde ein 20-jähriger junger Mann im Westen von Rennes mit einem einzigen Messerstich tödlich verletzt. Der Tatort: der Stadtteil Cleunay, unweit der gleichnamigen Metrostation. Jetzt sitzen 2 mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft. Doch viele Fragen bleiben. Die Tat war schnell, gezielt, tödlich. Gegen 20 Uhr am 19. Juli entdeckten Passanten den schwer verletzten jungen Mann in der Rue Ferdinand-de-Lesseps. Drei Männer eilten zu Hilfe, brachten ihn in die Notaufnahme des Universitätskrankenhauses Pontchaillou – doch jede Hilfe kam zu spät. Die Autopsie ergab eine einzige, tiefgehende Stichwunde im Bauchbereich. Kein Hinweis auf Gegenwehr. Eine Attacke aus dem Hinterhalt? Der junge Mann stammte aus Brest, lebte aber in Rennes. Ein Unbekannter war er den Behörden nicht. Dennoch wirkt der Ablauf wie aus einem schlechten Krimi: keine Zeugen, keine direkte Auseinandersetzung – nur ein stilles, jähes Ende. Fünf Personen nahm die Polizei in de…

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  • Kommentar: „Ihr Politiker – von euren Spitzenköchen könnt ihr was lernen!“

    Kommentar: „Ihr Politiker – von euren Spitzenköchen könnt ihr was lernen!“

    Was für ein Land sind wir geworden, wenn es die Spitzenköche sind, die unsere Gesundheit verteidigen müssen – während gewählte Politiker schulterzuckend Gift auf unsere Felder lassen?

    Frankreich, du Land der feinen Küche, der großen Worte und der stolzen Geschichte – du wirst gerade von denen verraten, die geschworen haben, dein Volk zu schützen. Die „Loi Duplomb“ ist kein „pragmatischer Kompromiss“, wie Minister sagen. Sie ist ein Kotau vor der Agrarindustrie, ein Ausverkauf der Verantwortung, eine Einladung zum schleichenden Vergiften.

    Und ausgerechnet jetzt sind es nicht Ärzt:innen, nicht Umweltminister oder Präsidenten, die aufstehen. Es sind unsere Köchinnen und Köche. Menschen, die sonst in ihren Küchen filigran mit Aromen hantieren, die morgens auf dem Markt die besten Produkte suchen und die noch wissen, was es heißt, Lebensmittel mit Respekt zu behandeln.

    400 von ihnen sagen jetzt laut und klar: „Nourrir, pas empoisonner“„Ernähren, nicht vergiften.“ Sie machen das, was ihr nicht mehr tut, liebe Politiker: Sie übernehmen Verantwortung. Sie kämpfen für Qualität, für das Leben, für unsere Kinder. Und ihr? Ihr setzt auf Rückschritt. Auf Gifte. Auf befristete Ausnahmegenehmigungen, die am Ende niemals wirklich befristet sind. Wie erbärmlich.

    Diese Menschen, die ihr immer gern zu Staatsempfängen einladet, weil ihr ihren Sternen und Preisen schmeichelt, haben euch gerade den Spiegel vorgehalten. Und was sie sehen, ist nicht schön. Sie sehen eine Politik, die aus Angst vor kurzfristigem Lobbydruck die langfristige Zukunft verspielt. Die Pestizide wieder erlaubt, weil es „die Wirtschaft“ verlangt – aber die Gesundheit der Bürger in den Fußnoten versteckt.

    Lasst es euch gesagt sein: Wenn selbst die stillen Handwerker der Gastronomie laut werden, dann habt ihr den Bogen längst überspannt.

    Die Spitzenköche haben Rückgrat gezeigt. Ihr hingegen, liebe Politikerinnen und Politiker, habt euch mal wieder durchgewunden. Vielleicht solltet ihr einen Tag lang mit Olivier Roellinger, Glenn Viel oder Mauro Colagreco verbringen. Sie könnten euch etwas beibringen. Nicht über Trüffel oder Jus – sondern über Anstand, Ethik und Haltung.

    Und vielleicht begreift ihr dann, was gute Politik und gute Küche gemeinsam haben: Beides beginnt mit der Qualität der Zutaten – und endet mit dem Respekt vor dem Menschen, der am Tisch sitzt.

    Ein Kommentar von Andreas Brucker

  • Der 27. Juli – Wendepunkte im Takt der Geschichte

    Der 27. Juli – Wendepunkte im Takt der Geschichte

    Manche Daten rauschen spurlos vorbei – andere brennen sich ein. Der 27. Juli gehört zur zweiten Sorte. Weltweit und besonders in Frankreich war dieser Tag mehrfach Zeuge großer Umwälzungen, Machtverschiebungen und sogar Revolutionen. Man könnte sagen: Wenn der 27. Juli auf der Bühne auftaucht, bleibt selten alles beim Alten.


    Weltgeschichte im Rückspiegel

    1953 kam es nach drei Jahren erbitterter Kämpfe endlich zum Waffenstillstand im Koreakrieg. Nord gegen Süd, Kommunismus gegen Demokratie, China gegen die USA – die Halbinsel blieb geteilt. Millionen Menschen verloren ihr Leben, ganze Städte wurden ausgelöscht. Und doch markierte dieser 27. Juli nicht das Ende des Konflikts – sondern nur einen eingefrorenen Zustand. Bis heute lebt Korea in zwei Realitäten: eine digital hypermoderne Demokratie im Süden, ein abgeschottetes Regime im Norden.

    Ein anderes Ereignis bringt uns ins Jahr 1866: Das erste erfolgreiche transatlantische Telegrafenkabel verband Europa mit Nordamerika. Was zuvor Wochen dauerte, brauchte nun Minuten – eine Revolution der Kommunikation. Ohne diese technische Meisterleistung wäre das globale Dorf von heute nicht denkbar.

    Gehen wir weiter zurück, ins Jahr 1789. Während in Frankreich die Bastille noch nachbebt, richtet George Washington in den USA das Außenministerium ein. Ein Schritt zur Festigung der jungen Nation – Diplomatie als Mittel zur Etablierung einer neuen Weltordnung.

    Fast zwei Jahrhunderte später erschütterte ein Terroranschlag während der Olympischen Spiele in Atlanta die Welt. Eine Rohrbombe explodierte im Centennial Park. Die Spiele sollten Frieden symbolisieren – und plötzlich war da wieder Gewalt, mitten im internationalen Fest.

    2012 zeigte London der Welt, wie eine Eröffnung mit Humor, Geschichte und Popkultur funktioniert: James Bond springt mit der Queen aus dem Helikopter, Mr. Bean schlägt Klaviertasten – ein versöhnlicher Kontrapunkt zu den Schatten früherer Spiele.

    Und dann wäre da noch Vincent van Gogh. Am 27. Juli 1890 schoss er sich selbst in die Brust – ein verzweifelter Akt des Ausnahmekünstlers. Zwei Tage später starb er. Zu Lebzeiten kaum anerkannt, heute weltberühmt – ein tragischer Beweis, wie schmerzhaft Genialität sein kann.


    Frankreichs ganz eigener 27. Juli

    Im Jahr 754 geschah in Reims etwas, das Frankreichs Geschichte dauerhaft prägte: Der fränkische Hausmeier Pippin der Kurze wurde vom Papst gesalbt und zum König der Franken gekrönt. Das war mehr als nur ein formaler Akt – es war der Beginn einer engen Verbindung zwischen Kirche und Königtum, die über Jahrhunderte den Ton angab.

    Schneller Vorlauf ins Jahr 1214 – Schlacht bei Bouvines. König Philipp II. August besiegte eine Koalition aus dem römisch-deutschen Kaiser Otto IV., dem englischen König Johann Ohneland und dem flämischen Grafen Ferrand. Es war ein entscheidender Moment für Frankreich: Die Monarchie wurde gefestigt, nationale Identität gewann an Kontur. Der Sieg machte Philipp zum Volkshelden – und England musste den berühmten Gang nach Canossa antreten.

    Doch der 27. Juli kann auch Barrikaden: 1830, am ersten Tag der Julirevolution, brodelt es in Paris. Die Bevölkerung empört sich gegen König Karl X., der mit einem Federstrich Pressefreiheit und Parlament aushebeln wollte. Was als Protest beginnt, wird zur Revolution. Drei Tage später ist Karl X. Geschichte, die konstitutionelle Monarchie unter Louis-Philippe nimmt ihren Anfang.

    Frankreich schüttelte an diesem Tag nicht nur ein veraltetes Herrschaftsmodell ab – es demonstrierte, dass Bürgerwille nicht nur laut, sondern auch wirksam sein kann. Die Julirevolution beeinflusste andere europäische Bewegungen und verankerte in Frankreich endgültig das Recht auf Widerstand.

    In den Jahren danach machte der 27. Juli auch in anderen Bereichen von sich reden: 1884 wurde das Scheidungsrecht wieder eingeführt – fast 70 Jahre nach seiner Abschaffung unter Napoleon. Ein stiller, aber bedeutsamer Fortschritt für die Rechte der Frauen und für die gesellschaftliche Selbstbestimmung.

    Und 1930? Da gewann André Leducq die Tour de France – als Teil des ersten französischen Nationalteams. Es war mehr als nur Sport: Es war Nationenbildung auf zwei Rädern.


    Heute noch spürbar?

    Unbedingt. Die Teilung Koreas, das globale Kommunikationsnetz, diplomatische Strukturen – all das geht auf Entscheidungen zurück, die am 27. Juli gefällt wurden.

    Und in Frankreich? Der Nationalgedanke, wie er bei Bouvines geboren wurde, lebt bis heute weiter. Die Julirevolution erinnert daran, dass Bürgerbewegungen echte politische Umwälzungen anstoßen können. Nicht selten blicken französische Politiker heute auf diese historischen Wurzeln – etwa wenn es um Reformproteste geht oder die Rolle der Pressefreiheit diskutiert wird.

    Ist es nicht spannend, wie ein einziges Datum immer wieder neue Bedeutungen bekommt?


    Ein bisschen Alltagssprache muss sein

    Manchmal fragt man sich ja: Wie viele Erdbeben der Geschichte braucht so ein Kalenderdatum eigentlich? Der 27. Juli hat jedenfalls seinen Soll mehr als erfüllt. Da steppt richtig der Bär – vom König bis zum Künstler, vom Staatsvertrag bis zur Sportbühne.


    Die Facetten des 27. Juli auf einen Blick

    • 754 – Pépin der Kurze wird in Reims gekrönt
    • 1214 – Schlacht bei Bouvines festigt Frankreichs Monarchie
    • 1830 – Beginn der Julirevolution in Paris
    • 1866 – Erstes transatlantisches Telegrafenkabel
    • 1890 – Vincent van Goghs letzter tragischer Akt
    • 1953 – Waffenstillstand im Koreakrieg
    • 1996 – Anschlag bei den Olympischen Spielen in Atlanta
    • 2012 – Olympische Eröffnung in London mit royaler Show

    Jeder dieser Punkte steht für eine Bewegung – politisch, technisch, gesellschaftlich oder künstlerisch. Der 27. Juli ist kein gewöhnlicher Tag. Er ist ein Prisma, durch das sich die Strahlen der Geschichte bündeln.

  • Le Tour de France: Herzschlag einer Nation

    Le Tour de France: Herzschlag einer Nation

    Die Tour de France ist kein gewöhnliches Sportereignis. Sie ist Mythos, Marathon und französische Seele auf zwei Rädern. Einmal im Jahr verwandelt sie das ganze Land in eine einzige große Bühne – von den windgepeitschten Küsten der Bretagne bis zu den brutalen Serpentinen der Alpen. Es ist, als würd…

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  • Krank und benachteiligt? Warum Frankreichs Regierung mit ihrer Reform der Lohnfortzahlung alle gegen sich aufbringt

    Krank und benachteiligt? Warum Frankreichs Regierung mit ihrer Reform der Lohnfortzahlung alle gegen sich aufbringt

    Mitten in der Sommerpause zündet die französische Regierung eine finanzpolitische Nebelgranate: Künftig soll die gesetzliche Lohnfortzahlung im Krankheitsfall erst ab dem achten Tag einsetzen – bislang beginnt sie ab dem vierten. Die Maßnahme ist Teil eines umfassenden Plans zur Haushaltskonsolidierung, doch sie trifft auf seltene Einmütigkeit unter Arbeitgebern und Gewerkschaften: Beide Seiten lehnen die geplante Verlängerung der Karenzzeit ab – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

    Einseitige Lastenverlagerung in schwierigen Zeiten Gesundheitsministerin Catherine Vautrin begründet die geplante Änderung mit der Notwendigkeit, die Sozialversicherungsausgaben zu zügeln. Allein die Ausgaben für Krankengeld sollen 2025 die Marke von 16 Milliarden Euro übersteigen – ein Anstieg um fast 70 % gegenüber 2012. Durch die Neuregelung verspricht sich die Regierung Einsparungen von 945 Millionen Euro jährlich für die staatliche Krankenversicherung. Diese Kosten würden jedoch nicht entfallen, s…

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  • Ein fragiler Frieden in Soueïda: Frankreichs Rolle in einem zerrissenen Syrien

    Ein fragiler Frieden in Soueïda: Frankreichs Rolle in einem zerrissenen Syrien

    Die jüngsten Gewaltausbrüche in der syrischen Provinz Soueïda haben mit erschreckender Wucht vor Augen geführt, wie prekär die Lage im Land auch nach dem formellen Sturz des Assad-Regimes bleibt. Über 1.400 Menschen kamen innerhalb weniger Tage bei Kämpfen zwischen drusischen Milizen und sunnitisch-beduinischen Stämmen ums Leben – ein Blutvergießen, das sich trotz eines von Frankreich und den USA unterstützten Waffenstillstands jederzeit wieder entzünden könnte. Emmanuel Macron warnt vor einer neuen Gewaltspirale und bemüht sich, Frankreichs Einfluss für eine politische Stabilisierung Syriens zu mobilisieren. Wiederaufflammen alter Konfliktlinien Die Provinz Soueïda im Süden Syriens war lange Zeit vom Bürgerkrieg verschont geblieben. Dominiert von der religiösen Minderheit der Drusen, galt die Region unter Bashar al-Assad als relativ stabil – auch, weil die drusischen Milizen sich weitgehend neutral verhielten oder regimefreundlich positionierten. Doch die neue Machtkonstellation nach …

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  • „Nourrir, pas empoisonner“ – Frankreichs Spitzenköche rebellieren gegen die Pestizidpolitik der Regierung

    „Nourrir, pas empoisonner“ – Frankreichs Spitzenköche rebellieren gegen die Pestizidpolitik der Regierung

    In Frankreich regt sich breiter Widerstand gegen die sogenannte „Loi Duplomb“, ein kürzlich verabschiedetes Gesetz, das die Wiedereinführung bestimmter, bislang verbotener Pestizide erlaubt. Was zunächst nach einem rein agrarpolitischen Vorgang klingt, hat sich binnen weniger Tage zu einer nationalen Kontroverse ausgeweitet – mit Akteuren, die sonst selten politisch in Erscheinung treten: Frankreichs Spitzenköche. 400 Vertreterinnen und Vertreter der Gastronomie – darunter international renommierte Küchenchefs wie Jacques Marcon, Mauro Colagreco und Olivier Roellinger – haben sich in einem offenen Brief in Le Monde deutlich gegen das Gesetz positioniert. Ihre zentrale Botschaft: „Wir kochen, um zu ernähren, nicht um zu vergiften.“ Symbolischer Schulterschluss gegen ein umstrittenes Gesetz Der Aufschrei der französischen Gastronomie kommt nicht aus dem leeren Raum. Die Loi Duplomb, benannt nach dem französischen konservativen Politiker und Landwirt Laurent Duplomb, sieht die befristete …

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  • Tödliches Spektakel: Drei Zuschauer sterben bei Rallye in Frankreich – Was läuft schief beim Motorsport?

    Tödliches Spektakel: Drei Zuschauer sterben bei Rallye in Frankreich – Was läuft schief beim Motorsport?

    Es sollte ein Wochenende voller Adrenalin, Motorenlärm und Emotionen werden. Stattdessen endete es in Trauer, Bestürzung und vielen offenen Fragen. Am Samstag, dem 26. Juli 2025, wurde der französische Motorsport von einer Tragödie erschüttert, die selbst hartgesottene Rallye-Fans innehalten lässt. Bei der 32. Ausgabe des Rallye de la Fourme d’Ambert verloren drei Zuschauer ihr Leben – überfahren von einem Rennwagen, der von der Strecke abkam. Ein Unfall, der alles verändert. Ein Tag voller Vorfreude – dann das Unfassbare Gegen 11 Uhr am Vormittag, im waldreichen Gebiet von Le Cros in der Gemeinde Saint-Just, südlich von Ambert im Département Puy-de-Dôme, verliert eine Peugeot 208 auf einer geraden Strecke die Kontrolle. Am Steuer: Clara Passel, eine 22-jährige Nachwuchsfahrerin, begleitet von einer 51-jährigen Beifahrerin. Die Strecke war bekannt, das Wetter stabil – und doch passiert das Unglück. Die Rallye-Fahrerin kommt von der Straße ab. Ihr Wagen trifft ein Gruppe Zuschauer mit v…

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  • Vernichten statt Weitergeben? Der Streit um US-Verhütungsmittel in Europa und die Reaktion aus Frankreich

    Vernichten statt Weitergeben? Der Streit um US-Verhütungsmittel in Europa und die Reaktion aus Frankreich

    Es ist ein Vorgang, der in seiner Absurdität kaum zu überbieten scheint: Rund 10 Millionen Dollar an Verhütungsmitteln, gelagert auf europäischem Boden, sollen vernichtet werden. Nicht, weil sie abgelaufen wären. Nicht, weil sie fehlerhaft wären. Sondern weil die USA – ihr ursprünglicher Absender – sich schlicht weigern, sie weiterzugeben. Was steckt dahinter?

    Die betroffenen Präparate, vor allem Langzeitverhütungsmittel wie Implantate und Injektionen, stammen aus einem Vorrat der US-amerikanischen Entwicklungsbehörde USAID. Ursprünglich waren sie für Frauen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen bestimmt – also Regionen, in denen ein sicherer Zugang zu reproduktiver Gesundheitsversorgung nicht selbstverständlich ist.

    Doch dann kam die Trump-Regierung.

    Mit ihr wurde USAID in ihrer bisherigen Form stark zurückgefahren. Humanitäre Programme gerieten unter Druck, viele Hilfsgüter blieben liegen. So auch die fraglichen Verhütungsmittel, die nun in europäischen Lagerhallen auf ihr Ablaufdatum warten. Anstatt sie zu spenden, etwa an NGOs wie Médecins sans frontières, pocht die US-Regierung auf Vernichtung.

    Warum?

    Offizielle Begründungen gibt es kaum – doch Beobachter verweisen auf innenpolitische Motive: In den USA ist das Thema reproduktive Rechte derzeit ein Minenfeld. Der Supreme Court hat das nationale Recht auf Abtreibung gekippt, in vielen Bundesstaaten tobt ein Kulturkampf um Sexualaufklärung und Verhütung. Jede Geste, die als Unterstützung von Familienplanung interpretiert werden könnte, birgt innenpolitisches Risiko.

    In Frankreich hingegen sorgt die Entscheidung für Empörung.

    Insbesondere Politikerinnen und Politiker von La France insoumise und den Grünen fordern Präsident Emmanuel Macron zum Handeln auf. Ihr Appell: Frankreich soll sich gemeinsam mit der EU gegen die Zerstörung einsetzen – und NGOs unterstützen, die die Verhütungsmittel weitergeben könnten.

    „Diese Produkte zu vernichten, während Millionen Frauen weltweit keinen Zugang zu Verhütung haben, ist ein ethisches Desaster“, erklärt eine Abgeordnete der Grünen. Es sei nicht nur eine Verschwendung von Ressourcen, sondern ein Frontalangriff auf die Prinzipien von Gesundheitsgerechtigkeit und internationaler Solidarität.

    Auch außerhalb des Parlaments wächst der Druck.

    Hilfsorganisationen, die sich seit Jahren in Krisenregionen engagieren, machen klar: Sie sind bereit, die Präparate schnell und effizient zu verteilen. Doch ihre Angebote wurden bislang von Washington ausgeschlagen. Selbst Notlösungen – etwa eine Übergabe über Drittstaaten – sind offenbar vom Tisch.

    Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf.

    Was passiert, wenn ein Land mit enormer außenpolitischer Reichweite beschließt, seine humanitäre Rolle einzuschränken? Tragen andere – in diesem Fall europäische – Staaten dann eine moralische Verantwortung, einzuspringen? Oder sind ihnen bei rein bilateralen Entscheidungen die Hände gebunden?

    Gerade im Gesundheitsbereich ist internationale Kooperation essenziell. Ohne gemeinsames Handeln, ohne Koordination über Grenzen hinweg, bleiben viele Initiativen Stückwerk. Die Zerstörung dringend benötigter Verhütungsmittel mitten in Europa illustriert schmerzhaft, wie brüchig solche Partnerschaften sein können.

    Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: die Symbolik.

    Verhütungsmittel stehen nicht nur für Familienplanung, sondern für Selbstbestimmung, Bildung, wirtschaftliche Perspektive – besonders für Frauen. Ihre bewusste Vernichtung sendet ein fatales Signal. Wer sie durchsetzt, nimmt in Kauf, dass Menschen in Armut auf fundamentale Rechte verzichten müssen.

    Die Reaktion der französischen Linken ist daher nicht nur politischer Protest – sie ist auch Ausdruck einer grundsätzlichen Haltung. Einer Haltung, die sagt: Gesundheit darf nicht nach politischer Opportunität bewertet werden. Und Solidarität endet nicht am Rand des Wahlkreises.

    Bleibt die Frage: Reagiert Macron?

    Bislang hält sich der Élysée bedeckt. Dabei könnte ein deutliches Signal – etwa in Richtung EU-Kommission – Bewegung in die Sache bringen. Denkbar wäre etwa ein gemeinsames diplomatisches Angebot an die USA oder die Einrichtung eines europäischen Notfonds, um solche Güter zu übernehmen und weiterzugeben.

    Denn eins steht fest: Wegsehen ist keine Lösung.

    Autor: C. Hatty

  • Stadt bei 40 Grad: Wie Wasserspiele im Rhône-Tal gegen die Hitze helfen

    Stadt bei 40 Grad: Wie Wasserspiele im Rhône-Tal gegen die Hitze helfen

    Wer dieser Tage durch die Straßen von Lyon schlendert, hört es schon aus der Ferne: das freudige Kreischen der Kinder, das Zischen von Wasserfontänen, das leise Plätschern aus versteckten Düsen. Kein Springbrunnen aus dem Barock, kein klassisches Freibad – sondern ein neuer Typ Stadtmobiliar: die Wasserspielanlage.

    Ein Sinnbild für die Antwort der Städte auf die Klimakrise.


    Wasserspaß statt Hitzestress

    Sommerhitze hat längst ein anderes Gesicht. Was früher seltene Hitzewellen waren, ist heute ein alljährliches Phänomen – und fordert neue Ideen. In Vénissieux etwa, einem Vorort von Lyon, wurde 2024 eine moderne Wasserspielanlage eröffnet: 150 Quadratmeter pures Sommerglück. Mit sprühenden Bögen, kühlenden Nebelduschen und schattigen Sitzplätzen. Und: Das Ganze funktioniert im geschlossenen Wasserkreislauf – umweltfreundlich und ressourcenschonend.

    Was für die einen eine Spielerei ist, ist für die Stadt eine kluge Investition. Vénissieux plant bereits sieben weitere Anlagen bis 2026.

    Auch Lyon selbst zieht nach. Im Parc de la Tête d’Or laden neue Wasserdüsen zum Planschen ein, in den Parks Blandan und Zénith sorgen Nebelstationen für Erfrischung. Alles Teil einer Strategie, die auf „Frische-Inseln“ in der Stadt setzt – grüne, kühle Oasen mitten im Beton.


    Wenn Nebel Leben rettet

    Warum das alles? Weil Hitzewellen längst keine bloße Unannehmlichkeit mehr sind, sondern eine gesundheitliche Bedrohung. Vor allem für ältere Menschen, Kleinkinder und Menschen mit chronischen Erkrankungen. Kommunen wie Le Coteau haben das verstanden – und schalten ihre Wasserspiele gezielt bei Hitzealarm wieder ein.

    Der Vorteil solcher Anlagen liegt auf der Hand: Sie sind günstiger als Schwimmbäder, brauchen weniger Personal, keine Eintrittspreise – und sie stehen dort, wo sie gebraucht werden. Direkt in den Wohnquartieren, mitten im Alltag.

    Manchmal reicht ein einfacher Wasserstrahl, um das Leben ein bisschen leichter zu machen.


    Kleine Tropfen, große Wirkung

    Die neue Lust am Wasserspiel ist mehr als nur eine Notlösung – sie ist Ausdruck eines Paradigmenwechsels. Städte im Rhône-Tal und darüber hinaus erkennen, dass urbane Räume anders gestaltet werden müssen: widerstandsfähiger, durchdachter, menschengerechter.

    Dazu gehören nicht nur Wasserspiele, sondern auch mehr Grün, durchlässige Böden, Schatten spendende Bäume und eine Wasserpolitik, die nicht erst bei der nächsten Dürre beginnt. Es geht um nichts weniger als die Stadt der Zukunft – eine, die bei 40 Grad nicht kollabiert.


    Was bleibt hängen?

    Ein lachendes Kind unter einem Wasserbogen, eine Großmutter, die sich an einem kühlen Nebel erfreut, ein Jugendlicher, der sein Gesicht unter eine Wasserfontäne hält. All das sind Bilder einer neuen urbanen Realität – einer Stadt, die nicht nur plant, sondern fühlt.

    Autor: Andreas M. Brucker