Schlagwort: Frankreich

  • Apprieu – tödliche Schüsse hinter geschlossenen Türen

    Apprieu – tödliche Schüsse hinter geschlossenen Türen

    Manchmal ist es die Stille, die am lautesten schreit. In Apprieu, einer kleinen Gemeinde im Département Isère, steht ein weißes Haus, wie viele andere. Zwei Etagen, ein Garten, eine Auffahrt. Kein Lärm, keine Vorfälle, nichts Auffälliges – bis auf jenen Donnerstagnachmittag, an dem eine Frau zur Tür ihrer Schwester geht und klingelt. Was sie dort vorfindet, wird sie niemals vergessen: zwei leblose Körper, mehrere Einschusslöcher, eine Stille, die ohrenbetäubend wirkt. Es ist der 27. November. Zwei Menschen, Anfang dreißig, werden erschossen aufgefunden – eine Frau und ein Mann, offenbar ein Paar. Nach allem, was die Ermittlungen bislang ans Licht gebracht haben, spricht vieles für ein vertrautes Drama: mutmaßlicher Feminizid, gefolgt von einem Suizid. Ein schrecklicher Verdacht, gestützt durch die Umstände am Tatort, die Aussagen der Angehörigen, die Spurenlage. Die Schwester der Frau ist es, die Alarm schlägt. Sie wollte eigentlich nur nachsehen, warum sich die junge Frau nicht meldet…

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  • Frankreichs neue Linie gegen „Taxi-Boote“ – Ein riskanter Kurswechsel in der Migrationspolitik

    Frankreichs neue Linie gegen „Taxi-Boote“ – Ein riskanter Kurswechsel in der Migrationspolitik

    Sie kommen bei Nacht, mit kaum mehr als einem GPS-Gerät und der Hoffnung, England zu erreichen. Kleine Schlauchboote, voll besetzt mit Menschen, die über den Ärmelkanal fliehen wollen – einer der gefährlichsten Seewege Europas. In Frankreich tragen sie einen zynischen Spitznamen: „Taxi-Boote“. Jetzt zieht die Regierung die Reißleine – und stellt die Strategie auf See grundlegend um. Die Gendarmerie maritime, bislang vor allem für Seenotrettung und Küstenüberwachung zuständig, erhält ein neues Mandat: Sie darf eingreifen, bevor das Drama beginnt. Nicht erst, wenn die Migranten an Bord sind – sondern schon, wenn die Boote noch leer sind, auf der Lauer, um an der Küste ihre menschliche Fracht aufzunehmen. Das klingt nach Kontrolle. Nach Ordnung. Nach einem entschlossenen Staat. Aber es birgt Risiken – und erzählt viel über das europäische Dilemma in der Migrationsfrage.

    Der Vorstoß kommt nicht aus dem Nichts. Seit Jahren kämpfen die französischen Behörden gegen ein System, das sich zuneh…

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  • Zigarettenverbot auf den Skipisten – Frankreich zieht eine klare Linie

    Zigarettenverbot auf den Skipisten – Frankreich zieht eine klare Linie

    Es ist vorbei mit dem genüsslichen Zug auf dem Sessellift, der entspannten Zigarette vor der Abfahrt oder dem schnellen Glimmstängel in der Warteschlange: Seit diesem Winter ist das Rauchen auf den französischen Skipisten offiziell verboten. Ein scheinbar kleines Dekret mit großer Wirkung – nicht nur für Wintersportler, sondern für das Bild der Berge als Ort von Reinheit und Ruhe.

    Die Regel ist klar und landesweit gültig: Wer in Frankreich Ski fährt, darf auf dem gesamten Skigebiet, in den Liften und in den Warteschlangen keine Zigarette mehr anzünden – auch keine E-Zigarette, sofern die örtliche Auslegung dies einschließt. Wer sich nicht daran hält, riskiert ein Bußgeld von 135 Euro. Und im Wiederholungsfall kann es noch teurer werden.

    Mancher mag denken: Ist das nicht übertrieben? Doch der Schritt fügt sich nahtlos in einen Trend ein, der seit Jahren an Fahrt gewinnt.

    Frankreich verfolgt schon länger das Ziel, das Rauchen in öffentlichen Außenbereichen schrittweise zurückzudrängen. An den Stränden ist es bereits vielerorts verboten, in Parks ebenso. Nun also die Skipisten – Orte, die traditionell mit Freiheit, Weite und klarer Luft assoziiert werden. Für die französische Regierung und die Betreiber der Skigebiete ist es nur konsequent, diesen Schutzraum auszuweiten.

    Das Argument? Gleich dreifach: Gesundheit, Umweltschutz, Image.

    Zum einen soll der öffentliche Raum für alle erträglicher werden – auch für Kinder und Nichtraucher, die bislang unweigerlich mitrauchen mussten, wenn sie im Lift neben einem passionierten Raucher saßen. Die Gesundheitspolitik des Landes will Tabak und Passivrauchen zurückdrängen, und jede neue Nichtraucherzone ist ein Baustein in diesem Puzzle.

    Zum anderen geht es um Sauberkeit – und hier werden die Zahlen plötzlich sehr konkret. Allein bei einer Aktion zur Müllvermeidung in französischen Skigebieten im vergangenen Jahr wurden über 57.000 (!) Zigarettenstummel eingesammelt. Viele davon lagen wochenlang unter dem Schnee, bis sie im Frühjahr auftauten – und mit ihnen das Problem. Denn jeder einzelne Stummel braucht Jahre, um sich zu zersetzen, und enthält Schadstoffe, die Boden und Wasser belasten.

    Nicht zuletzt steckt hinter dem Verbot auch eine kluge Imagepolitik. Skigebiete leben vom Versprechen unberührter Natur, klarer Luft, eines Erlebnisses fernab von Lärm, Hektik und Verschmutzung. Da wirkt eine Zigarette nicht nur wie ein olfaktorischer Störfaktor – sie kratzt auch am Selbstbild der alpinen Idylle.

    Viele Stationen haben deshalb nicht lange gefackelt: Die neuen Regeln werden mit Schildern, Aufklärungsaktionen und auch ein wenig Humor kommuniziert. Einer der geplanten Slogans bringt es auf den Punkt: „Die Aussicht raubt Ihnen doch schon den Atem – ganz ohne Zigarette.“ Treffender kann man es kaum sagen.

    Gleichwohl gibt es erste kritische Stimmen – sowohl unter Urlaubern als auch unter Branchenkennern. Vor allem die Frage nach der praktischen Umsetzung sorgt für Stirnrunzeln: Wie will man kontrollieren, ob jemand auf dem Sessellift schnell zur Zigarette greift? Und wer soll auf den Pisten patrouillieren?

    Tatsächlich hängt der Erfolg der Maßnahme stark von der Kommunikation und Akzeptanz ab. In Les Gets, einem Vorreiter unter den französischen Skigebieten, wurde das Rauchverbot bereits 2022 eingeführt – und dort zeigt sich: Es funktioniert, wenn die Gäste frühzeitig informiert und alternative Rauchzonen eingerichtet werden. Dazu gehören abgegrenzte Raucherbereiche mit sogenannten „ökologischen Aschenbechern“. Das mag zunächst etwas absurd klingen, ist aber Teil einer durchdachten Strategie: lenken statt verbieten.

    Auch die Frage, ob E-Zigaretten unter das Verbot fallen, sorgt für Diskussionen. Der Gesetzestext lässt Interpretationsspielraum – und so könnte es sein, dass die Handhabung von Station zu Station variiert. Manche Urlauber werden also je nach Ort mehr oder weniger streng behandelt.

    Und: Wo hört das Skigebiet eigentlich auf? Die neue Regel gilt auf den Pisten, Liften und in den Warteschlangen – nicht aber zwingend auf Restaurantterrassen oder in den Straßen der Skiorte. Das eröffnet Spielräume, aber auch Schlupflöcher. Wer wirklich rauchen will, wird Möglichkeiten finden. Doch das Grundgefühl verändert sich – und mit ihm die öffentliche Wahrnehmung.

    Natürlich gibt es auch jene, die sich an dieser Entwicklung stören. Für viele Skifahrer gehört die Zigarette zur Pause auf der Hütte wie der Kakao für die Kinder. Sie empfinden das Verbot als Einschränkung ihrer Freiheit, als weiteres Beispiel für staatliche Überregulierung. Der Begriff „Bevormundung“ fällt in Kommentaren immer wieder.

    Doch die Geschichte zeigt: Solche Eingriffe wirken, wenn man ihnen Zeit lässt. Was heute noch polarisiert, ist morgen oft schon selbstverständlich. Man denke nur an das Rauchverbot in Restaurants oder Zügen. Was einst Empörung auslöste, ist längst in den Alltag übergegangen – und von den meisten begrüßt.

    Es ist also gut möglich, dass auch das Rauchen auf den Skipisten in wenigen Jahren nur noch eine nostalgische Erinnerung ist. Eine Erinnerung an eine Zeit, in der Freiheit auch hieß, anderen die Luft zu nehmen.

    Frankreich hat mit seinem neuen Dekret ein deutliches Zeichen gesetzt – eines, das mehr bewirken könnte, als es auf den ersten Blick scheint. Denn es geht nicht nur um Rauch – es geht um Rücksicht, Respekt und das Bild der Berge, das wir uns bewahren möchten.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Erschossen, verbrannt, 15 Jahre alt – Marseille steht unter Schock

    Erschossen, verbrannt, 15 Jahre alt – Marseille steht unter Schock

    Ein verkohlter Körper, gefunden am frühen Freitagmorgen, irgendwo zwischen Beton und Müll in den nördlichen Stadtteilen von Marseille – und wenig später die grausame Erkenntnis: Es handelt sich um einen 15-jährigen Jungen. Ein Kind also. Ohne Vorstrafen. Ohne bekannten Kontakt zur Unterwelt. Und doch mit einer Kugel im Leib und verbrannt. Was ist das für eine Stadt, in der solche Taten möglich sind? Am Freitagmorgen war es eine Spaziergängerin, deren Hund unruhig wurde und sie zu einem verstörenden Fund führte: Ein vollständig verbrannter Leichnam, am Fuße eines Wohnhauses im Viertel Les Arnavaux. Ermittler sperrten die Umgebung ab, sicherten Spuren, fanden eine Patronenhülse – und bald darauf DNA-Spuren, die den Toten identifizierten: ein 15-jähriger Junge aus einem anderen Viertel Marseilles. Kein Dealer, kein Guetteur, wie die „Kleinen“ im Drogenmilieu oft genannt werden. Kein Eintrag im Register. Nur ein Jugendlicher, den die Polizei einmal vernommen hatte, ohne weitere Folgen. Ein…

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  • 1.000 Euro für ein neues Leben: Wie eine Kleinstadt gegen das große Baby-Defizit kämpft

    1.000 Euro für ein neues Leben: Wie eine Kleinstadt gegen das große Baby-Defizit kämpft

    Ein Neugeborenes ist immer ein kleines Wunder – doch in Saint-Amand-Montrond wird es jetzt auch zu einem finanziellen Glücksfall. Die Gemeinde im Herzen Frankreichs zahlt künftig 1.000 Euro pro Geburt. Nicht als sentimentales Willkommensgeschenk, sondern als letzte Maßnahme im Kampf ums Überleben ihrer Geburtsstation. Die Idee klingt zunächst charmant, fast märchenhaft. Doch dahinter steckt eine nüchterne Realität. Frankreichs Geburtenrate befindet sich im freien Fall, die Zahl der Entbindungen sinkt – und mit ihr die Existenzgrundlage vieler kleiner Geburtskliniken. Auch Saint-Amand-Montrond, ein verschlafenes Städtchen im Département Cher, steht an einem Kipppunkt. Wo 2010 noch 400 Babys das Licht der Welt erblickten, waren es im vergangenen Jahr nur noch 220. Ein Rückgang, der längst nicht nur statistisch ins Gewicht fällt, sondern auch ganz real die Schließung der Klinik bedeuten könnte. Ein Blick auf die Landkarte der französischen Gesundheitsversorgung zeigt, wie dramatisch die L…

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  • Urlaub mit Abgrund – Wenn ein Balkon zur Falle wird

    Urlaub mit Abgrund – Wenn ein Balkon zur Falle wird

    Ein Holzgeländer, das knarzt. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit. Dann das Geräusch von splitterndem Holz, gefolgt von Schreien, die durchs Tal hallen. Was sich am vergangenen Wochenende in Dabo, einem kleinen Ort in der Moselregion, ereignet hat, liest sich wie der Stoff aus einem schlechten Film. Doch es ist bittere Realität – und ein mahnendes Beispiel dafür, wie fragil das Versprechen von Sicherheit selbst im friedlichsten Urlaubsidyll sein kann.

    Drei Menschen wurden verletzt, eine junge Frau schwebt in Lebensgefahr. Der Balkon eines Ferienhauses, erbaut aus Holz, ist unter ihnen zusammengebrochen. Vier Meter tief stürzten sie in das Dornengestrüpp unterhalb des Giebels, wo ein Nachbar sie schließlich fand. Er hatte zuvor ein verdächtiges Knacken gehört, als würde ein alter Baum im Sturmwind ächzen, dann Stille – dann das Chaos.

    Der Zustand der 26-jährigen Frau war so kritisch, dass sie per Hubschrauber nach Straßburg geflogen wurde. Die beiden Männer, 23 und 53 Jahre alt, kamen mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus nach Sarrebourg. Leichtere Verletzungen, so heißt es bislang, doch die psychischen Spuren eines solchen Schreckensmoments werden wohl bleiben.

    Was ist geschehen?

    Die Behörden ermitteln. Noch sind die genauen Ursachen nicht öffentlich bekannt. Fest steht nur: Der Balkon sei „suddenement“, also plötzlich, eingebrochen. Diese Wortwahl lässt auf einen strukturellen Defekt schließen, möglicherweise ausgelöst durch Witterungseinflüsse, Materialermüdung oder schlicht mangelhafte Instandhaltung. Dass ein Zeuge das Knacken des Holzes gehört hat, bevor der Balkon nachgab, könnte ein Indiz sein – vielleicht ein letztes Warnsignal, das verhallte, bevor das Unglück seinen Lauf nahm.

    Ein solcher Vorfall wirft Fragen auf. Fragen, die über diesen Einzelfall hinausgehen und die sich nun Eigentümer, Vermieter und Behörden gleichermaßen stellen müssen. Wie sicher sind Ferienunterkünfte in ländlichen Regionen wirklich? Wer kontrolliert, ob Balkone, Terrassen oder Holzkonstruktionen regelmäßig gewartet werden? Und welche Standards gelten für touristisch genutzte Gebäude, die zwar idyllisch wirken, aber baulich nicht immer auf dem neuesten Stand sind?

    Die Moselregion mit ihren Fachwerkhäusern, Landgütern und rustikalen „Gîtes“ lebt von genau diesem Charme. Hierher kommt, wer Ruhe sucht, das einfache Leben, Holzofenromantik. Doch genau diese rustikale Ästhetik ist nicht selten mit Risiken behaftet – wenn sie nicht mit moderner Technik und klaren Sicherheitskonzepten verbunden wird.

    Dabo, ein Ort wie aus dem Bilderbuch, wird nun zum traurigen Schauplatz einer Debatte, die lange fällig war. Denn je mehr der ländliche Tourismus boomt, je mehr Städter sich nach dem Rückzug ins Grüne sehnen, desto größer wird die Verantwortung jener, die solche Rückzugsorte anbieten. Ein Balkon ist kein Dekor, er ist eine bauliche Konstruktion, die Leben tragen muss. Im Wortsinn.

    Für die lokalen Behörden ist das Unglück ein Warnsignal – vielleicht auch ein Weckruf. Es ist durchaus denkbar, dass der Vorfall eine breitere Diskussion über Kontrollpflichten und Instandhaltungsintervalle touristischer Unterkünfte anstoßen wird. Insbesondere in Regionen, in denen der Sommer und auch der Winter viele Gäste bringt, aber die Bauvorschriften nicht mit der gleichen Konsequenz überprüft werden wie etwa in städtischen Hotels.

    Es geht nicht um Schuldzuweisungen – noch ist nicht geklärt, ob menschliches Versagen, äußere Einflüsse oder schlicht Pech zur Katastrophe führten. Aber eines steht fest: Die Sicherheit in Urlaubsunterkünften darf nicht dem Zufall überlassen bleiben. Wer vermietet, trägt Verantwortung – baulich, rechtlich, moralisch.

    Vielleicht hilft dieses tragische Ereignis, das Bewusstsein zu schärfen. Bei Vermietern, bei Behörden, aber auch bei Reisenden selbst. Denn die Vorstellung, dass ein gemütlicher Abend auf dem Balkon eines Ferienhauses in einem Albtraum endet, ist nicht nur erschreckend – sie ist, wie Dabo zeigt, real.

    Autor: Andreas M. B.

  • Ein Ei als politisches Signal? Die Attacke auf Jordan Bardella und das rauer werdende Klima in Frankreich

    Ein Ei als politisches Signal? Die Attacke auf Jordan Bardella und das rauer werdende Klima in Frankreich

    Am Rande einer Signierstunde im südwestfranzösischen Moissac wird der Präsident des Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, Ziel eines körperlichen Angriffs – wenn auch symbolischer Natur. Ein 74-jähriger Mann versucht, ihm ein Ei auf den Kopf zu schlagen. Die Tat bleibt ohne physische Folgen, doch sie entfacht eine politische Debatte über die zunehmende Gereiztheit im öffentlichen Raum. Innenminister Laurent Nuñez verurteilt den Vorfall „aufs Schärfste“ und warnt vor einem „politischen Verhärtungsprozess“. Die Episode ist symptomatisch für ein Land, das zwischen Wahlkampffieber, ideologischen Gräben und dem schwindenden Vertrauen in demokratische Institutionen steht. Ein Angriff mit Vorgeschichte Der Vorfall ereignete sich am Samstag, dem 30. November 2025, während eines öffentlichen Auftritts Bardellas im Rahmen einer Buchpräsentation. Der Täter, mittlerweile in Polizeigewahrsam, ist kein Unbekannter: Bereits im März 2022 hatte er den rechtsextremen Präsidentschaftskandidaten É…

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  • Selenskyj in Paris: Der ukrainische Präsident sucht Rückhalt – innenpolitisch geschwächt, außenpolitisch unter Druck

    Selenskyj in Paris: Der ukrainische Präsident sucht Rückhalt – innenpolitisch geschwächt, außenpolitisch unter Druck

    Volodymyr Selenskyj reist erneut nach Paris. Am Montag, dem 1. Dezember 2025, wird er von Emmanuel Macron im Élysée empfangen – bereits zum zehnten Mal seit Beginn der russischen Invasion, und zum zweiten Mal binnen zwei Wochen. Der Zeitpunkt ist alles andere als zufällig gewählt. Während sich die militärische Lage für die Ukraine zunehmend verschärft, gerät Selenskyj auch innenpolitisch unter massiven Druck. Die Entlassung seines mächtigen Präsidialamtschefs Andrij Jermak wegen eines Korruptionsskandals hat ein politisches Erdbeben ausgelöst. Die diplomatische Mission in Paris ist damit mehr als ein Routinebesuch: Es geht um Rückhalt in einer Zeit maximaler Verwundbarkeit. Der Kriegseintritt ins vierte Jahr – und eine militärische Sackgasse Militärisch befindet sich die Ukraine in einer schwierigen Lage. Die Frühjahrsoffensive 2025 hat keine entscheidenden Geländegewinne gebracht. Im Gegenteil: Russische Truppen verzeichnen kleinere, aber kontinuierliche Fortschritte, insbesondere im …

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  • Eine Nacht, die alles erschüttert: Gewaltserie trifft das Herz des Anjou

    Eine Nacht, die alles erschüttert: Gewaltserie trifft das Herz des Anjou

    Es war eine Nacht wie aus einem düsteren Krimi – nur dass sie keine Fiktion war. In der Dunkelheit zwischen dem 25. und 26. November 2025 wurden in Gennes-Val-de-Loire und mehreren umliegenden Gemeinden des Départements Maine-et-Loire gleich reihenweise in Geschäfte eingebrochen: Bäckereien, Apotheken, Bar-Tabacs, kleine Lebensmittelhändler, Autowerkstätten. Insgesamt sollen es fünfzehn Einbrüche gewesen sein. Die Täter gingen nicht leise vor. Manche Läden wurden mit sogenannten „Auto-Béliers“ – zu Rammböcken umfunktionierte Fahrzeuge – gewaltsam aufgebrochen. Mit brachialer Gewalt rammten die Täter die Schaufenster, zerstörten Eingänge, um sich binnen Sekunden Zutritt zu verschaffen. Es ging schnell, laut, zerstörerisch – und in Serie.

    Eine Ermittlungsakte, die immer dicker wird Bereits am Tag nach der Tat wurden erste Verdächtige festgenommen. Die Hinweise, so verlautet es aus dem Umfeld der Ermittlungen, deuten auf eine organisierte Struktur hin. Offenbar standen die mutmaßlichen T…

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  • Mindestlohn 2026 – Mehr Respekt, bitte – auch ein Minimum muss würdevoll sein

    Mindestlohn 2026 – Mehr Respekt, bitte – auch ein Minimum muss würdevoll sein

    Ach, Frankreich. Land der Menschenrechte, der égalité, der Revolutionen – und der unbeweglichen Lohnpolitik.

    Da sitzen also Jahr für Jahr hochdotierte „Experten“ zusammen, um über das Schicksal jener zu beraten, die sich jeden Morgen aufraffen und abrackern, damit der Laden überhaupt läuft – und kommen 2025 erneut zu dem Schluss: Ein „coup de pouce“? Oh là là, non, merci.

    Nicht mal ein klitzekleiner Schubs für den Mindestlohn. Kein Funken Solidarität mit Kassiererin Claire, Altenpfleger Marc oder Paketzustellerin Aïcha. Aber – oho – ein Plus von 1,4 Prozent. Klingt fein, nicht wahr? Bis man merkt: Das sind um die zwanzig Euro. Im Monat. Für Menschen, die jeden Cent umdrehen müssen wie ein Baguette von vorgestern.

    Natürlich, man hat gute Gründe. Die Wirtschaft sei zu fragil, der Arbeitsmarkt zu empfindlich, der Mindestlohn bereits „hoch im europäischen Vergleich“. Ja, ja – die alte Leier, stets neu aufgelegt.

    Und dann kommt sie wieder, diese scheinheilige Sorge: Eine zu starke Erhöhung könnte ja die Lohnabstände „komprimieren“. Als würde ein zu geringer Abstand zwischen Mindestlohn und dem Gehalt der Teamleitung plötzlich das Abendland erschüttern. Vielleicht ist das eigentliche Problem ja nicht der SMIC – sondern, dass da insgesamt zu wenig passiert?

    Aber gut, lassen wir das mal sacken.

    Denn was wirklich schwer im Magen liegt, ist diese zynische Logik: Wer wenig verdient, soll auf steigende Preise mit Demut reagieren – nicht mit einem Plus auf dem Gehaltszettel. Die Armut soll brav warten, bis die Konjunktur sich beruhigt hat. Irgendwann. Vielleicht. Oder auch nie.

    Und das im Jahr 2025, wo der Strompreis immer höher wird, Butter zum Luxusgut geworden ist und die Inflation weiter an den Nerven zerrt. Wo Familien mit vollem Kühlschrank zur Ausnahme werden, während das Managergehalt der CAC-40-Unternehmen alle Schallmauern längst durchbrochen hat.

    Aber Hauptsache, man bewahrt die „Wettbewerbsfähigkeit“ – das Mantra derer, die nie den Einkaufszettel gegenrechnen müssen.

    Es geht hier nicht nur um Zahlen. Es geht um Anstand. Um Würde. Um die stille Zumutung, mit der man Millionen Menschen Jahr für Jahr abspeist. Die arbeiten, schuften, verzichten – und hören, dass mehr einfach nicht drin sei. Nicht jetzt. Nicht so. Nicht schon wieder.

    Vielleicht ist ein bisschen Sarkasmus sogar zu freundlich für diese Farce.

    Denn was ist das eigentlich für ein Menschenbild? Dass der Tellerwäscher still sein soll, während der Bankdirektor über riesige Boni diskutiert? Dass ein bisschen Luft am Monatsende zur Luxusforderung verkommt? Dass man dem Sozialstaat vorwirft, wenn er stützt – aber sich wegduckt, wenn der Lohn allein nicht mehr trägt?

    Was wir brauchen, ist kein „coup de pouce“. Sondern ein Schritt in die richtige Richtung.

    Mehr als zwanzig Euro. Mehr als ein symbolisches Schulterzucken. Mehr als dieses wiederkehrende Schauspiel, bei dem die Armen applaudieren sollen, wenn sie wieder leer ausgehen.

    Frankreich verdient mehr. Vor allem jene, die es täglich zusammenhalten.

    Autor: Andreas M. Brucker