Schlagwort: Frankreich

  • Ein nächtlicher Überfall, der das Land aufschreckt – Wie Kryptowährungen eine neue Form des Verbrechens befeuern

    Ein nächtlicher Überfall, der das Land aufschreckt – Wie Kryptowährungen eine neue Form des Verbrechens befeuern

    Es ist kurz nach drei Uhr morgens in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, als die Ruhe eines Wohnhauses in Saint-Martin-le-Vinoux jäh zerbricht. Eine beschauliche Gemeinde nahe Grenoble, normalerweise fernab spektakulärer Kriminalfälle. Doch in dieser Nacht dringt ein Kommando gewaltsam in ein Einfamilienhaus ein. Ziel sind eine 35-jährige Richterin und ihre 66-jährige Mutter. Innerhalb weniger Minuten eskaliert die Situation. Türen werden aufgebrochen, Schreie, Blutspuren. Dann verschwinden zwei Frauen in der Dunkelheit. Was folgt, wirkt wie aus einem Drehbuch für organisierte Kriminalität. Präzise geplant, brutal umgesetzt, ohne erkennbares Zögern. Die Täter handeln routiniert, als hätten sie so etwas schon oft getan. Für die Opfer beginnt eine rund dreißigstündige Odyssee aus Angst, Schmerz und Ungewissheit. Die Frauen werden gegen ihren Willen abtransportiert, offenbar in getrennten Fahrzeugen, eine von ihnen möglicherweise im Kofferraum. Später führt die Spur fast hundert Kilome…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Eine neue Desinformationsoffensive gegen Staatspräsident Emmanuel Macron

    Eine neue Desinformationsoffensive gegen Staatspräsident Emmanuel Macron

    Ein in sozialen Netzwerken verbreitetes Video, das behauptet, Emmanuel Macron mit der Affäre Jeffrey Epstein in Verbindung zu bringen, stellt die jüngste Episode einer Desinformationskampagne dar, die französische Behörden Netzwerken mit Russland-Bezug zuschreiben. Nach Angaben aus Regierungskreisen sowie übereinstimmenden Medienrecherchen ist dieses audiovisuelle Material Teil einer digitalen Operation, die darauf abzielt, den französischen Präsidenten durch manipulierte und gefälschte Informationen zu diskreditieren. Der zugrunde liegende Mechanismus ist inzwischen gut dokumentiert. Anfang Februar 2026 wurden in den Vereinigten Staaten weitere gerichtliche Dokumente im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein veröffentlicht. In diesen Akten taucht der Name Emmanuel Macron mehrfach auf – allerdings ausschließlich in indirekten Zusammenhängen oder in Artikeln, die die französische Innenpolitik erwähnen. Es finden sich darin keinerlei Bel…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Der Sturz einer Kulturikone – Jack Langs Rücktritt im Schatten der Epstein-Affäre

    Der Sturz einer Kulturikone – Jack Langs Rücktritt im Schatten der Epstein-Affäre

    Der Rücktritt von Jack Lang markiert eine Zäsur in der französischen Kulturpolitik. Am 7. Februar 2026 legte der 86-Jährige sein Amt als Präsident des Institut du monde arabe (IMA) nieder – nach dreizehn Jahren an der Spitze einer der symbolträchtigsten Institutionen der französischen Kulturdiplomatie. Auslöser sind neue Enthüllungen im Zusammenhang mit dem Fall Jeffrey Epstein sowie die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens in Frankreich wegen des Verdachts auf schwere Steuerhinterziehung und Geldwäsche. Der Fall verbindet zwei Sphären, die bislang kaum Berührungspunkte hatten: die schillernde Welt der internationalen Kulturdiplomatie und die dunklen Netzwerke eines globalen Finanzskandals. Für Lang, der wie kaum ein anderer für die kulturelle Selbstvergewisserung Frankreichs seit den 1980er Jahren stand, kommt dies einem politischen und symbolischen Absturz gleich. Die „Epstein Files“ und ihre Sprengkraft Ausgangspunkt der Affäre ist die Veröffentlichung neuer, von US-Gerichten freig…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Die „Kinder von der Creuse“ – Wie die französische Republik ihrem kolonialen Erbe begegnet

    Die „Kinder von der Creuse“ – Wie die französische Republik ihrem kolonialen Erbe begegnet

    In ungewöhnlicher Stille verabschiedete Ende Januar die Nationalversammlung einstimmig ein Gesetz, das eines der schmerzhaftesten und lange verdrängten Kapitel der französischen Nachkriegsgeschichte betrifft. Der Text erkennt erstmals ausdrücklich die Schäden an, die minderjährige Kinder aus La Réunion erlitten haben, die zwischen 1962 und 1984 zwangsweise nach Frankreich verbracht wurden – bekannt als die „Kinder von der Creuse“.

    Der Beschluss ist mehr als ein juristischer Akt. Er markiert einen politischen und moralischen Wendepunkt: Ein Staatsversagen, das jahrzehntelang aus dem kollektiven Gedächtnis ausgeblendet blieb, wird endgültig Teil der nationalen Erinnerung. Zugleich ebnet das Gesetz den Weg für konkrete Formen der Wiedergutmachung – finanziell, symbolisch und erinnerungspolitisch – für Tausende Betroffene und ihre Familien.

    Eine lange verdrängte Staatspolitik

    Zwischen 1962 und 1984 wurden mehr als 2.000 Kinder aus La Réunion nach Frankreich gebracht; die heute meistgenannte Zahl liegt bei 2.015. Die Transfers führten vor allem in strukturschwache ländliche Regionen wie die Creuse, das Gers oder die Lozère, die unter Abwanderung litten.

    Die Maßnahme folgte einer doppelten administrativen Logik: In Übersee fürchtete man Überbevölkerung, Armut und soziale Spannungen; in der Metropole wollte man verödende Landstriche demographisch stabilisieren. Was auf dem Papier wie sozialpolitische Planung erschien, bedeutete in der Praxis vielfach brutale Entwurzelung. Kinder – teils im Vorschulalter – wurden von ihren Familien getrennt, häufig ohne Zustimmung, und in Heime, Pflegefamilien oder landwirtschaftliche Betriebe in das Mutterland Frankreich verbracht.

    Viele wuchsen unter harten Bedingungen auf, erlebten Isolation, Ausbeutung oder psychische und körperliche Gewalt. Manche dienten als unbezahlte Arbeitskräfte, andere verloren jede Spur ihrer Herkunft – bis hin zu Namen und Identität. Der Historiker Ivan Jablonka sprach von Formen der „Versklavung“ – eine umstrittene, aber aufrüttelnde Charakterisierung der erlittenen Gewalt.

    Späte Anerkennung

    Über Jahrzehnte blieb das Schicksal dieser Kinder ein Randthema. Erst in den 2000er Jahren fanden ihre Berichte allmählich Gehör. 2014 erkannte das Parlament die Verantwortung des Staates an – ohne jedoch materielle Entschädigungen vorzusehen.

    Das Votum vom 28. Januar 2026 stellt daher eine Zäsur dar. Erstmals wird der Grundsatz der Wiedergutmachung gesetzlich verankert. Initiiert wurde der Text von der Réunioner Abgeordneten Karine Lebon, die ihr Anliegen mit den Worten zusammenfasste, es gehe darum, „sich der Geschichte zu stellen“, auch wenn die Republik den Betroffenen ihre verlorene Kindheit nicht zurückgeben könne.

    Was das Gesetz vorsieht

    Der verabschiedete Gesetzestext enthält mehrere zentrale Elemente. Erstens erkennt er ausdrücklich die Verantwortung des Staates an und führt die offizielle Bezeichnung „transplantierte Minderjährige aus La Réunion“ ein – ein bewusster Bruch mit dem Begriff „Kinder von der Creuse“, der die nationale Dimension der Politik lange verdeckte.

    Zweitens wird ein Anspruch auf finanzielle Entschädigung geschaffen. Zwar sind die genauen Modalitäten noch auszuarbeiten, doch stellt die vorgesehene pauschale Zahlung einen historischen Schritt dar nach Jahrzehnten ohne materielle Anerkennung des Leids.

    Drittens sieht das Gesetz die Einrichtung einer Erinnerungs- und Dokumentationskommission vor. Sie soll Archive erschließen, Zeugnisse sichern und diese Geschichte in Bildung und Öffentlichkeit verankern. Ergänzt wird dies durch einen nationalen Gedenktag am 18. Februar, der das Schicksal der Betroffenen dauerhaft in den republikanischen Erinnerungskalender einschreibt.

    Eine Frage an die Republik

    Für viele der heute 50- bis 70-jährigen Betroffenen bedeutet das Gesetz den Abschluss eines jahrzehntelangen Kampfes. Zahlreiche Lebensläufe sind von Verlust, Identitätssuche und familiären Brüchen geprägt. Die neue Regelung kann das erlittene Leid nicht ungeschehen machen – doch sie benennt es erstmals klar als Unrecht.

    Politisch fügt sich der Schritt in eine breitere Bewegung ein: Frankreich setzt sich zunehmend mit den Schattenseiten seiner kolonialen und administrativen Vergangenheit auseinander. Der Fall wirft dabei eine unbequeme Frage auf: Wie konnte ein demokratischer Rechtsstaat über mehr als zwanzig Jahre hinweg den Zwangstransfer von Kindern organisieren – legal, bürokratisch, scheinbar routiniert?

    Die Geschichte der „Kinder von der Creuse“ zeigt, dass institutionelle Gewalt nicht nur an den Rändern, sondern im Zentrum staatlichen Handelns entstehen kann. Das Gesetz von 2026 schließt dieses Kapitel nicht ab. Es eröffnet vielmehr einen Prozess der aktiven Anerkennung, der Reparatur und der Weitergabe an kommende Generationen.

    Denn eine Demokratie misst sich nicht allein an ihrer Fähigkeit zu handeln, sondern auch an ihrer Bereitschaft, eigenes Versagen einzugestehen. In dieser Hinsicht hat Frankreich nun eine Schwelle überschritten.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Macrons Grussworte an Sophie Adenot und die Bedeutung der Raumfahrt

    Macrons Grussworte an Sophie Adenot und die Bedeutung der Raumfahrt

    Als der französische Präsident Emmanuel Macron der Astronautin Sophie Adenot am 5. Februar 2026, wenige Tage vor ihrem Abflug zur Internationalen Raumstation eine „gute Mission“ wünschte, war dies mehr als eine protokollarische Geste. Der kurze Austausch, per Videokonferenz zwischen dem Élysée-Palast und einem Quarantänequartier in Houston, bündelte auf engem Raum mehrere politische, gesellschaftliche und symbolische Ebenen: die Rolle Frankreichs in der internationalen Raumfahrt, die staatliche Förderung von Wissenschaft und Technik – und den Versuch, eine neue Generation für langfristige, anspruchsvolle Projekte zu begeistern. Die Szene war bewusst öffentlich inszeniert. Im Festsaal des Élysée hatten sich Schülerinnen, Schüler sowie Studierende versammelt, die Fragen stellten, zuhörten und mitverfolgten, wie eine Französin kurz davorstand, Teil eines der komplexesten internationalen Gemeinschaftsprojekte der Gegenwart zu werden. Adenot selbst beschrieb ihren Zustand als ruhig und zuve…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Fall Nègre: Sechs Jahre später meldet sich die Justiz zurück – und ruft die Betroffenen zur Eile auf

    Fall Nègre: Sechs Jahre später meldet sich die Justiz zurück – und ruft die Betroffenen zur Eile auf

    Manchmal braucht die Justiz einen langen Atem. Und manchmal verlangt sie ihn auch von jenen, die ihr eigentlich vertrauen sollen. Im Fall des ehemaligen französischen Spitzenbeamten Christian Nègre wird diese Geduldsprobe nun noch einmal verschärft. Sechs Jahre nach Eröffnung der gerichtlichen Untersuchung ruft die Pariser Staatsanwaltschaft alle bislang nicht vernommenen Opfer dazu auf, sich „so schnell wie möglich“ zu melden. Der Ton der Mitteilung bleibt sachlich, beinahe nüchtern, doch die Zahlen sprechen eine eigene Sprache. 248 mutmaßliche Opfer wurden bislang erfasst. Mindestens 180 von ihnen haben sich bereits als Nebenklägerinnen konstituiert. Das Verfahren, das 2019 durch Enthüllungen der Satirezeitung Le Canard Enchaîné öffentlich wurde, zählt zu den schwerwiegendsten Justizskandalen der vergangenen Jahre im französischen Kulturbetrieb. Nègre, einst hochrangiger Funktionär im Kulturministerium, steht im Verdacht, über Jahre hinweg Frauen heimlich mit Substanzen manipuliert, …

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Kommentar: Das darf doch alles nicht wahr sein – quo vadis, Frankreich?

    Kommentar: Das darf doch alles nicht wahr sein – quo vadis, Frankreich?

    Es gibt Momente, in denen Zahlen lauter sprechen als jedes politische Manifest. 38 Prozent. Mehr als jeder dritte Mensch in Frankreich hält Folter heute für akzeptabel – „in Ausnahmefällen“, wie es dann beschwichtigend heißt. Als ließe sich das absolute Verbot der Folter mit einem Nebensatz entschärfen. Als wäre die Würde des Menschen eine Variable, die man je nach Bedrohungslage hoch- oder herunterregeln kann. Man reibt sich die Augen und fragt sich unweigerlich: In welchem Land sind wir hier eigentlich aufgewacht?

    Frankreich, das Land der Menschenrechte, das Land von 1789, von „Liberté, Égalité, Fraternité“, diskutiert nicht mehr darüber, ob Folter legitim ist, sondern wann. Das ist keine semantische Verschiebung, das ist ein zivilisatorischer Erdrutsch. Und wer glaubt, es handle sich um eine theoretische Debatte, verkennt die Dynamik solcher Denkbewegungen. Alles, was heute gedacht wird, kann morgen gesagt und übermorgen getan werden.

    Die immer gleiche Ausrede lautet: die Ausnahme. Terrorismus. Die tickende Bombe. Der absolute Notfall. Doch genau dafür wurden rechtsstaatliche Tabus geschaffen – nicht für Schönwetterzeiten, sondern für den Sturm. Ein Verbot, das nur gilt, solange es bequem ist, ist kein Verbot, sondern eine moralische Empfehlung. Wer Folter in Extremsituationen akzeptiert, akzeptiert sie prinzipiell. Alles andere ist Selbstbetrug.

    Besonders verstörend ist die Selbstverständlichkeit, mit der diese Haltung vorgetragen wird. Nicht als Bekenntnis zur Grausamkeit, sondern als vermeintlicher Realismus. „Man muss doch die Menschen schützen“, heißt es dann. Als stünden sich Schutz und Menschlichkeit feindlich gegenüber. Als sei der Rechtsstaat ein Luxusgut, das man sich nur in ruhigen Zeiten leisten kann. Diese Logik ist nicht nur falsch – sie ist gefährlich.

    Denn sie unterstellt, dass Gewalt Ordnung schafft. Dass der Staat, wenn er nur hart genug zuschlägt, Sicherheit erzwingt. Es ist die alte autoritäre Verheißung, neu verpackt im Vokabular der Angst. Und sie fällt auf fruchtbaren Boden, weil Angst ein schlechter Ratgeber ist. Sie verkürzt, vereinfacht, radikalisiert. Sie duldet keine Grautöne. Wer Angst hat, will Gewissheit. Und wenn es keine gibt, greift er nach der Peitsche.

    Frankreich kennt diese Versuchung. Es kennt den Ausnahmezustand, die Militarisierung des Inneren, die schleichende Verschiebung dessen, was als normal gilt. Was einst als temporäre Reaktion gedacht war, wurde Teil der Dauerarchitektur. Heute bewaffnete Patrouillen im Stadtbild, morgen die moralische Aufrüstung im Kopf. Die Akzeptanz der Folter ist nicht vom Himmel gefallen – sie ist das Endprodukt eines langen Diskurses, der Sicherheit über alles stellt und Zweifel als Schwäche diffamiert.

    Besonders bitter ist der politische Graben, den diese Frage offenlegt. Dass die Ablehnung der Folter zunehmend zur Sache eines politischen Lagers wird, ist ein Alarmsignal. Menschenrechte sind kein linkes Hobby. Sie sind das Fundament der Republik. Wer sie relativiert, weil er sich auf der „richtigen“ Seite der Angst wähnt, sägt an dem Ast, auf dem alle sitzen.

    Man muss es so deutlich sagen: Wer Folter akzeptiert, verabschiedet sich innerlich vom Rechtsstaat. Vielleicht nicht bewusst, vielleicht nicht mit böser Absicht. Aber die Wirkung ist dieselbe. Der Staat wird vom Garanten der Rechte zum Schiedsrichter der Würde. Und wenn er einmal entscheidet, wessen Würde verzichtbar ist, gibt es kein Halten mehr.

    Die Verteidiger dieser Haltung argumentieren gern mit hypothetischen Extremszenarien. Doch Demokratien gehen nicht an Hypothesen zugrunde, sondern an Gewöhnung. An das langsame Abstumpfen gegenüber Grenzüberschreitungen. An das leise „Na gut, diesmal vielleicht“. An den Moment, in dem Empörung durch Achselzucken ersetzt wird. Genau dort steht Frankreich heute.

    Dass viele gleichzeitig wissen, dass Folter Folter ist – und sie dennoch rechtfertigen –, macht die Lage noch bedrückender. Es ist die bewusste Dissonanz, der moralische Spagat: Man erkennt das Unrecht, akzeptiert es aber. Das ist kein Mangel an Information, das ist ein Mangel an Haltung.

    Quo vadis, Frankreich? Wohin gehst du, wenn du beginnst, deine eigenen Grundsätze als verhandelbar zu betrachten? Wohin führt ein Land, das aus Angst bereit ist, das aufzugeben, was es historisch definiert hat? Die Antwort ist unbequem, aber klar: nicht in Richtung Sicherheit, sondern in Richtung moralischer Erosion.

    Es geht hier nicht um Naivität gegenüber realen Bedrohungen. Es geht um die Erkenntnis, dass Staaten sich nicht dadurch schützen, dass sie selbst zu Tätern werden. Wer Folter legitimiert, verliert nicht nur moralische Autorität, sondern auch Vertrauen – nach innen wie nach außen. Und ohne Vertrauen ist kein demokratisches Gemeinwesen überlebensfähig.

    Vielleicht ist es genau dieser Moment, in dem Frankreich innehalten müsste. Nicht um sich zu geißeln, sondern um sich zu erinnern. An das, was absolut ist. An das, was nicht verhandelbar sein darf. An die einfache, unbequeme Wahrheit: Wer die Menschenwürde aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, verliert am Ende beides.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Krieg in der Ukraine: Putins Gesprächsangebot an Macron – Diplomatie zwischen Signal und Stillstand

    Krieg in der Ukraine: Putins Gesprächsangebot an Macron – Diplomatie zwischen Signal und Stillstand

    Die russische Führung sendet erneut ein diplomatisches Signal Richtung Westen. Wladimir Putin sei bereit, einen Anruf seines französischen Amtskollegen Emmanuel Macron entgegenzunehmen, sofern es um „ernsthafte Gespräche“ gehe, erklärte Russlands Außenminister Sergej Lawrow am 4. Februar. Die Aussage fällt in eine Phase intensiver, aber bislang ergebnisarmer diplomatischer Aktivitäten rund um den Ukrainekrieg. Sie wirft die Frage auf, ob Moskau tatsächlich an einer politischen Lösung interessiert ist – oder lediglich den Anschein von Dialogbereitschaft wahren will.

    Auslöser der Debatte ist ein Interview Lawrows mit dem russischen Staatssender RT. Darin betont der Chefdiplomat, Putin „höre sich alle Vorschläge an“ und werde den Hörer abnehmen, wenn Macron anrufe. Gleichzeitig verhöhnt Lawrow die jüngsten Äußerungen des französischen Präsidenten, wonach dieser „eines Tages“ wieder mit Putin sprechen wolle, als Ausdruck einer „pathetischen Diplomatie“. Der Tonfall ist bezeichnend: Gesprächsbereitschaft wird signalisiert, zugleich aber politisch entwertet.

    Frankreichs Rolle zwischen Dialog und Abschreckung

    Frankreich gehört seit Beginn des russischen Angriffskrieges 2022 zu den europäischen Staaten, die trotz harter Sanktionen und militärischer Unterstützung für die Ukraine den direkten Draht nach Moskau nicht vollständig gekappt haben. Emmanuel Macron vertritt seit Jahren die Auffassung, dass ein dauerhafter Frieden in Europa letztlich nur unter Einbeziehung Russlands möglich sei. Diese Linie brachte ihm im eigenen Land wie bei osteuropäischen Partnern wiederholt Kritik ein.

    Paris bewegt sich damit auf einem schmalen Grat. Einerseits unterstützt Frankreich die Ukraine politisch, wirtschaftlich und militärisch. Andererseits versucht Macron, sich als möglicher Vermittler zu positionieren – auch aus dem Anspruch heraus, Frankreich als außenpolitische Führungsmacht in Europa zu profilieren. Dass Lawrow gerade Macron öffentlich anspricht, ist daher kein Zufall. Moskau weiß um die symbolische Bedeutung eines direkten französisch-russischen Kontakts.

    Gespräche in Abu Dhabi: Bewegung ohne Durchbruch

    Die russischen Avancen fallen zeitlich mit dem Ende einer weiteren Gesprächsrunde in Abu Dhabi zusammen. Dort trafen sich Delegationen aus Russland, der Ukraine und den USA zu zweitägigen Verhandlungen. Das Ergebnis blieb überschaubar. Zwar gelang ein größerer Gefangenenaustausch – insgesamt 314 Inhaftierte kehren in ihre jeweiligen Länder zurück –, doch über zentrale politische Fragen wurde keine Einigung erzielt.

    Für Kiew wie für Moskau sind solche humanitären Vereinbarungen derzeit der einzige funktionierende Kommunikationskanal. Sie zeigen, dass begrenzte Kooperation möglich ist, ohne die grundsätzlichen Positionen aufzuweichen. Politisch jedoch bleibt der Graben tief. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von schwierigen, aber notwendigen Gesprächen. Konkrete Fortschritte bei Waffenruhe oder territorialen Fragen blieben aus.

    Die russischen Forderungen: Territorium als Vorbedingung

    Der Kern der Blockade liegt weiterhin in den russischen Maximalforderungen. Moskau verlangt, dass Kiew die russische Kontrolle über die besetzten Gebiete im Osten und Süden der Ukraine faktisch anerkennt. Insbesondere der Donbass gilt aus Sicht des Kremls als nicht verhandelbar. Ein möglicher Waffenstillstand wird an diese territoriale Konzession geknüpft.

    Für die Ukraine ist dies inakzeptabel. Ein solcher Schritt würde nicht nur das Völkerrecht untergraben, sondern auch einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen. Selenskyj argumentiert zudem sicherheitspolitisch: Würde Russland für seine militärische Aggression belohnt, wäre dies eine Einladung zu weiteren Expansionen. In diesem Sinne versteht sich Kiew als Vorposten europäischer Sicherheit.

    Militärische Realität untergräbt diplomische Signale

    Die Kluft zwischen diplomischer Rhetorik und militärischer Realität ist eklatant. Während Lawrow Gesprächsbereitschaft signalisiert, setzt Russland seine Angriffe fort. Kurz vor und während der Gespräche in Abu Dhabi kam es erneut zu schweren Raketen- und Drohnenangriffen auf ukrainische Städte und Infrastruktur. Besonders die Energieversorgung wurde ins Visier genommen – mit gravierenden Folgen für die Zivilbevölkerung bei winterlichen Temperaturen.

    Solche Aktionen nähren in Kiew wie in westlichen Hauptstädten den Verdacht, dass Moskau Verhandlungen primär taktisch nutzt: als Instrument, um Zeit zu gewinnen, internationale Kritik abzufedern oder politische Spaltungen im Westen auszunutzen. Vertrauen, eine zentrale Voraussetzung für erfolgreiche Diplomatie, entsteht unter diesen Umständen kaum.

    Die strategische Dimension für Europa

    Für Europa ist das russische Signal dennoch von Bedeutung. Ein direkter Kontakt zwischen Macron und Putin würde symbolisch zeigen, dass zumindest ein Kommunikationskanal auf höchster Ebene offen bleibt. Zugleich birgt er Risiken. Ein isoliertes bilaterales Gespräch könnte den Eindruck erwecken, zentrale Entscheidungen würden über die Köpfe der Ukraine oder anderer europäischer Partner hinweg vorbereitet.

    Deshalb betonen Paris wie Berlin seit Monaten, dass Gespräche mit Moskau nur in enger Abstimmung mit Kiew und den EU-Partnern stattfinden dürfen. Die Einheit des Westens gilt als entscheidender Hebel gegenüber Russland. Jede Abweichung davon könnte die Verhandlungsposition der Ukraine schwächen.

    Zwischen Hoffnung und Ernüchterung

    Das Angebot Putins, einen Anruf Macrons entgegenzunehmen, ist somit weniger ein Durchbruch als ein diplomatisches Manöver. Es zeigt, dass Moskau den Dialog nicht vollständig ausschließt, ihn aber strikt zu eigenen Bedingungen führen will. Für Frankreich stellt sich die Frage, ob ein solcher Kontakt mehr sein kann als ein symbolischer Akt.

    Solange Russland an territorialen Vorbedingungen festhält und gleichzeitig militärisch eskaliert, bleiben die Spielräume für ernsthafte Verhandlungen begrenzt. Der Ukrainekrieg befindet sich damit weiter in einem Zustand strategischer Pattsituation: Gespräche finden statt, doch sie verändern bislang weder die Frontlinien noch die grundlegenden politischen Positionen. Europas Diplomatie steht vor der Herausforderung, Gesprächsbereitschaft zu nutzen, ohne Illusionen über ihre kurzfristige Wirkung zu hegen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Politische Etikettierung als Machtfrage: Warum LFI gegen die Einstufung als « extrême gauche » kämpft

    Politische Etikettierung als Machtfrage: Warum LFI gegen die Einstufung als « extrême gauche » kämpft

    Wenige Wochen vor den französischen Kommunalwahlen im März 2026 hat eine verwaltungstechnische Entscheidung des Innenministeriums eine politische Debatte ausgelöst, die weit über semantische Feinheiten hinausgeht. In der neuen ministeriellen Klassifikation der politischen « nuances » wird La France insoumise (LFI) nicht mehr dem breiten linken Lager zugerechnet, sondern offiziell dem Block der « extrême gauche ». Für die Bewegung um Jean-Luc Mélenchon ist dies kein bloßer Verwaltungsakt, sondern ein politisch folgenreicher Eingriff – und Anlass für eine angekündigte Klage vor dem Conseil d’État. Die Bedeutung administrativer Kategorien In Frankreich sind politische « nuances » kein akademisches Ordnungssystem, sondern ein zentrales Instrument der Wahlverwaltung. Sie erscheinen auf offiziellen Wahldokumenten, strukturieren die staatliche Ergebnisdarstellung und prägen die mediale Wahrnehmung politischer Kräfte. Zwar treten Kandidaten mit Parteinamen oder lokalen Bezeichnungen an, doch d…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Schleichende Grenzverschiebung: Warum immer mehr Franzosen Folter für akzeptabel halten

    Schleichende Grenzverschiebung: Warum immer mehr Franzosen Folter für akzeptabel halten

    Mehr als jeder dritte Franzose hält den Einsatz von Folter in Ausnahmefällen für vertretbar. Was auf den ersten Blick wie eine abstrakte Meinungsumfrage erscheint, berührt in Wahrheit den normativen Kern des demokratischen Rechtsstaats. Die jüngsten Zahlen markieren keinen plötzlichen Bruch, sondern eine langsame, über Jahre hinweg verlaufende Verschiebung gesellschaftlicher Maßstäbe – gespeist aus Sicherheitsängsten, politischer Polarisierung und einem tief sitzenden Glauben an die Wirksamkeit staatlicher Gewalt.

    Die Entwicklung wirft grundlegende Fragen auf: Wie stabil sind menschenrechtliche Tabus in Zeiten permanenter Bedrohungswahrnehmung? Und wie widerstandsfähig ist die republikanische Kultur Frankreichs gegenüber autoritären Versuchungen?

    Zahlen mit politischer Sprengkraft

    Nach einer aktuellen Erhebung halten 38 Prozent der Befragten Folter in bestimmten Ausnahmefällen für akzeptabel. Der Wert liegt damit höher als noch vor zehn Jahren und deutlich über dem Niveau der frühen 2000er Jahre. Der Trend ist eindeutig: Die prinzipielle Ablehnung staatlicher Gewaltanwendung jenseits des Rechts verliert an Selbstverständlichkeit.

    Auffällig ist weniger die absolute Zahl als ihre gesellschaftliche Verteilung. Die Umfrage offenbart einen scharfen politischen Graben. Während eine klare Mehrheit der linken Wählerschaft Folter kategorisch ablehnt, zeigt sich bei Sympathisanten des rechten politischen Spektrums eine weitgehende Normalisierung dieser Vorstellung. Die Haltung zur Folter fungiert damit zunehmend als Marker politischer Identität – vergleichbar mit Fragen der Migration, der inneren Sicherheit oder der Rolle des Staates insgesamt.

    Diese Polarisierung deutet darauf hin, dass es sich nicht allein um eine moralische Debatte handelt, sondern um eine grundlegende Auseinandersetzung über das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit.

    Der Mythos der Wirksamkeit

    Ein zentrales Motiv der Folterbefürwortung ist der Glaube an ihre Effektivität. Ein erheblicher Teil der Befragten ist überzeugt, dass Folter helfen könne, Terroranschläge zu verhindern, Geständnisse zu erzwingen oder verlässliche Informationen zu gewinnen. Besonders deutlich wird dieser Widerspruch in hypothetischen Extremszenarien – etwa der berühmten „tickenden Bombe“.

    Gerade diese Denkfigur hat sich tief in das kollektive Bewusstsein eingegraben. Sie suggeriert eine moralische Ausnahmesituation, in der rechtsstaatliche Prinzipien als Luxus erscheinen. Dabei handelt es sich weniger um eine realistische Lagebeschreibung als um ein narratives Instrument, das moralische Hemmschwellen senkt.

    Empirisch ist dieser Wirksamkeitsglaube nicht haltbar. Die Forschung zeigt seit Jahren, dass unter Zwang gewonnene Informationen häufig falsch, widersprüchlich oder gezielt irreführend sind. Dennoch hält sich die Vorstellung hartnäckig – ein Hinweis darauf, dass Meinungen in diesem Bereich weniger auf Fakten als auf Emotionen beruhen.

    Angst als politischer Faktor

    Die steigende Akzeptanz von Folter lässt sich kaum losgelöst von den kollektiven Erfahrungen der vergangenen Jahre betrachten. Terroranschläge, Ausnahmezustände, eine allgegenwärtige Sicherheitsrhetorik: Frankreich hat seit 2015 eine Phase dauerhafter Alarmbereitschaft erlebt. Solche Erfahrungen hinterlassen Spuren im gesellschaftlichen Denken.

    Angst verändert politische Maßstäbe. Sie begünstigt einfache Lösungen, stärkt das Bedürfnis nach Kontrolle und reduziert die Bereitschaft, normative Grenzen zu verteidigen. In diesem Klima erscheinen drastische Maßnahmen nicht als Rechtsbruch, sondern als notwendige Schutzreaktion.

    Hinzu kommt eine politische Sprache, die Sicherheit zunehmend als Nullsummenspiel darstellt: Wer absolute Sicherheit will, müsse bereit sein, Freiheiten zu opfern. Die Akzeptanz von Folter ist die extremste Ausprägung dieser Logik.

    Rechtsstaatliche Tabus unter Druck

    Dabei ist das Folterverbot kein gewöhnliches Rechtsprinzip. Es gehört zu den wenigen Normen, die absolut gelten – ohne Ausnahme, ohne Abwägung. In der europäischen Rechtskultur markiert es eine zivilisatorische Grenze, die aus historischen Erfahrungen gezogen wurde.

    Frankreich hat diese Grenze bewusst verankert: in der Verfassung, im Strafrecht, im Selbstverständnis der Republik. Die Ablehnung von Folter ist Teil jener republikanischen Erzählung, die den Staat an Recht und Würde bindet – gerade in Krisenzeiten.

    Wenn nun ein wachsender Teil der Bevölkerung bereit ist, dieses Tabu zu relativieren, stellt sich weniger die Frage nach einzelnen Maßnahmen als nach der normativen Stabilität des Systems. Rechtsstaatlichkeit lebt nicht allein von Gesetzen, sondern von gesellschaftlicher Zustimmung.

    Wahrnehmung staatlicher Gewalt

    Bemerkenswert ist zudem ein scheinbarer Widerspruch in der öffentlichen Wahrnehmung. Zwar glaubt fast jeder zweite Befragte, dass es in Frankreich zu Folter durch Sicherheitskräfte gekommen sei, doch dieser Anteil ist rückläufig. Offenbar sinkt die Sensibilität für staatliche Gewalt, selbst dort, wo sie vermutet wird.

    Dies könnte auf einen Gewöhnungseffekt hindeuten. Je stärker Sicherheitsmaßnahmen normalisiert werden, desto weniger werden Grenzüberschreitungen als solche wahrgenommen. Die Debatte verschiebt sich dann von der Frage des „Ob“ zur Frage des „Wie weit“.

    Demokratie im Stresstest

    Die Umfrage ist kein Beleg für eine autoritäre Mehrheit in Frankreich. Sie zeigt jedoch, wie fragil demokratische Normen unter Dauerstress werden können. Die Bereitschaft, Folter in Ausnahmefällen zu akzeptieren, signalisiert ein Denken in Notstandslogiken – ein Denken, das mit dem liberalen Rechtsstaat schwer vereinbar ist.

    Für die Politik ergibt sich daraus eine doppelte Herausforderung. Einerseits muss sie reale Sicherheitsbedürfnisse ernst nehmen. Andererseits darf sie nicht den Eindruck erwecken, dass grundlegende Rechte verhandelbar seien. Jede Relativierung nährt die Vorstellung, dass moralische Grenzen situationsabhängig sind.

    Zivilgesellschaftliche Organisationen warnen seit Jahren vor genau dieser Entwicklung: der schleichenden Verschiebung dessen, was als denkbar, sagbar und schließlich machbar gilt.

    Der eigentliche Konflikt verläuft nicht zwischen Sicherheit und Naivität, sondern zwischen kurzfristiger Beruhigung und langfristiger Rechtsbindung. Demokratien zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie Gefahren leugnen, sondern dadurch, dass sie ihnen ohne Selbstaufgabe begegnen.

    Autor: Andreas M. Brucker