Schlagwort: Frankreich 2025

  • Frankreichs legislativer Stillstand: Warum immer mehr Gesetze nach der Verabschiedung in der Schublade verschwinden

    Frankreichs legislativer Stillstand: Warum immer mehr Gesetze nach der Verabschiedung in der Schublade verschwinden

    Seit den Parlamentswahlen im Juni 2024 ist die französische Legislative zunehmend gelähmt: Laut einem Bericht der Assemblée nationale werden weniger als 60 Prozent der beschlossenen und promulgierten Gesetze tatsächlich angewendet – der niedrigste Wert seit einem Vierteljahrhundert. Der Grund dafür liegt nicht in politischer Blockade im Parlament, sondern im administrativen Stillstand der Exekutive. Ohne die notwendigen Décrets d’application, also Durchführungsverordnungen, bleiben viele Gesetzestexte weitgehend wirkungslos. Eine Entwicklung, die nicht nur die Handlungsfähigkeit des Staates infrage stellt, sondern auch das Vertrauen der Öffentlichkeit in die parlamentarische Demokratie erschüttert. Gesetze ohne Wirkung: Ein systemisches Versagen In Frankreich kann ein Gesetz erst dann vollumfänglich wirksam werden, wenn die Regierung die entsprechenden Anwendungserlasse veröffentlicht. Diese Décrets konkretisieren oftmals zentrale Bestimmungen und regeln deren praktische Umsetzung…

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  • Kommentar: Besinnung im Knast? Nicolas Sarkozys neues Buch berührt, verwirrt und provoziert

    Kommentar: Besinnung im Knast? Nicolas Sarkozys neues Buch berührt, verwirrt und provoziert

    Da sitzt er also. Hinter Gittern. Drei Wochen, allein mit sich, dem Lärm der Zellentüren und seinen Gedanken. Nicolas Sarkozy, einst mächtigster Mann Frankreichs – jetzt Gefangener, dann Schreiber, bald wieder im Rampenlicht. Mit „Le Journal d’un prisonnier“ legt er ein Buch vor, das nicht weniger will, als die Welt wissen zu lassen: Ich bin gefallen – aber nicht zerbrochen.

    Was für ein Satz: „In der Haft gibt es nichts zu sehen, nichts zu tun.“ Und doch, genau daraus wird ein Buch. Ein politischer Text? Eine Abrechnung? Ein Versuch, Würde zurückzuerlangen in einer Situation, die von Scham, Ohnmacht und Stolz zugleich durchdrungen ist?

    Sarkozy beschreibt den Knast wie ein Kloster ohne Mönche, voller Geräusche, voller Leere. „Das Innere wird stärker“, schreibt er. Man spürt: Das ist kein literarisches Spiel, das ist ein Aufbäumen – gegen die Schande, gegen das Urteil, gegen das Vergessen.

    Und trotzdem: Man stolpert über die Kulisse.

    Der Verlag? Fayard. Gesteuert von Vincent Bolloré, dem ultrakonservativen Medienmogul, der nicht nur Bücher verlegt, sondern Ideologien formt. Das Timing? Kurz nach der Haft, noch vor dem Berufungsverfahren. Die Botschaft? Klar: Sarkozy lässt sich nicht demontieren – er inszeniert sich neu.

    Man darf das beeindruckend finden. Oder schamlos.

    Denn vergessen wir nicht: Der Grund für seine Inhaftierung ist kein Kavaliersdelikt. Fünf Jahre Haft, 100.000 Euro Strafe – wegen bandenmäßiger Korruption, wegen verdeckter Millionen aus dem libyschen Gaddafi-Regime. Das Gericht urteilte: Sarkozy wusste, ließ gewähren, profitierte. Drei Wochen später sitzt er nicht mehr im Gefängnis, sondern am Schreibtisch – und verkauft seine Version der Wahrheit.

    Was ist das eigentlich? Ein Memoiren-Schnellschuss? Eine politisch-moralische Verteidigung? Oder einfach das Protokoll eines Mannes, der im Dunkel seiner Zelle zum ersten Mal wirklich in den Spiegel geschaut hat?

    Vielleicht ist es all das.

    Vielleicht will Sarkozy sich selbst wiederfinden in diesem Buch – der Präsident, der Familienvater, der Getriebene, der Gefallene. Vielleicht sucht er Trost. Oder einfach einen neuen Weg zurück auf die Bühne.

    Was bleibt, ist ein schales Gefühl. Denn ein Hauch von Buße reicht nicht, um den Schmutz der Vorwürfe abzuwaschen. Und doch – man liest, was er schreibt. Weil es uns etwas angeht. Weil es Frankreich betrifft. Weil es Geschichte ist.

    Sarkozy stellt sich als Gefangener dar, aber er bleibt ein Akteur. Er schweigt nicht, er schreibt. Und das allein zeigt: Sein Kampf ist nicht vorbei. Ob das Buch ein Aufschrei ist – oder nur ein Vorhang für den nächsten Akt – das werden wir noch sehen.

    Ein Kommentar von C. Hatty

  • „Die Bourgeois der Innenstädte“ – Macrons Kampfansage mit Nebenwirkungen

    „Die Bourgeois der Innenstädte“ – Macrons Kampfansage mit Nebenwirkungen

    Als Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am 19. November 2025 während einer Sitzung des Ministerrats erklärte, es seien „manchmal die Bourgeois der Innenstädte, die die Drogenhändler finanzieren“, war die politische Wirkung seiner Worte sofort spürbar. Mit einem einzigen Satz durchbrach er die gewohnte Rhetorik sicherheitspolitischer Debatten, verließ das Terrain technokratischer Distanz und legte den moralischen Finger in eine offene gesellschaftliche Wunde: Die Verantwortung für die Eskalation der Drogenkriminalität liege nicht allein in den Banlieues, sondern auch im Herzen der Städte, bei jenen, die abends nach der Arbeit konsumieren – diskret, bürgerlich, schweigend. Macrons Aussage traf auf einen besonders aufgeladenen Moment. Wenige Tage zuvor war in Marseille Mehdi Kessaci, der Bruder eines bekannten Anti-Drogen-Aktivisten, Opfer eines tödlichen Anschlags geworden. Die Stadt, seit Jahren ein Brennpunkt des Drogenhandels, steht sinnbildlich für das Scheitern klassischer Repress…

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  • Rauchfrei ab Geburt? Frankreich denkt über Tabakverbot für ganze Generationen nach

    Rauchfrei ab Geburt? Frankreich denkt über Tabakverbot für ganze Generationen nach

    Ein Tabakverbot für alle, die nach 2014 geboren wurden – und zwar lebenslang? Was wie ein dystopisches Gesundheitsutopia klingt, ist in Frankreich längst in der politischen Diskussion angekommen. Die Initiative stammt von der „Alliance contre le Tabac“ (ACT), einer einflussreichen Anti-Tabak-Organisation, die Ende Mai 2025 einen Gesetzentwurf präsentierte, der seinesgleichen sucht. Das erklärte Ziel: eine echte „génération sans tabac“ – eine Generation ohne Tabak. Das Prinzip ist so simpel wie radikal: Wer nach dem 1. Januar 2015 geboren wurde, soll nie im Leben legal Tabak kaufen dürfen – unabhängig vom Alter. Der Verkaufsstopp wäre dauerhaft. Er endet nicht mit 18, nicht mit 25, er endet nie. Damit zielt die Maßnahme nicht auf eine temporäre Kontrolle, sondern auf ein vollständiges Verbot des Rauchens in der Gesellschaft. Der Mechanismus: Jahr für Jahr ein Jahr älter Wie das konkret aussehen soll? Ab 2032 steigt das gesetzliche Mindestalter für den Tabakkauf von derzeit 18 Jahren sch…

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  • Sarkozy im Gefängnis – der 10. November wird zum Schicksalstag

    Sarkozy im Gefängnis – der 10. November wird zum Schicksalstag

    Der Name Nicolas Sarkozy steht für viele Franzosen noch immer für das politische Frankreich der 2000er-Jahre: energiegeladen, meinungsstark, allgegenwärtig. Doch heute ist der einstige Staatschef an einem Ort, den man mit der Funktion des Präsidenten der Republik bis dato nicht in Verbindung brachte – hinter Gittern, in der Pariser Justizvollzugsanstalt La Santé. Am 10. November 2025 entscheidet sich nun, ob er vorerst freikommt oder weiter in Haft bleibt. Die Nachricht kam nüchtern, fast beiläufig – und schlug dennoch ein wie ein Donnerschlag: Am 21. Oktober wurde Nicolas Sarkozy verhaftet, nachdem ein Gericht ihn wegen krimineller Vereinigung zu fünf Jahren Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt hatte. Es geht um die Affäre um mutmaßliche libysche Geldflüsse für seinen Wahlkampf 2007 – ein Fall, der seit Jahren schwelt, aber nun juristisch sein Gewicht voll entfaltet. Noch in derselben Woche beantragten seine Anwälte die sofortige Haftentlassung. Die Anhörung dazu findet nun am 10…

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  • Macrons Reformtaktik – ein Aufschub, der kein Ausweg ist

    Macrons Reformtaktik – ein Aufschub, der kein Ausweg ist

    Die Verschiebung der Rentenreform offenbart nicht strategische Klugheit, sondern politische Unsicherheit

    Der französische Präsident hat gesprochen – und wie so oft bleibt das Echo seiner Worte doppeldeutig. In Ljubljana erklärte Emmanuel Macron, die umstrittene Rentenreform werde nicht aufgehoben, nicht suspendiert, sondern lediglich „in der Zeit verschoben“. Eine Formulierung, die weniger Klarheit als vielmehr neue Fragen aufwirft. In der Sprache der Macht bedeutet sie: Der Wille zur Reform bleibt, der Mut zur Umsetzung fehlt vorerst.

    Dass eine Regierung mit Formulierungen operiert, um politische Manöver zu flankieren, ist kein Novum. Doch im Fall der Rentenreform geht es um mehr als terminologische Feinheiten. Macron hatte im Frühjahr 2023 mit aller Kraft – und unter Umgehung eines regulären Parlamentsvotums – eine Reform durchgesetzt, die das Renteneintrittsalter auf 64 Jahre anheben und die Finanzierung des Rentensystems langfristig sichern sollte. Seither ist viel politisches Kapital verbrannt worden, nicht zuletzt durch den autoritären Stil der Durchsetzung. Nun also ein Rückzug – ohne ihn so zu nennen.

    Worte, die verschleiern, statt zu klären

    Es wäre voreilig, in Macrons neuer Wortwahl bereits eine Wende zu erkennen. Vielmehr spricht alles dafür, dass es sich um einen taktischen Rückzug handelt: Ein Moratorium unter neuem Namen, um politische Beruhigung zu erreichen, ohne auf den grundsätzlichen Reformanspruch zu verzichten. Dies mag kurzfristig klug erscheinen, doch langfristig droht es den Schaden zu vergrößern.

    Denn wer strukturelle Reformen mit unscharfen Begriffen versieht, untergräbt deren Legitimität. Für die Bevölkerung bleibt unklar, ob die Reform nun gilt, verschoben ist – oder still beerdigt wurde. Für die Sozialpartner ist nicht ersichtlich, ob sie mit einem festen Fahrplan rechnen dürfen. Und für das Parlament stellt sich die Frage, in welcher Rolle es überhaupt noch agiert.

    Macron hatte sich stets als Präsident der Modernisierung inszeniert – als jemand, der unbequeme Wahrheiten nicht scheut. Diese Rolle verlangt jedoch Klarheit und Standfestigkeit, nicht semantische Verrenkungen. Eine Reform, die das soziale Gefüge tiefgreifend verändert, bedarf eines glaubwürdigen politischen Kurses – nicht eines Hinhaltens.

    Politischer Pragmatismus oder Opportunismus?

    Gewiss, die Regierung steht unter Druck. Der Haushalt 2026 verlangt Einsparungen, das Parlament ist fragmentiert, die gesellschaftliche Stimmung volatil. Doch all dies ist kein Freifahrtschein für eine Politik der Ambiguität. Wer Reformen nur dann verteidigt, wenn sie gerade opportun erscheinen, gefährdet nicht nur ihre Wirksamkeit, sondern auch die politische Kultur.

    Es ist eine Binsenwahrheit der institutionellen Politik: Gesetze leben nicht allein von ihrem Inhalt, sondern auch von der Art, wie sie begründet und vermittelt werden. Wer einmal durchregiert, dann verzögert, dann beschwichtigt – ohne klare Linie – verliert das Vertrauen der einen, ohne das Wohlwollen der anderen zu gewinnen.

    Macrons Entscheidung, die Reform „zeitlich zu verschieben“, ist Ausdruck einer Regierung, die zwischen Reformwillen und Machterhalt schwankt. Sie zeigt den Versuch, Widersprüche nicht zu lösen, sondern zu übertünchen. In einer Zeit, in der die großen Herausforderungen – demografischer Wandel, Haushaltskonsolidierung, soziale Gerechtigkeit – nach verlässlichen Antworten verlangen, ist das ein gefährliches Spiel.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Der Justizminister als Besucher: Warum Gérald Darmanin Nicolas Sarkozy im Gefängnis aufsuchen will

    Der Justizminister als Besucher: Warum Gérald Darmanin Nicolas Sarkozy im Gefängnis aufsuchen will

    Die Haft eines ehemaligen Präsidenten ist für die französische Republik ein Ausnahmefall. Der Besuch eines amtierenden Justizministers bei eben diesem Inhaftierten noch mehr. Gérald Darmanin, Frankreichs Justizministers (Garde des Sceaux), kündigte heute nun öffentlich an, Nicolas Sarkozy im Gefängnis zu besuchen. Diese Geste wirft Fragen auf – und sagt viel über die politische Kultur der Fünften Republik im Herbst 2025. Frankreich erlebt derzeit ein juristisches Novum: Erstmals muss ein ehemaliges Staatsoberhaupt wegen krimineller Verschwörung und illegaler Wahlkampffinanzierung tatsächlich eine Haftstrafe antreten. Das Pariser Strafgericht verurteilte Sarkozy am 25. September 2025 zu fünf Jahren Gefängnis – drei davon unbedingt –, weil seine Präsidentschaftskampagne 2007 unter anderem mit Mitteln aus Libyen finanziert worden sein soll. Trotz laufender Berufung wurde die sofortige Vollstreckung der Strafe angeordnet. Sarkozy wird voraussichtlich am Dienstag, 21. Oktober 2025, in der P…

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  • Macron und die Qual der Wahl

    Macron und die Qual der Wahl

    Premierminister gesucht: Zwischen linker Öffnung, technokratischem Übergang und taktischem Stillstand Emmanuel Macron steht heute vor einer Entscheidung, die den weiteren Kurs seiner Präsidentschaft maßgeblich prägen wird. Nach dem Abgang von Sébastien Lecornu als Premierminister ist das politische Gleichgewicht der Fünften Republik erneut ins Wanken geraten. Der Präsident hat für diesen Freitag eine Entscheidung angekündigt – aber welchen Weg kann er inmitten einer zersplitterten Nationalversammlung, wachsender gesellschaftlicher Frustration und einem lähmenden Patt einschlagen? Ein linker Premier – das Risiko der echten Machtteilung Die offenste Herausforderung an Macron kommt derzeit von links: Sozialisten, Grüne und Kommunisten fordern einen linken Premierminister und schlagen eine sogenannte Cohabitation vor. Aus ihrer Sicht ist dies der einzige gangbare Weg zu einem mehrheitsfähigen Haushalt für 2026. Tatsächlich ließe sich mit einer Regierung unter Führung eines Sozialdemokraten…

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  • Colmars-les-Alpes – Ein mittelalterliches Juwel im Hochgebirge

    Colmars-les-Alpes – Ein mittelalterliches Juwel im Hochgebirge

    Manchmal braucht es nur ein kleines Dorf, um eine große Geschichte zu erzählen. Colmars-les-Alpes, hoch oben im Haut-Verdon gelegen, ist so ein Ort. Am 29. September 2025 wurde die mittelalterliche Festungsstadt offiziell in den illustren Kreis der „Plus Beaux Villages de France“ aufgenommen – und ist damit die Nummer 188 auf dieser prestigeträchtigen Liste. Für […]

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  • Vertrauen Fehlanzeige: Warum Frankreichs neuer Premier Lecornu schon jetzt auf wackeligen Füssen steht

    Vertrauen Fehlanzeige: Warum Frankreichs neuer Premier Lecornu schon jetzt auf wackeligen Füssen steht

    Ein Drittel. Mehr nicht. Gerade einmal 35 Prozent der Französinnen und Franzosen sprechen Sébastien Lecornu zum Start seines Amts als Premierminister ihr Vertrauen aus. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von Toluna-Harris Interactive für den Sender LCI. Und Lecornu ist kein Unbekannter – er war Verteidigungsminister, Macron-Vertrauter, Mann der Apparate. Doch jetzt, auf der großen Bühne, beginnt seine Amtszeit mit einem lauten Misstrauensvotum aus der Bevölkerung. Ein Einzelfall? Leider nein. Auch andere Studien bestätigen den Trend: Public Sénat misst ihm 34 Prozent Vertrauen zu, Odoxa spricht von einem Absturz der Zustimmung um 9 Prozentpunkte innerhalb nur einer Woche. Der neue Premierminister ist also nicht nur neu – er ist bereits angezählt. Kein Tiefpunkt, aber doch tief Klar, Lecornus Zahlen sind nicht historisch einzigartig. In der jüngeren französischen Geschichte hat es Premierminister mit ähnlich schwierigen Starts gegeben. Doch ein zweitschlechtester Vertrauenswert seit 2012 –…

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