Schlagwort: fischerei frankreich

  • Winterpause für die Fischerei: Frankreich verlängert Schutzmaßnahme für Delfine im Golf von Biskaya

    Winterpause für die Fischerei: Frankreich verlängert Schutzmaßnahme für Delfine im Golf von Biskaya

    Frankreich setzt seinen Kurs zum Schutz der Meeresfauna fort. Die Regierung in Paris hat beschlossen, die saisonale Schließung des Golfs von Biskaya für einen Teil der Fischerei auch im kommenden Winter beizubehalten. Vom 22. Januar bis zum 20. Februar 2027 dürfen zahlreiche Fischereifahrzeuge in dem betroffenen Seegebiet ihre Netze nicht ausbringen. Ziel der Maßnahme bleibt der Schutz von Delfinen, die jedes Jahr in großer Zahl als unbeabsichtigter Beifang in Fischernetzen verenden.

    Der Golf von Biskaya zählt zu den wichtigsten Fischereigebieten Westeuropas. Gleichzeitig dient er zahlreichen Meeressäugern als Lebensraum. Genau dort prallen wirtschaftliche Interessen und Naturschutz seit Jahren aufeinander. Besonders Delfine geraten regelmäßig in Schlepp- und Stellnetze, aus denen sie sich oft nicht mehr befreien können.

    Die bisherigen Erfahrungen sprechen aus Sicht der Behörden eine deutliche Sprache.

    Nach Angaben der zuständigen wissenschaftlichen Beobachtungsstellen sank die Zahl der verendeten Delfine seit Einführung der temporären Schließungen erheblich. Während zwischen 2017 und 2023 durchschnittlich rund 4.700 Tiere pro Jahr betroffen waren, wurden im Winter 2024–2025 noch etwa 1.900 tote Delfine an den Küsten des westlichen Ärmelkanals und des Atlantiks registriert. Für Naturschützer gilt dies als ein bemerkenswerter Erfolg.

    Betroffen von der neuen Regelung sind alle Fischereifahrzeuge mit einer Länge von mehr als acht Metern. Kleinere Boote bleiben von den Einschränkungen ausgenommen. Genau dieser Punkt sorgt weiterhin für Diskussionen. Umweltverbände argumentieren, dass ein vollständiger Schutz nur dann erreicht werde, wenn sämtliche Fischereifahrzeuge einbezogen würden. Vertreter der Branche halten dagegen und verweisen auf die wirtschaftlichen Belastungen, die bereits jetzt beträchtlich seien.

    Um die Folgen für die Fischer abzufedern, stellt der Staat rund 21 Millionen Euro bereit. Das Geld soll Unternehmen entschädigen, die während der vierwöchigen Schließung keine Einnahmen erzielen können. Für viele Betriebe ist diese Unterstützung entscheidend. Gerade kleinere Familienunternehmen kämpfen ohnehin mit steigenden Betriebskosten, schwankenden Fangmengen und zunehmenden Umweltauflagen.

    Die Regierung betont jedoch, dass langfristig auch die Fischerei selbst von gesunden Meeresökosystemen profitiert. Ein Meer, dessen Artenvielfalt erhalten bleibt, sichert schließlich die Grundlagen für kommende Generationen von Fischern. Anders ausgedrückt: Wer heute schützt, sorgt dafür, dass morgen überhaupt noch etwas zu fangen ist.

    Entstanden ist die Regelung in enger Abstimmung zwischen Wissenschaftlern, Behörden und Vertretern der Fischerei. Die Entwicklung der Delfinbestände soll weiterhin genau beobachtet werden. Neue Daten und Forschungsergebnisse könnten künftig zu Anpassungen der Schutzmaßnahmen führen.

    Der Beschluss zeigt, dass Frankreich beim Schutz seiner Meeresgebiete zunehmend auf einen Ausgleich zwischen Ökologie und Wirtschaft setzt. Die Winterpause für die Fischerei mag nicht alle Konflikte lösen. Sie gilt jedoch als eines der wirksamsten Instrumente, um die Zahl der Delfine zu reduzieren, die durch menschliche Aktivitäten ihr Leben verlieren. Im kommenden Winter erhält dieser Ansatz nun eine weitere Bewährungsprobe.

    Von C. Hatty

  • Boulogne-sur-Mer: Wenn der Diesel teurer ist als der Fang

    Boulogne-sur-Mer: Wenn der Diesel teurer ist als der Fang

    Im Hafen von Boulogne-sur-Mer liegt etwas in der Luft, das schwerer wiegt als jede Sturmwarnung: wirtschaftliche Vernunft. Die Kutter schaukeln sanft am Kai, die Netze hängen ordentlich gestapelt – doch das Meer bleibt für viele Fischer unerreichbar. Nicht aus Angst vor Wind und Wellen, sondern vor der Rechnung am Ende des Tages. Wer heute ausläuft, riskiert, draufzuzahlen. Ein Paradox, das sich wie ein Riss durch den Alltag der traditionsreichen Fischereistadt zieht. Noch vor wenigen Wochen galt Diesel als kalkulierbare Größe. Dann kam der Preissprung. Innerhalb kürzester Zeit kletterte der Literpreis um mehrere Dutzend Cent nach oben – ein Tempo, das selbst erfahrene Reeder ins Grübeln bringt. Treibstoff, ohnehin einer der größten Kostenfaktoren, frisst inzwischen bei manchen Schiffen bis zur Hälfte der Gesamtausgaben. Und plötzlich steht alles infrage. Boulogne-sur-Mer ist kein verschlafenes Fischerdorf, sondern das pulsierende Herz der französischen Fischerei. Hier entscheidet sich…

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  • Der „gläserne“ Schatz der Flüsse – Wie der Schmuggel von Glasaalen zwischen Frankreich und Spanien floriert

    Der „gläserne“ Schatz der Flüsse – Wie der Schmuggel von Glasaalen zwischen Frankreich und Spanien floriert

    Es klingt zunächst unscheinbar. Winzige, fast durchsichtige Fischlarven, kaum länger als ein Streichholz, treiben in den Mündungen europäischer Flüsse. Doch genau diese kleinen Wesen – die sogenannten Glasaale, im Französischen „civelles“ – besitzen einen Marktwert, der sie in den Fokus organisierter Kriminalität rückt.

    Ein aktueller Fall aus dem Südwesten Frankreichs zeigt, wie lukrativ dieser illegale Handel geworden ist.

    Die Justiz in Bayonne hat sechs französische Staatsbürger angeklagt, die Teil eines internationalen Schmuggelnetzwerks gewesen sein sollen. Der Schaden liegt laut Ermittlern bei rund 600.000 Euro. Mehrere Millionen Glasaale sollen in diesem Zusammenhang illegal nach Spanien exportiert worden sein.

    Was auf den ersten Blick wie ein lokales Fischereivergehen wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Teil eines hochprofitablen Schwarzmarkts.

    Die Ermittlungen liefen über Monate hinweg.

    Gendarmerie, Umweltbehörden und spezialisierte Ermittler arbeiteten gemeinsam an dem Fall. Anfang März kam es schließlich zu einer koordinierten Operation auf beiden Seiten der Pyrenäen. Insgesamt acht Personen wurden festgenommen – sechs in Frankreich, zwei im spanischen Baskenland.

    Die französischen Verdächtigen stehen inzwischen unter richterlicher Aufsicht. Ihnen wurde unter anderem verboten, weiterhin im Fischereisektor tätig zu sein. Einer der Beschuldigten musste zudem eine Kaution in Höhe von 100.000 Euro hinterlegen.

    Für die Justiz in Bayonne besitzt der Fall eine besondere Bedeutung.

    Es handelt sich um eines der ersten großen Verfahren, das vom regionalen Umweltstrafrechtszentrum der Stadt bearbeitet wird. Diese spezialisierte Abteilung entstand erst vor wenigen Jahren, um Umweltverbrechen systematischer verfolgen zu können. Fälle wie dieser zeigen, warum solche Einheiten dringend gebraucht werden.

    Im Zentrum des mutmaßlichen Netzwerks stand offenbar ein Mann aus dem Departement Landes.

    Offiziell arbeitete der Mann für einen französischen Fischgroßhändler. Doch die Ermittler vermuten, dass er parallel ein eigenes, illegales System aufgebaut hatte. Dabei soll er sowohl legal gefangene als auch gewilderte Glasaale eingesammelt haben.

    Mehr als zwei Tonnen nicht rückverfolgbarer Ware sollen innerhalb von zwei Jahren transportiert worden sein.

    Ein Teil landete offenbar im regulären Handel. Der Rest wanderte heimlich über die Grenze – an einen Abnehmer im spanischen Baskenland.

    Der Gewinn aus diesem Geschäft dürfte beträchtlich gewesen sein.

    Schätzungen zufolge wurden fast sieben Millionen Glasaale illegal exportiert. Mindestens 600.000 Euro soll das Netzwerk damit verdient haben. Für ein Produkt, das kaum sichtbar durch die Netze gleitet, ist das eine erstaunliche Summe.

    Der Grund liegt im internationalen Markt.

    Glasaale gelten in vielen Regionen als Delikatesse. In Europa erreichen sie bereits Preise von mehreren hundert Euro pro Kilogramm. Auf dem asiatischen Schwarzmarkt jedoch kann der Preis auf mehrere tausend Euro steigen.

    Dort werden die Tiere in Aquakulturen aufgezogen, bis sie zu ausgewachsenen Aalen heranwachsen.

    Diese enorme Nachfrage trifft auf eine dramatische Realität: Die Bestände des Europäischen Aals sind in den vergangenen Jahrzehnten massiv eingebrochen. Wissenschaftler sprechen von einem Rückgang von mehr als neunzig Prozent seit den 1980er-Jahren.

    Der Aal steht inzwischen auf der Liste der stark gefährdeten Arten.

    Deshalb unterliegt die Fischerei strengen Regeln. Fangquoten, kurze Saisonzeiten und Exportbeschränkungen sollen verhindern, dass die Population weiter kollabiert.

    Doch genau diese Regeln machen den illegalen Handel so attraktiv.

    Wenn ein Produkt selten und begehrt ist, entstehen Schattenmärkte. Das Prinzip ist alt – und funktioniert leider ziemlich gut.

    Der Schmuggel folgt dabei oft einem ähnlichen Muster. Fischer oder Wilderer fangen die Glasaale in Flussmündungen an der Atlantikküste. Zwischenhändler sammeln die Ware ein. Von dort aus gelangt sie über verschiedene Routen zu internationalen Abnehmern.

    Manchmal endet die Reise schon im Nachbarland.

    Manchmal führt sie bis nach Ostasien.

    Die Ermittler sprechen deshalb gelegentlich vom „weißen Gold der Flussmündungen“. Ein poetischer Ausdruck für ein Geschäft, das mitunter mafiöse Strukturen annimmt.

    Für Umweltjuristen steht inzwischen fest: Solche Delikte betreffen längst nicht nur den Fischereisektor. Sie greifen direkt in empfindliche Ökosysteme ein.

    Jede illegal gefangene Larve bedeutet eine potenziell fehlende erwachsene Anguille in Europas Flüssen.

    Der Fall aus Bayonne zeigt, wie ernst Behörden diese Entwicklung inzwischen nehmen. Neben hohen Geldstrafen drohen den Angeklagten auch Haftstrafen sowie dauerhafte Berufsverbote.

    Der Kampf gegen den illegalen Aalhandel hat damit eine neue Dimension erreicht.

    Und irgendwo in den dunklen Strömungen der Flussmündungen treiben weiterhin Millionen winziger, gläserner Wesen – unscheinbar, zerbrechlich und plötzlich erstaunlich wertvoll.

    Von Daniel Ivers

  • Sieben Männer, eine Nacht, ein Schiff auf Grund – und das Dröhnen der Rotoren über der Vendée

    Sieben Männer, eine Nacht, ein Schiff auf Grund – und das Dröhnen der Rotoren über der Vendée

    Manchmal reicht ein einziger Moment, um aus Routine Ausnahmezustand zu machen. Eine Nachtfahrt, das vertraute Brummen des Motors, die Lichter des Hafens schon fast in Reichweite – und dann der Aufprall. In der Vendée, am Rand der Atlantikküste, ist aus einer gewöhnlichen Rückkehr eine Rettungsaktion geworden, die selbst abgebrühte Seeleute noch lange begleiten dürfte. Am späten Donnerstagabend, dem 15. Januar, läuft ein 22 Meter langer Fischkutter auf die Felsen vor Les Sables-d’Olonne auf. Es ist kurz vor 22 Uhr, als der Notruf abgesetzt wird. Das Schiff kommt aus Lorient zurück, der Heimathafen liegt bereits vor dem Bug. Doch statt sicherer Leinen wartet blanker Fels. Die Hülle reißt auf, das Schiff liegt schief, festgenagelt zwischen Wasser und Stein. Am nächsten Morgen bietet sich ein Bild, das Passanten den Atem anhält. Der Rumpf ist aufgeschlitzt, schwarze Schlieren ziehen sich über die Wasseroberfläche. Öl tritt aus, der Geruch liegt schwer in der Luft. Ein Boot, das eigentlich …

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  • Die Muschelfischer kehren in die Bucht der Somme zurück

    Die Muschelfischer kehren in die Bucht der Somme zurück

    Zwei Jahre lang war die Stille auf den „hénonnières“ fast ohrenbetäubend. Wo sonst das rhythmische Kratzen der Rechen über den Sandboden und das Klappern der Eimer zu hören war, herrschte gähnende Leere. Nun, im Herbst 2025, dürfen Muschelfischer und Sammler endlich zurück in die Bucht der Somme. Ein Neustart – vorsichtig, streng überwacht und mit einer gehörigen Portion Hoffnung im Gepäck. Zwei Jahre Stillstand – und viele Sorgen Seit 2023 war die Muschelernte in der Bucht der Somme verboten. Der Grund: Massensterben der Muscheln, Verschlechterung der Wasserqualität und bakterielle Verunreinigungen, die im schlimmsten Fall auch für den Menschen gefährlich werden konnten. Besonders in der nahegelegenen Bucht von Authie wurden kritische Werte gemessen. Für die Region war das ein Schock. Die Schalentiere sind nicht nur maritimes Kulturgut, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor. Die professionellen Fischer verloren einen erheblichen Teil ihres Einkommens, während Hobby-Sammler ein Stück ihre…

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  • Hobbyfischer: Ab 2026 gilt eine Pflicht zur Fangmeldung

    Hobbyfischer: Ab 2026 gilt eine Pflicht zur Fangmeldung

    Ab dem 10. Januar 2026 verändert sich für Frankreichs Hobbyfischer einiges. Wer bestimmte Arten angelt, muss seine Fänge künftig digital melden – eine kleine Revolution für ein Freizeitvergnügen, das bisher eher mit Freiheit, Spontaneität und Meeresluft verbunden war. Grundlage ist ein EU-Reglement von 2023, das Frankreich nun umsetzt.

    Welche Arten sind betroffen? Fünf Arten stehen auf der Liste dieser neuen Meldepflicht – und sie haben es in sich.Es geht um den Seelachs (lieu jaune), den Wolfsbarsch, den Roten Thunfisch, die Goldbrasse (dorade rose) sowie die Goldmakrele (dorade coryphène/mahi-mahi). Sie alle sind begehrte Angelfische, kulinarisch hochgeschätzt, aber auch ökologisch sensibel. Die Gebiete sind genau abgesteckt: Atlantik, Ärmelkanal, Mittelmeer – je nach Art. Und das Ganze ist offen nach oben. Je nach Zustand der Bestände und wissenschaftlicher Empfehlungen könnte die Liste in den kommenden Jahren wachsen. Was heute wie ein Pilotprojekt aussieht, könnte morgen zu einem…

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