Schlagwort: Finnland

  • Festung Osten: Wie Europas Nordostflanke sich gegen Russland abschirmt

    Festung Osten: Wie Europas Nordostflanke sich gegen Russland abschirmt

    Seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 hat sich das strategische Denken in weiten Teilen Nordosteuropas grundlegend gewandelt. Was zuvor als unwahrscheinlich galt, wird nun als reale Bedrohung betrachtet. In sechs Ländern – Norwegen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Polen – läuft ein beispielloser Ausbau militärischer Infrastruktur entlang der Grenzen zu Russland und Belarus. Es ist die Rückkehr des geopolitischen Denkens in Beton und Stacheldraht.

    Neue Verteidigungslinien auf dem Kontinent

    Mit über 3.400 Kilometern gemeinsamer Landgrenze zu Russland und Belarus steht der Nordosten Europas im Zentrum strategischer Überlegungen. Spätestens seit dem Nato-Beitritt Finnlands im Jahr 2023 sind alle direkten Nachbarn Russlands im Nordwesten Mitglieder des westlichen Bündnisses – eine Entwicklung, die der Kreml als existentielle Bedrohung interpretiert. Entsprechend hoch ist die Bereitschaft dieser Staaten, ihre Grenzverteidigung nicht länger nur symbolisch, sondern faktisch auszubauen.

    In Norwegen sind seit Mai 2024 die offiziellen Grenzübergänge zu Russland geschlossen. Die Regierung prüft die Errichtung physischer Barrieren entlang der 198 Kilometer langen Grenze, inklusive elektronischer Überwachung und Personalverstärkung. Auch der sonst traditionell auf zivile Stabilität bedachte Norden sieht jetzt sich gezwungen, auf hybride Bedrohungsszenarien zu reagieren – insbesondere durch irreguläre Migration, die als Teil russischer Destabilisierungsstrategien gewertet wird.

    Finnlands neue Sicherheitsarchitektur

    In Finnland hat man aus der Geschichte gelernt. Das Land, das bereits zweimal im 20. Jahrhundert gegen Russland Krieg führte, baut seit 2023 eine neue, befestigte Grenzanlage. Sie soll bis 2026 rund 200 Kilometer abdecken – ein Teil der insgesamt 1.340 Kilometer langen Grenze. Ausgestattet mit Stacheldraht, Sensoren, Überwachungskameras und Patrouillenwegen, soll die Anlage weniger symbolisch als praktisch wirken: als Reaktion auf eine „hybride Kriegsführung“, bei der Migranten gezielt als Druckmittel gegen Helsinki eingesetzt wurden.

    Dabei bleibt es nicht bei Barrieren. Finnlands Verteidigung basiert auf dem Konzept der „totalen Landesverteidigung“, das auch die Bevölkerung umfasst. Die militärische Reserve zählt rund 900.000 Bürger, für ein Land mit nur 5,5 Millionen Einwohnern eine bemerkenswerte Zahl. Regelmäßige Übungen, darunter Nato-Manöver, dienen der Abschreckung – genauso wie die enge Zusammenarbeit zwischen Grenzschutz und Streitkräften.

    Die baltische Verteidigungslinie

    Noch ambitionierter sind die Pläne der drei baltischen Staaten. Estland, Lettland und Litauen wollen bis Ende der 2020er-Jahre eine gemeinsame „Baltische Verteidigungslinie“ errichten. Dabei handelt es sich nicht um eine klassische Linie wie die Maginot-Linie, sondern um ein System aus Bunkern, Antipanzersperren, Schützengräben und verminten Zonen, das möglichst frühzeitig einen gegnerischen Vorstoß verlangsamen soll. Im Fall Estlands sind 600 Bunker entlang der 340 Kilometer langen Grenze zu Russland geplant. Auch in Lettland und Litauen laufen entsprechende Maßnahmen, einschließlich des Baus von Hunderten Kilometern Grenzzaun.

    Ein Bruch mit früheren Konventionen wird deutlich: Die baltischen Staaten erwägen – wie Finnland und Polen – den Ausstieg aus dem Ottawa-Übereinkommen zum Verbot von Antipersonenminen. Diese seien, so die Argumentation, angesichts der aktuellen Bedrohungslage als notwendiges Verteidigungsmittel zu betrachten. Zugleich wird die Zivilgesellschaft eingebunden: In Estland steht die 40.000 Mitglieder starke „Kaitseliit“ (Verteidigungsliga) bereit, im Ernstfall die regulären Streitkräfte zu unterstützen.

    Polen als Frontstaat

    Polen verfolgt einen besonders umfassenden Ansatz. Schon vor dem Krieg in der Ukraine hatte Warschau mit dem Bau einer hochmodernen Grenzbarriere zu Belarus reagiert. Nun folgt der „Ost-Schild“ – ein Projekt, das sich nicht nur gegen illegale Migration richtet, sondern vor allem militärischen Zwecken dient. Die Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad und zu Belarus wird mit Antipanzersperren, Beobachtungsstationen, befestigten Wegen und Depots ausgebaut. Allein für die 80 Kilometer lange Sperranlage rund um Kaliningrad sind Milliardenbeträge eingeplant. Polen investiert 2024 über 4% seines Bruttoinlandsprodukts in die Verteidigung – EU-weit Spitze.

    Zudem plant Warschau, jährlich 100.000 Bürger zu verteidigungsfähigen Freiwilligen auszubilden. Unterstützt wird diese Politik durch die Anschaffung moderner Technik, darunter US-Aerostate zur Überwachung in großer Höhe. Auch hier zeigt sich ein Strategiewechsel: Prävention durch technologische Überlegenheit, kombiniert mit massiver militärischer Präsenz.

    Strategischer Wandel in der EU

    Die Europäische Union erkennt zunehmend die sicherheitspolitische Bedeutung ihrer Ostgrenzen. Das im März 2025 veröffentlichte „Weißbuch zur europäischen Verteidigung“ widmet der hybriden Kriegsführung und dem Ausbau der Grenzsicherung zentrale Passagen. Allein der polnische Beitrag zum „Ost-Schild“ könnte bis zu 10 Milliarden Euro kosten. Noch sind die EU-Zuschüsse begrenzt, doch Brüssel signalisiert Bereitschaft zur Ko-Finanzierung – insbesondere im Bereich der elektronischen Überwachung und Infrastrukturmodernisierung.

    Ein zweiter strategischer Schwerpunkt ist die „militärische Mobilität“: Rund 500 Infrastrukturprojekte sollen Engpässe in ganz Europa beseitigen, um im Ernstfall eine rasche Verlegung von Truppen zu ermöglichen. Was früher als reine Wirtschaftsinfrastruktur galt – Straßen, Brücken, Bahntunnel –, wird nun zur sicherheitspolitischen Ressource.

    Kein neuer Kalter Krieg – aber neue Realitäten

    Die Staaten entlang der östlichen Nato-Grenze bereiten sich nicht nur auf eine mögliche militärische Eskalation vor, sondern auch auf einen langwierigen Zustand permanenter Spannungen. Der Suwalki-Korridor – ein schmaler Landstreifen zwischen Belarus und Kaliningrad – gilt als verwundbarster Punkt des Bündnisses. Doch Experten warnen davor, sich auf ein einzelnes Szenario zu fixieren. Russland könnte verschiedene Angriffspfade wählen – einschließlich Luftangriffe oder verdeckter Operationen in russlandfreundlichen Gebieten wie Narva in Estland.

    All dies zeigt: Der Krieg in der Ukraine hat mehr als nur ein Land verändert. Er hat das strategische Denken Europas umgeformt. Die Zeiten, in denen die EU auf „Wandel durch Handel“ setzte, sind vorbei. Heute geht es um Verteidigung durch Entschlossenheit – und um den Versuch, den Aggressor durch klare rote Linien und feste Strukturen abzuschrecken.

    Autor: P.T.

  • Finnland setzt Öltanker fest: Verdacht auf Sabotage an Unterseekabeln – und andere World-News

    Finnland setzt Öltanker fest: Verdacht auf Sabotage an Unterseekabeln – und andere World-News

    In einer überraschenden Aktion haben die finnischen Behörden gestern einen wahrscheinlich russischen Öltanker in ihren Gewässern festgesetzt. Der Verdacht: Der Tanker soll in die Beschädigung lebenswichtiger Unterseekabel verwickelt sein – ein potenzieller Akt der Sabotage. Das Schiff, registriert auf den Cookinseln, befand sich auf einer Route von St. Petersburg nach Port Said, als es gestoppt wurde.

    Der Fall Estlink 2 und die beschädigten Kabel

    Im Fokus der Ermittlungen steht das Estlink-2-Seekabel, das die Stromversorgung zwischen Finnland und Estland sicherstellt. Neben diesem Kabel wurden auch vier Datenkabel gemeldet, die durchtrennt oder beschädigt sind. Die Polizei spricht von „erschwerter Sachbeschädigung“ – ein Ausdruck, der die Tragweite der Tat unterstreicht.

    Die Sabotage hat erhebliche wirtschaftliche und sicherheitstechnische Folgen. Was steckt hinter der möglichen Verbindung des Tankers zu diesen Vorfällen?

    Russlands Schattenflotte – ein Puzzlestück?

    Der beschlagnahmte Tanker wird auch mit Russlands sogenannter Schattenflotte in Verbindung gebracht. Diese Flotte aus schwer nachverfolgbaren, unmarkierten Schiffen dient mutmaßlich dazu, westliche Preisdeckel für russisches Öl zu umgehen. Eine Finte, die nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine notwendig wurde, um Sanktionen zu unterlaufen.

    Eskalation im Nahen Osten: Israel greift Jemen an

    Währenddessen spitzen sich die Spannungen im Nahen Osten weiter zu. Israel hat Luftangriffe auf jemenitische Gebiete gestartet, die von der Huthi-Miliz kontrolliert werden. Diese Miliz – von Iran unterstützt – hatte zuvor einen Raketenangriff auf Israel durchgeführt. Mindestens vier Menschen verloren bei den Vergeltungsschlägen ihr Leben, über 20 wurden verletzt.

    Israels Premierminister Benjamin Netanjahu unterstrich, dass jede feindliche Gruppierung die Konsequenzen zu spüren bekomme. „Die Huthis werden lernen, was Hamas, Hisbollah und andere bereits gelernt haben“, sagte er deutlich.

    Ist das der Anfang eines noch größeren Konflikts in der Region?

    Unruhen in Mosambik: Hundert Tote nach Wahlchaos

    Mosambik befindet sich am Rande eines Bürgerkriegs. Nach umstrittenen Präsidentschaftswahlen, bei denen Frelimos Kandidat Daniel Chapo mit 65 % als Sieger hervorging, breiten sich Proteste aus. Die Opposition erkennt das Wahlergebnis nicht an und fordert die Bevölkerung zum Widerstand auf. Straßenblockaden, brennende Reifen und Plünderungen prägen das Bild vieler Städte. Über 250 Menschen haben diese Auseinandersetzungen bereits das Leben gekostet.

    Die Situation droht zu eskalieren, während die Regierung und ihre Gegner unnachgiebig bleiben. Wie lange kann das Land diese Spannungen aushalten?


    Weitere Kurznachrichten aus aller Welt

    • Mexiko: Drogenkartelle testen neue Fentanyl-Formeln – erschreckenderweise auch an Lebewesen.
    • Taiwan: Korruptionsskandal um den ehemaligen Bürgermeister von Taipeh, Ko Wen-je.
    • Norwegen: Ein Bus stürzte in einen See – drei Tote, mehrere Schwerverletzte.
    • Technologie: Apples Zulieferer Foxconn expandiert in Indien und den USA, um Abhängigkeiten von China zu reduzieren.

    Bleiben Sie informiert – die Welt dreht sich schneller denn je.

  • Der 6. Dezember: Wendepunkte, Entdeckungen und Traditionen in der Geschichte

    Der 6. Dezember: Wendepunkte, Entdeckungen und Traditionen in der Geschichte

    Der 6. Dezember ist ein Datum, das in der Geschichte sowohl in Frankreich als auch weltweit bedeutende Ereignisse verzeichnet. Von politischen Umwälzungen über kulturelle Meilensteine bis hin zu wissenschaftlichen Entdeckungen – dieser Tag hat Spuren hinterlassen, die bis heute nachwirken.

    Frankreich: Trennung von Kirche und Staat

    Am 6. Dezember 1905 stimmte der französische Senat einem Gesetz zu, das die Trennung von Kirche und Staat festlegte. Dieses Gesetz markierte einen entscheidenden Schritt in der französischen Geschichte, indem es die Laizität des Staates etablierte und die religiöse Neutralität in öffentlichen Angelegenheiten sicherstellte. Die Trennung von Kirche und Staat ist seither ein Grundpfeiler der französischen Republik.

    Weltweit: Unabhängigkeit Finnlands

    Am 6. Dezember 1917 erklärte das finnische Parlament in Helsinki die Unabhängigkeit Finnlands von Russland. Dieser Schritt erfolgte inmitten der politischen Umwälzungen, die durch die Russische Revolution ausgelöst wurden, und führte zur Gründung eines souveränen finnischen Staates. Der 6. Dezember wird seitdem als finnischer Unabhängigkeitstag gefeiert.

    Erster Weltkrieg: Einnahme von Bukarest

    Ebenfalls am 6. Dezember 1916, während des Ersten Weltkriegs, marschierten die Truppen der Mittelmächte in die rumänische Hauptstadt Bukarest ein. Dieser militärische Erfolg hatte bedeutende strategische Auswirkungen auf den Kriegsverlauf in Osteuropa.

    Kulturelle Ereignisse: Entdeckung der Nofretete-Büste

    Am 6. Dezember 1912 wurde die berühmte Büste der ägyptischen Königin Nofretete von deutschen Archäologen entdeckt. Diese Entdeckung gilt als eine der bedeutendsten archäologischen Funde des 20. Jahrhunderts und bietet einen faszinierenden Einblick in die Kunst und Kultur des alten Ägypten.

    Technologische Fortschritte: Erste Herztransplantation in den USA

    Am 6. Dezember 1967 führte Dr. Adrian Kantrowitz die erste Herztransplantation in den Vereinigten Staaten durch. Dieser medizinische Durchbruch markierte einen bedeutenden Fortschritt in der Transplantationsmedizin und eröffnete neue Möglichkeiten in der Behandlung von Herzkrankheiten.

    Tragische Ereignisse: Das Massaker an der École Polytechnique

    Am 6. Dezember 1989 ereignete sich das Massaker an der École Polytechnique in Montreal, Kanada, bei dem 14 junge Frauen von einem antifeministischen Attentäter ermordet wurden. Dieses tragische Ereignis führte zu einer intensiven Debatte über Waffenkontrolle und Gewalt gegen Frauen und wird jährlich am Nationalen Tag des Gedenkens und der Aktion gegen Gewalt an Frauen in Kanada erinnert.

    Nikolaustag: Ein internationaler Brauch

    Der 6. Dezember ist auch als Nikolaustag bekannt, an dem in vielen Ländern der heilige Nikolaus gefeiert wird. Kinder stellen ihre geputzten Schuhe oder Stiefel vor die Tür, in der Hoffnung, dass sie mit Süßigkeiten oder kleinen Geschenken gefüllt werden. Dieser Brauch ist in verschiedenen Kulturen verbreitet und symbolisiert Großzügigkeit und Nächstenliebe.

    Fazit

    Der 6. Dezember ist ein Datum, das eine Vielzahl bedeutender historischer Ereignisse umfasst. Von politischen Entscheidungen in Frankreich über internationale Unabhängigkeitsbewegungen bis hin zu kulturellen und wissenschaftlichen Meilensteinen – dieser Tag spiegelt die Vielfalt der menschlichen Geschichte wider. Er erinnert uns daran, wie vergangene Ereignisse unsere Gegenwart formen und wie wichtig es ist, aus der Geschichte zu lernen.

  • 1. Oktober: Ein Tag des Wandels – Historische Ereignisse weltweit und in Frankreich

    1. Oktober: Ein Tag des Wandels – Historische Ereignisse weltweit und in Frankreich

    Der 1. Oktober – ein Datum, das in der Geschichte von unterschiedlichsten Ereignissen geprägt ist. Auf der ganzen Welt passierten an diesem Tag bedeutende Wendungen, die die politische, kulturelle und soziale Landschaft nachhaltig veränderten. Werfen wir einen Blick darauf, was am 1. Oktober in Frankreich und weltweit geschah – und wie diese Ereignisse bis heute nachhallen.

    Die Gründung der Volksrepublik China (1949)

    Am 1. Oktober 1949 verkündete Mao Zedong auf dem Tian’anmen-Platz in Peking die Gründung der Volksrepublik China. Dieses Ereignis markierte das Ende des langen Bürgerkriegs in China und den Sieg der Kommunistischen Partei über die Nationalisten unter Chiang Kai-shek. Mit dieser Verkündung wurde China offiziell ein kommunistischer Staat und ebnete den Weg für die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformation des Landes.

    Es ist kein Zufall, dass dieses Datum auch heute noch jedes Jahr in China als Nationalfeiertag groß gefeiert wird. Für viele Menschen in China bedeutet der 1. Oktober den Beginn einer neuen Ära – einer Zeit des Wideraufbaus und des kollektiven Fortschritts. Doch diese „neue Ära“ kam nicht ohne Herausforderungen. Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt von sozialen Experimenten wie dem Großen Sprung nach vorn und der Kulturrevolution, die Millionen von Menschen das Leben kosteten. Aber es war auch der Beginn Chinas Weg zu einer der einflussreichsten Nationen der Welt.

    Die Vereinigung von Nigeria (1960)

    Am 1. Oktober 1960 wurde Nigeria, die bevölkerungsreichste Nation Afrikas, nach Jahrzehnten der britischen Kolonialherrschaft endlich unabhängig. Dieses Ereignis wird in Nigeria als Meilenstein der Freiheit und des nationalen Erwachens angesehen. Die Unabhängigkeit von Nigeria läutete eine neue Phase des afrikanischen Kontinents ein, in der viele weitere Kolonialstaaten die Unabhängigkeit erlangten.

    Allerdings sollte Nigerias Weg in die Unabhängigkeit kein einfacher sein. Politische Instabilität, ethnische Spannungen und militärische Umstürze prägten die folgenden Jahrzehnte – und das Land kämpft bis heute mit den Konsequenzen dieser schwierigen Geburtsstunde. Dennoch bleibt der 1. Oktober ein Symbol des Triumphs über den Kolonialismus und der Hoffnung auf ein geeintes und friedliches Afrika.

    Die Geburtsstunde der Pariser Metro (1900)

    Wenn man über den 1. Oktober in Frankreich spricht, fällt ein bedeutendes Ereignis ins Auge: Der Start der Pariser Metro. Am 1. Oktober 1900 begann der reguläre Betrieb der Pariser U-Bahn – und die Stadt sollte sich nie wieder von dieser Veränderung erholen.

    Die Metro war ein Symbol für den Fortschritt und die Moderne in der Belle Époque, einer Zeit, in der Paris als das Zentrum der Kunst, Mode und Kultur der westlichen Welt galt. Sie ermöglichte es den Pariserinnen und Parisern, schneller und bequemer durch die Stadt zu reisen, und trug dazu bei, dass Paris seine Rolle als eine der führenden Metropolen Europas festigte. Heute ist die Pariser Metro eines der größten und effizientesten U-Bahn-Systeme weltweit und transportiert täglich Millionen von Menschen – ein wahrhaft langlebiges Erbe, das seinen Anfang an diesem Tag nahm.

    Das Ende der Prohibition in Finnland (1932)

    Ein weiteres bedeutendes Ereignis am 1. Oktober fand im hohen Norden Europas statt. Am 1. Oktober 1932 endete in Finnland die Prohibition, die 1919 eingeführt worden war. Ursprünglich als Maßnahme zur Bekämpfung von Alkoholismus gedacht, führte das Alkoholverbot in Finnland jedoch zu einer anderen Realität: Ein blühender Schwarzmarkt entstand, und der illegale Alkoholhandel wurde zur Plage.

    Die Regierung erkannte schließlich, dass das Verbot mehr Schaden als Nutzen verursachte – der Schmuggel von Alkohol nahm überhand, und der Staat verlor immense Steuereinnahmen. Mit dem Ende der Prohibition kehrte Finnland zu einer regulierten, aber legalen Alkoholproduktion und -verteilung zurück. Dieses Datum markiert also nicht nur das Ende einer gescheiterten Sozialpolitik, sondern auch einen Wendepunkt hin zu einem pragmatischeren Umgang mit gesellschaftlichen Problemen.

    Der Vertrag von Maastricht tritt in Kraft (1993)

    Auch für die europäische Geschichte ist der 1. Oktober von Bedeutung. Am 1. Oktober 1993 trat der Vertrag von Maastricht in Kraft und führte zur Schaffung der Europäischen Union (EU). Dieser Vertrag war der Grundstein für die EU, wie wir sie heute kennen – ein Verbund von Nationen, die sich für wirtschaftliche Zusammenarbeit, politische Einheit und das Streben nach Frieden entschieden haben.

    Frankreich spielte eine Schlüsselrolle bei der Aushandlung dieses Vertrags. Der französische Präsident François Mitterrand arbeitete eng mit dem deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl zusammen, um die europäische Integration voranzutreiben. Der Vertrag von Maastricht war das Resultat dieser Vision, und Frankreichs Beitrag zur Entstehung der EU bleibt eines der Vermächtnisse dieser Epoche.

    Napoleon Bonaparte kehrt aus dem Exil zurück (1795)

    Noch früher, am 1. Oktober 1795, kehrte ein gewisser Napoleon Bonaparte nach Frankreich zurück – und bereitete sich darauf vor, die Weltgeschichte für immer zu verändern. Nach dem Sturz der Jakobiner war die politische Lage in Frankreich unklar, und Napoleon nutzte diese Gelegenheit, um seinen Aufstieg zu beginnen.

    Innerhalb weniger Jahre würde er sich zum Kaiser der Franzosen krönen und Europa in einem Sturm von Eroberungen und Reformen erschüttern. Der 1. Oktober 1795 war ein Wendepunkt in Napoleons Leben – von einem jungen General zu einem der mächtigsten Männer seiner Zeit.

    Fazit: Ein Tag des Wandels

    Der 1. Oktober hat weltweit viele historische Ereignisse hervorgebracht – von der Gründung neuer Staaten über soziale Revolutionen bis hin zu technologischen Durchbrüchen. In Frankreich ist dieser Tag eng mit dem Aufstieg der Moderne und der politischen Veränderungen verbunden, die das Land bis heute prägen. Ob in China, Nigeria, Finnland oder Frankreich – der 1. Oktober markiert entscheidende Momente der Geschichte.

  • Finnland nimmt einen EPR-Reaktor französischer Bauart in Betrieb – nach 18 Jahren Bauzeit

    Finnland nimmt einen EPR-Reaktor französischer Bauart in Betrieb – nach 18 Jahren Bauzeit

    Der Atomreaktor wurde von dem französischen Konzern Areva und dem deutschen Konzern Siemens gebaut und ist der dritte sogenannte EPR, der weltweit in Betrieb ist.

    Es war eine der symbolischen Baustellen für die Schwierigkeiten des EPR, des von Frankreich entwickelten Atomreaktors der neuen Generation. Der Reaktor Olkiluoto 3 in Finnland wurde am Sonntag, dem 16. April, in Betrieb genommen. Er ist nun voll funktionsfähig, wie sein Betreiber TVO mitteilt.

    Der Reaktor ist der dritte EPR, der weltweit in Betrieb genommen wird, die beiden anderen befinden sich in China. Er wird der leistungsstärkste Reaktor, der in Europa in Betrieb ist. Das an der Südwestküste Finnlands gelegene Kraftwerk mit insgesamt drei Reaktoren erzeugt 30 % des Stroms des Landes. Eigentlich war der Atomreaktor bereits im Dezember 2021 in Betrieb genommen worden, befand sich jedoch vor seiner jetzt erfolgten tatsächlichen Inbetriebnahme in einer Testphase.

    Enorme Mehrkosten
    Dies ist das Ende einer 2005 begonnenen Riesen-Baustelle, die von dem deutschen Siemens-Konzern und dem französischen Areva-Konzern geleitet wurde. Enorme Mehrkosten waren einer der Hauptgründe für die Zerschlagung des Areva-Konzerns, der durch Verluste in Höhe von mehreren Milliarden Euro belastet war. Es gibt zwar noch eine Struktur, deren Hauptaufgabe darin besteht, den Bau von Olkiluoto abzuschließen, aber der Großteil des Konzerns ist in den Besitz des französischen Kernkraftbetreibers  EDF übergegangen.

    In Frankreich wurde der 2007 begonnene Bau des EPR in Flamanville ebenfalls durch massive Verzögerungen beeinträchtigt, die vor allem auf Anomalien im Stahldeckel und im Reaktordruckbehälter zurückzuführen sind. Emmanuel Macron möchte baldmöglichst den Bau von sechs weiteren EPR der zweiten Generation in Frankreich in Angriff nehmen. Diese Technologie wurde auch für ein Kraftwerk mit zwei Reaktoren in Hinkley Point im Südwesten Englands ausgewählt. Der Beginn der Stromerzeugung dort ist derzeit für Mitte 2027 geplant, statt ursprünglich für 2025.

    Der Europäische Druckreaktor oder EPR (Evolutionary power reactor) ist ein Kernreaktor, der zur Gruppe der Druckwasserreaktoren gehört. Er ist ein Reaktor der Generation III nach der internationalen Klassifizierung.

    Es handelt sich um einen Hochleistungsreaktor (~1.600 MWe), der in den 1990er Jahren von dem deutsch-französischen Joint Venture NPI (Nuclear Power International) entwickelt wurde, das zu gleichen Teilen von Framatome SA und Siemens KWU gehalten wird. Seit 2011 wird der EPR von den Franzosen EDF und Framatome (ehemals Areva NP) entwickelt, nachdem sich Siemens KWU zurückgezogen hat.

    Im April 2023 sind drei EPR in Betrieb: zwei im Kernkraftwerk Taishan in China (Taishan 1 und 2, die 2018 bzw. 2019 den kommerziellen Betrieb aufgenommen haben) und ein dritter im Kernkraftwerk Olkiluoto in Finnland, der im März 2022 an das Netz angeschlossen und am 16. April 2023 in den kommerziellen Betrieb überführt wurde. Drei weitere EPR befinden sich im Bau: einer in Frankreich im Kernkraftwerk Flamanville und zwei im Vereinigten Königreich im Kernkraftwerk Hinkley Point. Acht weitere EPR sind in Planung: zwei im Kernkraftwerk Sizewell im Vereinigten Königreich und sechs im Kernkraftwerk Jaitapur in Indien.

    Eine verbesserte Version befindet sich in der Entwicklung, der EPR 2, von dem in Frankreich sechs bis vierzehn Reaktoren geplant sind.