Schlagwort: Finistère

  • 37,3 Meter über der Brandung – wie ein junger Bretone der Sturmgewalt trotzt

    37,3 Meter über der Brandung – wie ein junger Bretone der Sturmgewalt trotzt

    Der Wind heult, das Meer brodelt, der Himmel hängt tief über der Küste der Bretagne. An jenem Tag, als der Sturm Goretti mit Böen von bis zu 110 Stundenkilometern über den Finistère fegt, suchen viele Schutz hinter dicken Mauern. Einer aber fährt hinaus. Er heißt Clément Huot, ist 23 Jahre alt – und hebt ab wie kein Mensch vor ihm. Was dann geschieht, dauert gerade einmal 13 Sekunden. Genug Zeit allerdings, um Sportgeschichte zu schreiben. Vor der Küste von La Palue, nahe Crozon, lässt sich Huot von der rohen Kraft des Sturms in den Himmel katapultieren. Am Ende misst seine Uhr 37,3 Meter Höhe. Weltrekord im Kitesurfen. Höher war noch niemand. Man muss sich diese Szene vorstellen wie eine Mischung aus Anmut und Anarchie. Unten tobt der Atlantik, weißer Schaum weht über den Strand, oben spannt sich der Kite wie ein wildes Tier im Wind. Huot hält die Bar fest umklammert, der Körper gespannt, die Konzentration messerscharf. Ein Fehler, ein falscher Winkel – und die Geschichte nähme einen …

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  • Gast aus der Tiefe – Ein seltener Riesenhai taucht in der Bretagne auf

    Gast aus der Tiefe – Ein seltener Riesenhai taucht in der Bretagne auf

    Vier Meter lang, mit tellergroßen Augen und einer Schwanzflosse, die aussieht wie ein Schwert aus der Tiefsee – klingt nach einer Szene aus einem alten Abenteuerroman. Doch genau dieses Tier wurde jetzt, zum ersten Mal überhaupt, in den Gewässern vor der französischen Atlantikküste gesichtet: ein sogenannter „Requin-renard à gros yeux“, auf Deutsch der Großäugige Fuchshai. Gefangen – aber nur aus Versehen. Am 21. Oktober ging dieser seltene Meeresbewohner einem Fischer im Finistère an die Leine. Der Schock über das ungewöhnliche Tier war offenbar so groß wie das Tier selbst: über vier Meter misst der Hai, der zur Familie der Fuchshaie gehört und den wissenschaftlichen Namen Alopias superciliosus trägt. Für die Behörden war schnell klar – dieser Fang ist keine Alltagssache. Die Affaires Maritimes, die französische Meeresbehörde, schaltete sich ein und veranlasste, dass das Tier an die Station Marine de Concarneau übergeben wird – eine bedeutende Forschungseinrichtung an der bretonischen…

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  • Kommentar: Die Würde des Widerstands

    Kommentar: Die Würde des Widerstands

    Einst ritten polnische Kavalleristen mit Lanzen gegen die stählernen Kolosse der Wehrmacht. Es war ein Akt der Verzweiflung – und der unerschütterlichen Würde. Heute spannen bretonische Fischer ihre ausgedienten Netze über ukrainische Straßen, um russische Drohnen aufzuhalten. Auch das ist ein Kampf…

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  • Wie Fischernetze aus der Bretagne zum Schutzschild gegen Drohnen wurden

    Wie Fischernetze aus der Bretagne zum Schutzschild gegen Drohnen wurden

    Zivile Solidarität und militärische Wirkung: Wie bretonische Fischer der Ukraine helfen, sich gegen russische Angriffe zu verteidigen Als der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 17. November 2025 zu einem diplomatischen Besuch in Paris weilte, verdient ein ungewöhnlicher Programmpunkt besondere Aufmerksamkeit: Ein offizielles Treffen mit bretonischen Fischern, die der Ukraine ein scheinbar banales, aber in der Praxis hochwirksames Hilfsmittel gespendet hatten – ausgediente Fischernetze. Insgesamt 280 Kilometer dieser Netze wurden bereits im Oktober an die Ukraine geliefert, wo sie seitdem zur Abwehr russischer Drohnenangriffe eingesetzt werden. Improvisierte Verteidigung gegen Hightech-Angriffe Die Idee, alte Fischernetze als Schutzvorrichtung zu verwenden, mag auf den ersten Blick kurios erscheinen. Tatsächlich aber erweisen sich die kilometerlangen Kunststoffgeflechte im Kriegsgebiet als überraschend effizient. In der ostukrainischen Region Saporischschja, einem Brennpunkt d…

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  • Batz – Die Insel, die sich weigert zu sterben

    Batz – Die Insel, die sich weigert zu sterben

    Wenn der Wind vom Atlantik her über die Dünen fegt, wenn das Meer grollt und das Licht der Bretagne sich silbern auf die Wellen legt, dann wirkt die kleine Insel Batz wie ein vergessenes Paradies. Im Sommer summt sie vor Leben – 6.000 Urlauber drängen sich zwischen Hafen, Strand und auf den Radwegen. Doch sobald die Fähre im Herbst seltener fährt, bleiben kaum 460 Bewohner zurück. Was dann bleibt, ist eine gespenstische Stille, durchbrochen nur vom Schrei der Möwen und dem Knarren von Fensterläden, die niemand mehr öffnet.


    Insel im Ausnahmezustand

    Zwei Drittel aller Häuser auf Batz gehören Menschen, die nur ein paar Wochen im Jahr hier sind. Das klingt harmlos – doch es ist der Kern eines Dramas, das viele bretonische Gemeinden betrifft: Der Alltag bricht zusammen, wenn das Leben sich nur noch im Juli und August abspielt. Wer hier arbeitet, findet kaum ein Dach über dem Kopf. Wer bleiben möchte, sieht sich gezwungen zu gehen.

    Der junge Koch Léo Jouvet aus dem Loiret hat es trotzdem gewagt. Zusammen mit seiner Frau Stacy und den vier Kindern lebt er seit September auf der Insel. „Wir wollten ans Meer, in die Bretagne. Es fühlt sich an wie Ferien – nur dass man hier wirklich lebt“, sagt er lachend. Die Familie hat Glück: Sie kann ein Haus der Gemeinde mieten, 100 Quadratmeter für 770 Euro im Monat. Auf dem Festland mag das keine Sensation sein, auf Batz ist es fast ein kleines Wunder.


    Wenn Kinderstimmen einen Ort retten

    Drei der Jouvet-Kinder gehen auf die kleine Schule der Insel – und sichern damit, ganz nebenbei, deren Zukunft. Eine der beiden Klassen stand kurz vor der Schließung. Jetzt erklingt dort wieder Kinderlärm. „Es kommen sogar Kinder vom Festland herüber, weil die Eltern das Schulsystem und die Umgebung hier mögen“, erzählt eine Lehrerin.

    Eine Insel ohne Schule, das wäre wie ein Leuchtturm ohne Licht. Denn wo Kinder fehlen, zieht auch kein Arzt, kein Bäcker, kein Handwerker mehr hin. Das weiß Bürgermeister Éric Grall nur zu gut. „Wenn die Familien gehen, sterben die Geschäfte, die Vereine, die Seele des Ortes“, sagt er. Also hat er eine Entscheidung getroffen, die in der Region für Aufsehen sorgt.


    Der mutige Schritt: 60 % mehr Steuer für Zweitwohnungen

    Seit Jahresbeginn gilt auf Batz eine kräftige Erhöhung der Steuer für Zweitwohnungen – plus 60 %. Was nach fiskalischem Druckmittel klingt, ist in Wahrheit eine Überlebensstrategie. Denn die zusätzlichen Einnahmen fließen direkt in bezahlbaren Wohnraum.

    Hinter der Gemeindehallte wachsen gerade acht Holzhäuser aus dem Boden – schlicht, nachhaltig gebaut, bodenständig. Finanziert werden sie zu einem großen Teil durch die neue Steuer. Rund 95.000 Euro pro Jahr spült sie in die Gemeindekasse, insgesamt entsteht ein Projekt von 2,6 Millionen Euro.

    „Es geht nicht darum, jemanden zu bestrafen“, betont der Bürgermeister. „Die Zweitwohnungsbesitzer profitieren ja auch davon, dass hier ein Laden offen ist, ein Café lebt, Kinder spielen. Ihre Beteiligung an den Kosten der Gemeinschaft ist einfach nur gerecht.“


    Stimmen aus dem Dorf

    Im einzigen Bar-Tabac des Ortes, wo morgens der Kaffeeduft den Nebel vertreibt, wird kaum jemand widersprechen. Ein älterer Fischer mit wettergegerbtem Gesicht nippt an seinem Glas und meint: „Wenn mehr Familien kommen, gibt’s wieder Arbeit. Ganz einfach.“
    Neben ihm nickt eine Frau, die gerade Brot verkauft hat: „Ohne Schule, ohne junge Leute – dann kann man gleich das Licht ausmachen.“

    Der Ton ist herzlich, aber ernst. Man spürt: Auf dieser Insel hat jeder schon einmal darüber nachgedacht, was es bedeutet, wenn das eigene Zuhause sich langsam entvölkert.


    Eine Insel plant ihre Zukunft

    Batz will nicht nur überleben – sie will wieder wachsen. Acht neue Familien sollen bis kommenden Sommer einziehen. Die Gemeinde richtet außerdem eine Kindertagesstätte ein und setzt auf digitale Infrastruktur: 2026 soll die Glasfaser kommen. Für viele, die im Homeoffice arbeiten, könnte das der entscheidende Anreiz sein, dauerhaft zu bleiben.

    „Man spürt richtig, dass hier was entsteht“, sagt Stacy Jouvet, die mittlerweile beim Inselverein mithilft. „Am Anfang dachten wir, wir bleiben vielleicht zwei Jahre. Jetzt wollen wir gar nicht mehr weg.“


    Zwischen Himmel, Meer und Hoffnung

    Wer Batz im Winter besucht, versteht, was auf dem Spiel steht. Die Insel ist schön – wild, einsam, echt. Aber ohne Menschen verliert selbst der schönste Ort seine Seele. Deshalb ist die Steuererhöhung nicht nur ein Haushaltsinstrument, sondern ein Symbol. Sie zeigt: Diese kleine Gemeinschaft glaubt an ihre Zukunft, und sie kämpft dafür.

    Ist es ein Modell für andere Gemeinden in der Bretagne? Vielleicht. Sicher aber ist: Batz sendet ein Signal. Dass das Leben auf den Inseln nicht nur den Reichen gehören darf. Dass Dörfer, so klein sie auch sind, ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können.

    Und dass eine Handvoll Kinderstimmen manchmal mehr bewegen als tausend politische Reden.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Das Finistère hebt ab: Wie sich das wilde Ende der Bretagne zum Hotspot des Foil Surfings wandelt

    Das Finistère hebt ab: Wie sich das wilde Ende der Bretagne zum Hotspot des Foil Surfings wandelt

    Wenn man an das Finistère denkt – diese raue, wunderschöne Landzunge am nordwestlichen Rand Frankreichs –, dann tauchen vor dem inneren Auge sofort Bilder auf: schroffe Klippen, salzige Gischt, tosende Atlantikwellen. Ein Ort, an dem die Natur das letzte Wort hat. Doch zwischen all dem Wind, Wasser und Wellen entsteht gerade ein neues Kapitel. Eines, das fliegt. Denn hier hebt ein Sport ab, der die Regeln der Wellen neu schreibt: Foil Surfing – und seine Verwandten, Wingfoil und Downwind Foil. Schweben über dem Wasser Foil Surfing klingt fast wie Magie. Eine Surfboard-ähnliche Konstruktion, darunter ein langer Mast mit einem Tragflügel – der sogenannte „Foil“. Sobald das Brett Fahrt aufnimmt, hebt es sich aus dem Wasser, getragen vom Auftrieb des Flügels. Es gleitet über der Oberfläche – leise, schnell, elegant. Wer es einmal gesehen hat, vergisst es nicht mehr. Und ausgerechnet das Finistère, dieser windumtoste, wellenreiche Zipfel Frankreichs, ist zum Epizentrum dieser Bewegung gewor…

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  • „Sie wollen, dass wir endlich hinschauen“ – Missbrauchsvorwürfe in katholischen Internaten in der Bretagne – ein neuer Schritt der Aufarbeitung

    „Sie wollen, dass wir endlich hinschauen“ – Missbrauchsvorwürfe in katholischen Internaten in der Bretagne – ein neuer Schritt der Aufarbeitung

    Sie waren Kinder. Manche zehn, andere zwölf, einige noch jünger. Heute sind sie Erwachsene – mit Stimmen, die nicht mehr schweigen. In einem aufsehenerregenden Schritt haben am 8. Oktober 2025 ehemalige Schüler:innen dreier katholischer Bildungseinrichtungen im bretonischen Département Finistère die Justiz angerufen: Über 60 schriftliche Aussagen, die mutmaßliche körperliche, psychische und sexuelle Gewalt dokumentieren, wurden der Staatsanwaltschaft in Brest übergeben. Die Namen der Schulen klingen harmlos: Sainte-Ursule, Notre-Dame du Kreisker, Saint-Pierre. Doch für viele stehen sie für Leidensorte. Orte der Einschüchterung, des Schweigens – und, mutmaßlich, der systematischen Misshandlung. Drei Schulen – eine schmerzhafte Geschichte Die betroffenen Einrichtungen liegen im Norden und Westen des Départements Finistère: Zwei in Saint-Pol-de-Léon, eine weitere in Le Relecq-Kerhuon bei Brest. Schon im Mai hatten frühere Schüler von Saint-Pierre den Mut gefunden, ihre Geschichten zu teil…

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  • Finistère: Wie die Bretagne der Artischocke neues Leben einhaucht

    Finistère: Wie die Bretagne der Artischocke neues Leben einhaucht

    Die Bretagne, vor allem das Finistère und die berühmte „Ceinture dorée“ entlang der Küste, war jahrzehntelang das Herz der französischen Artischockenproduktion. Kaum ein Gemüse stand so sehr für die Region wie diese grüne Knospe mit den dicken Blättern. Doch die glänzenden Zeiten sind vorbei. Zwischen schwächelnder Nachfrage und billiger Konkurrenz aus dem Süden drohte der Artischocke das Schicksal vieler „vergessener“ Gemüsesorten. Nun aber formiert sich Widerstand – mit Ideen, die Tradition und Innovation verbinden.

    Vom Star zum Sorgenkind Auf den ersten Blick wirken die weiten Felder rund um Saint-Pol-de-Léon wie immer: sattgrün, saftig, endlos. Doch die Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Seit 2016 sind die Anbauflächen für Artischocken in der Bretagne um fast 60 Prozent geschrumpft. Allein 2024 sank die Produktion um weitere 20 Prozent. Noch immer stellt die Region gut 70 Prozent der französischen Artischocken-Anbauflächen – aber der nationale Marktanteil sinkt unaufhaltsam. …

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  • Insel der Katzen – Wie Molène zwischen Idylle und Plage balanciert

    Insel der Katzen – Wie Molène zwischen Idylle und Plage balanciert

    Molène, ein winziger Fleck im Atlantik, irgendwo zwischen den Gezeiten und den Möwenschreien des Finistère. Kaum 120 Menschen leben hier – doch fast ebenso viele Katzen streunen durch Gassen und Gärten. Was einst romantisch klang, „die Insel der Katzen“, ist längst zum Problemfall geworden. Wenn Katzen das Kommando übernehmen Die Insulaner nennen sie „targazh“. Wilde Katzen, die nachts durch die Straßen jagen, Mülltonnen plündern und sich lautstark prügeln. Manchmal endet das Ganze nicht nur mit Kratzern an den Türen, sondern auch mit ernsthaften Verletzungen. Eine Frau etwa stürzte beim Gassigehen, weil eine Katze plötzlich ihren Hund attackierte – Armbruch. Solche Szenen sind auf einer so kleinen Insel Gesprächsthema Nummer eins. Bedrohung aus dem Unterholz Doch das eigentliche Drama spielt sich nicht in den Gärten der Bewohner ab, sondern draußen auf den Klippen und im Gestrüpp. Dort brütet die Sturmschwalben, die größte Ansammlung dieser winzigen Hochseevögel in ganz Europa. Für di…

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  • Ferien zum kleinen Preis – Warum der späte August im Finistère ein echter Geheimtipp ist

    Ferien zum kleinen Preis – Warum der späte August im Finistère ein echter Geheimtipp ist

    Wenn die Sommersonne langsam sanfter wird, die Touristenströme sich lichten und das Meer in sanftem Rhythmus gegen die Küste rauscht, entfaltet das Finistère seinen ganz eigenen Zauber. Wer in der letzten Augustwoche in diese wilde, wunderschöne Region der Bretagne reist, entdeckt nicht nur ein ruhigeres Urlaubserlebnis, sondern spart auch bares Geld – ohne auf Komfort […]

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