Schlagwort: Filmfestspiele

  • Warum die Filmfestspiele ausgerechnet in Cannes stattfinden

    Warum die Filmfestspiele ausgerechnet in Cannes stattfinden

    Heute wirkt alles selbstverständlich. Die roten Teppiche, die Blitzlichter, die Prominenten auf der Croisette – als hätte das Filmfestival von Cannes schon immer genau dort hingehört. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Cannes war keineswegs die offensichtliche Wahl für das bedeutendste Filmfestival der Welt. Hinter der Entscheidung stecken politische Spannungen, strategische Überlegungen und ein Stück europäische Zeitgeschichte.

    Der Ursprung führt zurück in die späten 1930er Jahre.

    Damals galt die Mostra von Venedig als das große internationale Schaufenster des Kinos. Gegründet 1932 unter Benito Mussolini, entwickelte sich das Festival jedoch rasch zum politischen Werkzeug der faschistischen Regime Europas. Besonders 1938 sorgte die Preisvergabe für Empörung. Ausgezeichnet wurden vor allem deutsche und italienische Propagandafilme – sehr zum Ärger zahlreicher Filmschaffender und Kritiker, die darin einen massiven politischen Eingriff sahen.

    Frankreich zog die Reißleine.

    Die Regierung wollte ein eigenes internationales Festival schaffen – unabhängig von autoritärem Einfluss und offen für künstlerische Freiheit. Einer der wichtigsten Köpfe hinter dem Projekt war der Diplomat und Historiker Philippe Erlanger. Mehrere Städte bewarben sich als Austragungsort: Biarritz, Nizza, Vichy oder sogar Algier standen zur Debatte. Am Ende setzte sich jedoch Cannes durch.

    Nicht zufällig.

    Die Stadt an der Côte d’Azur besaß bereits vor dem Zweiten Weltkrieg einen exzellenten Ruf als mondäner Badeort. Wohlhabende Briten, europäische Aristokraten und Industriellenfamilien verbrachten dort ihre Winter und Sommer. Luxushotels gab es reichlich, ebenso eine Infrastruktur, die große internationale Gästegruppen aufnehmen konnte. Und dann natürlich dieses Licht. Die Mittelmeersonne der Riviera faszinierte Fotografen, Maler und frühe Filmemacher gleichermaßen.

    Cannes verstand zudem etwas von Eigenwerbung.

    Die Stadtverwaltung versprach finanzielle Unterstützung und investierte offensiv in passende Veranstaltungsorte. Hinter den Kulissen lief ein bemerkenswert intensives Lobbying. Nizza galt zwar als ernsthafter Konkurrent, erschien vielen Verantwortlichen jedoch zu groß und weniger exklusiv. Cannes wirkte kompakter, eleganter und – salopp gesagt – deutlich glamouröser.

    Das erste Festival war bereits vorbereitet.

    Plakate hingen schon, Stars reisten an, die Hotels füllten sich. Doch dann kam der 1. September 1939. Deutschland marschierte in Polen ein, der Zweite Weltkrieg begann, und das Festival wurde praktisch sofort abgesagt. Ein bitterer Fehlstart.

    Erst 1946 öffnete das Festival tatsächlich seine Tore.

    Europa lag noch in Trümmern, doch genau deshalb erhielt Cannes plötzlich eine weit größere Bedeutung. Es ging längst nicht mehr nur darum, mit Venedig zu konkurrieren. Das Festival stand nun symbolisch für die Rückkehr kultureller Freiheit nach Jahren von Krieg, Diktatur und Propaganda.

    Und Cannes bot dafür die perfekte Bühne.

    Sonne, Meer, elegante Hotels und diese Mischung aus Urlaub und internationalem Prestige – Hollywood erkannte sehr früh die enorme Wirkungskraft des Ortes. Fotos von Schauspielern auf der Croisette gingen um die Welt. Das Festival wurde zum Schaufenster des internationalen Kinos, Cannes zur globalen Marke.

    Mit den Jahrzehnten verschmolzen Stadt und Festival beinahe miteinander. Cannes machte das Kino größer – und das Kino machte Cannes unsterblich.

    Hinter dem Glanz bleibt jedoch eine historische Wahrheit, die heute oft untergeht: Das Festival entstand aus dem Wunsch heraus, Kunst vor politischer Kontrolle zu schützen. Cannes war anfangs nicht bloß Luxus und rote Teppiche. Sondern auch ein kulturelles Statement gegen autoritäre Macht.

    Von C. Hatty

  • Stromausfall in Cannes – Wenn die Lichter ausgehen und das Kino dunkel bleibt

    Stromausfall in Cannes – Wenn die Lichter ausgehen und das Kino dunkel bleibt

    Was passiert, wenn plötzlich der Strom weg ist – und das mitten in einer der glamourösesten Städte der Welt?

    Am Samstagmorgen, dem 24. Mai 2025, herrschte in Südfrankreich für viele plötzlich Dunkelheit statt mediterranem Sonnenschein. Ein großflächiger Stromausfall legte rund 160.000 Haushalte in Cannes und den umliegenden Gemeinden lahm. Besonders brisant: Cannes war zu diesem Zeitpunkt Schauplatz des renommierten Internationalen Filmfestivals – ein Event, das normalerweise im Blitzlichtgewitter der Weltöffentlichkeit badet.

    Brand und Sabotage? Die Ursachen sind brisant

    Der Auslöser des Stromausfalls war ein Brand in einem Umspannwerk in Tanneron im Département Var. Der Zeitpunkt? Punkt 10 Uhr morgens. Doch dieser Brand war wohl kein Unfall. Die Gendarmerie geht inzwischen von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Die Staatsanwaltschaft in Draguignan hat bereits Ermittlungen aufgenommen. Hinzu kam der Einsturz eines Strommasts, der eine Hochspannungsleitung beschädigte – als hätte jemand gezielt die Schwachstellen der regionalen Infrastruktur ins Visier genommen.

    Ein Zufall? Wohl kaum.

    Krisenmanagement im Ausnahmezustand

    Während die betroffenen Haushalte über Stunden ohne Strom auskommen mussten, arbeiteten die Behörden und der Stromnetzbetreiber RTE auf Hochtouren. Die genaue Dauer bis zur vollständigen Wiederherstellung blieb unklar. Klar war jedoch: Das Netz zeigte sich anfällig – und nicht zum ersten Mal. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Sicherheitslage der Energieversorgung in Südfrankreich. Wer schützt eigentlich die Umspannwerke?

    Cannes im Dunkeln – und trotzdem im Rampenlicht

    Ironischerweise blieb das Zentrum des Festivals, der berühmte Palais des Festivals, vom Blackout weitgehend verschont. Grund dafür war die eigene Stromversorgung des Festivalgebäudes. Die Abschlussgala kann planmäßig über die Bühne gehen. Glitzer, Stars und Kamera – alles wie gehabt.

    Aber nicht überall lief’s glatt. Das Multiplex-Kino „Cineum“ etwas außerhalb des Stadtzentrums musste Filmvorführungen unterbrechen. Für die Besucher ein Ärgernis, für die Veranstalter ein logistischer Kraftakt.

    Und für den Rest der Stadt? Viele saßen im Dunkeln – wortwörtlich. Kühlschränke wurden warm, Ampeln fielen aus, das öffentliche Leben wurde ausgebremst. In Supermärkten piepsten keine Scanner, in Wohnungen blieb der Herd kalt. Wer wollte da noch über Glamour reden?

    Die unsichtbare Verwundbarkeit

    Was dieser Vorfall offenbart, ist ein Grundproblem moderner Gesellschaften: Ihre Abhängigkeit von funktionierender Infrastruktur. Ein Feuer an einem einzigen Knotenpunkt – und schon kippt das System. Wenn zusätzlich noch Sabotage im Spiel ist, wird aus einer technischen Panne ein handfester Krisenfall. Wer steckt dahinter? Und warum?

    Noch gibt es keine offiziellen Ergebnisse der Ermittlungen, doch die Spekulationen laufen heiß. Extremisten? Kriminelle? Oder schlicht ein Akt blinden Vandalismus?

    Die Energiefrage – wieder im Fokus

    Das Timing ist kein Zufall. Immer wieder wird in Frankreich über die Zukunft der Energieversorgung gestritten. Wann wird die Infrastruktur endlich so sicher, wie sie sein müsste?

    Ein Land, das leuchtet – trotz Schatten

    Trotz aller Widrigkeiten zeigte Cannes in diesen Stunden seine Widerstandskraft. Während draußen in vielen Geschäften Dunkelheit herrschte, flimmerte im Festsaal weiter die große Kinoleinwand. Symbolisch fast – wie ein trotziges „Weiter so“ gegen alle Störungen. Frankreich kann improvisieren. Frankreich bleibt stark.

    Aber eines ist sicher: Dieser Stromausfall wird Nachwirkungen haben. Politisch. Technisch. Emotional.

    Denn wenn die Lichter ausgehen, bleiben oft unbequeme Wahrheiten sichtbar.

    Von Daniel Ivers

  • Tom Cruise rockt Cannes: Letzte „Mission Impossible“ zündet spektakulär auf der Croisette

    Tom Cruise rockt Cannes: Letzte „Mission Impossible“ zündet spektakulär auf der Croisette

    Wenn Hollywood auf französischem Boden landet, dann bleibt das selten leise. Am 14. Mai 2025 bebte die Croisette, als Tom Cruise höchstpersönlich zur Premiere von Mission: Impossible – The Final Reckoning auf dem roten Teppich erschien. Im Schlepptau: Der ikonische Soundtrack der Reihe, ein Fanmeer …

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  • Cannes 2025: Ein Jahrhundert im Spiegel der Frauen – „In die Sonne schauen“ sorgt für Aufsehen

    Cannes 2025: Ein Jahrhundert im Spiegel der Frauen – „In die Sonne schauen“ sorgt für Aufsehen

    Wenn ein deutscher Film die Ehre bekommt, den Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes zu eröffnen, ist das allein schon eine kleine Sensation. Doch In die Sonne schauen von Mascha Schilinski ist weit mehr als ein Glücksfall für das deutsche Kino – es ist ein cineastisches Mosaik aus weiblichen Lebe…

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  • Kommentar: Goldener Glanz und große Gefühle – Cannes lebt wieder

    Kommentar: Goldener Glanz und große Gefühle – Cannes lebt wieder

    Kaum ist der rote Teppich ausgerollt, spürt man es förmlich: das Prickeln, das Funkeln, diese Magie, die nur Cannes verströmt. Jahr für Jahr – und doch jedes Mal ein bisschen anders. Jetzt sind sie wieder da, die Stars und Sternchen. Und mit ihnen kehrt ein ganz eigenes Lebensgefühl zurück. Nicht nur für die Filmschaffenden. Für uns alle.

    Denn Cannes ist mehr als nur ein Filmfestival.

    Es ist ein kollektiver Rausch der Sinne. Ein Traum in Echtzeit. Hier weht der Wind des Glamours über der Côte d’Azur – und trägt unsere Sehnsüchte gleich mit in die große weite Welt hinaus. Wenn Schauspielgrößen aus Hollywood, Regiewunderkinder aus Südkorea oder französische Filmlegenden die Stufen des Palais erklimmen, dann wird die Leinwand zur Bühne der Menschlichkeit. Und des Wahnsinns, der dazugehört.

    Ich gebe es zu: Ich liebe Cannes.

    Nicht, weil ich Fan von Glitzer bin. Oder weil ich auf dekadente Partys abfahre – im Gegenteil. Sondern weil Cannes jedes Jahr aufs Neue daran erinnert, was Kino sein kann. Und was es mit uns macht. Es rührt uns zu Tränen, es bringt uns zum Lachen, es lässt uns träumen, lieben, zweifeln. Manchmal sogar alles auf einmal.

    Zwischen Weltpremieren und Standing Ovations wird in Cannes etwas freigelegt, das im Alltag oft untergeht: unsere Fähigkeit zu staunen.

    Wie oft lassen wir uns im Alltag noch überraschen? Wann haben wir zuletzt wirklich mitgefühlt, ohne Ironie, ohne Distanz?

    Natürlich, es ist auch ein Spiel. Die High Heels klackern extra laut, die Sonnenbrillen sind übergroß, und das Lächeln sitzt wie festgetackert. Aber wer genau hinschaut, erkennt darunter die kleinen Regungen, die echten Momente. Nervosität. Stolz. Hoffnung.

    Die Kamera liebt alles davon.

    Und wir? Wir lieben, dass es sie gibt – diese kleinen Fluchten aus dem Gewöhnlichen. Cannes ist der Ort, an dem aus Ideen Geschichten werden, aus Träumen Filme, und aus Momenten Erinnerungen. Das klingt kitschig, ich weiß. Aber es ist wahr.

    Zwischen all dem Glanz steht Cannes auch für eine Bühne des Widerspruchs.

    Kunst trifft Kommerz. Statements prallen auf Schönfärberei. Und genau das macht es spannend. Hier darf – und soll – gerungen werden. Um Wahrhaftigkeit. Um Haltung. Um Sichtbarkeit. Cannes ist kein neutraler Raum, nie gewesen. Sondern ein Ort, an dem sich Kultur, Politik und Zeitgeist küssen – oder aneinander abarbeiten.

    Es sind auch unbequeme Filme dabei. Werke, die weh tun, verstören, aufrütteln. Filme, die nicht jeder versteht – oder verstehen will. Aber auch die brauchen ihren Platz. Gerade hier. Gerade jetzt.

    Und dann sind da natürlich die Träume.

    Die, die mit Herzklopfen anreisen. Die jungen Regisseur:innen, die unbekannten Schauspieler, die Drehbuchautoren, deren Werk erstmals das Licht der Leinwand erblickt. Für sie ist Cannes kein Laufsteg – es ist ein Sprungbrett. In eine Zukunft, von der sie schon als Kind geträumt haben.

    Diese Energie – man kann sie beinahe greifen.

    Ich erinnere mich an mein erstes Mal in Cannes. Es war heiß, die Luft schwer vom Parfum der Stars und der Aufregung der Massen. Ich stand in der Menge, ohne Einladung, ohne Aussicht auf einen Sitzplatz. Aber als das Licht im Saal ausging und der erste Film begann, war alles vergessen. Nur noch Bilder, Musik, Gefühl.

    Das war Magie. Und sie bleibt.

    Also ja – jetzt sind sie wieder da. Die Stars. Die Sternchen. Die Geschichten, die wir brauchen wie das Salz in der Suppe.

    Cannes zeigt uns, was wir längst wussten und doch immer wieder vergessen: Das Kino ist lebendig. Und es gehört uns allen.

    Ein Kommentar von C. Hatty

  • 50. Festival des amerikanischen Films in Deauville: Ein goldener Auftakt mit Michael Douglas

    50. Festival des amerikanischen Films in Deauville: Ein goldener Auftakt mit Michael Douglas

    Deauville, die charmante Stadt an der Küste der Normandie, erstrahlt zum 50. Mal im Glanz der amerikanischen Filmwelt. Das berühmte Festival des amerikanischen Films öffnete am Freitag feierlich seine Tore – und niemand Geringeres als Hollywood-Legende Michael Douglas war Ehrengast der Eröffnung. Ei…

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  • Francis Ford Coppola und „Megalopolis“: Eine Kritik an Amerika und Donald Trump

    Francis Ford Coppola und „Megalopolis“: Eine Kritik an Amerika und Donald Trump

    Francis Ford Coppola, einer der größten Regisseure unserer Zeit, hat mit seinem neuesten Werk „Megalopolis“ eine epische Vision auf die Leinwand gebracht, die im Wettbewerb um die prestigeträchtige Palme d’Or beim Festival de Cannes steht. Dieser Film ist nicht nur ein cineastisches Ereignis, sonder…

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  • Cannes 2024: Nervosität und #MeToo-Schatten über der Croisette

    Cannes 2024: Nervosität und #MeToo-Schatten über der Croisette

    Wenige Stunden vor der Eröffnung des 77. Filmfestivals in Cannes liegt eine spürbare Nervosität über der glamourösen Croisette. Neue Vorwürfe im Kontext von #MeToo rücken erneut in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit und überschatten die Vorbereitungen des renommierten Events. Explosive Enthül…

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  • Kurzfilmfestival in Clermont-Ferrand: Junge Regisseure und die Krise in der Landwirtschaft

    Kurzfilmfestival in Clermont-Ferrand: Junge Regisseure und die Krise in der Landwirtschaft

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  • Am Freitag wurde das 48. Filmfestival in Deauville eröffnet

    Am Freitag wurde das 48. Filmfestival in Deauville eröffnet

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