Schlagwort: Filmfestival

  • Wenn Cannes aus allen Nähten platzt

    Wenn Cannes aus allen Nähten platzt

    Wenige Stunden vor dem ersten Blitzlichtgewitter verwandelt sich Cannes bereits in einen Ort, der kaum noch etwas mit der beschaulichen Mittelmeerstadt des übrigen Jahres gemein hat. Auf der Croisette rattern Lastwagen im Minutentakt vorbei, Techniker klettern über riesige Lichtgerüste, Sicherheitskräfte kontrollieren Zugänge mit fast militärischer Präzision, und hinter den glänzenden Fassaden der Luxushotels läuft alles nach einem Zeitplan, der keinen Fehler verzeiht. Die Stadt wirkt wie eine Bühne kurz vor der Premiere — geschniegelt, angespannt und voller elektrischer Unruhe. Denn mit dem Beginn der Filmfestspiele verändert Cannes seine eigene Größenordnung. Rund 200.000 Besucher aus aller Welt reisen zur neuen Ausgabe des Festivals an. Schauspieler, Regisseure, Produzenten, Influencer, Journalisten, Filmhändler, Agenten und wohlhabende Gäste drängen an die Côte d’Azur. Für zehn Tage scheint sich die internationale Filmwelt auf wenige Straßenzüge zwischen Palais des Festivals und Mi…

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  • Cannes: Drogenoffensive auf dem roten Teppich

    Cannes: Drogenoffensive auf dem roten Teppich

    Kurz vor Beginn der Internationalen Filmfestspiele von Cannes rückt ein politischer Vorstoß die Schattenseiten des Glamours ins Rampenlicht. Der Bürgermeister der Stadt, David Lisnard, fordert eine gezielte Anti-Drogen-Operation während des Festivals vom 12. bis 23. Mai 2026. Was als lokale Sicherheitsinitiative erscheint, ist zugleich ein Signal mit nationaler Tragweite.

    Mit rund 200.000 erwarteten Besuchern zählt das Festival zu den größten kulturellen Großereignissen Europas. Für Lisnard liegt gerade darin die Chance: Die ohnehin verstärkten Polizeikräfte sollen nicht nur für Ordnung und reibungslose Abläufe sorgen, sondern auch demonstrativ gegen Drogenhandel und -konsum vorgehen – und zwar in allen Teilen der Stadt, einschließlich der symbolträchtigen Croisette. Der Bürgermeister argumentiert, der Kampf gegen Drogen dürfe weder saisonal noch sozial selektiv geführt werden.

    Diese Argumentation zielt auf einen zentralen Kritikpunkt der französischen Sicherheitspolitik: den Vorwurf, dass repressives Vorgehen häufig auf sozial schwächere Viertel konzentriert bleibt. Indem Lisnard explizit auch das Umfeld internationaler Festivalgäste einbezieht, stellt er die Gleichbehandlung vor dem Gesetz in den Vordergrund – zumindest rhetorisch. Gleichzeitig bemüht er sich, den Eindruck zu vermeiden, prominente Besucher unter Generalverdacht zu stellen.

    Die Reaktionen der staatlichen Vertreter fallen zurückhaltend aus. Der Präfekt der Alpes-Maritimes, Laurent Hottiaux, sowie der Staatsanwalt von Grasse, Éric Camous, betonen, dass Kontrollen gegen Betäubungsmittel bereits unabhängig vom Festival durchgeführt würden. Hinter dieser nüchternen Replik verbirgt sich ein klassischer Kompetenzkonflikt zwischen kommunaler Initiative und staatlicher Sicherheitsstrategie.

    Der politische Kontext verleiht dem Vorstoß zusätzliche Brisanz. Lisnard hat sich jüngst aus der Partei Les Républicains gelöst und positioniert sich als möglicher Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2027. Seine Forderung lässt sich daher auch als Versuch interpretieren, sich als Vertreter einer konsequenten Ordnungspolitik zu profilieren – ein Thema, das im französischen politischen Diskurs seit Jahren an Bedeutung gewinnt.

    Cannes wird damit zur Projektionsfläche eines grundsätzlichen Spannungsverhältnisses: Auf der einen Seite das Bild einer offenen, glamourösen Kulturveranstaltung mit globaler Strahlkraft, auf der anderen Seite der Anspruch des Staates, Sicherheit und Rechtsdurchsetzung sichtbar zu gewährleisten. Ob die Drogenoffensive tatsächlich umgesetzt wird, ist offen. Sicher ist jedoch, dass Lisnard eine Debatte angestoßen hat, die weit über die Côte d’Azur hinausweist.

    Andreas M. Brucker

  • Kulturkampf im Rathaus: Wie ein Filmfestival in Carcassonne zur politischen Grundsatzfrage wird

    Kulturkampf im Rathaus: Wie ein Filmfestival in Carcassonne zur politischen Grundsatzfrage wird

    Die Entscheidung fiel einstimmig – und sie ist von erheblicher Tragweite. Mit dem Rückzug seiner Subventionsanträge bei der neu gewählten Stadtverwaltung setzt das Internationale Festival des politischen Films in Carcassonne ein unmissverständliches Zeichen. Es geht nicht nur um Geld. Es geht um Wer…

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  • „Ein einfacher Unfall“ – wie Jafar Panahi in Cannes dem iranischen Regime die Stirn bot

    „Ein einfacher Unfall“ – wie Jafar Panahi in Cannes dem iranischen Regime die Stirn bot

    Der rote Teppich in Cannes war dieses Jahr nicht nur ein Laufsteg für Glamour, sondern auch eine Bühne für politische Botschaften. Mit dieser Auszeichnung hat der iranische Regisseur Jafar Panahi mehr als nur einen Filmpreis gewonnen – er hat ein Zeichen gesetzt. Am 24. Mai 2025 wurde Panahi für sei…

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  • Iranischer Mut, der bewegt: Jafar Panahis „It Was Just an Accident“ gewinnt Goldene Palme

    Iranischer Mut, der bewegt: Jafar Panahis „It Was Just an Accident“ gewinnt Goldene Palme

    Ein Sieg, der mehr ist als nur Kino: Der iranische Regisseur Jafar Panahi hat mit seinem Film „It Was Just an Accident“ die Goldene Palme beim 78. Filmfestival von Cannes gewonnen – und damit nicht nur die Jury, sondern die gesamte Filmwelt aufgerüttelt. Panahi, bekannt für seine unerbittliche Haltu…

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  • Stromausfall in Cannes – Wenn die Lichter ausgehen und das Kino dunkel bleibt

    Stromausfall in Cannes – Wenn die Lichter ausgehen und das Kino dunkel bleibt

    Was passiert, wenn plötzlich der Strom weg ist – und das mitten in einer der glamourösesten Städte der Welt?

    Am Samstagmorgen, dem 24. Mai 2025, herrschte in Südfrankreich für viele plötzlich Dunkelheit statt mediterranem Sonnenschein. Ein großflächiger Stromausfall legte rund 160.000 Haushalte in Cannes und den umliegenden Gemeinden lahm. Besonders brisant: Cannes war zu diesem Zeitpunkt Schauplatz des renommierten Internationalen Filmfestivals – ein Event, das normalerweise im Blitzlichtgewitter der Weltöffentlichkeit badet.

    Brand und Sabotage? Die Ursachen sind brisant

    Der Auslöser des Stromausfalls war ein Brand in einem Umspannwerk in Tanneron im Département Var. Der Zeitpunkt? Punkt 10 Uhr morgens. Doch dieser Brand war wohl kein Unfall. Die Gendarmerie geht inzwischen von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Die Staatsanwaltschaft in Draguignan hat bereits Ermittlungen aufgenommen. Hinzu kam der Einsturz eines Strommasts, der eine Hochspannungsleitung beschädigte – als hätte jemand gezielt die Schwachstellen der regionalen Infrastruktur ins Visier genommen.

    Ein Zufall? Wohl kaum.

    Krisenmanagement im Ausnahmezustand

    Während die betroffenen Haushalte über Stunden ohne Strom auskommen mussten, arbeiteten die Behörden und der Stromnetzbetreiber RTE auf Hochtouren. Die genaue Dauer bis zur vollständigen Wiederherstellung blieb unklar. Klar war jedoch: Das Netz zeigte sich anfällig – und nicht zum ersten Mal. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Sicherheitslage der Energieversorgung in Südfrankreich. Wer schützt eigentlich die Umspannwerke?

    Cannes im Dunkeln – und trotzdem im Rampenlicht

    Ironischerweise blieb das Zentrum des Festivals, der berühmte Palais des Festivals, vom Blackout weitgehend verschont. Grund dafür war die eigene Stromversorgung des Festivalgebäudes. Die Abschlussgala kann planmäßig über die Bühne gehen. Glitzer, Stars und Kamera – alles wie gehabt.

    Aber nicht überall lief’s glatt. Das Multiplex-Kino „Cineum“ etwas außerhalb des Stadtzentrums musste Filmvorführungen unterbrechen. Für die Besucher ein Ärgernis, für die Veranstalter ein logistischer Kraftakt.

    Und für den Rest der Stadt? Viele saßen im Dunkeln – wortwörtlich. Kühlschränke wurden warm, Ampeln fielen aus, das öffentliche Leben wurde ausgebremst. In Supermärkten piepsten keine Scanner, in Wohnungen blieb der Herd kalt. Wer wollte da noch über Glamour reden?

    Die unsichtbare Verwundbarkeit

    Was dieser Vorfall offenbart, ist ein Grundproblem moderner Gesellschaften: Ihre Abhängigkeit von funktionierender Infrastruktur. Ein Feuer an einem einzigen Knotenpunkt – und schon kippt das System. Wenn zusätzlich noch Sabotage im Spiel ist, wird aus einer technischen Panne ein handfester Krisenfall. Wer steckt dahinter? Und warum?

    Noch gibt es keine offiziellen Ergebnisse der Ermittlungen, doch die Spekulationen laufen heiß. Extremisten? Kriminelle? Oder schlicht ein Akt blinden Vandalismus?

    Die Energiefrage – wieder im Fokus

    Das Timing ist kein Zufall. Immer wieder wird in Frankreich über die Zukunft der Energieversorgung gestritten. Wann wird die Infrastruktur endlich so sicher, wie sie sein müsste?

    Ein Land, das leuchtet – trotz Schatten

    Trotz aller Widrigkeiten zeigte Cannes in diesen Stunden seine Widerstandskraft. Während draußen in vielen Geschäften Dunkelheit herrschte, flimmerte im Festsaal weiter die große Kinoleinwand. Symbolisch fast – wie ein trotziges „Weiter so“ gegen alle Störungen. Frankreich kann improvisieren. Frankreich bleibt stark.

    Aber eines ist sicher: Dieser Stromausfall wird Nachwirkungen haben. Politisch. Technisch. Emotional.

    Denn wenn die Lichter ausgehen, bleiben oft unbequeme Wahrheiten sichtbar.

    Von Daniel Ivers

  • Cannes 2025: Große Namen, große Geschichten – und ein Hauch Rebellion

    Cannes 2025: Große Namen, große Geschichten – und ein Hauch Rebellion

    Der rote Teppich von Cannes glänzt dieses Jahr mit einer Mischung aus Hollywood-Glamour, politischer Schärfe und künstlerischer Radikalität.

    Am 19. Mai 2025 feiern Spike Lee und Denzel Washington die Premiere von Highest 2 Lowest, während Julia Ducournau mit Alpha erneut um die Goldene Palme kämpft. Doch das ist nur der Anfang eines Festivals, das in diesem Jahr besonders viel zu sagen hat.


    Spike Lee & Denzel Washington: Ein Duo mit Haltung

    Vier Jahre nach seinem Juryvorsitz kehrt Spike Lee mit Highest 2 Lowest zurück nach Cannes – diesmal außer Konkurrenz, aber nicht minder eindrucksvoll. Der Film ist eine moderne Neuinterpretation von Kurosawas High and Low und verlegt die Handlung ins heutige New York. Denzel Washington spielt einen Musikmogul, der in eine moralische Zwickmühle gerät, als sein Sohn entführt wird. Mit dabei: ASAP Rocky und Jeffrey Wright.

    Lee bleibt sich treu – politisch, pointiert und visuell kraftvoll.


    Julia Ducournau: Alpha – Zwischen Kindheit und Krise

    Nach dem Schock-Erfolg von Titane präsentiert Julia Ducournau nun Alpha, ihren dritten Spielfilm. Die Geschichte einer jungen Mutter, die in den 1980er-Jahren mit der AIDS-Krise konfrontiert wird, verspricht emotionale Tiefe und gesellschaftliche Relevanz. Mit Golshifteh Farahani und Tahar Rahim in den Hauptrollen setzt Ducournau erneut auf starke Charaktere und eine intensive Bildsprache.

    Ob sie erneut die Palme d’Or gewinnt? Die Spannung steigt.


    Wes Andersons The Phoenician Scheme: Stil trifft auf Politik

    Wes Anderson wagt sich mit The Phoenician Scheme auf neues Terrain. Der Film, eine Mischung aus Spionagethriller und Familiendrama, erzählt die Geschichte des Oligarchen Zsa-zsa Korda (Benicio del Toro), der seine Tochter Liesl (Mia Threapleton), eine Nonne, zur Nachfolgerin bestimmt. Mit einem Star-Ensemble, darunter Tom Hanks und Scarlett Johansson, und einer Handlung, die Kapitalismuskritik und persönliche Erlösung vereint, zeigt Anderson eine düstere, aber dennoch stilisierte Welt.

    Ein Film, der polarisiert – und gerade deshalb fasziniert.


    Weitere Highlights: Von Iran bis Südafrika

    • Jafar Panahi meldet sich mit Un simple accident zurück. Ein kleiner Vorfall löst eine Kette von Ereignissen aus – eine Parabel auf die Unvorhersehbarkeit des Lebens.
    • Oliver Hermanus präsentiert mit The History of Sound eine zarte Liebesgeschichte zwischen zwei Männern während des Ersten Weltkriegs. Paul Mescal und Josh O’Connor brillieren in den Hauptrollen.
    • Tarik Saleh zeigt mit Les Aigles de la République einen politischen Thriller über einen ägyptischen Schauspieler, der in die Machenschaften der Machtelite verstrickt wird.
    • Die Brüder Dardenne sind mit Jeunes Mères vertreten, einem einfühlsamen Porträt junger Mütter in einer betreuten Wohneinrichtung. Ein Film über Hoffnung, Gemeinschaft und den Kampf um ein besseres Leben.

    Dieses Jahr zeigt sich Cannes wieder von seiner besten Seite – ein Schmelztiegel aus Filmkunst, Gesellschaftskritik und emotionaler Kraft. Wer hätte gedacht, dass zwischen Blitzlichtgewitter und Designerroben so viel Substanz steckt?

    Ein Festival, das inspiriert, bewegt und einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

    Von C. Hatty

  • Die „Gang der Trittleitern“: Wie ein bunter Haufen Fans Cannes verzaubert

    Die „Gang der Trittleitern“: Wie ein bunter Haufen Fans Cannes verzaubert

    Wer an den roten Teppich von Cannes denkt, hat sofort glamouröse Bilder im Kopf – Stars, Blitzlichtgewitter, glitzernde Roben. Doch wer ganz genau hinschaut, entdeckt am Rand dieses Spektakels eine ungewöhnliche Truppe, die sich ihren ganz eigenen Platz in der Festivalgeschichte gesichert hat: die „Gang des Escabeaux“ – oder auf gut Deutsch: die „Gang der Trittleitern“. Diese Gruppe ist legendär. Und das nicht nur wegen ihrer erhöhten Sitzposition. Leidenschaft mit Aussicht Seit über 35 Jahren campieren sie am Boulevard de la Croisette – bewaffnet mit Trittleitern, Klappstühlen und einem langen Atem. Der Plan? Früh aufstehen, sich einen strategisch günstigen Platz gegenüber dem Festivalpalast sichern, die Leiter festketten – und dann: warten. Stundenlang. Tagelang. Aber warum das alles? Ganz einfach: Um einen flüchtigen Blick auf die ganz Großen des Kinos zu erhaschen – Cate Blanchett, Leonardo DiCaprio, Natalie Portman, Tom Cruise. Oder wenigstens ein Lächeln, ein Selfie oder, mit gan…

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  • Warum der Rote Teppich in Cannes rot ist – und viel mehr ist als nur Stoff

    Warum der Rote Teppich in Cannes rot ist – und viel mehr ist als nur Stoff

    Wer an den Glamour des Filmfestivals von Cannes denkt, sieht sofort eins: Stars in Designerroben auf dem berühmten roten Teppich. Doch hinter diesem ikonischen Bild steckt weit mehr als ein bisschen Farbe auf Stoff. Der rote Teppich in Cannes ist ein jahrtausendealtes Symbol – durchdacht, codiert un…

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  • Cannes: Glanz, Glamour – und jede Menge Skandale

    Cannes: Glanz, Glamour – und jede Menge Skandale

    Der rote Teppich des Filmfestivals von Cannes ist seit heute wieder ausgerollt und ist ein Laufsteg der Extraklasse. Stars aus aller Welt präsentieren sich, Kameras blitzen, Champagner fließt – und hin und wieder fliegen die Fetzen. Denn so sehr Cannes als Synonym für künstlerische Exzellenz gilt, so sehr steht es auch für Eklats, Proteste und große Aufreger. Eine Reise durch die aufsehenerregendsten Skandale der Festivalgeschichte zeigt: Die Croisette ist nicht nur Kulisse für Filme, sondern auch Bühne für gesellschaftliche Spannungen.


    1954: Nacktheit, die alles überschattet

    Als die Schauspielerin Simone Silva während eines Fototermins ihre Oberweite entblößt und sich neben Hollywood-Star Robert Mitchum räkelt, bricht ein medialer Sturm los. Das war zu einer Zeit, als Prüderie noch gesellschaftlicher Standard war – vor allem in den USA. Silva wird kurzerhand des Festivals verwiesen. Ihre Karriere endet damit jäh. Drei Jahre später stirbt sie jung, mit nur 29 Jahren.


    1968: Wenn der Protest Regie führt

    Mai ’68. Frankreich bebt unter dem Druck von Studenten- und Arbeiterprotesten. Auch in Cannes entlädt sich der Unmut. Truffaut, Godard und andere Filmgrößen stoppen eigenhändig Vorführungen – aus Solidarität mit den Protestbewegungen. Der Festivalbetrieb wird eingestellt. Für viele ein Symbol: Kunst als Widerstand.


    1983: Wenn Fotografen leer ausgehen

    Isabelle Adjani, französische Schauspielikone, verweigert sich den Paparazzi. Kein Lächeln, kein Posing. Das lässt sich die Fotografenmeute nicht gefallen: Sie legt demonstrativ ihre Kameras nieder, dreht Adjani den Rücken zu. Der „Adjani-Boykott“ geht in die Geschichte ein – ein stilles, aber deutliches Statement.


    1987: Buh-Rufe und ein erhobener Mittelfinger

    Maurice Pialats „Sous le soleil de Satan“ gewinnt die Goldene Palme – gegen die Erwartungen vieler. Das Publikum buht. Der Regisseur bleibt ungerührt, ballt die Faust und sagt ins Mikro: „Wenn ihr mich nicht mögt – ich euch auch nicht.“ Ein Moment voller Trotz, ein Denkmal für ungeschönte Ehrlichkeit.


    2003: Der Skandal heißt Gallo

    „The Brown Bunny“ von Vincent Gallo polarisiert. Eine explizite Sexszene löst einen regelrechten Aufruhr aus. Roger Ebert nennt den Film „das Schlechteste, das Cannes je gesehen hat“. Gallo kontert mit wüsten Beleidigungen. Was bleibt? Eine mediale Schlammschlacht und ein veritabler Tiefpunkt cineastischer Diplomatie.


    2011: Lars von Trier und der Tabubruch

    Manchmal sagt ein Satz mehr als ein ganzes Drehbuch. Als von Trier auf einer Pressekonferenz äußert, er „verstehe Hitler“, stockt selbst den abgebrühtesten Festivalgästen der Atem. Die Leitung reagiert sofort: Persona non grata – ein Bann ohne Wenn und Aber.


    2015: High Heels oder nichts?

    Beim sogenannten „Heelgate“ werden Frauen vom roten Teppich verbannt – weil sie flache Schuhe tragen. Eine absurde Vorschrift, die schnell zur internationalen Debatte wird. Julia Roberts reagiert charmant trotzig: barfuß auf die Treppe. Eine stille Revolte mit lauter Wirkung.


    2018: #MeToo trifft Cannes

    Asia Argento nutzt die Bühne der Abschlusszeremonie für eine schockierende Enthüllung: Sie wurde 1997 von Harvey Weinstein während des Festivals vergewaltigt. In diesem Moment bekommt das Festival ein neues Gesicht – eines, das nicht nur glamourös, sondern auch tiefgründig ist. Der Applaus ist zögerlich, dann tosend.


    2025: Regelwut auf dem roten Teppich

    Ganz aktuell: Die Festivalleitung verbannt zu freizügige Outfits vom roten Teppich. Begründung? „Sicherheit und Anstand“. Was das konkret bedeutet, bleibt vage. Fakt ist: Mancher sieht in der Regel ein Comeback der prüden Zensur – andere feiern das Ende der „Naked Dresses“. Wo beginnt Kunstfreiheit, wo endet sie?


    Cannes ist eben mehr als ein Festival – es ist ein Spiegel. Für Eitelkeiten, Emotionen, Eskalationen. Manchmal tobt dort ein Sturm im Champagnerglas, manchmal ein echter Kulturkampf. Und seien wir ehrlich: Wäre Cannes ohne all die Skandale nicht einfach nur… langweilig?

    Von C. Hatty