Schlagwort: FIFA

  • Die Fußball-WM – und die Kalküle der Staatschefs

    Die Fußball-WM – und die Kalküle der Staatschefs

    Jedesmal, wenn eine Fußball-Weltmeisterschaft beginnt, richten sich die Blicke der Fans auf Taktik, Tore und Titelkandidaten. In den Regierungssitzen der Welt wird das Turnier jedoch oft aus einer anderen Perspektive betrachtet: als Instrument politischer Einflussnahme und internationaler Selbstdarstellung. Die Geschichte der Weltmeisterschaft zeigt, dass Fußball und Politik seit langem eng miteinander verbunden sind. Bereits die WM 1934 im faschistischen Italien oder das Turnier 1978 im Argentinien der Militärjunta wurden für politische Zwecke genutzt. Auch Russland 2018 und Katar 2022 setzten das Großereignis gezielt ein, um ihr internationales Ansehen zu stärken. Die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko dürfte diese Entwicklung fortsetzen. Fußball als Mittel der Machtprojektion Kein anderes Sportereignis erreicht ein vergleichbares globales Publikum. Milliarden Menschen verfolgen die Spiele und nehmen dabei zugleich das Gastgeberland wahr – seine Infrastruktur, seine…

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  • Boykottfantasien vor dem Anpfiff – Wird die WM 2026 zum politischen Spielball?

    Boykottfantasien vor dem Anpfiff – Wird die WM 2026 zum politischen Spielball?

    Keine fünf Monate vor dem Eröffnungsspiel des FIFA World Cup 2026 schiebt sich ein Thema nach vorn, das eigentlich am Rand des Sports stehen sollte und nun mitten im Strafraum liegt. In europäischen Medien, in Parlamenten, an den Stammtischen der Fußballkneipen wird plötzlich gefragt, ob man dieses Turnier boykottieren müsse. Nicht wegen fehlender Stadien, nicht wegen Korruption bei der Vergabe, sondern wegen der politischen Kulisse. Genauer gesagt wegen der Rolle von Donald Trump, der die Weltmeisterschaft als Teil seiner politischen Erzählung entdeckt hat.

    Der Fußball, sonst ein Ort der Ersatzreligion, der kollektiven Ekstase und der kurzen Fluchten aus dem Alltag, steht wieder einmal unter politischer Hochspannung. Die WM 2026, gemeinsam ausgerichtet von den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko, sprengt schon rein sportlich alle bisherigen Dimensionen. 48 Mannschaften, über hundert Spiele, eine logistische Mammutaufgabe. Doch je näher der Anpfiff rückt, desto stärker überlagern außenpolitische Konflikte und innenpolitische Inszenierungen den sportlichen Kern.

    Trump versteht Großereignisse. Er weiß, wie Bilder wirken, wie Symbole sich aufladen lassen. In seinen öffentlichen Auftritten taucht das Turnier als Beweis amerikanischer Stärke auf, als Schaufenster einer Nation, die sich selbst gern als Mittelpunkt der Welt betrachtet. Für viele Beobachter in Europa wirkt diese Vereinnahmung wie ein rotes Tuch. Der Fußball, so die Sorge, werde hier zum Spielzeug der Macht, zum „Joujou“, das politische Botschaften transportiert, ob er will oder nicht.

    Die Kritik entzündet sich an mehreren Punkten, die sich im öffentlichen Diskurs überlagern. Da ist die aggressive Außenpolitik, die wiederholten Drohgebärden gegenüber Verbündeten, wirtschaftliche Druckmittel, die eher an Pokerrunden als an Diplomatie erinnern. Da sind die restriktiven Einreisebestimmungen, die bei Funktionären, Journalisten und Fans Zweifel säen, ob ein globales Turnier unter solchen Bedingungen wirklich offen für alle bleibt. Und da ist die Frage der inneren Sicherheit, die Bilder von hartem Vorgehen föderaler Behörden wachruft und das Narrativ vom „neutralen Gastgeber“ beschädigt.

    In diesem Klima melden sich Stimmen zu Wort, die einen Boykott als legitimes politisches Mittel betrachten. Der Gedanke dahinter wirkt zunächst simpel: Wenn der Fußball eine Bühne mit Milliardenpublikum darstellt, dann lasse sich über Abwesenheit ein Zeichen setzen. Kein Anpfiff, keine Bilder, keine mediale Aufwertung. Der Sport als Hebel gegen politische Exzesse. Diese Idee hat Geschichte, von Olympia in Moskau bis zu anderen Großereignissen, die unter dem Gewicht weltpolitischer Konflikte ächzten.

    Besonders pikant erscheint, dass sich auch alte Bekannte aus dem Inneren des Fußballsystems einmischen. Sepp Blatter, lange selbst Symbol für die Verquickung von Macht und Sport, forderte öffentlich Fans auf, den Vereinigten Staaten fernzubleiben. Ausgerechnet er, der einst jede Politisierung des Fußballs rhetorisch bekämpfte, sieht nun im Boykott ein Signal. Ironie gehört im Fußball eben immer dazu.

    Doch so laut die Debatte geführt wird, so ernüchternd fällt der Blick auf die Realität aus. Nationale Verbände, Spieler, Trainer – sie alle reagieren auffallend nüchtern. In Frankreich etwa wird unmissverständlich klargemacht, dass die Teilnahme der Nationalmannschaft nicht zur Disposition steht. Auch andere große Fußballnationen halten Abstand von Boykottfantasien. Der sportliche Wettbewerb, so das Argument, dürfe nicht zur Geisel politischer Auseinandersetzungen werden. Die Leidtragenden wären am Ende jene, die keinerlei Einfluss auf die Entscheidungen im Weißen Haus besitzen.

    Hinter dieser Haltung steckt auch Erfahrung. Boykotte treffen selten die politisch Verantwortlichen. Sie treffen Athleten, deren Karrierefenster kurz ist, sie treffen Fans, für die ein WM-Spiel ein einmaliges Erlebnis darstellt. Und sie treffen den Sport selbst, der in einer ohnehin fragmentierten Welt weiter an integrativer Kraft verliert. Wer den Fußball aus Protest verlässt, überlässt die Bühne anderen.

    Auch die Rolle der FIFA trägt zur Skepsis bei. Der Weltverband bemüht sich, die Debatte zu neutralisieren, spricht von Einheit, Frieden und globaler Verständigung. Kritiker sehen darin eher eine Flucht nach vorn, gar eine Form des Sportswashings. Wenn politische Akteure mit symbolischen Preisen und freundlichen Gesten umarmt werden, wirkt das schnell wie ein Geschäft auf Kosten der Glaubwürdigkeit. Vertrauen entsteht so nicht, eher das Gefühl, dass wirtschaftliche Interessen schwerer wiegen als moralische Klarheit.

    Unter den Fans zeigt sich ein gemischtes Bild. In sozialen Netzwerken kursieren Berichte über stornierte Tickets, über bewussten Verzicht aus Protest. Gleichzeitig planen Millionen ihre Reisen, vergleichen Flugpreise, träumen vom ersten WM-Spiel auf amerikanischem Boden. Zwischen digitalem Aufschrei und tatsächlichem Handeln klafft eine Lücke, die größer kaum sein könnte. Empörung klickt sich leichter, als sie sich durchhält.

    Vielleicht liegt genau hier der Kern der Debatte. Der Ruf nach Boykott sagt weniger über die reale Wahrscheinlichkeit eines Fernbleibens aus als über eine tieferliegende Verunsicherung. Der internationale Sport verliert seine Selbstverständlichkeit als unpolitischer Raum. Jede Weltmeisterschaft trägt heute einen politischen Beipackzettel, jede Gastgebernation steht unter Beobachtung. Russland, Katar, nun die USA. Der Maßstab verschiebt sich, die Geduld schrumpft.

    Ob die WM 2026 tatsächlich zum politischen Spielball wird, entscheidet sich nicht allein in Regierungspalästen oder FIFA-Zentralen. Es entscheidet sich in der Haltung der Zuschauer, im Umgang der Medien mit der Inszenierung, im Mut, Widersprüche offen zu benennen, ohne gleich den Stecker zu ziehen. Der Fußball, dieses erstaunlich robuste Gebilde, lebt von seiner Fähigkeit, Spannungen auszuhalten. Er war nie unpolitisch, er tat nur lange so.

    Der Anpfiff wird kommen. Die Stadien füllen sich, die Hymnen erklingen, die ersten Tore fallen. Ob im Hintergrund Protest mitschwingt oder nicht, bleibt offen. Sicher scheint nur eines: Diese Weltmeisterschaft erzählt bereits jetzt mehr über den Zustand der Welt als über Taktiktafeln und Abseitslinien.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Sport‑Spektakel und Polit‑Bühne: Wenn der FIFA World Cup 2026 zum geopolitischen Schaufenster wird

    Sport‑Spektakel und Polit‑Bühne: Wenn der FIFA World Cup 2026 zum geopolitischen Schaufenster wird

    Am Freitag startet mit der Auslosung der Gruppen für den 2026 FIFA World Cup der offizielle Countdown für ein globales Sportereignis, das mehr sein wird als nur ein Fußballturnier. Die Staats- und Regierungschefs der Gastgeberländer — US‑Präsident Donald Trump, Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum und Kanadas Premierminister Mark Carney — werden im Kennedy Center in Washington erwartet. Neben der Spannung sportlicher Duelle gewinnt das Turnier erneut politische und symbolische Bedeutung.

    Der World Cup als Bühne für Macht und Einfluss

    Seit der Erstaustragung 1930 fungiert der World Cup nicht nur als sportliches Kräftemessen – oftmals war das Turnier gleichbedeutend mit nationaler Selbstdarstellung oder politischer Propaganda.

    Beim ersten Turnier nutzte Gastgeber Uruguay das Ereignis, um sein 100‑jähriges Bestehen und seine Bedeutung in der internationalen Ordnung zu betonen. Die zweite Ausgabe 1934 in Italien geriet unter Benito Mussolini zur gezielten Inszenierung faschistischer Stärke: hochwertige Eintrittskarten, eigens produzierte Fanartikel, ein überdimensionierter Pokal – die „Copa del Duce“ – als symbolischer Ausdruck politischer Macht.

    Auch in späteren Austragungen diente der Fußball politischen Zielen. Die argentinische Militärjunta inszenierte 1978 den sportlichen Erfolg als Beleg nationaler Größe, während sich die brasilianische Militärregierung 1970 mit dem Turniersieg unter dem Banner nationaler Einheit präsentierte.

    Der Fußball wurde so zum Vehikel staatlicher Repräsentation, zur Bühne politischer Erzählungen – mal autoritär, mal demokratisch.

    2026: Symbolpolitik im Dreiklang Nordamerikas

    Die bevorstehende Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko folgt einem neuen geopolitischen Muster. Erstmals teilen sich drei Staaten die Ausrichtung – ein symbolträchtiges Zeichen für nordamerikanische Kooperation, aber auch ein logistisches Mammutprojekt.

    Gleichzeitig mehren sich kritische Stimmen:

    • Die Ticketpreise sind in vielen Stadien exorbitant hoch.
    • Die Einreisebestimmungen, insbesondere in die USA, könnten für Fans aus Afrika, Asien oder Südamerika erhebliche Hürden darstellen.
    • Die wirtschaftlichen Interessen der FIFA überlagern zunehmend sportliche oder gesellschaftliche Anliegen.

    Ein weiteres politisches Detail: Donald Trump, der sein Präsidentenamt mit einer weltweiten Bühne krönen könnte, soll laut Planungen nach dem Finale den Pokal persönlich überreichen. Dies wäre nicht nur ein symbolträchtiger Moment, sondern auch ein bewusster Akt medialer Selbstinszenierung – vergleichbar mit dem Auftritt des Emirs von Katar 2022.

    Wenn Sport zur Projektionsfläche wird

    Der World Cup ist längst kein reines Sportereignis mehr. Er ist globales Aushängeschild, wirtschaftliches Großprojekt und ein machtpolitischer Resonanzkörper.

    Die jüngsten Austragungen des Events in Brasilien, Katar oder Südafrika zeigen, wie Gastgeberländer den Fußball zur Selbstvermarktung nutzen – mit teils problematischen Begleiterscheinungen: Landenteignungen, Menschenrechtsverstöße, Arbeitsbedingungen, die oft wenig mit den offiziellen Versprechen harmonieren.

    Auch Nordamerika wird sich kritischen Fragen stellen müssen – insbesondere die USA, deren restriktive Migrations- und Visapolitik vielen Fußballfans ein Gefühl der Ausgrenzung vermittelt. Der Satz „Die Welt zu Gast bei Freunden“ bekommt damit einen doppelten Boden.

    Verlust des Besonderen?

    Neben politischen Fragen bleibt auch die Sorge vieler Fans, dass der World Cup seinen Charme verliert. In Zeiten ständiger medialer Verfügbarkeit von Fußball, millionenschwerer Übertragungsrechte und durchkommerzialisierter Ligen droht das einst einzigartige Erlebnis zur Marketingmaschine zu verkommen.

    Stadien gleichen sich immer mehr an, lokale Eigenheiten werden zugunsten globaler Standards verdrängt. Die visuelle und kulturelle Unverwechselbarkeit früherer Turniere – einst ein Markenzeichen – schwindet.

    Doch trotz aller Kritik: Der World Cup bleibt ein globales Ritual mit immenser Strahlkraft. Er spiegelt nicht nur sportliche Entwicklungen wider, sondern auch gesellschaftliche Umbrüche, politische Tendenzen und wirtschaftliche Kräfteverschiebungen.


    WEITERE MELDUNGEN

    Hohe US-Militärs präsentierten Mitgliedern des Kongresses ein Video eines Angriffs im September auf ein Boot vor der Küste Venezuelas und rechtfertigten einen Folgeangriff, bei dem zwei Überlebende getötet wurden.

    In Virginia wurde ein 30-jähriger Mann festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, in der Nacht vor dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 zwei Bomben in der Nähe des Regierungsgebäudes platziert zu haben.

    Yasser Abu Schabab, Anführer einer von Israel unterstützten palästinensischen Miliz, wurde laut einem israelischen Regierungsvertreter bei einem Gefecht im Süden des Gazastreifens getötet.

    Hamas hat die Leiche des letzten thailändischen Geiselsopfers im Gazastreifen zurückgegeben. Die sterblichen Überreste aller Geiseln mit Ausnahme einer Person konnten mittlerweile geborgen werden.

    Die Präsidenten von Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo trafen sich im Weißen Haus, um ein Abkommen zur Beendigung des verheerenden Kriegs im Osten des Kongo voranzubringen.

    Eine britische Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Russlands Präsident Wladimir Putin den Giftanschlag von 2018 in der Stadt Salisbury „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ autorisiert haben muss.

    Putin hält sich derzeit zu Gesprächen mit Premierminister Narendra Modi in Indien auf.

    Eine von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützte Separatistengruppe hat weite Teile einer ressourcenreichen Region im Süden des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht.

    Kambodscha hat ein berüchtigtes Zentrum geschlossen, das zur Geldwäsche von Milliardenbeträgen aus Betrugsmaschen genutzt wurde.

    Kenia ließ einen Diplomaten trotz zahlreicher Vorwürfe sexuellen Missbrauchs an kenianischen Arbeitskräften in Saudi-Arabien im Amt.

    Spanien, Irland, die Niederlande und Slowenien kündigten an, den Eurovision Song Contest im kommenden Jahr zu boykottieren – aus Protest gegen die Teilnahme Israels.

    Autor: P. Tiko