Schlagwort: Fête des Lumières

  • Lichterfest in Lyon: Wenn politische Botschaften die Nacht spalten

    Lichterfest in Lyon: Wenn politische Botschaften die Nacht spalten

    Die Fête des Lumières gehört zu Lyon wie das Flackern der Kerzen zum Dezember. Vier Tage lang glänzt die Stadt im Licht ihrer eigenen Tradition, und jedes Jahr strömen Hunderttausende herbei, um dieses besondere Schauspiel zu erleben. Doch am vergangenen Samstagabend, mitten im Gewimmel rund um den Place des Terreaux, schob sich ein anderes Leuchten vor die offizielle Inszenierung. Es war scharf, deutlich, kompromisslos – und politisch aufgeladen. Für einen Moment stand nicht mehr die Kunst im Zentrum, sondern ein Satz, der wie ein Schlag aus der Dunkelheit kam: „La police blesse et tue.“ Die Polizei verletzt und tötet. Kurz darauf weitere Botschaften, ebenso hart, ebenso eindeutig, ergänzt um ein düster blinkendes „On dégage le RN“. Kein Besucher blieb unberührt, manche erschrocken, andere zustimmend murmelnd, wieder andere schlicht irritiert. Auf der Fassade des Musée des Beaux-Arts hingen plötzlich Worte wie Plakate eines lautlosen Protests.Wer genau hinsah, spürte, dass hier mehr g…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Wenn der Himmel erzählt — Lyon und sein nächtliches Erwachen

    Wenn der Himmel erzählt — Lyon und sein nächtliches Erwachen

    Es gibt Städte, die bei Nacht schimmern. Und dann gibt es Lyon. Eine Stadt, die sich, kaum fällt der Abend, wie ein lebendiges Bühnenbild entfaltet, als hätte jemand eine unsichtbare Hand über die Dächer gelegt und gemurmelt: Allez, jetzt zeigen wir ihnen mal, wie Licht wirklich geht.

    Die Fête des Lumières 2025 hat diesem leisen Murmeln ein neues Echo geschenkt. Ein kraftvolles, vibrierendes Echo aus 500 kleinen Flugwesen, die den Himmel über dem Parc de la Tête d’Or übernehmen. Und ganz ehrlich: selten hat Lyon so hoch gegriffen, um nahbarer zu wirken.

    Begeben wir uns mitten hinein in diese Nacht. Dorthin, wo Technik und Tradition sich umarmen, wo Familien dicht an dicht stehen, wo Kinder nach oben deuten und Erwachsene plötzlich wieder acht Jahre alt sind.


    Ein See, ein Himmel — und 500 leuchtende Pinselstriche

    Der Parc de la Tête d’Or ist schon tagsüber ein Geschenk. Aber nachts, während der Fête des Lumières, verwandelt er sich in eine Szene, die an ein halbvergessenes Märchen erinnert. Die Bäume zeichnen schwarze Silhouetten, der See wirkt wie ein Spiegel, der zu viel Licht geschluckt hat, und zwischen all dem schwebt ein feiner Nebel, der die Spannung noch verstärkt.

    Dann ein surrendes Summen. Wie ein kollektives Einatmen.

    Und plötzlich steigen sie auf: 500 Drohnen, die wirken wie Glühwürmchen mit Ingenieursdiplom. Sie tanzen, sie formieren sich, sie zerfallen wieder, nur um sich in neuen Figuren zusammenzufinden. Sternbilder. Spiralen. Ein Phönix. Ein wanderndes Herz. Ein kurzer Moment, in dem Lyon selbst zu pulsieren scheint.

    Ein Motiv aber sticht besonders hervor: die Hommage an die lumignons. Diese kleinen Flammen, die seit Jahrhunderten aus Lyoner Fenstern flackern, erscheinen nun hoch oben als leuchtendes Mosaik. Wer dabei keine Gänsehaut bekommt — wie soll man da noch ans Bodenständige glauben

    Der gesamte Tanz dauert acht Minuten. Kurz genug, um den Zauber nicht zu überreizen, lang genug, um sich ins Gedächtnis einzubrennen.


    Hinter den Kulissen — wo Poesie und Präzision zusammenfinden

    Natürlich wirkt so ein Spektakel wie Magie. Doch hinter dieser Magie steht ein Heer aus Fachleuten. Die Firma Allumée aus Saint Priest ist die unsichtbare Maschine hinter der Himmelskunst. Dort wird programmiert, komponiert, getestet, neu getestet und dann noch einmal getestet.

    Die Routine zwischen zwei Shows gleicht einer kleinen Operation: Akkus wechseln, Formationen nachjustieren, Sicherheitssysteme prüfen, das Timing fein abstimmen. Neun Shows pro Abend — das ist, um es mal salopp zu sagen, ein echter Ritt.

    Und dann dieses ewige Zittern vor dem Wind. Eine Böe zu viel, und der Himmel bleibt dunkel. Drohnen sind innovativ, aber sturmerprobt sind sie nicht unbedingt. Trotzdem entsteht ein Zusammenspiel, das so harmonisch wirkt, als wäre es nie etwas anderes gewesen als pure Kunst.


    Weniger Budget, weniger Werke — aber ein großes Wagnis

    2025 ist nicht gerade ein Jahr, in dem Lyon im Geld schwimmt. Das Gesamtbudget der Fête wurde von 3,8 auf etwa 3,4 Millionen Euro gedrückt, und die Zahl der Installationen schrumpft von 32 auf 23. Das klingt knapp, und es ist knapp.

    Doch gerade in dieser Begrenzung wagt die Stadt einen Sprung. Ein Drohnenspektakel dieser Größenordnung ist kein vorsichtiges Projekt, sondern ein Statement. Eine Art: Wir sparen, aber wir blenden trotzdem.

    Es ist ein Risiko, klar. Aber auch ein kraftvolles Signal. Ein bisschen wie ein Musiker, der zwar ein kleineres Orchester hat, dafür aber ein gewagteres Solo spielt.


    Die ersten Reaktionen — Funken, Fragen und ein bisschen Skepsis

    Die ersten Tests wurden mit offenen Mündern quittiert. Viele sprechen von einer Erfahrung, die sich tief in die Geschichte der Fête des Lumières einschreiben könnte. Die Musik passt, die Choreografie fesselt, und die Reflexionen auf dem See verdoppeln die Illusion, als schwebe man zwischen zwei Himmeln.

    Doch es wäre keine echte Lichtfête ohne Gegenstimmen. Manche Besucherinnen und Besucher empfinden den Einsatz von Drohnen als Abkehr vom warmen, menschlichen Charakter der traditionellen Lumignons. Zu modern, zu glatt, zu technologisch. Ein bisschen so, als würde ein alter Familienbrauch plötzlich von einem futuristischen Cousin übernommen.

    Aber gehört dieser Konflikt nicht irgendwie dazu
    Wäre die Lumières überhaupt die Lumières, wenn alle einhellig nicken würden


    Für wen lohnt sich das Spektakel

    Diese Frage lässt sich erstaunlich klar beantworten.

    Für Kinder, die das Gefühl bekommen, der Himmel erzähle ihnen ein Geheimnis. Für Paare, die am See Hand in Hand stehen und glauben, das Licht tanze nur für sie. Für Tourist:innen, die zum ersten Mal erleben, wie eine Stadt nicht nur beleuchtet ist, sondern selbst leuchtet. Für Kunstliebhaber, die Lust auf neue Impulse haben. Und schließlich für alle, die gern staunen.

    Aber Achtung: keine großen Rucksäcke, früh genug da sein, Snacks mitnehmen, Jacken gut schließen. Und ja, hoffen, dass der Wind nicht ausgerechnet an diesem Abend seine wilde Seite zeigt.


    Mein Blick — ein Flugversuch zwischen Tradition und Zukunft

    Wenn man, wie ich, seit Jahren durch die Lichtnächte Lyons wandert, spürt man, wenn eine Ausgabe anders ist. Dieses Jahr ist anders. Nicht, weil es lauter wäre oder prunkvoller. Sondern weil der Himmel selbst zu einer Bühne geworden ist.

    Braucht eine alte Tradition neue Flügel?
    Oder sollte sie lieber ihren festen Boden behalten?

    Ich glaube, die Wahrheit liegt dazwischen. Die Drohnen bringen frische Impulse, sie weiten den Blick, sie öffnen eine neue erzählerische Ebene. Doch solange in Lyon tausende kleine Kerzen an Fenstern stehen, bleibt die Seele des Fests unangetastet.

    2025 ist ein Übergangsjahr. Ein Brückenschlag. Vielleicht ein Prolog. Wenn L’Éveil des Lumières das Publikum weiterhin so berührt, könnte die Zukunft der Fête des Lumières höher liegen, als wir dachten. Aber die Kerzen am Fenster werden bleiben. Und genau das macht den Reiz aus: die Mischung aus uraltem Licht und neuer Technologie, aus Wärme und Präzision, aus leiser Tradition und kühner Bewegung.

    Lyon hat mit diesem Flug der Drohnen nicht nur den Himmel erhellt, sondern auch den Blick auf seine eigenen Möglichkeiten. Und jede Stadt, die Menschen dazu bringt, schweigend nach oben zu schauen, macht etwas richtig.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Lichter, Drohnen und Hommage: Lyon feiert seine Seele mit leuchtender Poesie

    Lichter, Drohnen und Hommage: Lyon feiert seine Seele mit leuchtender Poesie

    Wenn Lyon leuchtet, hält selbst der Himmel den Atem an.

    Pünktlich zum Dezemberbeginn hat die Stadt an der Rhône ihr strahlendes Festkleid angelegt – ein Gewand aus Licht, Farbe, Klang und Erinnerung. Die Fête des Lumières ist zurück. Und sie ist mehr als ein Fest: Sie ist ein Gefühl. Ein Ritual, das Geschichte, Gegenwart und Zukunft in leuchtende Kunstwerke verwandelt.

    Am Abend des 4. Dezember war es wieder so weit. Noch vor dem offiziellen Start am 5. Dezember lud die Stadt zur Avant-Première, zu einer Art Generalprobe unter funkelndem Sternenzelt. Auf dem Hügel thronte die Basilika von Fourvière, majestätisch illuminiert, während in den Gassen von Presqu’île und Croix-Rousse bereits erste Lichtskulpturen ihre Wirkung entfalteten.

    Zwanzig Installationen wurden getestet – ein visuelles Vorspiel, das Lust auf mehr machte.

    Jean-Jacques Bouteloup, 72, aus dem benachbarten Villeurbanne, kommt jedes Jahr. „Man wird nicht müde, überrascht zu werden“, sagt er. Und in diesem Satz schwingt genau jene kindliche Freude mit, die dieses Fest so einzigartig macht.


    Die diesjährige Ausgabe bringt 23 Lichtkunstwerke auf die Straßen und Plätze Lyons – von der Place des Terreaux bis zum Parc de la Tête d’Or. Dort, im größten Stadtpark Frankreichs, feierte auch die spektakulärste Neuheit ihre Premiere: ein Drohnenspektakel des lokalen Kollektivs „Allumée“. Hunderte leuchtender Flugkörper zeichnen Formen in den Nachthimmel, choreografiert wie ein Ballett aus Licht.

    Dazu gesellen sich poetische, humorvolle und bisweilen politisch anmutende Beiträge. Eine besonders charmante Installation stammt vom katalanischen Kollektiv Tigrelab: „Le lundi, c’est ravioli“ – ein popkultureller Gruß an die berühmten „Mères lyonnaises“, die legendären Köchinnen der Stadt. Ihre Rezepte – bodenständig, üppig, unverkennbar – sind Kulturerbe und Lebensgefühl zugleich.

    Auch Skateboarder kommen in diesem Jahr zu Ehren: Auf dem Place Louis-Pradel leuchtet eine Hommage an 40 Jahre Skatekultur in Lyon – geschaffen vom Künstler und Architekten Nicolas Paolozzi. Ein Stück Jugendkultur als leuchtendes Denkmal.


    Die Fête des Lumières ist tief verwurzelt in der religiösen Tradition Lyons.

    Jedes Jahr am 8. Dezember stellen die Lyonnaiser:innen ein kleines Licht – ein „lumignon“ – in ihre Fenster, als Dank an die Jungfrau Maria, Schutzpatronin der Stadt. Was im 19. Jahrhundert begann, hat sich über die Jahrzehnte zu einem der größten Lichtkunstfestivals Europas entwickelt.

    Und doch: Die Ausgabe 2025 steht unter anderen Vorzeichen.

    Die Stadt hat ihren finanziellen Gürtel enger geschnallt. Der Nettobetrag der städtischen Ausgaben – abzüglich Personalkosten – liegt bei 2,1 Millionen Euro, rund 800.000 Euro weniger als im Vorjahr. Ein Teil des Defizits wurde durch verstärktes Sponsoring aufgefangen. Neben lokalen Unterstützern tritt diesmal auch ein globaler Akteur auf den Plan: Netflix. Der Streamingriese finanzierte eine Installation zur Bewerbung seiner Erfolgsserie „Stranger Things“. Ein neuer Ton im Konzert der Lichter – ein bisschen Kommerz, ein bisschen Pop.


    Manche kritisieren das – ebenso wie die Reduzierung des Festivalareals. Doch Bürgermeister Grégory Doucet hält dagegen: Die Ausgabe 2025 setze auf „unveröffentlichte Konzepte“ und „Hommagen an die lyonnaise Kultur“. Und tatsächlich zeigt sich Lyon in diesem Jahr nicht größer, aber dichter, feiner, konzentrierter. Wie ein Roman, der weniger Seiten zählt, aber mehr Tiefe besitzt.

    Vor der Oper leuchtet „Row“ – zehn holografische Bildschirme in einer Linie, konzipiert vom russischen Kollektiv Tundra. Ein hypnotisches Werk, das sich zwischen Licht, Ton und Wahrnehmung bewegt.

    Es sind genau solche Momente, in denen man versteht, warum Lyon die Lichter nicht einfach anknipst, sondern sie zelebriert. Mit Ernst, mit Esprit – und mit einer tiefen Liebe zur Stadt selbst.

    Denn die wahre Attraktion der Fête des Lumières ist nicht das Licht.

    Es ist Lyon.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Lyon im Lichterrausch: 25 Jahre Fête des Lumières

    Lyon im Lichterrausch: 25 Jahre Fête des Lumières

    Lyon erstrahlt – und wie! Jedes Jahr im Dezember wird die Stadt an der Rhône zur Bühne eines spektakulären Lichtfestes, das Besucher aus aller Welt in seinen Bann zieht. Dieses Jahr feiert die Fête des Lumières ihr 25-jähriges Bestehen und lässt Lyon erneut in einem funkelnden Glanz erstrahlen. Zwei Millionen Besucher – darunter Familien, Paare, […]

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…