Schlagwort: Familien

  • Kommentar: Die neue Sippenhaft – oder wenn Schuld und Strafe plötzlich vererbbar wird

    Kommentar: Die neue Sippenhaft – oder wenn Schuld und Strafe plötzlich vererbbar wird

    Manchmal genügt ein einziges Wort, um Unbehagen auszulösen.

    Sippenhaft.

    Ein Begriff, der nach Geschichte riecht, nach dunklen Zeiten, nach einem Staat, der nicht mehr fragt, wer was getan hat – sondern nur noch, zu wem jemand gehört. Ein Wort, das man in einer rechtsstaatlichen Demokratie eigentlich nur im Konjunktiv erwarten würde. Als Warnung. Nicht als Werkzeug.

    Und doch steht es nun wieder im Raum.

    Diesmal nicht in Geschichtsbüchern, sondern in Gerichtssälen. Nicht als Relikt, sondern als Instrument moderner Sicherheitspolitik. Der Sohn dealt, die Mutter verliert die Wohnung. Der Bruder wird verurteilt, die Familie steht vor der Tür. So einfach. So effizient. So erschreckend.

    Natürlich, die Argumentation ist geschniegelt wie ein Sonntagsanzug. Es gehe um Ordnung, um Sicherheit, um den Schutz der Nachbarschaft. Um Menschen, die nachts nicht mehr schlafen können, weil unten im Hausflur Geschäfte gemacht werden, die es besser nie gegeben hätte. Der Staat, so heißt es, müsse handlungsfähig bleiben.

    Handlungsfähig.

    Ein schönes Wort. Es klingt nach Stärke, nach Klarheit, nach Durchgreifen. Aber es hat eine Kehrseite. Denn Handlungsfähigkeit ohne Maß wird schnell zu einem Hammer, der nur noch Nägel sieht.

    Und plötzlich sind Familien diese Nägel.

    Man könnte fast meinen, Verantwortung sei ansteckend. Wie eine Krankheit, die sich über den Küchentisch verbreitet. Wer zusammen wohnt, haftet gemeinsam – zumindest gefühlt. Juristisch sauber? Vielleicht. Moralisch? Nun ja.

    Denn was heißt das konkret?

    Eine Mutter, die ihren Sohn nicht mehr erreicht – wird zur Mitverantwortlichen erklärt. Ein Vater, der längst kapituliert hat – wird zum Störer der öffentlichen Ordnung. Menschen, die oft selbst am Rand stehen, werden noch ein Stück weiter hinausgeschoben.

    Das nennt man dann Prävention.

    Man darf das ruhig sarkastisch bewundern: Endlich eine Lösung, die gleich mehrere Probleme auf einmal beseitigt. Der Dealer sitzt vielleicht im Gefängnis – und seine Familie gleich mit auf der Straße. Effizienz ist ja schließlich das Gebot der Stunde.

    Nur: Was folgt daraus?

    Ein Staat, der beginnt, Schuld zu verteilen wie Flugblätter, verliert seine wichtigste Tugend – die Differenzierung. Er hört auf zu unterscheiden zwischen Täter und Umfeld, zwischen Verantwortung und Ohnmacht. Und genau dort beginnt die Schieflage.

    Denn Recht ist kein Kollektivsport.

    Es lebt davon, dass es genau hinschaut, dass es trennt, abwägt, zweifelt. Dass es eben nicht sagt: „Ihr gehört zusammen, also haftet ihr zusammen.“ Sondern: Wer hat was getan – und wer eben nicht?

    Die Frage ist also nicht nur, wie weit Sippenhaft gehen darf.

    Die eigentliche Frage ist, ob ein Rechtsstaat sie sich überhaupt leisten kann.

    Oder ob er, während er den Drogenhandel bekämpft, beginnt, etwas viel Wertvolleres zu verlieren.

    Seine eigene Idee von Gerechtigkeit.

    Ein Kommentar von Daniel Ivers

  • Wenn der Verlust des Zuhauses zur Strafe wird – Der Streit um Wohnungsräumungen in Rennes

    Wenn der Verlust des Zuhauses zur Strafe wird – Der Streit um Wohnungsräumungen in Rennes

    Ein Gerichtssaal in Rennes, nüchtern, funktional – und doch Schauplatz einer Debatte, die weit über die Stadtgrenzen hinausreicht.

    Dort, wo sonst Mietstreitigkeiten und Nachbarschaftskonflikte verhandelt werden, ging es in diesen Tagen um weit mehr: um die Frage, ob Familien ihr Zuhause verlieren dürfen, weil ein Angehöriger in Drogengeschäfte verwickelt ist.

    Die juristische Grundlage liefert ein noch junges Gesetz aus dem Juni 2025. Es zielt darauf ab, Frankreich aus der Umklammerung des Drogenhandels zu lösen – ein großes Versprechen, fast schon ein politisches Signalfeuer. Der Staat erhält damit ein scharfes Instrument: Präfekten können Vermieter dazu drängen, Mietverträge zu kündigen, wenn durch Drogenhandel die öffentliche Ordnung erheblich gestört wird.

    Doch entschieden wird am Ende vor Gericht.

    Und genau hier beginnt das Dilemma.

    In Rennes betrifft das nicht in erster Linie die Täter selbst, sondern deren Familien – oft Mütter, Alleinerziehende, Menschen in einer ohnehin unsicheren Lebenslage. Der Sohn dealt, sitzt vielleicht schon hinter Gittern, ist vielleicht noch minderjährig – und plötzlich steht die gesamte Familie vor der Tür. Im wörtlichen Sinne.

    Man muss sich das vorstellen: ein Brief, ein Termin, ein Verfahren – und dann die Möglichkeit, alles zu verlieren.

    Die Behörden argumentieren nüchtern. Es gehe darum, sogenannte „Deal-Punkte“ aufzulösen, jene neuralgischen Orte in Wohnblocks, an denen sich der Drogenhandel festsetzt wie ein hartnäckiger Fleck. Treppenhäuser, Parkplätze, Hauseingänge – sie verwandeln sich in Umschlagplätze. Bewohner fühlen sich bedroht, das Vertrauen schwindet.

    Der Staat greift durch.

    Doch draußen vor dem Gericht formiert sich Widerstand. Bewohnerinitiativen, soziale Organisationen und politische Gruppen sprechen von einer doppelten Bestrafung. Wer nichts getan hat, zahlt dennoch den Preis. Die Kritik trifft einen empfindlichen Nerv: Wie weit darf kollektive Verantwortung gehen?

    Eine Mutter, die ihren Sohn mit ihren Worten nicht mehr erreicht. Ein Vater, der längst resigniert hat. Familien, die kämpfen – und trotzdem alles verlieren könnten.

    Einige Verfahren wurden bereits fallen gelassen. Ein erstes Zeichen dafür, dass die Realität komplizierter ist als jede Gesetzesformulierung. Denn zwischen Paragrafen und Lebenswirklichkeit klafft eine Lücke, die sich nicht so leicht schließen lässt.

    Rennes wirkt in diesen Tagen wie ein Labor.

    Hier zeigt sich, wie ein Staat versucht, Kontrolle zurückzugewinnen – und dabei Gefahr läuft, neue Brüche zu erzeugen. Sicherheit gegen soziale Gerechtigkeit, Ordnung gegen Mitgefühl.

    Die Frage bleibt hängen wie ein Echo im Flur des Gerichts: Wann endet berechtigte Härte – und wann beginnt Unrecht?

    Die Antwort darauf wird nicht nur in Rennes gesucht.

    Sie betrifft ein ganzes Land.

    Autor: C.H.

  • Wut am Steuer: Wie ein Streit in Le Havre in einer tödlichen Tragödie endete

    Wut am Steuer: Wie ein Streit in Le Havre in einer tödlichen Tragödie endete

    Ein hupender Autofahrer, eine beleidigende Geste, Sekunden der Eskalation – und am Ende liegt ein junger Mann tot im Krankenhaus.Die tödliche Auseinandersetzung, die sich am Samstagabend, 23. August 2025, in Le Havre ereignete, zeigt, wie schnell Straßenverkehr von Routine in Katastrophe kippen kann. Sekunden, die alles verändern Es ist kurz nach 18 Uhr, ein sommerlicher Samstag. Eine 21-jährige Fahrerin steht mit ihrem Wagen an einer Ampel. Neben ihr ihr Lebensgefährte, auf dem Rücksitz die beiden Kinder.Die Ampel springt auf Grün, sie fährt langsam an. Der Fahrer hinter ihr hupt. Nichts Außergewöhnliches, ein typischer Moment im dichten Verkehr. Doch statt ihn zu ignorieren, zeigt die junge Frau den Mittelfinger. Von da an rollt eine Lawine los. Der 27-jährige Mann überholt, stoppt, steigt aus – offenbar, um die Sache persönlich zu klären. Was dann geschieht, ist Gegenstand der Ermittlungen: die Frau fährt plötzlich los, erfasst ihn, der Mann prallt auf die Motorhaube, wird mehrere M…

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  • Frankreichs Geburtenrate auf historischem Tiefstand: Was steckt dahinter?

    Frankreichs Geburtenrate auf historischem Tiefstand: Was steckt dahinter?

    Zum ersten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist die Zahl der Geburten in Frankreich so niedrig wie nie zuvor. Laut dem neuesten Bericht des französischen Statistikamts INSEE wurden im Jahr 2024 nur noch 663.000 Babys geboren – ein Rückgang von 2,2 % im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Trend, der seit 15 Jahren anhält, wirft Fragen auf, die weit über bloße Statistiken hinausgehen.

    Ein historischer Tiefpunkt Mit einer durchschnittlichen Geburtenrate von 1,62 Kindern pro Frau erreicht Frankreich einen Wert, der zuletzt vor über 100 Jahren verzeichnet wurde. Ein Land, das lange Zeit stolz auf seine im europäischen Vergleich hohe Fruchtbarkeitsrate war, sieht sich nun mit einer dramatischen Veränderung konfrontiert. Warum bekommen die Menschen immer weniger Kinder? Die Ursachen sind vielfältig: wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Lebenshaltungskosten, Veränderungen in der Familienstruktur und gesellschaftliche Prioritäten.

    Bevölkerung wächst dennoch – vorerst Trotz der sinkenden …

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  • Frankreich: Neues Elterngeld – Segen oder Fluch?

    Frankreich: Neues Elterngeld – Segen oder Fluch?

    Der Vorstoß der französischen Regierung, einen neuen, besser bezahlten, aber kürzeren Elternurlaub einzuführen, wirft viele Fragen auf. Wird das die ersten Monate nach der Geburt eines Kindes revolutionieren?

    In Frankreich plant die Regierung die Einführung eines neuen Geburtsurlaubs, der sowohl Mütter als auch Väter betrifft. Diese könnten dann drei Monate zu Hause bleiben, wobei sie die Hälfte ihres Gehalts, jedoch maximal 1.900 Euro monatlich, erhalten würden. Eine Änderung, die von vielen Bürgern positiv aufgenommen wird.

    Doch trotz der attraktiveren Bezahlung gibt es Bedenken. „Es ist eine gute Sache, weil die Zeit, die wir mit unseren Kindern verbringen, bevor sie in die Kita kommen, immer zu kurz ist“, so eine Frau. Eine Mutter, die sich entschied, fünf Monate Elternzeit zu nehmen, um mehr Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen, bekam dafür etwas mehr als 400 Euro im Monat. „Ich finde drei Monate sehr wenig, zumal der Mutterschaftsurlaub bereits sehr kurz ist. Wenn es besser bezahlt wird, könnten vielleicht mehr Menschen es sich leisten, diesen zu nehmen und die Zeit mit dem Baby zu genießen“, vermutet sie.

    Die Sozialverbände begrüßen die Neuerung, sind jedoch besorgt über die angekündigte Abschaffung des Elternurlaubs, der bis zum dritten Lebensjahr des Kindes dauern konnte.

    Ist es wirklich ein Fortschritt, wenn die Dauer so drastisch verkürzt wird? Oder zahlt man letztlich nur etwas mehr Geld für deutlich weniger Zeit? Die neuen Regelungen könnten eine Zwickmühle für junge Eltern bedeuten, die zwischen finanzieller Unterstützung und ausreichend Zeit mit ihrem Nachwuchs wählen müssen. Ein heikles Thema – wo liegt das Gleichgewicht zwischen finanzieller Unterstützung und genügend Zeit für das neue Familienmitglied?

    Es bleibt abzuwarten, wie diese Neuerungen sich in der Praxis bewähren werden. Wird die höhere Bezahlung tatsächlich zu einer höheren Inanspruchnahme führen, oder bleibt der Wunsch nach längerer Elternzeit bestehen, unabhängig von der finanziellen Entschädigung? Diese und andere Fragen werden erst die Zukunft beantworten können.

  • Kinderlosigkeit als bewusste Entscheidung: Ein wachsender Trend in Frankreich

    Kinderlosigkeit als bewusste Entscheidung: Ein wachsender Trend in Frankreich

    In Frankreich, wie in vielen anderen Teilen der Welt, entscheiden sich immer mehr Frauen gegen das Muttersein. Laetitia Bernard, eine 27-jährige Bäckereiverkäuferin, repräsentiert eine wachsende Gruppe von Frauen, die sich aktiv gegen Kinder entscheiden. Ihr Entschluss, sich sterilisieren zu lassen, markiert einen radikalen Schritt in der Kontrolle über ihren eigenen Körper und ihre Zukunft.

    Laetitias Entscheidung gegen das Muttersein
    Laetitias Entscheidung, keine Kinder zu bekommen, ist nicht über Nacht gefallen. Schon während ihres Studiums spürte sie keinen Wunsch nach Mutterschaft. Ihre Entscheidung zur Sterilisation kam nach langen Jahren der Unzufriedenheit mit anderen Verhütungsmethoden und der ständigen Angst, ungewollt schwanger zu werden. „Ich habe einfach keine Lust, schwanger zu sein oder ein Kind zu haben“, erklärt Laetitia.

    Unterstützung und Widerstand im familiären Umfeld
    Während ihre eigene Mutter ihre Entscheidung voll unterstützt und den Wandel in der Rolle der Frau in der modernen Gesellschaft betont, stößt Laetitias Wahl bei der Familie ihres Partners, Bastien, auf weniger Verständnis. Diese unterschiedlichen Reaktionen spiegeln die gesellschaftlichen Spannungen wider, die mit solchen persönlichen Entscheidungen einhergehen können.

    Die gesellschaftliche Dimension
    Die Entscheidung, kinderlos zu bleiben, ist tief in persönlichen Freiheiten verwurzelt, ruft aber auch breitere gesellschaftliche Fragen hervor. In einer Welt, in der die Rolle der Frau sich kontinuierlich weiterentwickelt, repräsentiert die Wahl gegen Kinder ein starkes Statement gegen traditionelle Erwartungen. Es geht nicht nur um individuelle Lebensentscheidungen, sondern auch um größere Themen wie Geschlechterrollen, Autonomie und die Definition von Familie in der modernen Gesellschaft.

    Bedeutung für zukünftige Generationen
    Während immer mehr Frauen wie Laetitia ihre reproduktiven Rechte aktiv gestalten, wird es spannend zu beobachten sein, wie sich diese Entscheidungen auf gesellschaftliche Strukturen und Normen auswirken werden. Diese Entwicklung könnte zukünftige Generationen inspirieren, ähnliche Wege zu beschreiten, und könnte langfristig zu einer Neubewertung dessen führen, was es bedeutet, eine Frau zu sein.

    In einer Welt, die sich ständig verändert, bietet die Entscheidung, kinderlos zu bleiben, eine Perspektive auf Freiheit und Selbstbestimmung, die es verdient, ohne Vorurteile diskutiert zu werden. Wie Laetitia und ihre Mutter betonen, ist es ein Zeichen der Zeit, dass Frauen nicht mehr nur durch Mutterschaft definiert werden.

  • Steuervorteile für Familien mit Kindern in Frankreich: Ein umfassender Überblick

    Steuervorteile für Familien mit Kindern in Frankreich: Ein umfassender Überblick

    In Frankreich werden Familien mit Kindern durch eine Vielzahl von steuerlichen Vergünstigungen unterstützt. Diese Maßnahmen sind Teil einer familienfreundlichen Politik, die darauf abzielt, die finanziellen Lasten zu verringern, die mit der Kindererziehung einhergehen. Von direkten Steuerermäßigungen bis hin zu spezifischen Abzugsfähigkeiten – die französische Regierung stellt sicher, dass Familien unterstützt werden. Hier ist ein detaillierter […]

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  • Jeder vierte Europäer steht an der Armutsgrenze

    Jeder vierte Europäer steht an der Armutsgrenze

    Im Einzelnen gaben 51% der Griechen, 24% der Franzosen und 18% der Deutschen an, dass sie sich finanziell geschwächt sehen, so eine Ipsos-Studie, für die 6.000 Personen in sechs Ländern befragt wurden.

    Jeder vierte Europäer gibt an, sich in einer prekären Situation zu befinden, so eine Umfrage, die am Freitag, dem 4. November veröffentlicht wurde.

    Aufgrund einer „schwierigen finanziellen Situation“ haben 62% der Europäer ihre Reisen eingeschränkt und 47% haben bereits darauf verzichtet, ihre Wohnung trotz einbrechender Kälte zu heizen, so die Umfrage, die vom Ipsos-Institut unter 6.000 Personen ab 18 Jahren aus sechs Ländern (Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Polen und Großbritannien) durchgeführt wurde.

    Inflation und Energiekrise
    29% der befragten Personen ließen auch schon mal eine Mahlzeit ausfallen, obwohl sie Hunger hatten. Insgesamt gaben 27% der Befragten an, sich in einer prekären Situation zu befinden. Im Einzelnen fühlten sich 51% der Griechen finanziell geschwächt, verglichen mit 24% der Franzosen und 18% der Deutschen.

    „Mit dem Preisanstieg, der Energiekrise und den Folgen des Krieges in der Ukraine haben sich die Lebensbedingungen für viele Europäer im Jahr 2022 verschlechtert“, betont der französische Secours Populaire und urteilt, dass diese „Situation umso härter ist, als sie auf zwei Jahre folgt, in denen der Lebensstandard durch den Schock der Gesundheitskrise geprägt war“.

    Familien sind besonders betroffen: Fast jede zweite Familie hat schon mal darauf verzichtet, mit den Kindern in den Urlaub zu fahren oder die Kinder für eine außerschulische Aktivität anzumelden. 33% geben an, dass sie nicht immer in der Lage sind, ihrem Kind eine abwechslungsreiche Ernährung zu bieten.

  • Unicef: „Inakzeptabel und unwürdig“ – mindestens 1.600 Kinder schlafen in Frankreich auf der Straße

    Unicef: „Inakzeptabel und unwürdig“ – mindestens 1.600 Kinder schlafen in Frankreich auf der Straße

    Die Zahl der obdachlosen Kinder in Frankreich ist seit Januar 2022 gestiegen, warnt Unicef. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen schätzt, dass zu Beginn des neuen Schuljahres mehr als 1.600 Minderjährige auf der Straße leben. 

    Am Vorabend des Schulanfangs auf der Straße schlafen müssen – Adeline Hazan, Präsidentin von Unicef Frankreich, und Pascal Brice, Leiter der Fédération des acteurs de la solidarité (FAS), sind sich einig, dass diese Realität in Frankreich „inakzeptabel und unwürdig“ ist.

    Etwa 1.658 Kinder ohne Unterkunft waren in der Woche vor Schulbeginn gezwungen, im Freien oder in Notunterkünften zu schlafen, warnen die UN-Kinderrechtsorganisation und die FAS an diesem für Schulkinder so besonderem Tag. „Einige von ihnen, es ist unmöglich, ihre Zahl zu schätzen, werden heute nicht die Chance haben, den Weg zur Schule zu finden“, empörte sich Unicef.

    Die FAS-Studie, die in der Nacht zum 22. August durchgeführt wurde, basiert auf der Anzahl von Familien mit Kindern, die die Notrufnummer 115 angerufen haben und trotz der Dringlichkeit ihrer Situation nicht untergebracht werden konnten, weil „keine Plätze verfügbar oder mit der Zusammensetzung des Haushalts vereinbar sind“. Paris ist nach wie vor das Departement mit den meisten unversorgten Unterkunftsanfragen, gefolgt von den Departements Nord, Seine-Saint-Denis und Bas-Rhin.

    Fehlfunktion der französischen Notrufnummer für Unterkünfte
    Unter diesen 1.658 Familien auf der Straße befanden sich laut der Erhebung 368 Kinder unter drei Jahren. Die Autoren der Studie warnen davor, dass diese Zahlen hinter der Realität zurückbleiben, da sie nur die Personen berücksichtigen, die die Notrufnummer erreichen konnten.

    In vielen Fällen laufen die Anrufe bei der Nummer 115 jedoch „ins Leere“, wie Océane Marache von der Organisation Utopia 56 berichtet: „Jeden tag versuchen die Leute, die 115 zu erreichen, mehrere Stunden am Stück… Gestern hat mir eine Familie ihre Anrufliste gezeigt, sie haben drei Stunden damit verbracht. Nach 50 Minuten Wartezeit, ohne dass ein Telefonist am anderen Ende der Leitung ist, legt das Gerät von selbst auf“.

    Die Organisation Utopia 56, die Bürgerunterkünfte organisiert, hat festgestellt, dass die Zahl der Kinder, die auf der Straße leben, im letzten Jahr gestiegen ist. „Allein gestern Abend meldeten sich rund 50 Familien mit 44 Kindern, darunter 13 Babys unter einem Jahr, in unserer täglichen Sprechstunde auf dem Pariser Rathausplatz“, berichtet Océane Marache. „Darunter waren auch einige, die heute in die Schule gingen, und sie waren gestresst, weil sie dort sagen mussten, dass sie kein Zuhause haben.“

    Jedes Kind, das auf der Straße lebt, kann legal eingeschult werden, indem es bei einem Sozialarbeiter oder einem Verein eine Domizilierung beantragt und sich bei der Schulbehörde des zuständigen Rathauses anmeldet. „Theoretisch ist das möglich, ja …“, kommentiert Océane Marache. „Aber in der Praxis: Wie sollen diese Kinder lernen, wenn sie nicht richtig schlafen oder sich waschen können? Es ist nicht ungewöhnlich, dass sie ihre Hausaufgaben auf einer Bank neben unserem Bereitschaftsdienst machen.“

    Utopia 56 verfolgt insbesondere Fälle von alleinstehenden ausländischen Minderjährigen. In Paris warten 200 von ihnen auf die Anerkennung durch den französischen Staat. Ein Verfahren, das zwischen drei und achtzehn Monaten dauern kann. „In der Zwischenzeit werden sie nicht von der Kinderfürsorge untergebracht und können nicht zur Schule gehen“, erklärt Luc Viger von Utopia 56. Die Organisation versucht minderjährigen Migranten wenigstens Französischkurse zu vermitteln.

    Die Zahl der Kinder auf der Straße steigt.

    „Frankreich hat sich durch die Ratifizierung der Internationalen Kinderrechtskonvention verpflichtet, die Grundrechte der Kinder zu gewährleisten, insbesondere ihr Recht auf Entwicklung, Schutz, Gesundheit und Bildung“, betont Unicef Frankreich und fordert die Regierung auf, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.

    „Wir können nicht länger die Augen verschließen“, alarmieren Hilfsorganisation und fordern den französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf, sein Versprechen einzuhalten, „allen Obdachlosen ein Dach über dem Kopf zu geben“.

    In diesem Herbst schnellen die Zahlen der Wohnungslosigkeit für Kinder in die Höhe und die Zahl der Familien ohne Unterkunft ist laut der Unicef/FAS-Umfragen im Vergleich zum Januar um 77% gestiegen ist.

    Der Grund dafür ist laut Utopia 56 eine Kündigungswelle zu Ende März 2022 und die Rückkehr der Touristen nach Paris. „Der Tourismus hat sich erholt und viele Hotels haben die Sozialhilfe eingestellt, da sie ihre Zimmer wieder an ausländische Touristen vermieten können. Wieder einmal stellen wir fest, dass der Rückgriff auf Hotelübernachtungen keine Lösung für eine Neuunterbringung ist“.

    Die Unicef teilt diese Feststellung und bedauert, dass bisher „der Rückgriff auf Hotelübernachtungen“ „die wichtigste Antwort“ auf die Obdachlosigkeit von Familien war. Unicef erinnert daran, dass das Hotel „für das Familienleben ungeeignet ist und es nicht ermöglicht, die Grundbedürfnisse der 27.102 dort lebenden Kinder, von denen 9.201 jünger als drei Jahre sind, zu befriedigen“.

  • „Heute ist es relativ einfach, ein deutsch-französisches Paar zu sein“

    „Heute ist es relativ einfach, ein deutsch-französisches Paar zu sein“

    Alice und Volker haben in einem friedlichen Europa gelebt, nachdem ihre Großeltern einen Krieg erlebt haben. Heute genießen sie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede und hoffen, dass für ihre Kinder Europa so selbstverständlich sein wird wie die Luft, die sie atmen… Link auf den Dokumentarfilm, „N…

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