Schlagwort: Fahrzeugsicherheit

  • Rückruf mit Signalwirkung: Stellantis zieht weltweit 700.000 Fahrzeuge aus dem Verkehr

    Rückruf mit Signalwirkung: Stellantis zieht weltweit 700.000 Fahrzeuge aus dem Verkehr

    Ein leises Knistern im Motorraum – mehr braucht es nicht, um aus einem alltäglichen Fortbewegungsmittel ein Sicherheitsrisiko zu machen.

    Der europäisch-amerikanische Autokonzern Stellantis sieht sich derzeit mit genau diesem Szenario konfrontiert. Weltweit ruft das Unternehmen jetzt rund 700.000 Fahrzeuge zurück, mehr als 200.000 davon allein in Frankreich. Der Grund klingt nüchtern, hat jedoch Gewicht: Brandgefahr.

    Was zunächst wie eine Vorsichtsmaßnahme wirkt, fußt auf konkreten Vorfällen. Insgesamt 36 Zwischenfälle hat der Konzern registriert, darunter ein Dutzend Fälle, bei denen es bereits zu ersten Brandentwicklungen kam. Zahlen, die im Verhältnis zur Gesamtproduktion gering erscheinen mögen – doch in der Logik der Automobilindustrie reicht schon ein einziger bestätigter Defekt, um Alarm auszulösen.

    Betroffen sind Fahrzeuge mehrerer Marken, darunter Peugeot, Citroën, Fiat, Alfa Romeo und Jeep. Besonders stark vertreten ist der französische Hersteller Peugeot, der mehr als die Hälfte der zurückgerufenen Fahrzeuge stellt. Produziert wurden die betroffenen Modelle zwischen 2023 und 2026 – also teils erst vor Kurzem ausgeliefert.

    Die Kommunikation des Konzerns erfolgt, typisch für global agierende Hersteller, länderspezifisch. Eine einheitliche, zentrale Ansprache sucht man vergebens. Stattdessen werden Kundinnen und Kunden je nach Markt individuell informiert – ein Verfahren, das effizient wirkt, aber auch Fragen aufwirft. Denn Transparenz sieht anders aus.

    In Werkstätten dürfte es in den kommenden Wochen jedenfalls geschäftig zugehen. Die betroffenen Fahrzeuge müssen überprüft, möglicherweise Bauteile ersetzt oder angepasst werden. Für die Halter bedeutet das Aufwand, Termine, vielleicht auch Verunsicherung. Man fährt schließlich nicht gern mit dem Gedanken, dass unter der Haube ein potenzielles Risiko schlummert.

    Und doch gehört genau das zum Wesen moderner Mobilität. Autos sind längst keine rein mechanischen Gebilde mehr, sondern komplexe Systeme aus Elektronik, Software und fein abgestimmten Komponenten. Wo viele Schnittstellen existieren, steigt auch die Fehleranfälligkeit.

    Stellantis reagiert – und das vergleichsweise früh. In einer Branche, in der Vertrauen eine stille Währung darstellt, zählt nicht nur die Fehlerfreiheit, sondern der Umgang mit Fehlern.

    Oder, salopp gesagt: Entscheidend ist nicht, ob etwas schiefläuft. Sondern wie schnell man es wieder geradebiegt.

    Von C. Hatty

  • GPS-Tracker: Wie Autodiebe mit Hightech auf Beutezug gehen

    GPS-Tracker: Wie Autodiebe mit Hightech auf Beutezug gehen

    Alle vier Minuten verschwindet in Frankreich ein Auto. Spurlos? Nicht ganz. GPS-Tracker haben sich als Wunderwaffe im Kampf gegen Autodiebstahl etabliert. Doch dieselbe Technologie, die für Sicherheit sorgen soll, wird immer öfter von Kriminellen zweckentfremdet. Willkommen im digitalen Katz-und-Maus-Spiel um vier Räder. Genial oder gefährlich? GPS-Tracker sind kleine, unauffällige Geräte. Kaum größer als ein Smartphone-Akku, aber mit enormer Wirkung. Sie senden regelmäßig den Standort eines Fahrzeugs – in Echtzeit und auf wenige Meter genau. Für Bestohlene ein Segen: Anbieter wie Coyote Secure erreichen Wiederbeschaffungsquoten von über 90 % innerhalb von nur 48 Stunden. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Fast. Denn wo Schutz ist, ist Missbrauch nicht weit. Immer häufiger berichten Autobesitzer von GPS-Trackern, die nicht zur Sicherheit, sondern zur Vorbereitung eines Diebstahls angebracht wurden. Unbemerkt unter dem Auto versteckt, spähen sie die Bewegungsmuster aus – bis der perfekte…

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  • Versteckte Gefahr im Auto: Airbag-Skandal weitet sich aus – Klage gegen BMW, Mercedes, Toyota und VW

    Versteckte Gefahr im Auto: Airbag-Skandal weitet sich aus – Klage gegen BMW, Mercedes, Toyota und VW

    Es liest sich wie ein Krimi auf vier Rädern: BMW, Mercedes-Benz, Toyota und Volkswagen stehen wegen mutmaßlicher Täuschung und Gefährdung von Menschenleben wahrscheinlich bald vor Gericht. Der Vorwurf: Die Konzerne sollen wissentlich Fahrzeuge mit gefährlichen Takata-Airbags verkauft haben – und das über Jahre hinweg.

    Was steckt dahinter?

    Die Verbraucherschutzorganisation UFC-Que Choisir hat am 19. Mai offiziell Strafanzeige gegen die vier Automobilriesen eingereicht. Die Liste der Vorwürfe wiegt schwer: Irreführende Geschäftspraktiken, schwere Täuschung und vorsätzliche Gefährdung des Lebens anderer. In der Mitte dieses explosiven Skandals: die berüchtigten Airbags des japanischen Herstellers Takata.

    Diese Airbags bergen laut UFC-Que Choisir seit über zehn Jahren ein enormes Risiko. Im Fall eines Unfalls können sie unkontrolliert explodieren und dabei Metallteile durch das Fahrzeug schleudern. Selbst bei vergleichsweise leichten Kollisionen könnten dadurch tödliche Verletzungen entstehen. Und dennoch, so die Kritik, hätten die betroffenen Hersteller nur zögerlich und unzureichend auf diese Bedrohung reagiert.

    Ein Skandal mit Ansage

    Die Geschichte dieser defekten Airbags ist alles andere als neu. Weltweit sorgten sie bereits für Millionen Rückrufe – und mehrere Todesfälle. Doch laut UFC-Que Choisir sollen die betroffenen Autobauer nicht nur zu spät gehandelt haben, sondern sogar weiterhin Fahrzeuge mit den gefährlichen Bauteilen produziert haben. Einige Modelle seien bis 2017, in Einzelfällen sogar noch bis Juni 2020 mit Takata-Airbags ausgestattet worden – obwohl die Risiken und laufenden Rückrufaktionen längst bekannt waren.

    Man stelle sich das einmal vor: Während man sich anschnallt und sich in Sicherheit wiegt, tickt in der Mitte des Lenkrads möglicherweise eine Zeitbombe.

    Worum geht es wirklich?

    Hier geht es nicht um ein paar fehlerhafte Bauteile. Es geht um die Frage, ob weltweit agierende Konzerne bereit waren, aus Kostengründen oder Bequemlichkeit potenziell tödliche Risiken in Kauf zu nehmen – und ihre Kunden im Unklaren ließen. Die Anzeigen gegen Citroën und Stellantis im Januar dieses Jahres sowie ein tragischer Todesfall Ende März in Guadeloupe zeigen, dass die Gefahr alles andere als gebannt ist.

    Ein echtes Armutszeugnis, wenn man bedenkt, dass es im Automobilbau um Vertrauen, Sicherheit und technische Präzision geht.

    Die Rolle der Politik

    Die Verbraucherschützer fordern nun eine umfassende Aufklärung. Eine parlamentarische Untersuchungskommission soll ins Leben gerufen werden, um das ganze Ausmaß des Skandals ans Licht zu bringen. „Es ist an der Zeit, dass jeder Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen wird“, betont Marie-Amandine Stévenin, Präsidentin der UFC-Que Choisir.

    Und das ist mehr als verständlich. Denn solange gefährliche Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind, ist niemand wirklich sicher.

    Was bedeutet das für die Verbraucher?

    Die betroffenen Autobesitzer sehen sich nun zwischen Unsicherheit und Ärger. Viele wissen womöglich gar nicht, dass ihr Fahrzeug gefährliche Airbags enthält. Die Rückrufe seien laut UFC-Que Choisir zu spät erfolgt – teils sogar ohne klare Information an die Halter. Eine inakzeptable Situation, wenn man bedenkt, dass es hier um Menschenleben geht.

    Da stellt sich doch die Frage: Wie konnte es überhaupt so weit kommen?

    Die Verantwortlichkeit der Hersteller

    Während einige Hersteller das Problem inzwischen offensiver kommunizieren und Fahrzeuge zurückrufen, werfen die Vorwürfe der UFC-Que Choisir ein grelles Schlaglicht auf die internen Abläufe großer Autobauer. Wurde bewusst weggeschaut? Oder hat man gehofft, dass sich das Problem von selbst erledigt?

    Klar ist: Vertrauen ist schnell verspielt – gerade wenn die Sicherheit auf dem Spiel steht. Und wer seine Kunden wissentlich gefährdet, muss sich nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch moralisch verantworten.

    Wie geht es jetzt weiter?

    Die Klage gegen BMW, Mercedes, Toyota und Volkswagen könnte eine Lawine lostreten. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohen empfindliche Strafen, ein gewaltiger Imageschaden und mögliche Schadenersatzforderungen. Und auch politisch dürfte das Thema Wellen schlagen.

    Denn eines ist sicher: Dieser Skandal ist noch lange nicht ausgestanden.

    Von Andreas M. Brucker