Schlagwort: Europa

  • Europas radikale Rechte stilisiert Charlie Kirk zum Märtyrer – und andere World-News

    Europas radikale Rechte stilisiert Charlie Kirk zum Märtyrer – und andere World-News

    In den vergangenen Jahren zeigten sich die rechtspopulistischen Bewegungen in Europa von Land zu Land ziemlich unterschiedlich. In Italien stand das Thema Migration im Zentrum. In Frankreich dominierten Klagen über den Verrat der städtischen Eliten an der ländlichen Bevölkerung. Polnische Nationalisten wiederum beschäftigten sich nahezu obsessiv mit allem, was mit L.G.B.T.Q. zu tun hatte.

    Im Jahr 2019 reiste Steve Bannon, seinerzeit Chefideologe im Umfeld von Präsident Trump, durch Europas Hauptstädte mit dem Ziel, die Kräfte der extremen Rechten zu einen. Dieses Vorhaben verlief im Sande. Doch mittlerweile scheint sich da eine bemerkenswerte Änderung zu vollziehen.

    Nach dem Attentat auf den US-amerikanischen rechtskonservativen Aktivisten Charlie Kirk gab es eine Kundgebung der radikalen Rechten in Madrid, gemeinsam mit Parteivertretern aus ganz Europa und darüber hinaus.

    Es gab natürlich die üblichen Themen, die auf solchen Veranstaltungen immer wieder auftauchen: Migration, nationale Souveränität, die „bedrohliche“ Europäische Union. Doch das neue, alles dominierende Thema war diesmal Charlie Kirk. Das überrascht nicht wirklich – viele der europäischen rechtsextremen Parteien pflegen schon seit Jahren, teils Jahrzehnten, eine Erzählung von politischer Verfolgung. Das Attentat auf Kirk wurde sofort als unumstößlicher Beleg für diese angebliche Verfolgung interpretiert. Europäische Rechtspopulisten sind offen der Meinung, man müsse Kirk nun „nutzen“, um politische Mobilisierung zu betreiben.

    Könnte Charlie Kirk posthum das erreichen, woran Bannon scheiterte?

    Bannon wollte damals Politiker für eine Initiative gewinnen, die er „The Movement“ nannte. Einer der Gründe, warum das nicht funktionierte, war, dass viele Europäer das Gefühl hatten, es gehe dabei in erster Linie um Bannon selbst. Charlie Kirk hingegen hatte eine viel organischere Verbindung zur europäischen Rechten, besonders zur jungen Generation. Er war auf ihren Handys präsent, übersetzt in ihre jeweiligen Sprachen. Dass jemand, den man irgendwie persönlich kannte, vor laufender Kamera getötet wurde – das hat eine enorme Wirkung. Und, dass dies in Amerika passiert, ist von Bedeutung. Denn die USA haben mittlerweile eine Führungsrolle im globalen rechtspopulistischen Raum übernommen.

    Insgesamt ist das ein Ausdruck dafür, dass das rechtsextreme Parteiensystem inzwischen global deutlich stärker vernetzt ist. Das liegt einerseits an sozialen Medien – an der globalen Wirkung von Plattformen wie X, Instagram und YouTube. Andererseits spiegelt es eine gezielte Strategie wider: Die rechten Parteien wollen näher zusammenrücken. Sie treten bewusst gegenseitig auf ihren Veranstaltungen auf. Sie teilen die gleichen politischen Themen – und dieselbe, strategisch nützliche Mythologie der Opferrolle. All das führt dazu, dass ein Ereignis von der Tragweite des Attentats auf Charlie Kirk weit über die USA hinaus wirkt – bis tief hinein nach Europa und darüber hinaus.


    TOP-MELDUNGEN

    Maximaler Pomp für Trump im Vereinigten Königreich
    Am ersten Tag seines Staatsbesuchs in Großbritannien nahmen Präsident Trump und seine Frau Melania an einem opulenten Staatsbankett auf Schloss Windsor teil. König Charles III. würdigte die „besondere Beziehung“ zwischen dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten. Trump bezeichnete den Besuch seinerseits als eine der „größten Ehren“ seines Lebens.
    „Der Präsident schien rundum zufrieden“, da waren sich die Beobachter einig. Ziel der britischen Seite: Trump gegenüber Premierminister Keir Starmer bei den heute anstehenden Verhandlungen milde zu stimmen.
    Nicht alle im Land teilten diese Einstellung: Tausende Demonstranten versammelten sich in London und protestierten gegen den Besuch.

    Proteste in Nepal
    Bei Protesten in Nepal kam es zu Brandanschlägen. Dabei wurden Regierungsgebäude, wichtige Gerichtsakten und sogar Dokumente zu internationalen Abkommen und Staatsinvestitionen zerstört.


    WEITERE NACHRICHTEN

    • USA: Der Sender ABC hat die Late-Night-Show von Jimmy Kimmel auf unbestimmte Zeit abgesetzt, nachdem ein Trump-Vertrauter dem Sender wegen Kimmels Kommentaren zur Ermordung Charlie Kirks Konsequenzen angedroht hatte.
    • Aleksei Nawalny: Die Organisation und die Witwe des russischen Oppositionsführers präsentierte neue Beweise, wonach Nawalny in der Haft vergiftet worden sei.
    • Gaza: Das israelische Militär kündigte eine neue Evakuierungsroute aus Gaza-Stadt an. Der Druck wächst angesichts Hunderttausender Palästinenser, die sich dort noch aufhalten.
    • USA: Die US-Notenbank senkte den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt – die erste Zinssenkung seit Dezember, trotz gemischter Wirtschaftssignale.
    • Rohstoffe: Die US-Regierung kündigte Investitionen in Höhe von 75 Millionen US-Dollar an, um den Abbau von Mineralien in der Ukraine zu beginnen.
    • Zölle: Donald Trump rief Indiens Premierminister Narendra Modi an, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Beobachter in Indien werten dies als mögliches Signal für ein neues Handelsabkommen.
    • Klima: Steigen die Temperaturen weiter, könnten laut einer Studie bis zum Ende des Jahrhunderts fast alle Korallen im Atlantik ihr Wachstum einstellen und der Erosion anheimfallen.
    • Protest: Einer der Gründer von Ben & Jerry’s trat zurück. Er erklärte, das soziale Engagement der Marke sei unter Unilevers Kontrolle „zum Schweigen gebracht“ worden.

    Autor: P. Tiko

  • Frankreich im Rückstand: Die Mahnung des Rechnungshofes zur ökologischen Wende

    Frankreich im Rückstand: Die Mahnung des Rechnungshofes zur ökologischen Wende

    Die französische Cour des comptes (Rechnungshof) hat in ihrem ersten Jahresbericht zur ökologischen Transition ein deutliches Urteil gefällt: Die bisherigen Anstrengungen des Landes reichen nicht aus, um die selbstgesteckten Klimaziele zu erreichen. Mit jedem Jahr des Zögerns steigt nicht nur der ökologische, sondern auch der ökonomische Preis.

    Ein Befund der Verzögerung

    Die oberste Rechnungskontrollbehörde beschreibt eine „degradierte“ Umwelt- und Klimasituation: steigende Temperaturen, anhaltende Luft- und Bodenverschmutzung, Biodiversität im Rückgang. Seit 1990 sind die Treibhausgasemissionen Frankreichs zwar deutlich gesunken, doch das Tempo der Reduktion hat zuletzt spürbar nachgelassen. Damit gerät das Ziel, die Emissionen bis 2030 um 55 Prozent zu reduzieren und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, zunehmend außer Reichweite.

    Das zentrale Argument der Prüfer lautet, dass der Preis des Nichthandelns langfristig deutlich höher ausfallen wird als die Kosten einer entschlossenen Umstellung. Klimabedingte Schäden wie Dürren, Überschwemmungen oder Produktivitätsverluste könnten innerhalb einer Generation das Wachstum massiv belasten.

    Strukturelle Schwächen in der Steuerung

    Die Cour des comptes sieht die Verantwortung vor allem in der politischen und institutionellen Umsetzung. Zwar verfügt Frankreich mit der Stratégie nationale bas carbone (SNBC) über eine verbindliche Roadmap, doch fehlt es an klaren sektoralen Zielvorgaben. Die Rolle des Secrétariat général à la planification écologique, das als Koordinationsinstanz geschaffen wurde, sei bislang zu schwach ausgestaltet, um den notwendigen Einfluss auf Ministerien und Regionen auszuüben.

    Hinzu kommt die mangelnde Verzahnung zwischen ökologischer Planung und Finanzpolitik. Klimapolitische Zielsetzungen werden bislang nicht konsequent in den Haushalts- und Investitionsentscheidungen abgebildet. Gerade in Zeiten angespannter Staatsfinanzen steigt dadurch die Gefahr, dass die ökologischen Vorhaben hinter kurzfristigen fiskalischen Prioritäten zurücktreten.

    Die Finanzierungsfrage

    Die Regierung hat 2024 erstmals eine mehrjährige Finanzstrategie für die ökologische Transition vorgelegt. Doch bleibt sie nach Ansicht der Prüfer zu unverbindlich und wurde unzureichend in die Haushaltsplanung eingeflochten. Die Empfehlung lautet daher, die Finanzierungsstrategie künftig bereits im Frühjahr vorzulegen, sodass Parlament und Regierung sie frühzeitig in den Etat für das Folgejahr einarbeiten können.

    Zugleich macht der Bericht klar, dass ein verlässlicher Finanzierungsrahmen nicht nur eine Frage des Staatshaushaltes ist, sondern auch der Glaubwürdigkeit gegenüber Investoren und Bürgern. Ohne klare und planbare Prioritäten drohen Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten, Energieeffizienzprogrammen oder dem Ausbau erneuerbarer Energien.

    Herausforderungen in den Sektoren

    Besonders problematisch sind jene Bereiche, die hohe Emissionen aufweisen und nur langsam umzustellen sind:

    • Transport: Frankreich hängt immer noch zu stark vom Individualverkehr ab, während der Schienenausbau stagniert.
    • Gebäudesektor: Die energetische Sanierung von Wohnhäusern schreitet trotz Förderprogrammen nur schleppend voran.
    • Agrarwirtschaft: Die Reduktion von Methan- und Stickstoffemissionen erfordert strukturelle Veränderungen in Viehzucht und Düngereinsatz.
    • Industrie: Bestimmte energieintensive Branchen verfügen noch nicht über ausreichend ausgereifte Technologien zur Dekarbonisierung.

    In allen Bereichen gilt: Je später die Transformation beginnt, desto teurer wird sie ausfallen.

    Mehr Verantwortung für die Regionen

    Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die mangelnde Einbindung der Regionen und Kommunen. Viele Maßnahmen – vom Ausbau des Nahverkehrs über die Energieplanung bis hin zur Anpassung an den Klimawandel – werden auf lokaler Ebene umgesetzt. Ohne eine enge Verzahnung zwischen nationaler Strategie und territorialen Plänen drohen Doppelstrukturen, Ineffizienz und Verzögerungen.

    Ein Wettlauf gegen die Zeit

    Der Bericht verdeutlicht, dass Frankreich an einem Scheideweg steht. Die ökologischen, ökonomischen und institutionellen Dimensionen der Energiewende sind untrennbar miteinander verknüpft. Der Staat muss seine Steuerungsfähigkeit stärken, die Finanzierungsstrukturen absichern und die Zusammenarbeit mit den Regionen intensivieren.

    Je länger die Politik zaudert, desto höher wird der Preis – für den Staatshaushalt ebenso wie für die Gesellschaft. Die Cour des comptes formuliert es nüchtern, aber unmissverständlich: Der Übergang zur Klimaneutralität ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Der entscheidende Faktor ist die Zeit.

    Autor: P. Tiko

  • Olivier Faure und die Zucman-Steuer: Eine Weichenstellung für mehr Steuerfairness in Frankreich

    Olivier Faure und die Zucman-Steuer: Eine Weichenstellung für mehr Steuerfairness in Frankreich

    Der Erste Sekretär der Parti socialiste (PS), Olivier Faure, hat am 15. September 2025 betont: „Ich bin bereit, 100 Milliarden Euro zu realisieren, wenn Sie sie bei denen holen, die es verkraften können.“ Gemeint ist damit die sogenannte Zucman-Steuer – eine Initiative, die die französische Steuerpolitik in eine neue Richtung lenken könnte. Im Kern geht es um die Frage, wie Lasten im Staatshaushalt fairer verteilt werden sollen und welchen Beitrag die Reichsten der Gesellschaft leisten müssen.

    Die Zucman-Steuer: Konzept und politische Herkunft Die Idee geht auf den französischen Ökonomen Gabriel Zucman zurück, der seit Jahren die globale Steuerungerechtigkeit untersucht und Reformvorschläge zur Besteuerung großer Vermögen entwickelt. Konkret sieht die Zucman-Steuer einen Mindeststeuersatz von 2 % auf Nettovermögen ab 100 Millionen Euro vor. Damit soll ein Gegengewicht geschaffen werden zu den steuerlichen Gestaltungsspielräumen, die es Superreichen ermöglichen, effektiv weitaus gering…

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  • Frankreich im Fadenkreuz russischer Einflussnahme: Der stille Krieg im Informationszeitalter

    Frankreich im Fadenkreuz russischer Einflussnahme: Der stille Krieg im Informationszeitalter

    Die Angriffe kommen nicht mit Panzern, sondern mit Posts, nicht mit Bomben, sondern mit Bots. Frankreich erlebt seit Monaten eine Welle von Einmischungen aus Moskau – eine hybride Kriegsführung, die auf leisen Sohlen daherkommt, aber laute Spuren hinterlässt. Ihr Ziel: das Vertrauen in die Demokratie zu erschüttern und die Gesellschaft zu spalten.


    Ein Arsenal aus Propaganda, Lügen und Suggestion

    Seit Beginn des Jahres 2025 beobachten die französischen Behörden eine deutliche Zunahme russischer Desinformationskampagnen. Die Methoden sind altbekannt, doch die Kanäle vielfältiger denn je: anonyme Webseiten, Netzwerke von Social-Media-Accounts, gezielt platzierte Beiträge in staatsnahen Medien. Immer mit dem gleichen Zweck – Moskaus Positionen zu verstärken, westliche Regierungen zu diskreditieren und die öffentliche Meinung zu verunsichern.


    Digitale Front: Hackerangriffe auf sensible Ziele

    Während die Desinformation das Vertrauen der Öffentlichkeit angreift, richtet sich die zweite Säule der russischen Strategie gegen die Infrastruktur des Staates. Französische Diplomaten und Botschaften gerieten ins Visier professioneller Hackergruppen, die mutmaßlich direkt mit russischen Geheimdiensten verknüpft sind.

    Mit raffinierten Phishing-Methoden und Schadsoftware versuchten sie, in sensible Netzwerke einzudringen. Ihr Ziel: Informationen abgreifen, Kommunikationswege ausforschen, diplomatische Verhandlungspositionen schwächen. Cyberkrieg – unsichtbar für die Mehrheit der Bevölkerung, aber mit potenziell massiven Folgen für die nationale Sicherheit.


    Frankreich schlägt zurück – im digitalen Raum

    Frankreich bleibt nicht untätig. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Dienst VIGINUM, der dem Generalsekretariat für Verteidigung und nationale Sicherheit untersteht. Seine Aufgabe: das Netz durchkämmen, Manipulationskampagnen identifizieren und deren Mechanismen öffentlich machen.

    Im Mai 2025 zeigte die französische Diplomatie klare Kante. Sie prangerte das Netzwerk „Storm-1516“ an – eine orchestrierte Struktur, die allein 77 gezielte Informationsoperationen gegen Frankreich und seine Partner gefahren haben soll. Eine offene Verurteilung, die deutlich macht: Paris will die Schattenangriffe nicht länger stillschweigend hinnehmen.


    Eine Demokratie im Stresstest

    Die eigentliche Gefahr dieser hybriden Kriegsführung liegt nicht in einem einzelnen Hackerangriff oder einer einzigen gefälschten Nachricht. Sie liegt in der schleichenden Erosion des Vertrauens. Wenn Bürger beginnen, an den Institutionen, den Medien, ja an der Demokratie selbst zu zweifeln, dann erreicht der Gegner sein Ziel.

    Russische Einmischung will nicht überzeugen, sie will spalten. Sie will die Gesellschaft polarisieren, den öffentlichen Diskurs vergiften, Misstrauen säen. Kurz: Sie setzt darauf, dass Demokratien an sich selbst zerbrechen.


    Der Blick nach vorn: Wachsamkeit statt Naivität

    Frankreich steht vor wichtigen politischen Weichenstellungen, darunter nationale Wahlen. Je näher diese rücken, desto attraktiver wird das Land für ausländische Einflussoperationen. Behörden warnen, dass mit neuen Angriffswellen gerechnet werden muss – subtil, orchestriert, schwer nachweisbar.

    Doch die Antwort darauf liegt nicht nur in Technologie und staatlicher Überwachung. Sie liegt auch im Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger. Wer gelernt hat, Manipulation zu erkennen, fällt ihr seltener zum Opfer. Wer sich nicht vorschnell von Empörung treiben lässt, entzieht den Angreifern die Munition.

    Oder, um es bildlich zu sagen: Gegen die Flut von Desinformation hilft kein Damm allein – nur ein wacher, kritischer Geist kann die Brandung brechen.

    Autor: C.H.

  • Frankreichs finanzpolitisches Dilemma: Wenn Schulden zum Risiko für die Souveränität werden

    Frankreichs finanzpolitisches Dilemma: Wenn Schulden zum Risiko für die Souveränität werden

    Die jüngste Herabstufung der französischen Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Fitch hat die Fragilität der zweitgrössten Volkswirtschaft der Eurozone schonungslos offengelegt. Von „AA-“ auf „A+“ reduziert, signalisiert das Urteil nicht nur steigende Zweifel an der Tragfähigkeit der französischen Staatsfinanzen. Es macht auch sichtbar, wie sehr fiskalische Schwäche und politische Instabilität in Frankreich mittlerweile ineinandergreifen. Ein Staat im Dauerdefizit Frankreichs öffentliche Verschuldung hat Ende 2024 mit 113,9 Prozent des Bruttoinlandprodukts einen historischen Höchststand erreicht und könnte nach Projektionen internationaler Finanzinstitute bis 2026 auf 118 Prozent anwachsen (Financial Times, 2025). Seit Jahren gelingt es Paris nicht, die Ausgabenlast zu zügeln. Selbst im konjunkturell robusteren Umfeld vor der Pandemie lagen die Defizite deutlich über den europäischen Referenzwerten. Die jüngste Verschärfung ist auf eine Kombination von Faktoren zurückzuführen: gros…

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  • Instabile Republik: Frankreichs Wirtschaft im Wartestand

    Instabile Republik: Frankreichs Wirtschaft im Wartestand

    Frankreich erlebt in diesem Herbst 2025 eine der schwersten politischen Krisen seit Jahren. Nach dem Scheitern des Haushaltsplans und dem Rücktritt der Regierung Bayrou steht das Land weiterhin vor einer Phase unklarer Mehrheitsverhältnisse. Parallel dazu gewinnt die Protestbewegung „Bloquons tout“ an Zulauf, die mit Blockaden und Streiks den Alltag in Frankreich lähmen will. In diesem Klima wächst die Sorge der Unternehmer – nicht nur um ihre Bilanzen, sondern auch um die grundsätzliche Handlungsfähigkeit des Staates. Vertrauensverlust in der Wirtschaft Das Scheitern des Haushalts in der Nationalversammlung hat die angespannte Lage weiter verschärft. Die Unternehmenswelt sieht darin weniger ein isoliertes politisches Ereignis, sondern ein Symptom tieferliegender Dysfunktion. Philippe Malaval, Chef des Mittelständlers Vassel Graphique, brachte die Stimmung auf den Punkt: „Es ist eine Katastrophe für die Unternehmen. Diese Unsicherheit wird nur eine Folge haben: eine rückläufige Aktivit…

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  • Verjüngung in der Krise: Frankreich setzt auf Sébastien Lecornu

    Verjüngung in der Krise: Frankreich setzt auf Sébastien Lecornu

    Am 9. September 2025 ernannte Präsident Emmanuel Macron den bisherigen Verteidigungsminister Sébastien Lecornu zum neuen Premierminister. Die Entscheidung folgte unmittelbar auf den Rücktritt von François Bayrou, dessen Regierung an einem gescheiterten Vertrauensvotum im Parlament zerbrach. Mit 39 Jahren übernimmt Lecornu das Amt als zweitjüngster Premierminister (nach Gabriel Attal) in der Geschichte der Fünften Republik – ein Signal für Erneuerung, das zugleich die Fragilität des politischen Systems offenlegt. Ein Karrierist zwischen Tradition und Aufbruch Lecornu begann seine Laufbahn in den Reihen der konservativen Républicains, ehe er 2017 ins Lager Macrons wechselte. Von da an durchlief er eine rasante Karriere: zunächst Staatssekretär, später Minister für Überseegebiete und zuletzt Verteidigungsminister. Seine Verwaltungserfahrung ist breit gefächert, seine politische Handschrift pragmatisch. In Guadeloupe wie auch während der Gelbwesten-Krise sammelte er Erfahrungen im Umgang m…

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  • Frankreich taumelt – und Europa schaut besorgt nach Paris

    Frankreich taumelt – und Europa schaut besorgt nach Paris

    Der Sturz der Regierung François Bayrou hat Frankreich in eine politische Krise von historischem Ausmaß gestürzt. Mit 364 Gegenstimmen bei nur 194 Zustimmungen verweigerte die Nationalversammlung am 8. September 2025 dem Premierminister das Vertrauen – ein deutliches Zeichen für die strukturellen Spannungen innerhalb des politischen Systems. Die Auswirkungen dieser Zäsur reichen weit über Paris hinaus. Besonders in Italien, traditionell selbst ein Brennpunkt politischer Instabilität, wächst die Sorge vor einer „Ansteckung“ in der Europäischen Union. In Rom schrillen die Alarmglocken Dass die politischen Verwerfungen in Paris in Italien besondere Aufmerksamkeit erhalten, ist kein Zufall. Jahrzehntelang galt Italien als der Inbegriff institutioneller Fragilität in Europa: häufig wechselnde Regierungen, fragile Koalitionen und ein tiefes Misstrauen der Bürger gegenüber ihren politischen Eliten. Heute jedoch hat sich das Bild gewandelt – zumindest oberflächlich. Die Regierung von Giorgia M…

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  • Frankreichs Regierungskrise: Bayrou überreicht heute sein Rücktrittsschreiben

    Frankreichs Regierungskrise: Bayrou überreicht heute sein Rücktrittsschreiben

    Am 9. September 2025 tritt François Bayrou offiziell von seinem Amt als Premierminister zurück – nur neun Monate nach seiner Ernennung. Der 72-Jährige war am Vortag im Parlament spektakulär gescheitert: Mit 364 Stimmen gegen 194 verweigerte die Nationalversammlung seinem Sparprogramm die Zustimmung. Damit wurde erstmals in der Geschichte der Fünften Republik ein Premierminister unmittelbar durch ein Vertrauensvotum gestürzt. Die Niederlage markiert nicht nur das Ende einer kurzen Amtszeit, sondern verweist auf eine institutionelle Schieflage, die Frankreichs politische Ordnung nachhaltig herausfordert. Vier Regierungen in nur drei Jahren sind an der zersplitterten Parteienlandschaft gescheitert. Präsident Emmanuel Macron, selbst geschwächt und ohne parlamentarische Basis, steht vor der schwierigen Aufgabe, einen neuen Premierminister zu ernennen – und gleichzeitig die Glaubwürdigkeit seiner Präsidentschaft zu wahren.

    Das Scheitern des Bayrou-Plans Im Zentrum der Auseinandersetzung sta…

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  • Eine westliche Schutzmacht für die Ukraine?

    Eine westliche Schutzmacht für die Ukraine?

    26 Staaten planen eine „Reassurance Force“ nach Kriegsende – doch viele Fragen bleiben offen In einer internationalen Konferenz am 4. September 2025 in Paris erklärten 26 westliche Staaten ihre Bereitschaft, sich an der Bildung einer „Reassurance Force“ in der Ukraine zu beteiligen – jedoch erst nach einem formellen Waffenstillstand oder Friedensschluss mit Russland. Die Maßnahme, als sicherheitspolitische Langzeitgarantie konzipiert, soll dazu beitragen, die territoriale Integrität der Ukraine zu bewahren und künftige russische Aggressionen abzuschrecken, ohne selbst offensiv einzugreifen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron betonte bei der Bekanntgabe, diese Mission sei nicht als Angriffsbündnis zu verstehen, sondern diene der Stabilisierung und dem Schutz. Auch solle sie ausschließlich im Einklang mit internationalem Recht und einem ukrainischen Ersuchen erfolgen. Die Initiative, an der sich unter anderem Deutschland, Polen, Italien, Kanada und das Vereinigte Königreich beteiligen…

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