Schlagwort: Erneuerbare Energien

  • Kommentar: Es geht also doch. Ihr könnt es doch – wenn Ihr nur wollt.

    Kommentar: Es geht also doch. Ihr könnt es doch – wenn Ihr nur wollt.

    Was in Cannes gerade passiert, fühlt sich an wie ein Aufatmen nach Jahren des Kopfschüttelns. Jahrelang hieß es: zu teuer, zu kompliziert, nicht machbar, unrealistisch. Und jetzt? Jetzt wird einfach gemacht. Ohne Drama, ohne Ausreden, ohne endlose Gipfeltreffen mit warmen Worten und kaltem Kaffee.

    Man nimmt das Meer. Das sowieso da ist. Jeden Tag. Kostenlos. Und nutzt seine Energie, statt weiter Rechnungen an die fossile Vergangenheit zu überweisen. Punkt.

    Und plötzlich fällt dieses hartnäckige Märchen in sich zusammen, das uns immer wieder erzählt wurde: Umweltschutz koste Geld, schade der Wirtschaft, sei Luxus. Nein. Das Gegenteil ist wahr. Wer klug schützt, spart. Wer lokal denkt, wird unabhängiger. Wer investiert, gewinnt langfristig. So simpel, so logisch – und trotzdem so lange ignoriert.

    Das wirklich Erfreuliche daran: Niemand friert. Niemand verzichtet. Niemand zahlt drauf. Im Gegenteil. Die Rechnungen werden kleiner, die Luft sauberer, die Abhängigkeit geringer. Genau so fühlt sich Fortschritt an. Still, effizient, unaufgeregt – und verdammt überzeugend.

    Man möchte den Verantwortlichen fast zurufen: Danke, dass Ihr zeigt, dass es nicht an der Technik scheitert. Nicht am Geld. Nicht am Wissen. Sondern einzig am Willen.

    Cannes hat ihn.
    Andere könnten ihn auch haben.

    Es wäre höchste Zeit.

    Ein Kommentar von C. Hatty

  • Wenn das Mittelmeer die Heizkessel ersetzt – Cannes erfindet sein Energiemodell neu

    Wenn das Mittelmeer die Heizkessel ersetzt – Cannes erfindet sein Energiemodell neu

    Es gibt Momente, in denen große Umbrüche ganz leise beginnen. Ohne politischen Paukenschlag, ohne ideologischen Streit, sondern mit Bauzäunen, Rohren und der nüchternen Logik der Physik. In Cannes geschieht derzeit genau das. Die Stadt, weltberühmt für rote Teppiche und Blitzlichtgewitter, nutzt künftig eine Ressource, die bisher eher als Kulisse galt: das Wasser des Mittelmeers. Nicht zum Schwimmen, nicht zur Dekoration – sondern zum Heizen. Auf der Croisette, dieser ikonischen Promenade zwischen Palmen, Palästen und Prestige, wird die Straße geöffnet und Leitungen verlegt. Was nach gewöhnlicher Baustelle aussieht, markiert einen bemerkenswerten Schritt der kommunalen Energiewende. In rund einem Jahr sollen 330 Wohnungen der Résidence du Parc de la Croisette vollständig ohne Gas auskommen. Keine Flamme mehr im Keller, keine Wartungsverträge, keine Abhängigkeit von fossilen Importen. Stattdessen: Meerwasser. Die Idee klingt zunächst fast poetisch, ist aber technisch präzise. In wenigen…

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  • Strompreise unter Druck: Frankreichs Regierung sucht Wege zur Senkung der Energieausgaben

    Strompreise unter Druck: Frankreichs Regierung sucht Wege zur Senkung der Energieausgaben

    Steigende Stromrechnungen sorgen in Frankreich erneut für politischen Handlungsdruck. Mit dem nahenden Winter verschärft sich die finanzielle Belastung vieler Haushalte – insbesondere jener mit niedrigem Einkommen oder Rente. Die Regierung von Premierminister Sébastien Lecornu nimmt dies zum Anlass, eine umfassende Neuausrichtung der Energiepolitik zu prüfen. Im Zentrum steht die Hoffnung auf sinkende Strompreise – für Verbraucher wie für Unternehmen. Muriels Fall ist bezeichnend. Die Rentnerin zahlt derzeit rund 60 Euro pro Monat für Strom – eine Summe, die angesichts der Teuerung der letzten Jahre zur Belastung geworden ist. Um ihre Ausgaben zu reduzieren, nutzt sie gezielt die sogenannten „heures creuses“, also die günstigeren Nachtstromzeiten, und schränkt ihren Warmwasserverbrauch drastisch ein. „Ich spare schon maximal“, erklärt sie im Gespräch mit dem Sender France 2. Ihre Situation steht exemplarisch für viele Französinnen und Franzosen, die an den Grenzen individueller Sparmaß…

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  • Kann die Welt den Klimawandel ohne Amerika bekämpfen?

    Kann die Welt den Klimawandel ohne Amerika bekämpfen?

    In dieser Woche treffen sich Regierungsvertreter aus aller Welt am Rand des Amazonasgebiets in Belém, Brasilien, zu ihren jährlichen Klimagesprächen. Doch die Teilnehmerliste ist auffallend klein.

    Die Staats- und Regierungschefs von China, Russland und Japan werden nicht anwesend sein. Auch die Führungsspitzen von Australien, Indonesien und der Türkei fehlen. Die auffälligste Abwesenheit jedoch betrifft die Vereinigten Staaten. Zum ersten Mal seit dem Beginn der internationalen Klimaverhandlungen vor 30 Jahren wird die US-Regierung keine hochrangigen Vertreter entsenden.

    Die Grundidee solcher Treffen ist, dass der Klimawandel keine nationalen Grenzen kennt und nur durch gemeinsames Handeln bekämpft werden kann. Doch kann die Welt das ohne die USA leisten?

    Einigermaßen gute Nachrichten

    Vor zehn Jahren einigten sich in Paris nahezu alle Staaten auf ein gemeinsames Ziel: Der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur sollte deutlich unter zwei Grad Celsius gehalten werden, möglichst nahe bei 1,5 Grad – bezogen auf das vorindustrielle Niveau.

    Die einigermaßen gute Nachricht: Das Wachstum der Emissionen hat sich verlangsamt, und die Kurve der globalen Erwärmung hat sich im letzten Jahrzehnt leicht abgeflacht. Wenn alle Länder an ihren derzeitigen Klimapolitiken festhalten, wird ein Temperaturanstieg von 2,5 bis 2,9 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts erwartet – immer noch dramatisch, aber deutlich besser als die Aussichten vor zehn Jahren.

    Das Pariser Abkommen trat im November 2016 in Kraft – nur wenige Tage vor der ersten Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Trump bezeichnete den Klimawandel wiederholt als „Schwindel“ und befindet sich aktuell zum zweiten Mal im Rückzugsprozess aus dem Pariser Abkommen.

    In Trumps zweiter Amtszeit hat die US-Regierung nicht nur die eigenen Verpflichtungen zur Reduzierung fossiler Brennstoffe aufgegeben, sondern auch aktiv Maßnahmen anderer Länder blockiert – etwa ein internationales Abkommen zur Begrenzung der Plastikproduktion aus Erdöl sowie die geplante Einführung einer globalen Steuer auf Emissionen aus der Schifffahrt.

    Aber: Möglicherweise sind Fortschritte im Klimaschutz ohne die USA sogar einfacher zu erzielen.

    Die Vereinigten Staaten sind immer noch der größte Ölproduzent und der größte Exporteur von Erdgas weltweit. Zudem sind sie das reichste Land der Erde – ein entscheidender Faktor: Viele arme Länder, die kaum zur Klimakrise beigetragen haben, sind auf Unterstützung durch wohlhabende Staaten angewiesen, um sich an die Erderwärmung anzupassen und saubere Energien einzuführen.

    China als aufstrebende Klimamacht

    Die Hoffnung ruht nun auf China und den Schwellenländern, die in die Bresche springen sollen.

    China ist derzeit der größte Emittent von Treibhausgasen – gleichzeitig jedoch führend in vielen Bereichen der grünen Energie. Im vergangenen Jahr installierte das Land mehr Windräder und Solarpaneele als der gesamte Rest der Welt zusammen. China dominiert heute den Markt für saubere Technologien – von Patenten über wichtige Rohstoffe bis zu den Exportmärkten – und verkauft seine Produkte weltweit.

    Chinesische Unternehmen bauen Werke für Elektroautos und Batterien unter anderem in Brasilien, Thailand, Marokko und Ungarn.

    Eine besonders aufschlussreiche Kennzahl liefert eine aktuelle Analyse von The Economist: China verdient mittlerweile mehr Geld mit dem Export grüner Technologien, als die USA mit dem Verkauf aller ihrer fossilen Brennstoffe erzielen.

    Bezahlbare, saubere Technologien sind der Schlüssel, um die globale Abhängigkeit von fossilen Energien zu durchbrechen und die Emissionen zu senken. Solarmodule hängen heute an vielen Balkonen in Deutschland und bedecken weite Flächen in der saudischen Wüste wie auch auf dem tibetischen Hochplateau.

    Billige, in China hergestellte Solarpaneele, Batterien und E-Autos ermöglichen Ländern wie Brasilien, Südafrika und Indien den Umstieg. In Indien stammen heute bereits mehr als 50 % der Stromerzeugungskapazität aus Solar-, Wind- oder Wasserkraft.

    Die heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen

    Trotz dieser Fortschritte steigen die Temperaturen weiter. Die vergangenen zehn Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen, und 2024 war das bislang heißeste Jahr. Extreme Hitze forderte Todesopfer unter Wahlhelfern in Indien und unter Pilgern während des Hadsch in Saudi-Arabien.

    Viele Menschen müssen sich bereits an die veränderten Bedingungen auf einem wärmeren Planeten anpassen. In Indien hat eine Frauenorganisation eine Mini-Versicherung entwickelt, die einspringt, wenn die Arbeit wegen extremer Hitze zu gefährlich wird. In Malawi und Uganda testen Landwirte neue, hitzeresistente Anbaupflanzen. Doch wie die Klimareporterin Somini Sengupta berichtet, reicht das Geld bei weitem nicht aus, um die Verwundbarsten zu schützen – nicht einmal ansatzweise.

    In gewisser Weise ist die Frage, ob die Welt den Klimawandel ohne die USA bewältigen kann, also nicht ganz die richtige. Amerika ist ein großes, einflussreiches Land, dessen Entscheidungen das weltweite Geschehen mitprägen. Aber die Klimakrise schreitet voran – und die Welt muss handeln, ob mit oder ohne die Vereinigten Staaten.


    WEITERE TOP-NACHRICHTEN

    Demokraten weichen im US-Haushaltsstreit zurück

    Eine Gruppe demokratischer Senatoren hat am Sonntagabend in Washington das parteieigene Votum zur Blockade eines Übergangshaushalts durchbrochen – und damit den Weg zur Beendigung des längsten Regierungsstillstands in der Geschichte der USA freigemacht.

    Das Kompromisspaket, das mit 60 zu 40 Stimmen im Senat angenommen wurde, würde die Finanzierung der meisten Bundesbehörden bis Januar sicherstellen – allerdings ohne die Ausweitung der Krankenversicherungssubventionen, die die Demokraten zum Kern ihrer Position gemacht hatten.

    Die demokratischen Senatoren, die gemeinsam mit den Republikanern stimmten, sahen sich durch die Folgen des 40-tägigen Shutdowns unter Druck gesetzt: Millionen Amerikaner sind von Kürzungen bei der Lebensmittelhilfe bedroht, zudem drohten massive Störungen im Flugverkehr. Doch das Abkommen rief scharfen Protest bei anderen Demokraten hervor, die verärgert darüber waren, dass ihre Partei nachgegeben hatte.

    Die Wiedereröffnung der Regierungsbehörden dürfte dennoch einige Tage dauern. Das Gesetzespaket muss nach seiner Verabschiedung im Senat im Repräsentantenhaus bestätigt und schließlich noch von Präsident Trump unterzeichnet werden.

    Zwei BBC-Spitzenmanager zurückgetreten

    Tim Davie, Generaldirektor der BBC, und Deborah Turness, Chefin von BBC News, sind am Sonntag überraschend zurückgetreten. Hintergrund sind Vorwürfe, eine BBC-Dokumentation habe eine Rede von Donald Trump irreführend zusammengeschnitten.

    Laut einem durchgesickerten Memo, das der Daily Telegraph veröffentlichte, soll die Panorama-Sendung „Trump: A Second Chance?“ Äußerungen des ehemaligen US-Präsidenten so montiert haben, dass der Eindruck entstand, er habe den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 ausdrücklich befürwortet.

    Das Memo stammte von einem ehemaligen externen Berater des Senders. Er warf der BBC zudem vor, kritische Themen wie Transgender-Rechte nicht ausgewogen zu behandeln und auf BBC Arabic eine Plattform für einen Journalisten geboten zu haben, der antisemitische Äußerungen gemacht habe. Teile der BBC-Führung sehen in den Vorgängen eine gezielte Kampagne politischer Gegner gegen den Sender.


    WEITERE MELDUNGEN

    • Der Taifun Fung-wong ist auf der philippinischen Hauptinsel Luzon auf Land getroffen. Über eine Million Menschen mussten evakuiert werden – nur wenige Tage, nachdem ein vorheriger Sturm über 200 Todesopfer forderte.
    • Die palästinensische Terroroganisation Hamas hat die sterblichen Überreste des israelischen Soldaten Hadar Goldin übergeben, der seit 2014 in Gaza vermisst wurde.
    • Mehrere Großstädte in der Ukraine erlitten Stromausfälle nach einem russischen Angriff mit Raketen und Drohnen auf die Energieinfrastruktur des Landes.
    • China hat angekündigt, für ein Jahr die Ausfuhrbeschränkungen für fünf kritische Mineralien auszusetzen, die für die Herstellung von Halbleitern und anderen Hochtechnologieprodukten benötigt werden.
    • In Teheran haben iranische Behörden mit der Rationierung der Wasserversorgung begonnen – wegen einer anhaltenden schweren Dürre.

    P. Tiko


    Quellen:
    The New York Times (November 2025), The Economist (Oktober 2025), Climate Action Tracker (2025), Daily Telegraph (November 2025), IPCC AR6 (2023)

  • Frankreichs Städte und ihr fossiles Dilemma – warum Amiens, Reims und Strasbourg beim Gasverbrauch ganz oben stehen

    Frankreichs Städte und ihr fossiles Dilemma – warum Amiens, Reims und Strasbourg beim Gasverbrauch ganz oben stehen

    Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen die Temperaturkurve.

    Vier Tage vor dem Start der UN-Klimakonferenz COP30 im brasilianischen Belém hat die Umweltorganisation Les Amis de la Terre einen Bericht veröffentlicht, der Frankreichs Großstädten den fossilen Spiegel vorhält. Darin offenbart sich: Selbst in einem Land, das sich als Vorreiter des ökologischen Wandels versteht, ist die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern – insbesondere Erdgas – nach wie vor erschreckend hoch.

    Und es sind nicht etwa die Metropolen Paris oder Lyon, die am meisten Gas verbrauchen. Es sind Amiens, Reims und Strasbourg – drei Städte, die sich nicht nur durch charmante Altstädte und kalte Winter auszeichnen, sondern auch durch besonders hohe Pro-Kopf-Ausgaben für Gas.

    Ein Ranking, das aufrüttelt

    470 bis 600 Euro pro Jahr und Einwohner – so viel zahlen Menschen in den drei Spitzenreitern durchschnittlich für Gas. Das ist dreimal mehr als in Städten wie Grenoble, Perpignan oder Toulon. Die Gründe? Eine Mischung aus Wohnstruktur, veralteter Heiztechnik und industrieller Nutzung. Denn was hier verheizt wird, geht nicht nur in private Heizkessel. Auch Büros, Rathäuser, Schwimmbäder, Bibliotheken und ganze Industriezweige hängen am Gasnetz.

    Anna-Lena Rebaud, Sprecherin von Les Amis de la Terre, bringt es auf den Punkt: „Es geht nicht nur um die Wohnungen. Auch der öffentliche Sektor und die Industrie haben einen immensen Anteil an diesem Verbrauch.“

    Gas: Sauberer als Kohle, aber nicht harmlos

    Oft wird Gas als das „kleinere Übel“ gegenüber Kohle und Öl dargestellt – mit einem Hauch von Nachhaltigkeit, weil es beim Verbrennen weniger CO₂ ausstößt. Doch das greift zu kurz.

    Denn entlang der gesamten Förder- und Transportkette entweicht Methan – ein Klimakiller, der 80-mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Und Methanlecks sind keine Randnotiz. Sie passieren bei Bohrungen, bei der Lagerung und auf dem Weg durch Pipelines. So wird aus dem vermeintlich sauberen Gas schnell ein echter Klimasünder.

    Dazu kommt die geopolitische Abhängigkeit: Frankreich importiert 98 Prozent seines Gases – unter anderem aus Russland und den USA. Energieautarkie sieht anders aus.

    Das Klima entscheidet sich nicht nur auf Weltgipfeln

    Natürlich blicken viele dieser Tage nach Brasilien, wo sich ab Montag Staats- und Regierungschefs zur COP30 versammeln. Doch der aktuelle Report erinnert daran, dass Klimaschutz nicht nur auf diplomatischen Bühnen stattfindet, sondern auch auf kommunaler Ebene.

    Wer heute durch die Straßen von Strasbourg schlendert, mag sich schwer vorstellen, dass genau hier – zwischen mittelalterlichen Fachwerkhäusern – das Klima so stark belastet wird. Doch genau dort liegt ein Hebel für Veränderung. Denn Städte können handeln: durch energetische Sanierungen, durch den Ausbau von Nahwärmenetzen, durch eine Abkehr von Gasheizungen in öffentlichen Gebäuden.

    Das ist keine ferne Utopie – das ist machbare Politik.

    Vom industriellen Erbe zur ökologischen Wende

    Viele französische Städte tragen bis heute die Last ihrer industriellen Vergangenheit. Gasleitungen aus den 1960ern, schlecht isolierte Plattenbauten aus den 1970ern, ein Energiemix, der jahrzehntelang auf Bequemlichkeit statt Nachhaltigkeit setzte.

    Doch was wäre, wenn genau diese Städte zur Speerspitze der ökologischen Erneuerung würden?

    Wenn in Amiens nicht nur der berühmte gotische Dom, sondern auch modernste Wärmepumpen für Aufsehen sorgen würden? Wenn in Reims, wo man bisher nur vom Champagner spricht, bald Sonnenkollektoren die Dächer zierten? Wenn Strasbourg, als europäische Hauptstadt, auch energetisch Maßstäbe setzte?

    Der CO₂-Fußabdruck beginnt vor der Haustür

    Seit dem 19. Jahrhundert hat sich die durchschnittliche Temperatur der Erde um über 1,1 °C erhöht. Das klingt nach wenig – ist aber ein Erdrutsch. Ein Erdrutsch, der Gletscher schmelzen lässt, Küstenstädte bedroht und landwirtschaftliche Erträge gefährdet. Und: Er ist menschengemacht. Durch unser Konsumverhalten. Durch den Fleischkonsum. Und eben auch durch Heizsysteme in unseren Städten.

    Das Gute daran? Alles davon ist veränderbar.

    Wie weiter – und wer zuerst?

    Rhetorische Frage: Wieso warten, bis sich alle anderen bewegen?

    Städte wie Amiens, Reims und Strasbourg könnten Vorreiter werden – gerade weil sie aktuell auf der falschen Liste ganz oben stehen. Mit gezielten Investitionen, mutigen Entscheidungen und dem politischen Willen zur Wende. Die Technologien existieren. Die Erkenntnisse sowieso. Was fehlt, ist das Tun.

    Und das beginnt nicht in Belém, sondern direkt vor Ort – mit jedem schlecht isolierten Klassenzimmer, jeder Gastherme in der Amtsstube, jedem Stadtrat, der sich nicht entscheidet.

    Autor: C.H.

  • Energie – Frankreichs neue Priorität setzt alte Prinzipien außer Kraft

    Energie – Frankreichs neue Priorität setzt alte Prinzipien außer Kraft

    In Frankreich steht ein neues Kapitel der Energiepolitik bevor – und es wird nicht leise aufgeschlagen, sondern per Regierungsdekret. Die sogenannte Programmation pluriannuelle de l’énergie (PPE) – Frankreichs zehnjähriger Masterplan für die Energiewende – wurde vom Premierminister höchstpersönlich zur „Priorität“ erklärt. Das verheißt Dynamik. Doch wo politische Eile regiert, bleibt oft eines zurück: die demokratische Debatte. Die PPE ist das zentrale Steuerungsinstrument der französischen Energiezukunft. Sie legt fest, wie viele Atomkraftwerke stillgelegt oder gebaut werden, welchen Anteil Wind- und Solarenergie künftig tragen sollen, wie sich der Energieverbrauch entwickeln darf und welche Technologien gezielt gefördert werden. Sie ist Frankreichs Fahrplan in Richtung Klimaneutralität bis 2050 – ambitioniert, notwendig, unaufschiebbar. Und doch herrscht Unruhe, bevor die erste neue Kilowattstunde geplant ist. Denn diesmal will die Regierung den Plan nicht dem Parlament vorlegen. Kei…

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  • Frankreichs neue Hoffnung auf Stabilität: Sébastien Lecornu übernimmt das Ruder

    Frankreichs neue Hoffnung auf Stabilität: Sébastien Lecornu übernimmt das Ruder

    Frankreich steht an einem wirtschaftspolitischen Scheideweg – und mit Sébastien Lecornu übernimmt jetzt ein sehr junger Politiker das Amt des Premierministers. Nach dem Rücktritt von François Bayrou, der an der Verabschiedung des Haushaltsplans scheiterte, soll Lecornu nun das politische Gleichgewicht wiederherstellen. Die Erwartungen sind hoch – nicht nur in Paris, sondern auch in Brüssel und an den Finanzmärkten.

    Der neue Premier tritt sein Amt inmitten multipler Herausforderungen an: Der Haushalt für 2026 muss unter Zeitdruck verabschiedet werden, die französische Energiepolitik steht vor einer Neuausrichtung, und die Industriepolitik verlangt nach strategischem Weitblick. Hinzu kommt die politische Zersplitterung in der Nationalversammlung, die ein pragmatisches Regieren erschwert.

    Ein Haushalt unter europäischer Aufsicht

    Das erste große Dossier auf Lecornus Schreibtisch ist der Staatshaushalt 2026. Nach dem Scheitern seines Vorgängers muss er nicht nur einen verfassungskonformen Entwurf vorlegen, sondern auch einen Plan, der Brüssel und die Märkte überzeugt. Frankreichs Haushaltsdefizit lag 2024 bei 5,5 % des BIP – deutlich über der von der EU erlaubten Marke von 3 %. Die EU-Kommission hat bereits ein Defizitverfahren eingeleitet, das Frankreichs fiskalische Handlungsfähigkeit langfristig beeinträchtigen könnte.

    Hinzu kommt der drohende Druck der Ratingagenturen. Fitch, das Frankreich im Frühjahr 2023 auf „AA–“ herabgestuft hatte, kündigte eine Neubewertung noch vor Jahresende an. Eine weitere Herabstufung könnte die Refinanzierungskosten der Regierung deutlich erhöhen – ein Szenario, das Lecornu um jeden Preis verhindern muss. Der wirtschaftspolitische Spielraum ist also eng, während die politische Bühne wenig Stabilität bietet.

    Energiepolitik zwischen Ambition und Realität

    Frankreichs Energiepolitik ist ein klassisches Beispiel für den Zielkonflikt zwischen ökologischer Transformation und wirtschaftlicher Belastbarkeit. Lecornu, der aus dem Verteidigungsministerium kommt, muss nun energiepolitische Weichenstellungen vornehmen, die sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Dekarbonisierung gewährleisten.

    Die Kernenergie bleibt ein strategischer Eckpfeiler der französischen Energiearchitektur – rund 62 % des Stroms stammen aus Atomkraft –, doch der staatliche Ausbau erneuerbarer Energien verläuft schleppend. Solar- und Windkraft hinken den Ausbauzielen deutlich hinterher. Frankreich droht, seine Verpflichtungen im Rahmen des „Fit-for-55“-Pakets der EU zu verfehlen. Lecornu steht damit unter doppeltem Druck: Einerseits braucht er Investitionssicherheit für langfristige Infrastrukturprojekte, andererseits muss er kurzfristig steigende Energiepreise abfedern – besonders mit Blick auf Haushalte mit niedrigem Einkommen und die Industrie.

    Reindustrialisierung als nationaler Imperativ

    Die Renaissance der französischen Industrie zählt zu den erklärten Zielen der Macron-Regierung seit der Pandemie. Lecornu übernimmt in dieser Hinsicht ein strukturell herausforderndes Feld. Zwar konnte Frankreich zuletzt einige Investitionszusagen von Unternehmen wie Intel, ProLogium oder Northvolt einwerben, doch strukturelle Probleme – hohe Lohnkosten, komplexes Steuerrecht, Bürokratie – dämpfen weiterhin die Standortattraktivität.

    Zudem muss der Premierminister die Transformation strategischer Branchen – etwa der Automobil-, Luftfahrt- und Pharmabranche – aktiv gestalten, ohne sich in sektoralen Einzelinteressen zu verlieren. Die „Planification écologique“, ein von Präsident Macron angestoßenes Industrieprogramm mit ökologischem Fokus, bietet einen Rahmen, der jedoch bislang eher als Ankündigung denn als konsistentes Maßnahmenpaket wahrgenommen wurde.

    Regieren ohne Mehrheit

    Die politische Dimension der Herausforderung ist nicht minder heikel. Seit dem Verlust der absoluten Mehrheit im Parlament im Jahr 2022 regiert das Lager Macrons nur noch mit relativer Mehrheit – was bedeutet: Jede Reform muss parlamentarisch erkämpft, jede Abstimmung verhandelt werden. François Bayrou scheiterte genau an dieser Realität.

    Lecornu, der als loyaler Technokrat mit Verhandlungsgeschick gilt, muss nun unter Beweis stellen, dass er über die nötige Autorität und Flexibilität verfügt, um wechselnde Koalitionen über Parteigrenzen hinweg zu schmieden. Besonders kritisch wird die Haltung der konservativen Républicains, die sich in Haushaltsfragen zuletzt als unnachgiebig gezeigt haben. Auch die extreme Rechte und die radikale Linke nutzen jede Schwäche der Regierung zur eigenen Profilierung – was den Spielraum für Kompromisse zusätzlich einschränkt.

    Ein Regierungssystem, das auf klare Mehrheiten angewiesen ist, wird in einer Phase struktureller Fragmentierung auf eine harte Probe gestellt. Lecornu muss nicht nur moderieren, sondern auch überzeugen – in einer politischen Landschaft, in der Vertrauen längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

    Eine heikle Mission in turbulenter Zeit

    Sébastien Lecornu steht am Anfang einer Amtszeit, die mehr von außenpolitischem Druck und innenpolitischer Fragmentierung geprägt ist als jede vorherige seit der Finanzkrise. Die Handlungsfelder sind klar umrissen – doch der Erfolg wird sich an der Umsetzung messen lassen müssen. Gelingt es dem neuen Premier, wirtschaftliche Stabilität, ökologische Transformation und politische Konsensbildung zu verbinden, könnte er Frankreich wieder auf einen Pfad langfristiger Handlungsfähigkeit führen.

    Scheitert er, droht dem Land nicht nur ein weiterer Regierungskollaps – sondern auch ein dramatischer Vertrauensverlust, der weit über die Börsenkurse hinausreicht.

    Autor: P. Tiko

  • Du wirst schon sehen, Herr Trump – wir retten unsere Welt. Auch gegen deinen Willen!

    Du wirst schon sehen, Herr Trump – wir retten unsere Welt. Auch gegen deinen Willen!

    Es gibt Momente, da reicht es. Und wenn ich die Schlagzeilen über Donald Trumps zweite Amtszeit lese, spüre ich genau so einen Moment. Da sitzt ein Mann im Weißen Haus, der die Wissenschaft ignoriert, die Natur verhöhnt und die Zukunft von Millionen Menschen verspielt. Und trotzdem glaubt er, er könne die Welt in seine fossile Vergangenheit zurückprügeln.

    Herr Trump, lassen Sie mich eines sagen: Wir werden unsere Welt retten – und zwar auch gegen Ihren Willen.


    Sie können Zölle auf Solarpanels erheben, Windparks stoppen, Elektroautos verteuern. Aber Sie können nicht aufhalten, was längst begonnen hat: eine globale Bewegung von Menschen, die sich weigert, die Erde an Ölbarone und Kohlelobbys zu verkaufen.

    Denn es ist nicht Ihr Amerika allein, das zählt. Es sind die Kinder in Kalifornien, die Feuerwehrleute in Griechenland, Spanien, Portugal und Frankreich, die Fischer in Bangladesch, die Bäuerinnen in Kenia – sie alle spüren die Klimakrise am eigenen Leib. Sie alle stehen längst auf, während Sie noch Tweets verschicken.


    Wissen Sie, was mich wirklich wütend macht? Dass Sie glauben, Sie könnten mit ein paar Dekreten die Sonne verdunkeln oder den Wind aufhalten. Die Natur verhandelt nicht. Der Klimawandel hört nicht auf, nur weil Sie die Augen schließen. Und glauben Sie ernsthaft, Ihre Handelskriege könnten verhindern, dass Solarmodule auf Millionen Dächern landen?

    Die Geschichte läuft längst in eine andere Richtung. Und Sie stehen da wie jemand, der versucht, eine Flut mit den Händen aufzuhalten.


    Ja, Sie können Projekte stoppen. Aber Sie können nicht den Mut stoppen, mit dem sich Gemeinden von New York bis New Delhi wehren. Sie können Gelder umleiten, aber nicht die Kreativität junger Menschen, die neue Energietechnologien erfinden. Sie können fossile Konzerne stützen – doch Sie können nicht verhindern, dass der Markt der Zukunft grün ist.

    Wir retten unsere Welt. Trotz Ihnen. Trotz Ihrer Blockaden. Trotz Ihrer Arroganz.


    Und wenn Sie in ein paar Jahren zurückblicken, dann werden Sie sehen: Die Zukunft, die Sie bekämpft haben, ist Realität geworden. Solar und Wind sind nicht verschwunden, sondern stärker denn je. Die internationale Gemeinschaft hat sich nicht spalten lassen, sondern ist enger zusammengerückt.

    Vielleicht glauben Sie heute noch, Sie hätten gewonnen. Doch in Wahrheit verlieren Sie schon jetzt – gegen eine Generation, die sich weigert, klein beizugeben.


    Herr Trump, die Welt ist größer als Ihr Ego.
    Und wir werden sie retten.
    Auch gegen Ihren Willen.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Wenn das Windrad sich nicht mehr dreht – Wie die „visuelle Saturation“ den Ausbau der Windkraft in Frankreich bremst

    Wenn das Windrad sich nicht mehr dreht – Wie die „visuelle Saturation“ den Ausbau der Windkraft in Frankreich bremst

    Frankreichs ambitionierter Ausbauplan für erneuerbare Energien gerät zunehmend ins Stocken – nicht etwa wegen technischer, ökologischer oder ökonomischer Hürden, sondern wegen eines bislang unterschätzten Faktors: der sogenannten „saturation visuelle“. Dieser Begriff beschreibt die ästhetische Überlastung der Landschaft durch die massive Präsenz von Windkraftanlagen und gewinnt zunehmend an rechtlicher und politischer Relevanz. Eine Reihe aktueller Gerichtsentscheidungen zeigt, dass die visuelle Wahrnehmung der Anwohner nicht länger als subjektives Empfinden abgetan werden kann – sondern als legitimer Grund zur Ablehnung von Windkraftprojekten gilt.

    Gerichtliche Stopps und ein sich wandelndes Rechtsverständnis

    Im April 2025 setzte die cour administrative d’appel in Nancy ein deutliches Signal: Sie annullierte das Großprojekt Mont des Quatre Faux im Département Ardennes, das 63 Windräder mit einer Höhe von je 200 Metern vorgesehen hatte. Die Begründung der Richter: Die Schwellenwerte zur Beurteilung der „visuellen Saturation“ seien „deutlich überschritten“, die Bewohner mehrerer umliegender Gemeinden seien „visuell umzingelt“. Der Ausdruck „encerclement des horizons“ beschreibt prägnant, wie dominierend Windparks für Anwohner wirken können.

    Bereits im Dezember 2024 hatte die cour administrative d’appel in Versailles ein kleineres Projekt mit lediglich drei Windrädern in der Gemeinde Lury-sur-Arnon (Cher) gekippt – ebenfalls mit Verweis auf die landschaftliche Überfrachtung. Der französische Conseil d’État, höchstes Verwaltungsgericht des Landes, präzisierte inzwischen, dass bei der Beurteilung des Phänomens nicht nur das konkrete Projekt, sondern alle bestehenden und genehmigten Anlagen im Umkreis berücksichtigt werden müssen. Entscheidend sei der „Eindruck räumlicher Dichte“ in Verbindung mit landschaftlichen Besonderheiten wie Sichtachsen oder topografischen Linien.

    Vom subjektiven Eindruck zur objektivierten Methode

    Mit dem politischen und juristischen Bedeutungsgewinn der „saturation visuelle“ wächst auch der Bedarf an einheitlichen Bewertungsmaßstäben. Die regionale Umweltbehörde DREAL Hauts-de-France hat einen ersten methodischen Rahmen geschaffen: Bewertet werden Dichte, Sichtbeziehungen und das Gefühl räumlicher Einengung. Damit soll ein bisher schwer greifbares ästhetisches Phänomen anhand objektivierbarer Kriterien messbar gemacht werden.

    In der Praxis bedeutet dies eine Kombination aus geographischen Analysen (Sichtfelder, Höhenprofile), statistischen Erhebungen zur Anlagendichte und qualitativen Einschätzungen aus öffentlichen Anhörungen. Ziel ist es, die Abgrenzung zwischen legitimer Beeinträchtigung und subjektiver Abwehrhaltung rechtssicher zu definieren – ein Balanceakt zwischen Bürgerrechten und Energiezielen.

    Politische Spannungen zwischen Klimazielen und Bürgerakzeptanz

    Die Aufnahme der „visuellen Saturation“ als Genehmigungskriterium in das Gesetz zur Beschleunigung der erneuerbaren Energien (verabschiedet im März 2023) war Ausdruck einer politisch heiklen Gratwanderung. Einerseits will Paris bis 2035 den Anteil erneuerbarer Energiequellen auf 40 % steigern, was eine Vervielfachung der Windkraftleistung voraussetzt. Andererseits mehren sich lokale Widerstände, besonders in ländlichen Regionen, die bereits eine hohe Windkraftdichte aufweisen.

    Während Befürworter der Windkraft beklagen, dass das neue Kriterium den Ausbau empfindlich bremse und „juristisch instrumentalisiert“ werde, betonen Kritiker die Notwendigkeit eines respektvollen Umgangs mit Kulturlandschaften und dem Recht auf ein „visuelles Wohlbefinden“. Die Auseinandersetzung spiegelt eine tiefere gesellschaftliche Spannung wider: zwischen dem Imperativ der ökologischen Transformation und dem Wunsch nach Lebensqualität im Nahraum.

    Planung, Beteiligung und die Notwendigkeit strategischer Steuerung

    Die jüngsten juristischen Entwicklungen deuten darauf hin, dass die bloße Genehmigungspraxis einzelner Projekte nicht länger ausreicht. Erforderlich ist eine strategische Steuerung auf regionaler Ebene – mit klarem Fokus auf die räumliche Verteilung und visuelle Wirkung der Anlagen. Das französische Umweltministerium arbeitet inzwischen an einem Planungsinstrument, das „Zonen mit hoher Toleranz“ (zones d’accélération) definiert, in denen künftig Windkraftprojekte bevorzugt umgesetzt werden sollen – jedoch unter Einbindung lokaler Akteure.

    Zugleich gewinnt die Debatte um eine technologieoffene Energiewende an Bedeutung. Photovoltaik, Biomasse, Geothermie und maritime Windkraft gelten als Alternativen, die – zumindest in Teilen – weniger stark in das Landschaftsbild eingreifen. Die Diversifizierung des Energiemixes wird damit auch zur Voraussetzung für gesellschaftliche Akzeptanz.

    Die Diskussion um die „saturation visuelle“ zeigt exemplarisch, wie sich technologische, rechtliche und soziale Aspekte in der Energiepolitik verschränken. Was als rein ästhetisches Argument begann, entwickelt sich zunehmend zu einem Schlüsselthema für den Umbau des französischen Energiesystems. Die Frage lautet nicht mehr, ob Windkraft optisch stört – sondern wie viele Störungen ein demokratisches Gemeinwesen im Namen der Energiewende zu tragen bereit ist.

    Autor: P. Tiko

  • Trumps großes Gesetz: Rückschritt für den Klimaschutz, Schub für fossile Brennstoffe

    Trumps großes Gesetz: Rückschritt für den Klimaschutz, Schub für fossile Brennstoffe

    Mit ihrem massiven Gesetzespaket stellen die Republikaner unter Donald Trump zentrale Weichen der US-Energiepolitik neu. Profiteure sind Öl, Gas und Kohle – während Wind, Solar und Elektromobilität an Unterstützung verlieren.

    Nach intensiven parteipolitischen Auseinandersetzungen hat der US-Kongress in Formn des „one, big beautiful bill act“ ein umfangreiches finanz- und energiepolitisches Gesetz verabschiedet, das Präsident Donald Trump heute unterzeichnen wird. Es markiert einen Paradigmenwechsel: Steueranreize für erneuerbare Energien und Elektromobilität werden weitgehend gestrichen, während fossile Energieträger steuerlich gestärkt und regulatorisch entlastet werden.

    Das Gesetz spiegelt Trumps energiepolitische Grundhaltung wider: Er sieht Windräder und Solaranlagen als ineffizient und ästhetisch störend an, während er Öl, Gas und Kohle für Amerikas wirtschaftliche Stärke und geopolitische Unabhängigkeit unerlässlich hält.

    Massive Kürzungen für Wind- und Solarenergie

    Und die Folgen für Wind- und Solarenergie sind gravierend. Bisher konnten Projektentwickler Steuergutschriften von bis zu 30 Prozent der Investitionskosten beanspruchen, wenn der Bau bis spätestens 2034 begann. Künftig müssen Projekte bereits bis Juli 2026 gestartet sein, um von maximaler Förderung zu profitieren. Danach sinkt die Unterstützung rapide.

    Branchenanalysten erwarten, dass sich der Zubau von Wind- und Solarleistung bis 2035 halbieren könnte. Besonders betroffen sind ländliche Regionen im Mittleren Westen und Süden der USA, die bislang stark von Solar- und Windparks profitierten. Dennoch dürfte der Ausbau nicht völlig zum Erliegen kommen, da erneuerbare Energien in wind- und sonnenreichen Gegenden weiterhin die kostengünstigste Option zur Deckung des wachsenden Strombedarfs bleiben.

    „Wir werden weiterhin erneuerbare Energien ausbauen, aber deutlich langsamer. Das wird die Verbraucherpreise erhöhen“, warnt David Carroll, Chef für Erneuerbare bei ENGIE Nordamerika.

    Atomkraft, Geothermie und Batterien bleiben gefördert

    Während Wind und Solar an Unterstützung verlieren, bleiben Steuergutschriften für andere CO₂-freie Technologien wie Kernkraft, Geothermie, Wasserkraft und Batteriespeicher bis 2036 bestehen. Neue Kernreaktoren könnten langfristig helfen, die Emissionen zu senken, doch hohe Kosten und langwierige Genehmigungsverfahren bremsen bislang den Ausbau.

    Auch Batteriespeicher, die insbesondere in Texas und Kalifornien Wind- und Solarparks ergänzen, bleiben förderfähig. Allerdings könnten komplexe Lieferkettenregeln, die Importe aus China ausschließen, die praktische Nutzung der Steueranreize erheblich erschweren.

    Ein schwerer Schlag für Elektroautos

    Die Kaufprämien für Elektroautos – bislang bis zu 7.500 Dollar pro Fahrzeug – laufen nun bereits Ende September 2025 aus, sieben Jahre früher als bisher vorgesehen. Leasing-Modelle, über die viele Kunden indirekt von Steuervergünstigungen profitierten, sind künftig ebenfalls nicht mehr förderfähig.

    Die Folgen dürften erheblich sein: Laut Analysen der Rhodium Group könnte der Absatz von Elektroautos in den USA über die nächsten zehn Jahre um mehrere zehn Millionen Fahrzeuge unter den bisherigen Prognosen bleiben. Damit droht den Vereinigten Staaten ein Wettbewerbsnachteil gegenüber China und der EU, wo Elektromobilität strategisch massiv gefördert wird.

    Ford-Chef Jim Farley warnte unlängst: „Wir stehen in einem globalen Wettbewerb mit China. Wenn wir hier verlieren, haben wir bei Ford keine Zukunft.“

    Förderung für Biokraftstoffe und Wasserstoff

    In klassischen Agrarstaaten wie Iowa und Nebraska löst das Gesetz hingegen Erleichterung aus: Die Steueranreize für Biokraftstoffe wie Ethanol werden bis Ende 2029 verlängert. Kritiker bemängeln jedoch, dass insbesondere Maisethanol kaum zur CO₂-Reduktion beiträgt und dennoch hohe Subventionen erhält.

    Auch die Wasserstoffbranche kann einen Teilerfolg verbuchen. Ein bislang bedrohter Steueranreiz wurde bis Ende 2027 verlängert, wenngleich die massive Kürzung gegenüber der Biden-Ära die Investitionssicherheit beeinträchtigt. Zudem macht der Wegfall der Wind- und Solarunterstützung „grünen Wasserstoff“ teurer, da er auf günstigen Ökostrom angewiesen ist.

    Rückschlag für US-Industrieproduktion

    Ein zentraler Pfeiler der „Inflation Reduction Act“-Politik von Präsident Biden war die Förderung heimischer Produktion von Solarmodulen, Batterien und E-Autos. Mit den abrupt gestrichenen Steueranreizen drohen nun Projekte ins Wanken zu geraten oder den Preisvorteil gegenüber Importen zu verlieren. Hersteller warnen vor einer Schwemme chinesischer Solarprodukte und einem Einbruch der geplanten Investitionen in den industriellen Südosten und Mittleren Westen der USA.

    Gewinner: Öl, Gas und Kohle

    Die größte Profiteurin des Gesetzes ist die fossile Energiewirtschaft. Vorgesehen sind:

    • Verpflichtende Öl- und Gasleasingverkäufe in Alaska, im Golf von Mexiko und im Westen der USA.
    • Gesenkte Lizenzgebühren für Kohleabbau auf Bundesland.
    • Neue Steuervergünstigungen für Explorations- und Entwicklungskosten von Öl- und Gasproduzenten.
    • Eine zehnjährige Verzögerung der Methanabgabe für Leckagen aus Förderanlagen.
    • Ein 2,5-prozentiger Steuernachlass für metallurgische Kohle, die für Stahlwerke bestimmt ist.

    Der Verband der US-Öl- und Gasunternehmen, API, bezeichnete das Gesetz als „historisch“ und als Grundlage für eine „neue Ära amerikanischer Energiedominanz“.

    Während Klimaforscher vor zunehmenden Extremwetterereignissen, Dürren und Überschwemmungen infolge der Erderwärmung warnen, setzt die republikanische Mehrheit im Kongress mit dem Gesetzespaket klar auf die Fortsetzung des fossilen Zeitalters – mit globalen Folgen für Klimaziele und technologische Wettbewerbsfähigkeit.

    Autor: Andreas M. Brucker


    Quellen: The New York Times (Juli 2025), Rhodium Group (2025), American Petroleum Institute (2025), ENGIE North America (2025), US Treasury Department (2025)