Schlagwort: Ernährungstrends

  • Rungis im Dezemberrausch: Wie Frankreichs größter Markt im Weihnachtsfieber brummt

    Rungis im Dezemberrausch: Wie Frankreichs größter Markt im Weihnachtsfieber brummt

    Noch vor Sonnenaufgang erwacht Rungis zu jenem hektischen Rhythmus, der den Dezember jedes Jahr von Neuem prägt. Zwischen Paletten aus Eis, duftenden Kräuterkisten und dem tiefen Summen der Kühlaggregate entfaltet sich jene besondere Spannung, die nur die Wochen vor Weihnachten hervorbringen. Volaille, Foie gras, Saint-Jacques – die heiligen Drei des französischen Festtagsgeschmacks – stapeln sich zu kleinen Versprechen eines gelungenen Festmahls. Und die Händlerinnen und Händler, die diesen Ort wie ihre zweite Haut kennen, spüren es sofort: Die Feiertage rücken näher, und damit der Moment, in dem sich für viele ihr ganzes Arbeitsjahr verdichtet. Dass Rungis ein eigener Kosmos ist, hat man beim ersten Schritt in die Hallen schnell begriffen. Die Luft ist kühl, der Boden glänzt noch vom Nachtputz, und dann liegt er plötzlich über allem: dieser Geruchsmix aus Meer, Bauernhof und frischer Erwartung. Ein Markt, so groß wie eine Kleinstadt, der im Advent zur Herzkammer der französischen Fes…

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  • Scannen statt schlucken: Wie Yuka und Open Food Facts unsere Ernährung revolutionieren wollen

    Scannen statt schlucken: Wie Yuka und Open Food Facts unsere Ernährung revolutionieren wollen

    Der Supermarkt ist längst kein Ort bloßer Versorgung mehr. Wer heute durch die Regale wandert, zückt sein Smartphone wie ein Kompass – und scannt, statt einfach zu kaufen. Zwei digitale Helfer haben diesen Wandel wesentlich mitgestaltet: Yuka und Open Food Facts. Was zunächst wie Spielerei wirkt, ist in Wahrheit Teil eines kulturellen Umbruchs. Es geht um nicht weniger als die Rückeroberung der Kontrolle über das, was täglich auf unseren Tellern landet. Wissen, was drinsteckt Open Food Facts war der Anfang. Eine offene, kollaborative Datenbank, in der Millionen von Produkten weltweit erfasst sind – samt Nährwertangaben, Zusatzstoffen, Verarbeitungsgrad, zunehmend auch mit Umweltinformationen. Wer will, kann mitmachen: Daten einpflegen, korrigieren, ergänzen. Was daraus entsteht, ist weit mehr als eine Liste – es ist eine Art Wikipedia unserer Ernährung. Yuka dagegen macht diese Informationen für den Alltag zugänglich. Die App vergibt Noten – von Grün bis Rot – und bewertet Produkte nac…

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  • Süßkartoffeln aus der Drôme – wie ein Exot Wurzeln schlägt

    Süßkartoffeln aus der Drôme – wie ein Exot Wurzeln schlägt

    Die Drôme. Eine Region, die man eher mit Lavendel, Aprikosen und Bio-Wein verbindet als mit tropischen Knollen. Und doch ist sie gerade dabei, sich als französisches Zentrum für den Anbau der Süßkartoffel zu etablieren – eine Kultur, die einst als zu exotisch galt für den Boden und das Klima Mitteleuropas. Aber wie kam es dazu? Und was macht die Süßkartoffel zum Hoffnungsträger in einer Region im Wandel?

    Ein Wagnis mit Geschmack – und Zukunft Vor zehn Jahren hätte kaum jemand darauf gewettet: eine tropische Pflanze, ursprünglich beheimatet in Mittel- und Südamerika, die in der südostfranzösischen Drôme gedeiht? Die Süßkartoffel braucht Sonne, Wärme, durchlässige Böden. All das schien auf den ersten Blick nicht ausreichend gegeben in dieser Übergangsregion zwischen Alpen und Mittelmeer. Doch dann kam Bruno Jurrus. Landwirt aus Montmeyran, Querdenker mit Gespür für Markt und Boden. 2014 wagte er erste Tests – biologischer Anbau, auf einem Hektar. Die Knollen wuchsen. Also vergrößerte er…

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  • Finistère: Wie die Bretagne der Artischocke neues Leben einhaucht

    Finistère: Wie die Bretagne der Artischocke neues Leben einhaucht

    Die Bretagne, vor allem das Finistère und die berühmte „Ceinture dorée“ entlang der Küste, war jahrzehntelang das Herz der französischen Artischockenproduktion. Kaum ein Gemüse stand so sehr für die Region wie diese grüne Knospe mit den dicken Blättern. Doch die glänzenden Zeiten sind vorbei. Zwischen schwächelnder Nachfrage und billiger Konkurrenz aus dem Süden drohte der Artischocke das Schicksal vieler „vergessener“ Gemüsesorten. Nun aber formiert sich Widerstand – mit Ideen, die Tradition und Innovation verbinden.

    Vom Star zum Sorgenkind Auf den ersten Blick wirken die weiten Felder rund um Saint-Pol-de-Léon wie immer: sattgrün, saftig, endlos. Doch die Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Seit 2016 sind die Anbauflächen für Artischocken in der Bretagne um fast 60 Prozent geschrumpft. Allein 2024 sank die Produktion um weitere 20 Prozent. Noch immer stellt die Region gut 70 Prozent der französischen Artischocken-Anbauflächen – aber der nationale Marktanteil sinkt unaufhaltsam. …

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  • Ein Hoch auf die Vielfalt – Warum der 31. Juli mehr als ein kulinarischer Feiertag ist

    Ein Hoch auf die Vielfalt – Warum der 31. Juli mehr als ein kulinarischer Feiertag ist

    Es klingt fast banal: Wir können jeden Tag neu entscheiden, was wir essen wollen. Und doch ist diese scheinbare Selbstverständlichkeit ein stiller Triumph – über Mangel, Einfalt und Eintönigkeit. Am 31. Juli, dem Tag der Lebensmittelvielfalt, wird genau das gefeiert: das üppige Angebot in unseren Regalen, die Freiheit der Wahl auf dem Teller und die bunte Mischung, die unsere Ernährung zur kulturellen Erfahrung macht.

    Rund 170.000 verschiedene Lebensmittelprodukte umfasst das Sortiment im französischen und deutschen Einzelhandel. Tendenz steigend. Jedes Jahr kommen zehntausende neue hinzu – manche kurzlebig, andere revolutionär. Was im Supermarktregal landet, ist längst nicht mehr bloß Mittel zum Zweck. Es ist Ausdruck individueller Lebensentwürfe, Überzeugungen, kulinarischer Sehnsüchte. Bio, vegan, laktosefrei, regional, funktional, nachhaltig oder einfach nur sündhaft lecker – alles ist da. Und das ist keine Selbstverständlichkeit.

    Die stille Logistik hinter dem Luxus

    Was wir als Auswahl wahrnehmen, ist das Ergebnis einer hochkomplexen Kette: Von der Züchtung über Anbau, Ernte, Verarbeitung, Transport, Lagerung, Verpackung, Qualitätskontrolle und Vermarktung bis hin zur Präsentation im Regal. Jeder Schritt erfordert Know-how, Technik, Disziplin – und einen Markt, der diese Vielfalt tragen kann.

    Vielfalt beginnt nicht im Kühlschrank, sondern auf dem Feld. Die Landwirtschaft liefert das Fundament. Ohne sie wäre alles andere nur Fiktion. Die Industrie veredelt, der Handel bringt es in Reichweite. Und mittendrin: wir – die Konsumentinnen und Konsumenten, die täglich mit ihrem Einkaufswagen abstimmen. Was sich nicht verkauft, verschwindet. Was gewünscht wird, bleibt und wächst.

    Geschmack ist demokratisch

    Der Tag der Lebensmittelvielfalt ist auch ein Tag der Innovation. In diesem Jahr stand das Thema Food Pairing im Zentrum: kreative Kombinationen, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen – und dann doch zu einem neuen Geschmackserlebnis verschmelzen. Banane mit Speck. Kabeljau mit Lavendel. Litschi mit Koriander. Warum nicht? Vielfalt lebt vom Mut zur Kombination, zur Überraschung, zum Experiment.

    Und sie lebt von Austausch. In Kochshows, Podcasts, sozialen Medien, in der WG-Küche genauso wie in der gehobenen Gastronomie. Geschmack ist längst keine elitäre Domäne mehr. Geschmack ist demokratisch geworden – offen für jeden, der probieren will.

    Was, wenn Vielfalt fehlt?

    Eine wichtige Frage, die schmerzlich klar macht, was auf dem Spiel stünde. Ohne Vielfalt gäbe es keine Wahlfreiheit. Keine Alternativen für Allergiker, keine kulturelle Teilhabe für Migrant:innen, keine Flexibilität für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Der Verzicht auf Vielfalt wäre der Rückschritt in eine Zeit der Einschränkung, der Einförmigkeit.

    Und er würde bedeuten: weniger Resilienz. Denn Vielfalt ist auch Sicherheit – in der Landwirtschaft, in der Versorgung, im Wettbewerb. Je mehr Alternativen bestehen, desto robuster sind die Systeme gegenüber Krisen. Ein vielfältiger Markt kann sich anpassen. Ein monokultureller bricht.

    Vielfalt braucht Vertrauen

    Eines aber darf bei aller Euphorie nicht vergessen werden: Vielfalt funktioniert nur mit Verantwortung. Die schönste Auswahl nützt nichts, wenn sie nicht sicher ist. Deshalb sind Qualitätskontrollen, Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Hygiene die stillen Säulen hinter dieser Vielfalt. Vertrauen entsteht nicht durch Marketing, sondern durch Standards – konsequent umgesetzt.

    Auch ethisch steht Vielfalt auf dem Prüfstand. Verbraucherinnen und Verbraucher fordern zunehmend nachhaltige Produktionsbedingungen, faire Lieferketten, Tierwohl und CO₂-Bilanzen. Vielfalt ist heute mehr als die Summe unterschiedlicher Produkte. Sie ist auch Haltung – gegenüber Mensch, Tier, Umwelt.

    Vielfalt feiern – aber nicht blind

    Der 31. Juli ist kein Werbetag für die Industrie. Er ist ein Denkanstoß. Dafür, was wir haben. Und dafür, was wir daraus machen. Vielfalt ist kein Konsumrausch, sondern ein Angebot zur bewussten Entscheidung. Sie ist ein Spiegel unserer Gesellschaft – offen, vielstimmig, manchmal widersprüchlich, aber immer voller Möglichkeiten.

    Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft dieses Tages: Vielfalt ist kein Selbstzweck. Sie ist eine Einladung. Zum Probieren. Zum Nachdenken. Zum Genießen.

    Und zur Dankbarkeit.

    Von C. Hatty

  • Frankreichs neue Lieblingsfleischsorte: Warum der Poulet-Boom kein Zufall ist

    Frankreichs neue Lieblingsfleischsorte: Warum der Poulet-Boom kein Zufall ist

    Der Duft von gegrilltem Hähnchen zieht durch Einkaufszentren, Imbissbuden und Familienküchen – und das nicht ohne Grund: In Frankreich hat das bescheidene Hähnchen das Schwein vom Thron gestoßen und ist zur beliebtesten Fleischsorte des Landes aufgestiegen. Doch hinter dem Erfolg verbirgt sich mehr als nur ein verändertes Konsumverhalten – es ist eine Geschichte über Geschmack, Religion, Wirtschaft und Versorgungsketten. 32 Kilo pro Kopf – und der Appetit wächst weiter 2024 hat jeder Franzose durchschnittlich 32 Kilo Geflügel verzehrt, davon allein 25 Kilo Hähnchen. Das ist ein Anstieg von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine beeindruckende Zahl, die sich nicht nur auf den Geschmack der Konsumenten zurückführen lässt – sondern auch auf gesellschaftliche Entwicklungen. In einem Land, das kulinarisch eng mit Schwein und Rind verbunden ist, wird nun das Hähnchen zur gemeinsamen Schnittmenge aller Esskulturen. Es ist halal, koscher, günstig, vielseitig – und es passt in jeden Ernährungsp…

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