Schlagwort: Ernährungssicherheit

  • Frankreichs Landwirtschaft nach dem Hitzesommer: Paris bereitet milliardenschwere Nothilfe vor

    Frankreichs Landwirtschaft nach dem Hitzesommer: Paris bereitet milliardenschwere Nothilfe vor

    Frankreichs Landwirtschaft steht nach einem außergewöhnlichen Sommer unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Wiederholte Hitzewellen, eine historische Trockenheit und großflächige Brände haben Ernten geschädigt, Weideflächen ausgedörrt und zahlreiche Betriebe in Liquiditätsschwierigkeiten gebracht. Landwirtschaftsministerin Annie Genevard bereitet deshalb ein umfassendes Hilfspaket vor. Doch die ursprünglich für den 3. September vorgesehene Präsentation wurde kurzfristig verschoben. Hinter der Verzögerung steht vor allem eine Frage, die angesichts der Dimension der Schäden zunehmend politisch wird: Wie viel kann und will der französische Staat für die Stabilisierung seiner Landwirtschaft ausgeben? Ein Notfallplan – und danach ein Wiederaufbauprogramm Die Regierung plant ihre Antwort in zwei Etappen. Zunächst soll ein Sofortprogramm jene Betriebe stabilisieren, die nach dem Sommer 2026 akut in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. In einem zweiten Schritt soll ein umfassenderer „p…

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  • Kommentar: Das Meer wird wärmer, die Netze voller Quallen – und irgendwann bleibt der Teller leer

    Kommentar: Das Meer wird wärmer, die Netze voller Quallen – und irgendwann bleibt der Teller leer

    Es gibt Nachrichten, bei denen man sich fragt, ob die Wirklichkeit inzwischen einen Satiriker beschäftigt. Einen ziemlich schwarzen noch dazu. Französische Fischer fahren hinaus aufs Meer, werfen ihre Netze aus – und ziehen statt Sardinen, Makrelen oder anderer Fische vor allem glibberige Quallen an Bord. Willkommen in einer Zukunft, in der das Meer zwar noch reichlich Leben hervorbringt, nur leider immer öfter das falsche.

    Klimawandel? Ach was. Wird schon nicht so schlimm werden.

    Ein bisschen wärmeres Wasser, ein paar hübsche neue Badetemperaturen, vielleicht verlängert sich sogar die Saison an der französischen Küste. Was soll daran schon dramatisch sein?

    Nun, fragen wir doch einmal einen Fischer, dessen Netz so voller Quallen steckt, dass er es kaum noch aus dem Wasser bekommt.

    Die Hitzewellen dieses Sommers treffen nämlich nicht nur Menschen, Wälder und Landwirtschaft. Auch die französischen Meere reagieren auf ungewöhnlich hohe Temperaturen. Und dort zeigt sich eine jener Nebenwirkungen, die in der großen Klimadebatte gern untergehen: Massenhafte Quallenvorkommen erschweren regional die Fischerei erheblich.

    Das Problem klingt zunächst fast komisch.

    Quallen gegen Fischer.

    David gegen Goliath, nur eben glibberiger.

    Doch wer genauer hinsieht, dem vergeht das Lachen ziemlich schnell. Quallen gelangen in großer Zahl in die Netze und machen sie schwer. Ihr Schleim und ihre Nesselzellen beeinträchtigen den Fang. Fischer verbringen zusätzliche Zeit damit, ihre Geräte zu reinigen, verlieren Arbeitsstunden und verbrauchen Treibstoff für Fahrten, deren Ertrag schlimmstenfalls nicht einmal die Kosten deckt.

    Man fährt also hinaus, bezahlt Diesel, Personal, Wartung und Ausrüstung – und bringt am Ende eine Ladung glitschiger Meeresbewohner nach Hause, für die auf dem Fischmarkt niemand begeistert die Geldbörse zückt.

    Läuft.

    Besonders bitter daran: Die Fischerei steht ohnehin unter enormem Druck. Überfischung, steigende Betriebskosten, internationale Konkurrenz, Fangquoten und Veränderungen der Meeresökosysteme verlangen den Betrieben seit Jahren einiges ab. Nun mischt auch noch eine uralte Tiergruppe mit, deren Vertreter seit Hunderten Millionen Jahren durch die Ozeane treiben und offenbar ausgezeichnet mit Bedingungen zurechtkommen, unter denen andere Arten zunehmend Probleme bekommen.

    Natürlich wäre es wissenschaftlich unseriös, jede einzelne Quallenplage mit einem roten Stempel zu versehen: „Verursacht durch Klimawandel.“

    So einfach arbeitet die Natur nicht.

    Quallenpopulationen schwanken aus zahlreichen Gründen. Meeresströmungen, Nahrungsangebot, Fortpflanzungsbedingungen und Veränderungen innerhalb der Nahrungsketten spielen hinein. Auch Überfischung besitzt eine Bedeutung, denn weniger Fische bedeuten teilweise weniger Konkurrenz und weniger natürliche Gegenspieler. Schildkröten und bestimmte Fischarten fressen Quallen. Gerät dieses Gefüge aus dem Takt, entstehen ökologische Freiräume.

    Steigende Meerestemperaturen liefern manchen Quallenarten zusätzlich günstige Bedingungen. Wärmeres Wasser beeinflusst Stoffwechsel, Entwicklung und Fortpflanzungszyklen. Treffen mehrere Faktoren zusammen, entsteht jene Mischung, die Fischer überhaupt nicht gebrauchen können.

    Und plötzlich führt die abstrakte Debatte über Zehntelgrade mitten hinein in unseren Alltag.

    Denn Fischerei bedeutet nicht bloß romantische kleine Boote im Morgennebel, Hafenrestaurants und Möwengeschrei. Sie bedeutet Nahrung.

    Ernährungssicherheit hängt davon ab, dass Ökosysteme einigermaßen zuverlässig funktionieren. Nicht perfekt, nicht unverändert und schon gar nicht nach menschlichem Wunschzettel – aber stabil genug, damit Landwirtschaft, Fischerei und Aquakultur planbar bleiben.

    Genau hier liegt der Punkt, der viel zu selten ausgesprochen wird.

    Der Klimawandel bedroht unsere Ernährung nicht ausschließlich durch vertrocknete Felder, Überschwemmungen oder schlechte Ernten. Seine Folgen laufen durch komplizierte ökologische Ketten. Wasser erwärmt sich, Arten wandern, andere vermehren sich stärker, Nahrungsketten verschieben sich – und irgendwann steht ein Fischer auf seinem Boot und zieht ein Netz hoch, in dem kaum noch verkäuflicher Fang liegt.

    Keine Hollywood-Apokalypse. Kein dramatischer Weltuntergang mit Donner und Feuer.

    Nur ein schlechtes Netz.

    Und noch eines.

    Und irgendwann eine Fahrt, die sich wirtschaftlich nicht mehr lohnt.

    Genau darin liegt die Tücke ökologischer Veränderungen. Sie kommen selten mit Sirene und rotem Warnlicht. Sie schleichen sich in Kalkulationen, Arbeitsabläufe und Lebensmittelpreise. Aus einem biologischen Phänomen entsteht ein wirtschaftliches Problem. Aus vielen wirtschaftlichen Problemen entsteht irgendwann ein gesellschaftliches.

    Die Quallen selbst trifft dabei übrigens keinerlei Schuld. Sie machen schlicht das, was Lebewesen seit Anbeginn des Lebens tun: Sie nutzen Bedingungen, die ihnen Vorteile bieten.

    Fast möchte man ihnen gratulieren.

    Während der Mensch seit Jahrzehnten Konferenzen veranstaltet, Klimaziele formuliert, verschiebt, neu formuliert und anschließend darüber diskutiert, ob das alles vielleicht doch ein bisschen unbequem und teuer sei, treiben die Quallen völlig unbeeindruckt durch das wärmere Wasser.

    Keine Pressekonferenz. Kein Aktionsplan. Keine Arbeitsgruppe.

    Einfach vermehren.

    Dabei reichen die Folgen großer Quallenvorkommen weit über die Fischerei hinaus. Sie beeinträchtigen Badegebiete, belasten Aquakulturen und geraten sogar in technische Anlagen. Frankreich kennt bereits die grotesk anmutende Situation, dass Quallen die Kühlwassersysteme des Kernkraftwerks Gravelines beeinträchtigten und Reaktoren vorübergehend abgeschaltet werden mussten.

    Man muss diesen Satz tatsächlich zweimal lesen.

    Eine hoch technisierte Industrienation baut Kernreaktoren, Stromnetze und gewaltige Infrastruktur – und dann kommt eine Armee aus nahezu hirnlosen Gallertwesen angeschwommen und sagt sinngemäß: „Heute nicht.“

    Die Natur besitzt Humor. Leider einen ziemlich trockenen.

    Noch gravierender erscheint jedoch die langfristige Frage: Was geschieht, wenn marine Hitzewellen häufiger auftreten und gleichzeitig Überfischung, Verschmutzung sowie Veränderungen der Küstenräume die Ökosysteme weiter schwächen?

    Dann geht es nicht mehr darum, ob Urlauber beim Baden einer Qualle begegnen.

    Dann reden wir über die Belastbarkeit unserer Nahrungsmittelsysteme.

    Niemand muss deshalb morgen Konservendosen im Keller stapeln. Frankreich steht nicht unmittelbar vor leeren Fischtheken, und Quallen werden auch nicht plötzlich sämtliche Speisefische aus europäischen Gewässern vertreiben. Solche Behauptungen wären Alarmismus.

    Doch Ernährungssicherheit zerbricht selten über Nacht.

    Sie erodiert.

    Ein schlechter Fang hier, eine Dürre dort, höhere Energiepreise, veränderte Fischbestände, Krankheiten in Aquakulturen, Ernteausfälle, steigende Transportkosten – jedes einzelne Problem erscheint beherrschbar. Gemeinsam ergeben sie eine Rechnung, die irgendwann jemand bezahlen muss.

    Meistens sitzt dieser Jemand an der Supermarktkasse.

    Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, Klimawandel ausschließlich als abstraktes Umweltproblem für kommende Generationen zu betrachten. Er berührt Wirtschaft, Energieversorgung und Ernährung bereits dort, wo Menschen heute arbeiten.

    Manchmal sieht diese Realität nicht spektakulär aus.

    Manchmal ist sie durchsichtig, glibberig und steckt zu Tausenden im Fischernetz.

    Und während wir noch darüber streiten, ob uns Klimaschutz zu teuer kommt, liefert das Meer bereits eine andere Rechnung.

    Mit Quallen statt Fisch.

    Daniel Ivers

  • Klimawandel gefährdet die Ernährungssicherheit weltweit

    Klimawandel gefährdet die Ernährungssicherheit weltweit

    Der Klimawandel zählt längst nicht mehr nur zu den größten Umweltproblemen unserer Zeit. Er entwickelt sich zunehmend zu einer Bedrohung für die weltweite Ernährungssicherheit. Steigende Temperaturen, häufigere Dürren, Starkregen, Überschwemmungen und immer heftigere Stürme verändern die Bedingungen für die Landwirtschaft grundlegend. Damit gerät nicht nur die Produktion von Lebensmitteln unter Druck, sondern auch deren Verfügbarkeit, Bezahlbarkeit und Qualität.

    Ernährungssicherheit beruht auf vier wesentlichen Säulen: Lebensmittel müssen ausreichend vorhanden sein, für alle Menschen erreichbar und erschwinglich bleiben, gesundheitlich unbedenklich sowie nährstoffreich sein und diese Voraussetzungen dauerhaft erfüllen. Genau diese Grundlagen geraten durch den Klimawandel gleichzeitig ins Wanken.

    Besonders deutlich zeigen sich die Folgen auf den Feldern. Viele Kulturpflanzen reagieren empfindlich auf extreme Hitze und Wassermangel. Anhaltende Hitzewellen bremsen das Wachstum von Getreide, während lange Trockenperioden die Erträge von Mais, Weizen oder Reis erheblich verringern. Gleichzeitig richten sintflutartige Regenfälle enorme Schäden an. Sie zerstören Ernten, spülen fruchtbare Böden fort und verzögern die Aussaat. Hinzu kommt, dass Wetterextreme immer häufiger auftreten. Für Landwirte gleicht jede Anbausaison zunehmend einem Blick in die Glaskugel.

    Auch die Viehzucht leidet unter den veränderten Klimabedingungen. Hohe Temperaturen setzen Rindern, Schweinen oder Geflügel erheblich zu. Die Tiere fressen weniger, wachsen langsamer und bringen geringere Leistungen. Gleichzeitig sinkt ihre Fruchtbarkeit, während Krankheiten und Hitzestress häufiger auftreten. Dürreperioden lassen Weiden austrocknen, sodass Betriebe zusätzliches Futter zukaufen müssen. Dadurch steigen die Produktionskosten spürbar.

    Nicht einmal die Meere bleiben von den Veränderungen verschont. Die Erwärmung der Ozeane verschiebt die Lebensräume zahlreicher Fischarten. Manche Bestände wandern in kühlere Gewässer ab, andere gehen deutlich zurück. Gleichzeitig fördern höhere Wassertemperaturen das Wachstum giftiger Algen, die ganze Küstenregionen belasten können. Für Millionen Menschen, deren Einkommen und Ernährung unmittelbar von der Fischerei abhängen, verschärft sich dadurch die wirtschaftliche Unsicherheit.

    Neben der Menge gerät auch die Qualität der Lebensmittel unter Druck. Wärme und Feuchtigkeit schaffen ideale Bedingungen für Bakterien, Pilze und Schimmel, die gesundheitsschädliche Stoffe bilden können. Zudem breiten sich zahlreiche Schädlinge und Pflanzenkrankheiten in Regionen aus, in denen sie bislang kaum vorkamen. Landwirte stehen dadurch vor immer neuen Herausforderungen beim Schutz ihrer Ernten.

    Die Folgen reichen weit über die Landwirtschaft hinaus. Sinkende Ernten führen häufig zu steigenden Lebensmittelpreisen. Besonders einkommensschwache Haushalte spüren diese Entwicklung unmittelbar, da ein großer Teil ihres Budgets bereits für Lebensmittel aufgewendet wird. Höhere Preise verschärfen soziale Ungleichheiten und können Spannungen innerhalb von Gesellschaften verstärken. In manchen Regionen verschärfen sich zudem Konflikte um Wasser und fruchtbares Land, während andere Menschen gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen.

    Vor allem Entwicklungsländer tragen ein hohes Risiko. Viele Regionen sind stark von der Landwirtschaft abhängig und verfügen nur über begrenzte Möglichkeiten zur Bewässerung oder technischen Anpassung. In Teilen Afrikas, Südasiens oder Lateinamerikas treffen Dürren und Überschwemmungen daher oft jene Menschen am härtesten, die ohnehin am wenigsten Reserven besitzen.

    Doch auch wohlhabende Industriestaaten bleiben nicht verschont. In Europa sorgen wiederkehrende Dürresommer, späte Frostnächte und außergewöhnliche Hitzewellen bereits heute für Ernteausfälle bei Getreide, Obst, Gemüse und Wein. Auch in Deutschland und Frankreich stehen Landwirte vor der Aufgabe, Anbaumethoden anzupassen und Wasser deutlich effizienter einzusetzen. Früher galt das vielerorts als Zukunftsmusik – heute gehört es zum Alltag.

    Trotz der ernsten Lage gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Landwirtschaft widerstandsfähiger zu gestalten. Dazu zählen hitze- und trockenheitsresistente Pflanzensorten, moderne Bewässerungstechniken, ein nachhaltiger Umgang mit Wasser sowie vielfältigere Anbausysteme. Auch die Wiederherstellung fruchtbarer Böden, agrarökologische Konzepte, Frühwarnsysteme für Wetterextreme und gezielte Unterstützung kleiner landwirtschaftlicher Betriebe stärken die Widerstandskraft gegenüber den Folgen des Klimawandels.

    Dennoch reicht Anpassung allein nicht aus. Ohne eine deutliche Verringerung der Treibhausgasemissionen steigen die Temperaturen weiter an – und damit auch die Risiken für die weltweite Lebensmittelversorgung. Klimaschutz, Landwirtschaft und Ernährungspolitik lassen sich deshalb längst nicht mehr getrennt voneinander betrachten.

    Der Klimawandel stellt somit nicht nur eine ökologische Herausforderung dar, sondern berührt eine der grundlegendsten Fragen der Menschheit: Wie lässt sich eine wachsende Weltbevölkerung auch künftig ausreichend und sicher ernähren? Die Antwort entscheidet maßgeblich darüber, ob Ernährungssicherheit im 21. Jahrhundert erhalten bleibt oder zu einer immer größeren globalen Herausforderung wird.

    Autor: C.H.

  • Die stille Bedrohung aus Hormus: Wie die Blockade von Düngemitteln die globale Ernährungssicherheit gefährdet

    Die stille Bedrohung aus Hormus: Wie die Blockade von Düngemitteln die globale Ernährungssicherheit gefährdet

    Die Straße von Hormus gilt seit Jahrzehnten als neuralgischer Punkt der Weltwirtschaft. Fast täglich passieren Tanker mit Erdöl und Flüssiggas die schmale Meerenge zwischen Iran und Oman. Weniger bekannt ist jedoch ihre zentrale Bedeutung für die globale Landwirtschaft. Seit der iranischen Blockade infolge des eskalierenden Nahostkriegs geraten nun nicht nur Energiemärkte unter Druck, sondern auch die Versorgung mit Düngemitteln – mit potenziell dramatischen Folgen für Milliarden Menschen.

    Internationale Organisationen warnen inzwischen vor einer Entwicklung, die weit über steigende Agrarpreise hinausgehen könnte. Denn moderne Landwirtschaft ist in hohem Maße abhängig von Stickstoff-, Phosphat- und Kalidüngern. Fällt ein erheblicher Teil dieser Lieferketten aus, drohen sinkende Erträge bei Grundnahrungsmitteln wie Reis, Weizen oder Mais – besonders in ohnehin fragilen Regionen Afrikas und Asiens.

    Der Golf als Zentrum der globalen Düngemittelindustrie

    Die Staaten am Persischen Golf gehören zu den wichtigsten Produzenten von stickstoffbasierten Düngemitteln weltweit. Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Iran verfügen über große Erdgasreserven, die als zentrale Grundlage für die Herstellung von Ammoniak und Harnstoff dienen. Gerade Harnstoff ist der weltweit meistverwendete Stickstoffdünger.

    Schätzungen zufolge stammen rund ein Drittel des globalen Seehandels mit Düngemitteln aus der Region. Besonders gravierend ist der Anteil bei Harnstoffexporten, der zwischen 30 und 35 Prozent liegt. Auch beim Ammoniakhandel spielt der Golf eine Schlüsselrolle.

    Mit der seit Monaten andauernden Blockade der Straße von Hormus wird diese Infrastruktur nun massiv gestört. Zahlreiche Frachtschiffe sitzen fest oder meiden die Region aus Sicherheitsgründen. Gleichzeitig wurden Produktionsstätten durch Luftangriffe beschädigt. Besonders die katarische Industrieanlage Ras Laffan gilt als empfindlich getroffen.

    Mehrere Staaten der Region haben ihre Produktion reduziert oder zeitweise eingestellt. Damit fällt nicht nur Exportkapazität weg – auch Vorprodukte für andere Düngemittelhersteller fehlen auf dem Weltmarkt.

    Warum Düngemittel keine strategischen Reserven haben

    Anders als beim Erdöl existieren für Düngemittel kaum koordinierte internationale Notfallreserven. Die globale Landwirtschaft arbeitet mit engen Zeitfenstern: Aussaat- und Düngezyklen lassen sich nur begrenzt verschieben. Kommt Dünger zu spät, sinken die Erträge oft unumkehrbar.

    Zudem ist die Produktion energieintensiv. Erdgas dient nicht nur als Energiequelle, sondern zugleich als chemischer Grundstoff bei der Ammoniaksynthese. Steigende Gaspreise treffen daher unmittelbar die gesamte Lieferkette.

    Die Situation erinnert in Teilen an die Nahrungsmittelkrisen der Jahre 2007/08 sowie an die Verwerfungen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022. Schon damals stiegen Düngemittelpreise binnen weniger Monate drastisch an. Viele Entwicklungsländer mussten Subventionen ausweiten oder ihre Importe reduzieren.

    Heute ist die Lage in einigen Regionen noch prekärer. Viele Staaten verfügen über hohe Staatsverschuldung, schwache Währungen und geringe fiskalische Spielräume. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung weiter stark.

    Afrika besonders verwundbar

    Am härtesten könnte die Krise zahlreiche afrikanische Staaten treffen. Viele Länder südlich der Sahara importieren einen erheblichen Teil ihrer Düngemittel aus den Golfstaaten. Besonders betroffen sind Sudan, Tansania, Somalia, Kenia oder Mosambik.

    Das strukturelle Problem liegt in der Organisation der Landwirtschaft selbst. Große Teile der afrikanischen Agrarproduktion beruhen auf kleinbäuerlichen Betrieben mit minimalen Rücklagen. Steigende Kosten für Betriebsmittel können dort kaum abgefedert werden.

    Bereits moderate Preissteigerungen führen dazu, dass Bauern weniger Dünger einsetzen. Kurzfristig senkt dies zwar die Produktionskosten, langfristig aber sinken die Erträge teils massiv. Gerade Mais- und Getreideanbau reagieren empfindlich auf Unterversorgung mit Stickstoff.

    Für Länder wie Malawi ist die Situation besonders heikel. Dort hängt die Landwirtschaft fast vollständig von importierten Düngemitteln ab. Gleichzeitig stellt die Landwirtschaft den wichtigsten Wirtschaftssektor und die Grundlage der Ernährungssicherung dar.

    Die Vereinten Nationen warnen deshalb vor einer möglichen Ausweitung von Hungerkrisen. Millionen zusätzliche Menschen könnten in akute Ernährungsunsicherheit geraten.

    Asiens Risiko: Hohe Bevölkerungsdichte und intensive Landwirtschaft

    Noch komplexer ist die Lage in Asien. Staaten wie Indien, Pakistan, Bangladesch oder Sri Lanka zählen zu den größten Düngemittelverbrauchern der Welt. Die dortige Landwirtschaft ist hochintensiv und auf regelmäßige Stickstoffgaben angewiesen.

    Insbesondere Reisproduktion benötigt erhebliche Mengen an Harnstoff. Verzögerungen oder Preissteigerungen wirken sich deshalb unmittelbar auf Erträge und Lebensmittelpreise aus.

    Indien versucht seit Jahrzehnten, über milliardenschwere Subventionsprogramme stabile Preise für Landwirte zu garantieren. Doch selbst Neu-Delhi stößt inzwischen an fiskalische Grenzen. Die Regierung von Narendra Modi wirbt daher verstärkt für effizienteren Düngemitteleinsatz und alternative Anbaumethoden.

    Pakistan wiederum leidet zusätzlich unter Energieengpässen. Dort mussten mehrere Düngemittelfabriken ihre Produktion wegen eingeschränkter Gasversorgung zurückfahren.

    Für dicht besiedelte Länder Asiens ist die Gefahr besonders groß, weil Reis, Weizen und Mais die zentrale Grundlage der Ernährung bilden. Schon kleinere Produktionsrückgänge können erhebliche soziale und politische Spannungen erzeugen.

    Brasilien und die globalen Agrarmärkte

    Auch Lateinamerika bleibt von der Krise nicht verschont. Brasilien, einer der wichtigsten Exporteure von Soja, Zucker und Mais, importiert etwa ein Fünftel seiner Düngemittel aus der Golfregion.

    Die Bedeutung Brasiliens reicht weit über die eigene Versorgung hinaus. Das Land zählt zu den zentralen Lieferanten für Tierfutter und Agrarrohstoffe weltweit. Sinkende brasilianische Ernten würden daher globale Preissteigerungen zusätzlich verstärken.

    Schon jetzt steigen die internationalen Düngemittelpreise deutlich an. Experten rechnen im laufenden Halbjahr mit Preisniveaus, die 15 bis 20 Prozent über dem Vorjahreswert liegen könnten. Hinzu kommen steigende Transport- und Energiekosten.

    Besonders problematisch ist dabei die Dynamik der Märkte: Viele Importeure haben Bestellungen zunächst aufgeschoben – aus Hoffnung auf eine Entspannung. Kommt es nun zu panikartigen Nachkäufen, drohen weitere Preisschübe.

    Mehr als nur eine Düngemittelkrise

    Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie eng Energie-, Sicherheits- und Ernährungspolitik miteinander verflochten sind. Die Landwirtschaft hängt nicht nur von Düngern ab, sondern auch von funktionierenden Transportwegen, Treibstoffversorgung und stabilen Rohstoffmärkten.

    Hinzu kommt eine weitere Unsicherheit: Meteorologen beobachten mit Sorge die mögliche Rückkehr eines starken El-Niño-Phänomens gegen Jahresende. Bereits in früheren Jahren führte El Niño zu Dürren, Ernteausfällen und extremen Wetterlagen in zahlreichen Agrarregionen.

    Treffen klimatische Belastungen und geopolitische Krisen gleichzeitig aufeinander, entstehen Kettenreaktionen mit globaler Wirkung. Besonders fragile Staaten verfügen kaum über Mittel, solche Schocks abzufedern.

    Selbst wenn die Blockade der Straße von Hormus kurzfristig aufgehoben würde, blieben die Folgen noch Monate spürbar. Produktionsausfälle lassen sich nicht sofort kompensieren. Zudem fehlen weltweit ausreichende Transportkapazitäten, um aufgestaute Lieferungen rasch abzuwickeln.

    Die gegenwärtige Krise verdeutlicht daher eine strukturelle Schwäche der globalisierten Landwirtschaft: Die Ernährung von Milliarden Menschen hängt von wenigen geopolitischen Knotenpunkten ab. Wird einer davon destabilisiert, geraten ganze Versorgungssysteme ins Wanken.

    Von Andreas Brucker

  • Kommentar: Realitätsverlust im Plenarsaal – Das Parlament lockert Umweltauflagen während die Felder absaufen

    Kommentar: Realitätsverlust im Plenarsaal – Das Parlament lockert Umweltauflagen während die Felder absaufen

    Während in der Nationalversammlung über die Lockerung von Umweltbeschränkungen sinniert wird, stehen Gemüsebäuerinnen und -bauern im Westen und Süden Frankreichs im Wasser und warten darauf, dass ihre Ernte verrottet.

    Man könnte es Satire nennen.

    Wochenlange Starkregen haben in der Loire-Atlantique Salat, Lauch und Kohl in morastige Grabfelder verwandelt. Von außen wirkt manches Feld noch intakt. Unter der Oberfläche jedoch fehlt Sauerstoff, Wurzeln faulen, Mikroorganismen sterben. Wenn das Wasser sich zurückzieht, stirbt die Pflanze. Ein biologisches Todesurteil auf Raten.

    Und in Paris diskutiert man weniger Umweltschutz.

    Wie abgehoben kann Politik eigentlich noch werden?

    Der Klimawandel zeigt längst Zähne. Extreme wechseln sich ab wie schlechte Launen: Dürre, dann Sintflut. Regionen, die früher Trockenheit fürchteten, erleben tagelange Überflutungen. Infrastruktur versagt, Drainagen kapitulieren, Traktoren bleiben stecken. Produktionszyklen reißen. Ein verlorener Monat frisst Margen, Marktanteile, Existenzen.

    Das sind keine grünen Fantasien, das ist betriebswirtschaftliche Realität.

    Landwirtschaft lebt von Stabilität. Von berechenbaren Jahreszeiten, halbwegs verlässlichen Niederschlägen, planbaren Ernten. Diese Grundlage bröckelt. Wer jetzt Umweltauflagen schleifen will, argumentiert, als ließe sich Physik per Gesetz novellieren. Als könnte man CO₂ mit einer Debatte verdünnen.

    Spoiler: Das klappt nicht.

    Natürlich klagen viele Betriebe über Bürokratie. Natürlich ächzen sie unter Kosten. Doch das Problem auf den Feldern heißt nicht „zu viel Regulierung“, sondern „zu viel Extremwetter“. Wer das verwechselt, betreibt politische Augenwischerei.

    Die Folgen tragen nicht nur die Bauern. Fällt die Ernte aus, steigen Preise, Importe nehmen zu, Abhängigkeiten wachsen. Ernährungssicherheit wirkt plötzlich nicht mehr wie ein abstraktes Wort aus Strategiepapieren, sondern wie eine Kampfansage im Supermarktregal.

    Und trotzdem sendet das Parlament das Signal: Weniger Schutz für die Umwelt.

    Das ist mehr als nur ein falscher Zeitpunkt. Es wirkt wie ein intellektueller Kurzschluss. Umweltauflagen existieren nicht aus moralischer Laune, sondern als Reaktion auf reale Belastungsgrenzen von Böden, Gewässern, Atmosphäre und Biodiversität. Wer sie lockert, verschiebt Risiken – oft unsichtbar, oft zeitverzögert, aber zuverlässig.

    Die Bauern erleben den Klimawandel nicht in Diagrammen, sondern im Schlamm. Sie kalkulieren nicht ideologisch, sondern mit Krediten, Saatgutpreisen und Lieferverträgen. Jede Fehlentscheidung kostet bares Geld. Jede falsche politische Weichenstellung multipliziert das Risiko.

    Man fragt sich unwillkürlich, in welcher Welt manche Abgeordnete unterwegs sind. Draußen säuft die Ernte ab, drinnen träumt man von Deregulierung.

    Vielleicht liegt genau darin das Problem: Zwischen Plenarsaal und Acker klafft eine Intelligenz-Lücke. In dieser Lücke versinken derzeit ganze Produktionszyklen.

    Wenn die Wurzeln ersticken, hilft keine „Loi Duplomb“.

    Und wenn Politik die Zeichen der Zeit ignoriert, verliert sie nicht nur Glaubwürdigkeit – sondern den Boden unter den Füßen.

    Von C. Hatty

  • Bio in Zeiten der Dürre – Wie Landwirte im Finistère um ihre Existenz kämpfen

    Bio in Zeiten der Dürre – Wie Landwirte im Finistère um ihre Existenz kämpfen

    Die Sonne brennt erbarmungslos, der Boden ist staubtrocken, das Gras wächst kaum – und mittendrin stehen Landwirte, die eigentlich im Einklang mit der Natur arbeiten wollen. Doch im Finistère, dem westlichsten Zipfel der Bretagne, bringt der Sommer 2025 nicht nur Hitze, sondern auch eine Krise mit sich, die tiefer geht als der rissige Boden: Die Bio-Landwirtschaft steht dort buchstäblich auf dem Trockenen – klimatisch wie wirtschaftlich. Wenn der Regen ausbleibt Seit Wochen herrscht im Finistère „Alerte Sécheresse“ – die zweithöchste Warnstufe in Frankreichs Wasser-Notfallplan. Zwar fallen gelegentlich Regentropfen, doch sie reichen weder in Menge noch Verteilung. Besonders im Süden des Départements bleibt es besorgniserregend trocken. Die Folge: Weideflächen liefern im Schnitt 18 % weniger Ertrag als in den Jahren 2010 bis 2024. Viele Viehhalter müssen daher bereits jetzt ihre Wintervorräte an Heu und Stroh anbrechen – Monate zu früh. Und auch Gemüsebauern haben kaum Grund zur Freude….

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  • Verwüstet und vergessen? Mayottes Landwirtschaft kämpft ums Überleben

    Verwüstet und vergessen? Mayottes Landwirtschaft kämpft ums Überleben

    Sechs Monate nach dem verheerenden Wirbelsturm Chido steht das französische Departement Mayotte noch immer unter Schock – und auf wackligen Beinen, was seine Ernährungssicherheit angeht. Der tropische Zyklon, der mit voller Wucht über das französische Überseegebiet fegte, hat nicht nur Häuser und Straßen zerstört, sondern vor allem das Herzstück der Insel getroffen: die Landwirtschaft. Ein Jahrhundertsturm, der alles veränderte Im Dezember 2024 wütete Chido mit Windgeschwindigkeiten von über 220 Stundenkilometern – eine Naturgewalt, wie sie die Insel seit fast 100 Jahren nicht mehr erlebt hatte. Die Folge? Verwüstete Felder, entwurzelte Bäume, zerstörte Ernten. Maniok, Bananen, Mais – alles dahin. Besonders hart traf es die kleinbäuerlichen Strukturen, die sich bisher in mühsamer Arbeit eine gewisse Selbstversorgung erkämpft hatten. Doch nun? Die Regale bleiben leer, und die Abhängigkeit von Importen wächst mit jedem Tag. Produkte, die einst frisch vom Feld kamen, müssen nun über weite…

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  • Gift in der Küche: Wie Cadmium heimlich unsere Gesundheit bedroht

    Gift in der Küche: Wie Cadmium heimlich unsere Gesundheit bedroht

    Ein Metall, das Krebs auslösen kann – und es liegt direkt auf unseren Tellern. Cadmium, ein schweres Metall mit bedrohlichem Ruf, dringt unbemerkt in unsere Nahrung ein. Die große Gefahr: Man sieht es nicht, man schmeckt es nicht – aber es wirkt.

    Überall im Essen – wie konnte das passieren? Die Franzosen lieben Brot, Kartoffeln und Gemüse. Genau diese Lebensmittel aber sind laut der französischen Gesundheitsbehörde Anses die Hauptquellen für Cadmium in der täglichen Ernährung. Auch Algen, Krustentiere, Innereien, Schokolade und einige Frühstückscerealien sind oft stark belastet. Und weil sich Cadmium im Körper über Jahrzehnte anreichert – besonders in Leber und Nieren – wird daraus ein schleichendes Problem. Die Halbwertszeit? Zwischen 10 und 30 Jahren. Die französische Studie ESTEBAN zeigt, wie weit verbreitet die Belastung schon ist: Knapp die Hälfte der Erwachsenen und fast jedes fünfte Kind weist höhere Cadmium-Werte auf als empfohlen. Bei Kleinkindern unter drei Jahren sind es so…

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  • Trocken, trockener, Hauts-de-France – Wie eine historische Dürre die französische Landwirtschaft lahmlegt

    Trocken, trockener, Hauts-de-France – Wie eine historische Dürre die französische Landwirtschaft lahmlegt

    Was tun, wenn vom Himmel monatelang kein Wasser fällt? Wenn Felder staubtrocken bleiben und das Gras unter den Füßen knirscht wie Schnee im Winter? Im Norden Frankreichs, besonders im Département Nord, erleben Landwirte gerade genau das: eine Dürre, wie sie seit über 60 Jahren nicht mehr aufgetreten ist. Und das im Frühjahr, jener Zeit, in der eigentlich Wachstum angesagt ist – nicht Überlebenskampf.

    Kein Regen, kein Aufatmen

    Seit Februar hat es dort kaum geregnet. Die Regenmenge, die sonst in einem Monat fällt, verteilte sich auf ein ganzes Quartal. Dazu wehte ein trockener Nordostwind, der die letzte Feuchtigkeit aus den oberen Bodenschichten heraustrocknete. Die Folge: Böden, hart wie Beton – und Pflanzen, die nach Wasser lechzen.

    Manche Samen keimen erst gar nicht. Andere Pflanzen reagieren mit einem vorzeitigen Notfallprogramm: Sie schieben ihre Ähren viel zu früh aus – ein Versuch, sich irgendwie noch fortzupflanzen, bevor es zu spät ist. Das Ergebnis: Erträge brechen ein, Einkommen schrumpfen. Ein betroffener Landwirt bringt es auf den Punkt: „Es wird eine Ernte geben, ja – aber eine schwache. Zehn Prozent Verlust? Das ist noch optimistisch.“

    Wenn der Boden zum Gegner wird

    Getreide, Mais, Raps, Gerste – keine der typischen Feldfrüchte kommt ungeschoren davon. Besonders hart trifft es die Frühjahrssaaten. Wo keine Feuchtigkeit im Boden ist, gibt es kein Wachstum. Punkt. Die Pflanzen, die es schaffen, sind oft zu schwach, zu klein oder einfach nicht ergiebig genug. Man könnte meinen, sie wehren sich nicht gegen die Dürre – sie kapitulieren.

    Und der Mensch? Er versucht gegenzusteuern.

    Wasserschlachten – aber nicht jeder hat Munition

    Irrigation, also künstliche Bewässerung, ist aktuell die Rettungsleine für viele Bauern. Doch wie viele Schläuche kann man gleichzeitig verlegen, wenn das Wasser knapper wird? Wer zahlt für die Technik, die Pumpen, den Strom? Und was macht man in Regionen, in denen kein Zugang zu ausreichend Wasser besteht? Die Wahrheit ist unbequem: Viele Betriebe können sich flächendeckende Bewässerung schlicht nicht leisten. Für manche ist sie ohnehin keine Option – etwa wegen fehlender Infrastruktur. Und dann wäre da noch die ökologische Seite: Wenn jeder das Grundwasser anzapft, was bleibt dann für die Natur – und für morgen?

    Europa schwitzt mit

    Frankreich ist kein Einzelfall. Auch Belgien, die Niederlande, Teile Deutschlands und Großbritannien erleben einen Frühling, der eher an einen ausgedörrten August erinnert. Kaum Regen, heiße Winde, niedrige Luftfeuchtigkeit. Das Muster ist eindeutig – und beunruhigend. Europa bekommt zu spüren, was der Klimawandel in Bewegung setzt: Extremwetterlagen, die nicht mehr die Ausnahme, sondern die neue Normalität sind. Und das nicht in zehn Jahren – sondern jetzt.

    Ist das noch Wetter oder schon Krise?

    Solche Dürreperioden häufen sich. Und mit jeder Wiederholung wächst der Druck auf die Landwirtschaft. Muss sich die Art und Weise, wie wir anbauen, grundsätzlich ändern?

    Die Antwort lautet: ja. Aber wie genau?

    Eine Antwort darauf liegt in der Vielfalt. Monokulturen gelten schon lange als Risikofaktor – und Dürre verstärkt diese Schwächen. Mehr Vielfalt auf den Feldern, besser angepasste Sorten, Techniken, die Wasser sparen – all das gehört zur Zukunftsstrategie.

    Ein anderer Hebel: besseres Wassermanagement. Wo fließt das Regenwasser hin? Wie kann man es speichern, effizient verteilen? Und was ist mit der Forschung? Neue Methoden zur Bodenpflege, die das Wasser länger im Acker halten – das wird überlebenswichtig.

    Zwischen Frust und Hoffnung

    Manchmal fühlt es sich an wie ein Rennen gegen die Zeit – oder gegen einen Gegner, der immer einen Schritt voraus ist. Doch Resignation hilft nicht weiter. Die Landwirtschaft ist wandelbar – das hat sie in ihrer Geschichte immer wieder bewiesen. Und der technische Fortschritt eröffnet neue Möglichkeiten: Satelliten, Sensoren, präzisere Wettermodelle helfen, besser zu planen und schneller zu reagieren.

    Aber all das funktioniert nur, wenn die Politik mitzieht. Wenn finanzielle Unterstützung dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Wenn nachhaltige Strategien nicht bloß auf dem Papier stehen.

    Denn was steht auf dem Spiel? Nicht weniger als unsere Ernährungssicherheit – und die Existenz vieler Familienbetriebe, die seit Generationen für unser Brot, unser Gemüse, unser tägliches Essen sorgen.

    Und nun?

    Wie soll’s weitergehen? Die Dürre im Norden Frankreichs ist kein regionales Problem, sondern ein Symptom eines kränkelnden Klimasystems. Und wer jetzt noch glaubt, man könne einfach abwarten, bis „es wieder normal wird“, sollte dringend nach draußen schauen – oder besser: den Boden unter seinen Füßen prüfen.

    Denn dieser Boden spricht Bände. Er zeigt uns, was passiert, wenn das Gleichgewicht kippt.

    Autor: Andreas M. Brucker