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  • Frankreich, wo bleibt eigentlich dein großes Stromwunder?

    Frankreich, wo bleibt eigentlich dein großes Stromwunder?

    Kommentar

    Frankreich liebt seine Atomkraft. Sie gehört zur nationalen Erzählung wie der Eiffelturm, der TGV und die Überzeugung, dass man gewisse Dinge eben besser macht als die Nachbarn. Jahrzehntelang lautete das Versprechen: billiger Strom, sichere Versorgung, weniger Abhängigkeit vom Ausland. Eine formidable Idee. Nur stellt sich inzwischen eine ziemlich unangenehme Frage: Wo bleibt eigentlich die Dividende dieses gewaltigen Kraftwerksparks?

    An Strom mangelt es nämlich nicht.

    Frankreich erzeugte 2025 mehr als 95 Prozent seiner Elektrizität CO₂-arm, der Löwenanteil stammte aus Kernkraft. Das Land exportierte Strom in Rekordmengen. Elektronen? Reichlich vorhanden. Saubere noch dazu.

    Und nun kommt der französische Treppenwitz: Während das Land Strom exportiert, fährt ein gewaltiger Teil seines Verkehrs weiterhin mit importiertem Erdöl.

    Voilà.

    Noch 2024 stammten fast 90 Prozent der im französischen Verkehrssektor verbrauchten Energie aus Erdölprodukten. Elektroautos legen zwar kräftig zu; 2025 war ungefähr jeder fünfte neu verkaufte Pkw rein elektrisch. Doch im gesamten Fahrzeugbestand bleibt die Elektromobilität eine Minderheit. Selbst der französische Netzbetreiber RTE stellt nüchtern fest, dass die Elektrifizierung nicht schnell genug vorankommt.

    Man besitzt also eines der größten CO₂-armen Stromsysteme Europas – und verbrennt weiter Benzin und Diesel, als läge hinter jeder Tankstelle ein kleines gallisches Naturgesetz.

    Das muss man erst einmal schaffen.

    Noch merkwürdiger wirkt die Sache bei der viel beschworenen Energieunabhängigkeit. Frankreichs Atomreaktoren machen das Stromsystem tatsächlich erheblich weniger abhängig von Gas als das vieler Nachbarn. Das ist ein handfester Vorteil. Nur besteht eine Volkswirtschaft leider nicht ausschließlich aus Steckdosen.

    Verkehr, Industrie und Wärme verschlingen weiterhin fossile Energien. Gasimporte bleiben bedeutend, Öl sowieso. 2025 zahlte Frankreich trotz gesunkener Importpreise noch immer eine Energieimportrechnung von 45,8 Milliarden Euro.

    Und dann genügt eine geopolitische Krise irgendwo zwischen Pipeline, Tankerroute und LNG-Terminal – schon hustet Europa, die Preise springen und Paris blickt nervös auf die Märkte.

    Da steht er also, der französische Atomriese: mächtig, produktiv, vergleichsweise CO₂-arm – und daneben eine Wirtschaft, die noch immer viel zu oft am fossilen Tropf hängt.

    Das Problem Frankreichs lautet deshalb nicht: Wo bleibt der Atomstrom?

    Er ist längst da.

    Die spannendere Frage lautet: Warum nutzt Frankreich diesen Strom nicht entschlossener dort, wo heute noch Öl und Gas verbrannt werden?

    Denn Energieunabhängigkeit entsteht nicht dadurch, dass man stolz auf seine Kraftwerke zeigt. Sie entsteht erst dann, wenn ihre Elektrizität tatsächlich Benzin, Diesel und Gas verdrängt.

    Bis dahin bleibt Frankreichs Energiewende ein bisschen wie ein Ferrari, der vor der Haustür glänzt, während man zum Bäcker mit dem alten Diesel fährt.

    Très chic. Aber eben auch ziemlich absurd.

    Andreas M. Brucker

  • Nachrichten im Überblick: Globale Entwicklungen auf einen Blick

    Nachrichten im Überblick: Globale Entwicklungen auf einen Blick

    Israel verschärft Maßnahmen gegen palästinensische Bürger wegen Kritik am Gaza-Krieg.

    Seit Beginn des Krieges im Gazastreifen vor einem Jahr intensiviert die israelische Regierung ihr Vorgehen gegen palästinensische Staatsbürger, die sich öffentlich gegen den Krieg äußern. Menschenrechtsorganisationen und Aktivisten kritisieren, dass diese Maßnahmen die Meinungsfreiheit einschränken und gezielt auf eine bereits marginalisierte Bevölkerungsgruppe abzielen. Ob es gelingt, den schmalen Grat zwischen Sicherheitsbedenken und Bürgerrechten zu wahren, bleibt eine offene Frage.

    Pakistan schränkt Internet- und Mobilfunkdienste vor Pro-Imran-Khan-Protest ein

    Die pakistanische Regierung hat in ausgewählten Gebieten mit „Sicherheitsbedenken“ die mobilen Internet- und Telefondienste ausgesetzt. Hintergrund ist eine geplante Großdemonstration von Anhängern des inhaftierten Ex-Premiers Imran Khan in Islamabad. Die Maßnahme stößt auf scharfe Kritik von Opposition und Aktivisten, die sie als Versuch sehen, Proteste zu unterdrücken. Unterdessen bleibt die politische Landschaft des Landes von Spannungen und Unsicherheit geprägt.

    Nigeria setzt auf Erdgas: Reaktion auf steigende Transportkosten nach Streichung der Benzinsubventionen

    Nach der Abschaffung der Benzinsubventionen sieht sich Nigeria mit einer der schlimmsten Lebenshaltungskostenkrisen seiner Geschichte konfrontiert. Um die Auswirkungen abzufedern, setzt das Land zunehmend auf Erdgas als Alternative im Transportsektor. Die Regierung bewirbt die Umstellung als nachhaltige Lösung, doch viele Bürger kämpfen weiterhin mit explodierenden Kosten für Grundbedarfe. Die Frage bleibt: Kann Erdgas die breite Bevölkerung wirklich entlasten?

    Uruguay: Präsidentschaftswahl wird zum spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen

    In Uruguay entscheidet sich am Sonntag, wer die kommenden Jahre das Land regieren wird. Die Wahl verspricht spannend zu werden, denn das Rennen zwischen der konservativen Regierungspartei und einer linken Koalition ist völlig offen. Im ersten Wahlgang verfehlten beide Seiten eine absolute Mehrheit. Die hohe Beteiligung und die Polarisierung der Wähler zeigen, wie stark das Interesse an der politischen Zukunft des Landes ist – ein seltener Moment in einer sonst eher ruhigen Demokratie.

  • TotalEnergies stoppt bis Jahresende den Kauf von russischem Öl und Dieselkraftstoff

    TotalEnergies stoppt bis Jahresende den Kauf von russischem Öl und Dieselkraftstoff

    Der französische Energieriese, der seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine unter Druck steht, beschloss am Dienstag, bis Ende 2022 „keine Verträge über den Kauf von russischem Öl und Ölprodukten mehr abzuschließen oder zu verlängern“. Allerdings will TotalEnergies weiterhin Erdgas aus Russland einkaufen.

    TotalEnergies, das für seinen Einkauf in Russland in der Kritik steht, hat sich nun teilweise von Russland distanziert, indem es ankündigte, bis spätestens Ende des Jahres auf den Kauf von russischem Öl oder Ölprodukten zu verzichten.

    Der französische Öl- und Gasriese veröffentlichte am Dienstag in einer Erklärung, dass er angesichts der „Verschärfung des Konflikts“ in der Ukraine, fast einen Monat nach der Invasion durch Russland, „zusätzliche Maßnahmen“ ergreifen werde.

    „TotalEnergies trifft die Entscheidung, keine Verträge über den Kauf von russischem Öl und Ölprodukten mehr abzuschließen oder zu verlängern, um jeglichen Kauf von russischem Öl oder Ölprodukten so schnell wie möglich und spätestens bis Ende 2022 einzustellen“, erklärte der Konzern.

    Konkret will TotalEnergies für seine Raffinerie in Leuna in Ostdeutschland nach alternativen Lieferungen suchen – insbesondere durch Importe über Polen.

    Die Entscheidung gilt auch für Dieselkraftstoff, der in Europa und insbesondere in Frankreich sehr verbreitet ist. Dieser soll aus anderen Ländern importiert werden, insbesondere aus seiner Satorp-Raffinerie in Saudi-Arabien (im Besitz von Saudi Aramco).

    TotalEnergies hatte bereits angekündigt, dass es kein Kapital mehr für neue Projekte in Russland bereitstellen würde, ohne sich jedoch kompülett aus dem Land zurückzuziehen, in dem es seit Anfang der 1990er Jahre tätig ist.

    Der französische Konzern ist mit 19,4% am russischen Gasriesen Novatek beteiligt und hält eine 20%ige Beteiligung an Jamal LNG, einem Projekt, das Ende 2017 in Betrieb genommen wurde und bis 2020 mehr als 18 Millionen Tonnen verflüssigtes Erdgas (LNG) produziert hat.

    Der Konzern hält außerdem eine 10-prozentige Beteiligung an Arctic LNG 2, einem Projekt, dessen erste LNG-Lieferung für 2023 geplant ist.

    Der Verbleib des Konzerns in Russland wurde unter anderem vom grünen Präsidentschaftskandidaten Yannick Jadot kritisiert, der das Unternehmen als „Komplizen“ von „Kriegsverbrechen“ bezeichnete.

    In Bezug auf ihre wichtigen Beteiligungen ist die Gruppe der Ansicht, dass es kontraproduktiv wäre, diese jetzt zun verkaufen, da sich im derzeitigen Umfeld kein nicht-russischer Käufer finde. „Diese Beteiligungen ohne finanzielle Gegenleistung aufzugeben, würde eher dazu beitragen, russische Investoren zu bereichern, was dem eigentlichen Zweck der Sanktionen widerspricht“, merkt das Unternehmen an.

    „TotalEnergies versorgt Europa weiterhin mit verflüssigtem Erdgas aus der Anlage Jamal LNG im Rahmen langfristiger Verträge, die sie erfüllen muss, solange die Regierungen russisches Gas für notwendig erachten“.

    Im Gegensatz zu den USA hat die Europäische Union den russischen Energiesektor bislang nicht sanktioniert. Sie gibt sich bis 2027 Zeit, um eine Unabhängigkeit von Russland aufzubauen, da Länder wie Deutschland sehr stark von Gas aus Russland abhängig sind.