Schlagwort: Emmanuel Macron

  • Leserbrief zur Ankündigung des Besuchs von Ahmed al-Scharaa in Paris

    Leserbrief zur Ankündigung des Besuchs von Ahmed al-Scharaa in Paris

    Assyrischer Kulturverein e.V 

    Charli Kanoun 

    66740 Saarlouis 

    Hauptstraße Nr. 84 

    Mit großem Entsetzen haben wir – der Assyrische Kulturverein e.V. und die Assyrische Autonomie Bewegung e.V. – von dem geplanten Besuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Frankreich erfahren. Wir lehnen diesen Besuch entschieden ab.

    Ahmed al-Scharaa, ehemals Führer der radikalislamistischen Al-Nusra-Front, trägt direkte Verantwortung für schwere Verbrechen an der christlichen und assyrischen Bevölkerung in Syrien. Unter seiner Führung wurden Kirchen zerstört, Geistliche verschleppt, unschuldige Zivilisten gefoltert oder getötet. Auch die Alawiten und andere religiöse Minderheiten wurden unter seiner Herrschaft systematisch verfolgt. Die blutige Vergangenheit seiner Miliz kann nicht durch politische Rhetorik reingewaschen werden.

    Wir Assyrer sind eines der ältesten Völker des Nahen Ostens – mit einer über 6000-jährigen Geschichte und tiefen christlichen Wurzeln. In Syrien waren wir über Jahrhunderte hinweg Teil des kulturellen und religiösen Mosaiks, haben in Bildung, Medizin, Wirtschaft und Gesellschaft aktiv mitgewirkt – stets friedlich, stets offen für Koexistenz. Doch gerade wir wurden in den letzten Jahrzehnten Opfer von Diskriminierung, Vertreibung und Gewalt – besonders unter der Herrschaft extremistischer Gruppen wie jener, die Ahmed al-Scharaa mit aufgebaut hat.

    Dass nun ein Mann, der einst auf der EU-Terrorliste stand, in Paris empfangen wird, ist für viele Opfer seiner Gewalt ein Schlag ins Gesicht. Es ist eine gefährliche Normalisierung eines radikalen Akteurs, dessen Loyalität zur Demokratie und zu den Werten Europas höchst zweifelhaft bleibt.

    Wir Assyrer sprechen uns auch klar gegen die von al-Scharaa unterstützte neue syrische Verfassung aus. Sie ignoriert die kulturellen und religiösen Rechte unserer Gemeinschaft und anderer Minderheiten und zementiert die politische Vormachtstellung einer bestimmten Gruppe.

    Frankreich hat historisch eine besondere Verantwortung gegenüber Syrien und seinen Minderheiten. Gerade deshalb fordern wir: Keine Bühne für Extremisten – keine Anerkennung für Täter.

    Assyrischer Kulturverein e.V.

    Charli Kanoun 

    Assyrische Autonomie Bewegung e.V.

    Mayed Bahi 


    Disclaimer:
    Die in diesem Leserbrief geäußerten Meinungen und Ansichten stammen ausschließlich von der jeweiligen Verfasserin bzw. dem Verfasser und spiegeln nicht zwangsläufig die Haltung der Redaktion von Nachrichten.fr wider. Für den Inhalt des Beitrags ist allein der Autor oder die Autorin verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen und sprachlich zu überarbeiten.

  • Kommentar: Ein Handschlag, der schmerzt

    Kommentar: Ein Handschlag, der schmerzt

    Es gibt Momente in der Politik, die sich anfühlen wie ein Stich ins Herz der Erinnerung. Der Empfang von Ahmed al-Charaa, ehemals bekannt als Abu Mohammed al-Jolani, durch Emmanuel Macron im Élysée gehört dazu. Ein Akt von historischer Tragweite – nicht, weil er Hoffnung säte, sondern weil er schmerzhafte Fragen aufreißt.

    Wessen Hände berührt Frankreich da? Und was wird dabei stillschweigend mitgewaschen?

    Al-Charaa führte einst eine Gruppierung an, deren Name für viele Syrerinnen und Syrer gleichbedeutend ist mit Angst, Gewalt und Vertreibung. Hayat Tahrir al-Sham – HTS – wurde weltweit als terroristische Organisation eingestuft. Ihr Vorgehen in Städten wie Aleppo hat Spuren hinterlassen, tiefe Wunden, die sich nicht mit einem diplomatischen Lächeln schließen lassen.

    Natürlich: Die Welt der Diplomatie kennt keine makellosen Partner. Jeder Staatsbesuch, jedes Treffen auf Augenhöhe ist durchzogen von Grautönen. Doch es gibt einen Unterschied zwischen Pragmatismus und Prinzipienverrat.

    Macrons Entscheidung wirkt wie ein diplomatischer Drahtseilakt – aber ohne Netz.

    Die Idee dahinter ist wohl, sich in einem Syrien nach dem Krieg neu zu positionieren, Einfluss zu sichern, Stabilität mitzugestalten. Doch um welchen Preis? Frankreich hat sich in der Vergangenheit gern als Hüterin der Menschenrechte inszeniert. Dieser Empfang lässt diese Haltung wie eine wohlklingende, aber längst verstaubte Floskel erscheinen.

    Ein Land, das stolz auf seine Werte ist, darf diese nicht aus politischem Kalkül über Bord werfen – sonst verliert es seine Glaubwürdigkeit.

    Stellen wir uns vor, wie sich die Jesiden fühlen, die Christen, die gemäßigten Muslime, deren Angehörige durch HTS unterdrückt, verfolgt, getötet wurden. Was bedeutet es für sie, wenn der Mann, der all das mitverantwortet hat, nun in Paris Champagner trinkt?

    Das ist kein diplomatischer Neuanfang – das ist ein Faustschlag für die Opfer.

    Ja, vielleicht hat sich al-Charaa gewandelt. Vielleicht verfolgt er nun andere Ziele. Vielleicht ist er tatsächlich ein Baustein für ein neues Syrien. Aber sollte so jemand nicht erst Rechenschaft ablegen, bevor er auf roten Teppichen empfangen wird?

    Vergebung setzt Erinnerung voraus – und Gerechtigkeit.

    Wird diese Vergangenheit wirklich aufgearbeitet? Oder verdrängt man sie einfach, weil sie unbequem ist? Die französische Politik täte gut daran, sich diesen Fragen ehrlich zu stellen. Sonst läuft sie Gefahr, ihre moralische Integrität dem kurzfristigen geopolitischen Vorteil zu opfern.

    Der Besuch von al-Charaa mag eine neue Ära einläuten – aber was für eine? Eine, in der internationale Anerkennung nicht mehr an Taten, sondern nur noch an Macht geknüpft ist?

    Macron selbst sprach einst davon, dass Frankreich „eine Stimme für die Stimmlosen“ sein wolle. Dieser Handschlag – mit einem Mann, der für viele der Inbegriff der Gewalt ist – spricht eine andere Sprache.

    Vielleicht ist genau das das Bitterste an dieser ganzen Geschichte: dass Politik manchmal so tut, als würde sie Brücken bauen, dabei aber Gräben vertieft.

    Von Catherine H.

  • Die Achse der Verantwortung – Warum das deutsch-französische Verhältnis Europas Zukunft bleibt

    Die Achse der Verantwortung – Warum das deutsch-französische Verhältnis Europas Zukunft bleibt

    Seit Jahrzehnten ist das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich das Fundament der europäischen Integration. Diese bilaterale Partnerschaft, oft symbolisch als „deutsch-französisches Paar“ bezeichnet, ist weit mehr als ein diplomatisches Ritual. Sie ist ein politischer Kraftkern, der Impulse gibt, Krisen kanalisiert und Europa in schwierigen Zeiten zusammenhält. Gerade in einer Phase globaler Umbrüche verdient dieser Motor eine nüchterne Neubewertung – frei von romantischer Überhöhung, aber auch fern jeder resignativen Skepsis.

    Die historische Dimension der Beziehung ist nicht zu überschätzen: Aus Feinden wurden Verbündete, aus ideologischer Konfrontation entstand eine konstruktive Arbeitsbeziehung. Die Unterzeichnung des Élysée-Vertrags durch Charles de Gaulle und Konrad Adenauer im Jahr 1963 war kein Schlussstrich, sondern ein Anfang. Ein politischer Neuanfang, der sich seither in immer neuen Konstellationen behaupten musste – von der Währung über die Verteidigung bis zur Migrationspolitik. Dabei zeigt sich: Entscheidend ist nicht allein der institutionelle Rahmen, sondern die Fähigkeit zur politischen Verständigung zwischen den jeweiligen Führungsduos.

    Valéry Giscard d’Estaing und Helmut Schmidt schufen mit dem Europäischen Währungssystem die Grundlage für die spätere Einführung des Euro – nicht aus ideologischer Euphorie, sondern aus ökonomischer Vernunft. François Mitterrand und Helmut Kohl gingen über das Symbolische hinaus: Ihre Geste in Verdun war Ausdruck einer tiefen politischen Überzeugung, dass ohne Verständigung zwischen Paris und Bonn kein geeintes Europa denkbar ist. Jacques Chirac und Gerhard Schröder widersetzten sich 2003 dem Irak-Krieg – eine seltene deutsch-französische Allianz gegen den Mainstream transatlantischer Politik. In der Finanzkrise traten Nicolas Sarkozy und Angela Merkel als Antipoden auf – doch auch ihre Spannungen verhinderten nicht, dass Europa wirtschaftlich stabilisiert wurde. Diese Ambivalenz gehört zur Wahrheit: Auch funktionierende Partnerschaften kennen Konflikte.

    Angela Merkel und François Hollande knüpften pragmatisch an die Tradition an. In der Flüchtlingskrise 2015 zeigten sie, dass Humanität und Ordnung keine Gegensätze sein müssen – jedenfalls dann nicht, wenn sie europäisch koordiniert sind. Emmanuel Macron und Olaf Scholz standen seither vor einer Welt, die grundlegend anders geworden war: Pandemie, Krieg in der Ukraine, Energiekrise, strategischer Druck aus China und den USA. Die deutsch-französische Zusammenarbeit ist hier weder automatisch noch problemlos. Differenzen in der Industriepolitik, bei der Verteidigung oder in der Erweiterungsfrage der EU sind offensichtlich. Doch auch das ist ein Zeichen von Reife: Eine Partnerschaft, die divergierende nationale Interessen offen austrägt, ohne sich aufzulösen, zeigt Stärke – nicht Schwäche.

    Europa steht unter Druck – außenpolitisch wie innenpolitisch. Die europäische Idee ist bedroht durch Populismus, geopolitische Fragmentierung und wirtschaftliche Unsicherheiten. In diesem Umfeld ist es keine Folklore, sondern eine strategische Notwendigkeit, dass Deutschland und Frankreich gemeinsam agieren. Ihre Zusammenarbeit schafft nicht automatisch Konsens, aber sie schafft die Möglichkeit, dass Europa überhaupt handlungsfähig bleibt.

    Dazu bedarf es jedoch mehr als gemeinsamer Pressekonferenzen. Es braucht eine gemeinsame Vision, die über technokratische Feinabstimmungen hinausgeht. Die europäische Verteidigung, die Zukunft der EU-Finanzpolitik, der Umgang mit einer möglichen neuen Erweiterungsrunde – all das verlangt politische Führungsstärke. Gerade hier liegt aktuell ein Defizit. Die Beziehung zwischen Macron und Scholz wirkte nicht dysfunktional, aber auch nicht visionär. Man sprach miteinander, aber zu selten miteinander für Europa. Der Geist von Verdun ist nicht tot, aber er braucht politische Nahrung.

    Ein Rückfall in nationale Reflexe, wie er in jüngster Zeit vereinzelt zu beobachten ist, wäre gefährlich. Denn kein anderes Duo in Europa verfügt über vergleichbare politische Hebel, um komplexe Kompromisse zu ermöglichen. Weder Italien noch Polen, weder Spanien noch die nordischen Staaten haben in der EU die gleiche strukturelle Stellung. Die deutsch-französische Achse bleibt alternativlos – nicht aus Nostalgie, sondern weil ohne sie die europäische Integration Gefahr läuft, zum Stillstand zu kommen.

    Die Herausforderungen unserer Zeit dulden keine strategische Lethargie. Wenn Berlin und Paris ihre Rolle ernst nehmen, kann Europa in einer multipolaren Welt bestehen. Wenn sie sich jedoch in gegenseitigen Vorbehalten erschöpfen, droht dem Kontinent eine Phase der Orientierungslosigkeit. Gerade deshalb ist jetzt der Moment, das deutsch-französische Verhältnis nicht nur zu pflegen, sondern neu zu beleben. Nicht durch neue Verträge, sondern durch politischen Mut zur Führung.

    Und das ist die große Aufgabe des neuen Bundeskanzlers Friedrich Merz!

    P.T.

  • Macrons Referendumsplan: Neustart der Demokratie oder riskante Wette?

    Macrons Referendumsplan: Neustart der Demokratie oder riskante Wette?

    Emmanuel Macron will wieder auf der Bühne der Innenpolitik glänzen – und diesmal sollen die Bürgerinnen und Bürger selbst mitspielen. Am 13. Mai kündigt der Präsident in einer Sondersendung auf TF1 voraussichtlich ein Referendum an, das gleich mehrere Fragen umfasst. Ein ambitionierter Schritt, wie ihn Frankreich seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Doch was steckt wirklich dahinter – und was wollen die Parteien daraus machen? Mehr Demokratie wagen – oder Stimmenfang? Macron hat das Ohr am Volk, so stellt es der Elysée-Palast dar. Und tatsächlich: Der Wunsch nach mehr Mitbestimmung ist seit den „Gilets jaunes“ allgegenwärtig. Doch ein Mehrfragen-Referendum birgt auch Risiken. Wenn zu viele unterschiedliche Themen vermischt werden, droht Orientierungslosigkeit. Die Kunst liegt in der Auswahl der Fragen – und die ist politisch hochbrisant. Die Vorschläge auf dem Tisch – ein bunter Strauß voller Sprengkraft Rassemblement National (RN)Marine Le Pen trommelt seit Jahren für ein Referend…

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  • Digitale Hetze gegen Brigitte Macron – Ein Fall von Desinformation und politischer Manipulation

    Digitale Hetze gegen Brigitte Macron – Ein Fall von Desinformation und politischer Manipulation

    Wenn Worte zu Waffen werden, dann sind soziale Netzwerke längst ein Schlachtfeld. Im Zentrum der jüngsten Angriffe: Brigitte Macron. Die französische First Lady wurde erneut Zielscheibe einer gut geplanten und böswilligen Kampagne – mit falschen Vorwürfen, Hassbotschaften und haltlosen Verschwörungstheorien. Ein KI-Fake als „Beweis“ Im Frühjahr 2025 tauchte eine verstörende Videoaufnahme auf, die angeblich einen ehemaligen Schüler von Brigitte Macron zeigt. Der Inhalt: schwere Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs im Kindesalter. Der Clip verbreitete sich rasant über X (ehemals Twitter), Reddit, Facebook und sogar Plattformen wie Rumble oder Bitchute. Doch die Wahrheit sah anders aus: Das Video war vollständig KI-generiert, inklusive Stimme und Mimik des angeblichen Opfers. Urheber dieser Fälschung war offenbar das russische Netzwerk Storm-1516 – ein Ableger der Internet Research Agency (IRA), einer Organisation, die schon früher durch aggressive Desinformationskampagnen auffiel. Was stec…

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  • Sarkozys Légion d’honneur vor Gericht – Symbol oder Skandal?

    Sarkozys Légion d’honneur vor Gericht – Symbol oder Skandal?

    Die Légion d’honneur ist Frankreichs höchste Auszeichnung – ein Ehrenzeichen, das für Verdienste um das Land steht. Doch was geschieht, wenn ein Träger dieser Auszeichnung wegen Korruption verurteilt wird? Genau darum geht es jetzt in einem aufsehenerregenden Verfahren gegen den ehemaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. Am 6. Mai 2025 landete der Fall vor dem Verwaltungsgericht von Paris – angestoßen von Nachkommen anderer Ausgezeichneter, die den Entzug seiner Ehrenlegion fordern. Es ist mehr als ein juristisches Geplänkel – es geht ums Prinzip. Ein Urteil mit Nachwirkungen Zur Erinnerung: Nicolas Sarkozy wurde am 18. Dezember 2024 rechtskräftig zu drei Jahren Haft verurteilt – eines davon ohne Bewährung – wegen Korruption und Einflussnahme im Rahmen der sogenannten „Bismuth-Affäre“. Für viele Beobachter hätte dieses Urteil automatisch zur Aberkennung der wertvollen Auszeichnung führen müssen. Denn laut dem Ehrenkodex ist bei einer strafrechtlichen Verurteilung der Ausschluss aus …

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  • Ein Besuch mit Sprengkraft – Syriens neuer Präsident wird im Élysée empfangen

    Ein Besuch mit Sprengkraft – Syriens neuer Präsident wird im Élysée empfangen

    Ein Mann mit einem brisanten Lebenslauf wird heute im Herzen Europas empfangen – Ahmed al-Charaa, Interimspräsident Syriens, betritt erstmals europäischen Boden, um mit Emmanuel Macron im Élysée zu sprechen. Dieser Besuch entfacht in Frankreich ein politisches Beben, denn al-Charaa war einst Führer einer Organisation, die direkt aus dem Umfeld von Al-Qaida stammt. Doch wer ist dieser Mann tatsächlich – Hoffnungsträger oder Wolf im Schafspelz? Frankreichs Politik zwischen Schock und Strategie Die Reaktionen auf die Einladung sind heftig. Marine Le Pen nennt den Empfang „eine Provokation“ und spricht von einer „verantwortungslosen Geste“. Ihrer Meinung nach handelt es sich bei al-Charaa um einen „Ex-Dschihadisten“, der nichts in einem demokratischen Land verloren hat. Auch Éric Ciotti schlägt in dieselbe Kerbe und warnt vor einem fundamentalen Fehler, der Frankreichs Sicherheit gefährden könne. Ganz anders der Ton im Élysée. Für Emmanuel Macron ist der Empfang ein Ausdruck französischer …

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  • Ein neuer Anlauf für Europa: Friedrich Merz ist neuer Bundeskanzler

    Ein neuer Anlauf für Europa: Friedrich Merz ist neuer Bundeskanzler

    Mit der Wahl von Friedrich Merz zum zehnten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland beginnt ein neues Kapitel in den deutsch-französischen Beziehungen. Aus französischer Perspektive bietet sich die Gelegenheit, die strategische Partnerschaft mit Berlin neu zu beleben – in Zeiten geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Herausforderungen ein dringend benötigtes Signal europäischer Handlungsfähigkeit.

    Deutschland hat gewählt, wenn auch nicht ohne Zögern. Der erste Wahlgang im Bundestag brachte nicht das erwartete Ergebnis: Friedrich Merz verfehlte mit 310 Stimmen die absolute Mehrheit (316 Stimmen) – ein historischer Moment, der Fragen nach der Geschlossenheit seiner Regierungskoalition aufwarf. Erst im zweiten Wahlgang konnte sich der Vorsitzende der CDU mit 325 der abgegebenen Stimmen durchsetzen. Damit endet eine Phase der Unsicherheit, die nicht nur in Berlin, sondern auch in Paris mit Sorge verfolgt wurde. Emmanuel Macron, der französische Staatspräsident, hatte früh erkennen lassen, dass er in Merz einen verlässlichen Gesprächspartner sieht – ideologisch konservativ, wirtschaftsliberal und transatlantisch orientiert, aber zugleich ein überzeugter Europäer.

    Ein konservativer Kurs mit europäischem Anspruch

    Frankreich blickt mit einer Mischung aus Hoffnung und Wachsamkeit auf den neuen Kanzler. Merz verkörpert einen wirtschaftsliberalen Kurs, der auf fiskalische Disziplin und marktwirtschaftliche Reformen setzt. In Paris wird dieser Kurs grundsätzlich begrüßt, solange er mit einer europäischen Perspektive einhergeht. Denn die Herausforderungen, vor denen der Kontinent steht – von der industriellen Wettbewerbsfähigkeit bis zur strategischen Autonomie – verlangen gemeinsame Antworten.

    Die Handschrift Merz’ wird auch die wirtschaftspolitische Ausrichtung Europas prägen. Paris erwartet von Berlin keine Rückkehr zu einer rigiden Austeritätspolitik, sondern eine konstruktive Mitgestaltung einer Wachstumsagenda. Das deutsch-französische Tandem könnte hier Impulse setzen – etwa in der Frage eines neuen europäischen Investitionsfonds oder bei der Umsetzung des Green Deal. Die Bereitschaft, Investitionen in Digitalisierung, Energieinfrastruktur und Verteidigung gemeinsam zu schultern, gilt als Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit der Union.

    Ein Antrittsbesuch mit Signalwirkung

    Dass Friedrich Merz bereits am Tag nach seiner Wahl in Paris empfangen wird, ist kein diplomatischer Zufall, sondern ein gezieltes Signal: Der Élysée-Palast will die enge Abstimmung mit dem Kanzleramt von Beginn an institutionalisieren. Macron setzt damit auf Kontinuität im bilateralen Verhältnis – ungeachtet des parteipolitischen Wechsels in Berlin. In den vergangenen Jahren hatten sich unter Olaf Scholz und Macron zwar zahlreiche Kontakte ergeben, doch fehlte es nicht selten an politischer Synchronität. Nun eröffnet sich die Möglichkeit zu einem Neuanfang.

    Im Zentrum der Gespräche dürfte die europäische Sicherheitsarchitektur stehen. Vor dem Hintergrund der fortgesetzten Instabilität an Europas Grenzen, insbesondere durch die russische Aggression in der Ukraine, ist eine engere militärische Kooperation unvermeidlich. Frankreich hofft auf deutsche Unterstützung für eine stärkere europäische Verteidigung – sowohl finanziell als auch strategisch. Merz, der sich in der Vergangenheit deutlich für eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben ausgesprochen hat, dürfte hier gesprächsbereit sein.

    Zwischen Pragmatismus und Ambition

    Die innenpolitische Lage in Deutschland bleibt jedoch fragil. Die neue Koalition unter Führung von CDU und SPD ist ein Zweckbündnis, getragen weniger von gemeinsamer Vision als von politischem Kalkül. Paris ist sich bewusst, dass der Handlungsspielraum des Kanzlers durch Koalitionsdisziplin und parteiinterne Machtgefüge begrenzt ist. Doch Merz gilt als erfahrener Stratege, der mit politischem Instinkt und ökonomischer Expertise ausgestattet ist. Für Macron bietet sich damit die Möglichkeit, zentrale Projekte europäischer Integration mit neuem Elan anzugehen.

    Besondere Aufmerksamkeit gilt in Paris auch der Haltung der neuen Bundesregierung zur Reform der EU-Institutionen. Während Frankreich sich für ein Mehrheitsprinzip in der Außenpolitik starkmacht, steht Deutschland traditionell für Konsenslösungen. Hier könnte Merz – wenn auch vorsichtig – Bewegung in festgefahrene Strukturen bringen. Ein möglicher Kompromiss könnte in sektoralen Mehrheitsentscheidungen liegen, etwa in der Entwicklungshilfe oder bei Sanktionsregimen.

    Eine neue Dynamik für Europa

    Die Wahl von Friedrich Merz markiert nicht nur einen Wendepunkt in der deutschen Innenpolitik, sondern hat auch das Potenzial, Europa neue Dynamik zu verleihen. In einer Phase, in der die Europäische Union vor nie dagewesenen Herausforderungen steht – von der globalen wirtschaftlichen Neuordnung über den Klimawandel bis hin zur Verteidigung ihrer Werte – ist die deutsch-französische Zusammenarbeit wichtiger denn je. Macron und Merz haben nun die Chance, diesen Anspruch mit Leben zu füllen.

    Ihr morgiges Treffen in Paris könnte dabei zum Auftakt einer neuen Etappe europäischer Politik werden: geprägt von Pragmatismus, strategischem Denken und der Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Die Voraussetzungen sind gegeben – es liegt an beiden Seiten, sie zu nutzen.

    Von Andreas Brucker

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  • Frankreich bleibt gelassen: Die Kanzlerkrise in Berlin unter stiller Beobachtung aus Paris

    Frankreich bleibt gelassen: Die Kanzlerkrise in Berlin unter stiller Beobachtung aus Paris

    Während in Berlin das politische Erdbeben nach dem gescheiterten ersten Wahlgang zur Kanzlerschaft Friedrich Merz nachhallt, zeigt sich Paris erstaunlich zurückhaltend. Kein offizielles Statement aus dem Élysée, keine Eil-Meldung aus dem Quai d’Orsay. Und doch ist die Aufmerksamkeit groß – hinter verschlossenen Türen wird in der französischen Hauptstadt genau registriert, was sich in der deutschen Nachbarschaft abspielt. Die französische (Nicht-)Reaktion auf die Berliner Ereignisse ist kein Ausdruck von Desinteresse, sondern Ergebnis einer bewussten politischen Haltung: kühle Analyse statt impulsiver Kommentierung. Dass Friedrich Merz bei der Kanzlerwahl durchfiel, obwohl seine Koalition aus CDU/CSU und SPD über eine klare Mehrheit verfügt, wird in Frankreich nicht als bloßes innenpolitisches Missgeschick verstanden. Vielmehr sehen französische Beobachter darin ein Anzeichen für strukturelle Fragilität der neuen Regierung. Die Kommentare in den Pariser Redaktionen fielen entsprechend d…

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  • Jetzt sind Sie dran, Herr Merz

    Jetzt sind Sie dran, Herr Merz

    Herr Merz, heute ist Ihr Tag. Sie stehen auf dem Höhepunkt einer politischen Karriere, die viele bereits für beendet hielten. Sie haben es geschafft: Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Zehnter in der Geschichte, aber der erste Ihrer Art. Kein Kanzler der Mitte, kein Verwaltungsprofi im Schatten der Großen. Sie sind gekommen, um zu führen – das haben Sie versprochen. Jetzt müssen Sie liefern.

    Ihr Wahlsieg fällt in eine Zeit, in der Europa taumelt. In Paris sitzt ein Präsident, der sich seit Jahren die Zunge fusselig redet, weil er auf ein deutsches „Ja“ wartet: zu einer gemeinsamen Verteidigung, zu einem industriellen Aufbruch, zu einer echten europäischen Souveränität. Emmanuel Macron ist kein einfacher Partner. Aber er ist ein überzeugter Europäer – und er sehnt sich nach einem Gegenüber in Berlin, das nicht nur verwaltet, sondern gestaltet. Bisher hat er vergeblich gewartet.

    Jetzt sind Sie dran, Herr Merz.

    Sie haben gesagt, Europa sei bedroht. Das stimmt. Von außen durch einen Krieg, der nicht enden will. Von innen durch Populisten, die Mauern bauen wollen, wo Brücken gebraucht würden. Und von den Demokratien selbst, wenn sie in Technokratie erstarren und das Vertrauen ihrer Bürger verlieren. Deutschland war lange das ruhende Zentrum Europas. Vielleicht zu lange. Die Welt ist nicht mehr ruhig.

    Frankreich will ein starkes Deutschland – aber nicht ein dominantes. Es will ein Partner sein, kein Bittsteller. Paris wird Ihnen mit Wohlwollen begegnen, aber nicht mit Unterwürfigkeit. Die Vorschläge liegen auf dem Tisch: ein gemeinsames Rüstungsprojekt, ein europäischer Energieplan, eine Reform der EU-Finanzarchitektur. All das braucht deutsches Engagement, keine deutsche Bedenkenträgerei.

    Jetzt sind Sie dran, Herr Merz.

    Sie kommen aus dem Sauerland, aus der Provinz. Und doch sind Sie ein global denkender Mensch. Sie verstehen die Märkte, Sie kennen die Sprache der Wirtschaft – aber auch die der Verantwortung. Deutschland darf nicht länger nur Exportweltmeister sein. Es muss Demokratieweltmeister werden. In einer Zeit, in der Trump wieder ins Weiße Haus zurückgekehrt ist, in der Putin weiter Krieg führt und Peking den Westen testet, kann sich Europa keine deutsche Funkstille mehr leisten.

    Sie haben gesagt, Sie wollen den „Kanzler der Tat“ geben. Gut. Aber Taten brauchen Richtung. Haltung. Und Mut. Das verlangt Paris. Das verlangt Warschau. Und das verlangt vor allem das eigene Land, das müde geworden ist von lähmender Koalitionsarithmetik und einem „Weiter so“ im Krisenmodus.

    Heute haben Sie den Schlüssel zum Kanzleramt erhalten. Jetzt ist es an der Zeit, die Tür zu öffnen – nicht nur zur Macht, sondern zur Zukunft Europas.

    Frankreich schaut auf Sie.

    Europa zählt auf Sie.

    Jetzt sind Sie dran, Herr Merz.

    Von Andreas Brucker