Schlagwort: Eisenbahn

  • Wenn die Schienen glühen: Wie die SNCF ihr Bahnnetz durch die Hitzewellen steuert

    Wenn die Schienen glühen: Wie die SNCF ihr Bahnnetz durch die Hitzewellen steuert

    Sommerliche Hitze stellt nicht nur Menschen vor Herausforderungen. Auch das französische Schienennetz gerät bei extremen Temperaturen an seine Grenzen. Während Reisende bei 37 Grad Celsius vor allem an Klimaanlagen und kühle Getränke denken, beobachten die Ingenieure der französischen Staatsbahn SNCF eine andere Zahl mit besonderer Aufmerksamkeit: die Temperatur der Schienen.

    Denn Stahl erhitzt sich deutlich stärker als die Umgebungsluft. Scheint die Sonne stundenlang auf die Gleise, können die Schienen Temperaturen von mehr als 50 Grad erreichen. In besonders heißen Phasen sind sogar Werte um 55 Grad keine Seltenheit. Damit beginnt ein Bereich, in dem das Material unter erheblichem Druck steht.

    Der Grund liegt in einem physikalischen Phänomen, das jeder aus dem Alltag kennt: Wärme lässt Metall sich ausdehnen. Moderne Bahngleise bestehen aus langen, durchgehend verschweißten Schienensträngen. Diese Bauweise sorgt für ruhigere Fahrten und weniger Verschleiß. Gleichzeitig steigen bei großer Hitze die mechanischen Spannungen innerhalb des Materials. Im Extremfall kann sich das Gleis verformen. Fachleute sprechen von sogenannten Gleisverwerfungen oder Schienenverwerfungen. Für den Bahnbetrieb stellt dies ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko dar.

    Um solche Situationen frühzeitig zu erkennen, setzt die SNCF während der Sommermonate auf ein engmaschiges Überwachungssystem. Spezielle Teams führen regelmäßig sogenannte Hitzekontrollen durch. Dabei prüfen sie besonders gefährdete Streckenabschnitte und kontrollieren den Zustand der Gleise, der Befestigungen sowie der Schwellen. Auch die Oberleitungen stehen im Fokus der Inspektionen.

    Denn nicht nur die Schienen reagieren empfindlich auf hohe Temperaturen. Die elektrischen Leitungen über den Gleisen dehnen sich ebenfalls aus und können durchhängen. Schon geringe Veränderungen reichen aus, um den Betrieb zu beeinträchtigen oder Schäden an vorbeifahrenden Zügen auszulösen.

    Unterstützt werden die Mitarbeiter inzwischen durch moderne Technik. Auf ausgewählten Strecken erfassen Sensoren die Temperatur der Schienen in Echtzeit. Die Systeme melden automatisch kritische Entwicklungen und ermöglichen ein schnelles Eingreifen. Das klingt zunächst unspektakulär, ist aber ein entscheidender Vorteil. Schließlich können zwei benachbarte Streckenabschnitte trotz identischer Wettervorhersage völlig unterschiedliche Temperaturen erreichen – abhängig von Sonneneinstrahlung, Gelände oder Umgebung.

    Erreichen die Schienen kritische Werte, greift die SNCF zu einer Maßnahme, die viele Reisende unmittelbar spüren: Züge fahren langsamer. Solche Geschwindigkeitsbegrenzungen reduzieren die Belastung der Infrastruktur und senken das Risiko von Schäden. Zwar verlängern sich dadurch die Reisezeiten, doch Sicherheit hat Vorrang.

    Mitunter reichen selbst diese Maßnahmen nicht aus. Besonders ältere Zugmodelle reagieren empfindlicher auf extreme Hitze. Klimaanlagen, elektrische Systeme und technische Komponenten stammen häufig aus einer Zeit, in der Temperaturen nahe der 40-Grad-Marke deutlich seltener auftraten. Um Ausfälle auf freier Strecke zu vermeiden, streicht die SNCF deshalb gelegentlich einzelne Verbindungen vorsorglich aus dem Fahrplan.

    Die zunehmende Zahl solcher Entscheidungen zeigt eine grundlegende Entwicklung: Hitzewellen gelten längst nicht mehr als außergewöhnliche Wetterereignisse. Sie entwickeln sich zu einem festen Bestandteil des europäischen Sommers. Für die SNCF bedeutet das, ein Bahnnetz, das ursprünglich für die klimatischen Bedingungen des 20. Jahrhunderts ausgelegt wurde, schrittweise an neue Realitäten anzupassen.

    Wenn die Schienen in der Sonne glühen, geht es daher um weit mehr als ein paar Minuten Verspätung. Auf dem Prüfstand steht die Widerstandsfähigkeit einer der wichtigsten Verkehrsinfrastrukturen Frankreichs – und ihre Fähigkeit, auch unter den Bedingungen eines wärmeren Klimas zuverlässig zu funktionieren.

    Autor: C.H.

  • Frankreich investiert erneut Milliarden in die Problemstrecke Clermont–Paris

    Frankreich investiert erneut Milliarden in die Problemstrecke Clermont–Paris

    Die französische Regierung kündigt eine weitere milliardenschwere Modernisierung der Bahnverbindung zwischen Clermont-Ferrand und Paris an. Verkehrsminister Philippe Tabarot stellte zusätzliche Investitionen von 450 Millionen Euro für die Jahre 2028 bis 2031 in Aussicht. Damit soll eine Strecke saniert werden, die seit Jahren als Symbol für die strukturellen Schwächen des klassischen französischen Eisenbahnnetzes gilt. Bereits zwischen 2018 und 2027 flossen rund 1,3 Milliarden Euro in die Verbindung. Dennoch blieb die Strecke immer wieder wegen massiver Verspätungen, technischer Ausfälle und kurzfristiger Zugstreichungen in den Schlagzeilen. In Frankreich wird die Linie seit langem als „ligne maudite“ – die „verfluchte Strecke“ – bezeichnet. Besonders für die Bewohner des Zentralmassivs entwickelte sich die Bahnverbindung zu einem politischen Reizthema, das weit über regionale Verkehrspolitik hinausweist. Die neuen Mittel sollen vor allem in die grundlegende Erneuerung der Infrastruktu…

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  • Tödlicher Zusammenstoß im Norden Frankreichs – Wenn Geschwindigkeit auf Stillstand trifft

    Tödlicher Zusammenstoß im Norden Frankreichs – Wenn Geschwindigkeit auf Stillstand trifft

    Am frühen Dienstagmorgen ereignete sich im Norden Frankreichs ein Unglück, das die nüchterne Effizienz des Hochgeschwindigkeitsverkehrs jäh erschütterte.

    Ein TGV, unterwegs auf der Strecke von Dunkerque nach Paris, kollidierte gegen 7 Uhr mit einem Lastwagen an einem Bahnübergang im Département Pas-de-Calais, zwischen Béthune und Lens. Der Lokführer kam ums Leben.

    Ein einziger Moment.

    Mehr brauchte es nicht, um aus Routine Katastrophe zu machen.

    Nach ersten Erkenntnissen befanden sich über 240 Fahrgäste im Zug. Zahlreiche Menschen wurden verletzt, einige schwer. Der Fahrer des Lastwagens erlitt ebenfalls schwere Verletzungen. Die Wucht des Aufpralls war so groß, dass die vorderste Zugpartie teilweise entgleiste, Fensterscheiben barsten oder rissen – ein Bild, das erahnen lässt, welche Kräfte hier aufeinandertrafen.

    Und doch.

    Man kommt nicht umhin zu denken, dass es noch schlimmer hätte ausgehen können.

    Besondere Aufmerksamkeit richtet sich nun auf den Lastwagen selbst. Mehrere Berichte deuten darauf hin, dass das Fahrzeug Teil eines militärischen Konvois war oder zumindest in einem solchen Zusammenhang stand. Das ist kein nebensächliches Detail. Es wirft Fragen auf – präzise, unbequeme Fragen: Wie konnte ein schweres Fahrzeug genau in dem Moment auf den Übergang geraten, als sich ein Hochgeschwindigkeitszug näherte? Gab es technische Defekte, menschliches Versagen oder schlicht eine Verkettung unglücklicher Umstände?

    Die Ermittlungen haben begonnen, doch Antworten lassen auf sich warten.

    Der Unfall legt ein strukturelles Problem offen, das so alt ist wie das Eisenbahnnetz selbst: Bahnübergänge. Sie sind Schnittstellen zweier Systeme, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Auf der einen Seite der Zug – schnell, schwer, kaum bremsbar. Auf der anderen Seite der Straßenverkehr – flexibel, aber anfällig für Fehler, Zögern oder Fehleinschätzungen.

    Diese Kreuzung ist kein neutraler Raum.

    Sie ist ein Risiko.

    Der Tod des Lokführers rückt zudem eine oft übersehene Realität ins Licht: Hinter der hochentwickelten Technik, hinter präzisen Fahrplänen und digitaler Steuerung steht immer noch der Mensch. Einer, der Verantwortung trägt, Entscheidungen trifft – und im Ernstfall keine zweite Chance hat.

    Am Ende bleibt ein Gefühl von Beklemmung.

    Und die leise, aber drängende Frage, ob solche Übergänge in einer Zeit von Hochgeschwindigkeit und Verdichtung überhaupt noch ihren Platz haben.

    Autor: D.I.

  • Die Schwalben-Linie im Jura – ein Eisenbahn-Juwel zwischen Himmel und Abgrund

    Die Schwalben-Linie im Jura – ein Eisenbahn-Juwel zwischen Himmel und Abgrund

    Wer einmal in einem der kleinen Züge der „Ligne des Hirondelles“ saß, der vergisst dieses Erlebnis nicht. Kurven, die sich durch den Jura schlängeln, Tunnel, die den Fels durchbrechen, und Viadukte, die so kühn wirken, als würden sie direkt in den Himmel gebaut. Genau deshalb trägt die Strecke ihren poetischen Namen: Schwalben-Linie. Doch so beeindruckend die Fahrt ist, so bedroht ist ihr Fortbestand.


    Eine Pionierstrecke mit Symbolkraft

    Die 123 Kilometer lange Verbindung zwischen Dole und Saint-Claude ist weit mehr als eine Eisenbahnlinie. 36 Tunnel und 18 Viadukte machen sie zu einem technischen Meisterwerk des 19. Jahrhunderts. Wer aus dem Fenster blickt, sieht nicht nur die Berglandschaft, sondern spürt auch die Ingenieurskunst vergangener Generationen.

    Doch die Jahrzehnte haben Spuren hinterlassen. Gleise, Brücken und Tunnel sind in die Jahre gekommen, die Technik braucht dringend ein Update. Experten schätzen, dass rund 90 Millionen Euro notwendig wären, um die Strecke dauerhaft zu sichern. Für eine Region wie Bourgogne-Franche-Comté ist das eine gewaltige Summe. Deshalb richtet sich der Blick nach Paris – die Region erwartet vom Staat eine klare Zusage, dass er mitfinanziert.


    Die Menschen kämpfen für ihre Bahn

    Während die Politik noch diskutiert, handeln die Menschen vor Ort längst. Eine Online-Petition hat über 2.300 Unterschriften gesammelt – und täglich werden es mehr. „Ohne den Zug sind wir abgehängt“, sagen viele Bewohner des Haut-Jura, wo Busverbindungen rar und Straßen im Winter oft schwer passierbar sind.

    In Städten wie Saint-Claude und Champagnole haben sich Hunderte versammelt, um ihre Stimme zu erheben. Transparente, Reden, manchmal auch Musik – die Stimmung schwankt zwischen Sorge und kämpferischer Hoffnung. Wer einmal erlebt hat, wie ein ganzer Ort für seine Bahn auf die Straße geht, versteht schnell: Hier geht es nicht nur um ein paar Schienen.


    Mehr als ein Transportmittel

    Die Schwalben-Linie ist Identität, Geschichte und Zukunft zugleich. Sie bringt nicht nur Menschen von A nach B, sie verbindet Generationen, Dörfer, Touristen und Einheimische. Viele Familien erinnern sich noch an Ausflüge im Sommer, wenn der Zug sich langsam durch die Berge schlängelt und Kinder an den Fenstern kleben, weil sie glauben, gleich fliegen zu können.

    Darüber hinaus steht die Bahnstrecke für nachhaltige Mobilität. In einer Zeit, in der Klimaschutz kein Schlagwort, sondern eine Notwendigkeit ist, wird ihre Bedeutung noch klarer. Jeder Zug, der fährt, ersetzt dutzende Autos auf engen Bergstraßen. Und er hält eine Region lebendig, die ohne Schiene Gefahr läuft, abgekoppelt zu werden.


    Was auf dem Spiel steht

    Wollen wir wirklich zulassen, dass ein solches Kulturerbe verschwindet, nur weil die Mittel fehlen? Die Frage schwebt über jeder Diskussion. Denn wenn die Strecke einmal stillgelegt wird, ist ine spätere Wiedereröffnung praktisch unmöglich.

    Andere Regionen in Frankreich zeigen, dass Investitionen in historische Bahnstrecken sich lohnen können: für den Tourismus, für den regionalen Zusammenhalt und für die Umweltbilanz. Genau das macht die Debatte um die Schwalben-Linie so brisant – sie ist ein Lackmustest dafür, wie ernst die Politik es mit nachhaltiger Mobilität meint.


    Ein Erbe, das Zukunft braucht

    Die Schwalben-Linie ist ein Symbol dafür, dass Infrastruktur mehr sein kann als Technik. Sie ist ein Stück Poesie auf Schienen, eine Lebensader für die Region und ein Versprechen an kommende Generationen.

    Damit dieses Versprechen gehalten wird, braucht es den Schulterschluss von Bürgern, Region und Staat. Ohne diese gemeinsame Anstrengung wird die Strecke im Schatten verschwinden – und mit ihr ein Teil der Seele des Jura.

    Autor: C.H.

  • Dampflok-Idylle auf Schienen: Der Chemin de Fer Touristique du Tarn ist zurück

    Dampflok-Idylle auf Schienen: Der Chemin de Fer Touristique du Tarn ist zurück

    Sie pfeift wieder. Schnauft. Stampft. Und lässt nicht nur Eisenbahnfans das Herz höherschlagen: Nach sieben Jahren Zwangspause rollt der Chemin de Fer Touristique du Tarn (CFTT) endlich wieder über das Viadukt von Salles – mitten durch das grüne Herz Südfrankreichs. Was viele für unmöglich hielten, ist seit 8. Juni 2025 wieder Wirklichkeit geworden: Die historische […]

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  • 9. Mai – Ein Tag zwischen Krieg, Liebe und Europas Zukunft

    9. Mai – Ein Tag zwischen Krieg, Liebe und Europas Zukunft

    Der 9. Mai gehört nicht zu den Kalenderdaten, die man sich wie selbstverständlich merkt. Kein Weihnachten, kein 1. Januar. Und doch – was sich an diesem Tag im Lauf der Geschichte zugetragen hat, reicht von den Tiefpunkten der Menschheit bis zu ihren kühnsten Visionen. Weltweit und insbesondere in Frankreich birgt der 9. Mai eine eindrucksvolle historische Vielfalt.

    Beginnen wir mit dem Elefanten im Raum.

    1945 – Der Krieg ist aus, zumindest in Europa

    Am 9. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg auf dem europäischen Kontinent offiziell vorbei – zumindest für die Sowjetunion und ihre Verbündeten. In den Morgenstunden dieses Tages trat die Kapitulation der Wehrmacht endgültig in Kraft. Während in vielen westlichen Ländern der 8. Mai gefeiert wird, ist für Russland und große Teile Osteuropas der 9. Mai der eigentliche Tag des Sieges. Warum das so ist? Ganz simpel: Als die Unterschriften unter das Kapitulationsdokument in Berlin gesetzt wurden, war es in Moskau bereits nach Mitternacht.

    In Russland wird der „Tag des Sieges“ bis heute mit großem Pathos begangen – Militärparaden, Gedenkreden, Blumenberge auf Denkmälern. Es ist mehr als Erinnerung – es ist nationale Identität. Und man kann es ihnen kaum verübeln: Der Preis des Sieges war unermesslich hoch.

    1950 – Eine französische Vision, ein europäisches Versprechen

    Kaum fünf Jahre nach dem Inferno überraschte Frankreichs Außenminister Robert Schuman die Welt mit einem mutigen Plan. Am 9. Mai 1950 schlug er vor, die Kohle- und Stahlproduktion Frankreichs und Deutschlands unter eine gemeinsame Behörde zu stellen. Klingt technokratisch, war aber revolutionär. Ausgerechnet die Rohstoffe, mit denen zwei Weltkriege geführt wurden, sollten nun gemeinsam verwaltet werden – als Grundlage für Frieden.

    Die Schuman-Erklärung war die Geburtsstunde dessen, was heute als Europäische Union bekannt ist. Seitdem wird der 9. Mai als Europatag gefeiert. In Luxemburg ist er sogar ein gesetzlicher Feiertag. Wer hätte gedacht, dass ein Verwaltungsakt so viel Hoffnung in sich tragen kann?

    1770 – Eine österreichische Prinzessin auf dem Weg nach Versailles

    Springen wir zurück in die Zeit des Barock. Am 9. Mai 1770 durchquert die 14-jährige Marie-Antoinette das lothringische Nancy. Auf dem Weg in ihre neue Heimat – Frankreich. Dort soll sie bald den französischen Thronfolger Ludwig XVI. heiraten. Eine dynastische Verbindung, politisch aufgeladen und voller Erwartungen.

    Marie-Antoinette, Tochter von Kaiserin Maria Theresia, steht symbolisch für die engen Bande zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Doch die Geschichte meint es nicht gut mit ihr. Wenige Jahrzehnte später wird sie – einst umjubelte Dauphine – als Sinnbild der Dekadenz von der Revolution gestürzt und guillotiniert. Tragisch? Ja. Aber auch ein Weckruf an die Mächtigen ihrer Zeit.

    1843 – Eisenbahn bringt Bewegung nach Frankreich

    In Frankreich rollt am 9. Mai 1843 der Fortschritt in Form von Stahlrädern über neue Schienen. Die Eisenbahnlinie zwischen Paris und Rouen wird feierlich eröffnet. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind enorm – kürzere Transportzeiten, neuer Handel, industrielle Belebung. Es ist ein weiterer Mosaikstein im großen Puzzle der Industrialisierung, der Frankreich näher an das Zeitalter der Maschinen heranführt.

    Und irgendwie auch eine stille Vorbereitung auf das Frankreich des 20. Jahrhunderts: mobil, vernetzt, leistungsfähig.

    1960 – Die Pille kommt

    Am 9. Mai 1960 genehmigt die US-amerikanische Gesundheitsbehörde das erste orale Verhütungsmittel – und innerhalb weniger Jahre revolutioniert es auch Europa. Frauen erhalten zum ersten Mal eine bequeme, eigenständige Kontrolle über ihre Fortpflanzung. In Frankreich trifft die Pille in den 60er Jahren zunächst auf Skepsis – vor allem aus kirchlichen Kreisen. Doch der gesellschaftliche Wandel lässt sich nicht mehr aufhalten.

    Diese kleine Tablette steht nicht nur für sexuelle Selbstbestimmung, sondern auch für eine tiefgreifende Veränderung von Rollenbildern, Familienmodellen und Lebensentwürfen. Und heute? Kaum jemand denkt beim Datum 9. Mai daran – aber es war der Startschuss für mehr Autonomie in Millionen Leben.

    1966 – Atomkraft: Hoffnung und Risiko

    In der DDR, genauer gesagt in Rheinsberg, geht am 9. Mai 1966 das erste Atomkraftwerk des Landes ans Netz. Man träumt von einer strahlenden Zukunft, wortwörtlich. Doch was zunächst als energiepolitischer Triumph gefeiert wird, wandelt sich in den folgenden Jahrzehnten zur Belastung. Sicherheitsprobleme, Entsorgungsfragen, wachsende Skepsis – das Projekt Atomkraft entwickelt sich europaweit zur Dauerbaustelle. Rheinsberg wird 1990 stillgelegt.

    Ein gutes Beispiel dafür, wie historische Euphorie oft von der Realität überholt wird.

    Was bleibt vom 9. Mai?

    Dieser Tag ist ein Geschichtsmosaik – mal düster, mal hoffnungsvoll, mal kurios. Er erzählt von einem Europa, das sich von Kriegen erholt und an Visionen wächst. Er erinnert an Frauen, die über ihre Körper selbst bestimmen wollen, an technische Innovationen, die die Welt schneller machen, und an politische Entscheidungen, die das Leben von Millionen prägen.

    Ist es nicht faszinierend, wie ein einziges Datum so viele Schichten haben kann?

    Also, wenn du das nächste Mal am 9. Mai durch deinen Alltag tappst, nimm dir einen Moment – vielleicht beim Kaffee oder in der Bahn – und denk dran: Heute war schon oft gestern. Und gestern hat verdammt viel bewegt.

  • SNCF prognostiziert Verluste von bis zu 5 Milliarden Euro im Jahr 2020

    SNCF prognostiziert Verluste von bis zu 5 Milliarden Euro im Jahr 2020

    SNCF-Chef Jean-Pierre Farandou kündigte am Mittwoch an, dass er in diesem Jahr aufgrund der Gesundheitskrise mit Verlusten von fast 5 Milliarden Euro rechnet.

    Die SNCF wurde von der Krise hart getroffen. Die französische Eisenbahngesellschaft rechnet für dieses Jahr mit einem Verlust von fast 5 Milliarden Euro, schätzte ihr CEO Jean-Pierre Farandou am Mittwoch. „Wir befinden uns dieses Jahr im negativen Bereich. Wir werden das Jahr mit einem erheblichen Verlust abschließen“, sagte er vor dem Regionalen Planungsausschuss des Senats.

    „Ich erinnere mich, dass wir in der ersten Jahreshälfte, einen Nettoverlust von -2,5 Milliarden Euro verzeichneten“. „Wir werden am Ende des Jahres etwa doppelt soviel Verlust verzeichnen“, fügte er hinzu.