Schlagwort: Eisdecke

  • Rekordtief in der Arktis: Warum das winterliche Maximum der Meereisfläche uns alle angeht

    Rekordtief in der Arktis: Warum das winterliche Maximum der Meereisfläche uns alle angeht

    Ein neuer Tiefpunkt, der nicht im Ozean liegt – sondern in den Daten.

    Am 22. März 2025 erreichte das arktische Meereis seine größte Ausdehnung für diesen Winter. Eigentlich ein alljährlicher Wendepunkt, bei dem sich Forscher ein wenig Sicherheit erhoffen – ein Zeichen, dass sich der Eisdeckel über dem Nordpol trotz globaler Erwärmung zumindest im Winter regeneriert. Doch dieses Jahr? Ein Schock.

    Mit nur 14,33 Millionen Quadratkilometern fiel die Eisfläche so gering aus wie nie zuvor seit Beginn der Satellitenbeobachtung vor über vierzig Jahren. Der bisherige Negativrekord aus dem Jahr 2017 wurde damit unterboten.

    Klingt technisch? Vielleicht. Doch was dahinter steckt, ist alles andere als ein abstraktes Zahlenspiel.


    Ein leiser, aber eiskalter Alarm

    Walt Meier vom National Snow and Ice Data Center (NSIDC) bringt es auf den Punkt: „Dieser neue Rekord zeigt, wie grundlegend sich das arktische Meereis verändert hat.“ Die Betonung liegt auf grundlegend. Denn was wir hier sehen, ist keine Wetterlaune – es ist ein systematischer Rückgang.

    Warum das beunruhigt?

    Das arktische Eis ist so etwas wie der Kühlschrank unseres Planeten. Es reflektiert Sonnenlicht zurück ins All und sorgt dafür, dass sich der Planet nicht noch schneller aufheizt. Schrumpft diese reflektierende Fläche, nimmt der dunkle Ozean mehr Sonnenenergie auf – ein Prozess, der als Eis-Albedo-Rückkopplung bekannt ist. Eine fiese Dynamik, die sich selbst verstärkt: Weniger Eis – mehr Wärme – noch weniger Eis.


    Winter 2025 – ein Frühling im falschen Kleid

    Wer denkt, nur der Sommer sei durch den Klimawandel wärmer geworden, liegt falsch. Der vergangene Winter 2025 war geprägt von ungewöhnlich hohen Temperaturen. Laut dem europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus erreichte die Eisbedeckung an beiden Polen im Februar ein neues Rekordtief.

    Die Zahl, die dort in den Berichten steht, liest sich wie ein schlechter Scherz: 2,5 Millionen Quadratkilometer weniger Eis als der Durchschnitt vor 2010 – eine Fläche größer als der Osten der Vereinigten Staaten. Stell dir das mal bildlich vor: eine ganze Eisfläche, so groß wie ein halber Kontinent, einfach… weg.


    Doch betrifft uns das wirklich?

    Diese Frage schleicht sich ja oft ein – besonders dann, wenn die Probleme „da oben“ im Norden oder „da unten“ in der Antarktis stattfinden. Aber die Arktis ist kein isolierter Eisklumpen am Rand der Welt. Sie ist ein Taktgeber für das globale Klimasystem.

    Die schwächer werdende Eisdecke verändert Luft- und Meeresströmungen. Jetstreams geraten ins Wanken, Wetterextreme nehmen zu. Wenn in Mitteleuropa plötzlich wochenlange Hitzewellen oder Starkregenphasen auftreten, dann steckt dahinter nicht selten ein aus dem Gleichgewicht geratener Polarwirbel.


    Von der Satellitenbahn zur Realität

    Seit über vierzig Jahren messen Satelliten die Eisfläche am Nordpol. Ihre Daten sind zuverlässig, hochauflösend, unbestechlich. Und sie erzählen eine Geschichte, die immer düsterer wird. Das diesjährige Minimum ist dabei nur ein weiteres Kapitel in einem Drama, das längst in Richtung Tragödie kippt.

    Linette Boisvert von der NASA bringt es drastisch auf den Punkt: „Wir gehen in den Sommer mit weniger Eis als je zuvor.“ Was das heißt? Der Startschuss für einen Sommer, der das Potenzial hat, erneut Extremwerte zu brechen. Vielleicht nicht bei uns direkt vor der Haustür – aber ganz sicher mit Folgen, die auf uns zurückfallen.


    Eisverlust ohne Meeresanstieg – harmlos? Von wegen.

    Oft wird argumentiert: „Ach, das arktische Meereis schwimmt doch – das hebt den Meeresspiegel ja nicht.“ Technisch korrekt. Aber der Effekt der beschleunigten Erwärmung wiegt schwer. Und vergessen wir nicht: Das antarktische Meereis ist ebenfalls betroffen – und dort schmilzt auch Eis, das auf Land ruht. Das wiederum führt sehr wohl zu steigendem Meeresspiegel.

    Was passiert, wenn sich dieser Trend fortsetzt? Küstenregionen weltweit geraten unter Druck. Und wie so oft trifft es die Schwächsten zuerst. Menschen in Bangladesch, auf den Fidschi-Inseln oder in Ostafrika verlieren ihr Zuhause, während Industrienationen über Deiche und Flutmauern diskutieren.


    Klimakrise als soziale Krise

    Man darf nie vergessen: Der Klimawandel ist nicht nur ein Umweltproblem – er ist ein Gerechtigkeitsproblem. Wer am wenigsten zum CO₂-Ausstoß beigetragen hat, leidet oft am meisten unter den Folgen. Deshalb müssen Anpassungsstrategien immer auch Fragen der sozialen Fairness mitdenken.

    Wie wäre es, wenn man das Problem endlich da anpackt, wo es entsteht – bei uns? Denn während wir über SUV-Verzicht diskutieren, steht Millionen Menschen weltweit buchstäblich das Wasser bis zum Hals.


    Persönliche Notiz: Der Moment, der mir den Atem raubte

    Ich erinnere mich noch genau an das erste Satellitenbild, das ich zur Zeit meines Studiums sah – eine Karte der Arktis aus den 1980ern. Das Eis wirkte damals wie ein festes, leuchtend weißes Schild. Unerschütterlich. Unendlich. Heute sehen dieselben Satelliten auf eine Eis-Landschaft, die sich Jahr für Jahr weiter zurückzieht. Und jedes Mal, wenn ich die neuen Zahlen sehe, spüre ich einen Knoten im Magen.

    Gleichzeitig glaube ich an die Kraft des Wissens, der Zusammenarbeit – und daran, dass wir dieses Ruder noch herumreißen können. Aber dafür braucht es mehr als warme Worte und Lippenbekenntnisse.


    Also, was jetzt?

    Wie wär’s mit echter Klimapolitik? Mit ambitionierten Emissionszielen, klaren Ausstiegsplänen für fossile Energien und einer massiven Investition in Bildung und internationale Zusammenarbeit? Wie wär’s mit einem globalen Aufbruch – statt nationaler Grabenkämpfe?

    Denn eines ist klar: Das Eis schmilzt nicht nur dort oben. Es schmilzt auch an der Grenze unseres moralischen Kompasses.


    Quellen:

    • National Snow and Ice Data Center (NSIDC)
    • NASA Goddard Space Flight Center
    • Copernicus Climate Change Service (C3S)

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Kälte: Eisige Temperaturen in Nord- und Ostfrankreich gemessen

    Kälte: Eisige Temperaturen in Nord- und Ostfrankreich gemessen

    Mit der aktuellen Kältewelle kommt es in Nordfrankreich zu Rekordtemperaturen. Nach dem Schnee sind es nun die eisigen Temperaturen und das Glatteis, die den Alltag der Franzosen beeinträchtigen: Viele Schulen bleiben am Freitag, 19. Januar, geschlossen.

    Das nördliche Elsass glich am Freitag, dem 19. Januar, einem kleinen Sibirien. Die Temperatur näherte sich der -10°C-Marke. Auf den Bürgersteigen führte gefrierender Regen zu vielen gefährlichen Situationen. Der Elsass hat schon lange keinen so harten Winter mehr erlebt. „In den 1980er Jahren hatten wir zeitweise -15°C, -18°C. Das war nichts Außergewöhnliches. Die Leute sind es einfach nicht mehr gewohnt“, meint ein Mann auf dem Sender Franceinfo.

    Das Glatteis schränkte die Bewegungsfreiheit der Bewohner spürbar ein. Der mobile Metzger jedoch setzte seine Touren vorsichtig fort. „Es ist ein bisschen komplizierter, wir brauchen ein bisschen länger“, sagt der Metzger Nicolas Dubois. In der Region Hauts-de-France hat der Schnee viele Schulen dazu gezwungen, den Unterricht auszusetzen. Seit drei Tagen schon muss Amandine Verwaerd ihre Kinder zu Hause beaufsichtigen.

  • Wetter in Frankreich: Schnee- und Eiswarnung in 18 Departements

    Wetter in Frankreich: Schnee- und Eiswarnung in 18 Departements

    Météo France hat 18 Departements vom Ärmelkanal über die Île-de-France bis zum Territoire-de-Belfort in Alarmstufe Orange versetzt. Es wird mit Eisregen und starken Schneefällen gerechnet.

    In Frankreich startet der Winter eine neue Offensive. Météo France setzte für diesen Dienstagabend 18 Departements auf die Warnstufe Orange für Schnee und Eis. Die betroffenen Departements sind: Manche, Calvados, Orne, Eure-et-Loir, Paris, Hauts-de-Seine, Val d’Oise, Essonne, Seine-Saint-Denis, Val-de-Marne, Seine-et-Marne, Yvelines, Loiret, Yonne, Côte d’Or, Haute-Marne, Haute-Saône und Territoire de Belfort.

    Die Schlechtwetterfront wird über den Atlantik kommen. Sie bringt Niederschläge mit sich, die auf kalte Böden fallen und zu gefährlichem Glatteis führen, das in der zweiten Nachthälfte zwischen Dienstag und Mittwoch für Autofahrer besonders gefährlich sein wird.

    Ab Mittwoch folgen auf den Eisregen Schneefälle, die sich auf die gesamte Region Île-de-France ausbreiten und bis Donnerstagmorgen anhalten werden. Auch die Region Hauts-de-France wird am Mittwoch unter Schnee liegen, warnt Météo France.

    Für Mittwoch kündigt Meteo France bereits für 36 Departements in der Nordhälfte die Alarmstufe Orange aufgrund von Unwettern an. In den Departements Finistère und Morbihan werden starke Niederschläge mit 30 bis 50 Litern Regen pro m2 in 24 Stunden erwartet.

    Frankreich befindet sich derzeit inmitten eines Konflikts verschieden warmer und kalter Luftmassen.

  • Kälteeinbruch: Chaos auf Frankreichs Straßen

    Kälteeinbruch: Chaos auf Frankreichs Straßen

    Schnee und Eis überraschten die Autofahrer in der Nacht von Montag auf Dienstag, den 9. Januar, und führten zu dutzenden Kilometern Stau in der Region Ile-de-France. Mehr als 1.000 Menschen steckten in ihren Autos fest.

    Die Schneefälle überraschten die Franzosen in der Nacht. Dienstag, der 9. Januar, war bisher der kälteste Tag der Woche und 11 Departements wurden von Météo France unter die Alarmstufe Orange für Hochwasser und Schnee-Glatteis gesetzt. Schnee und Eis sorgten für große Probleme auf den Straßen: Mehr als 1.000 Autofahrer steckten in der Nacht auf den Autobahnen A12 und A13 in der Region Ile-de-France in mehr als 150 Kilometern Stau fest.

    Auf den Straßen und Autobahnen warteten die Autofahrer geduldig auf die Ankunft der Streu- und Schneeräumfahrzeuge, erhielten aber keine Informationen über den Fortschritt der Räumarbeiten. In den Staus machte sich Verärgerung breit: „Nicht einmal zwei Zentimeter Schnee, es sieht aus, als hätten wir 40 Zentimeter. Das ist doch alles Quatsch. Die meisten Leute können nicht mit Schnee umgehen und das Ergebnis ist das“, beklagte ein Autofahrer, der im Stau feststeckte, gegenüber dem Sender Franceinfo.

  • Globale Erwärmung: Die Arktis könnte schon 2030 im Sommer ohne Meereis sein

    Globale Erwärmung: Die Arktis könnte schon 2030 im Sommer ohne Meereis sein

    Die Arktis könnte nach Ansicht von Wissenschaftlern bereits in den 2030er Jahren im Sommer eisfrei sein – viel früher als bisher angenommen.

    Die Arktis könnte bereits in den 2030er Jahren ohne Sommermeereis sein, viel früher als bisher angenommen und das sogar in einem Szenario mit niedrigen Treibhausgasemissionen, berichten Forscher in einem am Dienstag veröffentlichten Artikel.

    Wissenschaftler mit Sitz in Korea, Kanada und Deutschland nutzten Beobachtungsdaten aus den Jahren 1979-2019, um neue Simulationen durchzuführen. Wenn Experten von eisfrei sprechen, ist damit eine Eisfläche von weniger als 1 Million km² gemeint, da entlang der Küsten immer noch Resteis vorhanden sein kann.

    Der Arktische Ozean hat eine Fläche von etwa 14 Millionen Quadratkilometern und ist den größten Teil des Jahres mit Eis bedeckt. September ist der Monat, in dem das Eis normalerweise sein jährliches Minimum erreicht.

    „Das wäre etwa ein Jahrzehnt früher als die letzten Prognosen des IPCC“, der von den Vereinten Nationen beauftragten Gruppe von Klimaexperten, betont Seung-Ki Min von den südkoreanischen Universitäten Pohang und Yonsei, Koautor des Artikels.

    Die Forscher sind der Meinung, dass der Rückgang des Eises hauptsächlich auf die Treibhausgasemissionen zurückgeführt werden kann, da andere Faktoren (Aerosole, Sonnen- und Vulkanaktivität…) weitaus weniger spürbar sind. Das Meereis, das derzeit noch die Eisscholle bildet, besteht aus Salzwasser an der Oberfläche des arktischen Ozeans, das durch die Kälte gefroren ist. Sein Schmelzen verursacht im Gegensatz zum Schmelzen von Gletschern zwar nicht direkt einen Anstieg des Meeresspiegels, hat aber dennoch negative Folgen.

    Denn dieses Eis spielt im Sommer eine sehr wichtige Rolle, indem es die Sonnenstrahlen zurückwirft und so die Arktis abkühlt. Der Eis-Spiegel wird heute immer kleiner, weshalb sich die Arktis viel schneller erwärmt als andere Regionen. Das Verschwinden des Eises „wird die arktische Erwärmung beschleunigen, was extreme Wetterereignisse in mittleren Breiten wie Hitzewellen und Waldbrände verstärken kann“, warnt Seung-Ki Min.