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    Alpine unter Strom: In Dieppe beginnt für Frankreichs Sportwagenlegende eine neue Zeit

    In der traditionsreichen Alpine-Fabrik im normannischen Dieppe ist eine neue Ära angebrochen. Das sonore Brummen der Verbrennungsmotoren gehört der Vergangenheit an. Stattdessen prägen Elektromotoren, Hochvoltbatterien und moderne Prüftechnik den Arbeitsalltag. Für die Alpine bedeutet dieser Wandel weit mehr als einen gewöhnlichen Modellwechsel. Die französische Sportwagenmarke schlägt ein neues Kapitel auf und wagt den Schritt in die elektrische Zukunft.

    Über Jahrzehnte stand Alpine für leichte, agile Sportwagen, die nicht allein mit Motorleistung überzeugten. Das Erfolgsrezept lautete geringes Gewicht, präzises Fahrverhalten und jede Menge Fahrspaß. Besonders die legendäre A110 schrieb Motorsportgeschichte und wurde mit ihren Rallye-Erfolgen in den siebziger Jahren zur Ikone. Auch die 2017 neu aufgelegte Generation blieb diesem Konzept treu und begeisterte Enthusiasten auf der ganzen Welt.

    Mit dem Produktionsende der zweiten A110-Generation im Juni 2026 ging jedoch eine Epoche zu Ende. Seit ihrer Rückkehr liefen 28.701 Fahrzeuge in Dieppe vom Band. Für viele Fans war das ein emotionaler Abschied, denn mit der A110 verschwand vorerst der letzte klassische Sportwagen mit Verbrennungsmotor aus dem Alpine-Programm.

    Die Zukunft trägt nun den Namen A390. Das vollelektrische Sport-Fastback mit fünf Türen richtet sich an eine deutlich breitere Kundschaft als die kompakte A110. Trotz seines familienfreundlicheren Konzepts bleibt der sportliche Anspruch erhalten. Je nach Ausführung liefert das neue Modell bis zu 470 PS und beschleunigt in weniger als vier Sekunden auf Tempo 100. Die Reichweite von mehr als 500 Kilometern macht das Fahrzeug zugleich alltagstauglich.

    Für den Antrieb sorgen in der stärksten Version drei Elektromotoren. Einer sitzt an der Vorderachse, zwei an der Hinterachse. Durch die getrennte Ansteuerung der hinteren Räder verteilt das System die Kraft gezielt auf jedes Rad. Dieses sogenannte Torque Vectoring soll dafür sorgen, dass sich der große Fastback überraschend agil durch Kurven bewegt.

    Genau hier liegt allerdings die größte Herausforderung. Mit mehr als zwei Tonnen bringt die A390 fast doppelt so viel Gewicht auf die Waage wie eine klassische A110. Alpine muss nun beweisen, dass sich der berühmte Markengeist nicht ausschließlich über Leichtbau definiert. Leistung allein beeindruckt heute kaum noch – schnelle Elektroautos gibt es inzwischen reichlich. Entscheidend bleibt das Fahrgefühl. Und genau daran wird sich der Erfolg des neuen Modells messen.

    Auch das Werk in Dieppe musste sich grundlegend verändern. Zwei Jahre lang liefen umfangreiche Umbauten. Produktionslinien wurden angepasst, Sicherheitsbereiche für Hochvolttechnik eingerichtet und die Beschäftigten intensiv geschult. Mehr als 10.000 Ausbildungsstunden flossen in die Vorbereitung auf die Elektromobilität.

    Dennoch bleibt Alpine seiner besonderen Fertigungsphilosophie treu. Die Fahrzeuge entstehen weiterhin in vergleichsweise kleinen Stückzahlen. Viele Arbeitsschritte erfolgen in kleinen Teams, wodurch Produktion und Qualitätskontrolle eng miteinander verzahnt bleiben. Diese Mischung aus moderner Industrie und handwerklicher Präzision prägt den Standort seit Jahrzehnten.

    Ganz ohne Schwierigkeiten verläuft der Neustart allerdings nicht. Verzögerungen bei der Batterieversorgung bremsten den Produktionshochlauf der leistungsstärkeren A390-Version. Für einen Hersteller, der auf eine überwiegend französische und europäische Wertschöpfung setzt, zeigt sich damit auch die Abhängigkeit von einer noch jungen Batterieindustrie.

    Dieppe bleibt dennoch das Herz der Marke. Hier gründete Jean Rédélé 1955 Alpine und legte den Grundstein für eine der bekanntesten Sportwagenmarken Frankreichs. Auch die nächste Generation der A110 soll an diesem traditionsreichen Standort entstehen – vollelektrisch, auf einer neuen Aluminiumplattform und mit moderner 800-Volt-Technik.

    Für Alpine beginnt damit ein spannender Balanceakt. Die Marke möchte neue Kunden gewinnen, wirtschaftlich wachsen und gleichzeitig ihre sportliche Identität bewahren. Die Motoren mögen heute leiser sein. Die Leidenschaft, die Alpine seit Jahrzehnten auszeichnet, muss deshalb keineswegs verstummen.

    Autor: Andreas M. Brucker