Schlagwort: Dschihadismus

  • ISIS lebt im Schatten weiter – Warum der „Islamische Staat“ trotz territorialer Niederlage gefährlich bleibt

    ISIS lebt im Schatten weiter – Warum der „Islamische Staat“ trotz territorialer Niederlage gefährlich bleibt

    Der tödliche Anschlag auf eine Chanukka-Feier am Bondi Beach hat Australien erschüttert – und zeigt, dass der sogenannte Islamische Staat auch Jahre nach dem Verlust seines Kalifats weiterhin eine Bedrohung darstellt. Die Täter, ein Vater-Sohn-Duo mit mutmaßlichen Verbindungen zu einem ISIS-Ableger auf den Philippinen, hinterließen islamistische Propagandasymbole am Tatort. Eine Randnotiz – oder das Symptom eines fortbestehenden globalen Problems?

    Die Rückkehr eines verdrängt geglaubten Schreckens

    Als Premierminister Anthony Albanese am Tag nach dem Anschlag an die Öffentlichkeit trat, sprach er ungewöhnlich deutlich: Die Tat sei ideologisch motiviert gewesen – von der „Ideologie des Islamischen Staats“. In einem Fluchtwagen wurden zwei selbstgefertigte ISIS-Flaggen gefunden, die Täter sollen sich zuvor mehrere Wochen in Davao im Süden der Philippinen aufgehalten haben – einer Region, die seit Jahrzehnten als Rückzugsort für islamistische Gruppen gilt.

    Der Anschlag reiht sich ein in ein bekanntes Muster: dezentrale, ideologisch aufgeladene Gewaltakte, verübt von selbsternannten Dschihadisten, die sich auf eine globale Bewegung berufen, deren territoriale Basis längst zerschlagen wurde. Dass dies dennoch gelingt, verweist auf ein zentrales Paradoxon der Terrorismusbekämpfung im 21. Jahrhundert: Der „Islamische Staat“ lebt weniger als Organisation denn als Idee fort – und bleibt damit schwer fassbar.

    Von Raqqa nach Marawi: Der geografische Wandel des Kalifats

    ISIS kontrollierte zwischen 2014 und 2017 ein Gebiet größer als Portugal – quer über Syrien und Irak hinweg. Mit der Einnahme von Mossul begann 2017 der militärische Zusammenbruch. Was blieb, waren verstreute Zellen und ideologische Ableger – etwa in Afghanistan (ISIS-K) oder eben auf den südlichen Philippinen.

    Die Stadt Marawi auf Mindanao wurde 2017 zum Symbol dieser geografischen Verlagerung. Fünf Monate lang lieferten sich dort philippinische Streitkräfte schwere Gefechte mit ISIS-nahen Kämpfern. Über 1.000 Menschen kamen ums Leben, große Teile der Stadt wurden zerstört. Zwar gelang es dem Militär, die Kämpfer zu vertreiben, doch die Ideologie blieb präsent. Noch 2023 starben vier Menschen bei einem Sprengstoffanschlag während eines katholischen Gottesdienstes in Marawi.

    Vor diesem Hintergrund gewinnt die Reise der beiden Bondi-Attentäter nach Davao an Bedeutung. Ermittler prüfen derzeit, ob sie dort Kontakte zu terroristischen Zellen knüpften oder in Trainingscamps geschult wurden. Die Erfahrung zeigt: Schon kurzzeitige Aufenthalte in solchen Regionen können ausreichen, um aus ideologisch empfänglichen Individuen gewaltbereite Täter zu machen.

    Die flexible Logik des „virtuellen Kalifats“

    Im Unterschied zu al-Qaida, das Anschläge zentral plante und koordinierte, setzt ISIS seit jeher auf eine hybride Strategie. Einerseits operieren weiterhin kleine, koordinierte Einheiten in instabilen Regionen. Andererseits appelliert die Organisation gezielt an Einzeltäter im Westen – über soziale Medien, Propagandavideos und verschlüsselte Kanäle.

    Das Besondere: Für einen Anschlag sei keine Rücksprache mit der Organisation nötig, so ein zentrales Narrativ der Gruppe. Es reiche, im Namen des Islamischen Staats zu handeln – und entsprechende Symbole zu hinterlassen. Dieses Konzept der „verteilten Verantwortung“ erschwert die präventive Terrorismusbekämpfung erheblich.

    Peter Neumann, Terrorismusforscher am King’s College London, verweist in diesem Zusammenhang auf die Rolle internationaler Konflikte als Katalysatoren. In den letzten zwei Jahren habe insbesondere der Krieg im Gazastreifen ein erhebliches Radikalisierungspotenzial entfaltet – gerade in westlichen Gesellschaften mit polarisierten Debatten über Migration und Sicherheit.

    Vom konzertierten Terror zum symbolischen Schock

    Dass der Islamische Staat keine komplexen Anschläge mehr wie in Paris 2015 oder Brüssel 2016 verübt, ist ein sicherheitspolitischer Fortschritt. Die Entmachtung der zentralen Kommandostruktur – teils durch gezielte Tötungen, teils durch Gebietsverluste – hat die operative Schlagkraft massiv reduziert.

    Doch der Anschlag von Bondi Beach zeigt, dass dies nicht mit einem Ende der Gefahr gleichzusetzen ist. Die heutigen Attacken sind in der Regel weniger koordiniert, aber nicht weniger tödlich. Der Anschlag in Sydney, der mutmaßlich von nur zwei Personen geplant und durchgeführt wurde, forderte 15 Menschenleben. Ähnlich erschütternd war der Anschlag auf ein Konzert in Moskau im März 2024: 149 Tote, mutmaßlich verübt von ISIS-K.

    Diese neuen Anschläge zielen weniger auf langfristige Destabilisierung als auf mediale Wirkung und psychologische Erschütterung. Der Terror soll nicht mehr Staaten lähmen, sondern Gesellschaften verunsichern.

    Unklare Verbindungslinien – klare Konsequenzen

    Noch ist unklar, ob es sich bei den Tätern von Bondi Beach um autonome Akteure oder Mitglieder einer internationalen Zelle handelt. Auch ihr Aufenthalt auf den Philippinen wirft mehr Fragen auf, als derzeit beantwortet werden können. Doch die Umstände deuten darauf hin, dass die Gefahr des „dschihadistischen Pendelns“ – also das Reisen in radikalisierte Regionen mit anschließender Rückkehr – keineswegs der Vergangenheit angehört.

    Die Sicherheitsbehörden in Australien und Europa stehen damit vor einer doppelten Herausforderung: Zum einen müssen sie neue Formen transnationaler Radikalisierung erkennen, bevor sie sich in Gewalt niederschlagen. Zum anderen gilt es, gesellschaftliche Resilienz zu stärken – gegen einen Gegner, der seine Kraft nicht aus militärischer Macht, sondern aus ideologischer Anziehungskraft zieht.

    Die Tatsache, dass ISIS weiterhin in der Lage ist, Menschen weltweit zu radikalisieren und zu Anschlägen zu motivieren, zeigt: Der „Krieg gegen den Terror“ ist nicht nur eine sicherheitspolitische Aufgabe – sondern eine politische, gesellschaftliche und kulturelle Herausforderung, die weit über die Schlachtfelder von Syrien und dem Irak hinausreicht.


    WEITERE TOP-NACHRICHTEN

    Ein Plan zur Unterstützung der ukrainischen Armee

    US-amerikanische und europäische Diplomaten, die in den vergangenen zwei Tagen in Berlin mit der ukrainischen Führung zusammengetroffen sind, haben einen Plan ausgearbeitet, um die ukrainische Armee im Rahmen einer Initiative für einen Waffenstillstand zu stärken.

    Dem Plan zufolge soll die Größe der ukrainischen Streitkräfte ausgeweitet, die Nutzung amerikanischer Geheimdienstinformationen intensiviert und europäische Truppen in der Ukraine stationiert werden, um eine weitere russische Invasion abzuschrecken – so berichten mit den Dokumenten vertraute Diplomaten. Russland ist jedoch nicht an den Gesprächen beteiligt und zeigt bislang wenig Bereitschaft zu Verhandlungen.

    Diese Woche könnte sich als entscheidender Moment für den Kriegsverlauf erweisen, da europäische Staats- und Regierungschefs über einen separaten Vorschlag beraten wollen, wonach eingefrorene russische Vermögenswerte zur Finanzierung der Ukraine und ihres Kriegsaufwands eingesetzt werden sollen.


    Trumps Stabschefin – unzensiert

    Ein brisanter neuer Artikel fasst ein Jahr voller offener Gespräche mit Susie Wiles zusammen – der sonst eher zurückhaltenden Stabschefin des Weißen Hauses –, in denen sie sich unter anderem über Präsident Trumps „Persönlichkeit wie ein Alkoholiker“ und den sich anbahnenden Krieg in Venezuela äußerte.

    Wiles bezeichnete Vizepräsident JD Vance als „Verschwörungstheoretiker“ und nannte Haushaltsdirektor Russell Vought einen „absoluten rechten Fanatiker“.

    Auch über Elon Musk äußerte sie sich scharf. „Er ist ein seltsamer, seltsamer Vogel, wie Genies nun einmal sind“, sagte sie. „Wirklich hilfreich ist das nicht, aber er ist eben sein eigener Mensch.“ Zudem bezeichnete sie ihn als „bekennenden Ketamin-Konsumenten“.


    WEITERE MELDUNGEN

    • Nick Reiner wurde wegen zweifachen Mordes ersten Grades angeklagt – an seinen Eltern, dem Regisseur Rob Reiner und dessen Ehefrau Michele Singer Reiner, wie die Staatsanwaltschaft von Los Angeles mitteilte.
    • Donald Trump kündigte an, die USA würden eine Blockade gegen alle „sanktionierten Öltanker“ verhängen, die nach oder aus Venezuela fahren.
    • Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, das geplante Verbot für Autos mit Verbrennungsmotor ab 2035 zu überarbeiten.
    • Frankreich hat wichtige Teile eines neuen Staatshaushalts verabschiedet – ein seltener Erfolg, nachdem zwei Premierminister in weniger als einem Jahr damit gescheitert waren.
    • Brigitte Macron, Frankreichs First Lady, entschuldigte sich – zumindest teilweise – für eine abfällige Bemerkung gegenüber feministischen Demonstrantinnen.
    • In der Umgebung von Moskau tötete ein Schüler ein zehnjähriges Kind mit einem Messer – offenbar aus rassistisch-extremistischer Motivation.
    • Während der israelische Siedlungsbau im Westjordanland rapide zunimmt, können palästinensische Menschen das Land zunehmend nicht mehr durchqueren.

    Autor: P. Tiko

  • Was wurde aus Europas Terrorproblem?

    Was wurde aus Europas Terrorproblem?

    Vor einem Jahrzehnt war die Berichterstattung über Terrorismus mit islamistisch-extremistischem Hintergrund ein zentraler Bestandteil der journalistischen Arbeit. 2015 gab es die Anschläge auf die Konzerthalle Bataclan und die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris. Ein Jahr später töteten Terroristen Dutzende Menschen, indem sie mit einem Lkw in die Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag in Nizza und in einen Weihnachtsmarkt in Berlin fuhren. 2017 erlebten wir drei Anschläge in Großbritannien, darunter ein Selbstmordattentat bei einem Konzert von Ariana Grande in Manchester.

    Terroranschläge mit vielen Toten schienen damals etwas zu sein, mit dem wir einfach würden leben müssen.

    Doch dann veränderte sich etwas. Heute fühlt sich alles ganz anders an. Auto- und Messerangriffe von Einzeltätern, die sich selbst als Dschihadisten bezeichnen, schaffen es gelegentlich noch in die Schlagzeilen. Aber es passiert deutlich seltener. Und die Art komplexer, quasi-militärischer Operationen, die früher Dutzende Menschen auf einmal das Leben kosteten, erleben wir glücklicherweise nicht mehr.

    Es gibt eine Reihe von Gründen, warum die Ära der Bataclan-ähnlichen Anschläge derzeit verblasst erscheint. Doch die Folgen dieser Zeit prägen unsere Gegenwart weiterhin.

    Das Ende des Kalifats

    Über die Ursachen des Rückgangs herrscht unter Fachleuten weitgehend Einigkeit.

    Zunächst ist da der Niedergang des sogenannten Islamischen Staates in Syrien und im Irak. Im Jahr 2014 kontrollierte ISIS ein Gebiet, das größer war als Portugal. Die Organisation bildete Tausende junger europäischer Dschihadisten aus. Doch bis 2017 hatte das selbsternannte Kalifat nahezu sein gesamtes Territorium verloren – und damit auch das überzeugende Narrativ, das damit einherging.

    Westliche Sicherheitsdienste haben inzwischen ihre Fähigkeiten zur Terrorabwehr verbessert. Frankreich habe in den letzten zehn Jahren 85 Anschläge vereitelt, allein sechs davon im laufenden Jahr, sagte Präsident Emmanuel Macron vergangene Woche.

    Und auch die städtische Infrastruktur hat sich verändert. Wer sich heute an touristischen Hotspots oder an Brücken umsieht, wird oft Schutzpoller erkennen, die Fahrzeuge von Attentätern stoppen sollen.

    Diese Entwicklungen haben den potenziellen Tätern Schwierigkeiten bereitet: Es gibt keine Trainingslager mehr; Anschlagspläne werden häufiger entdeckt; die Durchführung ist schwieriger geworden.

    Unklare Motive

    Bei der Frage nach den Motiven wird es komplizierter. Liegt es nur daran, dass solche Anschläge schwerer umzusetzen sind? Oder haben weniger Menschen überhaupt das Bedürfnis, sie zu begehen? Und wenn ja – warum?

    Grob gesagt gibt es zwei Denkrichtungen, die zu erklären versuchen, was diese Anschläge angetrieben hat. Die eine sieht sie als Auswuchs einer radikalisierten Form des Islam; die andere betrachtet sie als Teil eines Phänomens, das einige Experten als „Islamisierung des Radikalismus“ bezeichnen.

    Die erste Richtung argumentiert, dass eine extremistische Ideologie – verbreitet in Moscheen, durch Imame und über das Internet – zu diesen Formen des Terrorismus geführt habe. Die zweite Richtung sieht die Anschläge eher als einen Jugendprotest von Einwanderern der zweiten oder dritten Generation, die den Islam lediglich als Mittel zur Artikulation ihres Unmuts wählten.

    Andere wiederum sagen, die beiden Theorien ergänzten sich und könnten gemeinsam helfen, die neue Realität eines verringerten, aber anhaltenden Bedrohungspotenzials zu erklären.

    Peter Neumann, Terrorismusexperte am King’s College London, sagte kürzlich, dass seit dem 7. Oktober und dem anschließenden Krieg in Gaza die Zahl der Anschläge wieder steige. Wenn wir das kaum bemerken, liege das daran, dass diese Taten eher unspektakulär seien, oft von Jugendlichen begangen würden und häufig scheiterten.

    Die neuen Täter seien so wenig ideologisch, dass man sie kaum noch von jugendlichen Amokläufern unterscheiden könne, sagte er: „Diese Jugendlichen bewegen sich in unterschiedlichen Online-Subkulturen. Sie haben persönliche Motive, psychologische Verletzlichkeiten und oft eklektische politische Vorstellungen. Sie wählen aus. Das ergibt ein Phänomen, das manchmal schwer zu kategorisieren ist. Ist das noch Terrorismus?“

    Ein Grund, warum die Welt dieser Entwicklung mehr Aufmerksamkeit schenken sollte, warnt Neumann, sei, dass selbst kleinere Anschläge eine andere Form von Extremismus anheizen könnten – jenen von rechts. Dort werde seit Langem ein „Kampf der Kulturen“ zwischen dem Westen und dem radikalen Islam beschworen. Ein Teil des Aufstiegs rechter Bewegungen sei ein Erbe der Terrorjahre à la Bataclan, so Neumann.

    Was wir heute bräuchten, sei ein virtuelles Pendant zu dem, was in der physischen Welt erfolgreich war: digitale Schutzmaßnahmen – gewissermaßen „Poller fürs Internet“ –, die Menschen daran hindern, den Weg zur Radikalisierung einzuschlagen. Leider seien es genau diese Schutzmechanismen, die viele Tech-Unternehmen derzeit abzubauen versuchten.


    WEITERE TOP-NACHRICHTEN

    Friedensplan für die Ukraine würde militärische und territoriale Zugeständnisse erfordern
    Die Trump-Regierung und Russland haben einen Friedensplan ausgehandelt, der die Ukraine dazu verpflichten würde, Gebiete abzutreten, ihre Armee deutlich zu verkleinern und auf bestimmte Waffentypen zu verzichten. Das erklärten mit dem Vorschlag vertraute Personen.

    Die Ukraine war an der Ausarbeitung des 28-Punkte-Plans nicht beteiligt, der viele Forderungen enthält, die Kiew seit Langem als faktische Kapitulation ablehnt.

    Russland setzte unterdessen seine Raketen- und Drohnenangriffe fort – mit einem erneuten Angriff im Westen der Ukraine. Ein Wohnhaus in Ternopil wurde getroffen; laut ukrainischem Katastrophenschutz kamen dabei mindestens 25 Menschen ums Leben, rund 73 wurden verletzt.

    Korruption:
    Präsident Wolodymyr Selenskyj ist in einen millionenschweren Korruptionsskandal verwickelt, in den auch mehrere seiner engsten Vertrauten verwickelt sein sollen.


    WEITERE MELDUNGEN

    Präsident Trump erklärte, er habe ein Gesetz unterzeichnet, das das Justizministerium dazu verpflichtet, innerhalb von 30 Tagen alle Unterlagen zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein offenzulegen – doch Schlupflöcher bleiben wohl bestehen.
    Israel führte Luftangriffe auf Gaza durch und tötete dabei mindestens 25 Menschen. Tags zuvor hatten israelische Angriffe auf ein palästinensisches Flüchtlingslager im Süden Libanons mindestens 13 Todesopfer gefordert.
    Nvidia wurde das erste börsennotierte Unternehmen mit einem Marktwert von über fünf Billionen Dollar – dank seiner führenden Position bei Computerchips für Künstliche Intelligenz.
    Zohran Mamdani, der nächste Bürgermeister von New York City, wird morgen mit Trump im Weißen Haus zusammentreffen. Die beiden haben sich in der Vergangenheit scharf kritisiert.
    Larry Summers, ehemaliger US-Finanzminister, trat aus dem Verwaltungsrat von OpenAI zurück, nachdem der Kongress E-Mails veröffentlicht hatte, die seine Kommunikation mit Jeffrey Epstein dokumentieren.

    Autor: P. Tiko

  • Paris: Drei Französinnen vor Gericht wegen Zugehörigkeit zum „Islamischen Staat“

    Paris: Drei Französinnen vor Gericht wegen Zugehörigkeit zum „Islamischen Staat“

    Am 15. September 2025 hat in Paris ein Prozess begonnen, der die Schatten des syrischen Krieges und des Terrornetzwerks „Islamischer Staat“ (IS) direkt in den Gerichtssaal trägt. Drei Französinnen stehen vor der Spezialkammer des Pariser Schwurgerichts, angeklagt wegen ihrer mutmaßlichen Mitgliedschaft in der Terrororganisation IS. Im Zentrum der Aufmerksamkeit: Jennyfer Clain, 34 Jahre alt, Nichte der berüchtigten Brüder Fabien und Jean-Michel Clain – jene Stimmen, die in den Jahren des Terrors die Propaganda des IS nach Frankreich trugen und die Anschläge vom 13. November 2015 in Paris für die Dschihadisten reklamierten. Mit ihr angeklagt sind Christine Allain, 67, eine ehemalige Sozialpädagogin, die spät im Leben zum Islam konvertierte, und Mayalen Duhart, 42, Lebensgefährtin des Sohnes von Allain.

    Familiäre Bande in den Extremismus Der Fall macht eines unmissverständlich deutlich: Radikalisierung geschieht selten im luftleeren Raum. Bei Jennyfer Clain war das familiäre Umfeld ents…

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  • Jung, verführbar, gefährlich? – Wenn Jugendliche in den Bann des Dschihad geraten

    Jung, verführbar, gefährlich? – Wenn Jugendliche in den Bann des Dschihad geraten

    Ein Teenager, bisher nicht strafrechtlich auffällig. Kein Eintrag, kein Vorfall – nichts. Und doch: Er steht im Verdacht, Anschläge auf en Eiffelturm und eine Synagoge geplant zu haben. Klingt wie ein düsteres Drehbuch, ist aber bittere Realität in Frankreich. Am 1. August 2025 wurden zwei Jugendliche aus der Region Paris unter dem Verdacht der Bildung einer „terroristischen Vereinigung“ angeklagt. Einer von ihnen, über 16 Jahre alt, kam in Untersuchungshaft. Der andere, jünger als 16, wurde in ein geschlossenes pädagogisches Zentrum eingewiesen. Die Ermittlungen förderten eine verstörende Menge an dschihadistischer Propaganda zutage – offenbar verbreitet über Chatgruppen und Gaming-Plattformen. Die Pläne der Teenager? Offenbar nichts Geringeres als ein Terroranschlag auf französischem Boden. Ziel: maximaler Schrecken. Das allein wäre schon alarmierend. Doch was den Fall besonders macht, ist nicht nur die jugendliche Herkunft der Verdächtigen. Es ist der wachsende Trend, den er abbilde…

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  • Frankreichs Verpflichtung zur Überprüfung von Rückführungsanträgen für Kinder von Dschihadisten

    Frankreichs Verpflichtung zur Überprüfung von Rückführungsanträgen für Kinder von Dschihadisten

    Das Verwaltungsgericht von Paris hat am 13. März die Entscheidung der französischen Regierung, 29 Kinder von Dschihadisten und ihre Mütter nicht nach Frankreich zurückzuführen, aufgehoben. Das Außenministerium ist nun verpflichtet, die Anträge innerhalb von zwei Monaten erneut zu prüfen. Die betroffenen Kinder, zwischen sechs und fünfzehn Jahre alt, leben mit ihren Müttern im Lager Roj im Nordosten Syriens. Ihre Angehörigen, organisiert im Kollektiv „Familles unies“, hatten bereits 2024 Rückführungsanträge gestellt. Das französische Außenministerium lehnte diese mit Verweis auf Sicherheitsrisiken ab und führte seit Sommer 2023 keine Rückführungsaktionen mehr durch – trotz internationaler Kritik. Insgesamt sollen sich noch mindestens 120 französische Kinder und 50 Frauen in Syrien in Haft befinden. Alle betroffenen Mütter stehen unter strafrechtlicher Beobachtung und sind mit Haftbefehlen belegt. Die Anwältin der Familienangehörigen, Marie Dosé, bezeichnete das Zögern der französischen …

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  • Französischer Dschihadisten in Syrien: Eine Analyse

    Französischer Dschihadisten in Syrien: Eine Analyse

    Mit dem Sturz des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad durch eine von islamistischen Rebellen geführte Offensive wirft sich die Frage auf: Was passiert nun mit den französischen Dschihadisten, die seit Jahren in der Region aktiv sind? Eine Situation, die komplexer kaum sein könnte und eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für die französischen Behörden darstellt.

    Wie viele französische Dschihadisten befinden sich in Syrien?

    Die Zahlen sind erschreckend konkret. Laut Olivier Christen, dem nationalen Anti-Terror-Staatsanwalt Frankreichs, verließen etwa 1.500 Personen das Land in Richtung Syrien oder Irak, um sich dschihadistischen Gruppen anzuschließen. Rund 500 von ihnen sind mittlerweile tot, etwa 390 kehrten nach Frankreich zurück, während sich der Rest teils in Haft, teils in unbekannten Verstecken befindet.

    Doch wo sind sie jetzt? Christen unterscheidet zwei Hauptregionen: den Nordosten und den Nordwesten Syriens. Im Nordosten, der von kurdischen Kräften kontrolliert wird, sitzen 131 französische Männer und Frauen sowie etwa 120 Kinder unter katastrophalen Bedingungen in Gefangenenlagern. Im Nordwesten hingegen, insbesondere in der Region um Idlib, halten sich über 100 Franzosen auf, darunter mehrere Frauen, die den Lagern entflohen sind.

    Das klingt nach einer klaren geografischen Aufteilung, doch die Realität ist chaotischer, als es diese Zahlen vermuten lassen.

    Mit welchen Gruppen haben sie sich verbündet?

    Die Antwort darauf führt direkt ins Herz des dschihadistischen Netzwerks in Syrien. Viele französische Kämpfer schlossen sich über die Jahre der radikalen Gruppe Hayat Tahrir al-Sham (HTS) an, die eine dominante Rolle in der Region Idlib spielt. HTS, einst eine Al-Qaida-Niederlassung, distanzierte sich 2018 offiziell von dieser und verfolgt seither eine lokal fokussierte Agenda.

    Ein anderer, kleinerer Teil der Franzosen ist der Brigade von Omar Omsen zugehörig. Dieser ehemalige Kleinkriminelle aus Nizza gilt als eine der Schlüsselfiguren der französischen Dschihadistenszene. Omsen, der seit 2013 in Syrien aktiv ist, wird von den französischen Behörden als Drahtzieher und Rekrutierer für Al-Qaida verdächtigt. Seine Gruppe steht mittlerweile in Konflikt mit HTS, was die ohnehin verworrene Situation weiter erschwert.

    Haben französische Dschihadisten am Sturz Assads mitgewirkt?

    Die genaue Rolle der französischen Kämpfer beim Sturz des Assad-Regimes bleibt unklar. Zwar wurden einige von ihnen in Videos identifiziert, die Kämpfer des HTS in Siegesfeiern zeigen, doch ihre konkrete Beteiligung an den entscheidenden Kämpfen wird noch untersucht.

    In einem Bericht wird darauf hingewiesen, dass eine Untergruppe von Franzosen unter der Führung von Ansar al-Tawhid, einer Gruppierung innerhalb des HTS, operiert. Diese kontrolliert die Bewegungen ausländischer Kämpfer und erlaubt ihnen keine eigenständigen militärischen Aktionen. Es scheint also, dass die Franzosen innerhalb des Netzwerks eine streng überwachte Rolle spielen.

    Welche Bedrohung geht von ihnen aus?

    Hier gehen die Meinungen auseinander. Während Präsident Emmanuel Macron bei einem Besuch in Saudi-Arabien vor der Rückkehr dieser Kämpfer nach Frankreich warnte, betonte Olivier Christen, dass alle bekannten Dschihadisten unter strenger Beobachtung stehen. Jeder von ihnen sei Gegenstand einer gerichtlichen Untersuchung und stehe auf Fahndungslisten. Sollten sie nach Frankreich zurückkehren, könnten sie rasch festgenommen werden.

    Eine größere Gefahr könnte jedoch von denjenigen ausgehen, die sich in Syrien oder den Nachbarländern verstecken. Zwar hält HTS die meisten französischen Kämpfer derzeit unter Kontrolle, doch Experten wie Jenny Raflik, Historikerin und Terrorismusforscherin, warnen vor der Unberechenbarkeit der Situation. Sollte sich die politische oder militärische Lage in Syrien erneut ändern, könnten auch die französischen Dschihadisten wieder in den Fokus rücken.

    Das Thema bleibt also hochbrisant. Einerseits ist die Bedrohung durch Rückkehrer unter Kontrolle, andererseits sorgt die fragile Situation in Syrien für Unsicherheiten. Wird es den Behörden gelingen, diese komplexe Herausforderung zu meistern? Die kommenden Monate werden Antworten bringen – oder neue Fragen aufwerfen.

  • Sahelzone: Französischer Truppenabzug beunruhigt Mali

    Sahelzone: Französischer Truppenabzug beunruhigt Mali

    Am Donnerstag, 10. Juni, hat der französische Präsident den Rückzug der französischen Truppen aus der Sahelzone angekündigt. Diese Entscheidung gibt in Mali Anlass zur Sorge. Emmanuel Macrons Ankündigungen brauchten nicht lange, um in den Straßen der Stadt Bamako in Mali einen Widerhall zu finden. Die Truppen sind seit acht Jahren im Rahmen des Kampfes gegen den dschihadistischen Terrorismus in Mali. Der nun bevorstehende Abzug der französischen Soldaten lässt die Bevölkerung das Schlimmste befürchten. „Es ist nicht nur Mali, das in Gefahr ist, sondern ganz Afrika. Wir müssen Angst haben und wachsam sein“, sagte ein Malier gegenüber France Televisions. Frankreich will die Truppenstärke reduzieren Mali hat gerade zwei aufeinanderfolgende Putsche erlebt. Offiziell handelt es sich bei dem Ende der Operation Barkhane nicht um einen Rückzug, sondern um eine Verlegung der Truppen. Die Operation Barkhane unterhält derzeit 11 Militärstützpunkte in der gesamten Sahelzone, davon allein sechs in …

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