Schlagwort: digitale Identität

  • Alterskontrolle per Handbewegung: Französisches Start-up setzt auf neue Technik

    Alterskontrolle per Handbewegung: Französisches Start-up setzt auf neue Technik

    Wie lässt sich das Alter eines Internetnutzers überprüfen, ohne Ausweisdokumente hochzuladen, persönliche Daten preiszugeben oder auf Gesichtserkennung zurückzugreifen? Mit genau dieser Frage beschäftigt sich derzeit das Unternehmen Needemand aus Montpellier. Die junge Firma hat eine Technologie entwickelt, die den Zugang zu Online-Inhalten anhand von Mikrobewegungen der Hand kontrollieren soll – ein Ansatz, der ebenso ungewöhnlich wie ambitioniert wirkt. Die Lösung trägt den Namen BorderAge. Nutzer halten dabei ihre Hand vor die Kamera eines Smartphones oder Computers. Anschließend analysiert die Software minimale Bewegungen und motorische Muster, die für verschiedene Altersgruppen typisch sein sollen. Nach Angaben des Unternehmens lässt sich so feststellen, ob eine Person ein bestimmtes Mindestalter überschreitet. Ein Ausweis, ein Selfie oder eine biometrische Gesichtserkennung seien dafür nicht erforderlich. Der Zeitpunkt für diese Innovation könnte kaum brisanter sein. Frankreich u…

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  • Taylor Swift zieht juristische Grenzen: Wie der Popstar seine Stimme gegen KI-Klone verteidigt

    Taylor Swift zieht juristische Grenzen: Wie der Popstar seine Stimme gegen KI-Klone verteidigt

    Taylor Swift setzt erneut Maßstäbe – diesmal nicht auf der Bühne, sondern im juristischen Kampf um digitale Identität.

    Angesichts der rasanten Verbreitung von Deepfakes und KI-gestütztem Stimmenklonen hat die amerikanische Sängerin beim US-Patent- und Markenamt mehrere Markenanmeldungen eingereicht, um zentrale Elemente ihrer Stimme und ihres visuellen Erscheinungsbildes rechtlich abzusichern. Ziel dieser bemerkenswerten Strategie: Künstliche Intelligenz soll daran gehindert werden, ihre charakteristische Stimme oder ikonische Außendarstellung kommerziell zu imitieren oder auszubeuten.

    Konkret geht es um markante Audiosequenzen, darunter bekannte gesprochene Einleitungen wie „Hey, it’s Taylor Swift“, sowie um ein prägnantes visuelles Symbol aus ihrer erfolgreichen Tournee. Was auf den ersten Blick wie ein raffinierter Schachzug im Prominentenschutz wirkt, reicht in Wahrheit deutlich weiter.

    Denn Swift verlässt damit bewusst die klassischen Pfade des Urheberrechts.

    Bislang stützten sich Künstler vor allem auf Copyright oder Persönlichkeitsrechte, um ihre Werke und ihr Image zu schützen. Doch generative KI verändert die Spielregeln massiv. Eine synthetisch erzeugte Stimme kann einer Berühmtheit täuschend ähnlich klingen, ohne direkt geschütztes Material zu kopieren. Genau hier setzt das Markenrecht an: Es schützt vor Nachahmungen, die Verbraucher verwirren könnten – juristisch formuliert als „confusingly similar“.

    Das klingt trocken, hat aber gewaltige Sprengkraft.

    Indem Swift ihre Stimme teilweise als Marke definiert, erschließt sie ein neues rechtliches Schutzschild für das digitale Zeitalter. Ihre Stimme wird damit nicht bloß Ausdruck ihrer Kunst, sondern ein wirtschaftlich verteidigbares Markenzeichen – ähnlich wie Logos großer Konzerne oder unverwechselbare Firmenslogans.

    Man könnte sagen: Hier wird Popkultur zur Blaupause moderner Eigentumsrechte.

    Die Musik- und Filmindustrie verfolgt diesen Schritt mit Argusaugen. Zahlreiche Künstler, Schauspieler und öffentliche Persönlichkeiten stehen vor derselben Herausforderung: Wie schützt man die eigene digitale Existenz, wenn Maschinen binnen Sekunden täuschend echte Songs, Werbespots oder politische Botschaften erzeugen können?

    Swift liefert womöglich die erste praktikable Antwort.

    Ihr Vorgehen signalisiert einen tiefgreifenden Wandel. In einer Welt, in der KI Identitäten nahezu perfekt reproduziert, entwickelt sich die menschliche Stimme selbst zu einem strategischen Vermögenswert. Nicht bloß Songs oder Bilder, sondern Persönlichkeitsmerkmale geraten ins Zentrum wirtschaftlicher Verteidigung.

    Taylor Swift schützt also weit mehr als ihre Berühmtheit.

    Sie gestaltet aktiv mit, wie Menschen in Zukunft ihre Einzigartigkeit gegen technologische Kopien absichern könnten – und zeigt einmal mehr, dass sie Trends nicht nur erkennt, sondern ihnen oft ein gutes Stück voraus ist.

    Autor: C.H.

  • Globale digitale Zukunft: Die neue Weltordnung des Internets nimmt Gestalt an

    Globale digitale Zukunft: Die neue Weltordnung des Internets nimmt Gestalt an

    Davos hat mal wieder geliefert. Beim Jahrestreffen 2025 des Weltwirtschaftsforums (WEF) wurde mit viel Tamtam eine neue Ära eingeläutet: „Connected Future“ heißt die Initiative, die alles verändern will. Oder zumindest sehr viel. Gemeinsam mit den Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der Gates-Stiftung setzt das WEF auf eine vernetzte Welt – digital, interoperabel, sicher. Klingt futuristisch? Ist es auch.

    Eine Allianz der Superlative

    Ein Blick auf die Unterstützerliste zeigt, wohin die Reise geht: Die UN bringt ihre Vision von globaler Zusammenarbeit ein, die EU ihre milliardenschwere „Global Gateway“-Strategie, und Bill Gates? Der liefert Know-how, Erfahrung – und Einfluss. Was alle eint: der Wunsch, weltweit digitale öffentliche Infrastrukturen (DPI) zu schaffen. Also Systeme, auf denen Staaten und Bürger gleichermaßen bauen können – von der digitalen Identität bis hin zu Zahlungssystemen.

    Doch was heißt das konkret?

    Von Aadhaar bis X-Road: Vorbilder aus Ost und West

    Das indische Aadhaar-System kennt fast jeder: biometrisch, flächendeckend, zentral. Rund 1,4 Milliarden Menschen sind dort erfasst. Ein anderes Beispiel: Estlands X-Road – ein dezentraler Datenaustausch, der als Rückgrat der digitalen Verwaltung dient. Beide Systeme gelten als Leuchttürme, die nun als Blaupause für die Welt dienen sollen.

    Doch kein Modell passt überall. Deshalb will die Initiative nicht einfach kopieren, sondern anpassen, verbessern und weiterdenken. Künstliche Intelligenz, erweiterte Realität, Quantencomputing – all das soll in die neue Generation öffentlicher Dienste integriert werden. Klar ist: Das wird teuer, komplex – und politisch brisant.

    Zwischen Vision und Kontrolle

    Wer digital vernetzt, kann auch digital kontrollieren. Das sehen auch Kritiker so, die vor übermäßiger Machtkonzentration warnen. Was passiert, wenn private Akteure wie Big-Tech-Firmen künftig bestimmen, wer Zugang zu Gesundheitsdiensten oder digitalen Zahlungsmitteln erhält? Wer sorgt dafür, dass Datenschutz nicht zum Feigenblatt wird?

    Gerade in autoritär regierten Staaten könnten zentrale DPI-Systeme leicht zur Überwachung missbraucht werden. Auch deshalb pocht das WEF auf ethische Standards, Transparenz und demokratische Beteiligung – doch die Umsetzung dieser Prinzipien ist alles andere als trivial.

    Digitalisierung als Entwicklungsmotor?

    Bill Gates sieht in der Digitalisierung eine „Hebelwirkung“ – vor allem in Entwicklungsländern. Dort könnten digitale Identitäten das Tor zu Bildung, Gesundheit und finanzieller Teilhabe öffnen. Was in Europa selbstverständlich erscheint, ist in weiten Teilen Afrikas oder Südasiens noch Vision. Das Versprechen: Wer vernetzt ist, bleibt nicht zurück. Aber stimmt das wirklich?

    Die Realität ist komplizierter. Ohne Strom, Internetzugang und digitale Bildung helfen auch die besten Plattformen nichts. Eine „Connected Future“ braucht also mehr als Technik – sie braucht Infrastruktur, Vertrauen und politische Stabilität.

    Wieviel Zukunft steckt in „Connected Future“?

    Die Ziele sind ehrgeizig: Bis 2030 sollen internationale Standards für digitale Identitäten, Zahlungssysteme und Datenplattformen stehen. Die Hoffnung: eine digitale Ordnung, die global funktioniert. Die Herausforderung: ein Flickenteppich aus Rechtsordnungen, Interessen und Technologien.

    Und dennoch – die Chance, etwas wirklich Großes zu schaffen, ist da. Eine Art „Internet 2.0“, das nicht nur von Silicon Valley bestimmt wird, sondern von einer echten Weltgemeinschaft. Ob das klappt?

    Tja, die Zukunft ist noch nicht geschrieben.

    Was bleibt?

    „Connected Future“ ist mehr als ein PR-Schlagwort. Es ist ein ehrgeiziger Plan für eine vernetzte Welt, in der digitale Teilhabe nicht vom Geburtsort abhängt. Damit das gelingt, braucht es Mut, Zusammenarbeit – und kritisches Denken. Zwischen Fortschritt und Freiheit muss ein Gleichgewicht gefunden werden, das für alle funktioniert.

    Oder, um es zugespitzt zu sagen: Der Weg zur digitalen Utopie ist gepflastert mit offenen Fragen.

    Von C. Hatty

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