Schlagwort: désert médical

  • Wenn der Augenarzt zum Luxus wird

    Wenn der Augenarzt zum Luxus wird

    Wer im französischen Département Gers einen Termin beim Augenarzt braucht, benötigt vor allem eines: Geduld. Fünf Monate Wartezeit – in manchen Gemeinden sogar mehr – sind dort längst keine Ausnahme mehr. Für viele klingt das zunächst nach einem Problem der Provinz, nach einem jener kleinen Missgeschicke des ländlichen Lebens. Doch der Blick hinter die Zahlen erzählt eine andere Geschichte. Eine Geschichte über ein Gesundheitssystem, das zwar allen gehören soll, aber immer häufiger vom Wohnort abhängt. Der Begriff „désert médical“ fällt in Frankreich seit Jahren. Medizinische Wüste. Das klingt drastisch, fast wie eine Übertreibung. Im Gers wirkt das Wort allerdings erschreckend präzise. Denn es fehlt nicht bloß an Ärzten. Es fehlt an erreichbaren Ärzten, an Zeitfenstern, an Wegen, die ältere Menschen überhaupt noch bewältigen können. Und genau dort beginnt das eigentliche Problem. Eine neue Brille später abzuholen – geschenkt. Doch Augenkrankheiten halten sich nicht an Wartelisten. Ein…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Wenn der Arzt 50 Kilometer entfernt ist – Die Ardèche und das Gefühl vom Leben in einem Entwicklungsland

    Wenn der Arzt 50 Kilometer entfernt ist – Die Ardèche und das Gefühl vom Leben in einem Entwicklungsland

    „On a le sentiment de vivre dans un pays en voie de développement.“Der Satz fällt nicht in einem fernen Winkel der Welt, sondern im Herzen Europas – in der Ardèche, jener hügeligen, dünn besiedelten Region im Südosten Frankreichs, die Reiseführer mit Superlativen schmücken. Schluchten, Kastanienhaine, Dörfer aus hellem Naturstein, Wochenmärkte unter Platanen. Postkartenidylle. Und doch wächst hier ein Gefühl, das schwer wiegt. Wer durch Orte wie Joyeuse oder Thueyts schlendert, ahnt zunächst nichts von der stillen Krise. Cafés sind gut besucht, im Sommer drängen sich Kanufahrer durch die Ardèche-Schlucht. Aber hinter den Fassaden bröckelt ein Fundament, das in einem Sozialstaat als selbstverständlich gilt: die medizinische Grundversorgung. In vielen Gemeinden existiert kein Hausarzt mehr. Praxen schließen, weil die Inhaber in Ruhestand gehen. Nachfolger? Fehlanzeige. Wer heute einen Termin benötigt, telefoniert sich durch Warteschleifen – oder steigt ins Auto und fährt 30, 40, manchmal…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Sie sollten Ihre Amtszeit nicht mit einem unhaltbaren Versprechen beginnen, Herr Lecornu – Ein Kommentar

    Sie sollten Ihre Amtszeit nicht mit einem unhaltbaren Versprechen beginnen, Herr Lecornu – Ein Kommentar

    Mit Pauken, Trompeten und einer gehörigen Portion politischer Chuzpe hat Premierminister Sébastien Lecornu seine Amtszeit eingeläutet – mit der Ankündigung von 5.000 neuen „Maisons France Santé“ bis 2027. Ein Versprechen, das klingt wie eine heilende Antwort auf den zunehmenden Pflegenotstand, auf überfüllte Notaufnahmen, verzweifelte Landbewohner ohne Hausarzt, überarbeitete Notärzte. Doch in Wahrheit ist es ein gefährliches Blendwerk, ein populistischer Taschenspielertrick – und ein eiskalter Schlag ins Gesicht all jener, die heute schon am Limit arbeiten.

    Denn was Lecornu da präsentiert, ist kein Masterplan für eine nachhaltige Gesundheitsreform, sondern ein PR-Manöver, das an Realitätsverweigerung grenzt. Die schlichte Wahrheit: Frankreich hat nicht einmal im Ansatz genug Ärztinnen und Ärzte, um diese Häuser zu füllen. Die Berufsverbände schlagen längst Alarm – MG France spricht von mindestens 10.000 fehlenden Medizinern, um auch nur den Mindestbetrieb dieser Einrichtungen zu gewährleisten. Zehn. Tausend. In einem Land, in dem Medizinstudienplätze streng rationiert und die Abwanderung junger Ärzte ins Ausland längst Realität ist.

    Politischer Aktionismus statt struktureller Reform

    Was Lecornu macht, ist das Äquivalent dazu, in einem brennenden Haus neue Fenster zu montieren, während das Fundament längst zerbröckelt. Der Zustand des französischen Gesundheitssystems ist seit Jahren kritisch – doch statt sich den tiefgreifenden strukturellen Problemen zu stellen, setzt die Regierung auf symbolpolitische Großprojekte mit medialem Glanz. 5.000 neue Gesundheitszentren? Das klingt gut auf dem Papier. Doch wer genau soll dort praktizieren? Die Hausärztin, die schon jetzt 80 Stunden pro Woche arbeitet? Der junge Internist, der lieber nach Kanada geht als in die Creuse?

    Es wäre beinahe zynisch, wenn es nicht so traurig wäre. Denn Lecornu tut damit genau das, was Politiker in Frankreich so gerne tun: Versprechen machen, die auf Kosten derer gehen, die sie später ausbaden müssen. Die wahren Träger des Systems – die Allgemeinmediziner, Pflegekräfte, Notärzte – wurden nicht gefragt, sondern übergangen. Der Dialog mit MG France, dem wichtigsten Verband der niedergelassenen Ärzte? Schon seit Monaten unterkühlt, ja fast eingefroren. Die Regierung hat ihn systematisch beschädigt, mit Maßnahmen wie der berüchtigten „taxe lapin“ – eine politisch motivierte Strafzahlung für Patienten, die Termine nicht einhalten. Populismus auf dem Rücken des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient.

    Die medizinische Realität kennt keine Dekrete

    Es ist bezeichnend, dass dieses Versprechen just in Mâcon verkündet wurde – einer Stadt in Burgund, in der viele Einwohner kaum noch einen Hausarzt finden. Und genau hier zeigt sich die ganze Tragik: Nicht das Fehlen von Gebäuden ist das Problem, sondern das Fehlen von Menschen, die darin arbeiten können und wollen. Das medizinische Personal ist ausgebrannt, unterbezahlt, unter Druck – und wird gleichzeitig von der Regierung in eine Struktur gedrängt, die zentrale Steuerung vorgibt, aber keine echte Unterstützung bietet.

    Dass Lecornu in dieser Situation den Eindruck erweckt, man könne das Land binnen zwei Jahren flächendeckend mit medizinischer Versorgung ausstatten, ist nicht nur unverantwortlich – es ist brandgefährlich. Denn es weckt Erwartungen bei Millionen von Bürgerinnen und Bürgern, die nach Jahren gesundheitspolitischer Vernachlässigung endlich wieder hoffen wollen. Und es produziert am Ende das, was das Vertrauen in den Staat am schnellsten zerstört: das Gefühl, wieder einmal belogen worden zu sein.

    Gesundheitsversorgung braucht keine Ankündigungspolitik, sondern Ehrlichkeit

    Es wäre an der Zeit gewesen für ein anderes Signal: Ein Eingeständnis, dass der Weg zur flächendeckenden Versorgung mühsam, lang und schmerzhaft sein wird. Eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Frage, wie man junge Ärztinnen und Ärzte für die Arbeit in ländlichen Regionen gewinnt. Eine mutige Reform der Ausbildungskapazitäten. Eine nachhaltige Stärkung der medizinischen Grundversorgung – auch über neue Berufsbilder und echte interprofessionelle Teams.

    Doch Lecornu hat sich entschieden, seinen Start in die Geschichte nicht mit einer ehrlichen Analyse, sondern mit einem möglicherweise leeren Versprechen zu markieren. In einer Zeit, in der viele Menschen das Vertrauen in die Politik verloren haben, ist das nicht nur ein Fehler – es ist ein Vergehen an der politischen Kultur. Denn Regieren heißt nicht: Schlagzeilen produzieren. Regieren heißt: Verantwortung übernehmen. Für die Realität. Für die Menschen. Und für das Machbare.

    Herr Lecornu, Sie sind Premierminister der Französischen Republik – nicht Marketingleiter eines ambitionierten Start-ups. Beginnen Sie Ihre Amtszeit nicht mit einem Versprechen, das Sie nie werden halten können.

    Ein Kommentar von Daniel Ivers