Schlagwort: Demonstrationen

  • Eltern in Weiss: Frankreich beschwört den Geist von 1986

    Eltern in Weiss: Frankreich beschwört den Geist von 1986

    Wenn an diesem Dienstag Frankreichs Schüler erneut auf die Strasse gehen, sollen sie nicht allein sein. Abgeordnete der ökologischen Parlamentsfraktion rufen Eltern und andere Erwachsene dazu auf, sich weiss zu kleiden und die Demonstrationen zu begleiten. Die ungewöhnliche Aktion verweist bewusst auf eine der traumatischsten Episoden der jüngeren französischen Protestgeschichte: die Studentenbewegung von 1986 und den Tod von Malik Oussekine. «Mamas, Papas – alle in Weiss» Der Aufruf trägt den demonstrativ volkstümlichen Titel «Darons, Daronnes: toutes et tous en blanc pour nos jeunes!» – sinngemäss: «Mamas, Papas: alle in Weiss für unsere Jugendlichen!» Zu den Initiatoren gehören die Abgeordneten Pouria Amirshahi, Danielle Simonnet und Léa Balage El Mariky von der Fraktion Écologiste et Social. Die Erwachsenen sollen am 6. Oktober sichtbar an der Seite der Schüler auftreten. Nach Darstellung der Initiatoren geht es dabei sowohl um Unterstützung für deren Forderungen als auch darum, ei…

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  • Frankreichs Staatsbedienstete machen Druck: Acht Gewerkschaften gemeinsam im Ausstand

    Frankreichs Staatsbedienstete machen Druck: Acht Gewerkschaften gemeinsam im Ausstand

    Frankreich erlebt an diesem Dienstag, dem 29. September 2026, einen landesweiten Streik im öffentlichen Dienst. Bemerkenswert ist weniger der Arbeitskampf an sich als die ungewöhnliche Geschlossenheit, mit der er geführt wird: Alle acht repräsentativen Gewerkschaftsorganisationen des französischen Staatsdienstes – CGT, FO, CFDT, UNSA, FSU, Solidaires, CFE-CGC und FA-FP – haben gemeinsam zur Mobilisierung aufgerufen. Betroffen sind Staatsverwaltung, Gebietskörperschaften und öffentlicher Krankenhausdienst. Im Zentrum steht eine Frage, die weit über diesen einzelnen Streiktag hinausweist: Wie viel finanziellen Spielraum besitzt der französische Staat noch für seine Beschäftigten, während gleichzeitig der Haushalt konsolidiert werden soll?

    Seltene gewerkschaftliche Geschlossenheit

    Dass alle acht repräsentativen Organisationen gemeinsam auftreten, verleiht dem 29. September besonderes politisches Gewicht. Ein wesentlicher Ausgangspunkt war das gescheiterte sogenannte Gehaltstreffen vom 8. Juli. Die Gewerkschaften hatten dort allgemeine Lohnmassnahmen gefordert, verliessen die Gespräche jedoch ohne die von ihnen erwarteten Zusagen der Regierung. Anfang September bekräftigten mehrere Verbände daraufhin den gemeinsamen Aufruf zum Arbeitskampf.

    Das Bündnis umfasst Organisationen mit zum Teil deutlich unterschiedlichen gewerkschaftlichen Traditionen. Umso stärker ist das Signal, das von ihrer gemeinsamen Plattform ausgeht. Im Mittelpunkt stehen eine allgemeine Anhebung der Bezüge, eine Erhöhung des sogenannten Indexpunktes sowie dessen Kopplung an die Inflation. Dieser Punktwert bildet die Grundlage für einen wesentlichen Teil der Bezahlung französischer Beamter und zahlreicher anderer Beschäftigter des öffentlichen Dienstes.

    Gefordert werden zudem eine Überarbeitung der Besoldungstabellen, bessere Aufstiegsmöglichkeiten, die Wiedereinführung der individuellen Kaufkraftgarantie GIPA sowie die vollständige Lohnfortzahlung bei gewöhnlicher krankheitsbedingter Abwesenheit. Auch Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern und die Arbeitsbedingungen in öffentlichen Einrichtungen gehören zum Forderungskatalog.

    Mehr als 150 Kundgebungen im ganzen Land

    Die Mobilisierung ist nicht auf Paris beschränkt. Landesweit sind weit über 150 Demonstrationen und Kundgebungen angekündigt. Damit erhält der Streik eine territoriale Dimension, die für Frankreichs Gewerkschaftsbewegung traditionell von grosser Bedeutung ist: Nicht nur die Hauptstadt, sondern Präfekturstädte, regionale Zentren und kleinere Verwaltungsstandorte sollen sichtbar einbezogen werden.

    In Paris soll der wichtigste Demonstrationszug um 14 Uhr an der Place de la République beginnen und in Richtung Place de la Nation ziehen. Vorgesehen ist eine Route über Boulevard du Temple, Boulevard Beaumarchais und Bastille sowie anschliessend über Rue de Lyon, Avenue Daumesnil und Boulevard Diderot. Ein eigener Zug der Feuerwehrleute soll von der Place d’Italie aufbrechen und sich an der Bastille mit der Hauptdemonstration vereinigen.

    Der gesonderte Auftritt der Feuerwehr verweist zugleich auf eine weitere Konfliktlinie. Nach einem Sommer mit schweren Waldbränden und mehreren Hitzewellen verlangen die Berufsfeuerwehren unter anderem zusätzliche Stellen und einen besseren Gesundheitsschutz. Die Proteste dieses Berufsstandes hatten bereits am Montag begonnen.

    Schulen dürften den Streik besonders spüren

    Wie stark die Bevölkerung den Arbeitskampf im Alltag wahrnimmt, dürfte je nach Branche erheblich variieren. Besonders sichtbar könnte er im Bildungswesen werden. Der Snuipp-FSU, die führende Gewerkschaft der Grundschullehrer, rechnete im Vorfeld mit einer Beteiligung von rund 40 Prozent. Für Grundschulen existieren zwar gesetzliche Regelungen für eine Mindestbetreuung durch die Kommunen, dennoch können Unterricht und Betreuung lokal erheblich eingeschränkt sein.

    Für Collèges und Lycées sind Prognosen schwieriger, weil Lehrkräfte dort ihre Streikteilnahme nicht in gleicher Weise vorab erklären müssen. Auch Schüler- und Studentenorganisationen haben zu Aktionen aufgerufen.

    Im Krankenhauswesen mobilisieren ebenfalls sämtliche Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes. Hier verbindet sich die Lohnfrage mit einer seit Jahren geführten Debatte über Personalmangel, Arbeitsbelastung und Finanzierung. Der französische Gesundheitssektor steht damit exemplarisch für die Spannung, die den gesamten Arbeitskampf prägt: Der Staat soll seine Ausgaben begrenzen und zugleich öffentliche Dienstleistungen aufrechterhalten, deren Beschäftigte höhere Bezahlung und zusätzliche Ressourcen verlangen.

    Auch bei France Travail ist die Mobilisierung ungewöhnlich breit. Zehn Gewerkschaftsorganisationen rufen dort gemeinsam zum Streik auf. Neben den Gehältern stehen Umstrukturierungen, steigende Arbeitsbelastung und der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz in der Arbeitsverwaltung in der Kritik der Arbeitnehmervertretungen.

    Kein französischer Verkehrsinfarkt

    Anders als bei manchen grossen französischen Streiktagen dürfte der Verkehr diesmal jedoch nicht zum eigentlichen Zentrum der Auseinandersetzung werden. Nach den am Morgen verfügbaren Angaben soll der Fernverkehr der SNCF mit TGV und Intercités regulär laufen. Auch bei Regionalzügen wird mit einem weitgehend normalen Angebot gerechnet.

    Grössere Abweichungen gibt es vor allem im Pariser Grossraum. Betroffen sind einzelne Linien des Transilien- und RER-Netzes, darunter RER C, D und E sowie die Linien R und V. Je nach Strecke und Tageszeit kann das Angebot stärker reduziert werden. Die RATP rechnet dagegen bei Métro und den von ihr betriebenen RER-Verbindungen grundsätzlich mit normalem Verkehr.

    Diese relativ begrenzten Verkehrsausfälle sind politisch nicht ohne Bedeutung. Sie zeigen, dass es sich primär um einen Konflikt des öffentlichen Dienstes und nicht um einen flächendeckenden Ausstand der französischen Wirtschaft handelt. Ob der 29. September dennoch eine grössere gesellschaftliche Dynamik entwickelt, wird deshalb vor allem von den Teilnehmerzahlen auf den Strassen sowie den Streikquoten in Schulen, Verwaltungen und Krankenhäusern abhängen.

    Kaufkraft wird zur politischen Schlüsselfrage

    Hinter den konkreten Gewerkschaftsforderungen steht die Entwicklung der Kaufkraft. Die jüngsten verfügbaren Daten des französischen Statistikamtes zeigen einen deutlichen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus im Verlauf des Jahres 2026. Besonders die Energiepreise legten erheblich zu: Der entsprechende Index für das französische Mutterland stieg zwischen Januar und August von 99,17 auf 115,75 Punkte.

    Für die Staatsbediensteten ist entscheidend, dass sich solche Preisbewegungen nicht automatisch in der Besoldung niederschlagen. Deshalb hat die Forderung nach einer Indexierung des Punktwertes auf die Inflation für die Gewerkschaften strategische Bedeutung. Eine solche Regel würde allerdings auch die budgetpolitische Bewegungsfreiheit des Staates einschränken und könnte bei Millionen Beschäftigten erhebliche dauerhafte Mehrkosten verursachen.

    Genau an diesem Punkt trifft die soziale Auseinandersetzung auf die französische Finanzpolitik.

    Der Schatten des Haushalts 2027

    Der Zeitpunkt des Streiks ist deshalb kaum zufällig. Die Mobilisierung fällt in eine Phase, in der die Regierung die politischen Entscheidungen für den Haushalt 2027 vorbereitet. Gewerkschaften wollen vor dessen endgültiger Festlegung verhindern, dass die Personalausgaben des öffentlichen Dienstes vor allem als Konsolidierungsgrösse behandelt werden.

    Die Auseinandersetzung besitzt damit eine strukturelle Dimension. Frankreich verfügt über einen im europäischen Vergleich umfangreichen öffentlichen Sektor. Gleichzeitig steht das Land seit Jahren unter erheblichem Druck, Defizit und Staatsverschuldung einzugrenzen. Jede allgemeine Gehaltserhöhung für Staatsbedienstete wirkt deshalb nicht nur auf die individuelle Kaufkraft, sondern unmittelbar auf die mittelfristige Haushaltsplanung.

    Für die Gewerkschaften lautet die Gegenrechnung, dass eine längere Phase stagnierender Reallöhne die Attraktivität des öffentlichen Dienstes schwächt. Gerade Schulen, Krankenhäuser, Sicherheitsdienste und lokale Verwaltungen konkurrieren um qualifizierte Arbeitskräfte. Aus ihrer Sicht ist die Lohnfrage deshalb gleichzeitig eine Frage der Funktionsfähigkeit staatlicher Dienstleistungen.

    Der 29. September ist damit weniger ein französischer Stillstand als ein Test der Kräfteverhältnisse. Am Dienstagmorgen lässt sich noch nicht seriös feststellen, wie gross die Bewegung tatsächlich werden wird. Entscheidend werden die Streikquoten sowie die Teilnehmerzahlen der Demonstrationen am Nachmittag sein. Erst dann wird sich beurteilen lassen, ob die aussergewöhnliche Einheit der Gewerkschaften auch eine entsprechend starke Mobilisierung der Beschäftigten hervorbringt.

    Fest steht bereits, dass der Konflikt mit diesem Tag kaum abgeschlossen sein dürfte. Die eigentliche Auseinandersetzung wird sich bei den Entscheidungen über Löhne, Personal und Staatsausgaben im Haushalt 2027 fortsetzen. Damit stellt sich Frankreich erneut eine seiner dauerhaft schwierigsten politischen Fragen: wie ein leistungsfähiger öffentlicher Dienst finanziert werden kann, ohne die ohnehin angespannte Lage der Staatsfinanzen weiter zu verschärfen.

    P.T.

  • Nach der Trauer wächst der Druck: Frankreich bereitet sich auf neue Proteste nach Lyhannas Beisetzung vor

    Nach der Trauer wächst der Druck: Frankreich bereitet sich auf neue Proteste nach Lyhannas Beisetzung vor

    Die Erschütterung über den Tod der jungen Lyhanna hält Frankreich weiterhin in Atem. Während die Familie und Angehörigen am Freitag in Fleurance im Département Gers Abschied von der Jugendlichen nehmen, kündigen zahlreiche Frauenrechtsorganisationen, Kinderschutzverbände und Bürgerinitiativen neue Demonstrationen im ganzen Land an. Aus der anfänglichen Trauer entwickelt sich zunehmend eine Bewegung, die Antworten fordert und politische Konsequenzen verlangt. Der Fall hat weit über die Grenzen der betroffenen Region hinaus für Entsetzen gesorgt. Seit der Auffindung des Leichnams beschäftigt die Tragödie die französische Öffentlichkeit. Besonders die Diskussion über den Umgang der Behörden mit dem mutmaßlichen Täter und mögliche Versäumnisse im Vorfeld des Verbrechens sorgt für anhaltende Empörung. In vielen Städten gingen bereits Tausende Menschen auf die Straße, um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen und gleichzeitig Kritik an staatlichen Institutionen zu üben. Für viele Teilnehmer steh…

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  • Russlands leiser Auftritt auf Oléron – Erinnerungspolitik in Zeiten des Krieges

    Russlands leiser Auftritt auf Oléron – Erinnerungspolitik in Zeiten des Krieges

    Der Besuch des russischen Botschafters Alexei Meshkow auf der französischen Atlantikinsel Oléron wäre in ruhigeren Zeiten wohl kaum mehr als eine diplomatische Randnotiz geblieben. Am Montag, dem 24. November 2025, will der Gesandte Blumen an den Gräbern sowjetischer Soldaten niederlegen – in Erinnerung an ihren Beitrag zur Befreiung der Insel im Jahr 1944. Doch im Schatten des andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gewinnt der symbolische Akt brisante politische Bedeutung. Die französischen Behörden halten demonstrativ Abstand: Kein offizieller Empfang, keine protokollarische Begleitung. Gedenken ohne offizielle Geste „Kein Empfang, keine Unterstützung – aber Sicherheit wird gewährleistet.“ So umschreibt Brice Blondel, Präfekt des Départements Charente-Maritime, die Haltung der französischen Behörden zur Visite Meshkows. Tatsächlich verzichtete die russische Botschaft auf eine formale Anmeldung des Besuchs, womit dieser rechtlich als rein privater Akt gilt. Dass denno…

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  • Verdun: Messe für Pétain sorgt für politische Kontroverse und Proteste

    Verdun: Messe für Pétain sorgt für politische Kontroverse und Proteste

    Verdun, 15. November 2025 – Eine von der „Association pour défendre la mémoire du maréchal Pétain“ (ADMP) organisierte Gedenkmesse für Philippe Pétain hat am Samstag in Verdun zu Protesten und politischen Reaktionen geführt. Die Zeremonie fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Kirche Saint-…

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  • Frankreichs Streikbewegung lahmt – Müde Gewerkschaften, leere Straßen

    Frankreichs Streikbewegung lahmt – Müde Gewerkschaften, leere Straßen

    Die Protestzüge werden dünner. Am 2. Oktober gingen in ganz Frankreich laut Innenministerium nur noch 195.000 Menschen auf die Straße. Die Gewerkschaften sprechen zwar von fast 600.000 – doch egal, welche Zahl man nimmt: Der Trend ist eindeutig. Die Mobilisierung nimmt ab. Und das, obwohl mit dem neuen Haushalt und dem angekündigten Regierungskurs die sozialen Spannungen eigentlich auf dem Höhepunkt sein sollten. Selbst im traditionell streikfreudigen Bildungssektor war die Beteiligung mau. Gerade einmal 4,22 Prozent der Staatsbediensteten machten mit. Ein Alarmsignal für die Gewerkschaften, die sich zunehmend in der Defensive wiederfinden – statt in der Offensive, wie noch vor wenigen Wochen. Symbolpolitik statt Strukturreform Was die Gewerkschaften besonders aufbringt, ist nicht nur die sinkende Teilnehmerzahl – sondern die Reaktion der Regierung. Oder besser gesagt: das, was davon übrig bleibt. Statt eines echten sozialen Kurses gibt es – aus Sicht der Arbeitnehmervertretungen – ein…

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  • Grève du 18 septembre : Frankreich im Ausnahmezustand

    Grève du 18 septembre : Frankreich im Ausnahmezustand

    Frankreich erlebt an diesem Donnerstag, dem 18. September 2025, eine dieser Mobilisierungen, die in Erinnerung bleiben werden. Schulen geschlossen, Züge gestrichen, Straßen blockiert – eine Protestwelle von seltener Wucht legt das Land lahm. Offiziell rechnen die Behörden inzwischen mit bis zu 900 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Inoffiziell ist klar: Es geht längst nicht mehr nur um zwei gestrichene Feiertage.

    Ein Schulterschluss der Gewerkschaften

    Acht große Gewerkschaften, die sonst oft auf unterschiedlichen Wegen marschieren, ziehen diesmal geschlossen los: CFDT, CGT, FO, CFE-CGC, CFTC, Unsa, FSU und Solidaires. Ihr Gegner ist ein gemeinsamer: das „Budget Bayrou“. Hinter dem trockenen Titel verbirgt sich ein Katalog von Sparmaßnahmen – weniger Feiertage, weniger Mittel für Schulen und Krankenhäuser, eingefrorene Sozialleistungen. Für viele klingt das nach mehr Arbeit, weniger Einkommen und sinkendem Lebensstandard.

    Der neue Premierminister Sébastien Lecornu hat zu diesen Maßnahmen bisher weitgehend geschwiegen – lediglich die Streichung der 2 Feiertage will er wohl zurücknehmen. Und Schweigen kann in solchen Zeiten lauter wirken als Worte.

    Alltag im Ausnahmezustand

    Die Folgen werden die Menschen in Frankreich unmittelbar spüren. Wer morgen am Bahnhof steht, wird meits vergeblich auf den Zug warten. Eltern suchen kurzfristig nach Betreuungsmöglichkeiten, weil Schulen und Kitas geschlossen bleiben. In Krankenhäusern arbeiten Notdienste, geplante Eingriffe müssen verschoben werden. Selbst Apotheken schließen ihre Türen.

    Der Generalstreik greift direkt in das tägliche Leben der Bewohner Frankreichs ein.

    Sicherheit mit martialischem Gesicht

    Das Innenministerium reagiert mit einer Sicherheitsoperation von beispiellosem Ausmaß. 80.000 Polizisten und Gendarmen sind im Einsatz, unterstützt von gepanzerten Fahrzeugen, Wasserwerfern und Hubschraubern. In Paris führt die Demoroute von der Place de la Bastille bis zur Place de la Nation. Innenminister Bruno Retailleau warnt vor dem Aufmarsch radikaler Gruppen, die den Protest nutzen könnten, um Gewalt zu provozieren.

    Die Kulisse erinnert an ein Land, das sich auf eine Kraftprobe einstellt.

    Ein Boden, der längst bebt

    Die Proteste kommen nicht aus dem Nichts. Schon im Mai formierte sich auf den sozialen Netzwerken die Bewegung „Bloquons tout“. Ihr Name ist Programm: Blockieren statt hinnehmen. Am 10. September zogen bereits etwa 250.000 Menschen auf die Straßen. Offiziell unpolitisch, ohne direkte Parteibindung – und doch mit deutlichem Rückhalt von linken Strömungen und Teilen der Gewerkschaften.

    Der aktuelle Streikaufruf knüpft an diese Dynamik an, verstärkt sie, treibt sie weiter.

    Mehr als nur ein Abwehrkampf

    Hinter den Transparenten steckt weit mehr als der Protest gegen einzelne Haushaltsmaßnahmen. Es geht um Kaufkraft, soziale Gerechtigkeit, den Schutz öffentlicher Dienste. Es geht um das Gefühl, nicht länger für Fehler anderer zu zahlen.

    Die Gewerkschaften sprechen offen davon, einen dauerhaften Machtfaktor aufbauen zu wollen. Nicht bloß ein Aufschrei für einen Tag, sondern ein Signal, das sich in konkrete Politik übersetzt.

    Was bleibt vom 18. September?

    Die Frage ist so einfach gestellt wie schwer zu beantworten: Wird der Tag als kurzer Sturm in Erinnerung bleiben, der sich rasch legt? Oder wird er zum Wendepunkt, der die Regierung zum Umdenken zwingt?

    Frankreich kennt solche Momente. 1995, 2010, 2019 – die Liste der großen sozialen Auseinandersetzungen ist lang. Jetzt reiht sich 2025 ein. Ob als Etappe oder Zäsur, das entscheidet sich in den kommenden Wochen.

    Andreas M. Brucker

  • Mobilisierungstag am 18. September 2025: Steht Frankreich vor einem massiven Stillstand?

    Mobilisierungstag am 18. September 2025: Steht Frankreich vor einem massiven Stillstand?

    Der 18. September 2025 zeichnet sich bereits im Vorfeld als Tag einer außergewöhnlich breiten Mobilisierung ab. Gewerkschaften, Berufsverbände und soziale Bewegungen kündigen eine Protestwelle an, die sich quer durch mehrere Schlüsselbereiche der französischen Gesellschaft zieht. Auslöser sind die Haushaltspläne der Regierung, die von vielen als hart und unsozial empfunden werden. Die Erwartungen an die Beteiligung sind hoch – für das Kabinett von Premierminister Sébastien Lecornu könnte dies zur ersten großen Bewährungsprobe werden.

    Streitpunkt Haushaltspolitik Das Bündnis der großen Gewerkschaftsdachverbände – von der CFDT bis zur CGT – richtet seine Kritik gegen die geplanten Kürzungen und den Stopp von Neueinstellungen im öffentlichen Dienst sowie das Einfrieren von Sozialleistungen, Beamtengehältern und Renten. Hinzu kommen höhere Gesundheitskosten durch verdoppelte Zuzahlungen und der Vorwurf einer einseitigen Steuerpolitik zugunsten von Unternehmen und hohen Einkommen. Die Maßn…

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  • „Bloquons tout“ – Frankreich erlebt einen Tag der Blockaden und Proteste

    „Bloquons tout“ – Frankreich erlebt einen Tag der Blockaden und Proteste

    Ein Mittwoch, wie er im politischen Kalender des Landes selten vorkommt.Frankreich steht am 10. September Kopf – mit Blockaden, Protestzügen, gesperrten Autobahnen und einem symbolträchtigen „Generalstopp“, zu dem das lose, über soziale Netzwerke organisierte Bündnis „Bloquons tout“ aufgerufen hat. Die Proteste treffen ein Land, das ohnehin mitten in einer tiefen politischen Krise steckt. Schon vor Sonnenaufgang legten Demonstrierende in zahlreichen Städten den Verkehr lahm. Reporterinnen und Reporter berichten von Szenen in Lyon, Nantes, Paris, Rennes und Rouen, die an die großen Mobilisierungen der „Gelbwesten“ erinnern – chaotisch, laut, wütend. Schon am Vormittag hat das Innenministerium über 250 Festnahmen gemeldet. Rund 150 Lycées waren blockiert, Schüler*innen zogen mit Transparenten vor ihre Schulen.

    Regionale Brennpunkte des Protests Auvergne-Rhône-Alpes In Lyon kam es am frühen Morgen zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstrierenden am Bahnhof Perrach…

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  • Frankreich vor einer doppelten Mobilisierung: zwischen spontaner Wut und orchestrierter Einheit

    Frankreich vor einer doppelten Mobilisierung: zwischen spontaner Wut und orchestrierter Einheit

    Frankreich steuert auf einen heißen sozialen Herbst zu. Mit zwei großen Protestterminen im September — dem heterogenen Aufruf „Bloquons tout“ am 10. und der gewerkschaftlichen Mobilisierung am 18. — verdichtet sich die soziale Spannung. Der Konflikt entzündet sich am Entwurf des Haushalts 2026, den die Regierung Bayrou jüngst skizziert hat. Während das Kabinett die Notwendigkeit strikter Haushaltsdisziplin betont, werfen die Gewerkschaften dem Text eine „brutale“ Schieflage zu Lasten der Arbeitnehmer vor. Einigkeit am 18. September Acht Dachverbände — CFDT, CGT, FO, CFE-CGC, CFTC, Unsa, Solidaires und FSU — haben am 29. August zu einem landesweiten Streik- und Protesttag am 18. September aufgerufen. Die Entscheidung fiel einstimmig nach Beratungen im Sitz der CFDT in Paris. Das erklärte Ziel: ein Signal der Geschlossenheit, bevor der Haushaltsentwurf in die parlamentarische Debatte eintritt. In ihrem gemeinsamen Kommuniqué sprechen die Gewerkschaften von einer „beispiellosen Brutalität…

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