Schlagwort: Cold Case

  • Die mysteriöse Affäre der „Verschwundenen aus dem Isère“: Ein Durchbruch nach 30 Jahren?

    Die mysteriöse Affäre der „Verschwundenen aus dem Isère“: Ein Durchbruch nach 30 Jahren?

    Drei Jahrzehnte voller Fragen, Schmerz und Rätsel – die sogenannte Affäre der „Disparus de l’Isère“ hat Frankreich erschüttert und zahlreiche Familien in tiefer Ungewissheit zurückgelassen. Nun scheint es eine Wende zu geben: Am 27. November wurde ein Verdächtiger in Grenoble verhaftet, dessen DNA ihn mit zwei brutalen Morden in Verbindung bringt. Könnte dies der Schlüssel sein, um eines der dunkelsten Kapitel der französischen Kriminalgeschichte zu lösen? Zwei Morde, ein Verdächtiger Der Fall begann mit dem Mord an der 15-jährigen Nathalie Boyer im Jahr 1988. Das Mädchen wurde grausam erstochen, doch der Täter blieb unbekannt. Zwölf Jahre später, im Jahr 2000, wurde Leila Afif in derselben Region erschossen. Lange Zeit schienen die beiden Fälle keine Verbindung zu haben – bis jetzt. Dank moderner DNA-Analysen konnte das genetische Material des Verdächtigen in den Beweismitteln von Leila Afif nachgewiesen werden. Der Mann, ein über 60-Jähriger, lebte zur Zeit von Nathalie Boyers Ermord…

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  • Suchaktion am Fort de Tamié: Neue Hoffnung für die Familien der Vermissten

    Suchaktion am Fort de Tamié: Neue Hoffnung für die Familien der Vermissten

    Für die Familien von Jean-Christophe Morin und Ahmed Hamadou gibt es eine neue Hoffnung. Die beiden Männer verschwanden vor über zehn Jahren – in einem Intervall von einem Jahr – in der Nähe des Fort de Tamié in Savoyen. Doch die Frage, was damals wirklich geschah, bleibt bis heute offen. Nun organisiert das nationale „Cold Cases“-Team eine zweitägige, von der Polizei begleitete Suchaktion am 29. und 30. Oktober. Ziel ist es, Hinweise zu finden, die endlich Licht ins Dunkel dieser mysteriösen Fälle bringen könnten.

    Der Tag des Verschwindens – und die offenen Wunden

    Jean-Christophe Morin und Ahmed Hamadou nahmen jeweils an einem Musikfestival am Fort de Tamié teil, bevor sie spurlos verschwanden. Die beiden Männer, damals 22 und 45 Jahre alt, galten als lebensfroh und aktiv, und nichts deutete auf ihr tragisches Schicksal hin. Für die Angehörigen ist der Schmerz bis heute fast unerträglich. „Es ist, als wäre es gestern geschehen“, erzählt Adeline, die Schwester von Jean-Christophe, die seit Jahren vergeblich nach Antworten sucht. Sie beschreibt das schwierige Gefühl, einerseits darauf zu hoffen, sterbliche Überreste zu finden, um das Rätsel zu lösen – und gleichzeitig diesen grausamen Gedanken verarbeiten zu müssen.

    Die Situation ist für die Familien wie ein endloser Albtraum: „Es ist schwer, Trauer zu fühlen und zu verarbeiten, wenn man keine Antworten, kein Grab, keinen Ort hat, an den man gehen kann,“ so Adeline. Doch diese Suchaktion bedeutet für sie und die anderen Angehörigen mehr als nur die Hoffnung auf Antworten – sie bietet die Möglichkeit, endlich zumindest einen kleinen Schritt voranzukommen.

    30 Freiwillige, GPS-Tracker und moderne Technik

    Die Suchaktion konzentriert sich auf die Gegend rund um das Fort de Tamié, das auf knapp 1.000 Metern Höhe liegt. Zwischen 25 und 30 Freiwillige werden sich gemeinsam mit der Polizei an der Suche beteiligen – unter ihnen Menschen, die die Betroffenen nicht einmal persönlich kannten, wie Adeline berührt feststellt: „Das geht uns sehr ans Herz.“ Sie selbst organisierte die Aktion über eine Facebook-Gruppe namens „Disparition de Jean-Christophe Morin : la mobilisation continue“, um an den Fall ihres Bruders zu erinnern und weiter nach ihm zu suchen. Auch wenn viele Jahre vergangen sind, bleibt für die Familie die Gewissheit, dass bisher nicht jeder Winkel um das Fort akribisch durchsucht wurde.

    Die Suchenden werden auf Anordnung der Ermittlungsrichterin Sabine Khéris mit GPS-Trackern ausgestattet. Diese Technologie – eine Premiere in dieser Art von Untersuchung – ermöglicht eine genaue Kartierung der durchsuchten Bereiche. „Das nationale ‚Cold Cases‘-Team greift auf die bestmöglichen technischen Mittel zurück,“ erklärt die Anwältin Marine Allali, die die Familie von Jean-Christophe Morin vertritt. „Das Beispiel des kleinen Emile zeigt, wie wichtig es ist, präzise zu wissen, wo Menschen schon gesucht haben, um zu verhindern, dass man an einer entscheidenden Stelle einfach vorbeigeht.“

    Ein neuer Aufruf an Zeugen

    Schon im Mai 2023 veröffentlichte das „Cold Cases“-Team einen Zeugenaufruf in Form eines Videos. Die Ermittler sind überzeugt, dass jemand etwas gesehen haben muss – unter den zahlreichen Festivalbesuchern, die Jean-Christophe und Ahmed an den Tagen ihres Verschwindens begegneten, könnte es Zeugen geben, die sich an entscheidende Details erinnern, auch wenn inzwischen mehr als zehn Jahre vergangen sind.

    So bleibt die Hoffnung, dass diese Suchaktion, zusammen mit moderner Technik und dem Engagement der Freiwilligen, den Angehörigen von Jean-Christophe und Ahmed endlich Klarheit und ein wenig Frieden bringen könnte.

  • Mord in Limoges: Geständnis 22 Jahre nach der Tat

    Mord in Limoges: Geständnis 22 Jahre nach der Tat

    Manchmal holen uns die Geister der Vergangenheit später ein, als wir denken. In Limoges, einer Stadt, die viele nur als friedliches Fleckchen kennen, ist ein schrecklicher Mordfall nach 22 Jahren wieder ins Rampenlicht gerückt. Der mutmaßliche Täter, der jahrelang unentdeckt geblieben war, hat nun sein Verbrechen gestanden – eine Tat, die in das Jahr 2002 zurückreicht.

    Ein unvergessener Tatort

    Am 10. Februar 2002 entdeckte ein Passant die blutüberströmte Leiche von Hannah Tabi, einer 39-jährigen Prostituierten aus Ghana, unweit des Stadtzentrums von Limoges. Sie war mit mehreren Messerstichen brutal ermordet worden, in einem Viertel, das für die Prostitution bekannt war. Die Grausamkeit der Tat schockierte die Bewohner. Trotz intensiver Ermittlungen blieb der Täter jedoch bis heute unentdeckt und die Spur wurde kalt.

    Der Durchbruch dank DNA

    Jahre später kam es zu einem scheinbar harmlosen Vorfall, der das Blatt wenden sollte. Der nun 46-jährige Verdächtige beging mehrere Verkehrsdelikte in der Region um Limoges. Im Zuge dessen wurde eine DNA-Probe von ihm genommen und in die nationale DNA-Datenbank (Fnaeg) eingegeben. Die Überraschung: Sein genetisches Profil stimmte mit dem damals am Tatort des Mordes gefundenen überein. Es war, als hätte die Vergangenheit plötzlich an die Tür geklopft.

    Ein „Ausraster“ und seine Folgen

    In der Untersuchungshaft gestand der Mann, den Mord begangen zu haben. Er sprach von einem „Ausraster“, der auf mehrere gescheiterte Beziehungen folgte. Ein Leben, das aus Enttäuschungen, Alkohol und Drogen bestand, hatte ihn in eine Spirale der Gewalt getrieben. Die Worte, die er gegenüber den Ermittlern fand, verrieten Erleichterung – als ob das Geständnis ihm eine schwere Last von den Schultern genommen hätte.

    Der Mann, der zum Zeitpunkt der Tat 24 Jahre alt war, führte ein unstetes Leben, wechselte oft die Jobs und war den Behörden bereits wegen Gewaltdelikten bekannt. Interessanterweise war er bereits zu Beginn der Ermittlungen im Jahr 2002 in Erscheinung getreten, als er den Polizisten, die seinen Vater befragten, die Tür öffnete – doch damals wurde er selbst nicht weiter befragt.

    Was wird noch ans Licht kommen?

    Nun wird die Untersuchung zeigen müssen, ob der Mann auch für andere Taten verantwortlich ist. Denn es besteht die Möglichkeit, dass dieser schreckliche Mord nicht die einzige Gräueltat in seiner Geschichte war. Was ging in seinem Kopf vor? Wie konnte er so lange unentdeckt bleiben? Die kommenden Wochen und Monate werden es zeigen.

    Der Verdächtige wurde wegen Mordes angeklagt und wartet nun auf seinen Prozess. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Auch wenn Limoges nach all den Jahren Frieden finden und die grausame Tat vergessen kann, bleibt die Erkenntnis, dass die Schatten der Vergangenheit uns immer wieder einholen können.

  • Tuerie de Chevaline: Neue Analysen könnten den mysteriösen Vierfachmord endlich aufklären

    Tuerie de Chevaline: Neue Analysen könnten den mysteriösen Vierfachmord endlich aufklären

    Der Fall der Tuerie de Chevaline gehört zu den rätselhaftesten Kriminalfällen der letzten Jahrzehnte. Neue Analysen durch das Cold-Case-Team in Nanterre könnten jedoch endlich Licht in das Dunkel bringen und den oder die Täter identifizieren. Ein düsterer Tag in Chevaline Am 5. September 2012 wurden die Leichen von drei Mitgliedern der Familie Al-Hilli – Saad Al-Hilli, seine Frau Iqbal und ihre Schwiegermutter Suhaila al-Allaf – in ihrem Auto auf einem abgelegenen Waldparkplatz nahe dem Dorf Che…

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  • Justiz: Spezialabteilung untersucht mysteriöses Verschwinden der Familie Méchinaud in 1972

    Justiz: Spezialabteilung untersucht mysteriöses Verschwinden der Familie Méchinaud in 1972

    Es wurde schon oft versucht, das Verschwinden eines Ehepaars und seiner beiden Kinder in der Nähe von Cognac in der Charente nach einer Weihnachtsfeier bei Freunden im Jahr 1972 zu klären.

    Es handelt sich um einen Fall, der mehr als ein halbes Jahrhundert alt ist. Die Ermittlungen zum Verschwinden der Familie Méchinaud, einer der ältesten Kriminalfälle Frankreichs, wurde in die Abteilung „Cold Cases“ verwiesen. Eine spezielle Abteilung, die sich mit Serienverbrechen oder ungeklärten Verbrechen befasst. Am 5. Dezember 2023 wurde der Fall Méchinaud an eine spezialisierte Richterin verwiesen.

    Dieses vielleicht größte juristische Rätsel Frankreichs betrifft das Verschwinden einer ganzen Familie, eines Ehepaars und seiner beiden Kinder, in der Nähe von Cognac am Weihnachtstag 1972. Seitdem wurden zahlreiche Hypothesen aufgestellt – Sturz des Autos in die Charente, erweiterter Selbstmord, Ermordung durch Dritte oder freiwillige Abreise ins Ausland -, aber keine Beweise oder Indizien haben es jemals möglich gemacht, eine dieser Hypothesen zu erhärten.

    Weniger als vier Kilometer trennten das Haus der Méchinauds von dem Ort, an dem sie mit Freunden den Weihnachtsfeiertag verbracht hatten. Nachdem sie spät am Abend die Feier verlassen hatten, scheint sie niemand mehr gesehen zu haben. Als die örtliche Gendarmerie mehrere Tage später auf die Abwesenheit der Familie aufmerksam gemacht wurde, schien das Haus in Ordnung zu sein. Das Weihnachtsessen stand noch im Kühlschrank. Von der verschwundenen Familie fehlte jedoch jede Spur. Trotz mehr als fünfzig Jahren vergeblicher Suche und Ermittlungen hat die Justiz offensichtlich immer noch die Hoffnung, das Rätsel zu lösen.

  • Tod einer Joggerin im Département Loiret im Jahr 2008: 15 Jahre später wird Verdächtiger verhaftet

    Tod einer Joggerin im Département Loiret im Jahr 2008: 15 Jahre später wird Verdächtiger verhaftet

    Im Fall des Mordes an der Joggerin Caroline Marcel im Jahr 2008 wurde am Dienstag ein 34-jähriger Verdächtiger verhaftet und in Polizeigewahrsam genommen.

    Im Jahr 2008 wurde die Leiche der Joggerin Caroline Marcel am Ufer des Flusses Loiret gefunden. Ein Verdächtiger, der den Mord an der 45-jährigen Frau begangen haben könnte, wurde am Samstag, dem 20. Januar, einem Haftrichter orgeführt und in Untersuchungshaft genommen, wie die Staatsanwaltschaft von Nanterre mitteilte. Der 15 Jahre alte Fall war im Jahr 2022 an die nationalen Abteilung für Cold Cases weitergeleitet worden.

    Auf einem Schlüssel des Opfers, der im Wasser gefunden worden war, hat die Kriminalpolizei mithilfe neuer Techniken eine neue DNA-Spur entdeckt. Diese Spur führte zu einem 34-jährigen Mann namens Stanislas A., der zum Zeitpunkt der Tat im Département Loiret arbeitete und 2006 bereits wegen sexueller Belästigung verurteilt worden war.

    Der Mann, der am Dienstag in Toulouse verhaftet und in Polizeigewahrsam genommen worden war, wurde am Samstagnachmittag einer Untersuchungsrichterin der Abteilung für ungeklärte Fälle vorgeführt. Er hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäussert, wie die Staatsanwaltschaft erklärte. Der mutmaßliche Täter war zum Zeitpunkt der Tat 18 Jahre alt.

  • 28 Jahre nach Fund einer zerstückelten Leiche in der Seine wurde 77-jährige Frau verhaftet

    28 Jahre nach Fund einer zerstückelten Leiche in der Seine wurde 77-jährige Frau verhaftet

    Ein 28 Jahre alter Fall macht heute wieder Schlagzeilen. Es geht um den Mord an Corinne Di Dio, einer 37-jährigen Mutter, deren Leiche 1995 zerstückelt in der Seine gefunden wurde. Am Dienstag, dem 23. Mai 2023, nahm die Kriminalpolizei von Versailles (Yvelines) eine 77-jährige Frau in Gewahrsam, gegen die zahlreiche Verdachtsmomente vorliegen.

    1995 wurde ein zerstückelter Frauenkörper in einem Metalkoffer gefunden, der in der Nähe von Les Andelys im Département Eure in der Seine trieb. Erst zwei Jahre später kann die Leiche identifiziert werden. Das Opfer, die 37-jährige Corinne Di Dio, eine Vertriebsmitarbeiterin bei der Telefongesellschaft Bouygues, hatte damals seit etwa zehn Tagen kein Lebenszeichen mehr gegeben. Die Ermittler erfuhren, dass sie Anfang der 1990er Jahre eine Beziehung mit einem gewissen Antonio Marquez hatte, der der Polizei in Spanien wegen diverser Banküberfälle und Drogenhandel bekannt war. Aus ihrer kurzen Romanze ging ein Junge hervor, mit dem der Vater nach Spanien verschwand, bevor er 1994 verhaftet und ins Gefängnis gesteckt wurde.

    Die heute 77-Jährige Marie-Thérèse und mutmaßliche Täterin ist ins Visier der Ermittler geraten, nachdem diese erfuhren, dass es zwischen ihr und dem Opfer mehrere Spannungspunkte gab. Insbesondere die Tatsache, dass Corinne Di Dio eine Affäre mit dem damaligen Lebensgefährten von Marie-Thérèse, dem oben genannten Antonio Marquez, gehabt hatte, was diese zur Tat veranlasst oder weswegen sie den Mord in Auftrag gegeben haben könnte. Außerdem ist die 77-Jährige wegen Fälschungen und bewaffneter Raubüberfälle den Sicherheitsbehörden bekannt.

    Antonio Marquez, der mittlerweile ein neues Leben in Spanien begonnen hat, wurde nie wirklich verdächtigt.

  • Interpol startet einen beispiellosen Aufruf zur Identifizierung von 22 getöteten Frauen

    Interpol startet einen beispiellosen Aufruf zur Identifizierung von 22 getöteten Frauen

    Interpol hat mit „Identify me“ eine neuartige Kampagne gestartet. Es handelt sich dabei um einen Zeugenaufruf, mit dem versucht werden soll, die Identität von 22 Frauen aufzudecken, die in Deutschland, Belgien und den Niederlanden tot aufgefunden wurden und deren Morde bisher nie aufgeklärt wurden.

    22 Gesichter für 22 Frauen, deren Identität bis heute ein Geheimnis bleibt und die in den letzten 40 Jahren tot aufgefunden wurden. Zum ersten Mal gibt Interpol die Beschreibung von persönlichen Gegenständen oder Hinweise frei, die bislang geheim gehalten wurden. Die Organisation richtet einen beispiellosen Aufruf an die breite Öffentlichkeit, um diesen Frauen einen Namen zu geben. Die Ermittler sind darauf angewiesen, dass sich Angehörige oder Bekannte der Opfer melden. „Vielleicht würde ein einzelnes Element, ein Name ausreichen, um den Ermittlern zu helfen, eine Identität zu bestätigen“, sagt François-Xavier Laurent, Verwalter der DNA-Datenbanken von Interpol auf dem Sender France 2.

    Potenziell auch französische Opfer
    Die Leichen der Frauen wurden in drei Ländern gefunden: den Niederlanden, Belgien und Deutschland. Die genauen Fundorte und körperliche Merkmale der Opfer wurden in Akten erfasst, die normalerweise den Ermittlern vorbehalten sind. Interpol schließt die Möglichkeit nicht aus, dass es sich bei den Opfern zum Teil auch um Französinnen handeln könnte. Wenn sich das Vorgehen als wirksam erweist, schließt Interpol nicht aus, dass man es auch auf andere der 195 Mitgliedsstaaten der Organisation ausweiten könnte.

  • Alègre, Lelandais, Rançon – haben diese französischen Mörder noch weitere Verbrechen begangen?

    Alègre, Lelandais, Rançon – haben diese französischen Mörder noch weitere Verbrechen begangen?

    Die Angehörigen von Isabelle Mesnage, die 1986 in Nordfrankreich ermordet wurde, mussten bis Juni 2022 warten, bis ihr Mörder, Jacques Rançon, vor Gericht gestellt wurde. Um ungeklärte Kriminalfälle schneller zu lösen, wurde in Frankreich gerade eine neue Art von Ermittlungen eingeführt.

    Patrice Allègre, Nordahl Lelandais oder Pascal Jardin: Die nationale Abteilung für Cold Cases mit Sitz in Nanterre hat seit ihrer Gründung vor einem Jahr neun Fälle aufgenommen. Die neun Täter waren bereits wegen Serienverbrechen rechtskräftig verurteilt. Es besteht jedoch der Verdacht, dass sie weitere Verbrechen begangen haben könnten. Die französische Justiz will nun nicht identifizierten Opfer eines Kriminellen in einem neuen Verfahrensrahmen Gerechtigkeit widerfahren lassen.

    Der neue Verfahrensrahmen ermöglicht es jetzt einem Richter, nicht wie bisher nur eine bestimmte Tat, sondern den gesamten Lebenslauf eines Beschuldigten zu untersuchen und dabei nach Übereinstimmungen mit ungeklärten Fällen zu suchen.

    Früher bereiteten solche Untersuchungen Polizisten und Gendarmen unüberwindbare Zeitprobleme – diese Art von Ermittlungen erfordert sehr lange und gründliche Untersuchungen – oder sie stiessen auf Hindernisse, die mit den territorialen Zuständigkeiten der Gerichte zusammenhingen. Aufgrund dessen sind der französischen Justiz andere Opfer bekannter Serientäter wie Alègre, Lelandais und Rançon sehr lange entgangen. Anwälte und Familien von möglichen Opfern hofften seit langem auf die Einführung dieser Art von Untersuchungen.

    Mit der neuen Art der kriminellen Untersuchung hätte man schon weitaus früher erkennen können, dass zum Beispiel Jacques Rançon, der Mörder des Bahnhofs von Perpignan, sich in der Region Amiens aufhielt, als es in dieser Gegend zu vermehrten Vermisstenfällen kam, sagt Rechtsanwältin Corinne Hermann. „Man hätte die Ermittlungen früher zusammenbringen können“, sagt sie, und er hätte wahrscheinlich nicht erst nach 34 Jahren verurteilt werden können.

    Die Ermittler, die mit den neun Serientätern betraut sind, werden zunächst alle verfügbaren Akten zusammenbringen und dann überall, wo sie können, nachforschen, um das Leben des jeweiligen Täters bis ins kleinste Detail nachzuvollziehen. Die Orte, an denen einer der Täter wohnte, seine Arbeit und seine Reisen werden untersucht, Angehörige befragt, Fotos aus der Zeit oder offizielle Dokumente beschafft. Das kann sogar bis zu Schulzeugnissen gehen, um zu Lehrern und Mitschülern Kontakt zu bekommen.

    Der Lebensweg der Serientäter wird dann mit ungeklärten Fällen verglichen, um zu sehen, ob eine verschwundene oder tot aufgefundene Person ihren Weg gekreuzt hat.
    Die Ermittler haben das Ziel, ein genaues „kriminalistisches Gedächtnis“ aufzubauen und die kriminalistische Archivierung mit der Schaffung einer neuen gemeinsamen nationalen Datenbank mit allen ungeklärten Verbrechen, aber auch mit vermissten Personen oder verdächtigen Selbstmorden einzurichten. Bisher sind viel zu oft Verfahrensakten aufgrund der gesetzlichen Regelungen zur Aufbewahrungsdauer vernichtet worden. Das Rechtssystem hatte damals nicht vorausgesehen, dass 20 Jahre später Fälle neu bearbeitet und aufgeklärt werden können.

    Zum jetzigen Zeitpunkt sind neun Männer, die bereits wegen Vergewaltigung oder Mord verurteilt wurden, Ziel von Ermittlungen, die als „krimineller Werdegang“ bezeichnet werden. Polizisten und Gendarmen werden ihre Lebensläufe nachverfolgen und nach weiteren Opfern suchen.

    Hier die bekanntesten 7 Namen:

    1. Nordahl Lelandais

    Der ehemalige Soldat wurde bereits zu lebenslanger Haft für den Mord an der kleinen Maëlys de Araujo im Jahr 2017 und zu 20 Jahren für den Mord an dem Unteroffizier Arthur Noyer verurteilt.
    bereits vor Beginn der neuen Untersuchungen waren 40 Fälle, konzentriert in der Region Auvergne-Rhône-Alpes, von den Ermittlern ins Visier genommen worden. Darunter auch das Verschwinden von zwei Männer, die im Abstand von einem Jahr nach dem Besuch desselben Musikfestivals im Fort de Tamié verschwanden. Keiner der 40 Fälle konnte ihm bisher eindeutig zugeordnet werden.

    2. Patrice Alègre

    Der 54-jährige Patrice Alègre wurde 2022 wegen der Vergewaltigung von sechs Frauen und dem Mord an fünf von ihnen zu lebenslanger Haft mit einer Sicherheitsverwahrung von 22 Jahren verurteilt. Diese Verbrechen wurden zwischen 1989 und 1997 begangen. In fünf Fällen von Mord und Totschlag sowie in einem Fall von Vergewaltigung, der zwischen 1987 und 1992 begangen worden war, wurde das Verfahren gegen den Serienmörder eingestellt. Die Ermittler, die seinen Lebenslauf erneut untersuchen sollen, werden sich auf den Zeitraum 1990-1997 konzentrieren, d. h. sieben Jahre ohne ein einziges Verbrechen, was angesichts seines Profils Fragen aufwirft.

    3. Patrick Trémeau

    Der 59-jährige Mann, der den Spitznamen „Vergewaltiger der Parkhäuser“ trägt, wurde wegen 17 Vergewaltigungen oder Vergewaltigungsversuchen verurteilt, die er hauptsächlich im elften und zwanzigsten Arrondissement von Paris und in der Pariser Region in den 1980er bis 2000er Jahren begangen hatte. Er agierte hauptsächlich nachts und überfiel seine Opfer in Tiefgaragen. Sein krimineller Werdegang wurde von mehreren Verhaftungen und Inhaftierungen unterbrochen.

    4. Jacques Rançon

    Jacques Rançon, der auch als „Mörder des Bahnhofs von Perpignan“ bezeichnet wird, ist einer der wenigen Kriminellen, die zweimal zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. Im Jahr 2018 für die Vergewaltigung und Ermordung von zwei Frauen in Perpignan in den Jahren 1997 und 1998. Dann 2022 im Berufungsverfahren für die Vergewaltigung und Ermordung von Isabelle Mesnage im Jahr 1986. Nach einer Einstellung des Verfahrens im Jahr 1992 wurden die Ermittlungen dann im Jahr 2017 wieder aufgenommen, als die Anwältin der Familie Mesnage, Jacques Rançon mit dem Tod der jungen Frau in Verbindung brachte. Der ehemalige Gabelstaplerfahrer sprach selbst von einem Opfer, dem er „die Füße abgeschnitten“ habe, was bei keinem der Fälle, für die er verurteilt wurde, zutraf.

    5. Pascal Jardin

    Der etwa 60-jährige Mann wurde 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er 1996 in der Region Saône-et-Loire eine der „Vermissten der A6“, Christelle Blétry im Alter von 20 Jahren, vergewaltigt und mit 123 Messerstichen getötet hatte. Der Fall hatte eine Untersuchung mehrerer ähnlicher Fälle ausgelöst, die unter dem Namen „Verschwundene von Saône-et-Loire“ bekannt sind. Da er bereits 2004 wegen versuchter sexueller Nötigung verurteilt worden war, ist nicht auszuschließen, dass er noch weitere Taten begangen haben könnte, insbesondere in der Region Landes, wo er vor seiner Festnahme ein neues Leben begonnen hatte.

    6. Der belgische Wiederholungstäter Willy Van Coppernolle

    Dieser belgische Intensivtäter, der heute 79 Jahre alt ist, wurde in Belgien wiederholt verurteilt, unter anderem wegen sexueller Übergriffe. In Frankreich wurde er 1995 zu lebenslanger Haft mit einer Sicherheitsverwahrung von 22 Jahren verurteilt, weil er im März 1993 den 11-jährigen Abdel im Departement Gard ermordet und vergewaltigt und wenige Tage später zwei weitere Jugendliche in derselben Region vergewaltigt hatte.

    7. Pascal Lafolie

    Der 56-jährige Mann wurde 2021 durch DNA-Übereinstimmung eines 27 Jahre zuvor begangenen Mordes überführt: des Mordes an der 17-jährigen Schülerin Nadège Desnoix, die 1994 in Château-Thierry (Aisne) getötet worden war. Er wurde in Ille-et-Vilaine, wo er lebte, festgenommen, gab den Mord zu und wurde angeklagt. Er war bereits 1997 und 2002 wegen Vergewaltigung und sexueller Übergriffe verurteilt worden.

  • Cold Case: Der Fall Bernard ist eines der ältesten ungelösten Justizrätsel in Frankreich

    Cold Case: Der Fall Bernard ist eines der ältesten ungelösten Justizrätsel in Frankreich

    Cold Cases, die ungelösten Kriminalfälle, haben seit einem Jahr in Nanterre eine neue Abteilung der französischen Justiz, die speziell ihnen gewidmet ist. Die Journalisten von France Télévisions trafen sich mit den Kindern von Danielle Bernard, einer Krankenschwester, die 1989 brutal ermordet wurde und deren Fall bis heute ungelöst ist. Doch jetzt kommen die Ermittlungen endlich wieder in Gang.

    Wer könnte etwas gegen Danielle Bernard, eine 39-jährige Krankenschwester und Mutter von vier Kindern, gehabt haben? Warum wurde sie im Juli 1989 brutal ermordet? Fragen, die ihre Tochter und ihren Sohn seit 34 Jahren verfolgen. Sie haben sich bereit erklärt, die Journalisten von France Télévisions vor das Haus ihrer Kindheit in Auxerre (Yonne) zu führen, in dem sich damals ihr Leben so brutal verändert hat. Sie war damals 19 Jahre alt, er 6. „Wir waren glücklich, und dann hörte das Glück auf“, fasst Valérie Antier, die Tochter von Danielle Bernard, auf dem Sender France 3 zusammen. „Man hat sie in ihrem Wohnzimmer auf ihrem Sofa gefunden, mit einem Schürhaken im Kopf und einem Schraubenzieher im Herzen“, erzählt Valérie.

    Die Ermittler scheinen entscheidende Spuren ignoriert zu haben.
    „Unser Leben hat am 7. Juli 1989 aufgehört“, fügt die Tochter des Opfers hinzu. Von ihrer Mutter sind ihnen nur noch Fotos geblieben, die sorgfältig aufbewahrt werden. „Kein Gesicht oder keinen Namen zu haben, von der Person oder den Personen, die das getan haben, ist für mich eine Art Gewalt“, sagt Valérie Antier. Liebeskummer, Rache, Geldgeschäfte – die Ermittler tasteten sich vor. Zwei Männer wurden verdächtigt. Ein Arbeitskollege und dann der Ex-Mann der Krankenschwester, der aber schnell von dem Verdacht befreit wurde. In all diesen Jahren scheinen die Ermittler jedoch entscheidende Spuren ignoriert zu haben.

    Zu der Zeit des Mordes an Danielle Bernard waren nicht weniger als drei Serienmörder in Auxerre und Umgebung aktiv.