Schlagwort: Catherine Chabaud

  • Das Mittelmeer als Geisel – seid ihr denn noch bei Trost?

    Das Mittelmeer als Geisel – seid ihr denn noch bei Trost?

    KOMMENTAR

    „Wenn wir das Mittelmeer blockieren müssen, dann werden wir das Mittelmeer blockieren.“

    Entschuldigung.

    WAS?!

    Das Mittelmeer?

    Dieses kleine, völlig unbedeutende Planschbecken zwischen Europa, Afrika und Asien? Dieses Gewässer, über das Frachter, Fähren, Kreuzfahrtschiffe, Handel, Lebensmittel, Rohstoffe und Millionen Menschen bewegt werden?

    DAS wollt ihr blockieren?

    Meine Herren, eine Nummer kleiner war gerade ausverkauft, oder was?

    Natürlich haben Frankreichs Fischer Probleme. Ernsthafte Probleme sogar. Der Treibstoff ist teuer, Hilfen wurden nach Angaben der Branche verspätet ausgezahlt, europäische Fangregeln drücken auf die Betriebe, Quoten sorgen für Streit, und manches kleine Fischereiunternehmen fragt sich inzwischen weniger, wie der nächste Fang ausfällt, sondern ob es seinen Betrieb nächstes Jahr überhaupt noch gibt.

    Alles richtig.

    Aber aus „Wir brauchen dringend eine wirtschaftliche Perspektive“ wird plötzlich: Dann legen wir eben das Mittelmeer lahm!

    Ja, seid ihr denn noch bei Trost?

    Vom berechtigten Protest zur maritimen Großmachtfantasie

    Man stelle sich diese Logik einmal in anderen Berufen vor.

    Der Bäcker bekommt seine Energiekosten nicht mehr bezahlt und sagt: „Gut! Dann blockieren wir eben sämtliche Autobahnen zwischen Bordeaux und Berlin!“

    Der Friseur beschwert sich über die Mehrwertsteuer und kündigt an: „Wenn Paris nicht reagiert, wird der Atlantik abgeriegelt!“

    Und der Klempner stellt fest, dass Kupferrohre zu teuer geworden sind und erklärt kurzerhand die Straße von Gibraltar zum Sperrgebiet.

    Irgendwann fehlt nur noch ein Fischer mit Augenklappe, Papagei und Säbel, der vom Bug seines Kutters ruft:

    „Madame la Ministre! Sie haben bis Sonnenuntergang! Danach gehört Korsika uns!“

    Dabei ist das Problem alles andere als komisch.

    Die Proteste haben bereits gezeigt, wie wenig Boote man braucht, um empfindliche Hafeninfrastruktur lahmzulegen. In Nice wurden Schiffe quer vor die Hafeneinfahrt gelegt. In Frontignan blockierten Fischer ein Treibstoffdepot. Auch Sète und Le Grau-du-Roi waren Teil der Mobilisierung. Französische Medien berichteten zudem über Überlegungen, die Aktionen auf Marseille und Toulon auszuweiten.

    Das ist keine folkloristische Hafenromantik mehr.

    Das ist wirtschaftlicher Druck.

    Und zwar mit ziemlich langem Hebel.

    Sète ist kein Dorfteich

    Gerade Sète zeigt, warum die Formulierung vom „Blockieren des Mittelmeers“ so brisant klingt.

    Der Hafen ist eben nicht nur der Ort, an dem morgens ein paar Kisten Doraden über den Kai geschoben werden. Sète vereint Fischerei, Handel, Logistik und Passagierverkehr. Nach Angaben des Hafens hängen mehr als 2.300 direkte Arbeitsplätze an seinen Aktivitäten. Von dort verkehren Fähren unter anderem Richtung Marokko und Algerien; der Hafen bezeichnet sich selbst als Frankreichs wichtigsten Passagierhafen für Verbindungen nach Marokko.

    Mit anderen Worten:

    Wer einen solchen Hafen blockiert, blockiert nicht „die Politik“.

    Er blockiert zunächst Lastwagenfahrer.

    Hafenarbeiter.

    Passagiere.

    Spediteure.

    Unternehmen.

    Menschen, die mit der französischen Fischereipolitik ungefähr so viel zu tun haben wie eine Seegurke mit dem Finanzministerium.

    Und genau an diesem Punkt wird aus Protest eine bemerkenswert französische Spezialdisziplin: Wir haben ein Problem mit dem Staat – also sorgen wir dafür, dass es vorsichtshalber erst einmal alle anderen auch haben.

    Paris antwortet – natürlich mit einem Gespräch

    Nun wäre Frankreich nicht Frankreich, wenn auf einen drohenden Aufstand nicht zunächst ein sechsstündiges Treffen folgen würde.

    Sechs Stunden!

    Das ist keine Besprechung mehr. Das ist ein Jean-Luc-Godard-Film mit Mineralwasser.

    Am 17. September empfing Meeres- und Fischereiministerin Catherine Chabaud Vertreter der Mittelmeerfischer. Anschließend kündigte sie an, die Treibstoffhilfen stärker an die Entwicklung der Kraftstoffpreise anzupassen. Die Regierung stellte außerdem weitere Unterstützungsmaßnahmen in Aussicht. Die Fischer hoben Blockaden in Nice und Frontignan zunächst auf. Gleichzeitig blieben Streitpunkte offen – darunter ausstehende Hilfen, der europäische WestMed-Plan und Fragen rund um Fangquoten.

    Also klassische französische Konfliktlösung:

    Die einen sagen: „Wir blockieren alles!“

    Die anderen sagen: „Wir bilden einen Arbeitszusammenhang.“

    Die einen bringen Boote.

    Die anderen bringen PowerPoint.

    Und irgendwo dazwischen liegt dann vermutlich die Zukunft der Mittelmeerfischerei.

    Die Fischer haben ein echtes Problem

    Bei aller Satire darf man einen Punkt nicht unter den Tisch fallen lassen: Die Wut kommt nicht aus dem Nichts.

    Fischer berichten, dass drastisch gestiegene Treibstoffkosten manche Ausfahrt wirtschaftlich fragwürdig machen. Hinzu kommen europäische Vorgaben, Fangbeschränkungen, schwankende Erlöse und die Unsicherheit darüber, unter welchen Bedingungen bestimmte Fischereien in einigen Jahren überhaupt noch betrieben werden können.

    Ein Fischer beschrieb die Lage gegenüber Sud Radio als „accumulation de problèmes“ – als Anhäufung von Problemen. Genannt wurden Treibstoffpreise, EU-Vorgaben und sinkende Fischpreise.

    Das sollte niemand lächerlich machen.

    Ein Beruf, dessen Kosten explodieren, dessen Ressource naturgemäß begrenzt ist und dessen regulatorische Rahmenbedingungen sich verschärfen, steht tatsächlich unter enormem Druck.

    Aber gerade deshalb müsste die Debatte eigentlich ernsthafter werden.

    Wie kann traditionelle Fischerei wirtschaftlich überleben?

    Wie lassen sich Fischbestände schützen, ohne ganze Küstenregionen ökonomisch auszutrocknen?

    Wer trägt das Risiko extremer Energiepreise?

    Welche Hilfen sind Übergangslösung – und welche konservieren lediglich Strukturen, die langfristig nicht mehr funktionieren?

    Das wären Fragen.

    Komplizierte Fragen sogar.

    Leider passen komplizierte Fragen schlecht auf ein Transparent.

    „WIR BLOCKIEREN DAS MITTELMEER!“ dagegen: ausgezeichnet lesbar.

    Und jetzt kommt die Ministerin persönlich

    Catherine Chabaud ist am heutigen 21. September erneut in der Region angekündigt. In Sète und Le Grau-du-Roi soll sie mit Vertretern der Branche sprechen. Die Fischer erwarten weiterhin konkrete Antworten zur Zukunft ihrer Tätigkeit.

    Und hoffentlich besteht „konkret“ diesmal nicht aus der politischen Maßeinheit:

    „Wir haben Ihre Sorgen gehört.“

    Dieser Satz ist nämlich das Verwaltungsfranzösisch für:

    Wir haben verstanden, dass Sie sauer sind. Bitte zünden Sie bis zur nächsten Gesprächsrunde nichts an.

    Aber umgekehrt gilt genauso:

    Wer ernst genommen werden möchte, sollte vielleicht nicht jedes wirtschaftspolitische Problem sofort in ein nautisches Geiseldrama verwandeln.

    Denn das Mittelmeer gehört weder der Regierung in Paris noch den Fischern von Sète.

    Es ist kein Verhandlungspfand.

    Kein Parkstreifen vor dem Élysée-Palast.

    Und schon gar kein gigantischer Kreisverkehr, den man einfach mit drei Kuttern sperrt, bis die Ministerin den Dieselpreis senkt.

    Die Fischer haben Anspruch darauf, dass ihre wirtschaftlichen Sorgen ernst genommen werden. Die Regierung hat die Aufgabe, darauf nachvollziehbare Antworten zu geben. Und der Rest der Gesellschaft darf durchaus erwarten, dass ein Konflikt zwischen einer Branche und dem Staat nicht automatisch auf dem Rücken sämtlicher Unbeteiligter ausgetragen wird.

    Denn wenn künftig jede Berufsgruppe ihre berechtigten Probleme nach dem Prinzip löst: „Gebt uns, was wir wollen, sonst legen wir kritische Infrastruktur lahm“, dann braucht Frankreich bald kein Wirtschaftsministerium mehr.

    Dann reicht ein Verkehrswarndienst.

    Und wenn wirklich jemand ernsthaft auf die Idee kommt, „das Mittelmeer zu blockieren“, hätte ich nur noch eine organisatorische Frage:

    WO GENAU STELLT MAN DA EIGENTLICH DAS WARNDREIECK AUF?!

    Von Andreas M. Brucker

  • Frankreichs Fischer schlagen Alarm: Der Treibstoffpreis treibt die Branche an ihre Grenzen

    Frankreichs Fischer schlagen Alarm: Der Treibstoffpreis treibt die Branche an ihre Grenzen

    Mit der Blockade eines Erdöldepots in Fos-sur-Mer haben französische Fischer ihren Protest gegen die hohen Treibstoffpreise erheblich verschärft. Seit den frühen Morgenstunden des 15. September blockieren mehrere Dutzend Fischer die Ausfahrt des Terminals nahe Marseille. Rund 50 Tanklastwagen waren nach Angaben der Behörden zeitweise betroffen. Hinter der Aktion steht jedoch mehr als ein Streit über Dieselpreise: Frankreichs Mittelmeerfischerei sieht ihr wirtschaftliches Modell zunehmend gefährdet.

    Protest an einem strategischen Ort

    Die Blockade begann gegen drei Uhr morgens. Größere Zwischenfälle wurden zunächst nicht gemeldet. Die Demonstranten verlangen Gespräche mit Catherine Chabaud, der für Meer und Fischerei zuständigen Ministerin.

    Bereits am Montag hatten Fischer in Sète und Port-Vendres protestiert. Hinter der Mobilisierung stehen regionale Fischereiverbände aus Okzitanien, Provence-Alpes-Côte d’Azur und Korsika sowie Erzeugerorganisationen und Berufsverbände. Damit erhält der Konflikt eine Dimension, die über einzelne Häfen hinausgeht.

    Der Ort der jüngsten Aktion ist bewusst gewählt. Fos-sur-Mer gehört zu den bedeutendsten Energie- und Industriestandorten Frankreichs. Die dortige Société du Pipeline Sud-Européen betreibt 40 Tanks mit einer nominalen Lagerkapazität von 2,26 Millionen Kubikmetern. Über Pipelines ist der Standort unter anderem mit Anlagen in Lyon und Ostfrankreich verbunden.

    Wer hier Tanklastwagen aufhält, erzeugt erheblich mehr Aufmerksamkeit als mit einer Demonstration in einem Fischereihafen.

    Diesel wird zur Existenzfrage

    Auslöser der Proteste ist der Preis für Schiffsdiesel. Die seit dem Frühjahr verschärfte Krise im Nahen Osten hat die internationalen Energiemärkte belastet. Für die Fischerei ist dies besonders problematisch, weil Treibstoff einen erheblichen Anteil der Betriebskosten ausmacht.

    Bereits im Frühjahr überschritt der Preis für Marinediesel zeitweise die Marke von einem Euro je Liter. Im französischen Senat wurde im Juni auf die dramatische Kalkulation der Branche hingewiesen: Ein Preis von etwa 60 Cent gilt für manche Betriebe als wirtschaftlich tragfähig. Bei 80 Cent verschlechtert sich die Rentabilität deutlich; bei einem Euro können einzelne Ausfahrten mehr kosten, als der Verkauf des Fangs einbringt.

    Die Konsequenz ist ungewöhnlich für eine Branche, deren Geschäftsmodell traditionell auf möglichst intensiver Nutzung der verfügbaren Fangtage beruht: Schiffe bleiben im Hafen, weil Auslaufen Verluste produzieren würde.

    Staatliche Hilfen reichen nicht aus

    Paris hat auf die Krise reagiert. Für April erhielten Fischereiunternehmen eine Unterstützung von 20 Cent je Liter, für Mai waren es 35 Cent. Allein für diese beiden Monate stellte die Regierung 13 Millionen Euro bereit. Weitere Hilfen für Juni, Juli und August wurden angekündigt.

    Doch die Subventionen lösen das strukturelle Problem nicht. Die Fischer argumentieren, dass sich steigende Energiepreise mit höheren Wartungs-, Personal- und Finanzierungskosten sowie zunehmenden regulatorischen Anforderungen überlagern. Gerade kleinere Betriebe verfügen kaum über Reserven, um solche Belastungen über längere Zeit auszugleichen.

    Hinzu kommt ein grundsätzlicher Zielkonflikt. Frankreich und die Europäische Union wollen die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren. Die bestehende Fischereiflotte ist jedoch weiterhin stark auf Diesel angewiesen. Alternative Antriebe erfordern erhebliche Investitionen und lassen sich bei vielen vorhandenen Schiffen nicht kurzfristig einsetzen.

    Ein Konflikt mit politischem Potenzial

    Damit wird Fos-sur-Mer zum Symbol eines größeren Problems. Kurzfristig verlangen die Fischer Entlastung beim Treibstoff. Langfristig geht es um die Frage, ob traditionelle Fischereibetriebe unter den veränderten wirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen noch ausreichend rentabel arbeiten können.

    Für die Regierung besteht das Dilemma darin, akute Hilfen zu gewähren, ohne eine dauerhafte Subventionsabhängigkeit von fossilem Treibstoff zu schaffen. Gleichzeitig ist die Fischerei wirtschaftlich mit Häfen, Fischauktionen, Verarbeitung und Handel verflochten. Bleiben Schiffe im Hafen, trifft dies deshalb nicht nur deren Eigentümer.

    Entscheidend wird nun sein, ob sich die Proteste ausweiten. Bleibt Fos-sur-Mer eine punktuelle Blockade, dürfte die Wirkung vor allem politisch und symbolisch sein. Schließen sich weitere Häfen oder Fischerverbände an und geraten zusätzliche Energieinfrastrukturen ins Visier, steigt der Druck auf Paris erheblich. Die Forderung nach «konkreten Antworten» könnte dann rasch zu einer neuen wirtschafts- und sozialpolitischen Bewährungsprobe für die französische Regierung werden.

    P.T.

  • Catherine Chabaud: Mit dem Wind gegen die Wellen der Politik

    Catherine Chabaud: Mit dem Wind gegen die Wellen der Politik

    Sie kennt den Ozean wie ihre Westentasche. Sie hat Stürme überlebt, Flauten durchstanden, war wochenlang allein auf hoher See – und nun segelt sie in neuen Gewässern: Catherine Chabaud, die erste Frau, die den Vendée Globe bezwungen hat, wurde zur französischen Ministerin für Meer und Fischerei ernannt. Ein symbolischer Akt? Ja. Aber auch eine Ansage. Denn selten ist der Weg vom Deck eines Hochseeseglers direkt in die Schaltzentrale eines Ministeriums so glaubwürdig, so selbstverständlich, so verdammt authentisch.

    Eine Karriere mit Salzwasser im Blut Catherine Chabaud wurde 1962 in Bron geboren, einem Vorort von Lyon – weit weg vom Atlantik, und doch zog es sie früh ans Wasser. Erst als Journalistin, dann als Seglerin, schließlich als politische Stimme der Meere. Der große Durchbruch kam 1996. Beim härtesten Einhandrennen der Welt, dem Vendée Globe, umrundete sie als erste Frau allein, nonstop und ohne Hilfe den Globus. Platz sechs – doch das war nebensächlich. Ihr Name ging in die Ge…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Route du Rhum: Am Mittwoch startet das grosse Einhandseglerrennen

    Route du Rhum: Am Mittwoch startet das grosse Einhandseglerrennen

    Das Segelrennen Route du Rhum sollte ursprünglich am Sonntag, dem 6. November, starten, wurde aber aufgrund schlechter Wetterbedingungen verschoben.

    Nun geht es aber wirklich los. Mittwoch um 14.15 Uhr gibt die Rennleitung den Startschuss für die über 130 Teilnehmer für die Strecke Saint-Malo (Ille-et-Vilaine) nach Pointe-à-Pitre im französischen Überseedepartement Guadeloupe.

    Das Wetter sollte freundlich sein
    Heute verlassen 138 Boote den Hafen von Saint-Malo. Die Startlinie liegt vor der Küste von Dinard (Ille-et-Vilaine). Der Start am heutigen Mittwoch wird bei gutem Wetter erfolgen, es soll sogar etwas Sonne geben. Hunderttausende Zuschauer haben die Boote in den vergangenen Tagen bewundern können.

    „Wir sind mitten in der globalen Erwärmung“ Die Seglerin und Europaabgeordnete Catheriner Chabaud äußert sich zu den tropischen Tiefdruckgebieten, mit denen die Skipper der Route du Rhum 2022 zu kämpfen haben werden.

    24 Jahre nach ihrer letzten Teilnahme an einer Route du Rhum geht Catherine Chabaud erneut mit ihrer berühmten „roten Zigarre“ an den Start. Die Europaabgeordnete, die Gründungsmitglied der Plattform Ozean und Klima ist, will ihre Einhand-Transatlantikfahrt nutzen, um wichtige Botschaften zu verbreiten.

    Nach dem letzten Briefing der Skipper sprach Catherine Chabaud mit dem Sender France 3. Die 59-jährige Seglerin, eine der sieben Frauen, die an dem Rennen teilnehmen, kommt sehr schnell auf das Thema Klima und globale Erwärmung zu sprechen:

    „Sie haben es gehört, man hat es uns gerade bei der Wettervorhersage gesagt: Der Ozean ist zwei Grad wärmer, als er zu dieser Jahreszeit sein sollte! Das führt dazu, dass wir tropische Tiefdruckgebiete erleben, die recht heftig sind.“

    Der Ozean erwärmt sich in der Tiefe
    Für die berühmte Skipperin, die damals als erste Frau eine Einhand-Weltumsegelung beendet hat, gibt es keinen Zweifel: „Ich weiß, dass die Störungen und die brutalen Bedingungen, die wir am Sonntag hätten haben können (wenn der ursprüngliche Start beibehalten worden wäre), auf die Erwärmung des Ozeans in der Tiefe zurückzuführen sind. Wir sind mitten im Thema Klimawandel!“.

    Heute ist Catherine Chabaud auch politisch engagiert. Im Jahr 2015 war sie während der COP 21 Frankreichs Botschafterin für das Meer. Inzwischen wurde sie 2019 zur Europaabgeordneten gewählt und engagiert sich weiter für das Klima.

    „Am Montag war der Start der COP 27, ich habe seit der COP 21 an allen teilgenommen. Wenn ich nicht bei der Route du Rhum am Start gewesen wäre, wäre ich jetzt in Sharm el Sheikh“.

    Den Menschen auf der Erde helfen, die Dringlichkeit des Handelns zu verstehen
    Catherine Chabaud wird ab heute auf ihrem Boot, einem Mono-Rumpf, der berühmten „roten Zigarre“, unterwegs sein. Eine andere Art, Botschaften zu vermitteln:

    „Ich freue mich darauf, wieder in die großen Weiten einzutauchen, und darüber denke ich viel nach. Ich denke an die Sternennächte und an unsere Beziehung zum Universum. Wenn es den Menschen auf der Erde helfen kann, zu verstehen, dass sie dringend etwas tun müssen, dann bin ich auf jeden Fall dafür da“.

    Catherine Chabaud am 09. Novemer 2022, kurz vor dem Start der Route du Rhum