Schlagwort: Cannes Filmfestival

  • Der ernste Glanz von Cannes

    Der ernste Glanz von Cannes

    An der Croisette lag in diesem Jahr ein anderer Ton in der Luft. Weniger Champagnerknistern, weniger kalkulierter Glamour, weniger jener alte Cannes Zauber, bei dem Stars in schwarzen Limousinen aussteigen und Fotografen wie ein Maschinengewehrgewitter losrattern. Stattdessen wirkte das 79. Filmfestival oft wie ein großes Nachdenken über eine Welt, die aus den Fugen geraten ist.

    Und mittendrin: Cristian Mungiu.

    Der rumänische Regisseur erhielt für seinen Film Fjord die Goldene Palme — zum zweiten Mal nach seinem triumphalen Sieg 2007 mit 4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage. Ein Moment, der nicht bloß cineastische Geschichte schrieb, sondern auch erstaunlich gut zu diesem seltsamen Festival passte. Denn Mungius Kino interessiert sich nie für einfache Wahrheiten. Seine Figuren stolpern durch moralische Nebelzonen, durch gesellschaftliche Spannungen und ideologische Minenfelder. Genau dort scheint gegenwärtig auch Europa zu stehen.

    Fjord erzählt von einer rumänisch norwegischen Familie, streng religiös, isoliert, innerlich angespannt. Als der norwegische Kinderschutz eingreift, beginnt ein Konflikt, der weit über familiäre Fragen hinausweist. Wer schützt hier eigentlich wen? Und wo endet Fürsorge, wo beginnt kulturelle Bevormundung?

    Mungiu inszeniert diese Fragen mit jener stillen Präzision, die sein Markenzeichen bildet. Keine großen Ausbrüche. Kein moralischer Vorschlaghammer. Stattdessen Blicke, Schweigen, kleine Gesten — wie Risse im Eis eines Fjords, die erst harmlos aussehen und plötzlich ganze Landschaften verschieben.

    Das Publikum in Cannes reagierte beinahe ehrfürchtig. Man spürte während der Vorführung diese seltene Festivalstille, bei der niemand hustet, niemand flüstert, niemand aufs Handy schaut. Kino als kollektive Konzentrationserfahrung. Gibt es dafür heute überhaupt noch viele Orte?

    Dabei wirkte die gesamte Preisverleihung wie ein Spiegel der Gegenwart. Zahlreiche Filme beschäftigten sich mit Krieg, Identität, Migration oder politischer Gewalt. Fast jeder zweite Wettbewerbsbeitrag schien von einer tiefen gesellschaftlichen Nervosität durchzogen. Das Kino schaut derzeit nicht weg. Es bohrt hinein.

    Besonders deutlich zeigte sich das beim russischen Regisseur Andrey Zvyagintsev. Als er für Minotaur den Grand Prix entgegennahm, richtete er einen offenen Appell an Wladimir Putin und forderte das Ende des Kriegs gegen die Ukraine. Für einen Moment wirkte der Saal nicht mehr wie ein Festivalpalast, sondern wie ein politisches Forum. Manche applaudierten zögerlich, andere sofort. Einige standen auf.

    Cannes erinnerte plötzlich an jene Jahrzehnte, in denen Filmfestivals noch als geistige Kampfzonen galten — ein bisschen chaotisch, ein bisschen größenwahnsinnig, aber voller Haltung.

    Auch die übrigen Preise fügten sich in dieses Bild. Valeska Grisebach erhielt für The Dreamed Adventure den Jury Preis. Ihr Film über Migration und Kriminalität an Europas Außengrenzen erzählt von Menschen, die nirgendwo richtig dazugehören. Die Regiepreise gingen geteilt an Paweł Pawlikowski und das spanische Duo Los Javis. Selbst bei den Schauspielpreisen setzte die Jury auf Gemeinschaft statt auf den klassischen Starkult.

    Fast hatte man den Eindruck, Cannes wolle das Prinzip des Einzelgenies bewusst relativieren. Weg vom Mythos des allmächtigen Regisseurs, hin zum Ensemble, zum gemeinsamen Erzählen. Vielleicht auch ein Zeichen der Zeit.

    Natürlich gab es weiterhin die ikonischen Momente: Barbra Streisand auf dem roten Teppich, Peter Jackson mit leicht zerzaustem Bart, Blitzlichter über der Croisette. Doch selbst diese Szenen trugen diesmal einen melancholischen Unterton. Als würde das Festival spüren, dass die Welt außerhalb des Kinosaals längst lauter geworden ist als jeder rote Teppich.

    Und genau deshalb erscheint Mungius Sieg so folgerichtig.

    Denn Fjord liefert keine einfachen Antworten. Der Film weigert sich hartnäckig, klare Täter und Opfer zu präsentieren. Stattdessen zeigt er moderne Demokratien als fragile Gebilde voller Widersprüche. Toleranz kippt in Überheblichkeit. Schutz verwandelt sich in Kontrolle. Freiheit kollidiert mit moralischen Erwartungen.

    Das klingt theoretisch. Bei Mungiu fühlt es sich jedoch erschreckend konkret an.

    Eine Szene bleibt besonders hängen: Ein norwegischer Beamter sitzt schweigend am Küchentisch der Familie, während draußen Schneeregen gegen die Fensterscheiben peitscht. Niemand schreit. Niemand eskaliert. Und trotzdem liegt in dieser Stille mehr Bedrohung als in manchem Actionfilm. Tja, genau solche Momente kann nur großes Autorenkino erzeugen.

    Vielleicht erklärt gerade das den Erfolg von Fjord. Der Film erzählt nicht bloß von Norwegen oder Rumänien. Er erzählt von einem Europa, das sich selbst nicht mehr ganz versteht. Von Gesellschaften, die permanent über Werte sprechen und dabei oft vergessen, wie kompliziert Menschen eigentlich sind.

    Cannes zeigte in diesem Jahr deshalb weniger Eskapismus als Sehnsucht — Sehnsucht nach Orientierung, nach Empathie, nach einer Sprache jenseits ideologischer Schützengräben.

    Ob das Kino diese Rolle tatsächlich erfüllen kann?

    Vielleicht nicht allein. Aber für einige Stunden im dunklen Saal gelingt ihm etwas, das der politischen Debatte oft misslingt: Es zwingt Menschen dazu, anderen wirklich zuzusehen.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Canal+ und der Kulturkampf im französischen Kino

    Canal+ und der Kulturkampf im französischen Kino

    Mitten im Glanz von Cannes, zwischen roten Teppichen, Champagnerempfängen und den üblichen Debatten über große Filme, entzündet sich plötzlich ein Konflikt, der weit über das Kino hinausreicht. Canal+, jahrzehntelang Herzstück der französischen Filmfinanzierung, legt sich offen mit Teilen der eigene…

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  • Die Goldene Palme – jenes kleine Stück Gold, das in Cannes über Ruhm und Legenden entscheidet

    Die Goldene Palme – jenes kleine Stück Gold, das in Cannes über Ruhm und Legenden entscheidet

    An der Croisette herrscht jedes Jahr dieselbe seltsame Ordnung der Aufmerksamkeit. Die Fotografen jagen den Hollywoodstars hinterher, Kritiker zerlegen Filme bis ins kleinste Detail, Produzenten verhandeln hinter verschlossenen Türen über Millionenbeträge. Und doch richtet sich am Ende alles auf ein…

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  • Tagesüberblick: Diese Themen dominieren heute die französischen Medien

    Tagesüberblick: Diese Themen dominieren heute die französischen Medien

    Frankreich startet an diesem 14. Mai mit einer ungewöhnlich dichten Nachrichtenlage zwischen Weltpolitik, innenpolitischer Neuaufstellung und gesellschaftlicher Nervosität. Während international die Aufmerksamkeit auf das Verhältnis zwischen den USA und China gerichtet ist, verschärfen sich zugleich die Debatten über Sicherheit, Gesundheit und politische Stabilität im eigenen Land. Die französische Medienlandschaft zeichnet damit das Bild einer Republik im Übergang – außenpolitisch unter Druck, innenpolitisch bereits im Wahlkampfmodus.

    Trump und Xi: Paris fürchtet eine neue Weltordnung ohne Europa

    Das internationale Leitthema bleibt das Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping in Peking. Französische Medien analysieren vor allem die strategische Bedeutung der Gespräche vor dem Hintergrund der Spannungen im Nahen Osten, der Taiwan-Frage und der globalen Handelskonflikte.

    In Paris wächst dabei die Sorge, dass Europa zunehmend zum Zuschauer einer geopolitischen Neuordnung wird, die zwischen Washington und Peking ausgehandelt wird. Kommentatoren weisen darauf hin, dass Frankreichs Einfluss auf zentrale Fragen wie Halbleiterproduktion, Rohstoffsicherung oder Sicherheitsarchitektur begrenzt bleibt, solange die Europäische Union außenpolitisch nicht geschlossener auftritt.

    Besonders aufmerksam verfolgen französische Medien mögliche Signale einer wirtschaftlichen Entspannung zwischen den USA und China. Denn eine Stabilisierung der Beziehungen könnte zwar kurzfristig die Märkte beruhigen, zugleich aber Europas strategische Bedeutung weiter schwächen.

    Hantavirus: Die Erinnerung an Covid bleibt politisch wirksam

    Große Aufmerksamkeit erhält weiterhin das Thema Hantavirus. Obwohl die französischen Behörden betonen, dass derzeit keine akute Gefahr für Frankreich bestehe, bleibt die mediale Präsenz hoch. Internationale Quarantänemaßnahmen und Berichte über mögliche Infektionsketten nähren erneut jene Unsicherheit, die seit der Covid-Pandemie tief im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert ist.

    Die Regierung bemüht sich sichtbar um Beruhigung. Präsident Emmanuel Macron und mehrere Gesundheitsvertreter vermeiden alarmistische Töne und betonen die Leistungsfähigkeit der französischen Gesundheitsbehörden. Dennoch zeigt die Berichterstattung, wie empfindlich europäische Gesellschaften inzwischen auf potenzielle Gesundheitskrisen reagieren.

    Dabei geht es längst nicht nur um Medizin. Das Thema berührt grundlegende Fragen staatlicher Glaubwürdigkeit, Krisenvorsorge und internationaler Mobilität. Französische Kommentatoren weisen darauf hin, dass bereits die mediale Dynamik einer Gesundheitswarnung erhebliche wirtschaftliche und politische Folgen auslösen kann.

    Frankreich 2027: Der Wahlkampf hat faktisch begonnen

    Innenpolitisch verschiebt sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf die Präsidentschaftswahl 2027. Obwohl die Wahl formal noch in einiger Entfernung liegt, befinden sich zentrale Akteure bereits in einer permanenten Positionierungsphase.

    Im Mittelpunkt stehen derzeit Gabriel Attal, Édouard Philippe und Innenminister Bruno Retailleau. Alle drei repräsentieren unterschiedliche Varianten eines politischen Zentrums, das nach dem Ende der Macron-Ära um seine zukünftige Gestalt ringt.

    Gabriel Attal versucht weiterhin, sich als modernisierte Fortsetzung des Macronismus zu präsentieren. Édouard Philippe setzt stärker auf staatsmännische Distanz und wirtschaftspolitische Glaubwürdigkeit. Retailleau wiederum gewinnt insbesondere im konservativen Lager an Profil, indem er Fragen von Sicherheit und Migration offensiv besetzt.

    Die französischen Leitmedien diskutieren zunehmend die strukturelle Schwäche des sogenannten „socle commun“ – jenes politischen Blocks zwischen liberalem Zentrum und gemäßigter Rechter. Viele Analysten bezweifeln inzwischen, dass dieses Bündnis langfristig stark genug bleibt, um dem Rassemblement National dauerhaft Paroli zu bieten.

    Neukaledonien bleibt eine offene Wunde der Republik

    Weiterhin angespannt bleibt die Lage in Neukaledonien. Zwei Jahre nach den schweren Unruhen beschäftigen sich französische Medien erneut intensiv mit den politischen und gesellschaftlichen Folgen des Konflikts.

    Besonders sensibel ist die Debatte über die Reform des Wahlrechts vor den anstehenden Provinzwahlen. Kritiker sehen darin einen Eingriff in das fragile Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen des Pazifikterritoriums. Gleichzeitig berichten mehrere Medien über den zunehmenden Wegzug europäischstämmiger Einwohner sowie wirtschaftliche Verwerfungen nach den Unruhen.

    Die Diskussion berührt fundamentale Fragen französischer Staatlichkeit: Wie weit reicht die Integrationskraft der Republik? Welche Rolle spielt das koloniale Erbe Frankreichs im 21. Jahrhundert? Und wie stabil bleibt die französische Präsenz im indo-pazifischen Raum?

    Paris versucht weiterhin, die Situation durch politische Verhandlungen und Sicherheitsmaßnahmen unter Kontrolle zu halten. Doch viele Beobachter sehen den Konflikt längst als Symptom einer tieferliegenden Krise französischer Übersee-Politik.

    Cannes zwischen Glamour und politischer Realität

    Auch das Filmfestival von Cannes bleibt ein zentrales Medienthema. Wie jedes Jahr dient das Festival nicht nur als kulturelles Ereignis, sondern auch als Bühne gesellschaftlicher und geopolitischer Debatten.

    Besondere Aufmerksamkeit erhält Jurypräsident Park Chan-wook, dessen öffentliche Aussagen zur Rolle des Kinos in geopolitischen Krisenzeiten breit diskutiert werden. Gleichzeitig beschäftigen sich zahlreiche Kommentare mit den wirtschaftlichen Veränderungen der internationalen Filmindustrie, insbesondere mit dem Einfluss großer Streamingplattformen und der wachsenden Konzentration im Mediensektor.

    In diesem Zusammenhang rückt auch Unternehmer Rodolphe Saadé stärker in den Fokus. Seine zunehmende Präsenz im französischen Medienmarkt löst Debatten über journalistische Unabhängigkeit und die Konzentration von Medienmacht aus. Frankreich erlebt damit eine Entwicklung, die viele europäische Demokratien beschäftigt: die wachsende Verbindung zwischen wirtschaftlicher Macht, politischem Einfluss und Medienkontrolle.

    Alltagssorgen dominieren weiterhin die Regionen

    Neben den großen geopolitischen und politischen Themen bleiben auch klassische Alltagssorgen stark präsent. Regionale Medien berichten ausführlich über steigende Lebenshaltungskosten, Verkehrspolitik, Umweltkonflikte und Sicherheitsfragen.

    Diskutiert werden unter anderem strengere Regeln für E-Scooter, lokale Streitigkeiten über Windkraftprojekte sowie Debatten über Schuluniformen und Jugendgewalt. Gerade diese regionalen Themen zeigen, dass viele Franzosen politische Unsicherheit weniger über internationale Krisen als über konkrete Veränderungen ihres Alltags wahrnehmen.

    Die Kombination aus geopolitischer Nervosität, wirtschaftlichem Druck und gesellschaftlicher Polarisierung prägt derzeit die öffentliche Stimmung in Frankreich. Das Land wirkt zunehmend wie eine Gesellschaft, die gleichzeitig Stabilität sucht und sich doch auf tiefgreifende politische Veränderungen vorbereitet.

    Autor: Christine Macha

  • Der 14. Mai in Frankreich: Zwischen Revolte, Erinnerung und rotem Teppich

    Der 14. Mai in Frankreich: Zwischen Revolte, Erinnerung und rotem Teppich

    Der 14. Mai wirkt im französischen Kalender zunächst unscheinbar. Kein Nationalfeiertag, keine Militärparaden. Und doch trägt dieses Datum eine erstaunliche politische und kulturelle Wucht in sich. Frankreich wäre schließlich nicht Frankreich, wenn selbst ein gewöhnlicher Frühlingstag nicht Stoff für historische Debatten, gesellschaftliche Spannungen und große Inszenierungen liefern würde.

    Besonders tief eingebrannt bleibt der Mai 1968.

    Rund um den 14. Mai erreichte die Protestbewegung damals eine neue Dimension. Was mit Studentenprotesten in Paris begonnen hatte, schwappte plötzlich auf das ganze Land über. Universitäten wurden besetzt, Arbeiter streikten, Fabriken standen still. Innerhalb weniger Tage verwandelte sich Frankreich in ein Pulverfass. Millionen Menschen legten die Arbeit nieder — ein Vorgang, der bis heute als einer der größten Generalstreiks Europas gilt.

    Die Bilder jener Wochen wirken noch immer nach: Barrikaden im Quartier Latin, junge Demonstranten mit Pflastersteinen in den Händen, Rauchschwaden über Paris. Präsident Charles de Gaulle schien zeitweise die Kontrolle über das Land zu verlieren. Frankreich diskutierte plötzlich alles gleichzeitig — Macht, Freiheit, Kapitalismus, Sexualmoral, Bildung, Hierarchien. Das alte Frankreich bekam Risse. Und zwar gewaltige.

    Bis heute entzündet sich an „Mai 68“ fast reflexartig Streit. Für manche markierte diese Revolte den Beginn eines moderneren, freieren Landes. Andere sehen darin den Startschuss für den schleichenden Verlust staatlicher Autorität und gesellschaftlicher Ordnung. In französischen Talkshows reicht oft schon das Stichwort „68“, und zack — die nächste Grundsatzdebatte läuft heiß.

    Doch der 14. Mai erinnert Frankreich auch an ein düsteres Kapitel seiner Geschichte.

    Am 14. Mai 1941 begann die sogenannte „Rafle du billet vert“, eine der ersten großen Verhaftungsaktionen gegen Juden im besetzten Frankreich. Tausende Männer, viele von ihnen ausländische Juden, wurden damals von französischen Behörden vorgeladen, festgenommen und später interniert. Dass die französische Polizei aktiv an diesen Maßnahmen beteiligt war, zählt bis heute zu den schmerzhaftesten Punkten der nationalen Erinnerungskultur.

    Lange tat sich Frankreich schwer mit dieser Vergangenheit. Jahrzehntelang dominierte die Erzählung eines Landes des Widerstands. Erst später rückte die Verantwortung des Vichy-Regimes stärker ins öffentliche Bewusstsein. Heute gehört diese Aufarbeitung fest zur politischen Kultur Frankreichs. Gerade angesichts wachsender antisemitischer Spannungen gewinnt die Erinnerung an solche Ereignisse erneut an Gewicht. Geschichte liegt hier eben nie staubig im Archiv — sie sitzt mit am Tisch.

    Und dann gibt es noch die andere Seite Frankreichs: Glamour, Kino und große Bühne.

    Im Mai richtet sich der Blick traditionell nach Cannes. Während an den Stränden der Côte d’Azur Fotografen um die besten Bilder kämpfen, präsentiert sich Frankreich als Kulturnation mit globalem Anspruch. Das Filmfestival von Cannes ist weit mehr als eine Ansammlung schöner Kleider und berühmter Gesichter. Hier treffen Politik, Kunst und Selbstinszenierung aufeinander. Französische Kulturpolitik versteht Film seit Jahrzehnten als Teil nationaler Identität — fast so ernst wie andere Länder ihre Außenpolitik.

    Manchmal wirkt Cannes wie ein Paralleluniversum zum politischen Alltag in Paris. Dort Streiks und Rentendebatten, hier Blitzlichtgewitter und Champagner. Irgendwie passt genau dieser Kontrast perfekt zu Frankreich.

    Auch sportlich fällt der 14. Mai häufig in eine heiße Phase der Saison. Fußballmeisterschaften entscheiden sich, Pokalfinals stehen an, ganze Städte geraten in kollektive Nervosität. Fußball besitzt in Frankreich längst eine Bedeutung, die weit über den Sport hinausgeht. Fragen nach Integration, sozialem Aufstieg und nationalem Zusammenhalt spiegeln sich regelmäßig auf dem Platz wider.

    Der 14. Mai zeigt deshalb exemplarisch, wie Frankreich tickt: Dieses Land lebt von Erinnerung, Widerspruch und Leidenschaft. Vergangenheit und Gegenwart prallen hier ständig aufeinander. Selbst ein scheinbar gewöhnlicher Tag im Kalender öffnet plötzlich ein Fenster auf die großen französischen Themen — Revolte, Verantwortung, Kultur und gesellschaftliche Identität.

    Von C. Hatty

  • Frankreich am Dienstag: Zwischen Staatskrise, Gewalt und Vorwahlkampf

    Frankreich am Dienstag: Zwischen Staatskrise, Gewalt und Vorwahlkampf

    Frankreich erlebt heute einen Nachrichtenzyklus, der die Nervosität des Landes nahezu exemplarisch widerspiegelt. Innenpolitische Affären, eskalierende Sicherheitsdebatten, Extremwetterlagen und die ersten offenen Vorfeldkämpfe um die Präsidentschaftswahl 2027 überlagern sich zu einem Gesamtbild permanenter Spannung. Die öffentliche Debatte wirkt dabei zunehmend erschöpft, zugleich aber hochgradig politisiert.

    Die Affäre Caroline Cayeux und das Misstrauen gegenüber der Elite

    Im Zentrum der politischen Diskussion steht weiterhin die frühere Ministerin Caroline Cayeux. Ihre Verurteilung wegen Steuerbetrugs und falscher Vermögensangaben trifft einen empfindlichen Nerv der französischen Öffentlichkeit. Die Affäre reiht sich in eine lange Serie politischer Skandale ein, die seit Jahren das Vertrauen in die politische Klasse untergraben.

    Viele Kommentatoren erinnern an Jérôme Cahuzac, den ehemaligen Haushaltsminister François Hollandes, der ausgerechnet im Kampf gegen Steuerflucht selbst ein geheimes Auslandskonto verborgen hatte. Auch der langjährige Lokalpolitiker Patrick Balkany bleibt für viele Franzosen Symbol einer politischen Kultur, in der persönliche Bereicherung und öffentliche Macht eng miteinander verflochten erscheinen.

    Besonders problematisch wirkt der Fall Cayeux deshalb, weil Frankreich in den vergangenen zehn Jahren seine Transparenzregeln erheblich verschärft hat. Nach mehreren Korruptionsaffären wurden Kontrollmechanismen ausgebaut, Vermögensdeklarationen verpflichtend gemacht und die Haute Autorité pour la transparence de la vie publique gestärkt. Dennoch entstehen immer neue Affären — was viele Franzosen inzwischen weniger als individuelles Fehlverhalten, sondern als strukturelles Problem interpretieren.

    Die politische Folge ist ein weiterer Vertrauensverlust gegenüber etablierten Parteien und Institutionen. Dieses Klima begünstigt seit Jahren sowohl den Erfolg des Rassemblement National als auch die wachsende Polarisierung zwischen links- und rechtspopulistischen Kräften.

    Die Sicherheitsdebatte nach der Schießerei von Nizza

    Parallel dazu dominiert erneut die Frage der inneren Sicherheit die Schlagzeilen. Nach der tödlichen Schießerei im Viertel Les Moulins in Nizza diskutiert Frankreich intensiv über Drogenkriminalität, Waffenhandel und den schwindenden Einfluss staatlicher Autorität in bestimmten Stadtteilen.

    Besonders schockierend wirken die Bilder automatischer Waffen am helllichten Tag. Französische Medien sprechen mittlerweile offen von einer „Mexikanisierung“ bestimmter Bandenkonflikte — ein Begriff, der vor wenigen Jahren noch als überzogen gegolten hätte. Gemeint ist damit die zunehmende Militarisierung krimineller Netzwerke, die territoriale Kontrolle einzelner Viertel sowie die sichtbare Schwächung staatlicher Präsenz.

    Innenminister Bruno Retailleau steht dadurch bereits früh unter erheblichem Druck. Die konservative Rechte fordert härtere Polizeimaßnahmen und eine drastische Verschärfung des Strafrechts. Linke Parteien wiederum verweisen auf soziale Verwahrlosung, Arbeitslosigkeit und den Zerfall öffentlicher Infrastruktur in vielen Banlieues.

    Tatsächlich zeigt sich hier ein tieferes Problem Frankreichs: Die Drogenökonomie ist in manchen Vorstädten längst zu einem parallelen Wirtschaftsmodell geworden. Sicherheitsbehörden warnen seit Jahren vor professionell organisierten Netzwerken mit internationaler Anbindung, insbesondere über Mittelmeerhäfen wie Marseille.

    Die Sicherheitsfrage entwickelt sich damit erneut zu einem der zentralen Themen der kommenden Präsidentschaftswahl.

    Extremwetter und die Verwundbarkeit der Regionen

    Auch das Wetter beschäftigt das Land massiv. Heftige Gewitterfronten haben in mehreren Regionen erhebliche Schäden verursacht. Besonders die Schlammströme im elsässischen Aschbach sowie die Unwetterschäden im Département Gers dominieren die regionalen Nachrichtensendungen.

    Frankreich erlebt damit erneut eine Debatte über die Folgen des Klimawandels — allerdings mit einer Besonderheit: Die Diskussion konzentriert sich zunehmend auf die konkrete Verwundbarkeit ländlicher Regionen. Überschwemmungen, Hagelstürme und Starkregen treffen häufig Gemeinden mit begrenzten finanziellen Ressourcen und schwacher Infrastruktur.

    Während die großen Städte oft besser geschützt erscheinen, wächst auf dem Land das Gefühl, den klimatischen Veränderungen nahezu schutzlos ausgesetzt zu sein. Versicherungen warnen bereits seit Jahren vor steigenden Kosten durch Naturkatastrophen. Gleichzeitig geraten Präventionsmaßnahmen und kommunale Schutzsysteme zunehmend an ihre Grenzen.

    Die politische Dimension ist erheblich. Klimapolitik wird in Frankreich längst nicht mehr nur als ökologische Frage diskutiert, sondern zunehmend als Problem staatlicher Resilienz und territorialer Gleichheit.

    Cannes als Symbol französischer Soft Power

    Heute beginnt offiziell auch das Festival de Cannes — ein Ereignis, das weit über den Kulturbetrieb hinaus politische und wirtschaftliche Bedeutung besitzt.

    Während internationale Stars und Filmdelegationen anreisen, richtet sich der französische Blick ebenso auf die gigantische Sicherheits- und Logistikorganisation hinter dem Glamour. Tausende Sicherheitskräfte, komplexe Verkehrssteuerung und internationale Medienpräsenz machen Cannes jedes Jahr zu einer staatlichen Großoperation.

    Das Festival bleibt für Frankreich ein zentraler Bestandteil kultureller Soft Power. In Zeiten geopolitischer Spannungen versteht sich Paris weiterhin als globale Kulturmacht, die internationalen Einfluss nicht nur militärisch oder wirtschaftlich, sondern auch kulturell ausübt.

    Zugleich besitzt Cannes enorme wirtschaftliche Bedeutung für die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur sowie für die französische Filmindustrie insgesamt. Trotz Streaming-Konkurrenz bleibt das Festival eines der wichtigsten internationalen Schaufenster des europäischen Kinos.

    Die Debatte um TotalEnergies

    Für politische Diskussionen sorgt heute außerdem eine Aussage von Manuel Bompard, dem Koordinator von La France Insoumise. Er fordert die Nationalisierung von TotalEnergies und bezeichnet dies als „extrem rentabel“ für den Staat.

    Hinter dieser Forderung steht eine größere französische Grundsatzdebatte: Welche Rolle soll der Staat in strategischen Wirtschaftsbereichen spielen? Frankreich besitzt traditionell eine deutlich stärkere staatswirtschaftliche Kultur als viele andere europäische Länder. Unternehmen wie EDF oder die SNCF gelten vielen Franzosen weiterhin als Teil nationaler Souveränität.

    Die Energiekrise seit dem Ukrainekrieg hat diese Diskussion weiter verschärft. Hohe Preise, geopolitische Unsicherheiten und die Angst vor Kontrollverlust über kritische Infrastruktur stärken interventionistische Positionen — sowohl links als auch teilweise rechts.

    Kritiker warnen allerdings vor enormen Kosten und möglichen Konflikten mit europäischen Wettbewerbsregeln. Dennoch zeigt die Debatte, wie stark Fragen wirtschaftlicher Souveränität inzwischen wieder ins Zentrum französischer Politik gerückt sind.

    Der frühe Schatten der Präsidentschaftswahl 2027

    Obwohl die Wahl erst 2027 stattfindet, beginnt sich der politische Betrieb bereits sichtbar auf die Post-Macron-Ära auszurichten. Emmanuel Macron befindet sich faktisch in seiner letzten Amtszeit, wodurch innerhalb des politischen Systems ein offener Nachfolgekampf entsteht.

    Besonders aufmerksam beobachtet wird derzeit Édouard Philippe. Der ehemalige Premierminister positioniert sich zunehmend als pragmatischer Stabilitätskandidat des bürgerlichen Zentrums. Seine strategische Zurückhaltung wirkt dabei kalkuliert: Philippe vermeidet bislang offene Konfrontationen mit Macron, baut aber gleichzeitig systematisch sein eigenes Profil aus.

    Macrons späte Ernennungen und personellen Verschiebungen werden deshalb zunehmend unter einem wahlstrategischen Blickwinkel interpretiert. Viele Beobachter sehen bereits erste Machtverschiebungen innerhalb des Macron-Lagers.

    Parallel dazu versuchen sowohl das Rassemblement National als auch die radikale Linke, das gegenwärtige Klima gesellschaftlicher Unsicherheit politisch zu nutzen. Sicherheit, Kaufkraft, Migration und institutionelles Vertrauen dürften den kommenden Wahlkampf dominieren.

    Frankreich wirkt an diesem Dienstag deshalb wie ein Land im permanenten Übergang: wirtschaftlich belastet, gesellschaftlich angespannt und politisch bereits auf die Zeit nach Macron fixiert. Zwischen Sicherheitsängsten, Klimasorgen, Elitenmisstrauen und wachsender sozialer Polarisierung verdichtet sich das Gefühl eines Staates, der gleichzeitig handlungsfähig erscheinen und doch ständig Krisen verwalten muss.

    Autor: Christine Macha

  • Stromausfall in Cannes – Wenn die Lichter ausgehen und das Kino dunkel bleibt

    Stromausfall in Cannes – Wenn die Lichter ausgehen und das Kino dunkel bleibt

    Was passiert, wenn plötzlich der Strom weg ist – und das mitten in einer der glamourösesten Städte der Welt?

    Am Samstagmorgen, dem 24. Mai 2025, herrschte in Südfrankreich für viele plötzlich Dunkelheit statt mediterranem Sonnenschein. Ein großflächiger Stromausfall legte rund 160.000 Haushalte in Cannes und den umliegenden Gemeinden lahm. Besonders brisant: Cannes war zu diesem Zeitpunkt Schauplatz des renommierten Internationalen Filmfestivals – ein Event, das normalerweise im Blitzlichtgewitter der Weltöffentlichkeit badet.

    Brand und Sabotage? Die Ursachen sind brisant

    Der Auslöser des Stromausfalls war ein Brand in einem Umspannwerk in Tanneron im Département Var. Der Zeitpunkt? Punkt 10 Uhr morgens. Doch dieser Brand war wohl kein Unfall. Die Gendarmerie geht inzwischen von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Die Staatsanwaltschaft in Draguignan hat bereits Ermittlungen aufgenommen. Hinzu kam der Einsturz eines Strommasts, der eine Hochspannungsleitung beschädigte – als hätte jemand gezielt die Schwachstellen der regionalen Infrastruktur ins Visier genommen.

    Ein Zufall? Wohl kaum.

    Krisenmanagement im Ausnahmezustand

    Während die betroffenen Haushalte über Stunden ohne Strom auskommen mussten, arbeiteten die Behörden und der Stromnetzbetreiber RTE auf Hochtouren. Die genaue Dauer bis zur vollständigen Wiederherstellung blieb unklar. Klar war jedoch: Das Netz zeigte sich anfällig – und nicht zum ersten Mal. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Sicherheitslage der Energieversorgung in Südfrankreich. Wer schützt eigentlich die Umspannwerke?

    Cannes im Dunkeln – und trotzdem im Rampenlicht

    Ironischerweise blieb das Zentrum des Festivals, der berühmte Palais des Festivals, vom Blackout weitgehend verschont. Grund dafür war die eigene Stromversorgung des Festivalgebäudes. Die Abschlussgala kann planmäßig über die Bühne gehen. Glitzer, Stars und Kamera – alles wie gehabt.

    Aber nicht überall lief’s glatt. Das Multiplex-Kino „Cineum“ etwas außerhalb des Stadtzentrums musste Filmvorführungen unterbrechen. Für die Besucher ein Ärgernis, für die Veranstalter ein logistischer Kraftakt.

    Und für den Rest der Stadt? Viele saßen im Dunkeln – wortwörtlich. Kühlschränke wurden warm, Ampeln fielen aus, das öffentliche Leben wurde ausgebremst. In Supermärkten piepsten keine Scanner, in Wohnungen blieb der Herd kalt. Wer wollte da noch über Glamour reden?

    Die unsichtbare Verwundbarkeit

    Was dieser Vorfall offenbart, ist ein Grundproblem moderner Gesellschaften: Ihre Abhängigkeit von funktionierender Infrastruktur. Ein Feuer an einem einzigen Knotenpunkt – und schon kippt das System. Wenn zusätzlich noch Sabotage im Spiel ist, wird aus einer technischen Panne ein handfester Krisenfall. Wer steckt dahinter? Und warum?

    Noch gibt es keine offiziellen Ergebnisse der Ermittlungen, doch die Spekulationen laufen heiß. Extremisten? Kriminelle? Oder schlicht ein Akt blinden Vandalismus?

    Die Energiefrage – wieder im Fokus

    Das Timing ist kein Zufall. Immer wieder wird in Frankreich über die Zukunft der Energieversorgung gestritten. Wann wird die Infrastruktur endlich so sicher, wie sie sein müsste?

    Ein Land, das leuchtet – trotz Schatten

    Trotz aller Widrigkeiten zeigte Cannes in diesen Stunden seine Widerstandskraft. Während draußen in vielen Geschäften Dunkelheit herrschte, flimmerte im Festsaal weiter die große Kinoleinwand. Symbolisch fast – wie ein trotziges „Weiter so“ gegen alle Störungen. Frankreich kann improvisieren. Frankreich bleibt stark.

    Aber eines ist sicher: Dieser Stromausfall wird Nachwirkungen haben. Politisch. Technisch. Emotional.

    Denn wenn die Lichter ausgehen, bleiben oft unbequeme Wahrheiten sichtbar.

    Von Daniel Ivers

  • Putin bietet Gespräche an – Trump rudert bei Sanktionen zurück. Und weitere World-News

    Putin bietet Gespräche an – Trump rudert bei Sanktionen zurück. Und weitere World-News

    Bei einem zweistündigen Telefonat zwischen Donald Trump und Wladimir Putin hat sich der russische Präsident offen für Friedensverhandlungen mit der Ukraine gezeigt – allerdings ohne konkrete Fortschritte. Putin wiederholte seine Forderung nach umfassenden Zugeständnissen Kiews und betonte, dass die „Ursachen der Krise beseitigt“ werden müssten – ein klarer Hinweis auf Moskaus Anspruch auf weitreichenden Einfluss in der Ukraine.

    Trump gab sich nach dem Gespräch zwar optimistisch, verzichtete aber auf seine zuvor scharf formulierten Drohungen, mit denen er Russland zu einem Waffenstillstand bewegen wollte. Stattdessen betonte er, Russland und die Ukraine sollten direkt miteinander verhandeln – was letztlich Putins Haltung stützt. Zudem habe er mit dem ukrainischen Präsidenten sowie mit europäischen Staatschefs gesprochen.

    Vizepräsident JD Vance äußerte sich hingegen kritisch: „Ich bin mir nicht sicher, ob Putin selbst weiß, wie er aus diesem Krieg wieder herauskommen soll.“

    Zwischenzeitlich hatte Papst Leo angeboten, dass die weiteren Friedensverhandlungen im Vatikan stattfinden könnten.

    Auch ein möglicher Gefangenenaustausch zwischen den USA und Russland war Thema des Gesprächs, wie Putins außenpolitischer Berater mitteilte.

    Parallel dazu verstärkt Russland seine militärische Präsenz an der Grenze zu Finnland – Experten sehen die Region als potenziellen neuen Krisenherd.

    Israel im Strategie-Chaos: Gaza-Offensive weiter unklar

    Nach Monaten der Blockade hat Israel erstmals wieder einige Hilfslieferungen nach Gaza durchgelassen – trotz zunehmender Luftangriffe und scharfer Rhetorik. Eine erwartete große Bodenoffensive bleibt weiterhin aus. Dahinter steckt ein offener Streit innerhalb der israelischen Regierung.

    Während Premierminister Netanjahu von Seiten seiner rechtsextremen Koalitionspartner unter Druck steht, Gaza vollständig zu besetzen, warnen Militärs vor den Risiken: Eine Invasion sei kaum durchzuhalten und könne das Leben israelischer Geiseln gefährden. Auch international wächst die Sorge – nicht zuletzt wegen einer drohenden Hungersnot im Gazastreifen.

    Großbritannien und EU auf Kuschelkurs – neue Partnerschaft nach Brexit

    Bei einem Gipfeltreffen zur Neuausrichtung haben Großbritannien und die EU eine engere Sicherheitszusammenarbeit beschlossen und Handelshemmnisse abgebaut. Ziel: Mehr Eigenständigkeit gegenüber den USA, nachdem unter Trump Zölle verhängt und das Engagement für Europas Sicherheit zurückgefahren worden war.

    Besonders brisant: EU-Schiffe dürfen bis 2038 in britischen Gewässern fischen – ein politisch heikles Zugeständnis von Premierminister Keir Starmer. Die Kritik seiner politischen Gegner ließ nicht lange auf sich warten.

    Was sonst noch wichtig war

    Portugal: Die konservative Demokratische Allianz gewinnt die Neuwahl und bleibt trotz fehlender absoluter Mehrheit an der Macht. Die rechtsextreme Partei Chega erreicht über 22 Prozent.

    Indien: Die Regierung geht juristisch gegen kritische Stimmen vor – betroffen sind Wissenschaftler, Journalisten und Unternehmen, die den Militäreinsatz gegen Pakistan kritisch hinterfragt haben.

    USA: Nach dem Verlust des Triple-A-Ratings schwanken die Börsen erneut, der Dollar fällt, Anleiherenditen steigen – die Märkte reagieren nervös auf Trumps Finanzpolitik.

    Kanada: Die von Trump ausgelöste Zollspirale weckt Ängste – die Autometropole Windsor könnte zur Geisterstadt werden.

    US-Einwanderung: Das oberste US-Gericht hat entschieden, dass 350.000 Venezolaner ihren Schutzstatus verlieren – Abschiebungen sind nun wahrscheinlicher.

    Spanien: Im Kampf gegen die Wohnungsnot zwingt die Regierung Airbnb dazu, fast 66.000 Angebote zu löschen.

    Kultur und Medien

    TV: Trotz finanzieller Schieflage hat „Sesamstraße“ einen neuen Streaming-Deal mit Netflix abgeschlossen. 20 Prozent der Mitarbeiter mussten dennoch gehen.

    Mode: Balenciaga setzt auf frischen Wind – Pierpaolo Piccioli, Ex-Valentino-Chef, übernimmt die kreative Leitung.

    Kino: Auf dem Filmfestival in Cannes sorgt Ari Asters „Eddington“ für hitzige Debatten – eine Satire auf die Corona-Politik. Der Film „Sound of Falling“ gilt inzwischen als Favorit für die Goldene Palme.

    Medien: Die Präsidentin von CBS News tritt zurück – ein weiteres Kapitel im Machtkampf zwischen Redaktion und Trump-Lager.

    Von C. Hatty

  • 18. Mai – Zwischen Aufbruch und Abgrund

    18. Mai – Zwischen Aufbruch und Abgrund

    Manchmal reicht ein einziger Tag, um die Richtung der Geschichte zu ändern. Der 18. Mai gehört zu diesen Daten. Mal bringt er Umstürze, mal Erlösung – manchmal beides zugleich. Werfen wir einen Blick zurück auf ein Datum, das wie ein Kaleidoskop verschiedenster Ereignisse wirkt: politisch, gesellschaftlich, menschlich.

    Die Paulskirche – Symbol des deutschen Freiheitswillens

    Am 18. Mai 1848 betraten die Abgeordneten der ersten gesamtdeutschen Nationalversammlung die Frankfurter Paulskirche. Ein historischer Moment: Bürgerliche Reformer, Juristen, Philosophen, selbst Handwerker wollten mit Feder und Geist ein geeintes Deutschland schaffen. Man sprach von Grundrechten, Gewaltenteilung, nationaler Einheit. Die Monarchen – nun ja, nicht gerade begeistert. Am Ende wurde die Bewegung von Preußens Bajonetten zerschlagen. Aber ihr Geist? Der blieb.

    1804 – Frankreich krönt den Kaiser der Moderne

    In Frankreich änderte sich am 18. Mai 1804 alles – zumindest auf dem Papier. Der Senat erklärte Napoleon Bonaparte zum Kaiser. Der einstige General verwandelte die Französische Republik in ein Kaiserreich. Doch statt Rückschritt war dies für viele Zeitgenossen Fortschritt im Gewand der Macht. Napoleon ließ sich wenig später in der Kathedrale Notre-Dame selbst krönen – ein Bild, das Europa nie vergessen sollte. Der neue Kaiser verstand sich als Kind der Revolution und zugleich als deren Grabhügel.

    Eine Katastrophe, die die Erde erschüttert

    Springen wir ins Jahr 1980. In den USA bricht am 18. Mai der Mount St. Helens aus. Eine gewaltige Explosion, Aschewolken verdunkeln den Himmel, Lavaströme walzen Wälder nieder. Es ist, als würde die Natur selbst zur Mahnerin – und erinnern, wie zerbrechlich menschliche Sicherheit doch ist. Die Eruption verändert nicht nur die Landschaft, sondern auch das Denken über Naturgefahren.

    1990 – Zwei Staaten, ein Vertrag

    Deutschland, geteilt durch Mauer und Systemgrenzen, findet langsam wieder zusammen. Am 18. Mai 1990 unterzeichnen Bundesrepublik und DDR einen Staatsvertrag über Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion. D-Mark statt Alu-Chips, Marktwirtschaft statt Planvorgaben. Viele Menschen hoffen, viele zweifeln, manche verlieren alles. Aber der Kurs ist gesetzt – Richtung Einheit.

    Die Schatten der Geschichte: Krim, 1944

    Am 18. Mai 1944 beginnt ein düsteres Kapitel. Die sowjetische Führung unter Stalin lässt die gesamte Bevölkerung der Krimtataren deportieren. Innerhalb weniger Tage werden rund 200.000 Menschen in Viehwaggons nach Zentralasien verschleppt. Der Vorwurf: Kollaboration mit den Nazis. Die Realität: eine ethnische Säuberung. Tausende sterben unterwegs. Eine Wunde, die bis heute nicht verheilt ist – was bedeutet Heimat, wenn sie mit Gewalt genommen wurde?

    Frankreich im Aufruhr: Mai 1968

    Frankreich, das Land der Revolutionen, erlebt im Mai 1968 erneut einen Ausnahmezustand. Studenten und Arbeiter streiken, Barrikaden brennen. Präsident de Gaulle ist in Rumänien – am 18. Mai kehrt er zurück. Sein Flugzeug landet in einem Land am Rand des Umsturzes. Noch ist unklar, ob der General das Ruder behält. Doch sein entschlossener Auftritt verschafft ihm Zeit – und schließlich das politische Überleben. Ein Präsident als Patriarch, doch die Jugend rebelliert längst.

    Wissenschaft im Orbit

    1. Mai 1996: Shannon Lucid, eine US-Astronautin, kehrt nach über sechs Monaten im All zur Erde zurück. Station: Raumstation Mir. Die Kooperation zwischen USA und Russland – mitten im Nachhall des Kalten Krieges – funktioniert im Orbit besser als auf dem Boden. Ein Symbol dafür, dass Grenzen manchmal nur auf Landkarten existieren. Und im All? Ist sowieso alles relativ.

    Ein Vertrag gegen das Wetter als Waffe

    1977 unterschreiben 31 Staaten am 18. Mai die sogenannte ENMOD-Konvention. Klingt technisch, hat es aber in sich: Der Vertrag verbietet die militärische Nutzung von Wetterveränderungen. Keine künstlichen Stürme, keine Erdbeben als Waffen – zumindest auf dem Papier. Denn wer könnte kontrollieren, ob sich Staaten wirklich daran halten?

    Unabhängigkeit, aber ohne Anerkennung

    1991 erklärt Somaliland am 18. Mai seine Unabhängigkeit. Der Staat im Norden Somalias funktioniert – hat Regierung, Verwaltung, eine gewisse Stabilität. Doch die Welt schaut weg. Keine internationale Anerkennung, keine UN-Flagge, kein Platz auf der globalen Bühne. Und trotzdem – oder gerade deswegen – bleibt Somaliland ein bemerkenswertes politisches Experiment.

    Eintracht Frankfurt schreibt Fußballgeschichte

    Ein bisschen Gänsehaut zum Schluss: Am 18. Mai 2022 gewinnt Eintracht Frankfurt die UEFA Europa League. Ein dramatisches Finale gegen die Glasgow Rangers – Elfmeterschießen, Zittern, Jubel. Jahrzehnte nach dem letzten internationalen Titel greift die Eintracht nach den Sternen. Fußball? Mehr als nur ein Spiel. Für viele: Identität, Herzblut, Heimat auf Rasen.

    Und heute?

    Am 18. Mai 2025 sind die Straßen von Cannes überfüllt. Die Filmfestspiele zeigen Glanz und Glamour, aber auch gesellschaftskritisches Kino. Parallel dazu gleiten Tennisbälle über die Sandplätze von Roland-Garros – das französische Frühjahr ist kulturell und sportlich vollgepackt. Frankreich bleibt ein Magnet, in dem Geschichte und Gegenwart verschmelzen.

    Was lehrt uns dieser Tag? Dass Geschichte nicht linear verläuft. Dass ein 18. Mai Krönung oder Katastrophe sein kann – manchmal beides in einem Atemzug.

  • Die „Gang der Trittleitern“: Wie ein bunter Haufen Fans Cannes verzaubert

    Die „Gang der Trittleitern“: Wie ein bunter Haufen Fans Cannes verzaubert

    Wer an den roten Teppich von Cannes denkt, hat sofort glamouröse Bilder im Kopf – Stars, Blitzlichtgewitter, glitzernde Roben. Doch wer ganz genau hinschaut, entdeckt am Rand dieses Spektakels eine ungewöhnliche Truppe, die sich ihren ganz eigenen Platz in der Festivalgeschichte gesichert hat: die „Gang des Escabeaux“ – oder auf gut Deutsch: die „Gang der Trittleitern“. Diese Gruppe ist legendär. Und das nicht nur wegen ihrer erhöhten Sitzposition. Leidenschaft mit Aussicht Seit über 35 Jahren campieren sie am Boulevard de la Croisette – bewaffnet mit Trittleitern, Klappstühlen und einem langen Atem. Der Plan? Früh aufstehen, sich einen strategisch günstigen Platz gegenüber dem Festivalpalast sichern, die Leiter festketten – und dann: warten. Stundenlang. Tagelang. Aber warum das alles? Ganz einfach: Um einen flüchtigen Blick auf die ganz Großen des Kinos zu erhaschen – Cate Blanchett, Leonardo DiCaprio, Natalie Portman, Tom Cruise. Oder wenigstens ein Lächeln, ein Selfie oder, mit gan…

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