Schlagwort: Calanques

  • Niolon unter Kontrolle: Warum der Zugang zu den Calanques plötzlich genehmigungspflichtig ist

    Niolon unter Kontrolle: Warum der Zugang zu den Calanques plötzlich genehmigungspflichtig ist

    Ein kleiner Hafen, ein steiler Pfad, ein Versprechen von Freiheit. So begann für viele der Weg nach Niolon, jenem unscheinbaren Ort westlich von Marseille, der lange wie ein gut gehütetes Geheimnis wirkte. Ein paar Stufen hinab, der Blick öffnet sich – und plötzlich liegt sie da, die raue Schönheit der Mittelmeerküste. Ungezähmt, still, fast intim. Doch diese Zeiten verblassen. Wer heute zu den Calanques von Niolon möchte, braucht mehr als festes Schuhwerk und Abenteuerlust: Ein laissez-passer ist Pflicht. Eine Genehmigung, die den spontanen Ausflug ersetzt durch Planung, Anmeldung, Kontrolle. Was nach Bürokratie klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Denn Niolon ist Opfer seines eigenen Charmes geworden. In den vergangenen Jahren strömten immer mehr Menschen in die kleine Bucht. Instagram ließ die Felsen leuchten, TikTok machte die versteckten Badeplätze bekannt – und plötzlich war das, was einst als Geheimtipp galt, ein Magnet für Wochenendtouristen. Autos parkten kreuz und quer, Weg…

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  • Zwischen Zugang und Verzicht: Wie die Calanques bei Marseille ihre Schönheit verteidigen

    Zwischen Zugang und Verzicht: Wie die Calanques bei Marseille ihre Schönheit verteidigen

    Nur wenige Kilometer vom geschäftigen Treiben der südfranzösischen Metropole entfernt beginnt eine andere Welt. Schroffe Kalksteinfelsen, türkisfarbenes Wasser, dazwischen schmale Pfade – die Calanques südlich von Marseille wirken wie ein Versprechen auf unberührte Natur. Und doch steht genau dieses Versprechen unter Druck.

    Zwei Orte zeigen exemplarisch, wie ernst die Lage ist – und wie unterschiedlich die Antworten ausfallen.

    Die Calanque de Sugiton etwa, lange ein Opfer ihres eigenen Erfolgs, hat sich gewissermaßen neu erfunden. Wo früher in der Hochsaison Tausende gleichzeitig hinströmten, regelt heute ein Reservierungssystem den Zugang. Kostenlos, aber verpflichtend. Wer keinen Platz ergattert, bleibt draußen. Klingt streng? Ist es auch. Aber die Alternative wäre ein langsames Kaputttrampeln dieses empfindlichen Ökosystems gewesen.

    Hinzu kommt: Autos bleiben draußen. Die Zufahrtsstraße ist im Sommer gesperrt, Besucher müssen vom Campus Luminy aus zu Fuß weiter. Das verändert etwas. Plötzlich ist der Weg Teil des Ziels, nicht bloß lästige Pflicht. Und ganz ehrlich – ein bisschen Schwitzen gehört halt dazu.

    Die Wirkung zeigt sich leise, aber deutlich. Vegetation kehrt zurück, Wege erholen sich, die Geräuschkulisse wird sanfter. Sugiton steht damit für einen Paradigmenwechsel: Natur als Raum, der nicht jederzeit und für alle unbegrenzt verfügbar ist, sondern bewusst betreten werden will.

    Ganz anders die Calanque d’En-Vau. Kein Ticketsystem, keine Schranke – zumindest nicht im klassischen Sinne. Stattdessen wirkt hier die Landschaft selbst als Türsteher. Der Weg ist lang, steil und stellenweise anspruchsvoll. Wer hier ankommt, hat sich die Aussicht verdient.

    Das klingt romantisch, hat aber eine harte Realität. Denn soziale Medien haben En-Vau längst zur Ikone gemacht. Das berühmte „Postkartenmotiv“ zieht auch jene an, die die Strecke unterschätzen. Immer wieder müssen Rettungskräfte ausrücken – ein Zeichen dafür, dass natürliche Hürden allein nicht mehr reichen.

    Auch hier bleibt das Auto außen vor. Parkplätze sind rar, Zufahrten eingeschränkt, im Sommer gelten zusätzliche Sperren wegen Brandgefahr. Es ist ein stilles, aber konsequentes Signal: Diese Landschaft duldet keine Massenabfertigung.

    Beide Calanques sind Teil des Parc national des Calanques, der längst zu einem Experimentierfeld geworden ist. Nach den Pandemie-Jahren, in denen der Drang nach Natur regelrecht explodierte, reagieren die Verantwortlichen mit einer klaren Strategie: weniger ungezügelter Zugang, mehr Steuerung.

    Das sorgt für Diskussionen. Manche sprechen von einer neuen Exklusivität, andere sehen darin schlichte Notwendigkeit. Denn die Mittelmeerküste steht unter Druck – durch Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Tourismus.

    Am Ende läuft alles auf eine unbequeme Wahrheit hinaus: Wer Natur bewahren will, muss Grenzen setzen. Das bedeutet Planung, Verzicht, manchmal auch Enttäuschung.

    Und doch entsteht gerade daraus ein neuer Wert. Wer Sugiton oder En-Vau erreicht, erlebt keinen Freizeitpark, sondern echte Landschaft. Still, widerständig, fast ein wenig trotzig.

    Vielleicht liegt genau darin ihre Zukunft.

    Autor: Andreas M. B.

  • Wenn Marseille im Februar aufblüht

    Wenn Marseille im Februar aufblüht

    Schon Ende Februar 2026 liegt über Marseille ein Licht, das sonst erst im April die Fassaden zum Leuchten bringt. Nach Wochen von Mistral und winterlicher Nässe bricht plötzlich die Sonne durch – und mit ihr kehrt etwas zurück, das hier fast so wichtig ist wie das Meer: die gute Laune.

    Am Vieux-Port de Marseille sitzen die ersten wieder in T-Shirts auf den Terrassen. Fischerboote schaukeln im glitzernden Wasser, Möwen kreischen über den Masten, Kellner balancieren Pastis-Gläser zwischen dicht gerückten Stühlen hindurch. „On respire mieux“, sagt eine ältere Dame und klappt ihre Zeitung zu. Man atme besser. Und tatsächlich: Die Schultern sinken, die Stimmen klingen heller, das Lachen trägt weiter über das Hafenbecken.

    Kaum klettert das Thermometer über 15 Grad, verlagert sich das Leben nach draußen. Jogger ziehen ihre Runden, Familien schieben Kinderwagen über die Promenade, Rentner rücken die Stühle in die Sonne. Der Winter, hier selten eisig, aber oft grau und windzerzaust, wirkt mit einem Schlag wie weggeblasen. Ganz ehrlich: Ein bisschen Sonne – und zack, ist die Stadt wie ausgewechselt.

    Wer an solchen Tagen Richtung Parc national des Calanques aufbricht, versteht die Magie sofort. Das Wasser schimmert türkis, als stünde der Hochsommer vor der Tür. Wanderer steigen in kurzen Hosen die weißen Kalkfelsen hinab, manche wagen sogar ein erstes Bad. „Vivifiant!“, rufen sie lachend, belebend. Entlang der Corniche Kennedy sitzen Jugendliche auf der Mauer mit Blick aufs offene Meer, Angler warten geduldig auf den nächsten Biss, Paare schlendern Arm in Arm. Die Stadt öffnet sich wie eine Blüte.

    Marseille trägt Widersprüche im Herzen: Stolz und Selbstkritik, mediterrane Lässigkeit und soziale Spannungen. In den nördlichen Vierteln drücken Arbeitslosigkeit und Perspektivmangel, im Zentrum ringen Politik und Verwaltung um Lösungen für Wohnraum und Infrastruktur. Doch wenn das Licht zurückkehrt, verändert sich der Blick auf all das. Probleme verschwinden nicht, aber sie treten einen Schritt zurück. Man spricht wieder mehr miteinander. Man trifft sich. Man bleibt länger draußen.

    Vor der Basilika Notre-Dame de la Garde stauen sich Besucher für das Panorama. Von oben wirkt die Stadt friedlich: Dächer, Hügel, Meer – ein Mosaik aus Ocker, Blau und Weiß. Psychologen nennen es den „weather effect“: Helligkeit hebt die Stimmung, fördert Zuversicht, stärkt das Gefühl von Gemeinschaft. In Marseille wird daraus fast eine kollektive Inszenierung des Aufatmens.

    Am Abend färbt sich der Himmel rosa, Gesprächsfetzen mischen sich mit dem Klirren von Gläsern. Der Frühling steht offiziell noch aus. Doch in diesen Tagen fühlt er sich schon verdammt nah an.

    Andreas M. Brucker

  • Giftige Erbschaften unter azurblauem Himmel – Marseille startet  große Säuberungsaktion in den Calanques

    Giftige Erbschaften unter azurblauem Himmel – Marseille startet große Säuberungsaktion in den Calanques

    Die Kulisse könnte idyllischer kaum sein: türkisfarbenes Wasser, schroffe Felsen, ein Naturparadies, das seit Jahren als Symbol mediterraner Schönheit gilt. Doch hinter den Postkartenmotiven der Calanques von Marseille verbirgt sich eine Geschichte, die wenig romantisch klingt – eine Geschichte aus Blei, Arsen und altem Industrieschmutz. Am 1. September 2025 begann nun offiziell ein Mammutprojekt, das diesen toxischen Erbschaften den Kampf ansagen soll. 14 Millionen Euro stehen bereit, um 20 der am stärksten belasteten Standorte zwischen Mont Rose und Callelongue zu sanieren. Eine Zahl, die vielversprechend klingt. Aber reicht das aus?

    Schatten der Industriegeschichte Wer heute durch die Calanques wandert, spürt den Atem von Freiheit und Natur. Was man nicht sofort sieht: Unter den Füßen lauert Altlast. Im 19. und 20. Jahrhundert siedelten sich hier Fabriken an, die Blei, Natronlauge oder Weinsäure verarbeiteten. Orte wie Saména, l’Escalette oder Montredon, damals dünn besiedelt, wurd…

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  • Bouches-du-Rhône erneut unter Warnstufe Rot – wenn der Sommer zur Feuerprobe wird

    Bouches-du-Rhône erneut unter Warnstufe Rot – wenn der Sommer zur Feuerprobe wird

    Es ist heiß, es ist trocken – und es weht ein gefährlich starker Wind. Seit dem 3. August 2025 steht das südfranzösische Département Bouches-du-Rhône erneut unter roter Waldbrand-Warnstufe. Météo-France spricht von einem „sehr hohen Risiko“. Der Mistral fegt mit bis zu 80 Stundenkilometern durchs Land, die Tramontane zieht nach – ein meteorologisches Pulverfass. Was das bedeutet? Feuerwehren in Alarmbereitschaft, Evakuierungspläne in der Schublade, ein Sommer, der vor allem eines ist: eine Herausforderung.

    Wälder im Sperrgebiet

    Sechzehn von fünfundzwanzig Wald-Massiven bleiben gesperrt. Keine Spaziergänge, keine Radtouren, keine Bauarbeiten. Wer in Marseille Urlaub macht, muss sich von den Calanques verabschieden – einem der beliebtesten Naturziele der Region. Auch die Alpilles und die Côte Bleue sind tabu. Die Maßnahme trifft Einheimische wie Reisende. Und auch wenn viele enttäuscht sind, stößt die Entscheidung überwiegend auf Verständnis. Die Gefahr ist zu groß.

    Die Sperrung soll verhindern, dass überhaupt ein Feuer ausbricht. Denn wenn es erst einmal brennt, helfen selbst modernste Löschflugzeuge oft kaum noch. Vorbeugen ist also Pflicht – nicht Kür.

    Menschliches Versagen: der ewige Brandbeschleuniger

    Neun von zehn Waldbränden sind menschengemacht. So simpel – und so bitter – ist die Statistik. Eine achtlos weggeworfene Zigarette, ein nicht vollständig gelöschtes Lagerfeuer, ein heißgelaufener Auspuff auf trockenem Gras. Und trotz Verboten, trotz Aufklärung, trotz riesiger Warnschilder an Parkeingängen: Immer wieder werden die Regeln missachtet.

    Die lokalen Waldschutzgruppen – sogenannte „Comités Communaux Feux de Forêts“ (CCFF) – sind rund um die Uhr im Einsatz. Sie kontrollieren Zugänge, sprechen Spaziergänger an, melden verdächtige Rauchentwicklungen. Ohne sie wäre die Lage noch prekärer. Ihr Engagement ist unbezahlbar – und dennoch oft unsichtbar. Wer denkt im Hochsommer an Ehrenamtliche in orangener Weste, die stundenlang in der Hitze patrouillieren?

    Ein Land in Flammen

    Die Bouches-du-Rhône sind kein Einzelfall. Frankreichweit wurden bis Anfang August über 15.000 Hektar Wald und Buschland ein Raub der Flammen. 9.000 Brände – eine Zahl, die einem den Atem raubt. Besonders betroffen ist der gesamte Mittelmeerraum: Var, Vaucluse, Hérault. Regionen, die für Lavendelfelder und Weinberge bekannt sind – und inzwischen auch für Feuerkarten in knalligem Rot.

    Wälder, die jahrzehntelang gewachsen sind, werden in Stunden ausgelöscht. Tiere, die keinen Fluchtweg finden. Menschen, die ihre Häuser verlieren. Die Klimakrise hat aus dem Sommer eine Gefahrenzeit gemacht. Und es gibt keine Entwarnung.

    Urlaub unter Auflagen

    Für Touristinnen und Touristen stellt sich eine neue Frage: Was tun, wenn das Urlaubsparadies plötzlich Sperrgebiet ist? In Marseille wurden geplante Ausflüge in die Calanques abgesagt. Statt Wanderschuhe heißt es nun Badesandalen, statt Naturerlebnis das Freibad um die Ecke.

    Doch viele nehmen es sportlich – im wahrsten Sinne. Sie verstehen, dass Schutz Vorrang hat. Dass es nicht nur um ihren Urlaub geht, sondern um das Überleben ganzer Ökosysteme. Und auch die Tourismusbranche zeigt sich anpassungsfähig: Anbieter organisieren alternative Stadtführungen, Bootsfahrten oder Museenbesuche.

    Der Appell an den gesunden Menschenverstand

    Die Behörden appellieren eindringlich an die Bevölkerung. Kein Feuer im Freien. Kein Rauchen im Wald. Keine riskanten Selfies an gesperrten Aussichtspunkten. Klingt nach Selbstverständlichkeit – ist aber in der Praxis oft Wunschdenken.

    Die Verantwortung liegt bei uns allen. Und auch, wenn man es nicht immer sehen kann: Der Wald dankt es uns.

    Was bleibt? Wachsamkeit – und Hoffnung

    Wie geht es weiter? Die kommenden Tage bleiben kritisch. Solange der Wind nicht nachlässt und die Temperaturen über 35 Grad klettern, bleibt die höchste Alarmstufe bestehen. Die Website der Präfektur aktualisiert täglich die betroffenen Gebiete.

    Doch es gibt auch Hoffnung: auf mehr Bewusstsein, mehr Prävention, mehr Respekt vor der Natur. Denn wer einmal erlebt hat, wie schnell ein Wald in Flammen aufgeht, der weiß, wie wertvoll jeder Baum ist.

    Und vielleicht, nur vielleicht, wird dieser Ausnahme-Sommer zum Wendepunkt. Zum Moment, in dem nicht nur Feuerwehr und Behörden Verantwortung tragen – sondern wir alle.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Marseille und seine waghalsigen Klippenspringer: Zwischen Mut, Risiko und Verantwortung

    Marseille und seine waghalsigen Klippenspringer: Zwischen Mut, Risiko und Verantwortung

    Wo das azurblaue Mittelmeer auf zerklüftete Kalksteinfelsen trifft, beginnt eine Welt, die gleichermaßen betört und beunruhigt. Die Calanques südlich von Marseille sind ein Naturparadies – rau, majestätisch, zerbrechlich. Und sie ziehen Menschen an, die das Extreme suchen.

    Denn was aussieht wie ein Postkartenidyll, ist längst zur Bühne für todesmutige Sprünge, brennende Wälder und einen Kampf um den Erhalt eines einzigartigen Ökosystems geworden.

    Loulou – der Lehrer der Furchtlosen

    Er ist eine Legende in Marseille: Lionel Franc, besser bekannt als „Loulou“. Der Mann, der sich kopfüber aus 36 Metern in die Tiefe stürzte – und dafür einen Weltrekord kassierte. Kein Seil, kein Netz, kein Spielraum für Fehler.

    Heute trainiert der 53-Jährige junge Klippenspringer aus Marseille. Die nennen sich selbst „têtes brûlées“ – Hitzköpfe. Und genau das sind viele von ihnen: junge Männer und Frauen, berauscht von Social-Media-Clips, Adrenalin und der Aussicht auf Ruhm.

    Loulou aber weiß, wie schnell der Traum zum Albtraum wird. Sein eigener Rekordsprung war das Ergebnis von zehn Jahren Training. Zehn Jahre – für ein paar Sekunden Flug.

    Sein Ziel heute? Aufklären, bremsen, schützen. „Ich fühle mich furchtbar verantwortlich“, sagt er in einem Interview. Denn trotz seiner Mahnungen, trotz seiner Kurse – die Unfälle nehmen nicht ab.

    Und die Frage steht im Raum: Wie viele müssen noch springen, bevor einer nicht mehr auftaucht?

    Wenn aus Sommerhitze Flammen werden

    Die Calanques sind nicht nur ein Ort für Extremsportler – sie sind auch ein Pulverfass. Am 31. Mai stand die Calanque de Samena in Flammen. Vier Hektar Vegetation – dahin. Binnen Minuten rückten die Marins-Pompiers aus, jene maritimen Feuerwehrleute, die in Marseille für die Sicherheit an Land und auf See sorgen. Sie hatten das Feuer schnell im Griff – diesmal.

    Doch das war nicht das erste Mal. Und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.

    Seit 2012 gehören die Calanques zu einem Nationalpark – streng geschützt, einzigartig in ihrer biologischen Vielfalt. Doch gegen Zigarettenstummel, illegale Feuerstellen und sommerliche Trockenheit helfen auch Schutzschilder wenig.

    Die Realität: Ein unachtsamer Moment genügt – und die Natur steht in Flammen.

    Wandern, Klettern, Baden, Tauchen – die Calanques sind ein Magnet für Erholungssuchende. Bis zu zwei Millionen Menschen strömen jedes Jahr in das Gebiet zwischen Marseille und Cassis. Eine Belastung, die Spuren hinterlässt.

    Um das fragile Gleichgewicht zwischen Natur und Nutzung zu erhalten, greift der Nationalpark inzwischen zu drastischeren Mitteln. Besucherlimits etwa – besonders in der überlaufenen Calanque de Sugiton. Wer im Sommer dort hin will, muss vorher reservieren.

    Aber nicht alle halten sich daran. Einige ignorieren die Regeln. Andere wissen es gar nicht besser.

    Und doch: Es gibt Hoffnung.

    Einer dieser Hoffnungsschimmer trägt den Namen „Clean My Calanques“. Eine Initiative, die mit Greifzangen, Müllsäcken und guter Laune regelmäßig aufräumt, was andere liegen lassen – Zigaretten, Plastik, Dosen, Flaschen.

    Gegründet von jungen Menschen aus der Region, bringt „Clean My Calanques“ hunderte Freiwillige zusammen. Beim Aufräumen. Beim Informieren. Beim Bewusstmachen. Sie machen das, was sonst keiner macht: Sie zeigen, dass Umweltschutz nicht abstrakt ist – sondern greifbar.

    Ein Vorbild, das Schule machen könnte.

    Was also bleibt von diesem Ort, an dem Natur, Mensch und Risiko so dicht aufeinandertreffen?

    Zum einen: Die unbändige Anziehungskraft einer Landschaft, die zum Träumen einlädt. Zum anderen: Eine alarmierende Zunahme von Gefahren – seien sie sportlich oder ökologisch.

    Die Calanques sind schön. Aber sie sind kein Spielplatz.

    Wer dort springt, wandert oder einfach nur die Sonne genießt, übernimmt Verantwortung – für sich, für andere und für das, was bleibt. Denn in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät, ist der Schutz solcher Orte keine Option mehr.

    Er ist Pflicht.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Elektroschiffe in den Calanques von Marseille: Ein Schritt in die Zukunft

    Elektroschiffe in den Calanques von Marseille: Ein Schritt in die Zukunft

    Die malerischen Calanques von Marseille – ein Ort, der für seine atemberaubenden Klippen und türkisfarbenen Gewässer bekannt ist. Doch in den letzten Jahren wurde die Schönheit dieses Naturparadieses durch die Auswirkungen des Tourismus getrübt. Lärm, Abgase und die Störungen der Tierwelt sind die Kehrseite des Booms. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzen einige der Touristenboote nun auf Elektromotoren – zumindest auf einem Teil ihrer Strecke.

    Der Übergang zur Elektromobilität: Ein leiserer Weg durch die Natur

    Seit vier Monaten testet ein Touristenschiff in Marseille eine neue Technologie: Bei der Einfahrt in den Parc national des Calanques wird der Dieselmotor abgeschaltet, und das Boot fährt vollständig elektrisch weiter. Ein deutlicher Unterschied – nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Passagiere. Ohne das laute Brummen der Motoren können sie die natürliche Schönheit und die Ruhe dieses einzigartigen Ortes viel intensiver erleben.

    Diese Maßnahme dient nicht nur der Verbesserung des Erlebnisses für Touristen. Sie hat auch handfeste ökologische Vorteile: Durch die Umstellung auf Elektromotoren können jährlich bis zu 40.000 Liter Diesel eingespart werden. Das reduziert die Treibhausgasemissionen erheblich und ist ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaschutz.

    Doch warum fährt das Schiff nicht die gesamte Strecke elektrisch? Die Antwort liegt in der Technologie: Die Batterien sind derzeit noch nicht leistungsfähig genug, um die komplette Route abzudecken. Der Wechsel auf Elektroantrieb erfolgt daher nur innerhalb des geschützten Bereichs des Nationalparks. Außerhalb der Calanques übernimmt wieder der Dieselmotor – ein Kompromiss, der zumindest einen Teil der Strecke umweltfreundlicher macht.

    Investitionen für die Zukunft: Ein teurer, aber notwendiger Wandel

    Um diese Innovation möglich zu machen, waren erhebliche Investitionen nötig. Rund 750.000 Euro wurden in den Umbau des Schiffes gesteckt. Sechs leistungsstarke Batterien wurden installiert, die nach jeder Fahrt im Hafen wieder aufgeladen werden. Ein großer Teil dieser Kosten wurde vom Parc national des Calanques selbst getragen – ein klares Zeichen dafür, wie ernst die Verantwortlichen den Schutz dieses einzigartigen Ökosystems nehmen.

    Doch die Umstellung auf Elektroantrieb ist nur der erste Schritt. Obwohl das Schiff im Herzen der Calanques nun fast geräuschlos unterwegs ist, hallt der Lärm der herkömmlichen Motoren von anderen Booten noch immer von den Felsen wider. Dieser Lärm stört die empfindliche Tierwelt der Region, insbesondere die Meeresbewohner, die auf ihre akustische Wahrnehmung angewiesen sind.

    Ein Balanceakt: Tourismus und Naturschutz in Einklang bringen

    Der Einsatz von Elektromotoren in den Calanques ist ein vielversprechender Ansatz, um den Tourismus nachhaltiger zu gestalten. Doch er zeigt auch die Herausforderungen auf, die mit einem solchen Wandel einhergehen. Die Technologie ist noch nicht ausgereift genug, um auf breiter Basis eingesetzt zu werden – das wird deutlich. Gleichzeitig steht fest, dass der Schutz der Natur keine halben Sachen verträgt.

    Man könnte sagen, die Zukunft liegt im leisen Rauschen der Elektromotoren. Aber wie bringt man die Lauten zum Schweigen? Wie überzeugt man alle Betreiber, auf umweltfreundlichere Technologien umzusteigen? Es ist ein langer Weg – doch jeder Schritt zählt.

    Am Ende bleibt die Hoffnung, dass die Schönheit der Calanques noch lange erhalten bleibt – für uns, für die kommenden Generationen und für die Tiere, die dort leben. Denn letztlich sollte die Natur selbst im Mittelpunkt stehen – und nicht der Motorenlärm.

  • Umweltschutz: Erneut Zugangsbeschränkungen für die Calanques bei Marseille

    Umweltschutz: Erneut Zugangsbeschränkungen für die Calanques bei Marseille

    Die Zugangsbeschränkungen für Touristen für den Besuch der Calanques von Marseille sind auch dieses Jahr wieder in Kraft getreten. Ziel ist es, die Natur dieses idyllischen Fleckchens Erde so weit wie möglich zu schützen.

    Eine von der Erosion geformte Landschaft, Kalksteinfelsen über kristallklarem Wasser: Die Calanque de Sugiton am Rande von Marseille (Bouches-du-Rhône) ist ein „besonderer Ort“, wie ein Besucher gegenüber dem Sender France 3 sagt. Jedes Jahr kommen fast drei Millionen Menschen, um diesen Küstenstrich zu entdecken. Nicolas Rossignol ist Ranger des Nationalparks der Calanques und patrouilliert jeden Morgen. Er stellt Verstöße fest und stellt Strafzettel aus, wie z. B. für Radfahrer, die fälschlicherweise dachten, sie dürften auf den Fußwegen auf ihren Drahteseln fahren.

    300 Bußgelder pro Jahr
    Jedes Jahr werden fast 300 Bußgelder verhängt, weil Vorschriften in dieser Postkartenlandschaft, die erhalten unbedingt werden muss, nicht eingehalten werden. Im Sommer sind die Strände regelmäßig überfüllt und seit letztem Jahr muss man einen Platz reservieren, um in den Calanques an den Strand zu dürfen. Auch in diesem Sommer werden nur 400 Personen pro Tag die Calanques durchstreifen dürfen. Um Verschmutzung und Bodenerosion zu bekämpfen, hat der Park auch komplett verbotene Orte eingerichtet und Öko-Polizisten wachen über deren Unversehrtheit.

  • Marseille: Ein Wolfsrudel auf den Anhöhen der Stadt

    Marseille: Ein Wolfsrudel auf den Anhöhen der Stadt

    Ein Wolfsrudel hat sich auf den Anhöhen von Marseille (Bouches-du-Rhône) angesiedelt. Die unmittelbare Nähe zu den Einwohnern wirft die Frage nach einem verträglichen Zusammenleben auf.

    Die Einwohner von Marseille (Bouches-du-Rhône) haben neue Nachbarn. Ein Wolfsrudel hat sich im Parc des Calanques angesidelt. Die unmittelbare Nähe zu der Stadt und ihren Bewohnern wirft die Fragen auf und bringt Probleme mit sich. Ranger Nicolas Rossignol kennt das Rudel, das sich auf den Anhöhen von Marseille niedergelassen hat, am besten. Er sucht jede Woche nach Beweisen für ihre Anwesenheit. Nicolas Rossignol kontrolliert regelmäßig die sechs Fotofallen, um die Wege der Wölfe so gut wie möglich zu verfolgen. Heute leben sieben Wölfe im Park des Calanques.

    Die Wolfsfamilie hat sich inmitten eines Militärgbiets niedergelassen, das kaum von Menschen besucht wird. Dort findet sie Ruhe und reichlich Wild. „Die Art etabliert sich dauerhaft in dem Gebiet. Uns fehlte in dieser Region ein großes Raubtier. Die Nahrungskette ist jetzt geschlossen“, erklärt Nicolas Rossignol auf dem Sender France 2. In La Penne-sur-Huveaune, einer angrenzenden Gemeinde, sind einige Bewohner über die Nähe des Wolfs besorgt, wie Sylvie Politi, eine Besitzerin von Ziegen, die schon von den Wölfen angegriffen wurden. Seit diesem Angriff nimmt die Gemeinde die Dienste eines Försters in Anspruch. Dieser leistet insbesondere pädagogische Arbeit mit den Jugendlichen der Gemeinde. Ein solcher Dialog ist notwendig, um den bösen Wolf zu entmystifizieren.