Schlagwort: Budget 2026

  • Kommentar: Endlich ein Haushalt. Applaus bitte. Die Demokratie aber steht draußen und raucht.

    Kommentar: Endlich ein Haushalt. Applaus bitte. Die Demokratie aber steht draußen und raucht.

    Es hat also geklappt. Frankreich hat wieder einen Haushalt. Man könnte die Champagnerkorken knallen lassen, die Trikolore aus dem Fenster hängen und feierlich verkünden: Der Staat funktioniert noch. Irgendwie. Irgendwo. Irgendwann zwischen zwei Misstrauensanträgen. Doch wer genauer hinschaut, merkt schnell: Das hier ist kein Sieg der demokratischen Vernunft. Es ist ein administrativer Überlebensakt, zusammengezimmert mit der Brechstange der Verfassung und dem stoischen Schulterzucken eines politischen Systems, das sich selbst beim Scheitern noch auf die Schulter klopft.

    Der Mann im Zentrum dieses Schauspiels heißt Sébastien Lecornu. Ein Premierminister, der inzwischen aussieht wie jemand, der gelernt hat, im Dauerbeschuss zu lächeln. Wieder einmal hat er die Misstrauensanträge überlebt. Wieder einmal hat er Artikel 49.3 gezückt, dieses politische Schweizer Taschenmesser, mit dem man Gesetze durchdrückt, wenn Reden, Überzeugen oder Mehrheiten nur stören. Wieder einmal hat das Parlament protestiert, geschimpft, gedroht – und am Ende verloren. Ende gut, Haushalt gut? Wohl kaum.

    Die Assemblée nationale war in diesen Tagen weniger Ort demokratischer Debatte als Bühne eines ritualisierten Machtkampfes. Zwei Misstrauensanträge, viel Pathos, laute Worte, erhobene Zeigefinger. Und dann das altbekannte Ergebnis: zu wenige Stimmen, zu wenig Mut, zu wenig gemeinsame Linie. 22 Stimmen fehlten dem Misstrauensantrag der Linken zur Mehrheit. 22 Stimmen – das ist keine politische Niederlage, das ist ein kollektives Achselzucken mit Ansage. Man war dagegen, aber bitte nicht zu sehr. Man wollte protestieren, aber bloß nicht regieren müssen. Politik als Ausweichmanöver.

    Die Rechte, allen voran das Rassemblement national, spielte ihre Rolle ebenfalls pflichtbewusst. Viel Empörung, wenig Wirkung. 140 Stimmen. Das ist kein Erdbeben, das ist ein politisches Räuspern. Laut genug, um gehört zu werden, zu leise, um etwas zu verändern. Und so stand am Ende wieder fest: Das System hält. Nicht, weil es überzeugt, sondern weil niemand stark genug ist, es zu stürzen.

    Nun wandert der Haushalt weiter zum Sénat, jenem ehrwürdigen Haus der langen Reden und kurzen Illusionen. Dort wird man den Text prüfen, ändern, kritisieren – und am Ende vermutlich genau das tun, was alle erwarten. Ein bisschen Feinschliff hier, ein symbolischer Widerstand dort. Und dann zurück zur Nationalversammlung. Die parlamentarische Navette dreht ihre Runden wie ein Karussell, das niemand mehr spannend findet, aber das halt noch läuft.

    Was hier verkauft wird als institutionelle Stabilität, fühlt sich für viele Bürger eher an wie politische Erschöpfung. Monate des Stillstands, endlose Debatten, ein Haushalt, der dringend gebraucht wurde – und am Ende ein Durchmarsch per Verfassungsparagraph. Das mag legal sein. Elegant ist es nicht. Demokratisch überzeugend schon gar nicht. Es ist die Verwaltung des Mangels an Mehrheiten, nicht der Ausdruck eines gemeinsamen politischen Willens.

    Natürlich kann man argumentieren, dass der Staat handlungsfähig bleiben muss. Dass Rechnungen bezahlt, Beamte entlohnt, Schulen finanziert werden müssen. Alles richtig. Aber die Frage bleibt: Zu welchem Preis? Wenn das Parlament zur Kulisse wird und Artikel 49.3 zum Normalzustand, dann verschiebt sich etwas Grundsätzliches. Dann wird Demokratie zur Formsache, zur technischen Übung. Abstimmen? Optional. Debattieren? Nett, aber nicht entscheidend.

    Und ja, die Opposition trägt ihren Teil zu diesem Trauerspiel bei. Eine zersplitterte Linke, die sich lieber gegenseitig misstraut als gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Eine Rechte, die auf maximale Empörung setzt, aber minimale Kompromissfähigkeit zeigt. Alle warten auf den großen Knall, aber keiner will die Hand am Zünder haben. Man könnte fast lachen, wenn es nicht so unerquicklich wäre. Politik als Warteschleife. Bitte bleiben Sie dran, der nächste Stillstand kommt bestimmt.

    Der Haushalt selbst? Ein Dokument der Vorsicht, der Kürzungen, der unbequemen Wahrheiten. Defizitreduktion, europäische Vorgaben, soziale Versprechen unter Finanzierungsvorbehalt. Niemand liebt diesen Haushalt, nicht einmal seine Architekten. Er ist das Resultat politischer Notwehr, nicht politischer Vision. Ein Haushalt, der sagt: Mehr war nicht drin. Und vielleicht ist genau das das Ehrlichste an ihm.

    Am Ende bleibt ein schaler Nachgeschmack. Ja, Frankreich hat wieder einen Haushalt. Aber der Weg dorthin war gepflastert mit Misstrauen, Machtspielen und verpassten Chancen. Die demokratische Vernunft hat nicht gewonnen. Sie hat zugesehen. Still. Müde. Vielleicht rauchend vor der Tür.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Frankreichs Spagat zwischen Sparzwang und Sozialstaat – was Sébastien Lecornus Budget 2026 wirklich enthält

    Frankreichs Spagat zwischen Sparzwang und Sozialstaat – was Sébastien Lecornus Budget 2026 wirklich enthält

    Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu setzt mit dem Haushaltsentwurf für 2026 ein deutliches Signal: Trotz wachsender Verschuldung und internationalem Druck zur Haushaltskonsolidierung soll der französische Sozialstaat nicht geschwächt, sondern gezielt gestärkt werden – zumindest an ausgewählten Stellen. Möglich wird das durch eine Kombination aus Einsparungen, Steueranpassungen und politischen Zugeständnissen, mit denen sich Lecornu parlamentarische Rückendeckung sichert. Die Verabschiedung des Haushalts erfolgte wie schon im Vorjahr nicht durch eine klassische Parlamentsmehrheit, sondern per Verfassungsartikel 49.3 – ein in Frankreich häufig genutztes, aber umstrittenes Instrument, das es der Regierung erlaubt, ein Gesetz ohne Abstimmung durchzusetzen, sofern keine erfolgreiche Misstrauensabstimmung erfolgt. Zwei solcher Anträge stehen am Dienstag zur Debatte – ihr Scheitern gilt als wahrscheinlich. Steuerpolitische Verschiebungen: Belastung für Konzerne, Schonung für Haushal…

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  • Budget 2026: Frankreich ohne Haushaltsgesetz – das Parlament zieht die Notbremse

    Budget 2026: Frankreich ohne Haushaltsgesetz – das Parlament zieht die Notbremse

    Kurz vor Weihnachten, wenn selbst im politischen Paris die Lichter gedimmt werden und die Gespräche langsamer fließen, fiel am 23. Dezember 2025 eine Entscheidung von bemerkenswerter Tragweite. In der Assemblée nationale hoben sich alle Hände fast gleichzeitig. 496 Stimmen dafür, keine dagegen. Ein seltener Moment der Geschlossenheit in einem Parlament, das sich in den vergangenen Monaten eher als Resonanzraum politischer Spannungen denn als Ort stiller Einigkeit präsentiert hatte. Beschlossen wurde kein klassischer Staatshaushalt, kein dickes Zahlenwerk mit politischen Leitplanken für das kommende Jahr. Stattdessen verabschiedeten die Abgeordneten eine loi spéciale, eine besondere Übergangslösung, die vor allem eines leisten soll: Frankreich bleibt handlungsfähig, auch wenn zum Jahreswechsel kein regulär verabschiedeter Hauhalt für 2026 vorliegt. Das klingt technisch, fast unspektakulär. In Wahrheit markiert dieser Beschluss einen tiefen Einschnitt. Denn ein Staat ohne Haushalt gleich…

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  • Kommentar: Habt ihr es jetzt geschafft, ihr streitbaren Parlamentarier?

    Kommentar: Habt ihr es jetzt geschafft, ihr streitbaren Parlamentarier?

    Manchmal wirkt Politik wie ein schlecht geschriebenes Theaterstück, dessen schlecht gelaunte Darsteller auf der Bühne vergessen haben, warum sie überhaupt dort stehen. Und in diesen Tagen, da sich der Jahreswechsel hartnäckig nähert wie ein unerwünschter Verwandter der Weihnachts-Familienfeier, liefern uns unsere „streitbaren“ Volksvertreter ein Schauspiel, das selbst in einem Provinztheater nur ein müdes Achselzucken provozieren würde.
    Doch diesmal sind die Konsequenzen real. Und sie sind bitter.

    Denn während Frankreichs Haushalte nach langer Wartezeit, nach Formularbergen, nach Kostenvoranschlägen und Energieaudits dachten, sie könnten zum Jahresbeginn mit den Umbauten endlich loslegen, flattert nun eine Nachricht ins Land wie ein kalter Luftzug durch ein schlecht isoliertes Altbauzimmer:
    MaPrimeRénov’ macht ab dem 1. Januar dicht.

    Man reibt sich verwundert die Augen. Wirklich?
    Ja, wirklich.

    Der zuständige Minister tritt vor die Kameras, bemüht gefasst, und erklärt mit bemerkenswerter Nüchternheit, man habe es doch vorher gesagt: „Pas de budget, pas de guichet.“ Kein Budget, kein Schalter. Fast schon poetisch, wenn es nicht so schmerzlich wäre.

    Jetzt könnte man meinen, die Volksvertreter hätten in nächtlichen Sitzungen gerungen, verhandelt, gefeilscht, weil ihnen das Wohl der Bürger am Herzen liegt. Weil sie wissen, wie viel Hoffnung in diesem Programm steckt – für Familien, die ihre Heizkosten in den griff bekommen müssen; für Eigentümer, die den CO₂-Ausstoß senken wollen; für Handwerksbetriebe, die ihre Auftragsbücher füllen.
    Doch nein.
    Stattdessen zerlegen sie alles wie eine schlecht verschraubte Kommode im Möbelhaus.

    Und dann tritt der Minister vor die Kameras und führt aus, die sogenannte „loi spéciale“ sei eben kein echtes Haushaltsgesetz, sondern eher eine rustine, ein Pflaster, das man auf den Kessel klebt, kurz bevor er explodiert. Ein Provisorium also – gerade gut genug, um das Land nicht komplett lahmzulegen, aber nicht so großzügig, dass es besondere Ausgaben zulässt. Und zu genau diesen Ausgaben gehört nun mal MaPrimeRénov’.

    Wäre das eine dieser Anekdoten, die man bei einem Glas Wein weitererzählt, man müsste lachen. Aber es ist keine Anekdote. Es ist eine Entscheidung, die mitten ins Leben eingreift.

    Denn wer sich in den letzten Wochen und Monaten mühsam durch das bürokratische Dickicht gekämpft hat, wer sich von Energieberatern erklären ließ, wie viele Zentimeter Dämmung die Rettung des eigenen Hauses versprechen, wer mit Handwerkern Termine jonglierte, Angebote einholte, vielleicht sogar schon mit dem Nachbarn über Wärmepumpen fachsimpelte – all diese Menschen stehen nun da, wie Kunden vor einem Laden, dessen Tür plötzlich krachend ins Schloss fällt.
    „Wir haben vorübergehend geschlossen. Auf unbestimmte Zeit.“

    Und während der Minister erklärt, man könne die Anträge ja nicht einfach entgegennehmen und später entscheiden, ob überhaupt Geld da ist – „Ça n’aurait pas de sens“ –, bleibt ein bitteres Gefühl zurück. Denn der Sinnverlust liegt nicht im Verfahren, sondern in der Politik, die sich selbst blockiert wie ein überhitzter Computer.

    Es ist ja nicht so, dass die energetische Sanierung ein Randthema wäre.
    Es geht um Klimaziele, um Wohnqualität, um wirtschaftliche Stabilität.
    Es geht um Zukunft – ein großes Wort, das in Paris offenbar derzeit eine eher theoretische Bedeutung hat.

    Ich erinnere mich an Gespräche mit Eigentümern, die auf Partys irgendwann seufzend gestehen, sie hätten ja gerne, wirklich gerne, eine Wärmepumpe eingebaut, aber die Bürokratie… und die Kosten… und die Unsicherheit… Ein Staat, der solche Menschen eigentlich ermutigen müsste, schickt sie nun zurück auf Start. Ohne Trostpreis. Ohne Würstchenbude am Spielfeldrand.

    Und so entsteht dieser Eindruck, der sich leise, aber hartnäckig in die Debatte frisst:
    Dass man den Menschen wieder einmal zeigt, wie man Vertrauen verspielt, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

    Die Politik hätte hier ein Momentum nutzen können, einen Energieschub, vielleicht sogar einen Funken Optimismus in einer Zeit, in der jeder zweite Blick auf die Nachrichten eher die Stimmung drückt. Stattdessen stoppt sie ein Programm, das nicht perfekt, aber notwendig war – und tut dies mit einer Selbstverständlichkeit, die man sonst nur bei Parkplatzkontrollen findet.

    Dabei hätte die Regierung längst einen Haushalt haben können.
    Hätte.
    Ein Wort, das man in Paris inzwischen häufiger hört als „Bonjour“.

    Nun also ruht MaPrimeRénov’.
    Nicht aus Mangel an Bedarf, nicht aus Mangel an Ideen, sondern aus Mangel an politischer Einigung. Ein Paradebeispiel dafür, wie ein Land mit voller Geschwindigkeit auf seine eigenen Füße tritt und sich dann wundert, warum es stolpert.

    Vielleicht, und das ist der sarkastische Unterton des Moments, vielleicht sollten die Parlamentarier den Winter nutzen, um einmal in ihren eigenen Büros die Heizkörper abzustellen. Eiskalte Realität wirkt manchmal erfrischend auf die Kompromissbereitschaft.

    Bis dahin bleibt den Bürgerinnen und Bürgern nur zuzusehen, wie ein Programm, das für viele ein Lichtblick war, im Verwaltungsnebel verschwindet – zumindest vorerst.
    Der Minister ruft dazu auf, den Haushalt „so schnell wie möglich“ zu verabschieden.
    Ein Satz, den man schon so oft gehört hat, dass er längst wie ein SMS-Standardtext klingt.

    Doch die Zeit läuft.
    Und der Januar wartet auf niemanden.

    Vielleicht gelingt es den streitbaren Parlamentariern ja doch noch, den Schalter wieder umzulegen – bevor die Menschen endgültig den Eindruck gewinnen, dass politisches Handeln vor allem darin besteht, Türen zu schließen, die längst hätten offenstehen sollen.

    Ein Kommentar von Andreas M. B.

  • Frankreichs Haushalt 2026: Ein Signal an die Reichen, aber keine Revolution

    Frankreichs Haushalt 2026: Ein Signal an die Reichen, aber keine Revolution

    Frankreichs Regierung will das Haushaltsdefizit senken – und steht dabei unter wachsendem Druck, auch die vermögendsten Bürger stärker in die Pflicht zu nehmen. Im Zentrum des Budgetentwurfs 2026 stehen mehrere steuerpolitische Maßnahmen, die suggerieren: Auch große Vermögen sollen einen höheren Beitrag leisten. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Der finanzielle Effekt dürfte begrenzt bleiben. Die Diskussion um eine gerechtere Vermögensbesteuerung entzündet sich in Frankreich seit Jahren regelmäßig – mit Blick auf die wachsende Vermögenskonzentration im Land und den Abbau des traditionellen Impôt de solidarité sur la fortune (ISF) unter Präsident Macron im Jahr 2018. Die politische Symbolik bleibt hoch, die fiskalische Substanz hingegen ist überschaubar.

    Neue Regeln für „unproduktiven“ Besitz Am auffälligsten ist die geplante Transformation des bisherigen Impôt sur la fortune immobilière (IFI) in ein neues Instrument: Impôt sur la fortune improductive (IFI-i). Diese Steuer soll k…

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  • 70 Tage für einen Kompromiss: Frankreichs riskanter Wettlauf um den Haushalt 2026

    70 Tage für einen Kompromiss: Frankreichs riskanter Wettlauf um den Haushalt 2026

    Der Countdown läuft. Am 14. Oktober 2025 hat die französische Regierung ihren Haushaltsentwurf für 2026 in der Nationalversammlung eingereicht – und ab diesem Tag bleiben genau 70 Tage, um ihn zu verabschieden. Bis spätestens zum 23. Dezember muss das Parlament ein Ergebnis liefern. Verfehlt es diese Frist, droht der Staat in ein Notregime zu rutschen, das ihn auf sogenannte „services votés“ beschränkt – also auf bereits beschlossene Ausgaben ohne jede politische Gestaltungsmöglichkeit. Was ein politisches Armutszeugnis wäre. Frankreich steht damit unter enormem Druck: ein Minderheitskabinett, eine Staatsverschuldung von über 115 % des BIP, und ein zunehmend misstrauischer Blick der Ratingagenturen. Das Zeitfenster für einen Kompromiss ist eng – die Fallhöhe hoch.

    30 Milliarden Euro Kraftakt – aber woher nehmen? Das Ziel klingt nüchtern, die Zahlen aber sind gewaltig: Der Staatshaushalt soll das Defizit 2026 auf „unter fünf Prozent“ des BIP drücken, im besten Fall auf 4,7 %. Dafür pla…

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  • Auf Bewährung: Der zweite Anlauf von Sébastien Lecornu

    Auf Bewährung: Der zweite Anlauf von Sébastien Lecornu

    Frankreichs neuer Premierminister Sébastien Lecornu steht vor einem politischen Stresstest. Nur wenige Tage nach der Ernennung seines zweiten Kabinetts muss sich seine Regierung der Nationalversammlung stellen – ohne stabile Mehrheit, aber mit einem Haushaltsentwurf, der die fragile Balance zwischen fiskalischer Verantwortung und politischem Überleben wahren soll. Die bevorstehende Erklärung Lecornus zur allgemeinen Regierungspolitik dürfte zum Bewährungstest werden. Scheitert Lecornu an der Hürde einer Vertrauensabstimmung oder an einem erfolgreichen Misstrauensvotum, droht erneut der Zusammenbruch seiner Regierung – und womöglich Neuwahlen.

    Ein Haushalt unter Druck Im Zentrum des heutigen Tages steht der Haushaltsentwurf für 2026 – ein Text, der eigentlich technokratisch daherkommt, in Wirklichkeit jedoch hochpolitisch ist. Angesichts der angespannten Lage an den Märkten und eines erwarteten Defizits von 5,4 % des BIP im laufenden Jahr sieht sich die Regierung gezwungen, Konsolidier…

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  • Lecornus letzter Auftritt: Ein Hauch von Neustart – oder nur politisches Durchatmen?

    Lecornus letzter Auftritt: Ein Hauch von Neustart – oder nur politisches Durchatmen?

    Ein Premierminister tritt ab, ein Haushaltsentwurf steht bevor, und über allem schwebt das Wort „Dissolution“ wie ein Damoklesschwert: Sébastien Lecornu, scheidender Regierungschef, hat sich am Mittwochabend auf France 2 der Nation gestellt. Sein Auftritt war mehr als nur ein Interview. Es war eine Bestandsaufnahme im politischen Nebel – mit klaren Signalen, aber auch vielen Leerstellen. Und mittendrin: der Dauerbrenner Rente, das heikle Haushaltsgesetz 2026 und die Frage, ob Frankreich vor einem institutionellen Bruch steht.

    „Das wohl blockierendste Dossier“: Rentenreform bleibt der Knackpunkt Lecornu hat keinen Hehl daraus gemacht: Die Rentenreform ist und bleibt ein Minenfeld. Er spricht davon, dass „sich im Land die Idee verfestigt habe, es habe keine echte Abstimmung gegeben“. Ein Satz, der hängen bleibt. Nicht, weil er überraschend wäre, sondern weil er zeigt, dass selbst im Regierungslager Zweifel an der demokratischen Legitimation des Verfahrens nagen. Doch Lecornu will nicht …

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  • Frankreichs Streikbewegung lahmt – Müde Gewerkschaften, leere Straßen

    Frankreichs Streikbewegung lahmt – Müde Gewerkschaften, leere Straßen

    Die Protestzüge werden dünner. Am 2. Oktober gingen in ganz Frankreich laut Innenministerium nur noch 195.000 Menschen auf die Straße. Die Gewerkschaften sprechen zwar von fast 600.000 – doch egal, welche Zahl man nimmt: Der Trend ist eindeutig. Die Mobilisierung nimmt ab. Und das, obwohl mit dem neuen Haushalt und dem angekündigten Regierungskurs die sozialen Spannungen eigentlich auf dem Höhepunkt sein sollten. Selbst im traditionell streikfreudigen Bildungssektor war die Beteiligung mau. Gerade einmal 4,22 Prozent der Staatsbediensteten machten mit. Ein Alarmsignal für die Gewerkschaften, die sich zunehmend in der Defensive wiederfinden – statt in der Offensive, wie noch vor wenigen Wochen. Symbolpolitik statt Strukturreform Was die Gewerkschaften besonders aufbringt, ist nicht nur die sinkende Teilnehmerzahl – sondern die Reaktion der Regierung. Oder besser gesagt: das, was davon übrig bleibt. Statt eines echten sozialen Kurses gibt es – aus Sicht der Arbeitnehmervertretungen – ein…

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  • Auch Matignon friert seinen Betriebsetat ein – Lecornus Symbolpolitik oder echter Sparkurs?

    Auch Matignon friert seinen Betriebsetat ein – Lecornus Symbolpolitik oder echter Sparkurs?

    Der französische Premierminister Sébastien Lecornu hat angekündigt, dass sein Amtssitz, das Palais Matignon, im kommenden Jahr keine zusätzlichen Betriebsmittel erhält. „Aus Gründen der Exemplarität“, so die offizielle Begründung. Hinter diesem unscheinbar klingenden Satz steckt ein politisches Signal, das weit über die nüchternen Zahlen hinausgeht. Was genau eingefroren wird Betroffen sind alle sogenannten Betriebsausgaben – also jene Posten, die nicht die Gehälter betreffen. Dazu zählen die Kosten für Gebäude, Heizung, den Sprit der Dienstwagen, repräsentative Ausgaben und ähnliche laufende Aufwendungen. Rund 430 Millionen Euro gibt Matignon dafür jährlich aus. Durch den eingefrorenen Etat ergibt sich eine rechnerische Einsparung von etwa vier Millionen Euro. Auf den ersten Blick ist das überschaubar. Weniger als ein Prozent. Kein radikaler Kahlschlag, sondern ein Stoppschild. Neueinstellungen sollen nur noch in Ausnahmefällen erfolgen – Ersatz bei Pensionierungen oder Versetzungen w…

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