Nach einer vergleichsweise ruhigen Nacht richtet sich der Blick in der Gironde erneut sorgenvoll auf das Wetter. Das Großfeuer gilt zwar als stabilisiert, unter Kontrolle ist die Lage jedoch längst nicht. Mehrere Glutnester sind am Dienstagmorgen wieder aufgeflammt. Gleichzeitig steigen die Temperaturen deutlich, während die Luft immer trockener wird – eine Entwicklung, die den Einsatzkräften zusätzliche Schwierigkeiten bereitet.
In den vergangenen Tagen hatten etwas kühlere Luft und eine höhere Luftfeuchtigkeit den Feuerwehrleuten spürbar in die Karten gespielt. Besonders gefährdete Bereiche konnten gesichert und neue Ausbreitungen verhindert werden. Mit der Rückkehr der Hitze endet diese kurze Verschnaufpause. Mehr als 42.000 Hektar Vegetation sind bereits zerstört worden, und die Gefahr weiterer Brände bleibt hoch.
Nicht allein die Temperatur entscheidet über das Risiko. Mindestens ebenso bedeutend ist die Luftfeuchtigkeit. Je trockener die Luft, desto schneller verlieren Gräser, Sträucher und abgestorbene Äste ihre Restfeuchtigkeit. Die ohnehin ausgedörrte Vegetation verwandelt sich dann in leicht entzündliches Material. Schon ein kleiner Funke oder ein verborgenes Glutnest genügt, um neue Flammen zu entfachen.
Gerade diese unsichtbaren Gefahren beschäftigen die Einsatzkräfte besonders. Unter Wurzeln, in Baumstümpfen oder zwischen dichtem Pflanzenmaterial kann Glut über viele Stunden oder sogar Tage erhalten bleiben. Mit steigenden Temperaturen flammt sie erneut auf. Solche Brandherde wurden am Dienstagmorgen zwischen Lacanau und Sainte-Hélène entdeckt und mussten umgehend bekämpft werden.
Neben der Hitze beobachten die Feuerwehrleute aufmerksam die Windentwicklung. Selbst mäßige, aber trockene Winde können das Feuer wieder anfachen. An der Atlantikküste kommt ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzu: Die vom Meer kommende Brise trifft im Landesinneren häufig auf andere Luftströmungen. Dadurch ändern sich Windrichtung und Windstärke mitunter innerhalb weniger Minuten.
Für die Einsatzkräfte bedeutet das ein hohes Risiko. Funken oder brennende Pflanzenteile können über Brandschneisen hinweggetragen werden und weit entfernt neue Feuer entfachen. Solche sogenannten Spotfeuer erschweren die Brandbekämpfung erheblich und binden wertvolle Einsatzkräfte.
Auch aus der Luft wird der Kampf gegen die Flammen komplizierter. Starke thermische Aufwinde und dichter Rauch erschweren den Einsatz von Löschflugzeugen und Hubschraubern. Jeder Wasserabwurf muss präzise erfolgen, um die Mannschaften am Boden wirksam zu unterstützen.
Verstärkung aus mehreren europäischen Ländern soll die Feuerwehr entlasten. Zusätzliche Löschflugzeuge und Hubschrauber treffen in der Gironde ein, während die Wettervorhersagen für Mittwoch örtlich Temperaturen von bis zu 40 Grad erwarten lassen.
Für die zahlreichen Evakuierten bleibt eine Rückkehr vorerst ausgeschlossen. Rund um das Bassin d’Arcachon mussten etwa 220.000 Menschen ihre Unterkünfte verlassen. Solange das Feuer nicht vollständig eingedämmt ist, genügt ein verborgenes Glutnest oder eine trockene Windböe, um die Lage erneut dramatisch zu verschärfen.
C. Hatty

