Schlagwort: Bahnstreik

  • SNCF unter Druck: Der Bahnstreik vom 10. Juni könnte erst der Anfang sein

    SNCF unter Druck: Der Bahnstreik vom 10. Juni könnte erst der Anfang sein

    Der landesweite Streik bei der französischen Staatsbahn SNCF am 10. Juni hat den Bahnverkehr erheblich beeinträchtigt und zugleich die sozialen Spannungen innerhalb des Konzerns sichtbar gemacht. Was zunächst als eintägige Mobilisierung erscheint, könnte sich rasch zu einem längeren Arbeitskampf entwickeln. Darauf deuten die Äußerungen der Gewerkschaft SUD-Rail hin, die bereits angekündigt hat, dass es „selbstverständlich weitere Schritte“ geben werde, sollten die Forderungen der Beschäftigten weiterhin unbeantwortet bleiben.

    Im Zentrum des Konflikts stehen klassische soziale Themen: Löhne, Arbeitsbedingungen und die Organisation des Unternehmens. Die Gewerkschaften kritisieren, dass die Belastung der Beschäftigten in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen sei, ohne dass sich dies ausreichend in der Vergütung niedergeschlagen habe. Gleichzeitig sorgen interne Umstrukturierungen und die fortschreitende Öffnung des französischen Bahnmarktes für Wettbewerb für Verunsicherung unter den Beschäftigten.

    Besonders bemerkenswert ist die ungewöhnlich breite gewerkschaftliche Allianz. Mit CGT, UNSA, CFDT und SUD-Rail haben sich sämtliche repräsentativen Gewerkschaften der SNCF dem Streik angeschlossen. Eine derart geschlossene Front war in den vergangenen Jahren selten zu beobachten. Die Einigkeit verleiht den Forderungen zusätzliches Gewicht und erhöht den Druck auf die Unternehmensführung.

    Hinter dem aktuellen Konflikt steht eine tiefere Debatte über die Zukunft der französischen Eisenbahn. Die schrittweise Liberalisierung des Bahnsektors, die auf europäische Vorgaben zurückgeht, wird von vielen Eisenbahnern als Bedrohung des traditionellen SNCF-Modells wahrgenommen. Sie befürchten einen zunehmenden Wettbewerbsdruck, Stellenabbau sowie eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Die Unternehmensleitung hingegen argumentiert, dass die Reformen notwendig seien, um die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns langfristig zu sichern.

    Der Ton zwischen den Konfliktparteien bleibt bislang angespannt. Julien Troccaz, einer der führenden Vertreter von SUD-Rail, warnte die SNCF-Führung davor, den Konflikt durch eine Strategie des Abwartens eskalieren zu lassen. Bereits am Tag nach dem Streik soll eine gewerkschaftsübergreifende Beratung stattfinden. Zudem ist für den 23. Juni ein Treffen mit SNCF-Präsident Jean Castex vorgesehen. Die Gewerkschaften drängen jedoch auf frühere Gespräche, um eine weitere Zuspitzung der Lage zu verhindern.

    Für die Reisenden waren die Auswirkungen bereits deutlich spürbar. Zahlreiche Hochgeschwindigkeitszüge fielen aus, auch der Intercités-Verkehr wurde stark eingeschränkt. Besonders in der Region Île-de-France kam es zu erheblichen Störungen im Nahverkehr. Die Mobilisierung verdeutlicht damit einmal mehr die zentrale Rolle der Eisenbahn für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Funktionsfähigkeit Frankreichs.

    Die kommenden Wochen dürften entscheidend sein. Sollte die SNCF-Führung auf die Forderungen der Gewerkschaften eingehen und neue Verhandlungen eröffnen, könnte eine Eskalation noch verhindert werden. Bleiben konkrete Zugeständnisse jedoch aus, erscheint eine Fortsetzung der Proteste vor Beginn der Sommerreisezeit durchaus wahrscheinlich. Für die Regierung und die Unternehmensführung würde dies nicht nur ein verkehrspolitisches Problem darstellen, sondern auch zu einem Symbol für die anhaltenden sozialen Spannungen im öffentlichen Dienst werden.

    Autor: P. Tiko

  • SNCF vor neuem Streiksommer: Frankreichs Bahn gerät wieder unter Druck

    SNCF vor neuem Streiksommer: Frankreichs Bahn gerät wieder unter Druck

    Bei der französischen Staatsbahn SNCF zieht erneut ein sozialer Sturm auf. Für den 10. Juni haben die vier wichtigsten Gewerkschaften des Landes zu einem gemeinsamen Streik aufgerufen – ein seltenes Bündnis, das in Frankreich stets als rotes Warnsignal gilt. CGT-Cheminots, SUD-Rail, UNSA-Ferroviaire und CFDT-Cheminots sprechen mit einer Stimme. Dahinter steckt weit mehr als ein gewöhnlicher Tarifkonflikt. Die Gewerkschaften zeichnen ein düsteres Bild der Lage innerhalb des Konzerns. Sie sprechen von hektischen Umstrukturierungen, wachsendem Druck und einem Klima, das viele Beschäftigte zermürbt. Besonders alarmierend wirken Berichte über steigende Krankmeldungen, Arbeitsunfälle und mehrere Suizide unter Bahnmitarbeitern. In den Werkstätten, Stellwerken und Verwaltungsgebäuden der SNCF brodelt es offenbar gewaltig. Dabei geht es längst nicht nur ums Geld. Natürlich fordern die Gewerkschaften höhere Löhne. Die Inflation knabbert auch in Frankreich an vielen Gehältern wie Motten an einem …

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • SNCF-Streik am Dienstag: Zwischen Normalbetrieb und wachsendem Druck auf die Bahnführung

    SNCF-Streik am Dienstag: Zwischen Normalbetrieb und wachsendem Druck auf die Bahnführung

    Trotz eines landesweiten Streikaufrufs der Gewerkschaften CGT-Cheminots und SUD-Rail rechnet die SNCF am Dienstag, dem 13. Januar, mit einem weitgehend normalen Bahnverkehr. Doch hinter der nüchternen Meldung verbirgt sich eine tiefere soziale Spannung: Die Forderungen nach höheren Löhnen, besseren Arbeitsbedingungen und mehr Personal treffen auf eine Bahnführung, die sich auf den Abschluss der jährlichen Lohnverhandlungen zubewegt – unter dem wachsenden Druck ihrer Belegschaft.

    Fast normaler Betrieb – zumindest auf dem Papier

    Laut Mitteilung der SNCF vom Sonntag werde der Verkehr auf den TGV- und Intercités-Strecken planmäßig verlaufen. Auch bei den Regionalzügen (TER) sei mit „quasi normalem Betrieb“ zu rechnen, mit vereinzelten Einschränkungen lediglich in den Regionen Okzitanien und Île-de-France. Ein Szenario, das für Bahnreisende zunächst beruhigend klingt – aber nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass sich die Proteste in einem zentralen Moment der tarifpolitischen Verhandlungen formieren.

    Die Arbeitsniederlegung fällt bewusst auf das Finale der jährlichen verpflichtenden Lohnverhandlungen („négociations annuelles obligatoires“, NAO), deren Ausgang Signalwirkung für die gesamte Branche haben dürfte. Zwar hatte die SNCF-Führung im Dezember eine Sonderprämie an die Belegschaft ausgezahlt, doch sowohl CGT-Cheminots als auch SUD-Rail sehen darin lediglich ein symbolisches Entgegenkommen.

    Forderungen nach Kaufkraftausgleich und strukturellen Reformen

    In einem am 9. Januar veröffentlichten Flugblatt forderte die CGT eine allgemeine Gehaltserhöhung von 12 % sowie ein 13. Monatsgehalt für alle Beschäftigten. Daneben beklagt die Gewerkschaft den strukturellen Personalmangel sowie eine fortschreitende Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Dies betrifft insbesondere die steigende Arbeitsbelastung und eine „unzumutbare Flexibilisierung“ der Tätigkeiten.

    Auch SUD-Rail greift die Thematik auf und fordert pauschal 400 Euro mehr Grundgehalt für sämtliche Beschäftigte. Die Gewerkschaft argumentiert mit einer zunehmenden Vielseitigkeit der Aufgaben und einem wachsendem Druck durch permanente Umstrukturierungen innerhalb des Konzerns. Nach Einschätzung der Gewerkschaft sei es „höchste Zeit für eine echte Revalorisierung“ der Berufsbilder bei der SNCF – sowohl finanziell als auch strukturell.

    Der strukturelle Kontext: Zwischen Marktöffnung und Personalkrise

    Die aktuellen Forderungen lassen sich nicht losgelöst vom übergeordneten Kontext interpretieren. Die SNCF befindet sich in einem doppelten Spannungsfeld: Zum einen schreitet seit 2020 die schrittweise Marktöffnung des französischen Bahnverkehrs im Rahmen der EU-Vorgaben voran – ein Prozess, der zusätzliche Effizienzgewinne, aber auch wachsenden Kostendruck erzeugt. Zum anderen kämpft die SNCF intern mit Nachwuchsproblemen: 2025 blieben laut Angaben des Unternehmens rund 4 000 Stellen unbesetzt, besonders im Bereich der Lokführer, Instandhaltung und Sicherheit.

    Auch der demographische Wandel spielt eine Rolle: Der Altersdurchschnitt der Belegschaft liegt derzeit bei über 45 Jahren, viele erfahrene Fachkräfte stehen kurz vor dem Ruhestand. Ohne gezielte Nachwuchsprogramme droht in den kommenden Jahren eine Verstärkung des Personalengpasses – und damit auch ein weiterer Druck auf die verbliebenen Mitarbeitenden.

    Sozialpartnerschaft auf dem Prüfstand

    Für die SNCF-Führung unter Generaldirektor Jean-Pierre Farandou ist die aktuelle Situation heikel. Einerseits muss sie den wirtschaftlichen Zwängen der Bahnreform und den Erwartungen der Regierung gerecht werden, insbesondere im Hinblick auf die Schuldenreduktion des Konzerns. Andererseits droht ohne ein Entgegenkommen gegenüber den Gewerkschaften eine wachsende soziale Erosion innerhalb des Unternehmens.

    Dass der jetzige Streikaufruf nicht in einem flächendeckenden Stillstand mündet, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich an der Basis Unmut aufbaut. Auch in anderen Sektoren – etwa bei der RATP oder im öffentlichen Dienst – mehren sich die Stimmen, die für 2026 eine stärkere gewerkschaftliche Mobilisierung prognostizieren. In diesem Licht betrachtet erscheint der 13. Januar als ein Testlauf: für die Gewerkschaften ebenso wie für die SNCF.

    Sollte es zu keiner substantiellen Einigung bei den laufenden Verhandlungen kommen, ist mit weiteren – und möglicherweise disruptiveren – Protestaktionen in den kommenden Monaten zu rechnen. Die Gewerkschaften haben bereits signalisiert, dass sie zu einer „langfristigen Mobilisierung“ bereit seien, sollte die Bahnführung keine grundlegenden Zugeständnisse machen.

    Der 13. Januar wird also weniger durch den unmittelbaren Effekt auf den Fahrplan in Erinnerung bleiben als durch seine Rolle als Indikator für die künftige Konfliktlage im französischen Bahnsektor. Die Weichen für ein schwieriges Jahr sind gestellt.

    Autor: P. Tiko

  • Verdeckter Streik bei der SNCF – Wenn Manager zu Schaffnern werden

    Verdeckter Streik bei der SNCF – Wenn Manager zu Schaffnern werden

    Wer dieser Tage mit dem Zug durch Frankreich reisen will, könnte meinen, alles läuft seinen gewohnten Gang. Doch der Schein trügt – denn im Hintergrund brodelt es gewaltig. Von Freitag, dem 9. Mai, bis Sonntag, dem 11. Mai, sind zahlreiche Zugbegleiter der SNCF im Streik. Aufgerufen hat die Gewerkschaft SUD Rail, unterstützt von einem unabhängigen nationalen Kollektiv der Kontrolleure. Es geht um bessere Arbeitsbedingungen und eine stärkere Anerkennung ihrer Rolle – die Forderungen sind altbekannt, doch dieses Mal wurde mit ungewöhnlicher Entschlossenheit mobilisiert. Und trotzdem: Der Bahnverkehr steht nicht still. Im Gegenteil – die SNCF verkündet stolz, dass 90 Prozent der TGV- und Ouigo-Verbindungen wie geplant fahren. Wie passt das zusammen? Die Antwort liegt in einem bemerkenswerten Manöver des Konzerns: Hunderte Führungskräfte, sogenannte „Volontaires d’Accompagnement Occasionnels“ (VAO), wurden kurzerhand in die Züge geschickt, um die streikenden Kontrolleure zu ersetzen. Viele…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Grève SNCF: Viel Lärm um wenig Stillstand?

    Grève SNCF: Viel Lärm um wenig Stillstand?

    Der Wochenendverkehr am langen Wochenende vom 8. bis 11. Mai wird rollen – zumindest laut SNCF-Chef Jean-Pierre Farandou. Trotz eines Streikaufrufs von mehreren Bahngewerkschaften gibt sich die französische Staatsbahn gelassen: „90 % der Züge werden fahren“, so die beruhigende Botschaft vom 6. Mai. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein, oder?

    Die Streikankündigung – punktuell, aber mit Signalwirkung

    Auslöser des Streiks sind vor allem die Lokführer und Kontrolleure – sie fordern bessere Arbeitsbedingungen, zuverlässigere Dienstpläne und eine Gehaltserhöhung. Klingt vertraut? Genau – ähnliche Forderungen gab es bereits mehrfach in den letzten Jahren. Neu ist lediglich der Zeitpunkt: Der Brückentag um den 8. Mai sorgt für besonders hohe Erwartungen bei Reisenden – und entsprechend großen Druck auf die Bahn.

    Dennoch betont die SNCF: Bis 8. Mai sollen TGVs und Ouigo-Züge weitgehend planmäßig fahren. Für das Wochenende vom 9. bis 11. Mai ist sogar eine Quote von neun von zehn Zügen insgesamt angekündigt.

    Kulanz statt Chaos

    Um die Nerven der Reisenden zu schonen, hat die SNCF eine Reihe von Entlastungsmaßnahmen eingeführt. Wer zwischen dem 5. und 11. Mai ein Ticket für Inoui oder Ouigo gekauft hat, kann es kostenlos stornieren oder umbuchen – kein lästiger Papierkram, kein Theater am Schalter.

    Fällt ein Zug ganz aus, gibt’s nicht nur den Ticketpreis zurück, sondern obendrauf einen 50-Prozent-Rabattgutschein für eine künftige TGV-Fahrt – ein klassischer „Zuckerbrot-und-Bahnsteig“-Ansatz, um den Frust zu dämpfen. Der Gutschein gilt übrigens bis zum 29. August – clever kalkuliert in Richtung Sommerferien.

    Die Regionalzüge – der Schwachpunkt im System

    Während die Fernverbindungen also relativ stabil bleiben, sieht es auf den Regional- und Vorortstrecken ganz anders aus. In der Region Île-de-France etwa fahren auf dem RER B Richtung Norden nur 50 % der Züge, Richtung Süden immerhin zwei Drittel. Auch der RER C ist betroffen, ebenso wie die Transilien-Linien N, U und V.

    In den weiteren Regionen ist die Lage noch schwieriger: In Hauts-de-France und Nouvelle-Aquitaine fährt nur jeder dritte TER – da ist Geduld gefragt.

    „Unverständlich“ – sagt die Führung

    Farandou, der Vorstandschef der SNCF, findet die Streikankündigung schlicht „unverständlich“. Aus seiner Sicht gibt es kaum noch Spielraum für Gehaltsforderungen: Seit 2021 seien die Löhne bei der SNCF um fast 20 % gestiegen – die Inflation liege dagegen bei 14,5 %. Außerdem wachse der Personalbestand – allein die Zahl der Kontrolleure habe sich um 11 % erhöht.

    Farandou setzt auf Dialog und kündigt Gespräche mit Gewerkschaftsvertretern für Anfang Juni an. Die Fronten scheinen zwar verhärtet, aber noch nicht unüberwindbar.

    Das große Ganze

    Die gute Nachricht: Der TGV rollt. Wer also über das lange Wochenende quer durch Frankreich reisen möchte, sollte sich nicht gleich im Chaos wiederfinden. Ein kurzer Check per SMS oder E-Mail gibt schnell Auskunft, ob der eigene Zug fährt – und wenn nicht, gibt’s immerhin Ersatzangebote am selben Tag, ohne Aufpreis.

    Die schlechte Nachricht: Wer auf dem Land lebt oder im Pariser Umland pendelt, muss flexibel bleiben. Hier zeigt sich einmal mehr, wie empfindlich Unruhe im System stören kann – gerade dort, wo es auf tägliche Verlässlichkeit ankommt.

    Und jetzt?

    Bleibt die Frage: Handelt es sich um einen gut kalkulierten Warnschuss der Gewerkschaften – oder ist das erst der Anfang einer neuen Welle von Arbeitskämpfen? Der französische Bahnkonzern versucht, das Bild stabil zu halten. Doch langfristig wird er sich den strukturellen Forderungen seiner Belegschaft nicht entziehen können. Und die Fahrgäste? Die wünschen sich vor allem eines – weniger Schlagzeilen, mehr Zuverlässigkeit.

    Von Catherine H.

  • Streik legt den Nahverkehr in der Île-de-France weiter lahm – Besonders RER B und C betroffen

    Streik legt den Nahverkehr in der Île-de-France weiter lahm – Besonders RER B und C betroffen

    Am Dienstag, den 6. Mai 2025, ist der Zugverkehr in der Region Île-de-France weiterhin stark beeinträchtigt. Grund dafür ist ein Streik der SNCF-Mitarbeitenden, zu dem die Gewerkschaften CGT-Cheminots und SUD-Rail aufgerufen haben. Besonders betroffen sind die RER-Linien B und C sowie mehrere Transilien-Strecken – das tägliche Pendeln wird für viele zur Geduldsprobe.


    Was heute fährt – und was nicht

    RER B: Im Norden fährt nur jeder zweite Zug, im Süden immerhin zwei von drei. Die Verbindung an der Gare du Nord bleibt bestehen – doch ab 22:45 Uhr ist zwischen dem Flughafen Charles-de-Gaulle und Mitry-Claye wegen Bauarbeiten komplett Schluss.

    RER C: Auch hier ist der Verkehr stark eingeschränkt – nur jeder zweite Zug ist unterwegs.

    RER D: Zwischen Juvisy und Malesherbes sowie Corbeil-Essonnes und Melun sind zwei von drei Zügen im Einsatz.

    RER E: Leichte Einschränkungen – zwischen Nanterre-la-Folie und Villiers-sur-Marne fährt jeder zweite Zug.

    Transilien-Netz:

    • Linie H: Vier von fünf Zügen fahren, außer zwischen Pontoise und Creil – dort bleibt es still.
    • Linie N: Nur jeder zweite Zug unterwegs.
    • Linie U: Zwei Drittel der geplanten Fahrten finden statt.
    • Linie V: Ebenfalls nur jeder zweite Zug fährt.

    Nicht betroffen: Die Linien J, K, L, P, R sowie der RER A und die Tramlinien T12 und T13 laufen nach Plan.


    Hintergrund des Streiks

    Auslöser der Proteste sind unzufriedenstellende Arbeitsbedingungen bei der SNCF. Die Gewerkschaften prangern kurzfristige Dienstplanänderungen und mangelnde Planbarkeit an. Auch unzureichende Vergütung steht zur Debatte.

    Christophe Fanichet, Präsident von SNCF Voyageurs, versicherte, dass der Fernverkehr nicht betroffen sei – TGV-Züge fahren zwischen dem 5. und 8. Mai planmäßig. Auch an den Tagen danach, vom 9. bis 11. Mai, werde mit nur geringen Einschränkungen gerechnet.


    Was Reisende jetzt tun können

    Die SNCF rät dringend dazu, sich vor Fahrtantritt über aktuelle Änderungen zu informieren – etwa über die offiziellen Websites oder Apps von SNCF und Transilien. Auch zusätzliche Reisezeit sollte eingeplant werden, um Verspätungen aufzufangen. Wer kann, sollte auf alternative Verkehrsmittel wie Fahrrad, Fahrgemeinschaften oder Homeoffice ausweichen.


    Ein wiederkehrendes Problem

    Der Streik reiht sich ein in eine Serie wiederkehrender Arbeitskämpfe im französischen Bahnsektor – mit Auswirkungen, die besonders Pendler in der Metropolregion Paris empfindlich treffen. Ob sich bald eine Einigung abzeichnet, ist offen. Die Gespräche zwischen Gewerkschaften und Management bleiben angespannt.

    Von Catherine H.

  • SNCF: Droht Frankreich im Mai das große Bahnchaos?

    SNCF: Droht Frankreich im Mai das große Bahnchaos?

    Mai steht in Frankreich traditionell für verlängerte Wochenenden – und seit jeher auch für soziale Spannungen. Dieses Jahr könnte es ganz besonders turbulent werden. Gleich mehrere Gewerkschaften der französischen Staatsbahn SNCF rufen zu Streiks auf – und das ausgerechnet vor und während des langen Wochenendes rund um den 8. Mai. Die Aussichten auf eine reibungslose Reisezeit? Ziemlich getrübt.


    Wer steckt hinter dem Streikaufruf?

    Den Anfang machte SUD-Rail. Die Gewerkschaft ist bekannt für ihren kämpferischen Kurs und rief schon Anfang April zur Mobilisierung auf. Schnell folgte ein informeller, aber schlagkräftiger Zusammenschluss von Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern – derselbe, der bereits Weihnachten 2022 und im Februar 2024 für mächtig Wirbel auf den Schienen gesorgt hatte.

    Auch Force Ouvrière, die fünftgrößte Gewerkschaft bei der SNCF, schloss sich dem Aufruf an. Und als dann noch die CGT-Cheminots einstieg – die stärkste Gewerkschaft im Unternehmen –, war klar: Das wird keine Randnotiz. Zum ersten Mal richtet sich der Streikaufruf nicht nur an das Bordpersonal, sondern auch an die Lokführer.


    Wann wird gestreikt?

    Die Planungen sind taktisch klug gewählt. SUD-Rail und der erwähnte Kontrolleurskollektiv rufen zur Arbeitsniederlegung vom Mittwoch, 7. Mai, bis einschließlich Sonntag, 11. Mai, auf. Der Donnerstag, 8. Mai, selbst ist ein gesetzlicher Feiertag – der Streik schließt ihn also ein, was juristisch relevant sein könnte.

    Die CGT-Cheminots legt allerdings noch eine Schippe drauf: Sie will bereits am Montag, den 5. Mai, mit dem Streik beginnen. Das bedeutet: Wer am Anfang der Woche pendeln oder verreisen will, sollte sich warm anziehen. Der Bahnverkehr könnte bis zu sieben Tage lang durcheinandergewirbelt werden.


    Was fordern die Beschäftigten?

    Es geht – wie so oft – ums Geld. Aber nicht nur. Die Gewerkschaften prangern unfaire Arbeitsbedingungen an, etwa kurzfristige Dienstplanänderungen, die das Privatleben der Mitarbeitenden regelmäßig über den Haufen werfen.

    Für das Zugpersonal fordert die CGT eine deutliche Anhebung der sogenannten „prime de travail“ – einer Arbeitszulage, die derzeit als nicht mehr zeitgemäß empfunden wird. Und die neuen digitalen Planungssysteme? Laut Gewerkschaft führen sie zu Verwirrung, Stress und einer Verschlechterung der Kommunikation zwischen Führungspersonal und Mitarbeitenden.

    Auch die Lokführer pochen auf Nachbesserung – insbesondere bei der sogenannten „prime traction“, einer kilometerbasierten Prämie, die trotz gestiegener Belastung seit Jahren nicht angepasst wurde. „Ein veraltetes, ungerechtes System“, klagt Axel Persson, Sprecher der CGT-Cheminots für Trappes und Rambouillet.


    Wie groß werden die Auswirkungen sein?

    Noch lässt sich schwer abschätzen, wie heftig der Streik den Bahnverkehr treffen wird. Doch klar ist: Die CGT und SUD-Rail gemeinsam repräsentieren über 50 Prozent der Mitarbeitenden der SNCF – das heißt, wenn sie mobilisieren, hat das Gewicht. Force Ouvrière kommt noch obendrauf.

    Die beiden anderen großen Gewerkschaften, Unsa (22,1 %) und CFDT (15,94 %), halten sich bisher zurück – was die Lage etwas entschärfen könnte. Doch ob das reicht?


    Und die SNCF?

    Die Unternehmensleitung versucht, ruhig zu bleiben. Man setze auf „sozialen Dialog“, erklärte SNCF-Chef Christophe Fanichet – und zeigte sich Anfang April bei einem Radiointerview noch „sehr zuversichtlich“, dass dieser Dialog zu einem guten Ergebnis führen werde.

    Doch hinter den Kulissen ist die Nervosität spürbar. Denn im Jahr 2025 ist die SNCF nicht mehr Monopolist, sondern muss sich gegen private Anbieter behaupten. Ein ausgedehnter Streik zur Ferienzeit? Ein gefundenes Fressen für die Konkurrenz – und eine Ohrfeige für das eigene Image.


    Was bedeutet das für die Fahrgäste?

    Ganz ehrlich? Wer im Mai verreisen will, sollte sich Alternativen bereithalten. Auch wenn noch nicht offiziell bekannt ist, wie stark die Ausfälle sein werden – bei dieser Konstellation kann es richtig ungemütlich auf den Bahnsteigen werden.

    Und wer denkt, das sei doch jedes Jahr dasselbe, der irrt: Die aktuelle Bündelung mehrerer Gewerkschaften und Berufsgruppen, gepaart mit den ohnehin angespannten wirtschaftlichen Bedingungen, deutet auf einen Konflikt mit Potenzial zur Eskalation hin.

    Catherine H.

  • Bahnstreik zum 8. Mai: Gewerkschaft CGT-Cheminots ruft zur Lohnschlacht auf

    Bahnstreik zum 8. Mai: Gewerkschaft CGT-Cheminots ruft zur Lohnschlacht auf

    Ein langes Mai-Wochenende steht vor der Tür – doch auf Frankreichs Schienen droht Stillstand. Der Gewerkschaftsverband CGT-Cheminots hat gemeinsam mit Sud-Rail zu Streiks rund um den 8. Mai aufgerufen. Die zentrale Forderung: eine spürbare Aufwertung der Gehälter für Lokführer und Kontrolleure.

    „Der Moment ist gekommen“

    „Was uns eint, ist die Überzeugung, dass jetzt der Moment ist, die Lohnfrage zu stellen“, erklärt Axel Persson, Lokführer und Generalsekretär des CGT-Syndikats der Bahnmitarbeiter in Trappes und Rambouillet. Laut ihm sei die Streikbereitschaft hoch – besonders in den Berufsgruppen Lokführung und Zugbegleitung. Der Startschuss soll am 5. Mai fallen.

    Bereits Sud-Rail hatte zuvor die Kontrolleure zum Arbeitskampf aufgerufen – mit gezielten Streiktagen am 7., 9., 10. und 11. Mai. Nun zieht die CGT nach – mit breiter Rückendeckung aus der Belegschaft.

    Löhne, Arbeitszeiten, Belastung

    Neben der Frage der Lohnerhöhung geht es um tiefere strukturelle Probleme. Die Lokführer klagen über kurzfristige Schichtänderungen, chaotische Einsatzplanung und eine dadurch massiv beeinträchtigte Work-Life-Balance. „Wenn man eigentlich um 14 Uhr Feierabend hätte, aber plötzlich bis 20 Uhr arbeitet – wie soll man da ein normales Leben führen?“, fragt Persson rhetorisch.

    Der Streik sei also mehr als ein Ruf nach mehr Geld – es sei ein Aufschrei gegen ein System, das sich seit Jahren auf dem Rücken der Beschäftigten stabilisiert. Die Kernforderung: Schluss mit einer Betriebsführung, die Dauerstress zum Normalzustand macht.

    „Veraltetes Prämienmodell“

    Ein weiterer Kritikpunkt ist das sogenannte Prämiensystem bei der SNCF. Dieses basiert auf Leistungskennzahlen wie der Anzahl gefahrener Kilometer. „Diese Prämien wurden seit Jahrzehnten nicht angepasst – obwohl unsere Arbeitsbelastung deutlich gestiegen ist“, betont der Gewerkschafter. Die CGT hält das System für „ungerecht und überholt“.

    Zudem habe sich die Produktivität der Lokführer erhöht – aber ohne entsprechende finanzielle Anerkennung. Die Streiks sollen daher auch dieses „systemische Versäumnis“ in den Fokus rücken.

    Streiken – auch am langen Wochenende

    Der gewählte Zeitpunkt rund um den 8. Mai – in Frankreich ein Feiertag – sorgt für Kritik. Doch Axel Persson kontert: „Es gibt nie einen guten Zeitpunkt für einen Streik – zumindest nicht aus Sicht derjenigen, die sich gegen Arbeitskämpfe aussprechen.“ Der Streik solle wirksam sein, und das sei er nur, wenn er spürbar sei. Die Gewerkschaft setze auf den Druck der Öffentlichkeit – und auf einen Monat Zeit für die SNCF, um eine Einigung zu erzielen.

    Und jetzt?

    Die nächsten Wochen könnten für Bahnreisende in Frankreich ungemütlich werden. Besonders, wenn die Gespräche mit der SNCF keine Fortschritte bringen. Die CGT scheint entschlossen, den Druck aufrechtzuerhalten. Und die Basis – so klingt es – steht bereit.

    Von C. Hatty