Schlagwort: bahnreform

  • Streik bei der SNCF: Warum Frankreichs Eisenbahner auf die Barrikaden gehen

    Streik bei der SNCF: Warum Frankreichs Eisenbahner auf die Barrikaden gehen

    Frankreichs Bahn steht erneut still. Am Mittwoch haben die Beschäftigten der SNCF zu einem landesweiten Streik aufgerufen. Bemerkenswert ist dabei vor allem die ungewöhnliche Geschlossenheit der Gewerkschaften. Erstmals seit Ende 2024 ziehen die vier großen Arbeitnehmervertretungen gemeinsam an einem Strang. Dahinter steckt weit mehr als die klassische Forderung nach höheren Löhnen. Der Ärger reicht tief in die Strukturen des französischen Bahnkonzerns hinein. Wieder stehen die Gehälter offiziell im Mittelpunkt der Proteste. Viele Eisenbahner beklagen seit Jahren einen schleichenden Kaufkraftverlust. Die Preissteigerungen bei Energie, Wohnen und Lebensmitteln hätten die Einkommenszuwächse der vergangenen Jahre längst aufgezehrt. Aus Sicht der Gewerkschaften spiegeln die aktuellen Gehälter weder die Belastungen des Berufs noch die Leistungen der Beschäftigten angemessen wider. Die Konzernführung sieht die Lage naturgemäß anders. Sie verweist auf bereits umgesetzte Maßnahmen zur Unterstü…

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  • SNCF-Streik am Dienstag: Zwischen Normalbetrieb und wachsendem Druck auf die Bahnführung

    SNCF-Streik am Dienstag: Zwischen Normalbetrieb und wachsendem Druck auf die Bahnführung

    Trotz eines landesweiten Streikaufrufs der Gewerkschaften CGT-Cheminots und SUD-Rail rechnet die SNCF am Dienstag, dem 13. Januar, mit einem weitgehend normalen Bahnverkehr. Doch hinter der nüchternen Meldung verbirgt sich eine tiefere soziale Spannung: Die Forderungen nach höheren Löhnen, besseren Arbeitsbedingungen und mehr Personal treffen auf eine Bahnführung, die sich auf den Abschluss der jährlichen Lohnverhandlungen zubewegt – unter dem wachsenden Druck ihrer Belegschaft.

    Fast normaler Betrieb – zumindest auf dem Papier

    Laut Mitteilung der SNCF vom Sonntag werde der Verkehr auf den TGV- und Intercités-Strecken planmäßig verlaufen. Auch bei den Regionalzügen (TER) sei mit „quasi normalem Betrieb“ zu rechnen, mit vereinzelten Einschränkungen lediglich in den Regionen Okzitanien und Île-de-France. Ein Szenario, das für Bahnreisende zunächst beruhigend klingt – aber nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass sich die Proteste in einem zentralen Moment der tarifpolitischen Verhandlungen formieren.

    Die Arbeitsniederlegung fällt bewusst auf das Finale der jährlichen verpflichtenden Lohnverhandlungen („négociations annuelles obligatoires“, NAO), deren Ausgang Signalwirkung für die gesamte Branche haben dürfte. Zwar hatte die SNCF-Führung im Dezember eine Sonderprämie an die Belegschaft ausgezahlt, doch sowohl CGT-Cheminots als auch SUD-Rail sehen darin lediglich ein symbolisches Entgegenkommen.

    Forderungen nach Kaufkraftausgleich und strukturellen Reformen

    In einem am 9. Januar veröffentlichten Flugblatt forderte die CGT eine allgemeine Gehaltserhöhung von 12 % sowie ein 13. Monatsgehalt für alle Beschäftigten. Daneben beklagt die Gewerkschaft den strukturellen Personalmangel sowie eine fortschreitende Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Dies betrifft insbesondere die steigende Arbeitsbelastung und eine „unzumutbare Flexibilisierung“ der Tätigkeiten.

    Auch SUD-Rail greift die Thematik auf und fordert pauschal 400 Euro mehr Grundgehalt für sämtliche Beschäftigte. Die Gewerkschaft argumentiert mit einer zunehmenden Vielseitigkeit der Aufgaben und einem wachsendem Druck durch permanente Umstrukturierungen innerhalb des Konzerns. Nach Einschätzung der Gewerkschaft sei es „höchste Zeit für eine echte Revalorisierung“ der Berufsbilder bei der SNCF – sowohl finanziell als auch strukturell.

    Der strukturelle Kontext: Zwischen Marktöffnung und Personalkrise

    Die aktuellen Forderungen lassen sich nicht losgelöst vom übergeordneten Kontext interpretieren. Die SNCF befindet sich in einem doppelten Spannungsfeld: Zum einen schreitet seit 2020 die schrittweise Marktöffnung des französischen Bahnverkehrs im Rahmen der EU-Vorgaben voran – ein Prozess, der zusätzliche Effizienzgewinne, aber auch wachsenden Kostendruck erzeugt. Zum anderen kämpft die SNCF intern mit Nachwuchsproblemen: 2025 blieben laut Angaben des Unternehmens rund 4 000 Stellen unbesetzt, besonders im Bereich der Lokführer, Instandhaltung und Sicherheit.

    Auch der demographische Wandel spielt eine Rolle: Der Altersdurchschnitt der Belegschaft liegt derzeit bei über 45 Jahren, viele erfahrene Fachkräfte stehen kurz vor dem Ruhestand. Ohne gezielte Nachwuchsprogramme droht in den kommenden Jahren eine Verstärkung des Personalengpasses – und damit auch ein weiterer Druck auf die verbliebenen Mitarbeitenden.

    Sozialpartnerschaft auf dem Prüfstand

    Für die SNCF-Führung unter Generaldirektor Jean-Pierre Farandou ist die aktuelle Situation heikel. Einerseits muss sie den wirtschaftlichen Zwängen der Bahnreform und den Erwartungen der Regierung gerecht werden, insbesondere im Hinblick auf die Schuldenreduktion des Konzerns. Andererseits droht ohne ein Entgegenkommen gegenüber den Gewerkschaften eine wachsende soziale Erosion innerhalb des Unternehmens.

    Dass der jetzige Streikaufruf nicht in einem flächendeckenden Stillstand mündet, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich an der Basis Unmut aufbaut. Auch in anderen Sektoren – etwa bei der RATP oder im öffentlichen Dienst – mehren sich die Stimmen, die für 2026 eine stärkere gewerkschaftliche Mobilisierung prognostizieren. In diesem Licht betrachtet erscheint der 13. Januar als ein Testlauf: für die Gewerkschaften ebenso wie für die SNCF.

    Sollte es zu keiner substantiellen Einigung bei den laufenden Verhandlungen kommen, ist mit weiteren – und möglicherweise disruptiveren – Protestaktionen in den kommenden Monaten zu rechnen. Die Gewerkschaften haben bereits signalisiert, dass sie zu einer „langfristigen Mobilisierung“ bereit seien, sollte die Bahnführung keine grundlegenden Zugeständnisse machen.

    Der 13. Januar wird also weniger durch den unmittelbaren Effekt auf den Fahrplan in Erinnerung bleiben als durch seine Rolle als Indikator für die künftige Konfliktlage im französischen Bahnsektor. Die Weichen für ein schwieriges Jahr sind gestellt.

    Autor: P. Tiko

  • Jean Castex und die SNCF: Ein riskanter Machtwechsel auf den Schienen

    Jean Castex und die SNCF: Ein riskanter Machtwechsel auf den Schienen

    Jean Castex, einst Premierminister, heute Chef der Pariser Verkehrsbetriebe RATP – und nun womöglich bald der neue starke Mann bei der SNCF. Emmanuel Macron hat ihn offiziell vorgeschlagen. Klingt nach einer logischen Personalie, doch wer genauer hinschaut, erkennt schnell: Diese Ernennung ist weit mehr als ein simpler Karriereschritt. Sie ist ein politisches Signal, ein gesellschaftliches Risiko – und eine gigantische Herausforderung für den Mann, der künftig das Rückgrat der französischen Mobilität lenken soll.

    Ein Karrieresprung mit doppeltem Boden Castex bringt Erfahrung mit: Verwaltung, Politik, Verhandlungen. Schon 2019 war er im Gespräch für den Posten an der Spitze der Bahn, aber erst mit der RATP gelang ihm der Einstieg ins Transportwesen. Jetzt also der Sprung von der Hauptstadt auf die nationale Bühne. Doch so glatt der Weg klingt – so knifflig ist er. Denn sofort kommen kritische Fragen auf: Droht ein Interessenkonflikt zwischen der RATP, die selbst Ambitionen auf Regional…

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