Schlagwort: Bäume

  • Niort setzt auf Grün statt Beton: Wie sich eine französische Stadt gegen die Hitze wappnet

    Niort setzt auf Grün statt Beton: Wie sich eine französische Stadt gegen die Hitze wappnet

    Die Sommer in Frankreich werden heißer, Hitzewellen treten häufiger auf und belasten Städte zunehmend. Niort zählt zu den Kommunen, die ihre öffentlichen Räume langfristig an diese Entwicklung anpassen. Statt ausschließlich auf kurzfristige Notfallmaßnahmen zu setzen, verfolgt die Stadt ein umfassendes Konzept, das Natur, moderne Infrastruktur und soziale Vorsorge miteinander verbindet.

    Im Mittelpunkt dieser Strategie stehen Bäume und Grünflächen. Seit mehreren Jahren investiert die Stadt gezielt in die Renaturierung öffentlicher Plätze und Straßen. Die Überzeugung dahinter ist einfach: Dichte Vegetation zählt zu den wirksamsten Mitteln, um die Temperaturen in dicht bebauten Stadtgebieten spürbar zu senken. Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt in den Gärten der Brèche. Dort fällt die gefühlte Temperatur an heißen Tagen um mehrere Grad niedriger aus als auf vollständig versiegelten Flächen. Dieses Prinzip soll nun Schritt für Schritt auf weitere Stadtteile übertragen werden, damit ein zusammenhängendes Netz sogenannter Frischeinseln entsteht.

    Ergänzt wird das Konzept durch mobile Maßnahmen. Während extremer Hitze installiert die Stadt an stark frequentierten Orten im Zentrum Nebelduschen. Sie verschaffen Passanten eine sofortige Abkühlung und sorgen gerade während der Mittagsstunden für etwas Erleichterung. Zusätzlich informiert eine Übersichtskarte über Parks, Gärten, klimatisierte Gebäude und andere Orte, an denen sich die Bevölkerung vor der Hitze schützen kann.

    Auch große Sommerveranstaltungen passen sich den veränderten klimatischen Bedingungen an. Für die Ausgabe von „Niort Plage“ im Jahr 2026 wurde das Veranstaltungsgelände gezielt in stärker bewaldete Bereiche des Parks Pré-Leroy erweitert. Zusätzliche Nebelduschen verbessern den Aufenthalt für Besucher. Darüber hinaus richten sich Öffnungszeiten und das Veranstaltungsprogramm flexibel nach den jeweiligen Temperaturen. So bleibt das Angebot attraktiv, ohne die Gesundheit der Gäste aus dem Blick zu verlieren.

    Die Anpassung endet jedoch nicht bei der Stadtgestaltung. Während besonders heißer Tage aktiviert die Stadtverwaltung einen umfassenden Schutzplan für gefährdete Menschen. Ein klimatisierter Aufenthaltsbereich steht zur Verfügung, einzelne kommunale Dienstleistungen arbeiten mit angepassten Öffnungszeiten, und registrierte Seniorinnen, Senioren sowie andere besonders gefährdete Personen erhalten regelmäßige Telefonanrufe. In besonders schweren Hitzephasen werden täglich mehr als 400 Menschen kontaktiert. Ein dauerhaft geführtes Register umfasst rund 1.600 Einwohner, die bei Bedarf schnell Unterstützung erhalten.

    Niort zeigt damit eindrucksvoll, wie sich Städte auf den Klimawandel einstellen können. Bäume erfüllen längst nicht mehr nur eine gestalterische Funktion, sondern entwickeln sich zu einem wichtigen Bestandteil der öffentlichen Gesundheitsvorsorge. Gemeinsam mit technischen Lösungen und einer vorausschauenden Organisation entsteht ein Konzept, das den Alltag der Menschen auch während extremer Hitze deutlich lebenswerter macht.

    Autor: Andreas M. B.

  • Paris im Ausnahmezustand: Gewaltige Unwetter zerstören hunderte Bäume – alle Parks geschlossen

    Paris im Ausnahmezustand: Gewaltige Unwetter zerstören hunderte Bäume – alle Parks geschlossen

    Es war eine Nacht, die Paris so schnell nicht vergessen wird.

    Zwischen dem 25. und 26. Juni fegten orkanartige Böen mit bis zu 120 km/h durch die französische Hauptstadt.

    Eine Naturgewalt, die binnen Stunden das vertraute Stadtbild veränderte.

    Rund 500 bis 1.000 Bäume wurden laut ersten Schätzungen schwer beschädigt oder entwurzelt – vor allem in den westlichen Arrondissements: dem 15., 16. und 17. Darunter viele altehrwürdige Baumriesen, die teils über hundert Jahre alt waren.

    Ein schmerzhafter Verlust – für die Stadt, ihre Bewohnerinnen und Bewohner, für das Klima.

    Die Stämme gesplittert, Kronen abgerissen, ganze Bäume lagen quer über Straßen und Bürgersteige. Die Stadtverwaltung zog noch in der Nacht die Notbremse. Alle Parks und Gärten wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen.

    Eine Maßnahme ohne Ablaufdatum.

    Denn bevor auch nur ein Parktor wieder öffnet, müssen Fachleute jeden Baum überprüfen und sichern.

    „Unsere Teams sind mobilisiert“, erklärte die Pariser Bürgermeisterin. Überall in der Stadt waren seit den frühen Morgenstunden des Donnerstags Arbeiter unterwegs, um herabgestürzte Äste zu entfernen, Straßen freizuräumen, beschädigte Bäume zu fällen oder zu stützen. Eine Mammutaufgabe – mit schwerem Gerät, Sägen, Hebebühnen.

    Und der bangen Frage: Wann wird es wieder sicher sein, unter den Baumkronen im Park spazieren zu gehen?

    Denn was passiert, wenn der nächste Sturm folgt? Die Schäden zeigen schonungslos, wie verletzlich große Städte gegenüber Extremwetterereignissen sind. Städte, in denen uralte Baumriesen in kurzer Zeit zu potenziellen Gefahrenquellen werden können.

    Doch es geht um mehr als reine Sicherheit.

    Die Verwundbarkeit der Bäume offenbart auch die Folgen eines sich verändernden Klimas. Immer häufiger treffen Sturmfronten und Gewitterzellen auf Böden, die nach Hitzewellen ausgetrocknet sind und damit auch auf geschwächte Wurzeln.

    Ein Teufelskreis, der die Arbeit der Stadtgärtner und Baumexperten zunehmend erschwert.

    Für die Menschen in Paris bedeutet die Parkschließung eine Zäsur im Alltag. Kein morgendlicher Lauf unter Kastanien. Kein Picknick im Jardin du Luxembourg. Kein stiller Rückzugsort im Bois de Boulogne.

    Die Stadtverwaltung rät dringend, alle bewaldeten oder von großen Bäumen gesäumten Bereiche zu meiden, bis die Gefahr gebannt ist. Denn lose Äste und angeschlagene Baumkronen bleiben noch Tage, teils Wochen, instabil.

    Parallel laufen Gespräche über die Zukunft der Pariser Stadtbäume. Wie können sie besser geschützt, gepflegt und an die klimatischen Veränderungen angepasst werden? Mehr regelmäßige Kontrollen? Robustere Arten? Oder gar weniger hohe Bäume an stark frequentierten Wegen?

    Noch bleibt also offen, wann die Parks wieder öffnen. Die Informationen dazu veröffentlicht die Stadt Paris fortlaufend auf ihrer Website und in sozialen Netzwerken.

    Bis dahin heißt es für alle Pariserinnen und Pariser: Abwarten – und hoffen, dass ihre grünen Oasen bald wieder begehbar werden.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Marseille im Hitzestress: Die schwierige Aufgabe, die Stadt zu begrünen

    Marseille im Hitzestress: Die schwierige Aufgabe, die Stadt zu begrünen

    Marseille kämpft gegen die Hitze – mit einer grünen Offensive.

    Marseille, eine Stadt, die für ihre heiße Sonne und das strahlend blaue Mittelmeer bekannt ist, wird zunehmend mit einem neuen, weniger willkommenen Image konfrontiert: Hitzewellen, die regelmäßig über die Stadt hinwegfegen und ihre Bewohner zwingen, sich in den kargen Schatten zurückzuziehen. Das Département Bouches-du-Rhône ist oft besonders stark betroffen. Angesichts dieser Herausforderungen sucht die Stadt nach Lösungen, um den städtischen Raum an die immer extremeren klimatischen Bedingungen anzupassen.

    Kleine Schritte in die richtige Richtung

    Wer durch das Zentrum von Marseille spaziert, wird schnell feststellen, dass die Stadt im Vergleich zu anderen Großstädten überraschend wenig grün ist. „Béton, Béton und nochmals Béton“, beschwert sich eine Anwohnerin am Vieux-Port. Was einst vielleicht ein schattiges Paradies war, ist nun eine steinige Landschaft, die kaum Schutz vor der erbarmungslosen Sonne bietet. Die aktuelle Stadtverwaltung hat erkannt, dass dieses Problem nicht länger ignoriert werden kann. Seit vier Jahren arbeitet sie an einem umfassenden Plan, um die Stadt Stück für Stück zu begrünen.

    Ein ambitionierter Plan: 300.000 Bäume für Marseille

    Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie dramatisch die Situation wirklich ist: Seit den 1970er Jahren sind 60 % der Bäume in Marseille verschwunden. Dies ist das Ergebnis jahrzehntelanger Vernachlässigung und einer Bauwut, die die Natur an den Rand gedrängt hat. „Es wurde gebaut, was das Zeug hält, ohne Rücksicht auf die Natur“, so Nassera Benmarnia, die für die Begrünung zuständige Stadträtin. Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat die Stadt einen ehrgeizigen „Plan arbres“ ins Leben gerufen. Bis zu 300.000 Bäume, Sträucher und Büsche sollen in den nächsten sechs Jahren gepflanzt werden. Doch Bäume brauchen Zeit – bis sie genügend Schatten spenden, vergehen drei bis fünf Jahre, und erst nach zehn Jahren erfüllen sie ihre kühlende Funktion vollends.

    Schulen als grüne Inseln

    Das Programm beschränkt sich nicht nur auf die öffentlichen Parks. Auch die Höfe von über 450 Schulen in Marseille werden nach und nach von Beton befreit und begrünt. So bereits geschehen an der Schule Saint-Louis Gare im 14. Arrondissement. Hier wurde der graue Beton durch grüne Flecken ersetzt – ein kleiner Schritt, aber einer von großer Bedeutung. Bäume und Pflanzen, die dem immer heißer werdenden Klima in Marseille standhalten, werden sorgfältig ausgewählt. Das Ziel ist klar: wenig Rasen, der viel Wasser benötigt, und mehr robuste mediterrane Pflanzen, die Trockenheit besser überstehen.

    Die Rolle der Bäume im Kampf gegen die Hitze

    Die Initiative zur Begrünung ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die steigenden Temperaturen, aber sie allein wird nicht ausreichen, wie Marc Saudreau vom INRAE, der am Projekt Cooltrees beteiligt ist, betont. „Jeder Baum, der gepflanzt wird, bringt einen Vorteil“, sagt er. Doch man darf keine Wunder erwarten – Bäume sind keine Klimaanlagen. Sie kühlen die Umgebung durch Schatten und Verdunstungskälte, aber sie können die Temperatur nicht um 10 oder 20 Grad senken. Stattdessen helfen sie, extreme Temperaturspitzen zu vermeiden und tragen dazu bei, dass die Stadt bei 40 Grad bleibt, anstatt auf 50 Grad zu steigen.

    Eine Stadt im Wandel

    Doch Bäume allein reichen nicht aus, um Marseille nachhaltig abzukühlen. Weitere Maßnahmen wie das Streichen von Gebäuden in Weiß, um die Sonnenstrahlen zu reflektieren, oder das Entsiegeln von Flächen, um Beton durch erdige Oberflächen zu ersetzen, sind ebenfalls vonnöten. Marseille steht vor einer gewaltigen Aufgabe – doch jeder kleine Fortschritt, sei es ein neu gepflanzter Baum oder eine entsiegelte Fläche, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

    Die Stadt verändert sich, langsam aber sicher. Es wird nicht über Nacht geschehen, aber mit Geduld und Ausdauer könnte Marseille eines Tages ein Vorbild für andere Städte werden, die ebenfalls versuchen, sich den Herausforderungen des Klimawandels zu stellen. Denn wer weiß? Vielleicht wandert man in ein paar Jahren durch Marseille und findet dort, wo einst nur Beton war, grüne Oasen der Erholung.

  • Hitze: Die Bäume machen den Unterschied

    Hitze: Die Bäume machen den Unterschied

    Die Hitzewelle zeigt es, bei solchen Temperaturen ist es besser auf dem Land als in der Stadt zu leben. Aber auch die großen Ballungsräume werden sich an die immer häufiger auftretenden Hitzewellen anpassen müssen. In einem Stadtteil von Toulouse (Haute-Garonne) gibt es fast keine Bäume. Asphalt ist allgegenwärtig, und am Morgen des 19. August ist die Hitze erdrückend. In den Wohnungen ist es noch schlimmer. In der Wohnung einer Frau ist es bereits 29 °C heiß. Sie ist daher gezwungen, sich regelrecht einzuigeln. Es wurde zwar ein Ventilator aufgestellt, aber das reicht nicht aus, um sich in der Wohnung wohlzufühlen. „Wenn es Wochenende ist, verlässt man die eigene Wohnung und versucht, in Wohnungen von Leuten zu gehen, die eine Klimaanlage haben“, sagt sie gegenüber dem Sender Franceinfo. Um diesen Hitze-Hotspots entgegenzuwirken, tauchen in einigen Straßen jetzt Schattenspendersysteme auf. Aber ist das wirklich ausreichend? „Es spendet ein bisschen Schatten, das ist immerhin etwas, ab…

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