Schlagwort: Badeurlaub Frankreich

  • Beißende Fische im Mittelmeer: Warum Badegäste an der Côte d’Azur plötzlich blutige Wunden melden

    Beißende Fische im Mittelmeer: Warum Badegäste an der Côte d’Azur plötzlich blutige Wunden melden

    Ein entspannter Schritt ins warme Mittelmeer, ein paar Meter durchs seichte Wasser – und plötzlich ein schmerzhafter Biss in Wade, Fuß oder Knöchel. Was derzeit an der Côte d’Azur und auf Korsika manchen Badegast erschreckt, klingt zunächst nach einer Szene, die eher in einen Abenteuerfilm gehört. Doch hinter den Attacken stecken weder Haie noch andere gefährliche Meeresräuber. Häufig ist ein Fisch verantwortlich, den viele Urlauber bislang kaum auf dem Schirm hatten: der Graue Drückerfisch.

    Der Balistes capriscus, im Französischen meist schlicht „Baliste“ genannt, erreicht eine Länge von etwa 30 bis 50 Zentimetern. Auffällig ist vor allem sein kräftiges Gebiss mit rund 20 Zähnen. Normalerweise dienen diese Werkzeuge dazu, Seeigel, Muscheln und Krebstiere zu knacken.

    Doch zur Fortpflanzungszeit versteht der Drückerfisch keinen Spaß.

    Dann bewacht er sein Nest und verteidigt das Gelege energisch gegen Eindringlinge. Schwimmt oder watet ein Mensch ausgerechnet über einem solchen Bereich, interpretiert der Fisch Füße und Beine offenbar als Bedrohung. Er nähert sich, schnappt zu und versucht damit, den vermeintlichen Störenfried zu vertreiben.

    Das erklärt auch, weshalb vor allem Füße, Knöchel und Waden betroffen sind. Die Tiere jagen Menschen nicht gezielt. Vielmehr handelt es sich um territoriales Verteidigungsverhalten – für den gebissenen Urlauber macht diese biologische Feinheit im ersten Moment freilich wenig Unterschied.

    Manche Wunden bluten deutlich.

    Neben dem vergleichsweise kräftigen Drückerfisch sorgen kleinere Mittelmeerbewohner wie Obladen und verschiedene Meerbrassen, sogenannte Sars, für Überraschungen. Sie knabbern mitunter an abgestorbenen Hautschuppen an Füßen und Beinen. Meist fühlt sich das lediglich wie ein kurzes Pieksen oder Kitzeln an. Unangenehm? Ja. Ein Grund, den Badeurlaub abzubrechen? Eher nicht.

    Bei einem kräftigen Biss des Balistes sieht die Sache etwas anders aus. Die Verletzungen bleiben zwar überwiegend oberflächlich, tiefere Bisse schmerzen jedoch und bluten unter Umständen stärker. Eine solche Wunde sollte nach dem Verlassen des Wassers gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Hält die Blutung an, entwickelt sich eine Entzündung oder verschlechtert sich die Wunde, empfiehlt sich ärztliche Hilfe.

    Bleibt die Frage, weshalb ausgerechnet jetzt häufiger über solche Begegnungen berichtet wird.

    Eine mögliche Rolle spielen die hohen Wassertemperaturen. Warmes Meerwasser steigert die Aktivität vieler Fischarten und begünstigt längere Aufenthalte in flachen Küstenzonen. Dort treffen Tiere und Menschen zwangsläufig häufiger aufeinander. Ein eindeutiger direkter Zusammenhang zwischen den aktuellen Bissvorfällen und dem Klimawandel ist für die französische Mittelmeerküste allerdings bislang nicht belegt.

    Für Badegäste bedeutet das vor allem eines: aufmerksam bleiben, aber nicht in Panik geraten. Wer im flachen Wasser einen Drückerfisch entdeckt oder bereits einen Biss gespürt hat, sollte ruhig Richtung Strand gehen und das Tier nicht bedrängen. Gerade ein Fisch, der sein Gelege verteidigt, lässt sich kaum durch Diskussionen umstimmen.

    Das Mittelmeer ist schließlich kein Swimmingpool, sondern ein Lebensraum. Und manchmal erinnert seine tierische Bevölkerung ziemlich nachdrücklich daran.

    Andreas M. Brucker

  • Vorsicht an Frankreichs Atlantikküste: Gefährliche „Portugiesische Galeeren“ kehren an die Strände zurück

    Vorsicht an Frankreichs Atlantikküste: Gefährliche „Portugiesische Galeeren“ kehren an die Strände zurück

    An mehreren Stränden im Südwesten Frankreichs sorgen derzeit Portugiesische Galeeren für erhöhte Aufmerksamkeit. Die auch als Scheinquallen bekannten Meerestiere wurden erneut an der Atlantikküste und in den Landes gesichtet. Verantwortlich für ihr Auftreten sind Wind und Meeresströmungen, die sie bis an die Küste treiben. Rettungskräfte und Behörden beobachten die Lage deshalb besonders aufmerksam und warnen Badegäste vor den Risiken.

    Auf den ersten Blick erinnert die Portugiesische Galeere an eine harmlose Qualle. Tatsächlich handelt es sich jedoch um etwas völlig anderes. Sie ist kein einzelnes Lebewesen, sondern eine Kolonie aus mehreren hoch spezialisierten Organismen, die dauerhaft zusammenleben und nur gemeinsam überlebensfähig sind. Charakteristisch ist ihr blau-violetter, leicht durchscheinender Schwimmkörper, der wie ein kleines Segel aus dem Wasser ragt.

    Die eigentliche Gefahr bleibt allerdings meist verborgen. Unter der Wasseroberfläche hängen lange Tentakel herab, die mehrere Meter, in Einzelfällen sogar einige Dutzend Meter lang sein können. Sie sind mit Tausenden winziger Nesselzellen besetzt, die ein äußerst starkes Gift enthalten.

    Ein Kontakt mit diesen Tentakeln verursacht meist deutlich stärkere Schmerzen als der Stich einer gewöhnlichen Qualle. Betroffene berichten häufig von einem heftigen Brennen, begleitet von auffälligen, peitschenartigen roten Hautstreifen. Darüber hinaus treten nicht selten Muskelkrämpfe, Übelkeit oder Erbrechen auf. In schweren Fällen folgen Atembeschwerden, Kreislaufprobleme oder sogar Bewusstlosigkeit. Gerade Kinder, ältere Menschen und gesundheitlich vorbelastete Personen gelten als besonders gefährdet.

    Tückisch ist außerdem, dass eine angespülte Portugiesische Galeere ihre Gefährlichkeit nicht sofort verliert. Selbst wenn sie bereits tot oder stark ausgetrocknet erscheint, bleiben ihre Nesselzellen oft noch über Tage oder sogar Wochen aktiv. Wer ein solches Tier am Strand aufhebt oder versehentlich berührt, riskiert daher ebenfalls schmerzhafte Verletzungen.

    Kommt es dennoch zu einem Kontakt, zählt schnelles und richtiges Handeln. Erfolgt der Stich während des Badens, sollte die betroffene Person zunächst sicher aus dem Wasser gebracht werden. Anschließend gilt: Die betroffene Hautstelle ausschließlich mit Meerwasser abspülen. Süßwasser eignet sich ausdrücklich nicht, da es weitere Nesselzellen aktivieren und die Giftabgabe verstärken kann.

    Anhaftende Tentakel dürfen niemals mit bloßen Händen entfernt werden. Besser eignen sich eine Pinzette, eine Plastikkarte oder ein anderer fester Gegenstand. Wichtig ist außerdem, die Haut nicht zu reiben. Eine in ein Tuch gewickelte Kühlpackung oder Eis hilft anschließend dabei, die Schmerzen zu lindern.

    Treten Atemnot, starke Schmerzen, Kreislaufprobleme oder andere ernsthafte Beschwerden auf, sollte umgehend der Notruf verständigt werden. Gleiches gilt bei großflächigen Verletzungen oder wenn Kinder beziehungsweise besonders gefährdete Personen betroffen sind.

    Ebenso entscheidend ist das Vermeiden typischer Fehler. Weder Süßwasser noch kräftiges Reiben der Haut helfen weiter – im Gegenteil. Auch scheinbar vertrocknete Portugiesische Galeeren dürfen niemals angefasst oder aufgehoben werden. Ihre Giftzellen bleiben oft erstaunlich lange aktiv.

    Erkennen lässt sich das Meerestier an seinem wenige Zentimeter großen, blau, violett oder rosa schimmernden Schwimmkörper, der wie ein aufgeblasenes Segel auf der Wasseroberfläche treibt. Die langen Tentakel bleiben dagegen meist unsichtbar unter Wasser.

    Wer eine Portugiesische Galeere am Strand entdeckt, hält am besten Abstand und informiert die Rettungsschwimmer oder die zuständige Gemeinde. Sperrungen von Stränden oder Badeverbote dienen dem Schutz aller Besucher und sollten unbedingt beachtet werden, bis die Gefahr vorüber ist.

    Autor: C.H.