Schlagwort: Außenpolitik

  • Warum China TikTok nun doch aufgeben könnte – und weitere World-News

    Warum China TikTok nun doch aufgeben könnte – und weitere World-News

    Als vergangene Woche bekannt wurde, dass TikTok zugestimmt habe, sein US-Geschäft zu verkaufen – und Präsident Trump dies sogleich mit einem begeisterten Beitrag kommentierte –, schien es zunächst wie ein Sieg für Amerika und eine erhebliche Konzession Chinas.

    Peking hatte sich dem fünf Jahre lang widersetzt. Chinesische Offizielle verurteilten die US-amerikanischen Forderungen nach einem Verkauf regelmäßig als diskriminierend.

    Sollte China TikTok tatsächlich aufgeben – die Details des Deals werden derzeit noch ausgehandelt –, verschafft sich das Land damit allerdings Spielraum für Verhandlungen über jene Themen, die ihm besonders am Herzen liegen: Zölle, Technologie und Taiwan.

    Das Verbot der populären Video-App, beziehungsweise die erzwungene Veräußerung ihrer US-Aktivitäten, wurde in Washington als Frage der nationalen Sicherheit betrachtet.

    Doch China weigerte sich standhaft, US-Investoren die Kontrolle über die Plattform und insbesondere ihren leistungsfähigen Empfehlung-Algorithmus zu überlassen. Deshalb verabschiedete der US-Kongress im Frühjahr 2024 ein Gesetz: ByteDance, die chinesische Muttergesellschaft von TikTok, müsse die App bis zu einer bestimmten Frist verkaufen – andernfalls werde sie verboten.

    Dann folgte eine überraschende Wendung: Trump stellte sich öffentlich gegen das Gesetz des Kongresses.

    Zu diesem Zeitpunkt befand er sich im Wahlkampf für seine Wiederwahl. TikTok diente ihm als Kommunikationskanal zu jungen Wählerinnen und Wählern – und einer seiner größten Geldgeber, ein Wall-Street-Finanzier, ist bedeutender Investor bei ByteDance.

    Seit seinem erneuten Amtsantritt Anfang dieses Jahres hat Trump wiederholt per Dekret die Verkaufsfrist verlängert. Gleichzeitig verschärfte er den Handelskonflikt mit China massiv und belegte chinesische Waren mit umfassenden Zöllen. Anders als viele andere Staaten reagierte China mit Gegenmaßnahmen, verhängte seinerseits Zölle und setzte seine Kontrolle über kritische Rohstoffe ein, um der US-Wirtschaft gezielt zu schaden.

    In den vergangenen Monaten jedoch begannen beide Seiten wieder miteinander zu verhandeln – und es zeichnete sich eine vorsichtige Annäherung ab. Aus Pekings Sicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die „TikTok-Karte“ zu spielen: in einem Moment, in dem China glaubt, über maximale Verhandlungsmacht zu verfügen.

    Trump wiederum kann für sich einen symbolischen Sieg gutschreiben – auf einem Feld, das ihm besonders wichtig ist: Er verdankt TikTok nach eigener Einschätzung einen erheblichen Anteil an seinem Wahlsieg 2024. China wiederum schafft mit dem Deal ein positives Klima für weiterführende Gespräche über seine eigenen Prioritäten: Es will eine Lockerung der US-Zölle, eine Abschwächung der Exportkontrollen für Hochleistungschips und eine Reduktion der US-Unterstützung für Taiwan. Zudem strebt es ein persönliches Treffen zwischen Xi Jinping und Trump an – idealerweise in China, wo Peking die Inszenierung kontrollieren könnte.

    Wenn alles nach Plan verläuft, wird TikTok in den USA künftig unter US-amerikanischer Kontrolle stehen. Trump erklärte gestern, dass unter anderem die Fox Corporation – kontrolliert von der Familie Murdoch – zu den Investoren zählen könnte. Das könnte möglicherweise die nationalen Sicherheitsbedenken der USA entschärfen, wenngleich einige Experten warnen, dass die konkrete Ausgestaltung des Deals nicht weit genug gehe.

    Die zentrale Frage ist nun, ob die USA im Gegenzug Konzessionen bei wirklich sicherheitsrelevanten Themen machen – etwa bei der Exportkontrolle für Künstliche Intelligenz oder in Bezug auf Taiwan. Diese gelten als weitaus bedeutender für die nationale Sicherheit als eine Social-Media-App.


    Anerkennung eines palästinensischen Staates

    Großbritannien, Kanada, Australien und Portugal haben gestern erklärt, Palästina formell als Staat anzuerkennen. Diese konzertierte Aktion erhöht den internationalen Druck auf Israel und stellt wichtige Verbündete der USA in Gegensatz zur Trump-Regierung.

    Zwar dürfte dies die diplomatische Isolation von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu weiter verstärken, doch an der Lage vor Ort wird sich dadurch wohl wenig ändern.

    Bei den Vereinten Nationen wird Frankreich heute gemeinsam mit 142 weiteren Staaten eine Initiative vorantreiben, die auf die Anerkennung Palästinas im Rahmen einer Zwei-Staaten-Lösung nach dem Ende des Gaza-Kriegs abzielt. Was diesem Plan jedoch fehlt, ist ein zentrales Element: jegliche Unterstützung durch Israel oder die Vereinigten Staaten.


    Weitere wichtige Meldungen

    USA: Donald Trump und Zehntausende Anhänger versammelten sich in einem Stadion in Arizona zu einer Gedenkfeier für den ermordeten konservativen Aktivisten Charlie Kirk. In seiner Rede bezeichnete Trump Kirk als „Märtyrer für die amerikanische Freiheit“. Die Veranstaltung vereinte religiöse Symbolik mit staatlichem Pathos.

    Ukraine: Die Streitkräfte Kiews verzeichnen kleinere Geländegewinne in der Region Sumy, die dem russischen Narrativ von der Unaufhaltsamkeit seiner Offensiven entgegenwirken könnten.

    Philippinen: In Manila protestierten Tausende gegen die mutmaßliche Zweckentfremdung von Milliardenhilfen für den Hochwasserschutz durch die Regierung.

    Einwanderung: Trump unterzeichnete eine Proklamation, die eine neue Gebühr von 100.000 US-Dollar auf H-1B-Visa erhebt – ein Schock für Tech-Konzerne und die Finanzbranche.

    Nepal: Der neue Premierminister setzte eine Kommission zur Untersuchung der Tötung von über 70 Menschen durch Sicherheitskräfte während des Studentenaufstands ein.

    Tschad: Durch das Auslaufen der US-Hilfen verliert ein Flüchtlingslager medizinisches Personal – insbesondere in den Geburtshilfekliniken. Schwangere Frauen sind stark gefährdet.

    Autor: P. Tiko

  • Symbolpolitik auf dem Friedhof: Warum Louis Aliot zu Charlie Kirks Begräbnis reist

    Symbolpolitik auf dem Friedhof: Warum Louis Aliot zu Charlie Kirks Begräbnis reist

    Ein französischer Politiker auf einem amerikanischen Friedhof – dieser Besuch mag auf den ersten Blick wie eine skurrile Randnotiz erscheinen. Doch Louis Aliots Teilnahme an der Gedenkfeier für den ermordeten US-Influencer Charlie Kirk ist ein gezielter politischer Akt. Als stellvertretender Vorsitzender des Rassemblement National (RN) reist Aliot am 21. September auf Wunsch von Marine Le Pen in die Vereinigten Staaten. Es ist ein symbolisches Bekenntnis zur internationalen konservativen Bewegung – mit Risiken und strategischer Tragweite.

    Charlie Kirk: Märtyrerfigur einer zersplitterten Öffentlichkeit

    Charlie Kirk war Gründer und Gesicht von „Turning Point USA“, einer Organisation, die unter konservativen Jugendlichen in den USA große Popularität erlangte. Mit flammenden Reden gegen den „Wokeismus“, die linke Universitätskultur und für traditionelle Werte wurde er zur prägenden Figur des rechtskonservativen Milieus – verehrt von der Trump-nahen Rechten, gehasst von der Linken. Anfang September fiel Kirk einem Attentat zum Opfer. Der mutmaßliche Täter, ein junger Mann mit politischem Motiv, feuerte gezielt auf ihn bei einer Universitätsveranstaltung. Der Mord gilt seither vielen auf Seite der Rechten als weiterer Beweis für eine ideologisch aufgeladene Gewaltspirale gegen konservative Stimmen.

    Der RN und die internationale Rechte: mehr als Geste

    Dass Marine Le Pen Louis Aliot mit der Teilnahme an Kirks Trauerfeier beauftragt, ist kein diplomatischer Zufall. Der RN sendet damit ein Signal der ideologischen Zugehörigkeit: Man will Teil jenes globalen Netzwerks sein, das sich aus europäischen Rechtspopulisten, US-Konservativen, christlichen Nationalisten und kulturkämpferischen Bewegungen speist. Die Botschaft: Auch Frankreich hat eine Stimme in dieser transatlantischen Wertegemeinschaft.

    Aliot selbst betont, dass er Kirk nicht persönlich kannte. Es gehe nicht um persönliche Beziehungen, sondern um das, was Kirk verkörpere: Widerstand gegen das „linke Meinungsdiktat“, Einsatz für konservative Prinzipien, die Verteidigung der Redefreiheit. Mit der Präsenz in den USA möchte der RN nicht nur Solidarität zeigen, sondern Anschluss finden an ein globales Narrativ, in dem konservative Akteure sich zunehmend als verfolgte Wahrheitsverkünder inszenieren.

    Reaktionen und politische Folgewirkungen

    Innerhalb Frankreichs dürfte der Schritt unterschiedlich aufgenommen werden. Anhänger des RN, insbesondere im nationalkonservativen Lager, könnten den Auftritt als Ausdruck internationaler Anschlussfähigkeit und ideologischer Geschlossenheit deuten. Die Botschaft lautet: Der RN ist kein isolierter Protestverein, sondern ein Teil größerer weltanschaulicher Zusammenhänge. Gerade unter jüngeren, internetaffinen Wählern, die sich über YouTube und Telegram politisch sozialisieren, könnte dies Wirkung zeigen.

    Gleichzeitig birgt die Aktion innenpolitische Risiken. Kritiker werfen Kirk vor, mitunter radikalen, polarisierenden Thesen operiert zu haben – etwa in Fragen von Gender, Rassismus oder politischer Gewalt. Der Mordanschlag auf ihn erfolgte vor dem Hintergrund einer gesellschaftlich aufgeheizten Lage. Wer sich hier demonstrativ positioniert, läuft Gefahr, selbst Teil der Polarisierung zu werden.

    Ein weiteres Problem ergibt sich aus der Abgrenzung innerhalb der französischen Rechten. Während Louis Aliot in die USA reist, erklärten etwa Éric Zemmours Partei Reconquête und kleinere Gruppierungen wie Identité & Libertés, keine Vertreter zu entsenden. Dahinter steht nicht nur die politische Konkurrenz – sondern auch eine strategische Differenz: Während der RN auf internationale Vernetzung setzt, betonen andere die nationale Souveränität und meiden allzu deutliche Anlehnungen an amerikanische Kulturkämpfe.

    Zwischen Opportunismus und ideologischer Klarheit

    Die Geste des RN ist eindeutig politisch – aber nicht eindeutig in ihrer Stoßrichtung. Ist es ein Versuch, in der internationalen Rechten mitzumischen? Ein symbolischer Schulterschluss mit der Trump-nahen Szene? Oder eine bloße PR-Offensive im rechten Diskursraum?

    Fest steht: Der RN nutzt einen symbolisch aufgeladenen Anlass, um sich international zu verorten. Dies ist Teil einer längerfristigen Strategie: die Bewegung nicht mehr als französische Ausnahmeerscheinung, sondern als Teil einer konservativen Welle darzustellen, die von Warschau bis nach Phoenix, Arizona reicht. Dabei geht es um kulturelle Marker (Redefreiheit, Antiwokeismus), politische Netzwerke (mit Republikanern, Denkfabriken, christlichen Aktivisten) und mediale Anschlussfähigkeit.

    Doch der Weg ist schmal. Wer Märtyrerfiguren anderer Länder verehrt, importiert auch deren Konflikte. Die US-amerikanische Rechte ist tief gespalten, mit extremen Rändern und gefährlichen Radikalisierungstendenzen. Wer sich zu nahe an diese Bewegungen heranbegibt, könnte in Europa politische Glaubwürdigkeit verspielen – gerade gegenüber jenen Wählern, die sich zwar konservative Orientierung wünschen, aber keine transatlantische Frontstellung.

    Dass Louis Aliot reist, ohne Kirk gekannt zu haben, verdeutlicht den kalkulierten Charakter der Geste. Es ist weniger eine Trauerbekundung als eine Positionierung im globalen Meinungskampf. Das mag dem RN kurzfristig Sichtbarkeit verschaffen – langfristig stellt sich die Frage, ob es auch politische Substanz bringt. Oder ob es sich bloß um Symbolpolitik im Sargtuch handelt.

    Autor: P. Tiko

  • Trumps Staatsbesuch in Großbritannien: Pomp, Protest und politisches Kalkül

    Trumps Staatsbesuch in Großbritannien: Pomp, Protest und politisches Kalkül

    Donald Trump absolviert am 17. und 18. September 2025 seine zweite Staatsvisite im Vereinigten Königreich. König Charles III. empfing den US-Präsidenten mit allen Ehren, begleitet von Queen Camilla, dem Thronfolger Prinz William und der Princess of Wales. Ein Staatsbankett in Windsor Castle, militärisches Zeremoniell und Verhandlungen über strategische Partnerschaften verleihen der Reise Gewicht. Doch während sich die politischen Eliten um transatlantische Signale bemühten, dominiert außerhalb der Palastmauern der Protest.

    Alte Skandale, neue Angriffsflächen

    Die Proteste richteten sich gegen verschiedene Aspekte der Trump-Präsidentschaft – und nicht zuletzt gegen die Person selbst. Aktivisten erinnerten mit Bild-Projektionen an die Verbindungen des US-Präsidenten zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Auf den Mauern von Windsor Castle erschienen Bilder, die diese Freundschaft thematisierten. Für viele Demonstranten stand weniger das politische Tagesgeschäft im Vordergrund, sondern die Frage nach moralischer Verantwortung und symbolischer Integrität.

    Doch auch Trumps Politik wirkte als Katalysator für die Mobilisierung. Seine restriktiven Einwanderungsmaßnahmen, die Aufkündigung internationaler Klimaabkommen, eine konfrontative Außenpolitik gegenüber Iran oder China und die Polarisierung der amerikanischen Innenpolitik wurden in Sprechchören und Bannern angeklagt. Parolen wie „No to racism, no to Trump“ verdeutlichten die moralische Dimension der Kritik.

    Die britische Regierung unter Druck

    Premierminister Keir Starmer entschied sich bewusst, Trump den vollen protokollarischen Status einzuräumen – eine Entscheidung, die nicht nur auf Zustimmung stieß. Kritiker aus der Labour-Partei wie auch von den Liberaldemokraten bemängelten, dass die Einladung ein politisches Signal sei, das Wertefragen zugunsten wirtschaftlicher Interessen hintanstelle.

    Starmer versucht, diesen Vorwurf durch konkrete Ergebnisse abzufedern. Während der Gespräche wurden Investitionen in Höhe von rund 150 Milliarden Pfund angekündigt, unter anderem in britische Infrastruktur und Zukunftstechnologien. Damit will die Regierung den Eindruck vermeiden, Großbritannien gebe sich nur dem Protokoll hin, ohne materiellen Nutzen zu erzielen. Gleichwohl bleibt der Vorwurf bestehen, die Regierung nehme symbolische Kosten in Kauf: die Politisierung der Monarchie und den Verlust moralischer Glaubwürdigkeit.

    Straßenprotest und Zivilgesellschaft

    Die Organisation der Proteste lag vor allem bei der Koalition „Stop Trump“, die bereits 2018 beim ersten Staatsbesuch mobilisiert hatte. Breite Teile der Zivilgesellschaft schlossen sich an: Umweltgruppen, Menschenrechtsorganisationen, feministische Initiativen und pro-palästinensische Aktivisten. Zu den Protestformen zählen klassische Protzestmärsche durch London und Windsor ebenso wie satirische Elemente – der „Baby-Trump“-Ballon war erneut im Einsatz.

    Die Polizei musste mehrfach eingreifen, unter anderem wegen unerlaubter Drohnenflüge im Luftraum rund um Windsor Castle. Zahlreiche Festnahmen unterstreichen die Brisanz der Lage. Laut Umfragen wünschte sich fast die Hälfte der britischen Bevölkerung, die Visite wäre abgesagt worden.

    Zwischen Realpolitik und Wertepolitik

    Das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Kalkül und moralischem Anspruch trat während dieser Tage deutlich zutage. Einerseits gilt das transatlantische Verhältnis nach wie vor als unverzichtbare strategische Achse. Kooperationen im Energiesektor, bei der Nukleartechnologie oder in der digitalen Wirtschaft sind für das Vereinigte Königreich von hoher Bedeutung – zumal nach dem Brexit.

    Andererseits wächst der Druck aus der Gesellschaft, Außenpolitik nicht ausschließlich nach Interessen, sondern auch nach Prinzipien zu gestalten. Die Proteste machten sichtbar, dass Werte wie Menschenrechte und Gleichstellung zunehmend als Maßstab an internationale Beziehungen angelegt werden.

    Starmer versucht, diese Spannungen durch eine Doppelstrategie zu entschärfen: ökonomische Resultate präsentieren und zugleich die Proteste nicht übermäßig kriminalisieren. Dennoch bleibt der Eindruck, dass die britische Regierung in eine Zwickmühle geraten ist: Sie will sich als verlässlicher Partner der USA behaupten, ohne das Bild einer politischen Unterordnung zu erzeugen.

    Am Ende dürfte die Episode weniger wegen der erzielten Abkommen in Erinnerung bleiben, sondern wegen der Symbolik: Ein König, der einen umstrittenen US-Präsidenten mit höfischem Glanz empfängt, während draußen Zehntausende gegen dessen Politik und Vergangenheit protestieren. Diese Gleichzeitigkeit von Pomp und Protest zeigt die Bruchlinien einer Gesellschaft, die zwischen internationaler Realpolitik und moralischer Selbstvergewisserung ringt.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Israel: Netanjahu bestätigt Operation gegen Hamas-Funktionäre in Katar

    Israel: Netanjahu bestätigt Operation gegen Hamas-Funktionäre in Katar

    Mit einem demonstrativen Bekenntnis zur Eigenverantwortung hat Israels Premierminister Benjamin Netanjahu eine heikle Eskalation im Nahen Osten bestätigt: Die gezielten Angriffe auf Hamas-Funktionäre in der katarischen Hauptstadt Doha seien eine „vollständig unabhängige Operation Israels“ gewesen. Diese ungewöhnlich offene Mitteilung kommt in einer Phase zunehmender regionaler Spannungen – und hat das diplomatische Verhältnis zwischen Israel und dem Golfstaat Katar erheblich belastet.

    Die Luftschläge in Doha, die mehrere Explosionen in Wohngebieten auslösten, trafen nach israelischen Angaben „hochrangige Hamas-Verantwortliche“, die seit Monaten an indirekten Verhandlungen über einen Waffenstillstand im Gazastreifen beteiligt waren. Katar verurteilte die Angriffe scharf als „feige Tat“ und warf Israel vor, zivile Wohnkomplexe ins Visier genommen zu haben.

    Angriff nach Attentat – Netanjahus Signal der Härte

    Auslöser der Operation war ein tödlicher Anschlag in Ostjerusalem am Vortag, bei dem sechs israelische Zivilisten ums Leben kamen. Eine Gruppe der Terrormiliz Hamas, die „Brigaden al-Qassam“, reklamierte die Verantwortung für das Attentat nahe der Siedlung Ramot in Jerusalem. Netanjahu, der unter massivem innenpolitischem Druck steht, stellte umgehend einen Zusammenhang her: Die Operation in Katar sei eine direkte Reaktion auf die Attacke gewesen.

    „Israel hat sie initiiert, Israel hat sie durchgeführt und Israel übernimmt die volle Verantwortung“, erklärte der Premier in einer Mitteilung seines Büros. Diese demonstrative Verantwortungsübernahme ist bemerkenswert – denn sie bricht mit einer jahrzehntelangen Praxis: Operationen auf fremdem Staatsgebiet wurden in der Vergangenheit fast immer dementiert oder nicht kommentiert.

    Katar als diplomatischer Spielball

    Katar hat in diesem geopolitischen Schachspiel in eine paradoxen Doppelrolle inne: Einerseits ist das Emirat enger Partner des Westens – es beherbergt den größten US-Militärstützpunkt im Nahen Osten und tritt oft als Vermittler in internationalen Konflikten auf. Andererseits gewährt es seit Jahren führenden Hamas-Kadern Zuflucht und finanziert große Teile der humanitären Infrastruktur der Hamas in Gaza.

    Gerade die Rolle Katars als vermeintlich neutraler Akteur wird durch die aktuellen Ereignisse infrage gestellt. Zwar betont Doha stets, man unterhalte Kontakte zur Hamas lediglich aus Vermittlungsgründen. Doch Israels Angriff zielt wohl auch darauf ab, Katar in seiner doppelten Rolle öffentlich bloßzustellen – oder zumindest unter Druck zu setzen, den Hamas-Führern keinen sicheren Hafen mehr zu bieten.

    Völkerrechtlich umstritten, strategisch riskant

    Aus völkerrechtlicher Perspektive ist der israelische Angriff auf ausländischem Boden hochproblematisch. Die gezielte Tötung politischer Akteure in einem Drittstaat – ohne dessen Zustimmung – stellt eine klare Verletzung der territorialen Souveränität dar. Derartige Aktionen gelten nach internationalem Recht nur dann als zulässig, wenn eine akute Selbstverteidigungslage besteht. Diese Schwelle ist jedoch äußerst hoch angesetzt und kaum gegeben, wenn die Bedrohung nicht unmittelbar bevorsteht.

    Zudem könnte der Angriff Israels diplomatische Beziehungen zu weiteren Staaten im Golf massiv belasten. Bereits 2010 führte die Ermordung eines Hamas-Kommandeurs in Dubai, mutmaßlich durch den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad, zu einem diplomatischen Eklat – insbesondere, weil dabei europäische Pässe missbraucht worden waren. Auch jetzt ist zu erwarten, dass arabische Staaten auf Distanz zu Israel gehen könnten, selbst wenn sie strategisch mit Tel Aviv kooperieren, etwa in der Iran-Frage.

    Neue Dynamik im Gaza-Konflikt?

    Die gezielte Tötung von Hamas-Führern in Katar birgt zudem das Potenzial, die ohnehin festgefahrenen Verhandlungen über eine Waffenruhe in Gaza weiter zu torpedieren. Gerade jene Personen, die nun zur Zielscheibe wurden, hatten in den vergangenen Monaten über ägyptische und katarische Kanäle indirekt mit Israel verhandelt.

    Unklar bleibt, ob der israelische Angriff ein gezieltes Ende dieser Gesprächskanäle bedeutet – oder ob er nur symbolischen Charakter hatte. In jedem Fall dürfte das Vertrauen der Hamas in diplomatische Prozesse nachhaltig beschädigt sein. Das wiederum könnte die militärische Eskalation in Gaza weiter anheizen.

    Unterdessen positioniert sich Netanjahu gegenüber der eigenen Bevölkerung als kompromissloser Verteidiger nationaler Sicherheit. In einer politischen Phase, in der ihm innenpolitische Gegner – vor allem in Folge des Gaza-Kriegs – Versagen vorwerfen, bietet ihm die Operation in Katar die Möglichkeit, Führungsstärke zu demonstrieren. Dass er dafür internationales Recht bricht und die Region destabilisiert, scheint ein Preis zu sein, den er bereit ist zu zahlen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Europa arbeitet an Sicherheitsplan für die Nachkriegs-Ukraine – und weitere World-News

    Europa arbeitet an Sicherheitsplan für die Nachkriegs-Ukraine – und weitere World-News

    Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte gestern, dass sich 26 Staaten formell verpflichtet hätten, ein künftiges Friedensabkommen in der Ukraine abzusichern – unter anderem durch die Entsendung von Truppen zur Abschreckung russischer Aggressionen.

    Macron sagte dies nach einem Gipfeltreffen in Paris, an dem über 30 Staats- und Regierungschefs teilnahmen, viele davon per Videoschaltung. Konkrete Details darüber, wie genau die europäischen Länder helfen wollen oder welche Rolle die USA spielen würden, blieben jedoch weitgehend offen.

    Das Treffen war der jüngste europäische diplomatische Versuch, US-Präsident Donald Trump dazu zu bewegen, sich ebenfalls hinter einen solchen Plan zu stellen. Trumps Sondergesandter für Friedensverhandlungen, Steve Witkoff, nahm an dem Treffen in Paris teil, und ein Beamter des Weißen Hauses bestätigte, dass Trump sich telefonisch zuschaltete.

    Macron betonte, dass Russland im Falle eines ausbleibenden Friedensabkommens mit weiteren internationalen Sanktionen rechnen müsse – auch vonseiten der USA. Allerdings hatte Trump in der Vergangenheit mehrfach Sanktionen angedroht, ohne diese auch umzusetzen. Während des Treffens forderte Trump europäische Staaten dazu auf, kein russisches Öl mehr zu kaufen, und mahnte gleichzeitig, den Druck auf China zu erhöhen, das mutmaßlich Russlands Kriegsführung finanziell unterstütze.

    Bislang hatten nur Frankreich, Großbritannien und Estland öffentlich signalisiert, dass sie bereit wären, Truppen in die Nachkriegs-Ukraine zu entsenden. Viele europäische Länder stellen infrage, ob Washington im Falle eines Angriffs auf NATO-Truppen tatsächlich militärisch eingreifen würde.


    Nach dem Erdbeben in Afghanistan blieben Frauen ohne Hilfe

    Die Reaktion auf das Erdbeben in Afghanistan, bei dem über 2.200 Menschen ums Leben kamen, zeigt laut Hilfsorganisationen exemplarisch die doppelten Standards, denen Frauen und Mädchen im Land ausgesetzt sind.

    Als Rettungsteams am Sonntag ein abgelegenes Dorf in der Provinz Kunar erreichten, wurde nicht allen geholfen. Verwundete Männer und Kinder erhielten zügig medizinische Versorgung – Frauen und jugendliche Mädchen hingegen wurden zur Seite gedrängt.

    Nach den von den Taliban durchgesetzten kulturellen Normen Afghanistans ist körperlicher Kontakt zwischen Männern und Frauen, die nicht miteinander verwandt sind, verboten. Mitglieder der rein männlichen Rettungsteams zögerten deshalb, Frauen aus den Trümmern eingestürzter Häuser zu befreien, wie ein Freiwilliger berichtete. Verletzte Frauen blieben unter den Trümmern zurück und mussten warten, bis Helferinnen aus anderen Dörfern eintrafen, um sie auszugraben.


    Giorgio Armani, der Meister des Anzugs, ist tot

    Ohne Giorgio Armani wären Anzüge heute womöglich noch immer steif und wattiert – und der rote Teppich ein Ort ohne Design-Glanz.

    Armani, der gestern im Alter von 91 Jahren in seinem Haus in Mailand verstarb, hat die Modewelt gleich zweimal revolutioniert: Zunächst, indem er die Struktur des klassischen Herrenanzugs aufweichte und einen Look schuf, der bald auch bei einer weiblichen Kundschaft Anklang fand. Später zählte er zu den ersten Designern, die gezielt Prominente wie Michelle Pfeiffer und George Clooney einsetzten – auf der Leinwand wie im Alltag. Heute ist das Zusammenspiel zwischen Modehäusern und Celebrities zur Selbstverständlichkeit geworden.


    Weitere wichtige Meldungen

    Portugal: Nach einem tödlichen Unfall mit 16 Toten wurden die Standseilbahnen in Lissabon vorläufig stillgelegt.

    USA: Präsident Trump kündigte an, das Verteidigungsministerium wieder in „Kriegsministerium“ umzubenennen – so lautete die offizielle Bezeichnung bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.

    China: Von Peking unterstützte Hacker haben in mehr als 80 Ländern, darunter den USA, Daten gestohlen – fast jeder US-Bürger ist betroffen.

    Indien: Die heftigsten Regenfälle seit Jahrzehnten haben den Norden des Landes überflutet, Hunderte starben, Ernten wurden zerstört.

    USA: Robert F. Kennedy Jr. stellte sich in einer angespannten Senatsanhörung kritischen Fragen, wies Impfdaten zurück und verteidigte seine Arbeit als Gesundheitsminister unter Trump.

    Afrika: Die Gesundheitsbehörden der Demokratischen Republik Kongo meldeten einen Ebola-Ausbruch in einer südlichen Provinz mit 28 Verdachtsfällen und 15 Toten.

    Gaza: Nach einem Appell von Trump, die restlichen Geiseln freizulassen, bekundete die Hamas erneut ihre Bereitschaft zu einem umfassenden Deal – Israel lehnte ab.

    Wirtschaft: Der dänische Energiekonzern Ørsted verklagte die US-Regierung, weil ein fast fertiggestellter Offshore-Windpark vor Rhode Island gestoppt wurde.

    Deutschland: Angesichts von Verlusten in China und US-Strafzöllen wird Porsche nun aus dem führenden deutschen Aktienindex DAX gestrichen.

    Autor: P. Tiko

  • Trump will Klimaschutz weltweit sabotieren – und andere World-News

    Trump will Klimaschutz weltweit sabotieren – und andere World-News

    Donald Trump versucht nicht nur, den Ausstieg aus fossilen Energien in den Vereinigten Staaten zu blockieren. Der US-Präsident übt auch zunehmend Druck auf andere Länder aus, ihre Klimaziele aufzugeben – und stattdessen mehr Kohle, Gas und Öl zu verbrennen.

    Wie die New York Times berichtet, bedient sich Trump dabei handelspolitischer Hebel, Zölle und weiterer wirtschaftlicher Instrumente. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte: Die Regierung werde „die wirtschaftliche und nationale Sicherheit de USA nicht für vage Klimaziele aufs Spiel setzen.“

    Die Maßnahmen, mit denen die Trump-Administration versucht, die Klimapolitik anderer Länder zu beeinflussen, umfassen unter anderem:

    • Androhung von Zöllen, Visabeschränkungen und Hafengebühren für Länder, die einem globalen Abkommen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen in der Schifffahrt zustimmen;
    • Einbindung umfassender Verpflichtungen zum Kauf amerikanischer Öl- und Gasprodukte in fast alle Handelsabkommen;
    • Zusammenarbeit mit anderen ölproduzierenden Staaten wie Saudi-Arabien, um Produktionsgrenzen für erdölbasierte Kunststoffe zu verhindern.

    EU-Mitarbeiter und internationale Energieexpert:innen zeigen sich zunehmend beunruhigt über das Ausmaß dieses außenpolitischen Drucks. Wissenschaftlicher Konsens ist: Um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden, müssen Länder schnellstmöglich den Umstieg von fossilen auf saubere Energiequellen wie Wind-, Solar-, Geo- und Wasserkraft vollziehen.


    Indien unter Druck: Trumps Zölle treffen den Subkontinent hart

    Seit Inkrafttreten von Trumps neuen Importzöllen in Höhe von 50 Prozent suchen indische Unternehmen händeringend nach staatlicher Unterstützung. Die Regierung von Premierminister Narendra Modi reagierte mit einem sechsjährigen Hilfsprogramm im Umfang von umgerechnet 28 Milliarden Dollar, das Exporteure bei der Erschließung neuer Märkte und Kreditaufnahme unterstützen soll.

    Industrieverbände fordern darüber hinaus direkte Zuschüsse zu Lohnzahlungen, günstigeren Strom und bessere Kreditkonditionen. Besonders betroffen sind arbeitsintensive Branchen wie die Textilindustrie, die rund zwei Prozent der indischen Wirtschaft ausmacht.

    Ein unerwünschter Nebeneffekt betrifft auch die saubere Energie: Indien hatte in den letzten Jahren gezielt in den Ausbau seiner Solarindustrie investiert – ein Sektor, der nun erheblich unter den amerikanischen Strafzöllen leidet.


    Europas großes Aufrüsten

    Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zwingt Europas Regierungen zum Umdenken. In fast allen Hauptstädten laufen derzeit Gespräche mit Rüstungsunternehmen, begleitet von milliardenschweren Investitionsprogrammen. Verteidigungsausgaben werden dabei nicht nur als sicherheitspolitisch notwendig, sondern auch als wirtschaftlich wichtiges Konjunkturmittel präsentiert.

    Doch Ökonomen warnen: Der Nutzen für die Realwirtschaft bleibe begrenzt, wenn nicht gezielt in Forschung und technologische Innovation investiert werde. Eine reine Vorratsbeschaffung bringe wenig Wachstum. Zudem könnte eine Finanzierung über Steuererhöhungen – im Gegensatz zu kreditbasierten Ausgaben – die Konjunktur zusätzlich bremsen.

    Deutschland etwa hat seine Schuldenbremse faktisch ausgesetzt, um die Aufrüstung über neue Kredite zu finanzieren. Frankreich, Italien und Großbritannien stehen hingegen vor schwierigeren Entscheidungen – ihre Schuldenstände sind bereits sehr hoch, was den fiskalischen Spielraum stark einschränkt.


    Weitere wichtige Meldungen

    • Indien: Mindestens 34 Tote nach schweren Monsunregenfällen mit Erdrutschen und Sturzfluten im indisch kontrollierten Teil von Jammu und Kaschmir.
    • USA: Ein Bewaffneter schoss durch die Fenster einer katholischen Kirche in Minneapolis während einer Schüler-Messe – zwei Kinder starben, 17 weitere wurden verletzt.
    • Gesundheit: Das Weiße Haus entließ die neue CDC-Direktorin, nachdem sie sich weigerte, auf Druck von Robert F. Kennedy Jr. zurückzutreten.
    • Diplomatie: Dänemark bestellte den US-Botschafter ein – Anlass sind Berichte über verdeckte Einflussoperationen in Grönland durch Trump-nahe Akteure.
    • Gaza: Trump traf sich im Weißen Haus mit seinem Sondergesandten Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner, um über die Zukunft des Gazastreifens zu beraten.
    • Ukraine: Die bisherige Ausreisesperre für Männer zwischen 18 und 60 Jahren wurde gelockert – junge Männer dürfen bis zum Alter von 23 Jahren wieder reisen.
    • VAE: Ein ägyptischer Aktivist wurde in die Vereinigten Arabischen Emirate ausgeliefert und dort ohne Gerichtsverfahren festgehalten, weil er arabische Regime kritisiert habe.
    • Deutschland: Neue Anreize sollen helfen, die Personalnot der Bundeswehr zu lindern – sollte das nicht reichen, könnte die Wehrpflicht zurückkehren.
    • Technologie: Der US-Chiphersteller Nvidia übertraf mit einem Umsatzplus von 56 Prozent alle Erwartungen – ein Zeichen, dass der KI-Boom ungebrochen ist.
    • Iran: UN-Inspektoren dürfen erstmals seit dem iranischen Kooperationsstopp wieder Nuklearanlagen besuchen – ein möglicher Schritt zur Wiederherstellung der Kontrolle der Anlagen.
    • Großbritannien: Viele neue, besonders wärmegedämmte Wohnhäuser drohen in den immer heißeren Sommern zu überhitzen – aufwändige Nachrüstungen werden nötig.

    Autor: P. Tiko

  • Macron und Netanyahu: Diplomatische Eskalation um Antisemitismus und Palästinenserstaat

    Macron und Netanyahu: Diplomatische Eskalation um Antisemitismus und Palästinenserstaat

    Das Verhältnis zwischen Frankreich und Israel ist auf einem Tiefpunkt angekommen. Grund ist ein scharfer Briefwechsel zwischen Präsident Emmanuel Macron und Premierminister Benjamin Netanyahu. Während Frankreich kurz davorsteht, den Staat Palästina offiziell anzuerkennen, wirft Netanyahu Paris vor, damit den Antisemitismus zu fördern – ein Vorwurf, den Macron als „beleidigend für die gesamte Nation“ zurückweist. Macrons Brief als diplomatische Kampfansage In einer sechsseitigen Antwort an Netanyahu verurteilte Macron die Äußerungen des israelischen Premiers als unhaltbar. Die Behauptung, Frankreichs Schritt in Richtung einer palästinensischen Anerkennung sei gleichbedeutend mit Antisemitismus, sei „eine Instrumentalisierung eines historischen und fortdauernden Verbrechens“. Macron verwies auf die umfangreichen Maßnahmen seiner Regierung im Kampf gegen Judenfeindlichkeit, darunter verstärkte Polizeipräsenz zum Schutz jüdischer Einrichtungen sowie verschärfte Strafverfolgung antisemitisc…

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  • Der Westen gegen Russland – und andere World-News

    Der Westen gegen Russland – und andere World-News

    US-Präsident Donald Trump ist dafür bekannt, häufig die Positionen der letzten Person zu übernehmen, mit der er gesprochen hat. Das dürfte erklären, warum europäische Staats- und Regierungschefs gestern eilig das Weiße Haus aufsuchten – sie wollten die Botschaft Wladimir Putins vom Gipfeltreffen in Alaska am Freitag mit Trump nicht unkommentiert lassen.

    Also unterbrachen Präsidenten und Premierminister ihre Sommerferien, eilten innerhalb von weniger als 24 Stunden nach Washington – unter anderem von einer kleinen Halbinsel vor der Côte d’Azur. Die europäischen Spitzenpolitiker kamen, um den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu unterstützen. Einer nach dem anderen überschüttete Trump mit Lob und Dankbarkeit – ein Ton, der ihm bekanntermaßen zusagt. (Man hat inzwischen gelernt, dass das bei ihm wirkt.) Immer wieder betonten sie ihre Prioritäten: Sicherheitsgarantien und ein Waffenstillstand – in genau dieser Reihenfolge.

    Trump gab sich als zuvorkommender Gastgeber: Er lobte die gesunde Bräune des deutschen Kanzlers und das jugendliche Aussehen des finnischen Präsidenten. Zum Waffenstillstand äußerte er sich ausweichend. Mehrfach betonte er, in diesem Jahr bereits sechs Kriege weltweit beendet zu haben – ganz ohne formellen Waffenstillstand. Den Sicherheitsgarantien schien er zuzustimmen, auch wenn unklar blieb, wie diese konkret aussehen sollen. Er stellte fast schon in Aussicht, dass es binnen ein oder zwei Wochen ein „trilaterales Gespräch“ geben werde – ein Dreiergespräch zwischen ihm, Putin und Selenskyj.

    Ein Überblick über die Gespräche vom Montag, die Aussichten auf ein Friedensabkommen – und was auf dem Spiel steht:

    Ein Präsident im Wandel
    Der Tonfall beim Treffen zwischen Trump und Selenskyj unterschied sich diametral von ihrer katastrophalen Unterredung im Oval Office vor sechs Monaten. Selenskyj, der damals wegen mangelnden Respekts kritisiert wurde, tauschte seine Kampfmontur gegen ein schwarzes Sakko, Hemd und Stoffhose. Und da ihm damals Undankbarkeit vorgeworfen worden war, bedankte er sich diesmal öffentlich mindestens zehnmal bei Trump. Dieser wiederum zeigte sich ausgesprochen freundlich.

    Gebietsabtretungen?
    Putin betont weiterhin, dass er sich nicht aus der Ukraine zurückziehen werde, es sei denn, Russland erhalte den Donbas – eine Industrieregion, die er bereits seit 2014 beansprucht. Sie steht im Zentrum der aktuellen Sommeroffensive Moskaus. Doch im verbleibenden Teil, der sich unter ukrainischer Kontrolle befindet, leben noch immer rund 200.000 Zivilisten. Zudem verbietet die ukrainische Verfassung Selenskyj, ohne ein Referendum Territorien abzutreten.

    Dennoch, so berichtet die US-Presse, sei klar, dass das Thema besprochen wurde. „Danke übrigens für die Karte“, sagte Selenskyj vor laufenden Kameras. Nicht gesagt wurde, wer die Karte gezeichnet hatte – oder was genau darauf zu sehen war.

    Schutz vor Russland
    Was braucht die Ukraine, um sich sicher zu fühlen? „Alles“, sagte Selenskyj. Er zählte Waffen, Truppen, Ausbildung und Geheimdienstinformationen auf. Trump wich der Frage aus, ob amerikanische Soldaten Teil einer künftigen Friedenstruppe sein könnten. Doch nach monatelanger Kritik an seinem Vorgänger, dieser habe Milliarden zur Verteidigung der Ukraine ausgegeben, deutete Trump nun an, die USA würden das Land künftig durchaus vor weiteren Invasionen schützen.

    Bei der Runde am Tisch im Oval Office und vor laufenden Kameras, verwiesen mehrere europäische Staats- und Regierungschefs auf Artikel 5 der NATO – das Prinzip, wonach ein Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf alle gilt. Trump erklärte, dass eine entsprechende Regelung für die Ukraine durchaus „NATO-ähnlich“ sein könnte. NATO-Generalsekretär Mark Rutte, ein erklärter Trump-Freund und einer von den acht geladenen Gästen am Montag, nannte diesen Sinneswandel „eine wirklich bedeutende Entwicklung“.

    Die Kämpfe gehen weiter
    Während Selenskyj in Washington eintraf, setzte Russland seine Angriffe auf die Ukraine fort. Bei Luftschlägen am gestrigen Tag wurden mindestens 14 Menschen getötet, darunter zwei Kinder. Dennoch äußerte sich Trump zögerlich, als mehrere seiner europäischen Amtskollegen ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen forderten. „Ich glaube nicht, dass man einen Waffenstillstand braucht“, sagte Trump und verwies darauf, dass seine Verhandlungen zur Beendigung des jahrzehntelangen Konflikts in der Demokratischen Republik Kongo auch ohne Waffenstillstand begonnen hätten. „Ich weiß, dass ein solcher hilfreich sein kann. Aber ich verstehe auch, warum ihn die eine oder andere Seite strategisch nicht will.“

    Später sagte er, „wir alle würden natürlich einen sofortigen Waffenstillstand bevorzugen“, doch Putin und Selenskyj müssten das untereinander regeln. „Zum jetzigen Zeitpunkt passiert das nicht.“

    Wie geht es weiter?
    Trump kündigte an, die Präsidenten der Ukraine und Russlands bald an einen Tisch bringen zu wollen. „Wenn Sie wollen, nehme ich an dem Treffen teil“, sagte er zu Selenskyj. „Die Ukraine wird glücklich sein, wenn Sie dabei sind“, erwiderte dieser. Es wäre das erste persönliche Treffen der beiden Kontrahenten seit 2019 – drei Jahre vor dem russischen Überfall auf die Ukraine. „Wenn wir ein trilaterales Gespräch zustande bringen“, sagte Trump, „besteht eine gute Chance, das Ganze vielleicht zu beenden.“

    Noch während Selenskyj und die Europäer im Weißen Haus weilten, rief Trump Putin an, um ihn über den Verlauf der Gespräche zu informieren. Nach dem Abschied der europäischen Delegationen, so Trump, wolle er nochmals mit Putin sprechen. Sollte es dazu kommen, wäre der russische Präsident erneut der Letzte, dessen Stimme Trump in dieser Sache im Ohr hat.


    Weitere wichtige Meldungen

    • Gaza: Hamas hat laut offiziellen Angaben einem neuen Waffenstillstand zugestimmt, der die Freilassung israelischer Geiseln und palästinensischer Gefangener vorsieht.
    • Technologie: Die Trump-Regierung erwägt, einen zehnprozentigen Anteil an Intel zu übernehmen – im Rahmen eines staatlich gestützten Rettungsplans für den angeschlagenen US-Chiphersteller.
    • Spanien: Mehrere europäische Länder entsandten Feuerwehrkräfte und Ausrüstung zur Unterstützung beim Kampf gegen 23 außer Kontrolle geratene Brände, insbesondere im Nordwesten Spaniens.
    • Bolivien: Der zentristische Senator Rodrigo Paz gewann die erste Runde der Präsidentschaftswahl – das Ende von 20 Jahren sozialistischer Vorherrschaft zeichnet sich ab.
    • Kenia: Eine zehnjährige Studie ergab, dass die Auszahlung von 1.000 Dollar an arme Familien die Säuglingssterblichkeit um fast die Hälfte senkte.
    • Klima: Die Trump-Regierung reagierte mit scharfer Kritik auf eine Prognose der führenden Weltenergieagentur, wonach Öl und Gas ihren globalen Höhepunkt noch vor Ende des Jahrzehnts erreichen könnten.

    Autor: P. Tiko

  • Putin auf dem roten Teppich – aber ohne Zugeständnisse

    Putin auf dem roten Teppich – aber ohne Zugeständnisse

    Trumps Gipfeltreffen mit Russlands Präsident endet ohne Fortschritt im Ukraine-Konflikt

    Mit viel Pomp und Pathos empfing US-Präsident Donald Trump am 15. August 2025 den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf dem US-Militärstützpunkt Joint Base Elmendorf-Richardson in Anchorage, Alaska. Es war das erste persönliche Zusammentreffen der beiden Staatschefs seit 2019 – und doch mehr Inszenierung als Inhalt. Nach dreistündigen Gesprächen endete der Gipfel ohne konkrete Ergebnisse. In der zentralen Frage – einem Waffenstillstand oder gar einem Friedensabkommen für die Ukraine – blieb das Treffen substanzlos.

    Symbolik statt Substanz

    Der Ort des Treffens war nicht zufällig gewählt: Anchorage, militärisches Drehkreuz im Pazifikraum, unterstreicht Trumps Botschaft außenpolitischer Stärke. Der Empfang Putins war demonstrativ staatsmännisch – mit Überflügen von F-22-Kampfjets und einem B-2-Bomber. Beide Präsidenten fuhren demonstrativ gemeinsam in der „Beast“-Limousine, ein medienwirksames Signal vermeintlicher Annäherung.

    Doch inhaltlich blieb das Treffen vage. Trump sprach im Anschluss von einem „konstruktiven Austausch“, betonte aber, dass es „noch keinen Deal“ gebe. Putin wiederum sprach von einem „gemeinsamen Verständnis“, vermied aber jeden Hinweis auf konkrete Zugeständnisse – etwa einen Rückzug russischer Truppen oder eine Feuerpause. Stattdessen wiederholte er bekannte Forderungen: die Entmilitarisierung der Ukraine und deren Verzicht auf eine NATO-Mitgliedschaft.

    Kritik von Verbündeten und Betroffenen

    Die internationale Reaktion auf das Treffen fiel verhalten bis kritisch aus. In Kiew reagierte die ukrainische Regierung mit Enttäuschung und Sorge. Präsident Wolodymyr Selenskyj, der nicht in die Gespräche eingebunden war, warnte vor einer neuen russischen Taktik: Gespräche zu nutzen, um Zeit zu gewinnen, während der Krieg im Osten der Ukraine weitergeht.

    Auch innerhalb der NATO herrschte Skepsis. Während einige Mitgliedstaaten auf diplomatische Bewegung hofften, warnten andere davor, Putin Legitimität zu verschaffen, ohne dafür substanzielle Gegenleistungen zu erhalten. Trump, so der Tenor vieler westlicher Beobachter, habe eine Bühne geboten – ohne politisches Ergebnis.

    In den USA selbst fiel das Echo gespalten aus. Einige republikanische Stimmen lobten Trumps diplomatische Initiative und seine Bereitschaft zum Dialog. Andere – darunter ehemalige Militärs und Sicherheitsberater – warnten vor einem gefährlichen Signal: Russland werde als gleichwertiger Partner behandelt, während es weiterhin gegen internationales Recht verstoße.

    Der Gipfel im geopolitischen Kontext

    Trumps Außenpolitik folgt seit seiner Wiederwahl 2024 einer einfachen Prämisse: Stärke durch persönliche Diplomatie. Bereits im Februar hatte er bei einem Treffen in Saudi-Arabien mit arabischen Staaten für ein schnelles Ende des Ukraine-Kriegs geworben. Auch dort blieb der Ertrag mager. Die Gespräche in Alaska reihen sich ein in diese Strategie, die stark auf symbolische Bilder setzt – aber bislang kaum greifbare Resultate hervorgebracht hat.

    Putin hingegen nutzte das Treffen zur Rehabilitierung auf der internationalen Bühne. Nach Jahren der diplomatischen Isolation erschien er wieder als Gesprächspartner auf Augenhöhe mit dem US-Präsidenten – eine Wirkung, die sich innenpolitisch wie außenpolitisch ausnutzen lässt. Dabei konnte er seine Maximalforderungen wiederholen, ohne nennenswerte Konzessionen zu machen.

    Die USA und ihre Verbündeten stehen damit vor einem Dilemma: Gespräche sind notwendig, doch sie dürfen nicht dazu führen, dass völkerrechtswidriges Handeln de facto akzeptiert oder belohnt wird. Ein belastbarer Friedensprozess in der Ukraine bleibt ohne Beteiligung Kiews ebenso unrealistisch wie ohne ein Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen – beides war in Anchorage nicht erkennbar.

    Ob ein künftiges Dreiergespräch zwischen Trump, Putin und Selenskyj Bewegung in die festgefahrene Lage bringen kann, ist offen. Klar ist: Ohne politischen Willen zu echten Zugeständnissen auf russischer Seite bleiben auch die nächsten Gespräche bloß Kulisse.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Europa zwischen Alarmbereitschaft und strategischer Kohärenz

    Europa zwischen Alarmbereitschaft und strategischer Kohärenz

    Inmitten der Vorbereitungen zum Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Wladimir Putin am 15. August 2025 in Alaska steht Europa vor einer geopolitischen Zerreißprobe. Die EU-Staaten, allen voran Frankreich unter Präsident Emmanuel Macron, setzen sich vehement dafür ein, dass die Ukraine und Europa selbst nicht nur Mit-, sondern entscheidende Akteure jeder Friedenslösung sein müssen. Die Forderung lautet: Keine Entscheidung über die Ukraine ohne die Ukraine – und schon gar nicht im Tausch gegen russische Gebietsgewinne. Diese Haltung kontrastiert deutlich mit Trumps angedeuteter Bereitschaft, über einen „territorial swap“ zu verhandeln, was in Europa auf entschiedenen Widerstand stößt.

    1. Der Gipfel – Hintergrund und globale Bedeutung Donald Trump und Wladimir Putin werden sich am 15. August in Alaska zu Gesprächen treffen – das erste bilaterale Aufeinandertreffen seit 2019 und das erste Treffen eines US-Präsidenten mit Putin seit 2021. Der Ort Alaska, einst russisches…

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