Schlagwort: Astronomie

  • Wenn der Mond rot glüht und das Netz durchdreht

    Wenn der Mond rot glüht und das Netz durchdreht

    Der Himmel färbt sich dunkelrot. Menschen zücken ihre Smartphones, fotografieren den Mond, posten Bilder, kommentieren, diskutieren. Für Astronomen zählt dieses Schauspiel zu den schönsten Routinen des Kosmos. Für Verschwörungserzähler hingegen beginnt genau hier eine ganz andere Geschichte.

    Eine Geschichte voller Andeutungen.

    Und voller Fantasie.

    Immer dann, wenn Krisen die Welt erschüttern, taucht eine alte menschliche Gewohnheit auf: der Blick nach oben. Der Himmel dient plötzlich als Projektionsfläche für irdische Ängste. Krieg, geopolitische Spannungen, nervöse Märkte, Drohgebärden zwischen Staaten – all das erzeugt Unsicherheit. Und Unsicherheit liebt einfache Erklärungen.

    Eine totale Mondfinsternis liefert dafür geradezu perfektes Material.

    Der Ausdruck „Blutmond“ klingt dramatisch, fast biblisch. Genau diese emotionale Wucht macht ihn so attraktiv für Geschichten, die weniger mit Astronomie als mit Symbolik zu tun haben. In sozialen Netzwerken verbreitete sich kürzlich eine Erzählung, die einen Zusammenhang zwischen einer solchen Mondfinsternis und militärischen Spannungen rund um Iran, Israel und die USA konstruiert.

    Ein roter Mond am Himmel.

    Und angeblich ein verborgenes Signal der Mächtigen.

    Klingt filmreif, oder?

    Doch schauen wir genauer hin.

    Die Theorie folgt einem uralten Muster: Zwei Ereignisse liegen zeitlich nahe beieinander. Daraus bastelt jemand eine Verbindung. Ein kosmisches Ereignis hier, politische Entscheidungen dort – und plötzlich entsteht eine scheinbar große Erzählung.

    Man sammelt Daten.

    Geburtsdaten von Staatschefs. Frühere Mondfinsternisse. Religiöse Symbole. Astrologische Deutungen.

    Dann beginnt die kreative Montage.

    Aus losem Material formt sich ein Narrativ. In diesem Narrativ richten Politiker ihre Entscheidungen angeblich nach Sternenständen oder geheimen okkulten Ritualen aus. Der Krieg erscheint nicht mehr als Ergebnis politischer Interessen oder strategischer Kalkulation, sondern als Teil eines kosmischen Drehbuchs.

    Das Ganze wirkt fast wie ein Netflix Thriller.

    Nur ohne Realität.

    Die eigentliche Erklärung wirkt dagegen erstaunlich unspektakulär. Eine totale Mondfinsternis entsteht, sobald Sonne, Erde und Mond in einer Linie stehen. Die Erde schiebt sich zwischen Sonne und Mond. Direktes Sonnenlicht erreicht den Mond nicht mehr.

    Ganz dunkel bleibt er dennoch nicht.

    Ein Teil des Lichts streift durch die Erdatmosphäre, wird dort gebrochen und gefiltert. Kurzwelliges blaues Licht verschwindet stärker, während rötliche Anteile übrig bleiben. Dieses Restlicht taucht die Mondoberfläche in einen warmen Kupferton.

    Ein optischer Effekt.

    Kein kosmischer Befehl.

    Astronomen kennen dieses Schauspiel seit Jahrhunderten. Teleskope, Berechnungen, Himmelsmechanik – alles passt präzise zusammen. Jede Mondfinsternis lässt sich Jahrzehnte im Voraus berechnen.

    Mystik bleibt da kaum übrig.

    Trotzdem wirken solche Bilder mächtig. Ein roter Mond über einer angespannten Weltlage. Das weckt Emotionen. Und Emotionen treiben die Dynamik sozialer Netzwerke an.

    Ein nüchterner geopolitischer Analyseartikel erzielt selten Millionen Klicks.

    Ein dramatisches Video über „geheime Zeichen am Himmel“ dagegen schon.

    Die digitale Öffentlichkeit funktioniert oft wie eine Bühne. Inhalte, die starke Bilder liefern, setzen sich leichter durch. Genau hier liegt das Geheimnis vieler Verschwörungsgeschichten: Sie verwandeln komplizierte Realität in leicht konsumierbare Dramaturgie.

    Die echte Welt dagegen wirkt unerquicklich komplex.

    Internationale Konflikte entstehen aus Interessen, historischen Spannungen, wirtschaftlichen Rivalitäten, militärischen Strategien und ideologischen Gegensätzen. Diplomatische Fehlentscheidungen spielen ebenfalls eine Rolle. Machtpolitik, Ressourcenfragen, regionale Bündnisse – alles greift ineinander.

    Das ergibt kein einfaches Drehbuch.

    Kein Symbol.

    Kein einzelnes Zeichen am Himmel.

    Und genau deshalb wirkt die kosmische Erklärung so verführerisch. Sie ersetzt komplexe Politik durch ein klares Bild: Der Mond wird rot, also kündigt sich Krieg an.

    Fertig.

    Die Psychologie liefert Hinweise, weshalb solche Geschichten zünden. Forschende sprechen von „illusorischer Musterwahrnehmung“. Menschen erkennen Verbindungen, selbst wenn keine existieren.

    Das Gehirn liebt Muster.

    Es sucht ständig nach Ordnung. In chaotischen Zeiten intensiviert sich dieser Drang. Bedrohliche Nachrichten, wirtschaftliche Sorgen oder politische Unsicherheit verstärken das Bedürfnis nach Struktur.

    Eine einfache Erzählung beruhigt.

    Selbst dann, wenn sie falsch ist.

    Ein roter Mond erfüllt diese Rolle perfekt. Das Bild wirkt stark, emotional, fast archaisch. Kulturen rund um den Globus verbanden Himmelsereignisse schon vor Jahrhunderten mit Schicksal, Göttern oder Vorzeichen.

    Die heutige Version dieser Tradition spielt sich allerdings nicht mehr auf Dorfplätzen oder in Tempeln ab.

    Sie spielt sich auf TikTok ab.

    Oder auf YouTube.

    Oder in Telegram Gruppen.

    Dort mischen sich Spiritualität, Popkultur, Politik und Internetästhetik zu einem neuen Stil des Erzählens. Manche nennen das digitale Mythologie. Andere sprechen schlicht von moderner Verschwörungskultur.

    Die Mechanik bleibt erstaunlich ähnlich.

    Ein Video zeigt dramatische Musik. Eine Mondaufnahme. Ein paar historische Daten. Dazu eine Stimme, die Zusammenhänge suggeriert.

    „Schaut genau hin.“

    „Alles hängt zusammen.“

    „Nichts passiert zufällig.“

    Solche Sätze erzeugen eine Atmosphäre geheimen Wissens. Zuschauer fühlen sich plötzlich Teil einer kleinen Gruppe, die angeblich mehr versteht als der Rest der Welt.

    Das wirkt ziemlich schmeichelhaft.

    Und, ganz ehrlich, auch ein bisschen aufregend.

    Denn wer möchte nicht gern hinter die Kulissen blicken?

    Genau hier verschwimmt die Grenze zwischen Spiritualität, Symboldeutung und klassischer Verschwörungserzählung. Viele dieser Geschichten behaupten gar nicht mehr direkt, Regierungen würden die Wahrheit verbergen. Stattdessen tauchen Begriffe wie „Erwachen“, „kosmische Zeichen“ oder „verborgene Zyklen“ auf.

    Der Ton klingt sanfter.

    Die Struktur bleibt identisch.

    Eine kleine Gruppe erkennt angeblich den großen Plan. Der Rest der Gesellschaft gilt als blind oder manipuliert. Diese Denkfigur taucht in zahlreichen Verschwörungstheorien auf – nur die Verpackung verändert sich.

    Manchmal wirkt sie politisch.

    Manchmal mystisch.

    Manchmal esoterisch.

    Doch die Grundidee bleibt: Die Welt folgt einem geheimen Muster, das nur wenige verstehen.

    Dabei lässt sich gerade bei politischen Konflikten ziemlich gut beobachten, wie banal viele Entscheidungen entstehen. Regierungschefs reagieren auf innenpolitischen Druck. Militärs verfolgen strategische Interessen. Diplomaten versuchen Schaden zu begrenzen. Geheimdienste liefern Analysen.

    Es geht um Macht.

    Um Sicherheit.

    Um Einfluss.

    Nicht um Mondphasen.

    Trotzdem verbreiten sich kosmische Interpretationen rasend schnell. Die Struktur sozialer Plattformen verstärkt diesen Effekt. Algorithmen belohnen Inhalte, die starke Reaktionen auslösen. Emotionale Beiträge erreichen größere Reichweite.

    Angst.

    Staunen.

    Empörung.

    All das erzeugt Klicks.

    Ein nüchterner Hinweis auf astronomische Physik dagegen wirkt eher wie ein Glas Wasser auf einer Pyrotechnik Show.

    Nicht besonders spektakulär.

    Das führt zu einem paradoxen Effekt: Je dramatischer eine Behauptung klingt, desto größer ihre Sichtbarkeit. Die Aufmerksamkeit wandert zu den lautesten Stimmen. Und dort entstehen immer neue Geschichten.

    Eine Mondfinsternis wird plötzlich zum geopolitischen Omen.

    Ein Planetentransit zum Zeichen globaler Umbrüche.

    Ein Komet zum Symbol einer angeblichen Zeitenwende.

    Die Fantasie kennt keine Grenzen.

    Manchmal erinnert das an eine moderne Form des Geschichtenerzählens. Früher saßen Menschen am Feuer und deuteten Sternbilder. Heute sitzen sie vor Bildschirmen und schneiden Videos zusammen.

    Die Technik verändert sich.

    Der menschliche Impuls bleibt.

    Doch gerade hier lohnt ein kurzer Realitätscheck. Astronomie zählt zu den präzisesten Wissenschaften überhaupt. Planetare Bewegungen folgen mathematischen Gesetzen. Umlaufbahnen lassen sich exakt berechnen. Raumsonden nutzen diese Berechnungen, um Milliarden Kilometer entfernte Ziele zu erreichen.

    Wenn politische Entscheidungen tatsächlich von Mondfinsternissen abhingen, ließe sich das statistisch leicht erkennen.

    Doch nichts dergleichen taucht auf.

    Kein Muster.

    Keine Korrelation.

    Nur Zufall.

    Der rote Mond bleibt also genau das, was er ist: ein faszinierendes Naturschauspiel. Ein Moment, in dem sich Himmel und Erde in perfekter geometrischer Harmonie befinden.

    Mehr nicht.

    Und trotzdem lohnt sich ein Blick auf die gesellschaftliche Wirkung solcher Geschichten. Sie verändern nämlich die Art, wie Menschen über Politik sprechen. Wenn Ereignisse als Zeichen oder Codes interpretiert werden, rückt die reale Analyse in den Hintergrund.

    Debatten drehen sich dann nicht mehr um Fakten oder Verantwortung.

    Sondern um Symbole.

    Und Symbole lassen sich endlos deuten. Jeder erkennt etwas anderes. Das Gespräch entfernt sich Schritt für Schritt von überprüfbarer Realität.

    Ein seltsamer Nebel entsteht.

    Man könnte fast sagen: eine Art kollektiver Interpretationsrausch.

    Ist das harmlos? Vielleicht manchmal. Schließlich lieben Menschen Geschichten. Mythen gehören zur Kulturgeschichte der Menschheit. Doch im Kontext moderner Informationssysteme erhält diese Dynamik eine neue Dimension.

    Gerüchte verbreiten sich in Sekunden.

    Bilder erreichen Millionen Menschen.

    Und ein roter Mond über einem Krisengebiet wirkt plötzlich wie ein globales Omen.

    Dabei steht er einfach nur am Himmel.

    Still.

    Ruhig.

    Ganz ohne politische Botschaft.

    Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Ironie. Während Menschen hektisch Bedeutungen hineininterpretieren, zieht der Mond gelassen seine Bahn. Milliarden Jahre kosmischer Mechanik kümmern sich nicht um menschliche Dramen.

    Der Mond kommentiert keine Konflikte.

    Er beobachtet sie nur.

    Ein Gedanke, der zugleich beruhigend und ernüchternd wirkt.

    Also lohnt sich beim nächsten Blutmond ein kleiner Perspektivwechsel. Statt nach versteckten Botschaften zu suchen, genügt ein kurzer Moment des Staunens. Ein Blick nach oben. Ein paar Minuten Ruhe.

    Der Himmel liefert genug Schönheit.

    Ganz ohne geheime Codes.

    Und vielleicht stellt sich dann eine einfache Frage: Warum fällt es manchmal so schwer, Dinge einfach so zu akzeptieren, wie sie sind?

    Die Antwort liegt vermutlich tief in unserer Natur. Menschen erzählen Geschichten. Seit Jahrtausenden. Geschichten über Sterne, Götter, Schicksal und Zeichen.

    Heute entstehen diese Geschichten in Kommentarspalten.

    Morgen vielleicht wieder irgendwo anders.

    Der rote Mond dagegen zieht weiter seine Bahn.

    Ganz entspannt.

    Fast so, als würde er über unsere Interpretationen schmunzeln.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Der Himmel über der Bretagne – ein Hauch von Lappland

    Der Himmel über der Bretagne – ein Hauch von Lappland

    Manchmal genügt eine einzige Nacht, um geografische Gewissheiten außer Kraft zu setzen. In der Nacht vom 19. auf den 20. Januar leuchtete der Himmel über der Bretagne in Farben, die man eher jenseits des Polarkreises verortet hätte. Grün, Rot, Orange. Der Norden rückte näher, Lappland schien plötzlich nur einen Blick weit entfernt.

    Was die staunenden Beobachterinnen und Beobachter erlebten, war kein optischer Trick und keine Laune der Kameraobjektive. Eine außergewöhnlich starke Sonnensturmfront traf auf das Magnetfeld der Erde – Stärke vier von fünf, das heftigste seit mehr als zwei Jahrzehnten. Geladene Teilchen aus dem Inneren unserer Sonne prallten auf die Atmosphäre, regten Sauerstoff und Stickstoff zum Leuchten an. In großer Höhe färbte sich der Himmel rot, weiter unten schimmerte er grün. Physik, die wie Magie wirkte.

    In der Bretagne standen Menschen an Häfen, auf Feldern, auf windgepeitschten Klippen und blickten nach oben, als hätte jemand einen Vorhang zur Seite gezogen. Der Filmemacher Nicolas Charles war mit seiner Tochter unterwegs. Eigentlich, so sagt er, habe er diesen Traum immer mit einer Reise in den hohen Norden verbunden. Nun erfüllte er sich vor der eigenen Haustür. So kann das Leben sein: Man plant jahrelang, und dann kommt der Himmel einem zuvor.

    Das Leuchten blieb kein bretonisches Privileg. Von der westlichen Küste zog sich das Schauspiel bis in die Provence, wo eine Kapelle auf Fotografien wie aus einem Meer aus Glut emporragte. Selbst hoch oben in den Alpen schnallten sich Unerschrockene die Skier an, um in klirrender Kälte einen Blick auf den tanzenden Himmel zu erhaschen. Frankreich, ein einziges Planetarium unter freiem Himmel.

    Besonders eindrücklich waren die Szenen aus dem Finistère. In einem kleinen Hafen beobachtete eine Familie das Farbenspiel, als würde das Licht selbst den Weg vom Land hinaus aufs Meer finden. Morgan Le Moigne aus Clohars-Carnoët beschreibt das Erlebnis mit jener Mischung aus Staunen und Ungläubigkeit, die solche Nächte hinterlassen. Die Landschaft sei ohnehin schön, sagt sie, doch mit diesen Farben, diesen sich ständig wandelnden Lichtbündeln, werde sie plötzlich entrückt. Kurz: absolut irre.

    Auch Alix Spieth, ebenfalls aus Clohars-Carnoët, spricht von einer Leidenschaft, die sonst meist weit entfernt gestillt wird. In der Laponie, dort oben, seien die Polarlichter majestätisch. Sie nun hier zu sehen, selten, unerwartet, das treffe einen mitten ins Herz. Da steht man, friert ein wenig, vergisst die Zeit – und denkt sich: Genau dafür lohnt es sich, nachts wach zu bleiben.

    Am Abend des 20. Januar ließ die Intensität des Sonnensturms nach. Die Astronomen atmeten auf, Satelliten und Stromnetze blieben verschont. Doch der Himmel hielt sich eine Hintertür offen. Bei klarem Wetter, so die Hoffnung, könnten weitere Polarlichter folgen. Vielleicht schwächer, vielleicht flüchtiger. Aber selbst ein kurzer Gruß aus dem Norden genügt manchmal, um einen Winterabend unvergesslich zu machen.

    Autor: C.H.

  • Tag- und Nachtgleiche: Vom mythischen Adler bis zur weißen Friedenstaube des Orion – einige Gedanken

    Tag- und Nachtgleiche: Vom mythischen Adler bis zur weißen Friedenstaube des Orion – einige Gedanken

    Am 22. September 2025, exakt um 20.19 Uhr, tritt sie ein: die Tag- und Nachtgleiche. Ein uraltes kosmisches Ereignis, das Menschen seit Jahrtausenden fasziniert und inspiriert. Der Moment, in dem Licht und Dunkelheit im Gleichgewicht stehen, war für frühe Hochkulturen weit mehr als ein astronomische…

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  • Der 17. September in der Geschichte: Wendepunkte und Veränderungen weltweit und in Frankreich

    Der 17. September in der Geschichte: Wendepunkte und Veränderungen weltweit und in Frankreich

    Manchmal ist es ein Datum, das viele unterschiedliche Ereignisse verbindet, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben. Der 17. September ist eines dieser Tage. In verschiedenen Epochen der Geschichte markierte er Wendepunkte – in Frankreich ebenso wie weltweit.

    1. Die Schlacht von Saratoga beginnt (1777)

    An einem 17. September begann in den USA eines der bedeutendsten Kapitel des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Die erste Schlacht von Saratoga läutete den Anfang vom Ende der britischen Vorherrschaft über die nordamerikanischen Kolonien ein. Die Briten unter General Burgoyne sahen sich mit den Truppen der Aufständischen unter General Gates konfrontiert.

    In den darauffolgenden Wochen eskalierten die Kämpfe, und es war letztlich die Schlacht von Saratoga, die Frankreich überzeugte, offen auf Seiten der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung einzugreifen. Ohne diesen französischen Beistand wäre die Revolution wohl gescheitert – Frankreich spielte hier also indirekt eine bedeutende Rolle. Die Folgen dieser Entscheidung sollten sich nicht nur in der Neuen Welt, sondern auch in Europa bemerkbar machen.

    2. Die Verfassung der Vereinigten Staaten wird verabschiedet (1787)

    Genau zehn Jahre nach dem Beginn der Schlacht von Saratoga trat die neu geschaffene Verfassung der USA am 17. September 1787 in Kraft. In Philadelphia hatten sich Delegierte aus den dreizehn Bundesstaaten zusammengefunden, um die Grundpfeiler einer neuen Regierung zu legen. Diese Verfassung gilt bis heute als eines der grundlegendsten Dokumente der Demokratie und inspirierte viele andere Länder – darunter auch die erste Verfassung Frankreichs nach der Revolution 1789.

    Interessant ist, dass die französischen Aufklärer wie Montesquieu und Rousseau stark auf die Verfassungsdiskussionen in den USA einwirkten. Frankreich befand sich zur gleichen Zeit in einer tiefen politischen Krise, die schließlich zur Revolution führen sollte. Der 17. September 1787 markierte also auch den Beginn eines neuen Modells von Regierung, das die Welt nachhaltig veränderte.

    3. Die Schlacht von Voronezh (1943)

    Nicht nur in der fernen Vergangenheit, sondern auch in moderneren Kriegen spielte der 17. September eine Rolle. Während des Zweiten Weltkriegs rückte die Rote Armee 1943 in Voronezh (Russland) gegen die deutschen Besatzer vor. Die Schlacht von Voronezh war Teil der größeren russischen Offensive nach der Niederlage der Deutschen bei Stalingrad. Sie symbolisierte den stetigen Rückzug der Wehrmacht und das Ende der deutschen Offensive in Russland.

    Warum ist das auch für Frankreich von Bedeutung? Ganz einfach: Frankreich war zu dieser Zeit von der Wehrmacht besetzt, und der Fortschritt der Roten Armee an der Ostfront schwächte die deutschen Streitkräfte erheblich. Dies ermöglichte den Alliierten, ihre eigenen Befreiungspläne für Westeuropa, einschließlich Frankreich, effektiver umzusetzen.

    4. Der Tod von Anastasie de Rabaudy (1827)

    Der Name Anastasie de Rabaudy mag heute kaum bekannt sein, aber sie spielte in der Restaurationszeit in Frankreich eine bemerkenswerte Rolle. Am 17. September 1827 starb die adlige Schriftstellerin und Verlegerin, die sich in einer von Männern dominierten Welt durch ihre politischen Essays und gesellschaftskritischen Schriften einen Namen gemacht hatte. Sie war eine der ersten Frauen, die es wagten, sich öffentlich zu politischen Fragen zu äußern, und trat besonders für die Rückkehr der Monarchie ein. Auch wenn ihr Einfluss nicht mit dem von Männern wie Chateaubriand oder de Staël zu vergleichen ist, gilt sie als Vorläuferin der feministischen Bewegungen des 19. Jahrhunderts in Frankreich.

    5. Operation Market Garden beginnt (1944)

    Ein weiterer Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs: Am 17. September 1944 starteten die Alliierten die Operation Market Garden, eine der größten Luftlandeoperationen der Geschichte. Ziel war es, die Brücken über die großen Flüsse in den Niederlanden zu erobern und so den Weg für die Befreiung Westeuropas – darunter auch Frankreich – zu ebnen. Doch die Operation scheiterte weitgehend an der deutschen Verteidigung, was den Krieg um mehrere Monate verlängerte.

    Frankreich profitierte indirekt von dieser Operation, denn während Market Garden das Hauptaugenmerk auf die Niederlande richtete, konnte die Résistance im besetzten Frankreich weiter an Stärke gewinnen. Schließlich trug dies zur erfolgreichen Landung der Alliierten in der Normandie bei, die wenige Monate zuvor, im Juni 1944, begann.

    6. Das Massaker von Sabra und Schatila (1982)

    Eines der dunkelsten Kapitel des Nahostkonflikts ereignete sich am 17. September 1982 im Libanon. In den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila kam es zu einem Massaker an Palästinensern, das von libanesischen Milizen verübt wurde, während die israelische Armee das Gebiet kontrollierte. Frankreich, das historisch und diplomatisch enge Verbindungen zum Libanon hatte, verurteilte das Massaker scharf.

    Die französische Außenpolitik war zu dieser Zeit stark auf den Nahen Osten fokussiert. Präsident François Mitterrand bemühte sich, die Friedensverhandlungen im Nahen Osten voranzutreiben und die Region zu stabilisieren – doch das Massaker von Sabra und Schatila verdeutlichte, wie fragil die Situation im Nahen Osten war.

    7. Die Entdeckung von Neptun (1846)

    Am 17. September 1846 schloss der französische Astronom Urbain Le Verrier seine Berechnungen zur Existenz eines bisher unbekannten Planeten ab – Neptun. Obwohl der Planet erst am 23. September offiziell entdeckt wurde, war es die bahnbrechende Arbeit Le Verriers, die zur Bestätigung der Existenz des achten Planeten unseres Sonnensystems führte. Es war eine große wissenschaftliche Errungenschaft, die Frankreichs Bedeutung in der Astronomie unterstrich.

    Der 17. September als Spiegel der Geschichte

    Ob Kriege, politische Umbrüche oder wissenschaftliche Durchbrüche – der 17. September hat sich in der Geschichte als Tag von großer Bedeutung erwiesen. Viele dieser Ereignisse mögen auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, doch sie alle markieren entscheidende Wendepunkte.

    In Frankreich zeigt dieser Tag nicht nur die enge Verflechtung mit den USA während der Unabhängigkeitskämpfe, sondern auch die Rolle des Landes in Kriegen, Wissenschaft und Politik. Egal ob 1777 oder 1982 – der 17. September bleibt ein Tag, an dem die Welt nicht stillstand.

  • Der Astronaut Jean-Jacques Favier aus Toulouse ist tot

    Der Astronaut Jean-Jacques Favier aus Toulouse ist tot

    Der Astronaut Jean-Jacques Favier, der sechste Franzose im Weltraum, ist verstorben. Er wohnte in der Nähe von Toulouse und arbeitete bis vor kurzem noch mit Studenten der Ecole des Mines d’Albi und der ISAE-SupAéro an Projekten für Langzeitmissionen auf dem Mond.

    Er war der sechste Franzose, der in den Weltraum flog, und der erste, der die Reise als reiner Wissenschaftler antrat. Jean-Jacques Favier ist jetzt im Alter von 73 Jahren gestorben.

    Favier hatte sich vor mehreren Jahren in Montastruc-la-Conseillère im Departement Haute-Garonne niedergelassen und teilte seine Erfahrungen und sein Wissen mit den Studenten der Ingenieurschulen in Albi und Toulouse.  Insgesamt zehn Franzosen flogen bisher in den Weltraum, Jean-Jacques Favier ist der erste von ihnen, der verstarb. Er wurde bereits am 24. März in der Region Montélimar beigesetzt, aus der seine Frau stammt.

    Jean-Jacques Favier wurde am 13. April 1949 in Kehl, Deutschland, nur einen Katzensprung von Straßburg entfernt geboren. 1971 trat er in die Ecole nationale supérieure d’électrochimie et d’électrométallurgie (ENSEEG) in Grenoble ein. Er promovierte 1977 an der Ecole des mines de Paris in Ingenieurwissenschaften sowie an der Universität Grenoble in Physik und Metallurgie.

    1996 verbrachte Favier 16 Tage im Weltraum
    Als Forschungsingenieur bei der CEA (Commissariat à l’énergie atomique) wurde Jean-Jacques Favier im September 1985 von der französischen Raumfahrtagentur CNES als Experimentalastronaut ausgewählt. Als wissenschaftlicher Leiter des Weltraumofens MEPHISTO, der mehrfach auf dem amerikanischen Space Shuttle flog, wurde er schließlich im September 1992 als Reserve-Astronaut für die Columbia-Mission STS-65 im Juli 1994 ausgewählt. in den Weltraum geflogen ist Favier dann im Jahr 1996.

    1995 wurde Favier als Nutzlastspezialist für das L.M.S.-Experiment (Life and Microgravity Spacelab) auf dem Flug STS-78 der amerikanischen Raumfähre Columbia bestimmt, die das Spacelab-Labor mit sich führte. Vom 20. Juni bis zum 7. Juli 1996 verbrachte er 16 Tage, 21 Stunden und 48 Minuten im Orbit und war damit der erste französische Wissenschaftler, der im Weltraum arbeitete. Während seiner Mission war er für über 30 physikalische Experimente verantwortlich und nahm als Versuchsperson an einem Dutzend physiologischer Experimente teil.

    Nach seiner Karriere als Astronaut engagierte sich Jean-Jacques Favier in der Forschung und im Bildungswesen. Er trug insbesondere zur Zusammenarbeit zwischen dem Institut Clément Ader-Albi (ISAE SupAero, Ecole des Mines Albi) und dem CNES-Team bei, das für das Projekt SpaceShip FR zuständig ist, dessen Ziel die Entwicklung von Technologien zur Vorbereitung einer zukünftigen Mond- und/oder Marsbasis ist. Er war außerdem Ehrenprofessor an der IMT Mines Albi. Jean-Jacques Favier war Ritter der Ehrenlegion.

  • Sternschnuppen, Supermond, Saturnringe… was man im August am Himmel beobachten kann

    Sternschnuppen, Supermond, Saturnringe… was man im August am Himmel beobachten kann

    Der August 2022 wird reich an Himmelsphänomenen sein. Halten Sie Ihr Teleskop bereit und planen Sie Ihre Abende um nichts zu verpassen.

    Der August ist mit Abstand der beste Monat des Jahres, um den Himmel über Frankreich und Mitteleuropa zu beobachten. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum jedes Jahr im August in ganz Frankreich die traditionellen Sternennächte veranstaltet werden. Sie finden dieses Jahr vom 5. bis 7. August statt. Mehrere Himmelsphänomene sollen in den nächsten 30 Tagen stattfinden.

    Die Perseiden
    Der Sternschnuppenregen der Perseiden ist zwischen dem 20. Juli und dem 25. August zu sehen. Der Höhepunkt seiner Aktivität findet in diesem Jahr in der Nacht vom 12. auf den 13. August statt. Dieses berühmte astronomische Phänomen ist mit bloßem Auge zu sehen. Pro Stunde sind etwa 100 Meteore zu erwarten. Um Ihre Chancen auf eine Beobachtung zu maximieren, sollten Sie sich möglichst weit von dem Licht der Städte entfernen. Auch wenn der Himmel wahrscheinlich wolkenlos sein wird, kann allerdings der Vollmond die Chance, viele Meteore zu sehen, etwas schmälern.

    Ein Supermond
    Eine gute Nachricht kommt selten allein und in dieser berühmten Nacht vom 12. auf den 13. August findet der „Supermond der Störe“ statt. Es handelt sich dabei um den letzten Supermond des Jahres. Es handelt sich um einen Vollmond, der um 7% größer und 14% heller erscheint als ein gewöhnlicher Vollmond. Er wird diesmal zu Ehren der amerikanischen Ureinwohner „Stör-Supermond“ genannt, weil „es in dieser Zeit des Sommers leicht war, den größten Süßwasserfisch, den Stör, in den großen Seen Nordamerikas zu fangen“, erklärt die Website Star Walk.

    Der Saturn
    Der Riesenplanet mit seinen Ringen wechselt am 14. August in die Opposition, d. h. er wird mit „nur“ 1,32 Milliarden Kilometern Abstand von unserem Planeten von der Sonne abgewandt sein. Es wird leichter sein, ihn zu beobachten, da der Himmel dunkler sein wird. Zu diesem Zeitpunkt ist er der Erde in seiner Umlaufbahn am nächsten. Mit einem einfachen Fernglas können Sie die Ringe des Sterns schon jetzt erkennen.

    Sternschnuppenregen der Kappa-Cygniden
    Ein Sternschnuppenregen wird im August den Himmel erhellen: die Kappa-Cygniden. Das ereignet sich zwischen dem 5. und 25. August. Das Aktivitätsmaximum ist am 17. August zu beobachten. Im Vergleich zu den Perseiden ist das Spektakel aber weniger auffällig, da „nur“ drei Meteore pro Stunde zu erwarten sind.

  • Planeten, Sterne, Supermond, Perseiden… was kann man wo in diesen Sommer am Himmel beobachten?

    Planeten, Sterne, Supermond, Perseiden… was kann man wo in diesen Sommer am Himmel beobachten?

    Viele Menschen lieben es, den Himmel und die Sterne zu beobachten. Hier die wichtigsten Terminen in diesem Sommer, um den Himmel zu beobachten.

    Der Sommer ist eine perfekte Zeit, um sich in der Astronomie zu üben. Der Himmel ist klar, die Nächte sind warm und die astronomischen Phänomene sind zahlreich – alles gute Gründe, um die Nacht draußen zu verbringen und die Sterne zu beobachten.

    Im Juni 2022 fand bereits eine „große Planetenkonstellation“ statt, aber das war nicht das einzige Phänomen, das man in diesem Sommer am Himmel beobachten konnte. Halten Sie also Ihre Augen offen, denn die Termine sind recht zahlreich.

    Zunächst einmal können Sie ab Mittwoch, dem 13. Juli, einen sogenannten Supermond sehen. Das Nachtgestirn wird dann der Erde sehr nahe sein, und es wird möglich sein, ihn größer und heller als üblich zu sehen. Um ihn unter den besten Bedingungen zu beobachten, sollten Sie auf klares Wetter hoffen und sich so weit wie möglich von der Lichtverschmutzung der Großstädte entfernen.

    Dieses Jahr wird die beste Sternschnuppennacht wieder im August stattfinden. Der Sternschnuppenregen der Perseiden wird vom 20. Juli bis zum 25. August zu sehen sein, mit dem Höhepunkt der Aktivität in der Nacht vom 12. auf den 13. August. Ein Teleskop oder Fernglas ist nicht erforderlich. Die Sternschnuppen werden mit einer Geschwindigkeit von fast 50 km pro Sekunde über den Himmel ziehen.

    Wer gut ausgerüstet ist, sollte am Samstag, dem 16. Juli, das Teleskop herausholen, um eine Konjunktion (Annäherung zweier Himmelsobjekte) zwischen Saturn und Mond zu beobachten. Am 19. Juli schiebt sich der Saturn direkt unter den Jupiter und am 26. Juli steht die Venus unter dem Mond. Am 14. August schließlich können Sie Saturn sehr nah an der Erde beobachten und sogar hoffen, seine Ringe erkennen zu können.

    Okzitanien ist eine der Regionen, in denen es am ehesten gelingt, die Sterne zu beobachten. Die südfranzösische Region beherbergt nämlich zwei der drei internationalen „Reservate des Sternenhimmels“ in Frankreich: den Nationalpark der Cevennen und den Pic du Midi de Bigorre. Der Parc National des Cévennes ist das größte internationale Sternenhimmelreservat Europas.

  • Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn bilden ab dem Wochenende eine seltene Konstellation

    Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn bilden ab dem Wochenende eine seltene Konstellation

    Fünf Planeten werden am Wochenende des 4. und 5. Juni vor Sonnenaufgang am Himmel zu sehen sein und bieten Himmelsbeobachtern die Gelegenheit, eine seltene Konstellation von Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn mit bloßem Auge zu sehen.

    Ab Freitag, dem 3. Juni, und den ganzen Monat Juni über werden Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn in einer Reihe ausgerichtet erscheinen. Merkur, der der Sonne am nächsten steht, wird am tiefsten am Horizont erscheinen, und Saturn wird am höchsten am Nachthimmel stehen.

    Sogar mit dem bloßen Auge sichtbar
    Um den besten Blick auf die Planeten-Konstellation zu erhaschen sollten Himmelsbeobachter in der nördlichen Hemisphäre etwa 30 Minuten vor Sonnenaufgang nach draußen gehen und sich einen Platz aussuchen, von dem aus man einen guten Blick auf den östlichen und südöstlichen Horizont hat. Die gleichen fünf Planeten werden vor Sonnenaufgang auch in der südlichen Hemisphäre zu sehen sein, aber die dortigen Astronomen müssen stattdessen einen Standort mit freiem Blick auf den östlichen und nordöstlichen Horizont wählen.

    Wenn der Himmel klar ist, sollten die Planeten hell genug sein, um sie mit bloßem Auge zu sehen. Merkur allerdings ist zu Beginn des Monats am schwächsten und daher ohne Fernglas etwas schwieriger zu entdecken.