Schlagwort: Arbeitsmarktpolitik

  • Jospins Erbe: Die 35-Stunden-Woche – Frankreichs unvollendetes Sozialexperiment

    Jospins Erbe: Die 35-Stunden-Woche – Frankreichs unvollendetes Sozialexperiment

    Knapp ein Vierteljahrhundert nach ihrer Einführung zählt die 35-Stunden-Woche zu den prägendsten Reformen der jüngeren französischen Wirtschaftsgeschichte. Sie steht exemplarisch für den Versuch, soziale Gerechtigkeit und ökonomische Effizienz miteinander zu verbinden – und offenbart zugleich die strukturellen Spannungen, die das französische Modell bis heute durchziehen. Kaum eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme hat die politischen Lager derart nachhaltig polarisiert. Ursprung in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit Ende der 1990er Jahre sah sich Frankreich mit einer hartnäckig hohen Arbeitslosigkeit konfrontiert, die über 10 Prozent lag. Vor diesem Hintergrund setzte die Regierung unter Premierminister Lionel Jospin auf eine aktive Arbeitsmarktpolitik, deren Kernidee ebenso einfach wie ambitioniert war: Arbeit sollte umverteilt werden, um Beschäftigung zu schaffen. Die von Arbeitsministerin Martine Aubry vorangetriebene Reform wurde in zwei Etappen umgesetzt. Die Gesetze von 199…

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  • Weniger Subventionen, mehr Risiko? Frankreichs Lehrlingsmodell vor der Bewährungsprobe

    Weniger Subventionen, mehr Risiko? Frankreichs Lehrlingsmodell vor der Bewährungsprobe

    Über Jahre hinweg galt die Lehrlingsausbildung in Frankreich als arbeitsmarktpolitisches Vorzeigeprojekt. Kaum ein anderes Instrument wurde so stark mit dem Versprechen verbunden, die Jugendarbeitslosigkeit zu senken, den Fachkräftemangel zu lindern und die Reindustrialisierung voranzutreiben. Nun aber leitet die Regierung eine Kehrtwende ein: Die finanziellen Hilfen für Unternehmen werden schrittweise reduziert. Was fiskalisch plausibel erscheint, birgt arbeitsmarktpolitische Risiken – und markiert einen Wendepunkt für das französische Ausbildungsmodell. Der staatlich befeuerte Boom Zwischen 2018 und 2023 hat sich die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge nahezu verdreifacht – von rund 300.000 auf über 850.000 pro Jahr. Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer tiefgreifenden Reform der beruflichen Bildung sowie großzügiger staatlicher Anreize. Im Zentrum stand eine außergewöhnliche Einstellungsprämie für jeden neu eingestellten Auszubildenden. Unternehmen k…

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  • „Jahr ohne Inflation“ – Jahr der sozialen Spannung? Die CGT stellt sich gegen die Budgetpläne der Regierung für 2026

    „Jahr ohne Inflation“ – Jahr der sozialen Spannung? Die CGT stellt sich gegen die Budgetpläne der Regierung für 2026

    Frankreich steuert auf ein Haushaltsjahr der besonderen Art zu – eine sogenannte „année blanche“, ein „weißes Jahr“, in dem Teile der öffentlichen Ausgaben eingefroren werden sollen, ohne Rücksicht auf die Inflation. Was für das Finanzministerium nach Disziplin klingt, ist für die Gewerkschaft CGT nichts weniger als eine soziale Zumutung. Generalsekretärin Sophie Binet warnt vor einer „année noire“, einem schwarzen Jahr für Beschäftigte, soziale Dienste und den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt. Der Streit um den Haushalt 2026 wirft ein Schlaglicht auf die tieferliegenden Konfliktlinien in der französischen Wirtschaftspolitik: zwischen Budgetkonsolidierung und sozialer Gerechtigkeit, zwischen Verteidigungsausgaben und Gesundheitsversorgung, zwischen Steuerpolitik und wachsender Ungleichheit. Austerität durch die Hintertür Die geplante „année blanche“ bedeutet faktisch ein Einfrieren der öffentlichen Ausgaben – de facto also eine Kürzung, wenn man die fortschreitende Inflation b…

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  • Neue Reform der Arbeitslosenversicherung in Frankreich: Sparen auf dem Rücken der Arbeitslosen?

    Neue Reform der Arbeitslosenversicherung in Frankreich: Sparen auf dem Rücken der Arbeitslosen?

    Mitten in einer wirtschaftlich angespannten Lage und vor dem Hintergrund wachsender öffentlicher Ausgaben – insbesondere im Verteidigungsbereich – steht Frankreich vor einer neuen Debatte: Die Regierung plant erneut eine Reform der Arbeitslosenversicherung. Dabei ist die letzte kaum in Kraft – und schon droht die nächste.

    Reformpläne trotz laufender Anpassungen Am 3. April 2025 trafen sich Präsident Emmanuel Macron, Premierminister François Bayrou und Arbeitsministerin Astrid Panosyan-Bouvet im Élysée-Palast. Thema: Die politische Agenda für 2026 – und ganz oben auf der Liste: eine neue Reform der Arbeitslosenversicherung. Das Ziel ist klar formuliert: öffentliche Defizite senken, ohne die dringend nötigen Investitionen in andere Sektoren zu gefährden. Dabei hatte die jüngste Reform – beschlossen am 15. November 2024 – erst Maßnahmen für Einsparungen in Höhe von 2,3 Milliarden Euro zwischen 2025 und 2028 auf den Weg gebracht. Trotzdem scheint das nicht zu reichen.

    Das Haushaltsloch w…

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